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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0792
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Amerika WM sein Gelb.

Kein Berzicht zugunsten der Reparationsfr«ge.
Von unserer Berliner Redaktion.

DAZ. Loudon, g. Mai.

Ie deutlicher üch die durch die DlÄufsion über die deutsche Note
aeschaffene Lage überblicken läßt, desto mehr bestätigt stch auch die
Auffasiuna, datz eine Lösungder Reparationsfrage ohne
eine vorherige Klärung der interalliierten Schulden-
frage fast unmöglich erscheint, und daf; alle deutschen Vorschläge
jcheitern müsien, solange nicht dieses Hindernis beseitigt ist.

Der parlamentarischc Mitarbeiter der „Times" hat von einer
amtlickien französischen Stelle in diefer Hinsicht folaende endgül-
tstge Erklärung erhalten: Wir gehen von SO Milliarden Eold-
mark aus. von denen Frankreich 26 Milliarden erhalten mutz. Auf
die 6-Bonds werden wir nur in dem Matze verzichten, indem unsere
eigentliche Schulden gestrichen werden. Wenn unfere eigene
Schuldsummc nicht geregelt ist, so gibt es auch
k«lne Verminderung der Zahlungssumme. Auf der
anderen Seite melden die „Lentral News" aus Washington:
Die aus Paris berichteten Vorschläge, datz die Regelung der inter-
alliierten Schulden in die Regelung der Reparationsfrage einbezogen
werden solle, wird hier mit unverhohlener Ungeduld auf-
zenommen. Es wird mit aller Bestimmtheit erklärt, datz di« Ver-
einigten Staaten eine Verständigung auf dieser Erundlage nicht
unterstützen könnten.

Noch deutlicher ist ein Telegramm der „Dimes" aus Washington,
in welchem folgendes bemerkenswerte Bild Lber die amerika-
nisch« Stim'mung entworfen wird. Wenn in der amerikanischen
Haltung gegenüber der Reparationsfrage überhaupt eine Aenderung
eingetreten ist, so liegt diese in einem merkbaren Anwachsen der
öffcntlichen Eleichgültigkeit gegenüber dieser ganzen Ee-
schichte. Zweffellos ist infofern keine Aenderung eingetreten, als die
amerilanische Politik weiterhin darauf besteht, Äatz die Repara-
tionsfrage und di« Frage der interalliierten Schulden gegenüber
Amerika getrennt behandelt werden müsien. Dies ist erst heute
morgen von einer offiziellen Seite wieder bestätigt worden.

Die öffentliche Gleichgültigkeit wird in dem Augenblicke enden,
wo wieder der Eindruck erweckt wird, datz man nicht mehr versucht,
die Last auf die amerikanischen Schultern abzuwälzen. Was immer
auch über di« amerikanische Politik gesagt werden mag. sie ist die
einzig« Politik, die innerhalb der gesetzlichen Macht der gegen-
wärtigen Regierung steht, und es ist zweifellos auch zugleich bie-
jenige, die die Unterstlltzung der grotzen Maffe des amerikanischen
Volkes findet. Die Aussichten, datz hierin eine Denderung
eintreten werde, sind heute keinesfalls grötzer als sie vor
einem Zahre maren, und jede Regelung, die man in Europa
velsucht, wird mit dieser Tatsache rechnen müssen.

Spannung zwischen Amerika und Lhina.

Chinefischer Ueberfall auf den Expretzzug Shanghai—Pekiug.
EigeneDrahtmeldung.


DAZ. Londo». 8. Mai.

Von einer Armee von mchr als 1000 chinesischen Banditen
wurde auf einen Exprehzug zwischen Shanghai und Peking
ein Ueberfall unternommen. Lei welchem 8 00 europäische
Reisende gefangen worden stnd. Darüber werden jetzt
folgende Einzelheiten bekannt. Nach eincm Telegramm aus
Peking ist anzunehmen, datz die Räuberbande sich airs Angehöri-
gen aufgelöster frllherer Truppenteile zusammensetzt, die ihrerseits
nur einen Teil einer grötzeren Organifation Lilden, und die
über 4000 Mitglieder zählen dürfte.

Die Regierung hat Truppen gegen die Räuberbanden ent-
fandt, und es sollen bereits ernfte Kämpfe an einigen Stellen
entbrannt sein. Nach amerikanischen Meldungen hätten die Van-
diten alle weiblichen Reisenden wieder freigelasien, die Mehrzahl
der Reisenden sind Amerikaner, die übrigen sind zum Teil
Engländer, Franzosen und Jtaliener. Nach einem
Telegramm aus Washington hat der amerikanische Eesandte
tn Peking erklärt, datz der Vorfall eine sehr ernste Lage
schaffe und die guten Beziehungen zwischen Amerika
und China zu gefährden drohe. Der Gesandte hat auch
bereits selbständig bei der chinesischen Regierung proteftiert,
und man erwartet, datz seine Regierung ihm den Auftrag geben
wird, zu den schärfsten Mitteln zu greifen, um die Frei-
lasiung und die Sicherheit der gefangenen Amerikaner zu erlangen.
Man glaubt in Amerika nicht, datz die Regierungen vonCanton
oder von Peking für den Uebersall verantwortlich stnd, aber man
steht in dem Vorfalle einen Beweis dafür, Latz die Kontrolle der
-die nördlichen Provinzen nicht mehr genügend Sicherheit bietet. Nach
Londonsr Jnformaiionen wird der Ausbruch eines Bürger-
krieges auch an der mandschurischen Erenze und in anderen
Teilen des Landes Lefürchtet.

» .-


.f Der Eesandte der Dereinigten Staaten in Peklng tzat tele-
graphisch mitgeteilt, datz die chinesische Regierung sich bereit er-
> klärt habe, das von den Räubern für die Freilasiung der gefangen

gehaltenen Reisenden des übsrfallenen Personenzuges verlangte
Lösegeld zu zahlen.

Was uns not tut!

Kahr ruft alle Deutschen eiuf.

Von unserer Münchener Redaktion.

Müuchen, g. Mai.

Jm Nahmen einer öffentlichen Versammlung vaterländisch-
gesinnter Männer aller Berufsstände der Stadt München hielt
Dr. v. Kahr eine^ programmatische Rede, deren tiefer
Sinn eine Sammlung aller deutsch- und vaterländisch gesinnten Bür-
ger zum Staatsgedanken bedeutrt. Dr- v. Kahr sührte u. a. aus:
Ich grlltze Sie mit deutschem Erutz und donke Jhnen aus bewegtem
Herzen für die Anhänglichkeit und Treue, die Sie mir darbieten,
und biete Ihnen Treue um Treue. Treu sein war in alten
Zeiten im deutschen Volk eine selbstverständliche heilige
Pflicht. llntreue. Felonie machten d«n deutschen Mann verächt-
lich und einsam. Was täte unserem Volke heute mehr not. als
solche selbstlofe hingebende Trsue. Treue in der Arbeit, im Beruf,
in Freundschaft und Kameradschaft, Treue zur staatlichen Eemein-
schaft und zu dem, was uns heutc noch Vaterland ist, eine Treue,
die sich sebstlos, ohne Ehrsucht. und ohne Habgisr den grotzen vater-
ländischen Zielen einordnet und bescheid^n unterordnet. Mit Feuer
und Schwert lassen sich Volkskrankheiten nicht austreiben.
Mit einem moralisch und wirtschaftlich zerfallenen Volk wie dem
unsrigen, darf man nicht mehr experimentieren: die Eefahr, datz
es darüber zerfällt, ist zu bedrohlich. Jch will Lber die harten Dinge,
die wir kommen sehen und di'e schon in vollster Bewegung sind,
über die bitter schweren Entscheidungen, vor denen wir stehen. heute
kein Wort verliercn, aber seien wir uns darüber im klaren: Neue
Schicksale werden Lber unser Volk hereinbrechen mit kaum
erträglichen Belastungsproben. Seien wir uns dar-
Lber klar.

-ie schrecklichsten Zeiteu steheu »och vor uns.

Zwe, gewaltige Machtgruppen streiten seit Iahren Lei uns um die
Herrschaft Lber den Staai. Einmal der B o l sch e w i s m us, der
in kommunistisch-marxistischer Form dahin arbeitet. den Staat zu
beseitigen und an seine Stelle die Klasienherrschaft zu setzen, die
Diktatur des Proletariats nach russischem Vorbild- Auf
der anderen Seite arbeitet eln Lber dem Staat stehender, ebenfalls
international ekngestellter Kanitalismus daran, die Staatsmalchine
seiner Herrschaft zu unierwerfen und diejenigen. die förmlich die
Regierung in Händen haben, sowie ihre einflutzreichen Hinter-
männer im Sinne dieses kavitalistischen Interesies zu binden. Beide
Machtgruppen sind in dem Bestreben, die Herrschaft Lber den Staat
zu Lekommen, diesen zu ihrem Diener zu machen, eine Lebensgefahr
für den Staat, aber auch für die Zuknnkt des deutschen Volkes als
Nation. Wenn das deutsche Volk nicht Aerr wird über diese beiden
Eruppen, wenn es ihm nicht gelingt, ihr staatsfeindliches Wirken
zu vernichten. dann wird Deutschland als Staat in kurzer Frist nur
nach der Geschichte angehören und in die Reihe der Välker-
schaften eingestellt sein. die in einer vielverfpreibenden kraststrotzen-
den Iugendzeit grätzlich an innerem Siechtum erkrankt. nnd
ruhmlos. unwert ihrer arotzen Vergangenheit, verdorben und ge-
storben sind. Das zu verbmdern. ist vor allem die VNicht dsr vater-
ländisckien Kreise und ihrer Verbände. Dazu müsien diese aber
vor allem unbedingt einia werden und einiq sein im Kampf
gegen die beiden grotzen Feinde und Widsrmiber nnseres Vat-r-
landes. Es geht dabei um unsere h ö cki st e n E ü t e r jo. um unser
Leben, denn ohne Vaterland ist einem wahren Deütschen das
Leben des Lebens nicht wert. Wir baben allerdings angefichts der
schicksalsschweren Zeiten, in denen wir steben. anaesichts de: mäch-
tigen Feinde, die uns umdrohen, wirklich ksine Zeit, Lber ver-
Lältnismätzio unwichtias Dinge zu streiten, keine Zeit vnd keIn
Recht, versönlichem Ehrgeiz nachzugehen. Es ist eine Versün-
digung am Daterland, in den «igenen Kreisen Unfrieden zu säen.
Uneinigkeit zu stiften. muhsam Aufaebautes zu zerschlagen. blotz
weil man meint, neue und besiere Methoden zu wisien.

Der Feind steht oor deu Tore«,

wir haben keine Stunde zu versäumcn. darum lasien Sie. mich das
Signal zum Sammeln geben, zum Sammeln sür alle, denen das
Vaterland über alles geht, denen autbayeris ch sein so viel ift,
wie gut dsutsch sein. Darum gerade müsien wir im Reichs-
interesie den Schutz der Eigenart der Stämme, die Schaffung star-
ker Staaten und dann die Zusammenfasiung zu einem deutschen
Reiche im Sinne der Vismarckschen Verfasinng sordern. Alle, die
für deutsche Arbeit. deutsche Sitte im Eefft christlicher Wsltanschau-
ung einzutreten bereit sind, sllr die inncre und äutzere Freiheit un-
seres Volkes zu kämpfen, Hab und Eut, ja auch das LeLen dafur
preiszugeben? alle die im Zeichen geduldiger Ausdauer. In ruhiger
Erwartung sich rüsten und vorbereiten können zu einer eisernen
Wehr für den nationalen Staat und seine heiligsten Güter, sind
uns willkommen, und wenn wir, die so Eesinnten, treu und un-
erschiitterlich fest zusammenhalten, sind wir eine Macht — grötzer
und stärker. als die beiden. Feinde des nationalen Staates zu-
fammen. Denn jene kämpfen nur für irdische Güter, um ein
beguemcs, möglichst müheloses Geldoerdienen. wir aber kämpfen

-l- 5-b

als ^nstr Ls,-» '7k- ^°ber stehen -,s
in cinem m.-iik/r > suchen unü finden unscr Lebensg

t-r aet7ao7n?/ Ä^ ^dern in harter Pflicht

des' dcutikbsn m?/bert- Wir wären mitschuldig -n demPc ^
d-utschen Volkes und am Unterganq unseres Daterlandes^

-- selbst^u^


orooen, otlnot-u

den verderbenbringenden Händen newunden werden. v"'x

dischen «ache drenen. nicht in ihr herrichen woll-»-f

in, vchw-n-^^.gg '

Ziel,

trefflich

wie lurzna, einer unserer Führer im ffer.i"

sagte. Aber vieviele halten stch heute ?"„ineiibä»8^
alaiibsn in ikrer Unkenntnis des


sein und glauben in ihrer Unkenntnis des
öffentlichen Dinge und der Auswirkung politnch-r v Piilker xii
len und -m^en. Maschin-ngewehre..

tapferen Redensarten und einigen Mazimneim--'-''.
sale korrigleren zu können. Es gibt eine GerechtE--' sa'
e.nss ,eden Mcnsiben. die iede qute Errequng. jede 8»"^ ,

"wolleu

wir

Aach-
Sie



ilN>



Dfenschen, die jede flütc Errequng. .
un'Mkar kohnt und diese Anerkennung soll
d.° ArbeitÄ -""ü-ren. dicscm Sinn

Führer des Bottes i« der grotzon »ationaleu

Stunde der deutsche Mann. der
Sandc hat. desien Eemisieu frek ist von persöultcher
u»d »on gierrgcr Vereichernuq. der nur vou dem li«l. M
l°uge» erfüllt ist. dem Vaterlaud zu dien.n

aufzugehen. sei^.

bereit st'U, w'pfer
Lringendeu d

brauchen ein starkes Volk. T-'.gci
wahrem Völkerglück geh^ durch^^^sschle ^

zu

Diesem Führer mutz aber auch ein Volk
grotzen Bufgaben und Pflichten und der
voll bewvtzt ist. Wir
Weg zur Freiheit, zu

'?e>

as dem L'.chtLU^

Armut, durch das Tal des Todes. ein de>»

ist, menn es fein mutz. kühn aber todesmutia d>e.e
einzigen Weg zur Freiheit zu beschreiten. Wen rs ^
grotzen Kampf um die Freiheit trifft, aus dem
ziehe hinauf und verkünde dort den Erotzen un>. ^ »'L-hc»-
das deutsche Volk noch seines Namens wcrt ist- - de0.7s.eli
----- '-E ' sch.se N

die Macht des Todes sich hindurchschlagen '"/j a'

die mögen die kampfzerfetzten Fahnen weitz-bl.au ^gtc>
weitz-rot aufpflanzen in einem neuen 'relc,
und in einem wahren dcutschen Volk.

Me Mchensthasten Dr.

Wachsende Trregung in den nattonalen Kre>« „

er»*'

Don unserer MünchenerRe ^ ^ ^ a

ktiaen

Vor Eintritt in die Tagesordnung im h-ul>^" G i e^chsi^

i>d

der Dorsitzende-Stellvertreter .

des ^^rbürn-.^-.-rl' ^ ° 0-meldet wkrd. nimMt

7l""lster S ch weyer hen Vorwurf erhob dies-r HinteE,
"der ihn ohne jhn vorher zu befragcn aus de>»^,'„ ffgM
der schwache Position zu e'r! "?s>a»-

Sach„ - «tadtnaktion sprach Stadrrat D Pgtüa „,

fraktio,, - "D'e deutsch« dem ok'ratis

befmdet sich ,m Einverständnis mit der am ^?ünl»»^^s<i
gehabten aus allen Kreisen des Landes ^

E>°--"ng des OberbürgLffters Lupb-

Der Bürgerausschutz in Nürnbero bat >'» ^mme» Ä
^ung -iu d-m Porgehen Dr. Luppes^Stellung 8°»»^ b-> -
d>e E-nle-tung e n t sp r e ch e n d e r M a h »-h^

pa"

zuständigen Regierungsstellen beantraqt.

der Arbeitsgemeinfw»l^^

d-r


25 Bräitte.

Ein Schelmenroman von Wilhelm Herbrrt.

' HS. Soriseduua. NaKLruck verboie«.

.. Erete.

Sie schaute esnen Augenblick die Straße entlang und ging dann
silig stadteinwärts.

Nun vertrat er ihr den Weg und lüftete den Hut.

Sie fuhr zurück. Da erkannte ste ihn; ste hatte ihn ja lanqe
genug durch den Vorhang beobachtet.

„Ah, Sie sind's, Sie Abscheulicherl" schalt sie zornig schmollend.
„Ich habe einen blauen Fleck am Arm und wäre fast vor Schrecken
«tus der Rolle gefallen. Einen so zu zwicken!"

„Es tut mir ja surchtbar leid", sagte er zerknirscht, so weich,
wie er nur konnte. „Äber ich mutzte doch den Schwindel sehen."

Sie hielt an und schaute vorsichtig um. „Eelt?" flüsterte sie
dann mit vertraulicher Begierde- „Ich hab' mir's schon gedacht,
datz es Schwindel ist. Aber m i r kann man doch nichts machen, nicht?
Mas weitz ich von der Geschichte — und fünfzig Mark verdient man
sich doch auch gerne, wenn man sonst nur beim Ballett ist in der
Atyambra."

„Mas? In der Alhambra sind Sie?" Er lauschte gespannt

„Ja! Warum? Kommen Sie hie und da hin? Jch habe Sie
Noch nie dort gesehen."

„Ach! Deshalb!" Er lächelte etwas von oben herab. „Man
kommt doch überall hin."

„Sie^sind wahrscheinlich rcich?" fragte fie mit der stillen Ehr-
fnrcht und der heitzen Sehnsucht, dre knappe Iugend für den Reich-
tum empfindet.

„Zch werds vielleicht bald sehr reich sein", antwortete er
träumcriich.

kl"- Sie duldete vor Bewunderung seinen Arm in dem ihren.

- „Dann werde ich dich auch reich machen."

Sie achtete nicht auf das „Du". „Das sagt joder!" seufzte sie und
war doch bereit, es wis jede zu glauben.

Jn einer Ecke blinzelte verstohlen durch dunkles Etoffgrün das
Lichtauge einer Weinkneipe.

Dort traten sie ein nnd schwärmten miteinander bei einer vollen
Flasche und altgebackener Torte von Reichtum, Jugend, LicLe und
allen Genüsien, die sie Leide meist nur dem Namen nach kannten.
Dabei erfuhr er, datz Bronislawa Erete in derIllhambra kennen

»elernt, zu sich eingeladen und für die geheime Sitzung gewonnen

sich handelte.

katte Das Mädchen wutzte nicht recht, um was es stch hanbelte. Es
ibrer Eitelkeit datz ste in vornehmer Geseüschaft thre ge-

KmeiK'Lie^ s dLum

«chörbar, schattenhast zu sein und schlietzffch «ut der hand. oie m.r

einer schimmernden Flllsiigkeit getränkt wurde, Sibyllens Schulter
zu berüyren.

„Durch das Zwicken bin ich aber auf dich getappt", lachte Erete.
„Das war sehr gut". lachte er auch.

Dann lachten sie beide miteinander, tranken, kützten sich und
waren seit vielen Iahren bekannt-

Er oersprach ihr cine Epiquage, einen Papagei und jeden Tag
so viel Schokolade zum Krankesien. .

Ob er sie auch heirate? ." 7." K«i ^ - -

Ia freilich, im Herbst. ^ '

Er dachte an die Firma Muppe, die um die gleiche Zeit fällig
wurde, und bestellte noch eine Flasche . . .

Wie Lhristl um drei aufwachte, wunderte fie sich bei «inem Blick
nach der Kuckucksuhr, auf d,e der Mond schien, datz Nachtproben so
lange dauerten unv ein Mensch das aushielt. Dann fühlte sie stch
wirklich froh, einmal einen so fleißigen Mann M Lekommsn und
schlief, für Eegenwart und Zukunft geborgen, wieder ein.

Rahel.

Jn der Feldherrnstratze 212 stand in einem Garten ein ein-
stöckiges altes Herrschaftshäus mit oielen Wappen, Schnörkeln, halb-
blinden Fenstern uüd üppigen Efeuranken, denen längst niemand
mehr verwehrt hatte, sich nach Belieben an den Mauern kreuz und
quer zu verschlingen.

Es war cine alte Köchin da und ein alter Diener und Kutscher,
die seit Jahrzehnien für die vereinsamte Gräfin Rahel sorgten-

Sie satz den ganzen Tag warm gekleidct, weil ste leicht fror, in
ihrem Lchnstuhl und schlug sich die Karten.

Alle Wochen ein paarmal kam Sibylle, bei der sie einmal ge-
wesen, und wahrsagte ihr aus den tiefen Furchen der Hand. «ie
stellte ihr auch das Horoskop.

Aber das, was Rahcl eigentlkch wollte, konnte Sibylle nicht.

Die Eräfin hatte sich in den verworrenen Kopf gesetzt, persönlich
mit den Geistern ihrer Dngehörigen zu verkehren, befonders mit
ihrem seligen Eatten Bodo, der fie auf den Händen getragen und
ihr Vermögen verwaltet hatte.

Seit seinem Tode besatz sie niemanden mehr.

Denn die Köchin und der Diener gingen nicht aus ihrer ange-
wohnten Domestikenrolle heraus. FLr Rahel war die Menschheit
mit Bodo ausgestorben. Bei Vodo wollte ste deshalb auch ihren
Vsrkehr mit der Gersterwelt wieder anknüpsen. Vor allem mutzte
er ihr sagen. wem sie einmal ihr Schlotz und ihr Dermögen hinter-
lasien sollte- Er hatte ja im Leben immer dafür gesorgt. Es war
seine Äufgabe, auch jetzt noch dafür zu sorgen.

Sibylle hatte diese Wünschc so oft und so dringend vernommen,
datz ihr die Eache allmählich zu Kopf stieg. Sie war abgesehen von
dcn kleinen Hilfen, die man hie und da beim Kartenschlagen und
bei ihren anderen Künsten anwendsn mutzte, keine unehrliche Frau.
Aber das eingesperrte Eeld der Eräfin Rahel, das nach Befreiung
schrie, bestach fie allmählich.

In einer Entschlietzung der Arbeitsgeme>ni«^'z u-,
ländischen Verbände in Nürnbera kc

seit längerer Zeit erhalten sich in unserer Ze>^-^haver» ' „r, b'
rüchte von der Lostrennung Nordbayerns von is». -giai „ »»„
Schaffung einer Republik Franken. Der * „o,'öh°'gg '
von den Drahtziehsrn der Renublik Frankcn 8"» ,^e^,:ichte
Lbsrschätzten Schwierigkeiten der bayerischen ^ „ di- 'g.

MLnchen sollten wohl den Anlatz geben, die bisheÄÄ.
dke Tat umzusetzen. Wir erwarien von der 'iche»t>e sjlt»',!<

fortige Entsendung eines Staatskommisiars m:>b- „gl",-
machten zur Untersuchung der merkwürdigen p"!"" Disi""ü)bk>
in Nürnberg, die sofortige Einleitung «>»^-- de^.liA'
fahrens unter sofortiger Amtsenth-bu
bürgermeisters, die soforiige Einleitung » ^ie»,
licher Untersuchung, endlich die diing-ub -'^lii^

säumte Cchaffnng eines staatlichen Polizeipran»
sozialistische Einwohnerschaft hat zu der tzer-"


Sie sah sich schon als Herrin m
ster sie öffnen, deren Moder st>
drängen wollte. Mit der ganzen Gl«r der

'onne ^-^ero>"tz

AÄ<binei« " d>e

Frau" bohrte sie sich immer "tiefer in diesen Pl»n h'^he»
siel schlietzlich darauf, Bronislawa ins Geheimnis a

ans ihrer Theaterlaufbahn kannte.
Bronislawa war einst

p-k'

und hatt- ,K

Ehoristin gewesen u«° Ap .
moglichen Rusien Lehciratet. Der Russe war^ E^gerl^

mögen schwand. Sie besierte zwar den Verlust rnff Äschick " ro»'
Künsten wieder auf, weil ihr die Natur vielerler ^ch-n
sensible Art verliehen hatte, die man dazu gut 8 -..„in

. die man
Lber^der Erwerb genügte nicht recht.

So war in ihüen allmählich der Plan aerefft.

Rahels Vermögen in ihre ausgetrockneten Kana^e we>,ne.»,.

eis rrermogen m tyre ausgeiroaneren -»---""ix.tzin >"'eine.liia.
Sibyllc sollte die von Vodos Eeist bestimmte ^ obek

-:r.—Daber..trante^^ schne^E

mtt «romsiawa entsprechend tetlen. Daoei - M-„lom .

belden der anderen nicht. und Sibylle. heitzblütrg uM ihr n»-
wie Theaterleute zuweilen sind. glaubte in Veit, d-r Zab-N.
in den Weg lief. einen Mann und Helfer gefunde» d'

sie ihn brauchte. fie n'» . - -

Das Eanz« stand auf schwacken Fuüen. Doch ?"^ »^

' ' . ie. kSls-HKF

Ersten, denen sin Plan um so sicherer schien, i

Bülljahn kam mit gewohnter Pünktlichkeit >» ^ vein

alten Diener auf die rückwarts

rsr KLr

^liesen bin und her, blieb von Zerl zu klus ^

ken Kopf seitwärts und schau °1ie mit grM» <g,s.K
als ob er mit chr reden wollte. ... dem

Wie er Veil sab. krächzte er mMramsch. ? tzje M

den Stiefel und pickte mit seinem -chnahelw ^xhr. d»v^chtp^
Das war für den alten Diener ein Ze'che» " d>e^tr-»
Gcschichte, die sich da anspann, sehr faul se>- seiner .

hatte ihm aus das Sutzerste mitzfallen. Er hob«, sre»^

in der Küchc und beide berieten. was zu 8-1»-. »,a>

wre

:ieten, was zu gesw«» nickk
Die^Gräfin wachte aus dem Halbschlaf aul .u ^

n»^

a:ie -uillsiii uiaiyie aus osm ^aio w:ai
sie Bulljahn sah, dcr sich tief vor >hr °^g- aul »" .

Dann setzte sie umständlich ihre grotze BriU ^ied-.

und

fie ihr-! N^Ü

emer blauen Lamtmappe ein Schriftstück. sie iyr"

„Es fft alles fertig". murmelte sie befriedigt. als ' h,s
schrift noch einmal qelesen hatte. „Es ist alles heifie» de>»
Namen. Ich denke, Bodo wird zufrieden sett>. -^-.jtten ' ,-^aS
Veit hattc die Vorstellung. datz er h'" we»»

Schwindel — bei der Wahrheit bleiben mugie,
gelten sollte. . < aber «»"

Er gab seinen richtigen Namen an den »>a,
stand, so datz er ihn auf einen iZettel schrteb- -<-..»<, uo*

Von dort trug fie ihn mühjam in

.-c
 
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