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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0781
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Seite 5.


Di

""^äg. g. Mai igzz.

Beiblatt der Badischen Post

^ Sonnt

Aus der Stadt.

Zalob Willes 7«. GcbuMag.

? >n zjn "gmorgen wurdc Jakob Wille zu seinem 70. Geburt"--

M ejn°„ ^""st"0ll ausgeführten Pergamentmappe die Wieder-

herü-n'Odbikationsbildes des Ooel. ?a.I. Lkriu. 87 übcrreicht.
?! r itz- 1""8 des Vildes geschah im Auflrag des Dcrlags Richard
Mioth», "l'Heidelberg und mit Eenehmigung der Universitäts-
oiifch Heidelberg in der Eraphischen Kunstanstalt Albert

> °i> Ön des Textes bcsorgte Heinrich Dörr. die Binde-

a" Nnin» " e i n i f ch in Heidelberg. Den begleitenden Text hat
^illjr." Universttätsbibliothek Willes Amtsnachfolger, Prof.

> '.Ver-n^^^eben. Er lautet:

Ulbekan^. Er Herr Eeheimer Rat! Wenn Sie hier das Zhnen
o ^ der Dedikationsbild unseres Ooä. Oul. xer-r>. 87, dieses
dj- n§""^^^ift anjchauen, so fürchtsn Sie nicht, es möchten
dieser "."Ichlietzenden 25 0V0 Verse Zobnna ->m ?ne->s folg>.n,
bie wissen, aus dem gereimten niederländischen
^Utsch^ ^ Heinrich von Aken „Die Kinder von Limburg" ins
^lez Aii> ^^"8en hat. Schauen Sie heutr nur auf die Schönheit
d^Ne ""s d>ie im Jahr 1480 wohl hier in Heidelberg ent-
köbli^r? öausbuchmeister zugeschriebene Federzcichnung. eine
^ul^j^'chsten Miniaturen der altehrwürdigen RibliotsiovL

Dichter, wie er kniend sein Werk Kurfürst Philipp
Mer ffr,'"I^Sen von der Pfalz überreicht, Leide Pcrsonen in treff-
de» ^.("kteristik, des edlen Pfalzgrafen jugendliche Erscheinung
^ biederen westfälischen Meistcrsängcr. Dic Worte

Imborsrn brinv äux nvoipo
Ds rmisioo äisoipulo,

, 8o6 xlus nKootririi srrsoipo

usseg , . -lobuirius äes 8li2uto

Cow-'-t'V Zweifel an dem Vorgang der Darstcllung.

>'ld nnz Historienbild in unserer Handschrift! Ans soll dies
an n ^ ütrühzeit des kurpfälzijchen Humanismus heute an dcm
° °"ria5 Sie, hochverehrter Herr Eeheimer Rat, das siebzigste
Wgenh-j? "ollenden durften, mehr sein! Es soll aus seiner Ver-
j^Unsch r heraustreten und uns symbolisch den Weg zu i nseren
^Uch Wie einst Iohann von Soest dem Pfalzgrafen

Md in 1-.?^ Wahrzeichen unseres Berufs, so legen wir heute dies
M sich ^?re Hände, so wie vor alters Freunde bei festlichem An-
8 °in-, , Stammhuch ein gutes Wort schrieben. oies wohl auch

d^^lun, ^üigen Zeichnung zierten und zum Schlutz ein kräftig
aioaruntersetzen. FLHlcn wir uns Zhn-m auch ,n an-
d-rÄwvku - "cche gjg xjnst der Dichter dem Fürsten, so glauben wir
e, * Zu ?-dem geistigen Znhalt der Darstellung ein Sinnbild
ditet . "ben, was Sic, solange Sie unsere llniversitätsbibl'othek
^ies'e,-allezeit vorbildlich bewiesen haben. Ihre Vorliebe
d- !uvik> wird uns hcute zum Abbild >br>"-' eigen-'n Wes.ms,
MUpt, "iischen Ausdruck Jhrer beiden höchsten Lebensidcale iiber-
Mer K^or Liebe zur Heimat, zur Pfalz am Rhein, und zugleich
tr *!ten 55. lur Wisfenschaft und zur Kunst, zum Humanismur im
^Uer « Sie haben diese Jdeale allezeit gepflcgt als ein

^.Usener » ^hrer Heimat und Darsteller ihrer i> ichu-'te, wie als
Ue>n Eeu» """ des Humanismus und Sie habsn schliesilich in
" "erkj-!"e durch vier Iahrzehnte den Aufbau unserer Heidelberger
DaMbibliothek erfolgreich gefördert.
g,^tsn ?s banken wir Ihnen heüte von Herzen. W r ivünschen. Sie
AiiNirt " ^ rchter Pfälzer so eng wie fe Ihr?r und uns-rer lchönen
Käizxr oerbunden bleiben und es möchte Jhnen aber auch des
>7"te, r-i weltweiter und ofsener Vlick für alles Wahre, Schöne und
^ °^n Humanismus als Ihr Bestes erhalten bleiben,

L, . .

c,"Un^^ose heimatlichen Vereinigrmgett und die »ielen übrigen
haben es nicht versäumt, dem Zubllar ihre Elück-

"ielfach begleitet von Keschenken, zu Überbringen.

^ Ttg^h'Ul des Stadttheaters. WLHrend der Sommerferien foll
d, ^ ein wit einem Kostenaufwand von etwa 120 Millionen
^ärt- vorgenommen werden. Den Plänen zufolge fallen

" tdouvtz»"*ologen und xz werden im Sperrsth 40 neue Plätze

ge^^uorkehr mit besetzteu EeLieteu. Wieder zuaelasfen
L'cr) -'"llche Pakete bis 10 icg und Päckchen nach Trier-Kllrenz (Kr.
^ibri»? t>en Orten an der Moseltalbahn Trier-Bullay: Pakete,
"o u"d Pückchcn für Bad Dürkheim, Frankentvk (Pfalz)

^ t dev, ^ Konserenz sämtlichcr deutscher Eisenbahngewerkschasten

'!tcrj,fü.E'^^"^^ohrsminister Grocner und Vertretern des Reichs-

Ui" ^!eüc ^ 1?"b hicr statt, die stch mit der Frage der Eisenbahnen

'.. ' - -- - - - -

8ke,c " tbebiet beschäftigte. Die Aussprakhe ergabe volle Eiw
^ und den einstimmiqen Beschlutz, den passiven Widerstand

der Eisenbahner im Lesetzten Rhein- und Ruhrgebiet bis zum guten
Ende unverändert sortzusetzen.

* Vadischer Landcstarif für das Gastwirtsgewerbe. Im badischen
Arbeitsministerium wurde cin badischer Landestarif fur das Be-
herbergungs-, Eastwirts- und Kaffeehausgewcrbe abgeschlosien. Der
Landestarif regelt u. a. die Entlohnung, dic Arbeitszeit, die Ruhe-
zeit, den Urlaub, die Stellung von Kost und Wohnung, die Erledi-
gung von Streitfragen usw.

* Vom „Flieder", diesem herrlich duftenden Mütenstrauche, wird

mit Recht alljährlich bewundernd gesprochen und gefchrieben. Hierbei
kann man manchmal anderweitige, besonders auch im Ausland ge-
bräuchliche, hier im Volk aber kaum bekannte Beziehunaen ver-
nehmen, während von den hier im Herzen Deuffchlands bel-iebten
volkstümlichen „FIieder"namen kaum einmal gesprochen wird, wohl
in der Annahmc, datz dies ja iedermann schon weitz. Nun ja, dah
man hier bei allen Einheimifchen fast nur die siitzduftende „Wein-
blumc" kennt, ist allerdings bekannt. Di« hochdeutsche, aus Nord-
deutfchland gekommene Fliederbezeichnung ist daneben auch gebräuch-
liH, aber lange nicht so volkstümlich. Jetzt dcnke ich icdoch an meine
hefsischc Hoimai. Hier ist die Dezeichnung „Flieder" dem Ein-
hcjmifchen wefensfremd und sührt zu Verwechfluugen mit den
Holunder-(Holler-)Dlüten oder gar zu anderen fliederaitigcn Vor-
stellungen. Hingegen ist die Benennung „Nägelchen" (Näjelcher) fehr
volkstümiich und wird bäufig in „Nelken" verhochdeutscht. Letzteres
wkrd verständlich für jeden, der weiß, datz man im»heWchen Volks-
mund allgemein auch die Gewllvznelken, die d'en Nelkenblüten in
ihrer Form aufs Haar gleichen, als Nägelchen bezeichnet. Mancher
Lcfer wird jetzi fragen: Wie heitzen denn da unfere in allen Farben
prangenden Garten'nelken, wenn ihr im Hesienland die Wcinblumen
auch so bezeichnet? Für die Eartennelken hat man die volkstümliche
Bezeichnunz „Erasblumen", auf dem Land auch Eräschen (Eräsjer).
Iu der Zeit des nationalen Niedergangs dürften diese alles mehr als
„Flieder" feiu sollenden Zeilen zur Stärkung und Auffrifchung des
alten Heimatsgefühles beitragen, viele Lefer anregen und besonders
meine bier mohnenden Landsleute erfreuen. ü. v.

* Dic erste Mufikwoche zcitgcnöffifcher Tonwerke ist in Mann -

heim für Ende Mai (25.-28.) durch den dortigen Verkehrsverein
unter Beteiligung der Mannhcimer Sängcrvereinigung in die Wege
geleitet worden. Bedingt auch die Zeitlage cine gewisie Ein-
schränkung der Veranstaktungen. so ist doch fllr diefe Musikwoche, dis
dem neueren Chorschaffen die Wege ebnen helfen soll, durch die Mit-
wirkung von insgesamt 25 Vereinigungen vokaler und instrumentaler
Art, unter detten stch der Heidelberger Vachverein, das
Amar-Hindemith-Quartett und die „16 e r" aus Esfen
befinden. cine würdige Ausgestaltung gewährleistet. Das Orchcster
bringt Ehorwcrke von Iofeph Marx und Fr. Eellert, als Urauf-
fiihrüng ein „Halleluja" von Ludw. Eaber und als örtliche Erstauf-
führung Max Regers „100. Psalm" Zur Erstauffiihrung gelangen
im Rahmen der vorgefchenen vier Mustkaufführungen weiterhin noch
eine Bläsersuite von Hermann Grabner (Manufkript), Hinde-
miths „Lieder der iungen Magd", fowie Frauenchöre von Zulius
Weismann, Arnold Mendelsohn und Hans Gäl. Dic Mustkwoche, bej
der hervorragende Solisten (Alfred Höhn, Iane Freund-Nauen u. a.)
mitwirken, wird mit dem festlichcn Präludium von Rich. Strautz er-
öffnet, das Musikdirektor Erich Kleiher dirigiert.

* Stadttheater. Wegen des autzerordenilich grotzen Veifalls, den
Shaws Märchendrama „Androklus und der Löwc" fand, hat sich die
Direktion entschlosien, das Stiick nochmals autzerhalb des Kammer-
fpielzyklus anzufetzen. Die Befetzung der Vorstellimg am Dienstag
ist die der Erstausfübrung. Die Hauptrollen werden gespielt von Frl.
Mattner und den Hcrren Schneider, Sauer, Moser, Malsn und
Krumschmidt. ,Die Vorstellung ist gutzer Mietc. Die. Spielleitung
hat Oberfpielleiter Helwig. — Auf dic erfte Wikderholung des Luft-
spieles „Das Extemporale" am Mittwoch mit Frl. Neudeck und den
Herren MalSn und Sauer in den Hauptrollen sei hingemiesen. Die
Vorstellung unter der Spielleitung Max Malöns ist autzer Miete. —
Am Freitag Ist in Miete k? eine Wiederholung der mustkalischen
Komödie „Die neugierigen Frauen". Der qrotze Veifall, den die bis-
herigen Auffllhrungen d-eses fchwierigen Werkes hier ernteten, dürfte
einen weiteren zahlreichen Besuch rechtfertiaen. Die mustkalifche
Leitung hat Mustkdirektor Nadig. Orchester: Das städtische Orchester.
— Die Dorstellungen beginnen von jetzt an um 8 Uhr abcnds.

* Lomer-Vortrag. Dr. Lomer wird hier am 9. Mai im Harmonie-
saal abends )L8 Uhr iiber das Thema „Tote, die wiederkehren" (Tat-
sachcn und Beweise) sprechen.

* Eine Umwälzung im Beerdigungswesen bedeutet die Ein-
führung von Hartgutzsärgen an Stelle von Holzfärgen. Die
Harigiitzsärge sind nicht allein erheblich billig-r als Holzfärge, was
ja gerade heuie sehr ins Eewicht fällt, fondern ste stnd, wie die Eut-
achten hervorragender wisienfchaftlicher Sachverständiger beweisen.
vornehmlich in sanitär-hygienischer Bezichung den Hölzsärgen bci
weitcm überlegen. Dazu kommt, datz die Terbica-Hartgutzsärge in
folgc eines speziellen Herstellungsversabrens genügende Wider-
siandsfähigkeit, grötzte Bruchfestigkeit und Tragfähigkeit besitzen.
Der Terbica-Hartgutzfarg hält eine Erdbelastung von 50 Zentnern
otzne Schwierigkeit aus. In der Schweiz hat man die Hartgußsärge
fchon längst vor dem Kriege eingefiihrt.

Die drei Gisheiligen.

Mamertus, Pankrazius, Servatius bringen oft Kälte und
Aergernts, heitzt es in einer alten Bauernregel. Wer waren die drei
kalten Heiligen? Der erste der drei Eestrengen, St. Mamertus,
dessen Tag der 11. Mai ist,. war Erzbifchof von Wiert in üer
Douphine und lebte etwa 480 nach Christus. Äls berühmter strenger
Sittenlehrer bemühte er sich auf mehreren Synoden um dis Ver-
teidigung des Elaubens. Die lange vernachlässigten Feldprozefsionen
führte er wieder ein. Eelegentlich eines Brandes rettete er feine
Bischofsstadt, zu deren Patron er fpäter erhoben wurde. Sein Erab
ist tn Orleans. Auf Lildlichen Darstellungen führt er als Attribut
ein brennendes Licht, das auf feine Bedsutung als Kirchenlehrer
hinweist. Pankrazius ist den deutfchen Bauern viel geläufiger ge-
worden, denn mancher Bauernbursche bekommt noch den Vornamen
Pankraz ünd in vielen Vauernregeln wird er genannt: Jst St.
Pankraz schön, wird guten Wein man sehen. Pankraz und llrban
ohne Regen bringen dem Wein« grotzen Segen. — Der Heilige starb
im Iahre 304 schon im zarten Alter von 14 Aahren in der Christen-
verfolgung des böfen Kaifers Diocletian. Ein Teil feiner Eebeine
kam nach England und von dort aus brachte Donifatius seine Ver-
ehrung nach Deutfchland. Er gehört auch zu den „Nothelfern", Len
Lieblingen des gemeinen Mannes. Was er garnicht ausstehen kann,
sind falsche Schwüre und es soll davon allerlei vergessene Legenden
gegeben haben.

Der dritte der Eisheiligen, der hl. Servatius, ist ganz befonders
wichtig, denn er ist der Patron der Schweinezucht. Er war Bischof
von Tongern in den Niederlanden und war eifrig auf das Seeleu-
heil der Seinen bedacht. Eines Tages wollte er sich ermattet im
Freien niederlegen, da fchickte Gott zu seinem Schutze einen mächtj»
gen Adler, der Kllhlung fächelnd über ihm fchwebte.' Auf feins Bitte
entsprang neben.seinem Lager eine Ouelle und ein Engel brachte
ihm ein Trinkgefätz- Diefe Quelle war dann heilkräftig fllr viele
Kranke. Jm Jahre 884 ist er ruhig und selig entschlafen und es
heitzt, datz er ein guter Mann gewesen sei. Trotzdem gehört er zu
den strengen Eisheiligen. Er ist gewisiermatzen derjenige. welcher
der Eefahr ein Ende fetzt. Denn: nach Servatitag man keine Fröste
mehr fürchten mag.

* Wer find dic Maiaussliiglcr? Ein Sachschaden von etwa
100 000 Mk- wurde in der Nacht zum 6. Mai am Philosophenweg da-
durch verursacht, datz das dortseltzst angebrachte Schutzgeländer abge-
risien und mehrcrc Türen zerschlagen wurden.

Polizeibericht vom 5. und 8. Mai. Festgenommcn wurden
ein wegen Betrugs verfolgter, hier zugerejster Diensttnecht und ein
Bettler. — Aufgegriffen wurde ein Trunkenbold- — Zur
Anzeige gelangten: ein lediger Schuhmacher von hier, dei am
5. Mai im Schalterraum des Hauptbahnhoses hier eine auf einer
Bank sitzende Person zu bestehlen versuchte, ein Dienstmädchen und
eine Frau, beidc von auswärts, wegen Diebstahloerdachts, ein ver-
heirateter Schlosier von hier wegen Beamtenbeleidigung und Nöti-
gung, zwei Fuhrleute wegen Unterschlagung und Hehlerei, ein
Schneider.wegen Hausfriedensbruchs und Bedrohung, drei Perfonen
wegen Sachbefchädigung, ein Sänger von auswärts wegen Betrugs
im Bctrage von 255000 Mark, ein Aufkäufer von auswärts wegcn
Preistreiberei mit Kartoffeln, cin Schneidermeister von hier wegen
unerlaubten Handels mit Kleiderfutterstoffen, zwei Wirte wegcn
Ueberwirtfchastens, 14 Personen wegen Uebersttzens nach der Poli-
zeistunde, steben Perfonen wegen groben Unfüzs, 22 Ruhestörer,
drei Iügendliche wegen Nichtbeachtung des Rauchverbotes, cin
Schlosier und ein Kaufmann, die in einer Anlage auf Vänken
fchliefen.-wegen Uebertretung der Anlageordnung, ein lediger Kauf--
mann von hier. der in der Rohrbacher Landstratze auf einen in
voller Fahrt befindlichen Stratzenbahnwagen aufsprang und etwa
fünf Meter weit gefchleift wurde, ohne Schaden zu erleiden, wegen
Nichtbeachtung der Betriebsordnung der Stratzenbahn, ein Kraft«
wagenführer wegen Fahrens ohne Zulasiungsbescheinigung und
Führerfchein, 23 Kraftfahrzeugführer wegen zu fchnellen Fahrens
und weitere 32 Personen wegen anderer strafbarer Handlungen. —
Gestohlen wurden: Jn der Nacht zum 5- Mai aus einem Gare,
ten im Neuenheimer Feld-150 Stück Kopssalat, am 6. Mak itt der
Krämergasie 'eln'Xjähriger weiher Foxterrier mit fchwarzem Rllcken»
fleck, der auf den Namen „Max" hört, am gleichen Tage abends
vor 11 Uhr von einem im Hausgang der Wirtschast zum „Deutfchen
Kaiser". in Handschuhsheim ausgestelltcn Fghrrad die Laterne und
Luftpumpe, vom 30. Aoril Lis 6. Mai aus einer Wohnung in der
Landhausstr. zwei Doublsarmbänder, an einem ein stlbernes Kett-
chen mit Anhänger, E. E. gezeichnet, Eesamtwert 100 000 Mark, und
am 4. Mai aus einer Wohnung in der Rohrbacher Landstr ein
Ehering im Werte von 200 000 Mark.

Die Anklagebank. Der preutzisch« Justizminister hat eine all»
gemeine Verfügung herausgegeben, die Aügeklagten nur dann in die
umfriedigte Anklagebank zu verweifen, wenn ste sich in Haft befinden
oder wenn es die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit bei
der Verhandlupg erfordert, im übcigen aber ihnen einen Platz vor
dem Richtertifch oder an einer anderen geeigneten Stelle im'Per»
handlungsraum anzuweisen.

. Serliner Lheater. ,

'' ... P°.> ^'7)""' '

Dle lustigen Weiber von Windsor .

>«i^^aus der brodelnden Brühe der Worte - mPaul orn

tzt-oey j?°k>odie „Die BerfLhrung" — ein Happcn gefifcht
8 ^ dieser: Dcn jungen Mann mit dem Plakatnamen

i Vietz^^ ekelt vor den Menschen. Er hält es im Schweitzdunst der
d, ^'"em - ^ ""2- Da gäbc es mehrfache Abhilfe Man kann sich
>u-°rieü»?'"Iamen Blockhaus vor dcr Welt verfchlietzen — um die
ver?" kkxistenzmittel sind ja die pfeudophantasiischrn Dichter
e?iley, Äen?! — oder sich mit einem Pistolenfchutz aus dcr Welt
z"rt, öweiten Fall blieben uns vicr Akte voll Wortekstife cr-
xj?^^ Kornfelds Mann weitz einen anderen Ausweg. Er
pomadifierten Zeitgenosien um — so äuf den
Äl' 'lls dns ' Fremden, der ihm nichts weiter zu Leid getan
öi» existiert. Er erwürgt ihn mit fröhlichem Hochgefühl.

tz? Egttun Eattnng crledigt er ihn, und freut sich. Datz

»fsenf,^ .»2" völlig ungeachtet weiter blüht und gedeiht, macht
M8>na,j,7."r irrsinnigen Nachfahr des Karl Moor und seinem :-on
8«k^'"as m ^s^üenen Dichter keinen Kummer. Nun hat Bittcrlich
tz,lHst!^ ^ussicht auf Abgefchiedenheit: im Zuchthaus. Leider weit
i "^sem fidelen Eefängnis statten uacheinander zärtlichc
"r» "" de» bie llute Mutter kommt und will das Büb-

y^?"e ij^? Hand nehmen und ins Freie fllhren. Alle Auffichts-
s.» ^.'5 Flucht des Missetäters herzlich einverstrnd-n,
tzi^ üch k Staatsanwalt fleht ihn steinerweichend an, er

sch? "'cht °A,?krvegen lasien, zu verdnften. Nur der Herr Mörder
K» "t nicht, — bis endlich die liebe, verliebte Ruth er-

T?" Kgg«.^" Vitterlich sütz macht. Sie übsrschüttet ihn mit hysteri-
istDa flieht der Mann — nicht vor Ruth, abcr mit
En, i" '"sofern verwandelt, als ihm die Menschen jetzt prächtig
^in * °r vn ^ schweitzigen Philister im Biergarten, denen ins-
"Nö ^lch» °>"cn einzigen Hals wllnschte — mm Erwürgen.

nss»„?lijdij- "^"schheit ist nicht etwa verzerrt, ste ist schlankweg irreal
üch» ^ da« ^r'-Äb** wie nun? Bitterlich Kornfcld wolltc doch
tch , ^oaiiin? ?. ^chl !eines Eenius im Kampk gegsn die crbärm-
Der;»^"Ehaupten? .... Für diesen logischcn Einwand habe
riy». 2ltaüi^""d Zu bitten. Denn ich weitz schon: Logik ist fchmäh-
dvki lkragj>,?Ub. Nichts würde hindern, der ungewollten Parodie
Eiy G 5'* den lustigen Tribut zu zollen, huschte nicht da und
Wort vorüber, das stutzen macht: und cs steckt
8>>jÜch Eallimathias! Vielleicht aber findet Korn-

Esichsn wenn er sich einmal ohne tragische Faxen dem

v mor «rgiht. Dae Pröbchen im Viergarten, zu dem er

stch hier herablietz, ist wohlgelungen! Stärker freilich 'wirkt dos
Lustgas am blutigen Ende feiner Tragödie. Ein Bösewicht, recht aus
der Rumpelkammer der „Jntriganien", hat zwei Fläfchchen aufgsstellN
eines mit Urin und eines mit Eift. Die werden immerfsrt ver-
tauscht, bis das Eift doch zür rechten Fliege kommt, zu-n Bittcrlich.
Die liebe Ruth geht mit ihm in das uns erlöfende Schweigen. Der
Bösewicht folgt zuvor einer ebenfo dringenden als wirklich höslichen
Einladung, sich zu erschietzen. Und manche Znschauer applaudicrten.
Der Verfafser kam an die Rampe (in den Kammerspielen).
Der Regisseur Richard Rsvy bemiihte sich anerkennenswert, dic
Luftspiegelungen des Verfasiers einzufangen, ohne der köroerlichen
Welt zu nahe zu kommen. Ein tragikomistbes Gruvvmbild („Bür-
gerliche Familie" hätte drunter stehen diirfen!) war besonders ge-
lungen. Aber der Pegel der fchaufpielerifchen Eesamtleistung zeigte
auf Mittelmatz, — tief unier dem früheren Niveau der Kammer-
spiele. Alexander Eranach (Bitterlich) ist eine Persönlich-
keit, doch in Gefahr, sich an die Kortnerei zu verlieren. Die tänzeln-
den Wipp-Bewegungen der Lia Rosen (Ruth) waren Unnatur
auch im Berciche einer stilisierten Natur. Nur die komischen Typen
(Hans Schweikart, Robert Earrifon) erfreuten.

Die kalte Teufelsfaust Earl Sternheims ist in Berlin
einigermatzen aus der Mode gekommen. Man weitz nicht recht: weil
die Leute Lber die Schnoddrigkeit hinaus nach einem böheren Eeist
verlangen oder weil fie heute einem noch profaneren Erdgeist glci-
chen . . . Aber Sternheims Erstling und Bestes, di« zynische Phi-
listerstudie „Die Hose", wird bei allem Wandel der Eefchlechter
zeitgemätze llrständ feiern. Zumal, wenn sie eine so prachtvills Tar-
stellung findet, wie jetzt — von einer störenden Ausnahme abgesehen
— in der Tribüne, unter Eugen Roberts famoser Loitung. Die
störe-nde Ausnahme: der schriststellernde Sternheimadept Franz
Blei, der mit den hilflosen Riesenflosien eines Ichthiosaurus auf
der Bllhne herumpatschte, von keinem Funken feines Meisters cnt-
zündet. Herr Blei, der den Jbsen, den Hauptmann mit Papierkugeln
tötete, glaubt, er könne alles: glaubt, er könne sogar einen Schrift-
steller vorstellen (— den Schriftsteller Frank Scarron in der „Hofc").
Jrrtum! . . . Aber kann man in Berlin wirklich nicht mehr Theater
spielen, ohne ein kleines Sensatiönchen zu bieien? (Und wäre e-
auch nur die Selbstpreisgebung eines Dilettanten.) Neben dem
Schatten — wie viel Licht! Jch habe wsder auf der Bühne noch im
Leben je einen Mastbürger von der urechten klobigen Pracht Iakob
Tiedtkes gesehen. Vom rotblonden Eermancnbart des Tüchtigen
bis zu seinem schwappligen Bierbauch ein Meisterstück der ironischen
Natur, schwammig aufgeblüht aus der Dungerde tadellofer Eestn-
nung. Jlka Erllning stcllt eine, nach fützer Sünde schnuppernde
schimmlige alte Iungser hin, datz man einen Frcudenfchrei tun mag.
(OriLinalitätsgrübler zetern gegcn Lharakterisieren und Lhargielen

— aber die Erüning wirft sie lächelnd um!) Und KätheHaack
als frauliches Jungblut in der Zwangsjacke dei Zünstigkeit: ein
listiger Witz des geknebelten Tcmperaments. Nehmt alles nur in
allem: Ein Vergnügen . . ., ja, ein Vergnügen!

Seit wir die Oper Nicolais „D i e lustigen Weiber von
Windsor" haben, wird die Shakefpeare-Komödie felten grgeben.
Und man mutz gestehen: das „Hand weg!", sonst gegen Veroper mg
und Verfilmung, gegen di« Entgeistung dichterifcher Werke ausge-
rufen, in diefem Einzelfalle mag es verstummen. Sogar die Ueber-
sichtlichkeit der Handkung hat in der Oper, die aus den fünf ver-
worrenen Fäden nur einen löfte, gewonnen — und was die Figuren
an vielfacher Velichtung von autzen verloren, ist durch die Intenfität
der Musik einigermatzen ersetzt. Nur um den Falstaff ist es irotz
Nicolais musikalischer Humore schade. Er, um deffentwillen Shake-
speare den von Sir Iohn erhellten Königsdramen noch das Lustspiel
nachfolgen lietz, bleibt uns mit jedem schmatzigen Wort, jeder ruhm»
redigen Eeste kostbar. Man erwecke ihn in feiner Urgestalt tmmer,
wo sich eine Bühne im glücklichen Besitz des rechten Schauspielers
befindet. Als vor fast zwanzig Jahren „Die lustigen Weiber von
Windsor" zum letztenmal in Berlin gespielt wurden, bei,Reinhardt,
da hietz der Falstaff zwar nicht Bernhard Vaumeister (Üie Erinne-
rung an ihn ist Wonne!), doch immerhin Eeorg Engels. Die Volks»
bühne am Bülowplatz verfügt nun Lber cinen Falstaff nicht.
Der ihn spielt, hat sich den grotzen Bauch und desien Kontrariüm vor-
und hintengehunden: ist auch sonst ein tüchtiger Schausoieler: aber
es ermangeln ihm, dem Herrn Georg August Koch, der inner«
liche Embonpoint und der Saft der Persönlichkeit. Nachahm>>ngcn
sind immer nur Schatten, und ein nachgeahmter Herr Diegelmann
ist der Schatten eines dicken Schattens. — Soll das Lustspicl heute,
da man für Bandwürmer der Clownerie nur mehr literarhistorischen
Eeschmack ausbringt, noch lebendig laufen, lo müsien die einleiten-
den Akte stark beschnitten werden. Da drängen sich die Neben-
personen und ihre ziemlich gleichgültigen Ncbenhandlungen vor: erst
vom dritten Akt an beherrschen Kalstasf und die lustigen Frauen die
Szene. Am BLlowplatz war man philologisch gewissenhaft. Trotz-
dem ging der Geist vieler Worte in die Binsen. Das andauernde
heftige Schreien der Fröhlichkeit machte den Tert zum Teil unver-
ständlich. (Schule Ietzner — doch wiederum schlechi nachgeahmt: denn
in Jetzners Dresiur wird fchr auf Deutlichkeit geachtet!) Auf der
Vllhne tobendes Lachen, Kreischen, Quieken, Lärmen — sortisiimo!
fortisiimo! — und im Zuschauerraum selten ein schwaches Echo. Ein
„Eewüte ohne Eemüte". Mit seiner Shakespeare-Bühne — Halle
mit hoher Doppeltreppe und Estrade! — hekannte sich Regisseur
Heinz Hilpert erst recht als Jetzner-Epigone. Eewitz, inan
kann störende Verwandlungen bequem vermeiden, wenn man sogar
den Elfenspuk im Wolde zwischen die Wände eines Eemäuers steckt.

Hsrmsnn Xisnri.
 
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