Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0434
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
materiellen deut'schen Widerstandes von vornherein seiner Quellen
beraubt.

Sehr vergnüglich, aber gleichzeitig auch sehr charalteristisch ist
es, die franMschen Blätter in den verschiedenen Phasen üer Ruhr-
altion zu verfolgen. Jn den ersten Tagen des Ruhre:nm'.c>ches
wsissagten sie: Die Deutschen werden bezahlsn. Dann heigi ss
wciter: Die Regierung protestiert, aber die Jndustriellen wsrden
licfern. Dann: Die Industrie liefert nicht, aber die Arbeiter ar-
beiten. Die nächste Ueberschrift verkündet den Streik der Arberter,
fügt aber tröstlich hinzu: aber die Eisenbahnen fahren weiter. Dann:
D:e Eisenlahner streiken, aber: „Unsere Leute werden es machcn".
Und schlieglich heigt es: Jetzt steht alles still.

Wie steht die Ruhrfrage vam deutschen Standpunkt aus. Tänschcn
wir uns nicht. So war es nicht, dag die jetzt gemauerte Einheiis-
front vom ersten Augenblick an Einheitssront war. Sie ist nicht
im Rausck, der ersten Minuten entstanden, sondern erst im harien
Kampf errungen worden. Die Klassengegensätzs stnd bslanntlich
nirgsnds größer als im Ruhrrevier. Als man sranzösischerssits mit
dcn Industriellen verhandelte, erklärten sie, ob sie liefern wllrden,
darüber mügten ste erst in Berlin anfragen. Die Ladurch entstandene
Zeit des Hinhaltens hat man Lenutzt, um soviel Kohle nach Lem
unbesetz'en DeutschlaNd zu schafsen als überhaupt möglich war.
Klar war den Industriellen vou vornhere n: Wir liefern nicht, auch
nicht, weun man uns mit dem französtschen Franken zu locken sucht.
Dann kam der gröfste pspchologische Fehler, den Franireich über-
haupt begehen konnte: Las Sichvergreifen an den Führern dcr
Industri« und die Mainzer kriegsgerichtliche Anilags.

Dast die Industriellen fest blieben oor dcm seanzösischen Kriegs-
gericht, dah sie den französtschen Richtern sagten, wir kennen nur
die Bcsehle unserer Rsgierung, dah ste dies vorbildliche Veispiel

gaüe», dadurch ist die Einheitssront geschmiedet wordeu.

Erohe Ereignisse im Völkerleben werden nie herüeigeführt durch
die Paragraphen der Siaaisverfassung, fondern durch Persönlich-
keiten, Äi« lebendige Beispiele geben. Treue und Trutz wurdcn
daun mit einer Zähigkeit durchgeführt, wie man dies laum für mög-
Iich gehalten hätte. Nur diejenigen, die den westfälischen Charalter
kennen, hatten das erwartet. An diefem westfälifchen Trotz, dsr sich
vor niemanden beugt, ist die franzöfische Aktion gefcheitcrr, trotzdem
sie sich vom Stadium der Liebenswürdigleit durch Brutalität zum
Tcrror gesteigert hat. Als die Werbung um die Arbeiter versagt
hatte. begann d-er Kampf der Reitpeitsche gegen Len Teist des
Wilhelm Tell, des moralischen Widerstandes." Es giüt hier
keinen Bergleich mit dem Krieg und die Brutali-
tät, mit der d:e Niederrnüppelung vollzogen
wurde, schändet nicht den Wehrlosen, an dem fie
vollzogen wurde, fondern die Nation, die sich
Liese Brutalität zufchulden kommen laßt.

Ds.r Protest der fchwedischen Bischöfe hat man zwa: in Frank-
reich als eine eigenartige Erscheinung auf e nem kirchlichen Kongreß
bezeichnet, es war acer fchon das richtige Forum, das stch mrt dieser
Frage beschäftigt hat, denn hier geht es um die prlmitivsten Frogen
Ler Menschlichkeit, den Schutz eines wehrlosen Volles. Die Kund-
gebung richtct sich nicht nur gegen Franlreich, sondern auch an Lie
anderen Nationen, die als Mitunterzeichner des Verfailler Verrrags
Lie Veraniwortlichkeit sür die sranzösifchen Schandtaten mitzurragen
haben, unb Lie d!e Earanten Lafür fe.n follten, daß dieser Vcrica.z
nicht mit Füßen getreten wird. Verantwortlich ist auch die Narioir,
die damals durch ihren Staatsfelreiär Lansing den Verhandlungs-
wez befchritten hai. Ohne den deutfchen Wasfenstrllfland tknd die
Auslieferung der Waffen ständen heuie keine Franzofen am Rtzsini
Cewiß haben die Vereinigten Staaten den Frieden nicht unter-
schrieben, aber damit kann man sie von der Mitschuld nicht frsi-
sprechcn, und sie haben di« moralische Pslicht, dcrfür einzutreten,
daß ein Volk nicht vernichtet wird, Lessen einziger FehlÄ: es war,
datz «s zuoiel Edelsinn den Parteien zumatz, an die es sich aus-
geliefert hat. Wollen sich die Earanten des Versailler Vertrags
nicht ihre damals gegebene llnterschrift ins Unrecht setzen, so müssen
sie äner ennen, raß w!r e!n Recht auf Jniervenrion haben. Ob diese
mcralische Hosfnung heute mehr Berechtigung hat als camals, wo
sic uns so üitter enttäuschte, Larüüer iann man sehr jkeptisch scin.
Ich will keine alten Wunden ausreißen, aber gerade diejenigen 'in
deutschen Dolke, die einst glaubten, daß mit dem Dersa ller Friedcn
eine neue Aera der Menschlichkeit an die Stelle des Militarismus
treten würde, gerade Lie werden es mir heute nicht für übel nehmen,
wenn ich sage, daß ss heut« wenige gibt, die aus dtesem
Traum noch nicht aufgewacht sind. Zn stark
sxrechen die Realpolitik und die rea.en Ereignisse gegenüber dem,
was man erwartct hat. Auch heute noch. nachdem diessr Friedcn
nicht gehalten wor en ist, sieht sich Ler Kanzler zu Lem Satz ge-
zwungen: Und die Welt schweigt dazu. '

So bleibt noch eines übrig zur Erörterung: Die Auswirkung
dieser Dinge aus Deutschland und auf Frankreich.

Zu wamcn ist vor jeder Art vou Optiwiswus.

Dom wirtschaftlichen Standpunkt aus gibt os in diesem Kampf
keinen Sieger auf irgend einer Seite. Es fragt sich nur, auf welchcr
Seite d:e Zerstörungen und der Niederbruch am größten sein werden,
die sinnloje Zerstörung wirtschaftlicher Kräfte in elner Zeit, wo sie
die Welt so Lringend braucht. Es ist Ler größte wirtschaftliche Wahn-
sinn, in einer Zeit, wo der Welthandel von 170 auf 12Y Eold-
mill'arden heruniergegangen ist, dre notwendigsten wirtfchyftlickien
Kräfte einfach um impsrialistischer Zwecke willen lahmzulegen. llnd
das Schlimmste ist dabei, daß diesem srevclhaften Unterneymen der
Er-olg versagt bleibt. Die Enttäuschung in Franlreich ticgt osfen
zutage. Nicht nur in den offiziösen Leitartikeln der Zeitungcn.
Die Karikaturen müssen Sie sehen, in der die Franzosen das zum
Ausdruck bringen, was sie offiziell ihrer Regierung nicht jagen kün-
nen. Nach drei Wochsn Ruhrbesetzung brachte eiz unbelanntes Parijer
Blatt die Karikatur eines französijchen Eenerals am Telegraphen-
schalter im Ruhrgebiet: Alles geht gut, die Erfolge sind glänzmd,
aber — schickt Kohle, wir frieren! Frgnkreich hatte wohl alles andcre
eher ftür möglich gehalten, nur nicht diesen moralisttschen, passivcn
Widerstandslrieg. Und welche Kreise hat dieser westsälische Trutz
gezogen! Als Thqssen von Ma'nz nach Essen zurückfuhr, da wundcr-
ten sich die französischen Blätter zwar nicht über den hellen Jubcl,
mit dem Thyssen in Westsalen empfangen wurde. Aber sie hätten
es nie für mözlich gehalten, daß auch Mainz, das sie nun doch vier
lonqe Jahre mit ihrer „friedlichen Durchdringung" zu gewimicn
versucht hatten, rebellisch wurde. Sie sahen mit Stauncn,
daß der Eeist der Ruhrleute plötzlich nicht nur
Lber das gamze Rheinland, sondern üüer ganz
Deutschland sich oerbreitet hatte und daß s.ch alle
Teutschsn mit denen an der Ruhr soltdarisch
« r k l ä r t e n.

Zweierlei Plus haben wir bisher auf dem Konto der Ruhr-
aktion zu verzeichnen. Wir haben erftens erkannt, daß ein Wieder-
aufstieg nur möglich ist, daß er nur beginnen kann nach der alles
umfassenden gemeinschastlichen geistigen Einstellung des deutschen
Volkes.

Diese geistige Eiustelluug aus die Bolksgemeinschaft ist die

iwponderabile Boraussetzung, auf der nur fich der Wicdcr-
aufbau vollziehen kann.

Daß w'r uns zur Einheit des deutschen Willens zusammengefunden
-haben, sieht die Welt mit Stannen und mit immer steigcndsr
, Achtung, die uns die feste Zuversicht aibt, daß es niemals ge-
lingen wird, die deutsche Reichseinheit zu zer-
»eißen. Das ist ein Plus auf unserer Seite, das dräben furchtbar
enttäuscht. Und wo sind die Smeets- und Dortenleute geblieben, wo
find die rheinischen Republiken, die sie unter französtschem Schutz so
leicht errichten,zu können glaubten? Sie haben stch verkrochen, denn
auch jcne deutschgesinnten einstigen rhcinischen Sonderbiindler haben
eingesehen, daß die rheinische Republik nur der Ansang oon ihrem
Eirde gewesen ibäre, daß mft diefer Zerreitzunq Deutjchlands die Hin-
rejßung zu Frankreich eingeleitet wortzen wäre.

D!« Franzosen sind nicht das erstemal im Rheinland. Aber wie
ganz anders !st die Stellung des heutigen Deuifchland Frankreich
aegcuüber im Vergleich zum Frankreich Ludwigs XIV.? Dieses
- LraiUreich vou heute hat uns kulturell uichts mechr -u Lieteil, wonach

der Deutsche sich sehnen könnie. Damals waren andere Zerten. Wie
sollte ein Deutscher ein Gesllhl für ein deutsches Eebiet haben, das
zerrissen war in über 100 deutsche Vaterländer gegenüber der
zentralistischen Politik eines sranzösischen Kaiserreichs, Königreichs
oder sonst einer geschlossenen Staatsform? Heute aber ist ein
Deutsches Reich da und das deutsche Voll ist durch
diese Zusammengehörigkeit verbunden, nament-
lich setztverbundener in der Zeit derNot mehrals
es jsmals zu unsern Elanzzeiten der Fall setn
konnte. Hier zeigt sich erst wirNich, daß der Siaatsgedanke tebt,
der Treue hält. Jn glucklichen Zsiten freilich ist es leichter, sich zu
Deutschland zu bekennen. Der Kampf an der Ruhr ist ein lautes
Bekenntnis, ist eine Erziehungsarbeit am deuischen Volke.

Die politijchcn Auswirkungen des wirtschastlichen Zerstörungs-
werles kann heute niemand voraussagen. Die Stimmen in Frank-
reich wachsen, die das Ruhrabenteuer liquidiert wissen wollen. Darauf
deutet alles, was wir aus Frankreich hören. Als Vorsttzencer Les
Auswärtigen Ausschusses weiß ich genau zu beurteilen, was es be-
deutet, wenn 93 Fragen an einen PoincarL gestellt werden. Po'mcarck
hat drei und eine halbe Stunde lang gesprochen, um seine Rolitik zu
verteidigen. Wie schwach muß seine Position sein, wenn er so lange
reden muß, um sie mundgerecht zu machen, nachdem er es zuerst über-
haupt abgelehnt hatte, vor dem Ausschuß zu erscheinen Und warum
hat sich der Ministerpräsident dann so bitter darüber beklagt, daß
Indiskretionen von Ausschutzmitgliedern begangen worden seien und
warum hat er erAärt, datz er nie wteder vor dem Ausschuß erschein n
würde, wenn seine Reden nicht vertraulich bshandelt würden? W i e
traurig muß es um eiueSachesteheü, wenn man sre
miteinemsolchen Mantel der Vertraulichkeitum-
hüllenmuß!

Aber nach allem, was dafür zu sprechen schsint, wäre es eine voll-
kommen irrige Vorstellung. an eine baldige Beendigung des Ruhr-
kampses zu glauben. Eine Dumm-Heit, auch wenn sie erkanut ist, kann
namentlich in Ler Polrtik haufig noch weitere Dummheiten nach sich
ziehsn. Frankreich hat in dieser Politrk manches gsleistet. Aber

wir dürfeu uns keincn AugenLlick der Illusion hingeben, dag der

bishsr geleiftete Widerftand Fraukreichs Erobenmgsluft miirbr
gemacht habe.

Wir wollen uns nicht der ertlen Hoffnung hrngeben, vaß aus
Mashington, London oder Rom e!ne Friedensiau.be aufsteigen löunie.
Bisher sin>d keinsrlei Angeichen dasür vorhandesi, daß irgeud jeinand
einen ernsten Schritt zu unternehmen -beabsichtigte. Erst kürzl'ch hat
Bonar Law im Ünterhaus erklärt, daß Franlreich eine Jntsr-
vention als einen feindseligen Akt Üeirachtsn würde. Frankreich
wrvd die Ruhraktion auch niemals unter auswNrtigem Druck liqisi-
dieren, wenn nicht der Entschlutz dazu von innen herausgekommen ist.
Deshalb müssen wir der Jllusions^olitik enisagen und uns darübsr
klar sein, datz wir nur auf uns -selbst gestellt sind. Ich -warne nament-
lich vor den Märchentanten, die von einer Lewaffneten Hilfe oom
rusnschen Osten her erzöhlen. Es besteht hier nicht -Lie gerinoste Tat-
sache, die eine solche Hoffnung gerechtsertigt ssin lietze. Wir haü:n
schon einmal erlebt, daß man ein Volk so langs im ungirechifertigt n
Optimismus lreß, bis der Zusammeirbruch Lr war. Vielleicht wären
wir nicht so schnell zusammen-gebrochen, wsnn man uns gesagt hätte,
es geht ums Ganze. Eine Kapitulation Deutschlands
an der Ruhr wäre unausdenkbar in ihren politi-
schen und wirtschaftlichen Folgen. In Deutschland
herrscht heute -dis Enlschlossenh-eit, die Situation weiter zu ertragen.
Der Reichslanzler hat die Situation nich't anders dargestellt und
auch die Redner der Parteien im Reichstag haben denselben Ee-
danken ausgesprochen- Hilf dir seM, so hilft dir Eott. Der Glaube
an unser Recht macht uns stark. Wcnn je-mand in Lebensgefahr ift
und reißt sich auf zum Willen ans Leben, glaubt an Leben, so ist
dieser Wille besser als alle ärztliche Mcdizin. Den Elauben, der
Berge versetzt, müssen wir uns zu eigen machen- E!n solches Veispiel
heroischen Willens zeigt uns Walter von Molo in seinem Fridericus:
Der Pre-ußenkönig, auf der Höhe seines llnglücks im Siebeniährigen
Krieg, seiner Veneräle und seiner Akmee nicht mchr sicher. von
Friedensbettlern bedrängt, vom Feind einqeengt, stellt sich die Frage:
Mas ist denn richtig? und findet hie einzige Aniwort: Richtig ist,
was uns aufrecht erhält, un!d diese Einsicht hat ihn die Schlacht bei
Le-uthen gewinnen lassen. Diesen Willen zum Großen müssen wir
übernchmen namentlich i'n dsn schweren Zeiten passiven Wider-
standes, der höhere Anforderungen an uns stellt als der o-s'ene
Sturmangriff. Es ist -der Sieg des Einzelnen Wer sich selbst, um dem
Staat zu dienen. Mit Worten können wir überhaupt nicht schildern,
was der Einzelne für unsere Eesamtheit im Ruhrgebiet tut. llnd
wir im unbesstzten Deutschland — in Franffurt muß man vi-slleicht
sagen: im vorläufig unbesetzten Eebiet — wir mllssen alles tun zur
llntevstützun.q der Ruhrsront. Vollkommenen V'urgfrieden gibt es
zwar schon aüs der geistigen Gegensätzlichkeit der Weltanschauung
heraus nicht, wohl aber

gehört es zur staatserhaltenüen Politik, in Zeiten ivie

der gegenwärtigen, das Erotze groß nnd das Kleine klein

zu sehen und uicht um kleine Disferenzeu das Erotze zu
gefiihrdeu.

Was bedeuten unsere Finan fragen, unsere soz'ale E:s tzgebung,
unsere Wohnungsjragen. wenn wir zerrij,en werdcn, w nn die
Eefahr besteht, datz es keine deutschen Finanzen, leine jozia.e Eesetz-
gebung und keine Wohnungssürsorge me.,r gibt. Auch solche g Üt cs'
trotz allem noch, die thr Parteisüp chen io:hen mi ssen. Abgeseh n
von den Kommunisten, die als deu sche Pariei n cht zi r chnen , nd,
ist es schmachvoll, was z. B. sich Hitler in München leistet, weun
er vom „Morast der Einheitsfronc jpricht, dcn Feind n cht in den
Franzosen, sondern den Leuten vom 9. Novsmber sisht. Eine
iächerliche Phrase ist es, davon zu sprechen, datz Kompio.nitzpolitik
Schwäche wäre. In vielen Situationen ist die Kompro-
mitzpolitik die einzig mögliche reald Politik. Was
war z. W. Bismarck anderes als Kompromißpotniier, der am
18. Ianuar mit ganz andern Widerftänden zu rechnen hatte und der
eine andere Schöpfung zustandegebracht hat als die Mein arer Ver-
sammlung mit ihrer zenlralistischen Idee. Heutehandelt es
sich> nich t darum, ob eine Rechts- o,er Linksregie-
rungamRuder ist, sondern um die Zu sa m m e n s a s s u n g
aller Kräfte, um die V o l k s g e m e i n s ch a f t. Ich war
selbst in der eigencn Partei Grgenstand schärfster Angriife, z. B.
w^gen meines enischiedenen Abratens, die Re.chspräsidentenwahlen
im Jahre 1922 vorzunehmen. Wie sähe es heute aus, w nn w r zu
dem Abwehrkampf an der Ruhr noch diese politische Zcrr.ittung im
Innern hätten, wo wir die Zusammenfassung aller Kräfle bis zum
Letzten brauchen und wo unsere Feinde elne Lücke s.ich:n, wo sie
durchbrechen könnten. Bei einem Teichbruch. wenn die Wässer all s
zu, überschwemmen drohen und ich stehe am Deich, um zu helfen,
frage ich nicht, ob der helfende Rachbar mir sympath sch ist oder
nicht. Das ist die beste nationals Politik. National setn,
heißt in Zeiten der Not mit jeder andern Eemein-
schaft zu arbeiten, damit das heilige Vaterland
erhalten bleibt. Dies ist nicht nur die Ausfassung unserer
eigenen Partei, sondern weit nach rechts h'nein in die deutsch-
nationale Fraktion ist man von der O position zur postiiven llnter-
stützung übergegangen. Wenn man in Paris glaubt, die Ruh aklion
würde gelingen, wenn das Kabinett Luno gestürzt würde, so wird
es sehr enttäuscht seln, daßsich dasKabinettgeradein
denletztenWochen sehrstark inweiten'Kreisen
bsfestigte. Die Ueberzeugung bricht sich immer weiler Bahn,
daß Cuno der rechte Mann am Ruder ist, der Keneraldirek'or, der
seine weiten internationalen Beziehungen bei Konserenzen positiv
ausftuwerten versteht. Er hat es verstanden, den ganzen Reichstag
um sich zu scharen und

der Kanzler wird in diesem Kampf gegen Frankreich getrageu
oon der nberwältigendey Mehrheit des ganzen Volkes.

Das sollte man in Paris bedenken. Auch die Auffässung der zen-
tralen offiziellen Parteileitung der Soz allemokraten ist hier e'n-
heitlich. llnbedeutend sind die vereinzelten sozaldemo raiischen
Provinzblätter, die hier sich unrühmlich hervorzutun versuchen.

Zum Schlusll noch e!n Rundolick auf vergangene Ze ten, dis
aber ein treuer Spiegel der Eegenwart sind: Frsil'grath HSrt auf
I siner Rheinsährt die Unterhaltungen der französischen und eng-
lischen Rej^nde» Kber ihre Natiou an und stcht dabei «it einem

gewissen Neid das einige Frankreich und daS welimccht'ge En8^
gegenüber dem zerrissenen und ohnmächt.gen Dsutschland.
wie Freiligraih damals dichtete, haben wir a'ch heute kein
mit dem Wappenbilde, die alten Flagg:n und Wim el wehen
mehr, unsere Flotte ist zerstört, am Rhein. wo Rosen und

mehr, unsere Flotte ist zerstört, am Rhein, wo Rosen u,^----.-j
blühn, stehen Fremde. Äber umsomehr schlägt das he'ße
Deutschland. Und wenn es eine sittliche Welto^ ^

.. '.I-M-I »-».fhL

Deutschland. .. ... .

nung gibt, muß unser Kamps
legen zur deutschen Zukunft, auf die
unserer Eeschichte ein Recht haben.
müssen wir jeinim Jnnern und stark

den

wir au, -r' -g
n°« .»i--"

Müster Oeser über den Rirhrlamps.

Das Eebot der Stnnde: Ausharren!

Hamburg. 12-

Auf einem von der Demokratischen Partei veranstalteten pn ^
mentarischen Teeabend nahm der Reichsminister des Innern
das Wort über die p 0 litische Lage, wobei er u. a. aasi
Was jetzt im Ruhrgebiet vor sich gehe, sei ein V0lkskr>e»>
wir um so sicherer gewinnen wevden, je mehr wir v
sind, zu oerh indern, daß auf deutscher Seite gra-

ein Gewehr losgeht. Der Kampf dürfe sich von poch

lischen Untergrunde nicht entfernen. Den Franzosen sei ^
nicht gelungen, Besitz von den teatschen Eijcnbahnen zu er9 zp

denn darauf, ob es oielle cht möglich sei, einige Züge in , tzi^

bringen, komme. es nicht so an. Die gefurchtete Kohlennoi >« ^.
her. noch nicht eingetreten, anch nicht im unbesetzien DbUi!

Die Stabilisierung LcrMark war im Jnteresse des 77
lämpfes des deutschen Volkes unerläßlich Der Minister
die Haltung, die England und Amerika qegenllber rem
gehen der Franwsen und Belgier bicckang eingenommcn haben-
den Amerikanern wüvde betont, daß sie Lic Dinge in Enropa ^ ^
angingen. Sie bedanerten zwar das VorMen Fran-r: je-

fle könnten daran nichts ändern. Bei dieser Eeleqenheit wuu
doch daran erinnert werden, daß wir im Dertrauc
Amerika und im Vertrauen auf Wilsons vierzehn Punrte 1 "
Situation geraten sind, und Deutschland schmählich im D'nü^
lassen worden sei. Da auch England uirü die Neuiralen
rorläufig gehen ließen, wie sie gehen, ständcn wir ^jys

allein. Wir müßien versuchcn, so weiier zu kowmen,

Aeir erung eintrete. Die finanz.ieNen und wirtschaftlichen cr fich
des Kamxfes zeigten sich in Deutschland weniger,- sie leifl
aber in verstärftem Maße in Frankreich. Die Frage ^nk'
wer in diesem Wetispiel länger aushalte, Deutschland vder " ,^j-
reich. Die Franzosen rechn->ten aber nach der Auffassung
n'isters heute schon nicht mehr mit Sicherheit auf die doutftye
tulation. Sie hätten vi'elmehr eingesehen. daß dieses Un.er
weit schwieriger sei, als sie es früher angenommen 1
Für uns gelte es in diesem Abwshrkamvf. a u s z u h a r re tze-
die Fran.'.osen na"oleon'sche Zäle versol"tsn, so wHrde es
währen, ihnen, ein zweites, ein wirtschastliches "..zgl!"
zu bereiten. Lenn sonst würüen die Zustände in Europa uner
werden.

Der Minister schloß, Po'ncare verlange e'ns Reurefle ^s
des F r i e d e n s v e r t r a g e s. Warum solllen w'r u'ftll di^
eingehen? Wir wünschsn dicse Neuregelung. Man soll >eoo ^jl
ses Problem in seiner Totalität aufrollen und tzbek

siird bereitzu einer Derständiguiig, wenn ihr bereir A e i'
nicht allein wegen der Ruhrfrage, sondern Lann völlige ^ geLeU'
nigung des Friedensverirages, Freiheit um Deurschlands
Freiheit für die deutsche Republik-

Tagung der bentrumspartei in Sage».

Ein neues Bekenutnis zum Abwehrkampf- , tzc'k

Hage», 11. März. In Hagen tagte derReichsauss^ss.
Leutschen Z e n t r um s p a rte ii Die aus diesem
mittags veranstaltete große öffentliche Kundgebung, die ven u^fiete
saal der rieuen Stadthalle bis auf den letzten Platz Mie. »
sich zu einem machtvollen AusLrnck des Willens. > mA giw


Stunde -schwerster Prüfung empfin-den wir alle es als HViNb fiihl^.'
nicht ziel- und planlos Len uns aufgezwungen'en Kampl
sondern uns über scine Grundlage und seine Nichtung ^gljtisK^
klar zu sein. Der Minüster ging vor allem auf die handel^
Bestimmungen des Versailler Vertrages e!n, die Deutiau

Bewegu-ngssreiheit nehmen. Er wies an Han's der einzelnen Hp
renzen, vor allem der von Eenua und den Verhandlungvn
leihekomitees und unserer letzten Vovschläge nach. daß es -fiepp,
reich gewesen sei, das eine rein wirtschäftliche Löjunfl />e ^ji
rationssrage zu verhindern suchte, um seine mach t p fr'Ni^

Er s-stzte sich dann mit der. !
produktivsn Pfänider ause

ii'-'e d' . „

soirdern xolitischer Art und die politische VeraN r^geir
Frankreichs am Rhein und an der Ruhr be>
s 0 llen. .i^elne's

deutsche Regierung keine Möglichkeit
außer acht gelassen hat. Unsere Absvehr soll nicht nur

schen Ziele zu erreichen.
sischen Theorie der sogenannten
die, w!e er im einzelnen nachwies, garnicht produli'ne

ittsss
der

Die stärkste Brutalität der Franzosen liegt nicht in dan vin:
Eewaltakten, sondern in Ler gewaltsamen Abschnuru
wirtschaftlichen Zentrums Deutsckilands und in dem Ver> ^ j j u
eine unbarmherzige Vlockade Deutschland zur TV.jfiznE
lation zu zwingen. Kein Wuntzer, daß die Verg°u>
der elsmentarstcn Lebensrechte das ganze deutsche BoU ^olt
einmütigen Alwehr zusammengeführt hat. Ein offenes hal'^
dieiser Stelle: Wir wür^en diese Einmütigkeit nicht erüei tzi
wenn nicht in diesem Volke die Ueberzeugung wurzelte, „fiiNS

it zu einer friedlichen^» tz^l.

.bwehr soll nicht nur

uns zu belasten mit unmöglichen Leistungen. soirdern vor u
die Zerreißung der Rcichseinheit und die Aufrichtung einer
herrsckaft >n -deutscken Landen. . , uflse^-

Dcr Minister fragte zum Schluß: Wohin geht 'das ^jN

Abwehr? Es kann nur dahin gehen, eine Eründlage '".jovV
rein wirtschaftliche Behandlung der Repara Ne^,
frage zugewinnen und damft die Möolichkeit für ^ .jsfiiNfl ,
l-ung zu erhalten, die in Einklang mit Teutschlands , E
sä-higkeit und seiner Stellung als souveräner Staat steht. vao
tut, ist oor allem die Vertiesuug der Erkenntnis in „jcht zfll»
der von ihm eingeschlagene Meg der brutalen Eewalt ^^g;ren
Ziele einer befriedigenden Regelung der Reparationsftafle c
vermag. Wir müssen die Lage so erkennen, wie sie in ?7j/unft^
ist uW dürfen uns in der Entschlossenheit und Eeschlossenm'

Abwehr ! n keiner Weise erschü 1 tern las -sen. „ -p en^
Wir hwben ni« daran gedacht, uns möglichen Leistunfle tzcU''
ziehen und die letzten Jahre reden ja i-n dieser Hinstchk > jst dfl^
liche Sprache für jeden, der guten Willens ist. Was not s - w
Solidaritätsgefühl allcr Schichtsn des Volkes, das st^." !? Fur!" ^
feierlichen Veteuerungen, sondern vor allem in schl'ck -d,
für alle von Mühsal und Not bsdrängten Volksgenossesi ^ scs
und unbesetztcn Gebiet Tag für Tag auswirkt. Es ssud ^seist^

unbesetzten Gebiet Tag für Tag.. .

praftischen Christentums. die war durchleben. -da i^kr..

Stelle sich in dem Gefühl höchster fittlicher Veraniwo-tE^ fejne
fragen mnß, wis weit jede selner Taten nicht nur der Rusor §,1,
egoistischen Sondereinstellung ist, sei es auf geschästlichein. > ^^ ge
anderem Eebiete, sondern im Einklang steht mit den vul
meinsames Recht gerichtcten Aktionen des Staates und 77 de»
Dsr hat kein Recht, sich über frem-des Ilnrecht zn en'
selbst im Unrecht gegen seine eigenen Vollsgenossen U
mit jedem in dieseii Tagen schwerster Prüfung doprelt «e - ^ L'id-'"
Egoicmius und hoch das Banner des Vaterlandes! Durck ^ Pätp'
und Ovfer ringt sich die unauslöschliche Liöbe zur Schouv
siegreich hindurch und erhebt sich -drr unbesiegb a r
nach Freiheit, Menschenwürde und
Das ist es, was diese-m Kampf ohne Maffen sein heys-es
gi'bt. Es geht um d!e böchsten Eüter der Ration,

Nichtjein unseres Bolkesk

der 7. ., g

Dl-n?

S e 1 n
 
Annotationen