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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0705
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"«stag. 2«. AprN 1823.

Aus der Stadr.

^orlagen aa den VlirgersiMnß.

III.

Ej ^rovng eines EemeinLezuschlags zur Huudesteuer.

L^^de^o^iratsbeschlutz vom 18. April Lesagt: Auf
dix ^ Elbsatz 1 des Landergcseyes vom 11. Dezember 1922
Hund-n ^°^^uer wird die Erhebung eines Eemeiudezuschlags
ö?rr s», von 10900 Marl für den ersten Und von 18900
^8erai>°7^^i weiteren Hund eines Besttzers angeordnet. Der
Jn >w « ^ird um Zustimmung zu diesem Beschlutz gebeten.
di^ vo>p^^5Lȟndung heitzi es: Nach dem Ladischen Landes-
1896 hatte bisher für jeden über sechs Wochen
E,i^^eim>?" Besitzer für das Jahr eine Taxe zu entrichten. die
di°r "-vim uber 4000 Einwohnern 16 Mark betrug. Dsr
l? die Taxe flotz nach Abzug der Erhebungskosten zur Hälfte
i!^ind°b>u^^e und zur Hälfte in die Gemeindelasse. Durch
li>L? San? "iit Staatsoenehmigung konnte die Erhebung
feb-..r". die Ecmeindekaffe flietzenden, für alle Hunde gleich-
>!?. ^etran-^^"den Zuschlags, jedoch höchstens in Höhe der Hälste
^»2 d^ Tare selbst angeordnet werden. Bon dieser Ermäch-

»i,« üags,. o ouch der Eemeindezuschlag auf 10 Mark erhöht. Durch
d» ^in i ÜAetz vgM Dezember 1922 Lber die Hundesteuer, das
Juni 1923 in Krast tritt, ist der Eegenstand neu
>>r»j Lorden. Nach 8 1 d->s Gesetzes hat nunmehr sür jeden
tz.. " ate alten Hund der Vesttzer für das vom 1. Juni

Wag in,">--^fende Steuerjahr eine Steuer zu entrichten, deren
sj.Hei i? ,^°letz selbst auf 500 Mark und fllr den Fall, daß der
tzD dr°r ^ewer badischen Gemeinde einen Aufenthalt von minde-
gfir^onaten hat, auf 1000 Mark festgesetzt wurde. HLlt ein
>!i , ^eitig mehr a.l s einenHund. so ist für jeden

tz.,eri>i8K?Md die doppelte Steuer zu zahlen. Die Regierung
st».^ di-s» - die Steuersätze der Keldentwertunq anzupaffen. Auf
>er -- - - - Staatsministerium bereits und

h Verordnung vom 8. Avril
8000 Mark und 6000 Mark
1k« »i A„^°^erlrei irazi we,eges (8 3 des Eesetzes) sind
-iien^^de. die Lei Lffentlicben Vehörden oder an östentlichen
tz,Sund- .unmittelbar zu öffentlichen Zwecken gehalten werden:
Sn ^»tia'„„^ von Veamten des Siaats oder der Eemeinden mit
d-Mten der voraesetzten Behörden zu dienstlichen Zwecken
ben °s Hnnde, die von Blinden als Führerhunde

!>ii »vNg ^den. Die Steuer wird kraft Eeletzes nach näherer Be-
i? 9 ci i - — noch nicht erlaffenen — Vollzuasverordnuna nur

°er fesiaesetzten Beträge erhoben s) für je einen Hund,
».°°end zur Vewachuna eines abqclegenen Hofguts oder
i e » ."ch abgelegenen Eebäudes gehalten wird: d) für
tzu, achuno " " de. die während des grösteren Teils des Iahres zur
ri»'>er^^ von Hrrden gehalten werden: die Verdovpelung des
. Dgz N iür den zweitcn oder weiteren Hund tritt hier nicht
<Merj, 6iNanzmin!stcrium ist ermächtigt, mit Zustimmuna des
sii,?,Steu^b des Innern auch in anderen Fällen Steuerfreiheit
Röik! „»^Ützigung zu gewähren. Der Ertrag der Steuer
>d k? ^.^em neuen E-fetz zur Hälfte in die Staatskaffe, zur
M 'E>eg Eemeindekaffe. und. sofern der Hundebesitzer in keiner
üam i^vreinde einen Ausenthalt von mindestens drei Monaten
st»? die Staatskaffc. Auch nach dem neuen Eefetz s8 1>

^>e!? Cem ^indebeschluf; mit Staatsgenehmigung die Erbebung
E IZ„k^°rndezusch lags ange.ordnet werden, ein Viertel
des gs/ngs flief-t jedoch in die Staatskasse. Art und
V'lzt. ^Meinhezuschlags ist durch das Gesetz indeissn nicht
^>>n!n 2 Zufchlag unterliepen nür solche Hunde, deren Ve-

Üeits ^ 'üemeinde einen Wohnsitz oder einen Aüfenthalt von
z„ . Monaten haben. Der Beschlutz, einen Eemeinde-
t p?Vheben, Ledars angesichts der finanziellen Sage
die zur Äusschövfung der wenigen eigenen Steuer-
^r°Avh° kekner grundsätzlichen Erörterüng. Fraglich kann nur
i ^"'eindezuschlags sein, für die im Eesetz felbst kein«

den Lbrigen badischen großeren Städten hat, foviel hier
>»° die g-k.i°fft nnr Mannheim schon eknen Eemeindebeschlutz
>>r c stagj/.^vuna eines Zusiblags gefatzt. Dort soll zu den jewei-
ersi°?°I Sätzen ein E-meindezufchlag erhoben werden. der
°esj? ^teu°5 t?.und eines Vesitzers das Z w a n z i g fa ch e der staat
Mi°^° i°!^' 'ür den zmeiten 'und jeden weiteren Hund des pleichen
^Ük° deg das Doppelte der für den vorheroebenden zn

!!»»° ?»Us!^??gt. g-°, jsj zu berückstchtigen, datz der Beschlutz des
v-s Kc "°s in Mannheim gefaht worden ist. ehe die Verord-
°VMtz» „ tsmin'steriums eroanoen war, in der die staatlichen
. »?kark »°?. 500 Mark auf LOOÜ M->rk und von 1000 Mark auf
>, °rtwht wurden.

,i.9iestge Stadtrai war zunachst der Meinunq. ein V'el-
!»», k>as Zehnfacbe des staatlichen Steuersahss als Ge-

Ä,festzufehen. Nach Bekauntwerden der Verordn"ng
M^vZiffchs? t>. FZ c-lo".bte der Stadtrat die Eestaltunq des Gs-
Cr M 'v der Form eines feston Satzcs vomiehen zu
IV einen solchen von 19 000 Mark für den ersien Hund

ig' Wej^'uatssieuer von 3000 Mark und von 18 000 Mark für

Hund eines Besthers neben dcr Staatssteuer
z» für angemeffen. mobsi vorbehalten bleibt.^

Die steuerliche Belasinng

von

zu °»^eit für anaemeffen. mobs! vsrbehalten bleibt. den
i^e» eev,u°>»"°""^ Die steuerliche Belasiung des Hundebesthers
i»>rj v-eij^ wit ig sim Mark für den ersten und 21 009 Mark fstr
c.iu.vqz - en Ap^d, bei Haltuna von einem Hund das 812fa-be, bei
?ie ?.?r d°^?che des früheren Satzes und Lliebe somit noch weit
v e gr,„ tatsäSlicben Geldentwertunq zurück. Jmmerhin stnd
Huw, ^ so erb-blich. »atz ste dä unb dort zur Einfchrän-
^ B°„-Ä°^ung führen können. eine Folge, die von einem
°scher ^°^°rung als nicht unerwünfcht betrachtet wird.
N-uer„°^ k r aq an Siener und Zuschlag künftiq für die
C°^s°Uer uurd, lätzt stch schwer fchätzsn. Da von der staat-
Neu^eip^.v'e Hälfte. von dem Kemeindezuschlaq dre^ Viertel in
°i»rk AUud sl/etzen, wü

d»u>..betr° 9000 Märk kür



.'lsisfi 'nfoi»-". neat man unter Annayme einer Aermineernnq oer
Ne» H»„^r Steuererhöhunq, nur eine Zahl von 2090 steuer-
U»rk 2"Nd und für die Berechnuna nnr den Satz fsir einen

M °^sÜes>u..surund, so eroibt stch ein Rabertraa von 18 Millionen
z°°i,» ° dr°! «Üsuu noch für Erhebunaskosten. Ausfälle und Nach-
NiqVv Millioncn ab. so erqibt sich mit rund 18 Mil-
^icher^.des nz , °twa das 80kache des Ertraqs von 1922 und das
k-,, D°. i ger°» ^qs von 1913 als ein Eingang, auf den wohl mit
Konj», werden kann.

rn 'orrentkredit des städtifchen Leiham 1 s bei der

würde der Anteil der Stadtkaffe für jeden

für jeden weiteren eines Besitzers 11230
unter An

_,rhöhunq, I .

°u und für die Berechnuna nur den Satz fur emen

Leat m'an »nter Ännahme einer Verminderunq der

OgO Ak^°rkaff» ""mükte im" Mcir^lH van'30Ü OOO'Mark äüf
,k »°uf in'„,°l Dezember v. Js. «uf vier Millionen. im Ianuar
^ ?Mht „?.^Millioncn und Anfänq März auf 10 Millionen


^iter» ° Zusii^^u, Es wurde davon abaesehen. in jedem einzelnen
^Ntmi^ung des BLrnerausfchuffes einzuholen. weil dic
Mchu°°^u d°„ ?q der Verhältniffe nicht vorausaefehen werden
M^hvie N letzten Wochen hat sick jedoch eine fo starke Jnan-
dMli^U ?? Leihamts ergeben, datz auch der Kredit von zehn
iK d°? Überiü^.U'cht mehr genügte und Lis heute schon wieder
kEffe^ü^redj^^'i.iEN werden mutzte. Es ist desbalb erforderltch,
di?r°dit SOMilllonenMark erhöht wird. Mit

ailr>»m°ffu das Leihamt bis auf weiteres auskommsn, wenn
^ wirtschaftliche Lagc nicht noch weiterhin ver-

^0?°ss>Ntg

osvrreut^.,^°uitalien sür autzerordentliche Nnternebunmgen.
«ehr dcs städtischen Leihamts mit der städtischcn
Sparkasse.

°- am 23. April Leschloffen: Zur Bsstrertung der
W»k"°hrb»?°,°bbaues sowie der Bauarbeiten im städ-
>4loü.U>>rd >..1 'M Eesamtbetrage von rund 130 Millionen
^ Deff°» « eines Anlehens in dieser Höhe

n Begebung soll entweder gegen Schuldschein oder

Beiblütt der Badtsche« Post

gegcn Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Jnbaber erfolgen.
Die Tilqunqsdauer soll 30 Jahre nicht ubersteigen. Die Festsetzung
der Zinsen sowie der übrigsn Änlehensbestimmungen soll in Anleh-
mmg an die Bedingungen des im Februar d. Is. begebenen Siadt-
Anlehens dem Siad'trat überlaffen bleiben. Die erforderlichen Eeld-
mittel zur Deckung der Ausgaben für die S ch w e m m k a n a l i -
satioN sollen durch Veräutzerung von städtischen Ver-
mögenswerten, in erster Linie von Lewealichen Werien der
autzerbalb von Heidelberg gelegenen städtifchen Eüter, beschafft und
dem Stadtrat Vollmacht zur bestmöglichsten Verwertung diefer
Vermögensobjekte erteilt werden. Der Vllrgerausfchuh wird um
Zustimmung ersucht.

In der Begründung heitzt es: Die Vorlaqen, die den
Bürqerausfchutz in seiner Sitzung vom 3. Mai beschäftigen sollen,
belasten d!e Stadt mit Aufwendungen, die den

Bctraq von einer Milliarde

übersteigen. Diefe erschreckend hohe Ziffer llbersteigt alls
bisher sür den Haushalt der hiesigen Stadt matzgebend gewesenen
Summen und mutz selbst im Zeichen der Papiermarkwirtschaft als
eine ungeheuere Belastung der städtifchen Finanzen be-
zeichnet werden. Vezüglich der Vorlagcn über den Nathausumbau
und den Bau einer Futterkammer geht der Antrag dahin, eins
Kapitalaufnahme von 250 Millionen Mark gegen Schuldschein oder
durch Degebung von SchuldverschreiLungen auf den Jnhaber zu be-
schlietzen. Die Tilgungsdauer foll auf 30 Jahre festgefetzt werden,
hinsichtlich -dcr Verzinsung kann ein bestimmter Satz nicht vorge-
fchlagen werden. Bei der Vorlage. beir. die Durchführung der
Schwemmkanalisation, erfolgte lediglich dis Aniordcrung
eines entsprechenden Kredits, wobei die Frage seiner Deckung
zunöchst noch offen pelaffen wurde. Einmal gefchah dies deswege'n,
weil -die Leistüngen des Landes und Reiches aus Mitteln der pro-
duktiven Erwerbsloienfürsorgs in ihrer endgültigen Höhe zurzeit
nicht feststellkar sind, sodann aber deswegen, weil die der Stadt
verbleibende Velastung fo gewaliig sein wird, datz hierfür die Form
Ler Deckung durch Anleihe nicht als anwendbar crscheint. Eine
M rl l i ar d en anle ih e einer Stadt in der Grötze Asidelbergs
dürfte angesichts der bereits bestehenden Kavitalverpflichtungen selbst
bei erheblichen Opfern an Zinsen und Kurseinbutzen kaum einen
Markt finden. Jn Frage kcime mithin nur eine wertbsständige
oder Festmarkanleihe, wie solche zu Veginn des Iahres vor
dem gewaltigen Niedergang der Markwähriing in Form einer Holz-
wertanleihe geplant war, damals aber wegen des erheblichen Risikos
Mr d!e Stadt zurückgestellt werden mutzte. Die Erfahrungen, die-chis
jetzt mit solchen wertbeständigen Änleihen, vom Standpunkt des
Schuldners aus gesehen. gemacht wurden, ermutigen indes nicht zu
einem Versuch in di'eser Richtung. Bemühungen, den ausländi -
schen Eeldmarkt für den Geldbe-darf der Strdt in Anfpruch zu
nehmen, fllhrten b!s jetzt nur in einem Falle, in welchem ein
in Amerika wohnhafter Freund Heidelbergs der Stadt unter äutzerft
günftigen Bedingungen ein D o l l a ra n l e h e n zur Verfügung
stellte, zu einem befriedigenden Ergebnis. Zwar schweben neuerdings
wieder Verhandlungen mit einer amerikanischen Bank, die
vor einigen Wochen sich zur Vermittlung einer Dollar-Nnleihe ange-
boten hat. Ob und wann aber dieis Verhandlungen zum Ziele
führen ünd welcher Kavitalbetrag auf dicsem Wege etwa wird bei-
gebracht werden können, lätzt sich heute noch nicht beurteilen. Aber
selbst, wenn es gelänge, in Form einer Valuta-Anleihe in der näch-
sten Zeit arötzere Kanitalbeträge flüsstg zu machen, follte man sich
darauf befchränken, diefe Mittel nur für den Nathausbau und die
Bauten im Fuhrhof in Anspruch zu nehmen. Ein etwa über diesen
Bedarf hinausgchender Kavitalbetrag dürfte dann wohl in erster
Linie zur Tilgung bestehender Schulden zu verwenden
sein. Bergen doch die vorhandenen Mark-Schulden für den Fall
Siyex künftigen Stabilisierung der Markwährung erhebliche Risiksn
in sich. denen man bei sich bietender Eelegenheit rechtzeitig begeg-
nen sollte, um die k ommende Eeneration, die in ihrer finan-
ziellen Leistunqsfähig^it ohnehin schon sehr gcschwächt ist, nach Mög-
lickkeit zu entlasten. Es erscheint als allein richtia. die Schuldauf-
nahme überhaupt einzuschränken. Die Möglichkeit hierzu
Lietet sich durch

Verwcrtung städttscher Bermögensobjekte,

die nicht zu den kebensnoiwsndigen Einrichtungen einer Eemeinde
zu rechnen sind. Elllcklichcrweise verfügt -die Stadt Lber solche Merte,
deren Nealisierung unter dem Zwang der Verhältniffe in's Auge
z>.i fa"en sem wird, foll nrcht die künftiae Enlwicklims dcr städtifchen
Fmanzen ernstlich gefährdet werden. Bei dieser Sachlaae vsrtreten
Finanzausfchutz wie Stanirat in ihrer Mehrbeü die Ansicht. datz es
sich als notwendig erweise, den Kavitalbedarf für die Dürchführung
dcr Scbwen'mkanalisaüoi' durch Veräutzerung der beweg-
lichen Habe, wie solche in den städtischen Eütern autzer-
balb Heidelbergs vorhanden sind, sicherzustellcn. Die Degründung dcr
Vorlage befatzt sich dann mit den Einwendungen. die geqen diese
Vorscbläge gemacht werden und schlietzt: Jn welchem Umfang
eine Verwertung der mobilen Werte der städtischen Eüter autzer-
halb Heidelbergs nötia ist, um die erfordetlichen Kavitalien auf-
zubringen, lätzt sich im Voraus nickt mit Sicherbeit bestimmen. Datz
dabei die nötigen Sicherungen hinfichtlich der Bclieferung der hie-
sigen Krankenanstalten mit Milch sowic hinsichtlich der Deckung des
Bedarfs der einbeimischen LaNdwirte an Saatgut zu treffen fein
werden. ist selbstverständlich. Ob im Hinblick auf die völlige Be-
seitigung der Zwangswirtschaft im Eetreide - und Kartoffel-
bau auch cntsprechende Bedinqungen wegen Lieferung von Brot-
getreide und Speisckartoffeln fllr dre biesige Bevölkerung notwsndig
erscheinen, bedarf 'ebenso wie die Feststelliing der sonstigen Einzel-
heiten der Rcalisierung der betr. Werte noch genau-r Prüfung. Zur
Erörterung stebt zunächst nur die qrundsätzliche Frage, ob
dcm von der Mehrheit des Stadtrates und des Finanzausschuffes
vertretenen Standpunkt in diefer Nngelegenheit zugestimmt wird.
Alles weitcre wird dann Sache des Vollzugs sein, der dem Stadtrat
zn uberlaffen sein dllrfte.

Zum Sinscheiden der Großherzogin Luise.

^er Eroßherzogin Luise von Vaden ist selbst für ibre
nachste Umgebnng überi-aschend oekommen. wenngleich in den letzten
Taaen sich bei der greisen Fürstin, die, wie immer, geistig äutzerst
Msch und rege die Geschicke des Tages mit Anteil verfolgte, mehrfach
starkere Ermiidungcn bemcrkbar machten, so agnte doch nicht e-nmal
die nahere Umpebung das Bevorstehen des Äblebens, das Montag
eintrat. Jn Baden-Vaden selbst erfuhr man die Trauerbotschaft erst
m den Bormittagsstunden des Dienstaa. Der Erotzherzog ist
m!t der Erotzherzogin Hilda Dienstag nachmittag 1 Uhr auf Schlotz
Baden im Kraftwagen von Freiburg kommend erngetroffen. Er
begab stch sofort in das Sterbezimmer seiner Mutter, 'die !n stillem
Schlummer zu ruhen scheint. Ueber die Beisstzung im Manso-
leum in Karlsruhe, das Lekanntlich Erotzherzoa Friedrich im
Fasanengarten in der Nähe des Karlsruher Residenzschloffes crbaut
hatte, verlautet noch nichts bejtimmtes. Nur so viel steht fest, datz
die Leiche der Erotzherzogin in den nächsten Tagen nach Karls-
ruhe in das Mausoleum übcrführt werden dürfte.. Im Schlotz
Baden stnd Einzcichnungslisten aufgelegt. Auch sind Vlumenspenden
in grotzer Zahl abgegeben worden. Die Königin von
Lchweden, die bokanntlich in Eapri ist, ist telegraphisch vom
Hinscheiden ihrer Mutter benachrichtigt worden. Ebenso wurocn die
früheren dentschen FLrstcnhäuser vom Tode der Erotzherzogin in
Kenntnis gefetzt. Jn der russischen griechisch-katholischen Kirche wird
Mittwoch vormittag ein T r a u c r g o t t e s d i e n st für dke Erotz-
herzogin von der russischen Kolonie in Badcn-Baden veranstaltet.
Von den Preffeäutzerungen zum Hinscheiden der Erotzherzogin Luise
von Baden ist befonders diejenige des Karlsruher sozialdemokra-
tischen „Volkssreund" bemerkenswert: „Wir dürfen aiich von unserem
republikanischen Standpunkt aus das Leben diefer Frau würdigcn,
wie wir das früher schon getan haben Durch ihre Mitarbeit auf
allen karitativen Eebisten, insbcsondere im Badischen Frruen-
vexein, der Kranken- und Verwundetenpflege, hat sie dem Volk
dienen wollen. Und wer in den vielen Sitzungen der Frau begeg-
nete, mutzte sich überzeugen, datz es nicht die Lbliche dekorative
Spielerei war, fondern Erfüllung einer ernsten Aufgabe, Sie hatte

Sekte 5. '

damit eine Auffassung ihres Standcs bekundet, den man sehr wohl
als edel bezeichnen kann." — Die amtliche „Karlsruher Zeitung"
beginnt ihren Nachruf mit folgenden Sätzen: „Mit tiefer und auf-
richtigcr Trauer wird das badische Volk und darüber hinaus ein
grotzer Teil des gesamten deutschen Volkes die Nachricht von dem
gcstern abend erfolgten Ableben der Erotzherzogin-Witwe Luise von
Baden vernehmen. Diese Trauer mag in monärchifch empfindenden
Kreisen vornehmlich der Fürstin gclten. Für weitere Kreffe unseres
Volkes handelt es sich dabei um ein «nders geartetes Eefühl der
Trauer, nämlich um ein Gefühl der Trauer, das in aller erster Linie
dem bedeutenden und guten Menfchen gilt. Und wahrlich, die Ent-
schlafene hat auf dicses Ecfühl der Trauer, das sich ergibt aus dem
schmerzlichen Bedauern eines Verlustes, der das Volk in seiner Ge-
samtheit Letroffen hat, gerechten Anspruch. So können wir auch vom
revublikanischen Standpunkt aus den Manen der verstorbenen
Fürstin einen Eedenkruf widmen, der getragen ist von warmer und
echter Anerkennung und eben von jenem Schmerze,'der einen jeden
Patrioten zu befchleichen vflegt, wenn er vernimmt, datz ein hervor-
ragender deutscher Mcnsch dahingefchieden ist."

»

* Eine Trauerfeier für Erotzherzogin Luife. Das NoteKreuz
Heidelberg veranstaltet am Sonntag, 29. April, zum Gedächtnis der
heimgcgangenen Erotzherzogtn Luise in der Stadthalle eine
Trauerfeier.

* Don der Universität. Liz. Theodor Odenwaldt wird am
kommenden Samstag zur Erlangung der vonia Ic-s-k ncü cine Proüs-
vorlesung halten über das Thema: „Friedrich Nistzfche und drr
Religion".

* Die „Odcnrväldcr Früüjahrstaqung 1293 kür Künste und
Wiffenfchaften« hat am 21. und' 22. April in Erbach-Michelstadt bei
starker Beteiligunq den denkbar bssten Verlauf genommen. Die Vor-
tröge des Herrn Profeffor Dr. Schäfer (Friedberg i. H.) über „Die
Verwendung des Starkstroms", m!t sshr lehrreichrn Versuchen, w's
der Lichtbildervorrraa des Herrn Univerfftätsprofeffor Dr. Hanloff
(Kiel), — der kurz vorher in 6 wundervollen Lichtbildervorträgen
iiber ,A!e Eotik" qef-rochen hatte — über „Kunst nnd Wirkl'ck'-:-"
fanden rcichcn Deifall: nicht mindcr der musikalische Teil des Pro-
grmnms, das in zwsi dcm „Deutschen Lied" gewidmetcn Konzcrtcn
nicht wcniger als 10 Lieder, im ersten Koniert von Frani Cchumann,
Brahms ünd Reger, fowie im zwciten Konzert von Mendelssohn,
Schubert, Hugo Wolf, Pfitzner und Weismann brachten. Lisa Brech-
ter (Mannhsim) erwies sich von nouem als ausgszsichnete. technisch
und geistiq gleich überlegenc Künstlerin des Liedgesangs. Heinz
Meyer (Mannheim) begleitete meisterlich und in seltener Anpaffung
an die Absichten der Sängerin. Fritz Reufch (Heidelbcrg) fprach
ebenso knapp in der Form wie tief in den Eedanken einleitende
Worte Lber das deu,tsche L!ed, nam'ntlich in seinen Beziehuimen
zu dcr Nomantik. Der Sonntag vormittag brachte einen feierlichcn
Eottesdionst in dcr Stadtkirche zu Erbach. Der hessische Lan»es-
jugcndpfarrer Zentgraf pred'gte in der ihm eigencn hinreitzen-
den Art Lber „Iesns als Führcr der Ingcnd". Im Anfchlutz hiercin
weihte der Esistliche die Wimpel der Erbachcr Jugendvereine. D'e
Feicrlichkeit des erhebendcn Grttesdiettstes wurbe 'noch erhöht durch
herrliches Orgelsniel von Hermins Re,usch-Weitz (Heidelbcrg),
die Werke von Bach und Rcger vortrug. An weitcrcn Veranstäl-
tungen brachte die Tagunq eine Vesichtigung des Odenwalbmuse'.uns
in Michelstadt unter Führung von Rektor' Teiibmann (Miüiel-
stadt), jowie die Teilnahme an einem oon dem Deretn der Odcn-
wälder Jäger veranstaltetcn ausgczeichnetsn Vor-rag des Hscrn
Eeheimrat Profeffor Dr. Olt von der Universität Eietzen über
„Die Entwicklung des Hirfchqeweihs". ANcs in cillem war d-s
Tagunq ein-voller Erfolg fllr die veranstaltendcn Vereine, die
„Eesellschaft der Mufikfreunde Im Odenwald", den „Kreislehrer-
verein Erbach" und die „Odenwälder Vereinigung für Künste und
Wiffensck-aften" wie für jeden der zahlreichen Teilnehmer.

* Zahlt bargeldlos! Trotz wisderholter Hinweife in öffentlichen
Vlättern mutz bedauerlicherweife festgestellt werden, datz sich das
Publikum noch tmmer nicht in dem Matzstabe dem bargeldlofen Dcr-
kehr zuwendet, wie dies unsere wirtfchastlichen Verhältniffe geboten
erfcheinen laffen. Der Umlauf an Eeldnoten ist noch viel zu grotz.
So laffen z. V. vrele Einwohner ihre Gasrechnungen nfw. in
barem Eelve durch Erheben in der Wohnung begleichen. Viel ein-
facher wäre, wenn solche Eefälle an einem bestehenden Sparkaffen-
oder Vankkonto abgebucht würden. Das Easwerk nimmt Anträge
auf Abbuchungen gerne an. Auch alle übrigen ALgaben — Steuern,
Umlagen, Vrandversicherungsbeiträge, Ortskrankeukaffenbciträge ufw.
— können auf diese Weise entrichtet werden. Schuldner können dies
beim Finanzamt, Stadtrentamt oder der Ortskrankenkaffe beantragen.
Es wäre fehr zu wünschen, wenn von diesem vereinfachten Vsrfahrsn
ausgiebig Esbrauch gemacht werden würde. Es licgt dics fowahl
im allgemeinwirtschaftlichen Jntereffe als auch im Intereffs der
empfangenden Stellen.

* Stadttheater. Am Donnerstag fpielt Herma Neudeck die Rolle
der Wendla Bergmann in Wedekinds „FrÜhlings Erwachen". Es
wird darguf hingewiesen, datz die Vorstsllunq nochmals autzer Miete
angcfetzt ist, um weitesten Kreissn den Befuch zu ermöglichen. — Am
Fr'eitag ist in Mietc 8 die Erstauffllhrung der Operette „Das fütze
Mädel" unter der musikalifcken Leitung von Alexander Federscker
und der szenischcn von Fritz Daurer. Nicht neueren Urspri'ngs, hat
-sich das Werk seins (Zngkräft bemahrt und zwingt das Publikum
stets zu freudigem Veifäll. Als East wird Ilse Hacker die Hauvt-
partic singcn. "Weiter sind befchättigt di'e Damen Hertel. Petersen
und dle Herrcn Adlcr, Strauoe, Daurer, Kastner und Hartling.

* Wer ist der Kraftwagenführer, der am 23. April, früh 5 Uhr,
auf der Landstratze Schlierbach—Neckargemünd Leim Ueberholen c-.n
Fuhrwerk ersatzte und derart stark beschädigte, datz dem Fuhrwsrks-
bcsitzer ein Sachfchaden von etwa 100 000 M. entstanden ist? Bei
dem starken Nebel und dem Schrecken des iiberrumpelten Fuhrmanns
konnte nur wahrgenommen wevden, datz das Auto osfen und von
3 bis 1 Perfonen befetzt war.

* Warvung oor einem Betrüqer. Ein angeblicher Franz Schwärz
aus Wien, mittelgrotz, etwa 50 Jahre alt, von dunkler Eesichtsfarbe
und srischem Ausfehen, mit Elatze und kleinem englifch gestutzten
Schnurrbart, der dunkelbraunen Anzuq, bläulichgrauen Schlüpfer
und ebenfolchen Filzhut fowie fchwarze Schnürschuhe trug, hat seinrr
Pensionsinhaberin hier, bei der er sich für einige Tage eingemictet
hatte/ am 21. April unter Vorspiegelung falscher Tatsachsn eine
goldene Damcnuhrkette mit Schieber, ein goldenes Halskettchen mit
defektem Verschlutz für Anhängfel und 2 goldene Armreifen, ctwa
3 Millimeter stark, mit Klappverschlutz und Sicherheitskettch-m nnd
weitzen Perlen in der Mitte, im Eesamtwerte von etwa 300 009 M.
abgeschwindelt und ist flüchtig gegangen. Um Mitfahndung ersucht
die Polizei.

» Polizeibericht oom 21. April. Festgenommen wnrde ein
zur Verhaftung ausgeschriebener, hier zugereister Fuhrmann, und auf-
gegriffen wurde ein aus seiner Dienststelle auswärts davongelqufenes
Mädchcn. Zur Anzeige gelangten 18 Personen, darunter ein
verheirateter Polsterer wegen erfchwerter Körperverletzung, ein vcr-
heirateter Schneider wegen Preistreiberei, 2 Perfonen wcgen grobsn
Unfugs, 10 Ruhestörer, 8 Kraftwagenführer wegen zu raschen Fah-
rens und 8 Ausländer wegen Nichtbeachtung der Meldeoorfchrift.

Lpopt-^lscliricsilsn.

INLNvlielmer llenoeo. vis kür äs.-? am konntsg beqinnsnäs >lnnn-
ksimer vrüüjskrs-kkorüsrennen bostlmmten kkeräs 'veräea mit einsw
Rennpkeräe-Lonäerrng von vrsnkkurt nns überkükrt verasn. llezonüorv»
Interesss virü äen Opelsedsn llkeräan eugsvvLiiät, äio srstwLlü in Zlonn-
boim lauken. Oieser 8tnII vgr !n vrnnkkurt Kv5onäers susqreiok nnä mnk
änkür doi äen Unnnkoimer Itsnnon vntspreeksnäe vkunäo mokr Luknvd-
inon, so änö siek ä!s sportlickon lüntsokeiäunxsn vntor qsnr nnäsron 60-
äingungsn nbvioksln vreräsn nls in IkrLnkkurt, rumai äio blunnkeimor
llskn lünx-oro l-inien bositrt, äis sucd »näorsn XunäiäLton Vnrtoils vsr-
scbskkon ivoräen. Von sonstixcon Ltülion veräon insbssonäoro äio vürston-
borgsoben klercks intersssieren, »vüorckem cksr 8ta.II vincksnborj; unck ckis
iw TrLinIoe von Oeelcor, Lödms uvä ckodn boünäUeben llanckickaton.
 
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