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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0760
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mutz der Todfeind Englands sein. Ts wird die gesamie
Machi Euroras e'nsetzen, um zuerst England zu oernichten.

vr. N.

Der passive Widerstand geht weiter.

Line Eutschliegung der Eisenbahner des Einbruchsgebietes.

Essen, i. Mai.

Die zu «iner Arbeitsgemeinschaft vereinigtcn Eisenbahner-
gewerlschaften für das Einbruchszebiet haben folgenüe
Entschlietzung fur die Fortftihrung des Abwehrkampfes gefatzt:

Der passioe Widerstand gegen den Ruhreinbruch ist von uns
bewutzt und mit voller Verantwortung aufgsnommen
worden. weil wir damit protestieren wollen gegen den Rschts-
bruch und den Militarismus der Franzosen, und weil wir niemand
und einsr fremden Macht am allerivenigften das Recht zuzestehen,
unsere in der deutschen Republik bestehenden Rechte und Frei-
heiten, unser Recht auf Arbeit und freie Meinungsäutzerung,
unser Recht an den Staat, an die Eemeinde, an die Wohnung, an
Einkommen und Eigentum zu beeinträchtigen. Sollen übsr
das Ruhrunternehmen der Franzosen ,Verh a n d lunge n unter
den beteiligten Mächten stattfinden. so mutz unter allen llmständen
erreicht we'rden, datz die Eründe für unseren Widerstand fort-
fallen. Es müssen alss

1. ^»er Militarismus, d. h. das M i l i t Sr v e r s ch w i n d e n;

2. unsere verfassungsmäßigen politischen nnd wirtschaftlichen
Rechtewiederhergestellt werden und für die Folge gegen
fremde Willkür gesichert sein. Sodann verlangen wir, datz der
durch den Retbtsbruch verursachte Schaden wieder gutgemacht wird:

3. alle Ausweisungen und alle von den französischen und
belgischen Eerichten ausgesprochenen Strafen müssen rück-
gSngifl gemacht werden; soweit Dergehen gegen deutsche Eesetze
begangen wordsn sind. stnd ste vor deutschen unabhängigen
Eerichten zur Aburteilung zu bringen;

4. für di« zum Nachteil des Reichs, der Länder. der Provinzen,
der Eemeinden, sowie der einzelnen Bürger verursachten Schäden
müssen die Franzosen und Belgier vollen Ersatz leisten.

Eines Urteils LLer die Höhe der von Deutschland zu leistenden
Reparationen enthalten wir uns, wir stehen aber auf dem
Standpunkte, datz das vertraflsmätziqe Recht der Entente bei der
Wiederflutmachung nicht zu einer Nerelendung des deutschen
Volkes führen darf. Daium ist auch der Eedanke einer Kontrolle
der dsutschsn Reichsbahnen unter allen Umständen abzuleh-
nen. denn diese Kontrolle würde tatsächlich nur den Rhein und
die Rheinhahnen umfassen, weil sie den Hauptertrag des gesamten
Unternehmens abwerfen. Eerade dadurch aber würde die wertvolle
nationale Errungenschaft dsr Reichsbahnen getrennt, ihr Weiter-
bestehen unmöglich gemacht und die der Kontrolle unterstehendsn
Dediensteten fremder Willkür unterworfen. Wir widersetzen
uns aher ebenso einer ausländischen Kontrolle des gesamten Unter-
nehmens. weil wir auch darin die Gefahr einer Abhängigkeit von
Nachbarn sehen, die autzerhalb der Verfaffung stehen und keine
Eewähr für das soziale Wahl der Bediensteten Lieten. Für die
Erreichung unserer oben angefiibrten Ziele sind wir bereit. uns auch
weiter mit allen Kräfteneinzusetzen und im ALwehr-
kampf zu beharren. Wir bitten die Reichsregierung, keine
Dereinbarung einzugehen, die unseren Forderungen wider-
spricht.

Effen, 4. Mai. Die ablehnend« Haltung der französischen Reaie-
rung gegenüber dem deutschen Angebot. wie sie aus dem offiziellen
Eommunigua Lber den heutigen Ministerrat hervorzugehen scheint,
wurde im Laufe des Nachmittags im Ruhrrevier Lekannt und bildete
den Gegenstand von Erörterungen in den hiesigen -führenden, poli-
tischen, gewerkschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen. Wenn auch
Lisher Deschlüffe einzelner Verbände zu der neuen Lage noch nicht
gefatzt sind. so herrscht in ihnen doch der Eindruck vor. datz Frankreich
etne'Regelung der Reparationsfrage n i ch t wünscht, sondern
gerade im 'Ruhrgebiet weitgreifende politische
Ziel« gege.n Deutschland verfolgt. Das deutsche An-
gehot wird im Ruhrrevier als eine Verständigungsgrundlaze durch-
aus anerkannt und Legrützt, wennqleich Bedenken wegsn dsr
Seistungsmöglichkeit geäutzert werden. Vor allem aber ist das Ein-
verständnis aller Kreise des Ruhrreviers mit dcm Teil der Note
der Reichsregierung beiont worden, der sich für die Fortsetzung
des passiven Widerstandes bis zur Wiederherstellung des
rechtmätzigen Zustandes ausspricht. Dieser Auffaffung kommt jetzt
nach dem mangelnden Derständigungswillen der französischen Rezie-
rung eine erhöhte Bedeutung zu. Jn dieser Hinsicht ist
gerade eine Kundgebung bemerkenswert, welche dic zu einer Arbeits-
gemeinschaft im Einbruchsgebiet vereinigten Eisenbahnergewerk-
schaitsn soehen veröffentlicht haben. Nicht nur in den Volksschichten,
die in erster Linie in der ALwehrfront stehen, sondern in der ge-
samten Bevölkerung des RuhrgeLietes besteht der feste Entschluh.
gsrade in der jetzigen Situation den paffiven Widerstand unge-
vrochenfortzusetzen. Es wird hier nicht daran zezweifelt,
datz die Franzosen neue Mittel zur Anwcndung bringen, um ihre
eigentlichen Ziele durchzusetzen. Einem verstärkten Druck von

französischer Seite mutz aber natukgemätz ein verstärkter
Eegendruck von deutscher Seits folgen. ALer auch angestchts
der neuen Lage wird fich di« friedliebende Bevölkerung nicht prsvo-
zieren laffen, sondern die Ruhe und Besonnenheit zu Lewahren
wiffen. Man glaubt übrigens, datz auch nach der franzöfischen Kund-
gehung die politische Bedeutung des deutschen Angebots nicht
verringert ist.

Kampf gegen -en Widerstand.

Unerhörte Anmatzuug der Rheinlandkommiffio»

Wiesbade«, 1. Mai.

Der Delegierte der Rh e i n l a nd k o m m i s f i o n des Stadt-
krcises Wiesbaden erlätzt folgende Bekanntmachung:

An die Vevölkerung der besetzten Eebiete!

Zn der Absicht, den Widerstand und die Aufreizung in den
besetzten Eebieten zu fördern, vermehren die deutschen Behörden
unaufhörlich ihre an die Beamten, die Eifenbahner uni!> die Be-
völkerung dsr besetzten Eebiete gerichteten bedrohenden s!) An-
ordnungen und Befehle. Die härtesten Strafen drohen denjenigen
deutschen Angehörigen, die sich den Erlaffen und Anordnungcn
der alliierten Behörden fügen würden oder mit diefsn in Ver-
bindung träten.

Gemätz dem Rheinlandabkommen können die von deukjchen
Behörden erlaffenen Verfügungen und Anordnungen in den be-
setzten Eebieten nur nach vorheriger Eenehmigung durch dis
Hohe Jnteralliierte Rheinlandkommiffion (!!) ?n Kraft treten.

Fragliche Genehmigung ist in keiNem Falle erteilt und felbst
nicht crbeten worden.

Kein deutsches Eericht, keine deutsche Vehörde kann stch recht-
lich auf Verordnungen und Verfügungen berufen, die nicht gesetz-
mätzig in Kraft gefetzt worden find.

Sollten jedoch — in Verletzung der eigenen deutschen Eefetz-
gebung — deutsche Vehörden oder Eerichte es unternehmen, disfe
Verordnungen und Verfügungen in Anwendung zu bringen, so
würde die Hohe Jnteralliierte Rheinlandkommiffion richt rer-
säumen, die Beschlüsse und Mahnahmen aufzuheben, die in
dieser Hinsicht getroffen worden sind, und die erforverlichcn
Sanktionen ergreifen.

Mehrere Verordnungen der Hohen Jnteralliierten Rheinland-
kommiffion sichern übrigens den deutschen Staatsangehörigen dcn
vollkommen erwünschten tatsächlichen Schutz gegen etwaige Re-
preffalien von seiten ihrer Regierung zu.'(!!)

Jnfolgedeffen wird die rheinische Bevölkerung ersucht, sich nicht
durch Drohungen, die sowohl jeglicher Rechtsgrundlage als auch
jeplicher Wirksamkeit entbehren, beirren oder einschüsbt-en zu
laffen. (!!!).

* /

Die Ausweisungen äus dem^ besetzten Eebiet haben feit dem
3. Mai in einem geradezu unerhörten llmfange eingesetzt.
Nicht nur, datz ungezählte Eisenbahner mit Familisn vcrtrieben
werden, sondern auch Postbeamte, Lehrer und vor allem
ungezählte Privatleute. Hierbei richtet man sich in erster
Linie nach der Landeszugehörigkeit. Preutzen uns Bayern
werden rücksichtslos ausgewiesen, während man Elsäffcr und Mt-
naffauer bisher verbleiben lätzt. Seit dem 4. Mai früh treffen in
Frankfurt ganze Scharen ausgewiesener Veamten ein,
denen man nur eine halbstündige Frist zur Ordnung ihrer dringend-
sten Familienangelegenheiten gelaffen hat. Auch Pfärrer, aber
nur evangelische, wurden verschiedentlich von dem Sch-ckfal ereilt.
Lehrer, die vor vier Jahren ihre ostpreutzische und westpreutzische
Heimat verlaffen muhten nnd im befetzten Eebiet ein neues Heim
fanden, muhten jetzt zum zweiten Male auswandern. Wie die Aus-
gewiesenen übereinstimmend berichten, rechnet man in den nächstcn
Tagen mit derAusrufung der rheinischenRepubIik-(!)
Die Arbeiten dazu find nach Aeutzerungen der Franzosen in vcllem
Eange.

Zranzvsische Straßenräiider.

Di« Zugellostgkeit der französtsche« SoldateskL

tzorft^kmscher, 4.

Wiederum wurden Mittwoch abend anf der
sechs Bürger der Eemeinde unter Dorhaltung vo« m
von zwei französischen Soldaten beraubt. -^sier
Drei des Weges daherkommende Arbeiter, der MaschinemM
Wingendorf, der Bergmann Masuch und der Bahnarbeirer. ^ >er
die unabhängig voneinander heimkehrten, wurden vo« .^pere.
beiden Soldaten, der etwas mehr angetrunken D«r als
sestgehalten, zunächst um 20 000, dann um 10 000, schlretzliw jsch <
Mark angegangen. Währenddeffen kamen drei kary -^pen
G e i st l i ch e, Pfarrer Leugers von der Laurentius-Psarr« gjellc
beiden Kaplänen Linuster und Gaffeling, ebenfalls an ^^,jjhnte«
vorbei. Auch ste wurden angehalten, mit den drer ^ „on

-- - " Man forderte

gemeinsam in eine Häusernische getrieben. Man wurv'"'-

ihncn 3000 Mark. Als die Franzosen darauf hingewreiev ^
datz sie Priester seien. hielten sie ihre Revolver noch alle-

datz sie Priester seren. hielten ste ihre Revolver noch alles

sie. Erst als sie jeder 3000 Mark bezahlt hatten und Ruow
Geld ahgegeben hatte, was er Lesatz, konnten fie scyc«- Kaplärm
drohung Leugers war so grotz, dah er ebenso wie die bero«
aufs ernsteste befürchtete, der Soldat würde losdrucken.

digen verantwortlich machen und allcs tun werde. -- -

Ueberfälle zu verhindern. D-e Matznahmen, die darauch- §„1^
Kommandantur getroffen wurden, fruchteten nrchts. da
der wehrlosen Bevölkerung gegenüber mit den WaN.en tzepc

was sie wollen. Wie wenig dre Matznahmen nützen, zergr vei
die Tatsache datz nicht einmal Eeistliche von solchen lleverr ^ se°
schont bleiben. Amtmann Dr. Schumacher hat ,^f 2»
cnergisch gehaltcnen Schreiben an die Ortskommandanr
Unhaltbare dieser Zustände unter Mitteilung des -ch

protokolls der vorerwähnten Fälle erneut hingewreien. ^11
äutzerste erregte Bevölkerung erwarte Matznav^ffene
französtschen Behörden. die wirksamer sind als die brsyer »

Keine englifche Abordnung «ach berlf-..^

London. 4. Mai. Der Vollzugsausschutz der
industriellen Gruppe hielt am 2. ds- abends ein« erlrglt ^tz-, en
Sitzung im Unterhause ab. Es handelte sich um den D > ^,ell
sprechend der Einladung führender finanzieller und jtzrr

Kreise in Berlin eine Abordnung zu entsenden. w" zu
über wrchtige Punkte bstreffend das Revaratiansprov s»

raten. Dieser Veschlutz wurde für ungLltig erklam- ai-s ^
schlutz soll der Ansicht sein. datz die deutsche Note die F^hord"
Sphäre nichtoffizieller Erörterung genommen habe D-c
sollte gestern abend von London abfahreu-

Amertta bletvt abfetts.

Londo«, 4. Mai. Reuter berichtet aus Washington, «tach An-
sicht des Staatsdepartements erfordere die deutsche Note keinrrler
Aktion von seiten der amerikanischen Regierung. Ueber den Ern-
druck der deutschen Note in den Bereinigten Staäten berichtet der
New Yorker Korrespondent des „Daily Telegraph", Wachington
gebe offiziell keiner Ansicht über die deutsche Note Ausdruck.
Die Mehrheit der amerikanischen Finanz- und Geschäftsleute sek
jedoch der Ansicht, datz das deutschs Angebot eine angemessene
Erundlage för Erörierungen biete und mindestens einen ernsten
Eegenvorschlag Frankreichs verdiene. Es werde erklärt, Deutschland
biete Frankreich Sicherheitspfänder gegen einen Angriff
an, die weit grötzer und bestrmmter feien,. als fie zwischen irgend-
mftchen anderen Nationen in der Welt bestehcn.

Von der Sisenbahnregie. ft«-

Mai«z, 4. Mar. Nach zuverläffige« Meldungen svü I«
zöfische Eisenbahnregie, die bisher militärifchen Ch"°. ^ Mjfor'"^
di« Zivilverwaltung übergeführt werden. ^ ^jera^
sollen gänzlich von den Dahnhöfen verfchwinden. — 2"
neten Stellen der Regie find feit einigen Tagen ^ ^jer
hörige der Wiesbadener russischen Kolonie. ,

ehemalige Offiziere von hohem Adel, gegen eine Ka' ^

von 20 000 Mark tätig. Zahlreiche weiblich « Kräfte °"^jeges
und Wiesbaden, besonders solche. die während d«s fta"
deutschen ErsenLahnbetrieb tätig ware«, sind ebenfalls
zösischen Regiedienst getrete«.

DttrchfichttgeS ManSver. Hok

Mainz, 4. Mai. Eestern abend fand hier im "^pie -

«ine Dersammlung. angeblich für EisenLahner, staU- - pnv ^
von etwa 200 Personen, meist Erwerbslosen, besucht w nrelve'
französischer Seite überwacht wurde. /ä

keiner von den meist autzerhalb des Saales weilende« ^"Ak'
um gegen die Ausführungen des Hauytredners d«r pj

melden, der die Eisenbahner zur Wiederaufnay
beit aufforderte. Schlietzlich wurde von einern ^^aista"?^KgkeH
eine Entschlietzung eingebracht, wonach unter allen Aheits'A-^nd
Arbeit wieder aufgenommen werden solle, um dre sel

zu lindern. Als über diese Entschließung in der ^„-schlietzn"-z;ek
werden sollte, datz sitzen Lleiben solle, wer für die di«

verlietzen sämtliche Anwesenden bis auf ernige ^l^jg abS^^
sammlunfl. Tie Entschlietzurrg war damit fast --nitrm ^

25 Brättte.

Ern Schelmenroman von Wilhelm Herbert.

». Kortseb««»- NachLruck verboie«.

Sie schmunzelte und sah rhm einen Augenblick nach. ,Kr rst doch
ein lieber Kerl — aber ein grotzer Tiopf! dachte sie und'entschlotz
fich vorerst für die Sertenpfade.

Auch «r hielt «s zunächst mit den Berästelungen.

Sein gutes Aug« konnte von der Ferne feststellen, datz Zula tat-
fächlrch wegging.

Da kehrte er um und stieg wieder zu Sybille h-nauif.

„Zch habe Sie erwartet,- sagte fie ohne jedes Befremden. ..Zch
habe Zhnen eben die Karten gelegt."

Er sah mit Unbehagen auf die bunten Blätter, deren geheime
Eprache er nicht verstand.

„Sie stnd «in sehr intereffanter Mensch." Zhre Stimme war
frsrer und weniger mit Würde getränkt als vorher.

„Nicht zum hundertsten Teil fo intereffant wie Sie — für mich,"
rief er unternehmend.

„Es kann fein, datz Sie mich in Unannehmlichkeiten bringen."

,T>as wär« mein Tod."

„Es wäre weder Zhr Tod noch äuch der meine." Si« überlegie.

Damr schob sie dre Karten zusammen und legte ste weg.

,Di« Dergangenheit ist grau," fagt« si«. „Die Zukunft ist dunkel.
Hell ist nur dre Eegerrwart. Verstehen Sie das?"

„O!" rief er und dehnte die Arm« in die Li'it. „Das verstehe
ich auf dem Effeff. Wir beide könntsn uns zusammen eine helle
Eegenwart schaffen."

Sie lächelte, schaute ihn beinahe schelmisch aus ihren grotzen
fchönen Augen an und nickte. ,^Za, ja, Sie! Sie find einer! Diese
Berästelungen!"

„Aber" — antwortete er kühn und bstrachtete sie fest — „die
kräftige Linie von fremder Energi«, di« all dieses Weitverzweigte
zufammensatzt und zu einem sicheren End« führt . . . das sind S i e!"

Jhr kluges Auge blickte versonnen. „Alle. alle kommen sie schick-
salshungrig, glückversessen zu mir. Sollte ich denn nicht auch einmal
das Recht haben, mein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und
mir selbst ein Elück zu bauen!" ,

„Unser Elück!" seufzte er schwärmerisch.

Sie nahm die Karten und legte ein paar Rerhsn. Dann mischte
sie schnell all« die Blätter durcheinander. „Ach was! Zch will."

Sie ging an ein kleines Schränkchen und nahm ein« halbe Flasche
Sützwein und eine Schale mit Eebäck heraus.

Zwei Eläser standen auf einem Seitentischche«. Diese schenkt«
ste langsam voll und gaL das eine Peit.

^lnser Elück!"

Sie beobachtete ihn genau, während er trank.

„Zch war Schauspielerin." sagie sie. „Die Zntrig« trisL mich
von der Bühne. Hier führe ich selbst die Direktion. Was find denn Sis?"

„Auch ich war Schauspieler," entgegnet« er. „Liuen Tag," dachte
er hinzu.

Es freute fie. „Eharakterspieker?"

.Liegt mir gar nicht," sagte er zu fich — irnd M ihr: „Komiker".

Sie legte den Kopf gegen die Händ«. die sie hinter ihrem schönen
dunklen Zaar verschlang. „Humor!" Sie sah über rhn hinweg.
„Humor! Wsm man den aus der Hand liest, der ist der wahrhast
Elücklich«. Mein Humor hat sich verkrochen. Das Leben hat ihn
mir in den Winkel gejagt. Dielleicht können Sie i^r wieder heraus-
holen. Humor ist etwas Eöttliches."

Sre nahm seine Hand noch einmal: „Es ist richtig. Sis häben
Humor . . . vielleicht eher Schelmerei mit einer Mischung . "

,Mas für eine Mischung?"

„Na, sagen wir von — Gaunertum."

,^Frau SyLille!"

Jn serne Entrüstung hrnein graute ss ihm: „Herrgott! Die
schaut durch drch durch wie durch Elas."

„Sie brauchen sich nicht aufzuregen. Jch nehme keinem Menschen
«twas übel. Wir können nichts für das, was wir sind. Alles steht
in unserem Schicksal, wie es in den Händsn niedergeschrieben ist . . ."

„Es kommt darauf an. ob ich die Ensrgie ausbringe!" sagte sie
dann mehr für sich als ftir ihn.

Sie füllte die Gläser noch einmal.

„Was sind Sie jetzt?"

„Wa? Sie wünschen!"

„Zch meine, was treiben Sie?" )

„Zch lasse mich treiben."

„Wohin?"

Er zuckte die Achseln. „Wertz man däs ielbst?"

Sie schaute «ine Weile starr auf den Tisch.

Dann nahm sie seinen Kopf zwischen beide Hände, blickte ihm
ties in die Augen hmein und gaü ihm rasch einen flüchtigen Kutz.

„Jch erwarte Sie heute abend nm zehn Uhr."

„Aber . . ." wollte er sagen. Er dachte an Bibi, an Ehristl. Doch
kam er nicht daru. Zhre ganze Art zog ihn zu sehr an.

„Zch bin La."

BronislawL

Er kam sich wie ern anderer Mensch vor, aks er w-ieder aus die
Stratz« trat.

Das Echeimnisvolle, die Mystik, war in fein Leben «ingezogen
und hatte ihn urkrästig gepackt.

Lange schon hatte er «s undeutlich gespürt. Es gab grauenvolle
Mächte, die hinter dem Menschen herschritten und im Angenblick des
Verhängniffes in seinen Nacken grissen.

------ « »r«

Aber diese Mächte hatten für ihn bisher merst ^ gp»
Schutzleuten. di« Eestalt von Kriminalbeamten M L,ffteiS^gs««-
Jetzt sah er si« berghoch ins Ünendliche vor 6«°

mrt gewaltigem durchbohrendem Auge — mit d«m zftleS

— auf das Zwerglein herniederschauen. >z^eae"' ^

AllSs in seiner schwankenden Natur wehrte siw ^„äch- «s«
rn seinem optimistischen Glücksrittertum sehnte sichk^ ^ Z,ver""^
Er ging rasch nach Hause und erzählt« bei ELsOr
erner NachtproL«. Si« HLrten das beide mit gläuvrS^ »ztig^
seines angestrengten Schaffens. -^.zkiige ^

Die nächste Woche sollte ja an sich seine regelm
bsginnen. se»n-

„Dann kann ich leider abends nicht mehr oer ^

er zu Vibi. ^ sH^

„Zch komme jeden Dbend rn dre Älhamm - ^

begeistert. fthle«-, tzstC-

„Wo ich nicht bin." dachte er. „Das könnte m-r > ^«saS'

Aber er lietz sich vorerst treiben, wie er zu SY Kls»

und evwiderte nichts: ^ -«.ndMv "e(ailS

Nach dem Abendeffen empscchl «r fich, trank yaS
Bier und fand sich pünktlich bei Sybille ei«. -HA,

angelehnt fand. , - schic«

Sre war ganz schwarz und einfach gekleidei. «'s'jete fap- jtzo
von berückender Schönheit. Jhr weitzes Geficht ^V^janZ
dunklen Augen hatten einen eigentümlichen Naw
Hände traten wie ruhig bewegter Älabaster aus v« ichi>"

Spitzenkrausen. Goldha""

Sie trug einen Schleier auf den von leiiem
mernden Haaren und zwar zum Ausgehen fertrg-

„Kommen Sie!" . . ist " ,

Einen Augenblick durchzuckte es ihn f«>gc- " -

«twa Eeheimpolizistin?" qMrcheni«"» '

Dann ging er mit. Zhm war wie jenew
auszog. das Erufeln zu lernen. --^-ea-

,H ch bin nur Handmerkerin," sagte si« ss

ich vermag. ist blotze Stümperei. Jch Lringe »>« »

„Wer ist das?"

„Meine Freundin Bronislawa." .

„Sagt sie auch wahr?" Äci-i--.st'elS"^

Sie schüttelte den Kopf. „Sie steht m't v«"
fchlüsse ich ans armseligen Zeichen zu lasen !»

Derbindung." ^

„Hellseherin?" g di^'

„Spiritistin." ^ «sff, „jirek s;

Zhm fing an. bedenklich zu werden. Er^^ Kesuhl -
Dingen mancherlei gehört und immer dab« allc- „ilgt-

wisien Verwandtschaft dazu gehabt. werl j^ortletzu"
sanstcn ^chwindcl hielt.
 
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