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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0365
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Eigene DrahtmelÄung-
^Ni Brrli«. 1. Märr.

NeichLwrrtiKLstsminister Dr. B e ck c r.
des verstorbcnen Ab->. Hammcr im Reichstaa, der
lrbersbach <Dnat. Vv i bat iciii Mandat niedcr-
°>r äMiN-f. » cknrcxnum dcs volkswiitlchaftltchcn AnsichuNcs und dcs

d ^ ii e Vorlage crst am Frcitag crlcdigt werdcn. — Das

» ^ ^ 6 L I e 1z "" ^I, ,T>(r»ir^i"^isLsi'si4ik-r li s,l»i'rni'sc'1,

^klc Än.-x.,-!etzcntwurf. dc>

trd an ten TteucrauLichub üb^rwliicm^

r-lccr,„'-v>-nlwur,. der die Kewcrbe- ü"d Ka i ^^e

>>^ übcx »""a anpasscn will. wnrdc angenommcn. a... Prelle»
ErböSung der Nandcsamtlichen Gcbul^ D-s „o .^1

«,l°?>ät ernent vom Rcichstc.gsauLIwUl! b.r - w Einlvrnch
l'/ ^ E "°?ie stcltlctzuna der S°liiab-i-b - «»! - mttttilt.

d°i?r°Se>>t Drr Nuslchutz schlägt l-St. w»e Dr » " , , ^

iin^">»l>e °°*' und crlucht in eincr EntlchUetznna . , scstzusetzen.

Ä ^ 'ur V-rbilli-mn-l dcs Druckvre>i:s °uf - P °-°n> ^ d-r

chuibiKnt diclcr Abaabc lollcn dcn Üandcrn ,nr V.rül.,aun

»iz, », ---wlcfcn wcrde». Dcr Antrag winbc dann anrenommen.
bcx lv^üiiailictzung. Ter Präsident Ivricht dabei die Hoffnung
- -neichtz^at »nnrnebr dcm Komvromitz in dirssr Form znstim-

äweite Lclung dcs Hanslia''tvlanl's sortgelctzt und

, g!°Se.

" I-S Ha„s »»! ür.ito. 2 U!ir: !.»!»a»,Iril>. Aran-

' Arbeitsloseurerffcherung. — SKlutz 3 Ubr.

der SLreik im GaargehieL.

(Eig. Drahtm.) Der .Streik im Saaracbiet »nd
?r °»n ^ Mosel dauert unvermindert an. Der

'llst-"'^.veror-nsie die Einschränlun,- der Beleuchiung und
Einstellnna der Strasienbeleuch-
ikür °ri>>l!!. .ükt'gebiet ilt die Arbeitslofiaöe't e'ne sehr groüe. die

^ ' n st c lI u n g d « r S t r a ß e n 6 e l e u ch
>?»t« 'ddire-n" ^Eb.et ist die Arbeitslofio'e't e'ne sehr .qros-e. di
«?>ev tn lm- ' ke-annt, daß die Löhne der Berg-
'lis,Da§ nn um einen Franlen täglich verminüert

^cn ^^e-lkomitee protestiert gegen die Eins.ellung von


...

1^? Tel'gi)-„, Aürz. Dem 'diplomatischen Derichterstatter des
E (t an üufolgs wird Poincars möglicherweise einen
l°rd " Hrv-t ritische Regiernng richten, da diesr die
> g ö ?m - bis auf ein Kriegsschiff ron Smrrna ohne

engüische Spannung im OrienL?

»x

' vn<^ 'tteilung anFrankreich zurückzog. Groß-
.^sai^-!'/rnahm nach sran'ösischcr Aufsassung in dieser Frage
s'foi^'Nen R üioang scine Alliierten, ohne Rücksicht auf

5> n/'"il'mqen in dieser Frage, dem gegebenen Beisviel
tii»^Nu;!,n " 'd'esex Beschwerde vsrberc>e sich der Argwohn, dasz
°"!chen -r "orsl-chs, den an-dercn Mächtsn in der Eewinnung
türeundschaft zurorzulommen.

Sie SoffnulißSsreudigen.

ke» '^rj°'„^ März. (Tig. Drahtm.) In den Bnreaus Ler Pariser
viF ^chöftigt man sich nach einer Melvung des „Echo de
d ^!>egl^Vbereitungen für den Fall, daß die Drni
k ^eseni rr e i n m a l verhandlungsrels sem

.», unr6,7 Autzerdem wlll Franlreich

^?»e.t!en, damit die Entmilitarisierung des
,'iz' i? ri l n ufers und der bV-Kilometerzone auf dem rechten
Kei, > Dauer garantiert wird. Mit andercn Worten soll
n.°lili? v-iri, (rch Frankreich dort für die Dauer fest -
Rt ro' vsln Deutschland zu „bcobachten". Nur die Haliung der
§ unsi^'-vng gegenübcr einem solchen Projekt scheint bis
E» d-n hofft man, wsnn erst einmal Franlreich im

^ii>. u.e^^ven i-j^ darongetragen habe, datz dann auch England
^vstj^^^'üglingen, die man Deutschland d'kticren (!) wird,

"V nicht versagen wird.

^lenderung der bayerifchLN Versaffung.

chi'k! diefn'März. (Eig. Drahtm.) Wie zu erwarten war,
(»N^vrt-i ^°re der layerischen Bolksrartei und de-r layer.schen


« c.nnerischen Pvrfas-

irr",! auf'Abänderung der bay ^ Alehrheit >m

Paragravhen bS und ^ ^ nualifiz'erte Mehr-

L' r°^ber doch nicht die dGU noM-Ullge ci Der erste

gelten beide Antrage als abS°^^ungin'r
rtzl^urlnAr.trnge wollte !elanntlrch,d>e uae,

".

' tdatz 'sllr eine Versassungsänderung eine Zwe,-

i»>la der' Sesetzlichen Mitgliedemahl des Hauses norlvcndig
^ "vn Anlrag' verlan-gte e:ne Erschwerung Ler Ein-

""tersiuchungsausschüssen.

^k! ^Üel i ^^^"nuniftische Ausschreltrmgen.

de^uy ' hi?urz. Als die TheaterLesucher nnch der gestrigen Vor-
Ä»? »Fricl^-'rl helmTell" das SLadttheater vcrlietzen, wurde

gy- ^e. Alsdann sormiertcn sich zwei Züge, einci an-
A->i>e 3. Ldjj^viiollalgesinntcn, der andere aus Kommunisten, der
d^iasi^Äe ^ei rote Fahncn mit Sowjetsternen g-hitzt hatte.
iÄ de> L>e- sich hintereinander singend nach der oberen

k>l>?'<k!e »^chub„„?b beim Rathaus zu einem Handgemenge kam, Las
Yi'^vn^er Ml'rel nicht getrennt werden konnte. Erst als poli-
°», Und ,"L)en herankamen, konnten die streitenden Eruppen
^°>er -^rjtreut wcrden. Sechs Personen wurden festgcnom-
«°°r wieder entlassen.

^^derb -"

" i, dg »ur in einem Teil der gestrigen Auslage.)

Aff, StesrrailSfHuß -er LeWtagK.

- und Steuer. — Die Auskunstspflicht Ler Banken.
unserer Verliner Redaktion.


°Ntw!


Verlin, 28. Februar.

üei-i^cr A-,

tz>'>>la >^ieuern„-kL -
Iv^d, db CeleüiT, i' .des Reichstags beendet heute die zwrite
IchhtijKNta.e'°u-n-wur,s üb-r die Berücksichtigung der
den h°n Steuergesetzen, über den be-

N>e»?°N? ^h? i t en erhebliche Meinungsver-

^Ni>-„'oss Mc-»„ '''h^n den einzelnen Parteicn ausgetragen
»k„ 8e /.hnichrisil-r, ^sisverschiedenheiten, die insbesond-ere die Be-
' 'Üan>.° - t der V e r m ög e n,s st e u e r betrasen,, I-nd

)N!a^°nl^''.w°rden.' Jn ^ heutigen Sitzung wurde ein Kom-
^r u^nleih ° .l.?uZ.k!erlichen Parteien angenommen, wonach un
^rw!?^ dei» Aktienwerte usw. vervierfacht weroen sollen.

p«it O-^Nssj^. ^osnpromitzantrag anuenommene Sondertaru sur d,e
Vermöo^t. fest, datz der HLchstst-uersatz von E mcht
vrr.,b» Muber 4V Millionen. sondern erst bel Vermogen
^"er A°'tssts-„'°"en erreicht wird. Bei der Einkommensteuer.
ä t^nrde >"^r, ^ermogcn-steuer, Erbschaftsstcuer und Umsatz-
°Naf ° Steuar"-^ Lesung beschlossene Zuschlag sür ver-
^ Und von smA°''!nng von 1V?L des Rückstandcs im sedcn
aus einen mehr als dreimonatigen Ruckstand

auf 15 bezw. 50erhöht- Zur Frage der Wicderherstellung des
Bankgsheimnisses wurde die Beseitigung des Kundenver-
zeichnisses und des Depotzwanges auch in zweitcr Lesnng
gutgeheitzen, jedoch festgesetzt, datz die Auskunstspslicht
der Banken weit^r bestehen bleibt. Gleichzeitig wurde eine
Entschlietzung angenommen, die dcr Erwartung Ausdruck gibt, datz
das Reichsfinanzministerium verhüten werde, datz Personen, die zur
Verschwiegenheit verpflichiet seien, in Steuer^rmittlungsverfahren
Auskiinfte erteilen müssen, wenn Las Interssse des Reiches das
nicht dringend erfordert. Ein Antrag aller bürgerlichen Parieien,
datz die' Angshürigen der freien Berufs bei der Veranlagung für
1822 2V/? ihres Einkommens, HL-Hstens aber 80 000 Mark. als
Werbungskosten in Abzug bringen können. wurde angeuommcn.

Erklärunge» Dr. Beckers im Haushallungsausschutz.

Von unserer Berliner Redaktion.

Bsrlin, 28. Februar.

! Reichswirtschastsminister Dr. Becker machte im Haushaltungs-
ausschutz des Reichstags gekegentlich der Veratung seines Etats cin-
gehende Mitteilunoen übcr die Frags der Kohlenversorgung
uno des P r e i s a"b La u e s. Er teilte mit, Latz üie Franzosen in
den ersten drei Wochsn 'd-er Ruhrbcsetzuna ungesähr 53 000 Tonnen
Kohle hätten sortschasfen können, eine Menge, die sie var dem
Ruhreinbruch von Deutschland an einem einzigcn Tag erhielten.
Frankreich leide bereits unter einer grotzen Koh'len- und
Koksknappheit, wie man sie in Dsutschland kaum im Kr'.eg
kennen gelernt habe. Der allergrötzte Teil der sranzösischen Hoch-
öfen sei stillgelegt oder zum mindesten eingeschränkt worden. auch
hütten die stanzöstschen Eisenbahnen bereits Jndnstriekohle kesckilag-
nahmen müsscn, um ihren Betrieb ausrecht erhalten zu könncn. Dem-
Menüker sei Deutschland allen Schwierigkeiten Herr
gewordcn und hoffe, es wei 1 er znb! eiben. Was den Preis-
rückgang betrifft, so sei .deutbich zu sehen, datz die Sto'sfe, z>u deren
Herstellung ausländische Rohstofse rerwendrt würden, ihre Prsise
ziemlich rasch gesenkt hätten. Allerdings könne der Preisaöbau
n'cht so schnell erfolgen, w'e Ler DevisenrUckgang sich vollzogen habe,
da auf dem Wege "der Ware zw'schen Erzeuger und Verbraucher
sehr viele Stationen liegen. Dcr Minifler sei bere'ts bei Beginn der
Devifensenkung mit sümtlicken Spitzenrerbänden in Verbin.dung
ge'.r'eten. um einen systematischen Preisabbau zu erz'eleu. Jn diessm
Sinns habe auch der preutzische Handelsmin ster dis Handelsbammern
verständigt. Die Basis für alle Warcnureise bilde jedoch die Preic-
gestaltung der Kohle. die Abhäng'gleit vom Eisen- und Holzmarkt,
sowie die Bergarbeiterlöhne. Die Eisenpreise se'en vor kurzem
ermätzigt worden. Die inländischsu 'Holzpreiss, die in dauern-
der Sle'gung begrif'en seien, habe man durch die Einfuhr aus-
lämd-ischen Holzes gesenct. Ietzt a'er komme es darauf an. di«
Bergarbeiterlöhne auf Lem augenblickl'ichen Stand zu halten.
Eine Lohnerhöhun-g werde allerdings sich als u n o e r m e i d l i ch er-
we'isen. menn der Brotpreis erhöht werden soll. Jm Jnteresse
ciner Vsrmeidung -der Lohnerhöhung und> der sich daraus erge^enden
we'terrn Gestaltung Les allgeme'nen Pre'swiveaus müsse müglichst
der Brotpreis auf erträglicher Höhe gehalten werden.

Auf eine Anfrage aus der Mitte der Versammlung heraus Wer
Len im Jahre 1910 geschlossenen Verlrag zwischen der fran-ösischen
Reg'erung und der Badischen Anilin- und Sodafabrik
er.lärte der Minister, Latz. soweit das Reichswirtschastsministerium
in Tetracht käme, die Re'chsreg.'erung ron diesem Vertrag keine
Kenntnis gehabt habe. — In.Ler Debatte wurde allcjemein
darauf hingewiesen, datz eine Lohnsenkung nur möglich sei,
wenn taisüchlich wsiteie Preissteigerungen der lebens-
wichtigen Vrodukte vermieden werden könnten. Von
so,'-:aldemobratischsr Seit« wurde ein besonders energischer Preis-
abbau gesovdert.

Reichsveirehrsminister Eröner äutzerte sich eingehend LLer

die Tarlfpolitik der CisenLahn.

Die Personentarife könnten nicht als zu hoch angefochten werden.
Die Tarifpolitik gehe dahin, Lie Einnahmen aus dsm Personen-
verkehr in eln der Voririegszeit ungesähr ent'sprschendes Verhäitnis
zu den Einnahmen aus dem Güterverbehr zu bringen. Die Eüter-
tarife hätten durchaus keincn so matzgeblichen Eimflutz auf d-i« Vreis-
Lildnng der Wars'n wie allgemein anzenommen WÜvde. Die Frach-
ten für lebenlnoiwcndige Eüter seien in der lstzten Zeit in grotzem
llmfang ermätzigt worden, so sür Lebensmittel um 15 Prozent. fiir
Kartosfeln um 75—80 Prozent. Die finanzielle Wirkung dieser Matz-
nahme stelle allein nach dem Stand der Tarise vom 15. Februar
eincn jährlichen Einnahmeausfall von 360 Milliarden Mark dar.
Der Miniller wies dckrauf hin, datz der Wert der Kohle gegenüber
1914 jetzt'rund das 13V0V sache Letrage, während die Frachten nur
etwa das 4080sache darstellen. Die Frachten könnien also von so
grotzsr Wichtigleit für die Preisgestaltung nicht sein. Ieden-alls
werüen aber weitere Erhöhungen der Eütertarife
nicht erfolgen, solange Lie Verhältnisse im Ruhrgebiet
nicht zu einem Ergebnis gekommen seien.

In- der Debatte kam zum Ausdruck, datz die Politik der ern-
zelnen Ministerien die Bestrebungen des Wirtschastsministeriums
auf Senkung Ler Preise nicht dürchkreuzen dürfe. Auch Lie Erhöhung
der Kohlenprsise durch den Reichskohlenrat wurde in diesem
Zusammenhang mihbilligt. .

Sir Zküiner Tagmg der SentMaiivvalru

Graf Westarp über autzen- und innerpolitische Fragen.

Von unserer Verliner Redaktion. ^

Berlin, 23. Februar.

In der heutigen Schlutzsitzung des Landesparteitags der Deutsch-
nationalen Volkspartei spräch Eraf Westarp zu Len autzen-
und innerpolitischen Fragen. Er führte aus: D-r Vcr-
sailler Schandvertraa ist von den Franzosen und Bclaiern wte cin
Fetzen Papier zerrissen worden. Er ist null.und n.chtig sür uns.
Die Folgen dcs Nuhreinmarsches für das übrige Dcutschlano stnd
fürchterliche Zerrüttunqen unserer Wirtfchait. Der grötzte Teil
unseres industriellen Vcrmögens ist dahin. Die Landwirischait hat
wohl Rieseneinnahmen an Papiergeld, sie weitz aüer nicht, wie sie
kalkulieren soll, um ihre Betriebe aufrechtzuerhalten. Die letzte
llrsache unseres Elends ist der R e p a r a t i o n s w a h n s i v n,
aegen Len sich unser Hatz in erster Linie zu richien hat.
Schlimmer noch als die wircschajrlichen Folgen sind absr die Folgen,
dis aus Not, Hunger und Elend für die össeniliche OrLnung entsteyen
können: Pliinderungsunruh e »: Revolution, Boljche-
wrsmus. Woraus es jetzt ankommt ist, das Volk zum Willen,
zum Enischlutz, zur Tat aufzurufcn. Sollcn wir warten bis weiisres
Unheil kommt? Auch Kemal Pascha hat das Porzcllan von
Sövres nicht mit e'nsr Stange entzweigsschlagen, an der die Tafel
„Nie wieder Krieg" befestigt war.

Riistet bie Welt nicht ab, so hat Deutschland das Recht,
znrückzukehreu zur allgemcineu Wehrpflicht.

Heute ist es nicht möglich, dem Uebersall im Ruhrrcvier die richiige
Antwort entgegenzusetzcn. Was wir an Wafsen brauchen, feh.t uns.
Datz wir trotzdem nicht wehrlos sind, hat die jüngste Vergangenheit
gezeigt. Die Morgendämmerung ist jetzt angebrochen.
Wir müssen feststellsn, datz die Regierung Euno sich ihrer Ver-
antwortung bewuht ist, wcnn sie auch n cht in a?en P.mktcn
unsern Ansprüchcn gcriügt. Wann sollen w.r vcrhandeln? Die
Räumuitjl des Ruhrgeüiets, sowie Düsseldorss, Duisburgs und Ruhr-
orts genügt nicht, auch das linke Rheinufer mutz gerüumt
werden, ehe von Verhandlungen die Rede sein darf. Sollte, the.re-
tisch genommen, der Reichstag wie im Iuli 1917 umfallen, üann
mützte die Regierung Cuno nicht abtreten, sondern ihren Willen auch
gegen dcn umsallenden Reichstag durch^ühren. Es
könnte sonst leicht se n, datz der Volkswille'n Formen dcr Err grng
annimmt, gegen die der Willen des Rcichstags versagen würoe.

Zusammenstoß auf der Mainzer Kaiserbrkcke.

Mainz, 28. Februar. (Eig. Drahtm.) Aus der Kaiscrürücke
stietz heute der vou Franzosen gesührt« internationale V-Zug nach

Karis mit eknem Eüterzug znsanlmen. Me grotz Ler Sach-
schaden ist und inwieweit Menschen dabei ums Leben gekommen
sind, konnte bisher nicht sestgestellt werden, da Lie Franzosen die
Vrücke in weitestem Umkreise abgcspcrrt habcn.

Ser -eutsch-sranzösjsche SHie-rmicht-hos.

Protest gegen die Ersctzung der Dcutschen durch Ncutrale.

Paris, 23. Febr. ar.

Der deutsche Eeschäststräger ist bcausiragt worden, an die sran-
zösische Rsgierung eine Note zu richten, in der flcgen dis Er»
setzung der deutschen Mi 1 glieder des deuisch-sran.'.üsischen
gemischten Schiedsgerrchtshof durch Neutrale vam
VLlkerbundsrat ernannte Schiedsr'chter Widerspruch erhob-n
und mit Bezug auf die deutsche Manteino.e vcm 1. Februcr noch-
mals eingehenb die Rechtslage dargelegt wird. Es sei in der Tat
weder den jetzigen Rich ern noch üLsrha'!pt einem Dentsch n zuz::»
mutcn, gemeinsam mit französischen Bcanten Berati'ng n zu
pflegen, während d'ie 'fran-.ösische Regicrung die deutschen.Vean t.n
im Rnhrgebiet und Rheiniand vcrfolgen, llustreiben, einkerkcrn ünd
kriegsger'chtlich zu schweren Strafen verurteilcn laste, ars dcm
einzigcn Crunde, weil sie der deutschen Reg'cr:ng die ceschwoicne
Treue hielten. Sinn und Zweck der internationa'en Cchiedss r ch-
ung sei es, die Herrschaft des Recht s»geoen'.iber der Eewalt
zu befestigen, das Gefühl ' d-r internationa l e n Eer e ch-
tigkeit zu stärken und der Versöhnung un er den Völ ern
zu diencn. Ein Wirl n in dies'm Gcistc sei abcr dem deu'sch'ran'ö-
sischcn Schiedsger chishof durch den Einbruch der franzö schen
Truppen in das Ruhrgebiet, die weiteren Eebists'esctzun-en ind
dis sich anschlietzeWen Eewalttaten abaeschnitten. Eins For s tzung
der Schiedstatigkeit unter diesen llmständen wür>:e nicht nur "er
MlSsicht auf Len anderen„Ver:ragss aat w dcrs rechcn. sond'rn wcire
auch mit Ler Mürde dcr Richter selbst unvercinüar. Bei
dem deutsch-sranzösischen Schieds>-erich shof sei e n Rech sstillstand
eingeireten, sür den die französtschs Negieruna die V rantwort mg
Lrage. Die deutsche Regierung erklärt zum Schlutz, datz sie c- n:n
so znsammengesetzten Gerichtshof und scine Entscheidungen nichtels
rechtmätzig anerkennen wird.

Die Aus-ehnung der Vesetzung.

Limburg, 28. Febr. (E.'g. Drahtm.) Nach Ängaben des Land-
ratcamtes D i e z hat die Besatzungsbehörde le'anntzegelen. datz
alle im unbesetzten Geliet liegcnden Or!e des Unter»
taunuskreises, sowest sie im sogenannien Flasckenhals sich
befinden, vom 23. Feüruar ab als besetzt anzuschen sind. — Das
Dorf Flammersfeld an der Strecke Siershahn-Alten-
kirchen wiri nach Mitteilung Ler BesatzungsLehörde am 1. März
mit 100 Mann Lelegt. Drei sranzösische Offiziere Lesichtigten heute
den Vahnhof, währenb sran'ösische Quartiermacher bereits die
Quartiere im Ort vorbereiteten.

A«s aller Welt.

Dss „Gefchäf." auf StaaLskDfts».

Ein anonyrner Briek tetzte vvr einiger Zeit die Wiesbcdener Kriwinal»
volirei in KenntniS, tatz in der Wohnung des Händlcrs Hrinrich Eisen»
bach in der HcrrnmiWgaffe zablreiche Bertwäscbe auic-eitcvrlt !Sse. die
aüs den Bestänüeu des Wicsbadener ReiKSvermögenSamtS st-amme. Die
Pvlizci fanö uicht allein BÄtwüfche en INUSSS in der WoLNlrng vor, sondcrn.
cuch MüL-:l, EärLinen. Drcken und dcrgleichen. Sömtliche Gsgenftänüe
waren Eigentum ües NcichsverulögcusamtcL und von Eiknbach auf un.
rechtmätzige Meise erworben. Einem umfangreichcn Diebstahl. wodurch Las
Deutsche Reich um M'illionen geschädigt, kam man auf die Svur. Bor allcm
wurde sestx-estellt, datz Eiscnbach, ffch nur in den Befftz des wcrtvollen
Gutes zu setzen vernrochte burch bis „Mit.rüeit" von Angestellten deS
Wiesbadener Neichkvermögcnsamtcs. Der Fall beschäftigte die Straf»
kammer. Als Angeklagtc waren erschienen üer Lagerbaltcr und Haus-
mart bei Ler Filiale Biebrich des Wiesbadener Rcichsvcrmögens.'.mtcs,
Fricbrich Schmeisffng, üer Bürotzilfsbcamte bei bcm RcichLverniögcnsamt,
Otto Btock, die Etzcfrau F-riederike Schmcissin» und Eiienbach, die erstcren
wcgen Dicbftatzls, d!c Frau und EisenbaÄ wegen Hrhlcrei. Fricdrich
Schmeisffng, Ler S5 Dahre in tzeamteter Stellung wc.r, wurüe vor Jatzres«
frist aus Meülsntzurg nach Wiestzaden versetzt und itzm dic Stcllc als
Hauswart bei der im Voriahre bcgründeten Kiliale Biebrich deS ReichS»
vcrmögrnsamtes übcrtragcn. Bl-ock, frützer TeÄniker. dc.nn Neichswetzr»
foldat, tzatte dcn Dicnst verlassen nnd als Arbcitsloscr mar cr wieder zu
leincn Eltern zurückgckctzrt. Bald ertzielt cr üie cut doticrtc Stclle bcim
WieStzaücncr NclchSvcriikögenLaMt als BürohilfSi>rbeitcr »nd wurbc itzm
d-ic Führung bes H.'.uvtluches i-berkragcn, in wcichcm sämtlille Lickcrungcn
für üis Besatzungstzehörür Aufnahme fanden. Eine iolch vcrani»
wortungsvolle Arücit wurds cinem ganz ungelernten Mensrtzen überant»
wortct. E i s e n b a ch, srützer Käsetzändlcr, kattc den Handel mit dcr Zcit
auctz au? Mötzel und Wiisck-e ausgedetznt. Er kannt: Block. Dicser, cin
flottcr Burfche, kam mit selncm Getzaltc nicht aus, war in Geldvcrsegen-
tzcit und pumpte destzalk Anfang dcs Jahrcs ty-22 Eisenbach an.
ISVW Emmchen Icgte der Küsetzöndler c.us den TisK des Hauses. als er
aber scin Gcld zurüchfordeyte, tzaperte eS bci Block. Um die Gclder tzcrbci-
zuschafien. machte ffch Block üic auf dem Ncichsvermögensamte fterrschcnbc
unverantwortliche Unordnung, wie StaatSanwalischaitsrat Dr. Weil
wü.tzrend dcr Bertzandlung, bctonte, znnntze. Block bcckte mit Eiienbach
ini Mürz LW2 Len Plan an.S, in .der Filialc Bictzrich Diebitätzlc ans-
zuführcn. Block ffatzl sofvrt öv Gardincn, zwci Borlagcn und z>"ei Sc''"l.
die Eisentzach verkitschte. Tieffr tzatte nun Blvck völlig in dcr Hand. So
ost cö notmenüig war, gingcn Block und Eisenbach nach Biebrich und
tzolten ans den Beständc». ivas nur immer möglich, sväter kaine» üc mit
Pfcrb nnd Wagcn nnd schlietzliitz wnrden die von Licferrntcn au. das
NeichLvermögeysamt gesandten Warrn der' EintaKheit bälbcr direkt vom
Wiesbadener Güterüatzntzoi abgetzolt nnd zu Eiscnbach aelchafst, nackdcin
man die vetreffcndcn Avise in Empfang gcnommen. Sckmcisffng besand
ffch auch in GeldknavpHeit, vor allcm dadurch, weil scine Fämilie noch im
Obotridcnlonde weilte ünd er zwct Haustzaltunen deskalb iützren mutzte.
Er klLgtc dem beffer bezatzl>te'.! Ansestclltcn Block seine Not. 'Dieier wutzte
Nat und empfahl itzm drc ..Mitarbeit" tzei Eiicnback. Schmciiffng willigle
ein «nd trat Ansang Juni 1SS2 auch in Eisenbachs „Dlenste". Nun
sloricrte LaZ „Geschäit". Die Biebricher Filialc muhtc Haare lassen. Ein
Großbetrieb fetzte ein. Magen kamen und gingen, bis ein Anonymus
dem Vetrieb den Garaus machte. Als Frou Schmcisffng nactz Bicbrich
Kberscffcdelt, ertzielt sis als crstes Douceur zetzn B-ttlacken aus ben Be-
ständen des Amies. Als Eisenbach aus seiner Aelle in den Gerichtslaal
verbracht iverden solltc, fand itzn der WLrter an dcr HeizunaZrötzre auf»
gehänst voe. Sofort vorgenommen: Bckebungsosrsuche tzatten Ersolg,
sa datz dcr Selbstmordkandidat ans dcm Bänkelchen Plati netzmen könnte
und durchaus der Bertzandlung zu folgen vermochte. Die Straskammer
vsrurteilte Schmeisffng wegen fvrtgcsctztcn gemeinschaftlichen Diebstätzls zu
einem-Jahr G e s ä n g n i s. ieine nntzlirtze Lae« wirkte inildernd: Block
aus dcmiclben Grirnde zu drci I a tz r c n Kefänenis: Eiscnbach wegen
gcwerbSmütziaer und gewotzn.tzeitsmäßiger Hetzlsrei zn zmei.Jakreir
vier Monaten Zuchitzvu's und fünf Jc.tzren Etzrverlust: Frau SKNieis-
ffng megen Hetzlcrei zu ciner Woche. Nactz Ler Verhanülung flüchtet«
Eifenbach unü ward seit ücm nicht metzr gesehen.

Wicdereinsützrnug dcr Sounnerzeit. Von seiten LcS Ncichsoerbandes
Ler deutichen Jndnstrie ist bcim Ministcr d"s Jnnern die Wiederein-
sührnng Ler Sommerzeit i» diescm Jahr« angeregt worden. Di«
Beratungen übcr dicie Frage schweben zurzcit noch.

Milliarden-Durchftechrrcien im Bcrlincr Zollvackbahnhof. Große Durch-
stvchercien wurben auf dcm Zollvackbabnhof im Berliner Stadtteil ?tlt-
Moabit ansgedcckt. Zwei ausGaltztcn narh Berlin aekommcncn Kauf-
leuten war cö durch Beftcchuna von Hilfsangestellten des Zollvackhofes unü-
oon Angcstellten von Svcditcurcn gclungcn, mit Hilfe vou AuSfutzr-
bc w i l l i g u n a 8 l ctz e i n en, dic itznen von nnaetrcuen Angcstelltcn des
Zollvacktzofcs verschasft waren, Güter aller Art ins Au S l a n d zu socdi-
tiercn. Dsr dem Staat crwachsene Schadcn soll rn die Milliarden
getzen. Bisher sind ctwa 14 Personen verhastct worden.

EIn Bcrgwcrksunglück. Aiis dcr Zcchc Carolina bei Bochum
ffnd zwei Bcrglcute durch Pfeilerbruch im Schachtc cingeschloffcu
worden. Die Nettnngsarbeiten wurdcn sosort ausgenommcn. ES wnrde
sestgcstellt, datz dio bciden Verschütteten noch amLeben sind. Die Be-
legschait tut ihr Möglichstcö, um die beidcn eingeschloffencn Kamcraden
letzend zu bergon.

Elnc FamilicntragSdie. Ter 80 Jotzre alte Sckrcincr Johann W i n k-
ler in MüuÄcn vcrlelzte am Sonntag naitzmittag in seiner Wotznung s:ine
48 Jatzre altc Frau Marie Lurch e>nen Kopfschutz tödlich unL bereititc dann
scincm Leben durL Erbängcil cin Ende. Iletzer den Mord und Selbst-
mord, deffcn Tragik er!chütt:rt ift, werdcn iolge.rde Einzelhciten nnt^cteilt:
Das Etzevaar Winkler lctztc in guten Berhältnissen und vbwotzl kindertis.
in glücklicher Etze: Jn den letzten N.'.kren siel ein schmerer Gckätten anf
däS Glück, dic Frau crkrankte an eincm Magenlcidcn und dcr Arzi mntzte
scstffellcn, Latz cs sür d'e Frau keine N'ituna metzr gab. Dies Lrachie
den Akanu rur B e r z m e i f l u n g, er besvrach mit der Frau. wic si«
 
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