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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0444
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«s wsrisssaftlich geschwächt und lahmgelegt wurde, die ungeheuren
Rexarationslostcn bezahlen?. . . Die Sehnsucht nach Sicherheit war
tzärker als nach Wiederaufbau ..."

Aber auch EngIand wird in den Erinnerungen Wilsons wahr-
lich nicht geschont. Die glänzendste Satire, die — trotz Swift — je
geschrieben worden ist, findet sich auf den Seiten, die von der Ver-
teilung der deutschen Kolonien berichten. Mit Jronie und Witz wird
da die Regiekunst des englischen Premierministers geschildert, der
höchst effektvoll zur allgemeinen Ueberrafchung plötzlich die Vcrtreter
der englischen Dominien e'ntreten lätzt, den „schönsten Mann der
Konferenz" Borden aus Kanada neben dem vertrockneten, ärgst.-n
Deutschenhasser Hughes aus Australien mit seinem elektris.hcn
Hörrohr, und mit Hilfe dieser wohl einexcrzierten Trabanten in
wsnigen Minuten das ganze Wilsonsche Kolonialprogramm über den
Haufen wirft! Dsr Präfident war einfach überrannt wordcn. Kaum
ein Jahr vorher, am 5. Januar 1918, hatte Lloyd Eeorge dem briti-
schen Eewrrlschaftsiongretz, der fchon unmutig geworden war, aber
den Erundsatz „Keine Annexionen" vertrat, erklärt: „Mas die deut-
schen Kolonien anbetrifft, so habe ich wiederholt erklärt, datz die
Entscheidung über ihren Verbleib einer Konferenz vorbehalten w'rd,
die sich in erster Linie nach den Wünfchen und Jnteressen der ein-
,hermischen Bevölkerung dieser Kolonien richten mutz." — Damals
gaukelte ihm, so schreiben Wilson-Baker im Anschlutz hieran über
Lloyd Eeorge, seins lsbhafte Phaniasie ein Bild dieser Kolonien vor,
wie sie auf irgendeine geheimnisoolle Weise ihr
Esschick selbst bestimmten. Jetzt sollte das gleiche Argument
einem ganz andern Zweck dienen, und mit gleicher Lebhaftig-
keit erschienen ihm die deutschen Bes'tzungen als „Kannibalen-
kolonien, in denen die Menfchen s'ch gegenseitig auffrätzen".

So tritt uns sast auf jeder Seite die Heuchelei der Alliierten,
Wortbruch, Eigennutz, Hinterhältigkeit entgegen. Die Wilson'schen
Erinnerungen sind eine unsrschöpfliche Fundgrube für uns. Die ge-
heimsten Ideen, Hofsnungen, Anirigen der Friedenskonfsrenz ireten
uns hier ebenso nackt entgegen wie die Männer selbst, die sich an-
matzten, das Schicksal Lcr Wslt zu bestimmen und ganze Völker zu
vernichten. Dies Buch Wilsons ist das einzige Entc,
das Deutschland aus feiner Hand empsangen hat.

0. B.

D!e Kaliung der Äegierung unveraOert.

Derlin, 14. März. (Eig. Drahtm.) Jm Reichstag wird in den
Nächsten Tagen, vielleicht sogar noch morgen, die Beratung des Ktats
des Auswärtigen Amts begonnen werden. Jn parlamen arlschsn
Kreisen rechnet man bestimmt damit, datz der Autzenm'nister Dr. oon
Rosenberg die Eelegenheit benutzen wird, um wichtige Erklärun-
gen über die FraFen abzugeben, die sich aus dem Ruhreinbruch er-
geben haben. Er werde noch einmal, so sagt man, mit Nachdruck ke-
tonen, datz sich nichts an der Haltung der Neichsregie-
kung geändert habe, wie dies bekanntlich bereits vom Reichs-
kanzler hervorgehoben worden ist.

Die Kredttfrage!n der deuWen IndnWe.

Berlin, 14. März. Auf Vorschlaz des Reichsverbandes der
deutschen Jntzustrie hat laut der „Deutschen Allgemeinen Z'itung"
das Reichs'bankdirektorium Lestimmt, datz in Fällen, in Lenen die
Derhältnisie einer Firma es unbedingt geloten «rscheinen lasien,
z. B. zum Zwecke der Lohnzahlung in Zeiten der Absatzstockung. eine
Beleihung des legitimen Devisenbesitzes gerechtfertigt erfchsinen
kann. Jn jedem derartigen Falle soll jedoch eine genaus Prüfung
der Verhältniffe vorgenommen werden.

*

Jn dem Hauptausschutz des Deutschen Jndustrie- und
H a n d e l s t a g e s. der am D'.enstag untcr dem Vorsitz seines
Präsidenten Franz v. Mendelssohn tagte, wurde über die
Verhältnisse im besetzten und Einbruchsgebiet eine Erklärung an-
aenommen, in der es heitzt: Der Hauptausschutz des Deutschen
Jndustrie- und Handelstages versichert das gesamie besetzts und
Einbruchsgebiet, datz die Erwerbsstände fest hinter der leitenden
Bevölkerung des Westens stehen. Der Ausschutz erwarist, datz im
geschäftlichen Verkehr mit dem besetzten Eebiet w e i 1 g c h e n d st e
Rücksicht hinsichtlich Kreditgewährung und Lieferung
genommen wird.

Entlastung der Gerichte.

Berlin, 14. Mürz. Berliner Blättsrmeldungen zufolge ist dsm
Reichstag ein Eesetzentwurf zur Entlastung der Kerichte
zugegangen, durch Len die Zuständigkeit der Amtsgerichte von
10 000 aus 800 000 Mark heraufgesetzt wird. Die Zuständigksit
der S ch ö f f e n g e r i ch t e soll dcrart erweitert werden, datz die
Wertgrenze, bis zu der sie über Diebstahl, Betrug usw. aburtcilcn
sollen, von 3000 Mark auf eine Million erhöht wird.

Der schwingende Klang.

Eine Stratzburger Novelle oon Erica Ernpe-Lörcher (Hamburg).
S. Fortietznna. Nachdruck oerLvten.

Professor Rieth hielt, als er stch mit Löonie verlobte, lei ihrem
Vater um sie an, hatte auch seine Zusage erhalten, ke nen sichtl chen
Widerstand, allerdings auch ke ne kege stsrte Au na.me üier den
künftigen deutschen Schwiegersohn gefunden, und man war mit dem
Monsieur Denger dahin übercingekommen, man wsllte d e Vsr-
lobung erst veröffentlichcn. wenn der Krieg vorbei sei und man unter
ruhigeren, angenehmeren äuheren Verhältnisien an die H:irat
denken könne.

8o bestand zwischen dem zukünftigen Schwieoervater und -sohn
ein latentes gegenseiiiges „Sich nkaufnehmen". Die berden Haupt-
beteiligten liebten sich und das hatte gcnügt.

„Jch konnte auf deine Bitte, eins Zusammenkunft zu ermög-
lichen. nicht eingehcn, Helmut! Jn diesem Brie'e habe ich dir ge-
antwortet. Schon in den letzten Tagen habe ich gcfühlt, datz wir
beide uns lieber trennen! Es ist ja jetzt alles so ganz anders
gekommen, als es damals schien! Jetzt kann ich gegen Len W der-
stand meines Vatcrs. den er gegen unsere He.rat hat, nicht mehr
ankämpsen!" —

Er lietz sie aussprechen und fiel ihr mit ksinem Worte in die
Rede. Aber während sie den Blick wieder senkte und sichtlich müh-
sam. stotzweise, nach Worten suchend, sprach, lag se n Blick auf ihrem
hübschen, etwas länglich geschnittenen Eesicht. Sie hatteAugen von
dunklem Blau, die zu dem schwarzen, etwas lockigen Haare in reiz-
rollem Eegensatz standen. Jhre Statur war vcn grotzer, graziöser
Schlankheit. uno trotz der Kleidungsnöte der letz.en Kriegssahre
wirkte sie in ihrer Toilette ste's modern, immcr vornehm, gedieg.n
bei dem unbe-iingt stcheren Gsfühl für Kleidsamkeit und Eefchm.ack,
der Len Elfäsierinnen der besieren Kreife eigcn ist.

„Mein Vater bai auch gemeint: Du und de ne Muttcr — Ihr
würdet jetzt Stratzburg über'aupt verlasicn wollen. weil die Fran-
zofen kommen. Und da würdest du vielleicht gar nicht einmal gerne
eine Frau aus dcm Elsatz mit nach Deu fchland hinüber nehmen —L"

„Wir wi-'-den jetzt Stratzburg verlasien?" — Jn s'in'm Bone
lag abweisendcs Erstaun:n. „Ich denke gar nicht daran! Aus welch .m
Erunde? Tas sähe doch wie eine Fahnsnflucht aus. Jcb bin Be-
amter, Profesior an e'ncm deutschen Eymna'mm. Die Franz--s n
besetzsy während des Waffenstills'andes das Elsatz. Dis po it sch n
Verhandlungen werden beginn.n. klnterdesscn blsiken hier die
Dinge wie sie sind, bis der FriedensMutz allss klär ."

Sie hob imvulsiv den Kopf und sah an ihm vorübsr auf die
prauen Fluten dss Flusies unter sich. Jhr Schweigen ledeuiete
Widerstand.

„Bist du anderer Anstcht, Lsonie?"

- MLer gan- gewitz! Es wird alles, alles Lald anders werdenl

Sie MeitgehtrverkLlde zum Adwehrkamps

Einmütiges Bekenntnks zur geschlosieneu Heimatfront.

Bon unferer Berliner Redaktion.

Berlin, 14. März.

Jm grotzen Sitzungssaal des ehemaligen Herrsnhauses trat heute
um 12.1S Uhr die „Vereinigung der deutschen Arbeit -
g e be r v e r bä n d e" zu einsr orLentlichcn Mitgliederversammlung
zusammen. Der Saal und die Tribünen waren überfüllt. Zahlreich-s
Verlreter der Reichsregierung, Ler LänLer uno Eemeinden waren
erschiensn. an ihrer Spitze Re'.chskanzler Dr. Cuno, Reichsarüeits-
ministcr Dr. Brauns und Reichswirtschaftsminister Dr. Becker.
Der Versammlung wurde folgende Resolution vorgelegt:

„Die am 14. März im Plcnarsaale des ehemaligen Herrenhauses
in Verlin rersammeltcn Verlreter der Arbeitgeberverbände aus allcn
Eauen und Jndusirien des Reiches haben mit tiefer Vewegung aus
Lem Mund Ler Männer an Ruhr und Rhein von den Drangsalsn
und Leiden vernommen, die deulsche Biirger in dsutschsn LanLen
von einem grausamen und hab-gierigen Feinde täglich nnd stündlich
ersahren. Sie haben aber zuglcich mit Stolz gcsehen, datz deutsche
Treue die Abwehr mit zäher Energie führi. Die
deuischen Arbeitgeber Lanken ihren Brüdern im besctzten Gebiet für
Las, was sie in diesen schweren Tagcn für De-itfchlanss Ehre und
Wohl tun und letden. Sie geloben, in uncrfchllttsrlicher Trsus zu
ibnen zu stehen, sie in Lem schwcrcn Kampf um Frriheit, Llnab-
hängigkeit und Selbstbestimmung mit allen Kriisten nnd Mitteln zu
unterstützen, ihnen jeds nur mögliche wirtschaftlicke Erlskchierung zu
gewähren, denn der Kampf an Rhein und Ruhr ist unser
allerSache ! Auf Csdeih rmd VerLerü siuü allc deuifchen Arbeit-
geber mit Rheinland und Wcstsaken und fcinsm Sckiicksak v.rbunden.
Üeber eine Abtrennung oder wirifchaftkiche ALfckiniirung diefes das
Herz des deutfchsn Wirifchaftslsbens Lildenden Kernstücks des.deut-
schen Landes, über eine Unterweriung diefes Eebietsteils unter
sremde AnorLnunH und Eewalt kann es ksine Erörterung, kein Vcr-
bandeln geten. Die deuifche Arbsitgeberfchaft tritt in trruer
KameraLschaft mit der deutfchen Arbeiter- und Angestslltenfchaft
hinter die lämpsenden ims duldenden deutschen Brüder 'm alt-
besetzien und im Eiirbruchsgebiet. Sie ist sich desfen bewutzt, datz es
gilt, untcr den grötzten Schwierigkeiten und monatelang zäh dnrch-
zuhalten und datz die letzten Neserven darangegeben wercen müssen,
um Freiheit und Recht zurückzugewinnen. Sis verlraut der Rsgie-
rung, datz sie der deutfchen Wirlschast die D irchfiihrung diesrs
Kampfes in zweckmütziger und grotzzügiger Weise erlsichtert und
wird ihrerssits der Äegierung jede Unterstützung gs-
währcn, wo es gikt, Las Unrccht von Versailles wicdcr gut zu
machen durch eins auf Recht und Esrechtigseit futzende Verständi-
gung fre-ier Völler. Von Ler Nuhr eriönt dcr Aufr if Loriigsr Vsr-
bönde an Las Leutfche Volk. Wir nehmen ihn auf: Wir wollen
Eurem Abwehrkampf aus nicht versiegendem
Quell immer neue Kräfte zuführen, wir wollen
die geschlossene Heimatfront bilden, die Euch den
stärksten Strom von Zuversickit nnd Siegeswillen
immervonneuemzufchickt. Dannwirduns, dev
sind wir gewitz, der gemeinsame Erfolg sicher sei n."

In Ler Vegrützungsanstrachs bezeichnete Dr. Sorge die Löfung
der sozial>-olitischen Frage nach wie vor als die Aufgabe des Ver-
lanLes. Das sachlickie Arbeiten in diefer Fragr sei jetzt erfchwert
Lurch den uns von Verbrechern aufgezwungenen Abwehrlampf. Dr.
Sorge legte ein klares Bekenntnis des unerschütter-
lichen xassiven Widerstandes ab. Icdes Sonderint:resis,
jede Meinungsvcrschiodenhcit müsse jetzt zurllcksiehcn: „Vate-r-
landsverrat sind alle Versuche, die Klassengegen-
sätze zu steigern". In -diesem Sinne bat cr die Verlretsr. be-
sonders der Arbeiinohmerpresie, sich ror dsr Verbreitung tendenziöfer
Eerüchte zur Klärung vorher mit dem Vcrband in Verb'indung zu
setzen. Anderfeits richtet er einen ernsten Appell an die Mitglisder
des Verbandes, ihr Verhalten stets fo einzurichten, datz derartigen
zur Untergrabung unserer Abwshrfront infzenierten Gerüchien inn
vornherein der Bodcn entzogen ist.

Jm Namen des Reichskanzlers und der Rsichsregierung er->riff
Reichsarbeitsminister Dr. Brauns tas Wort: Wir sind waffen-
los, aber nicht wehrlos. Wir kämpfen mit demselben fssten Willen
zum Leben und zur Freiheit und mit der En'schloss-nhc"- dcr VNick't-
erfüllung, die das Leben oxfert. Der fadistifche Kamvs der
Feinde ist nur ein Zeichen der Schwäche. Datz trotz der
ungeheuren Not des deutschen Volkes, in der Millionen langsam ver-
hungern, ein Widerstand möglich geweson ist, wie ihn Rhein und
Ruhr gezeigt haben,

- Eeb!^

Darauf schilderten Dertreter dss alt- und nsubefttz-en ^
den Sadismus der Franzosen und Belgier. Ihren Kol 0
besctzien Eebiets sagten sie, datz Unterwerfun^ ^s^lt.

Ler Eeist von der Ruhr und vom Rhein ganz Deutschlan ZP

^ _. _—-L .... j,«» nielt^emiw

Jn der Aussprache ergrifs auch der Senior dcr w°st-^n
' '. ^irdorf, das Wort. der folgenbes

dustrie, Eeheimrat__ _. _

Jn Lem ganzen Kohlenrevier bewegt die Eemuter
Akwehr Ler feindlichen Uebermacht. Die sadistisllie
Feinde ist nur erklärlich aus dem jahrhundertelangen »
Hatz bei dem Nachbarn, dem niemals Schaden zngefugi
von


bei dem

dem Deutfchland

vielmehr nur Schaden zu

leiden..

° - L, i >

...

dieses Hasses ist fo manches Samenkorn nuch >n
Herzen gedrnngen. (Zustimmung.) Es ist ""^^ickilu!^

^usammen

Der Deutsche kennt solchen Hatz nicht^aber oon den^lll u^sw^

hat den Vaum des nationalen Z us a mm°n i
und der naiionalen Einheit gedüngt. Alle, die mit o.sm HclZ
zusanimenstehcn wollen, mützten diesss Samenlorn "mreg Lk
fallen lassen, denn dcr Hatz gegen Feinde sit der beste
nalionalen Zusammenschtutz. (Stürmischer langanpaueice
und Händeklalschen.) Einigender Hatz gegen Lie tpeinoe,

Liebe zum deutsqen Valerland! Möchten wir alle, auch o's ..

Älter StehenLen, die Wiedererstarkung des Vaterlanoes
(Erneuter stürmischer Beifall.) Sokü^

Jn seincm Schlutzwort erklärte der Vorsitzende
Nicht nur die besetzten Eebiete stehsn zusammen nstht «

Ruhr in dem schweren Abwehrlampf: für die, die L/uts los?'i
Wortc geiommen sind, versichere ich, datz genau so g°> ' s>

das übrige Deutschland zusammenstev Ajl',

hinter denen, die an der Front d 1 e > e' -
schaftskampf zu führen haüen. (Zuruf: D

Saargeüiet!) Iawohl, einschlietzlich Saarged
Verireter des Lesetzien Gebieis lönnen die Uebcrzeugnng ^ Hcl.is,,
datz nahezu die Essamthsit unsercr Wirischaft ihnen m>st.,-istrrng t.i,
und mit der Tat zur Seite stehen wird. Auch an der Fori! oH,
Arbeitsgcmcinschaft kann kein Zweifel Lestehen. lW.r s

leicht die Torheit und BrulalltSt der Fe'nde noch sep.ns ' lKeiiN^
im Begriff warc-n, Las nat'onale Bewutzlsein zu verl-ercn- kö»»
Dic Erundlage mutz Vertrauen zum Siege sein, e
wir auch Len Sieg für uns err.ngen. oigelesn'

Mit der e'nstlmmigen Annahme der vom Vorstand 0
Rcsolution schlotz die eindrucksvolls Kundgsbung.

Außlsil!» md -i'e MmEraA.

Eine neue Note Tschitscherins.

Moskä'«» t-L - ^ i-oi

Nach einer Meldung der russischen Telegra,hen"Sen i

Tschitscherin an England, Frankreich
eine N 0 te serichtet» in Ler die Sowjetrsg.erung
ihre unbcaniwortet gebliebene Nole erneut einen

IM

oewwzen, cag pe rne systematifche s 0 w lv-
Politik noch nicht aufgegeben haben. erllärt, Latz f^si'chen.
haltung Sowsetrutzlands lei der Reqelung der w.rMa. ^ k" „g.
terriiorialen Fragen am Baltischen M:er nur der Kruu 'E.ch
tigen kriegerischen Verwicklungen gelegt w
An der Regelung Ler Fluhschi-ffahrt Ler Memel. auf re s-cge>^
fahrtsweg zur Ausführung von Waren aus SoWietrLm».,^ for-,,§,
die russische Regiering ebenfalls interessiert. Wenn 0 ,ntcl>'^,.r
Latz sre zur Regelung aller fllr Sowjeirutzland wichtlSc,
na.en Frage e ngeladen wcrde, so sei sie dabei in rrsie a',-',!-
Lem Wunschs befcslt, zur W i e L e r a u fr i ch t u n S
meinen Ordnung beizutragen, durch die oi" abcr -
sammcnarbeiten aller Völker ermöglicht werLe. „siir-c ^

land zur Regelung solcher Fragen nicht zugezogen. ^ E»
zweifelhaft sein, oü die alliierten Regierungen laisawf'

einen Lauernden Frieden herbeiführen wollen. Der dii

gegen sie gerichteten Kombinationen könne die schu^ -»t'
nicht untätig zusehen. Sie werde auch
aus Abmachungen, d:e ohns Rutzland getrosfen werlem rcheU-,^»
steben sollten, bei einer allgsmsinen Regelung gelteno -ll>>^.r»
Sowjetregierung g-ebe sich jedoch Ler Hoffnrng hin, da» ^ sr:cr?FtzS<
Regi-srungen sich von d-em Wunsch leiten lassen wiirden,^^ pct
Lösungen zu gelangen, die eine Bcheiligung Ruhlan--' -^.^n-
ratung der seine Jntereffen betrefsenden Fragen oora

dieser Hcroismus unseres Bolkes ist n«r möglich gewcsen durch
die tatkräftige Sozialpolitik der dcutschen Regierung,

die sich nicht mit den Versicherungs- und Versorgungsgesetzcn Eenüge
ssin lietz, sondern neue Mege bcschritt und durch Arbeitsverfassungcn
unld Arbeitsgemeinschafien Len Grundstein gelegt hat zu dem völk-
lichen — nicht völkischen — Element, das an Rhcin und Rnhr jetzt
entslanden ist, das wir nie und besonders nicht in unsercr Notwchr
cntbehren könncn. Er hoffe, datz die Trcus gcgencinander den Tag
überdauere, der die Erlösung nnd -die Freiheit bringt. Er dankts
auch besonders im Namen des Reichskanzlers Lafür, dätz die Arbeit-
geber sich klar hierzu erklärt haben.

Die Franzosen kommen — und bleiben hier. Wir werden im Elsatz
französisch-"

... - Lilden sich die Franzosenköpfe ein, die s:it 48 Jahren a if
diesen Moment warten. Das gibis nicht. Wir haben das Elsatz
nicht verloren! Das m'nLesie wird sein — das mindeste — tatz es
eine Volksabstimmung gibt!" Sie schw'.eg aberir.als. —
„Du glaubst Las nicht, Leonie?"

,.Nrin! Mit den ersten sranzöstschen Truv- en, die hier in den
nächsten Tagen einrücken, werden wir sranzösisch!"

„Und du sagst das so ruhig, so bestimmt — als wenn du dich
vollkommen mit dieser Taisache absin^cn würdest?"

Sie zuckte die Ackissln. „Eott, di s: Hungerei, diese Kriegsjahre,
idie wir wegen Deutschland mitmachen mutzten! — — D:c marcn
zu entsetzlich!"-

„Diese Hungerei! Die ist wohl den Elsäsi rn am nächsten ge-
gangen. Datz es hietz: „Das Eürtele engcr s.hnüren!" — Schau,
Leonie. Lrüben in Deutschland (alen sie während di:s:r ganz n
langen Zeit auch gehungert — uni zum Te'l ganz gcwitz iir er, a s
hier in dem landwirlschaftlich reichen Elsatz. Mer die Millioncn,
die drüben überm Rhein hunper en, schlosssn sich in dem einen Bc-
wutztsein zusammen: „Es mvtz sürs Vater and sein! Wir lalten
durchi" — Euch aber fehlte hier diese Ueberzmgung, um e.nes
Vaterlandes willen etrvas aushalien zu miissen."

Jetzt in der Einsamkeit diescs nebclgrau n Ta-es, dcr s:lbst die
nächste Umgebung durch nur schwach umrisiene Konturen ferner zu
rücken schien, fiihlte er immer mchr, wie zrcmd, ja w e ai'l hnend
sie ihm diesmal gegenllberstand. Se.ne anfängliche Besiürznng iiler
ihren Enlschlutz schlug nun langsam in hcrb: Bilterkcit um. A e
diese äutzeren Vorgänge und Tatsach n wciren ihm kein wirkliHer
Trennungsgrund geworden, wcnn ihre Liebe so stark gewcsen wäre,
wie er sie geglaubt.

„Kannst du Las alles inrt eincm Federstr'ch aufgeben, Löonic?
Vist du überzeugt, Latz du mit diesem einrn Brief, in dem du mir
deine Absicht geschrieben hast, unscre Liele. nns:r VerlöLnis, uns:r
seelsiches "ZusLMmengehörigleiisgesühl auslösch st? E aulst du, datz
in dem Moment, in dem sranzösische Truppen hier einrückcn, a"es
Deuische restlos hier ausgetilgt werLen lann. Spurlos? Tatz dieje
48 Jahre, die Jhr im Verkande des Deutschen Re chcs zugeiracht
habt, sin-ach ein Hauch jmd, den man wie ein: Federblume zer-
stäuben kann, wenn man schlechter Laune über ein Ding wird?"

Sie schwieg wieder. Nicht aus Ucüerzeugung. Das fühl'e er.
Sondern weil sie nicht glcich ein: Un wort aus diesm Vorwur' f nu

„Jch will nicht von meincr Persvnlichkeit s rechen. Nicht von
dem Schmerz, den du mir zufügst, weil du mich um rein äutzersr
Dinge w-llen aufgiüst. Menn wir Deu-sche restlos den Kr eg ge-
wonnsn hätten, Lann wörrt ihr ganz lel st er' än lich g rn bei
Deutschland geblieben. Wsil man an desien Grötze mit Vor cil au-
lehnen kann. ALer ich srage dich: Jst denn alles, was dsmsche Kunst,
deutjches Wisien, deutsche Musik gelGen, so gar nichts jetzi?. Mutz

Die Reste der Mangelarmee. ^, E

Wieri. 13. März. (Lig. Meldg.) In Prag sam-new »st. n>
zahlre:che Offiziere der ehsmaligen Wranqelarme sxy
politischer llmtriebe von der Regierung Stambui
ihrem bisherigen Aufcnthalte in Bulgarien ansgeww'^^, E>-^>
Sie reisen über österreichisches Eebiet und überschreitcu ^xggel .,l>
die ösierreichisch-tschechoslowakische Erenze zu Futz. ^">rl g Z'
gierung begünstigt die Einwanderung r DieE-.e,
offiziere in jeder Weise und verspricht ihnen, ste ' ^heinw"
stellen. Der Zweck der Konzenir'erung der Neste rei
Wran-gelarmee in Prag wird geflissentiich geheim


man in meinem Vaterhause nichts ähnt!"

Ein langes, langes Cchweigen trai e'n. » - .

den llferstaden entlang. Kaum ein Mensch lege.'ckt-."„.-g''.U- ,e'
schien, als ob sich alles Jnleresi:, alles L:b:n auf dcin a ^ ruM<cket
lrummen Slratzenzug zusammen'änLe, welcher ^ r»?'

Stadk quer durchlief. Dcnn drinnen in den eng n, m ^ in
Festungsstratzen gab es ein emsigcs Hämmcrn und
loser Arbeit. Fahnenstangen wurden aufgerichtet. sik,-,ich:U ''re'
gannen stch von Fenster zu Fenster zu ziehen. und Z --hhnchv
dunklen Erün leuchteten die zahllossn Llau-weitz-roteu ^ m"
„glorreichen" fran-ösischcn Republik in inniger Eemeiu!
weitz-roten des Elsasies!

Als Professor Rieth durch alle diese Vorbereitunge <^ritt>
zosenempsanue auf Lem Wegs zu se'ner Braut h>ns-^

er ->n die schwinzendste Empörung versetzt wordem , ,

Anschein, als könne Stratzburg, Las in den 48


.... >n den 48 UM-- dt «c^»
Besitzes zu einer herrlichen, grotzzügigen, blllhenden sranlo!"
gewachsen war. sich n-cht genug beeilen, den nahenoe ,

Truppen ein Willkömm zn bieten! ecsinuuNg^L

Nun traf ihn noch dieser persönliche Schlag:.d>e o ^ölliS
Ecliebtcn, in der er eine Lebensgefährtin erhosst, w
gsschlagen. . , §chlagt^'

„Ich werde nicht um deine Liebe bettsln, Lkou'c^ ^^d^>

. .... "yil

alle 'hier ruhig Len'neuen Knrs ein, von dem Ihr euw ich,,,n
Ze'ten nach Ler deuischen Knute erhosst. ALer «as i,a h

sagcn: wie man sich jetzt benimmt, ist schamlos. weru- Igie
wir euch Elsässer 48 Iahrs lang zu Paaren SItr„,^„' jps T, p>^

von euch.. ^

gebracht!

Ereignisse un eury yeranlommen — L«g ^yr gcun-!!!!»

passiven Resistenz gegenüber trätet, die Jhr uns De >t> > ^ Vot>a> p
so bewahrtel. Datz Jhr — ehe Jhr den Frau>o>eu ^
lorbeeren bietet, erst mal abwartet, was sie euch
teilen und Lesieren Zeiten bringen!" ^ «tilt»

grausn Novemberlazes klang herannahender Ncarschtrit" »

Soldaien? Jetzt noch? Und wirkl'ch löste stÄ s,e
seldgrauer Eestalten aus dem Nebelgrau. Vielle-chi : t.Hjen Wjjkst
diese stille Ufcrsiratze gcwählt, um nicht durch e,i. . c. sit

stratzen zu müssen. Abgelämpfte, abgetragene^r- -> " 7-.'nscit^,-ck

Er brach plötzl'ch ab und wandte sich zurück. -''N
usn Novembertares klana berannabender Mar>w

'ch löste M f»
BiWeW Ä:Ltcn
durch 'ö.i„-sgi„ieii. . .'i

siralzen zu mu?sen. Aogeiampne. aWetragene ' .^,1

Eesichter. In den Zllgen tiefste s-elisch- B-druckthett-
andern Ufers rassel'en einigs hochkepackte --.->agag
an der Brücke gleichfalls zu ihnen einzubiegen.^^^^E folü
 
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