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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0802
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Hochschulblatt der Äadischen post

„Vivsl Aesüsmia!"

Ein Weckruf an alle alten Akademiker von Hans Aaetten».

Semestcrbeginn! — Sommersemesterbeginn! Welch eine Fiille
von frohcn Erwartungen und grünen Hoffnungen umschlos, einst für
uns disser Nuf! Mas bedcutete er gar für Len Nulus, der als neu-
gebackensr Musensohn aus dem Vaterhause -og, „Deg Lebens schön-
ster Becher fchäumt dem Dürstenden entgeaen" Ünd rvir haben den
Bccher geleert! Ieder auf seine Art. Mit ofsenen Sinnen und
rvcitem HerM. Unbeschwert von den Nichtigkeiten, die in unserer
Studentenzeit dcr Menschheit Sorgen bildeten. Jn den sonnigen
Frühling sind wir frohlockend gezogen mit Freuden oder licben
Mädels, aus blauen und brauncn Augen haben wir getrunken und
frische rote Livpen geküstt, geschwärmt und gezecht haben wir in
Heidelbergs liederumwobenen Schlokruine» und auf Marburgs
mondfcheinumflosiensr Burgmauer. „Denkst du daran. wie wir uns
Eötter dünkien beim Vollgenuh der Burschenseliakeit?" Die glück-
lichen Iahre voll jugettdlichen Ueberschwanges, vol! lachender Lebens-
lust, voll ungestümen Drangs nach Wisicn und Schönheit — nichts
kann uns je unsere selige Studentenzeit rauben. Nicht einmal die
trostlose köegenwart, nicht dic Not und dic düstere Zukunst unseres
Volkes. Fni Eegenteil. Gerade diesen sllr viele von uns schönsten
Lebensjabren verdan''en wir die Kraft und den Mut, das angen-
blickliche Elend, den Kopf im Nacken, zu tragen und voll felsenfesten
Vertrauens an die Wiedererstarkuna des deutschen Vaterlandes zu
glauben. Wie mancher von uns schövft aus senen Erinnerungen
immer wieder neuen Schwung, liebe, längst verklungene Weisen sum-
mend. „Fch bör' im Eeist den Drosselsang von Iugendlust und Liebe,
der weinaefüllten Becher Klang, den Kchall der Schlägcrhiebe," —
,.Da hat keine Sorge im Busen gehaust, nur Frühlinq und sonnige
Klarheit, da flammt es bcrab aus der nervigen Faust auf den
Frevler an Freiheit und Wahrheit!"

So w a r cs einst. Ein peroat dem — möaen ihn 50 oder 100
Semester drücken —, der das vcraiht! Nlle obnc Av.snahme habsn
wir gesunaen: „Die alten Burschcn leben noch, noch lebt dic alte
Treue." Icbt heitzt es die Mahrheit dieser Worte beweisen. Ein-
dringlicher als die heutige kann uns keine Zelt mahnsn. „In Treue
labt uns halten gusammen Mann siir Mann." Nnf uns alten und
auf den funge'- Nka>>emikern b-'r'-Npn frofkn"na und -lnkunft des
Vaterlandes. 5>och über allen Dökkern der Erde stebt Deutscbland
Lurch seinen Ecist und semc W'sienschaft. Jn ihnen zerschellen gallische
Naubgier und anqelsächsische Kalkulation. Des DeutsKen iiberlegene
geistiqe Fähigkeiten sind im Lehten der Vrund des Neidcs und dss
Hasies einer ganzen merkantilen, machtgicriqen Welt. Aber sie sind
äuch die sicherste Eswähr, dasi Deutschland nie und nimmermehr
untsrgchen kann. Mögsn verblendete Volksgenossen und oolitische
Hibkövfe oder -Utopistcn noch soviel ünheil onrichten lasicn w?r uns
gsistig n?cht verr>rolctarifieren, dann ist die Wiedergeburt gewisi. Dis
Eefahr ?st allerdings unperkennbar, dasi durch die gegenwärtigc Not
sunge Kräfte elend zerfiört werden, die einsi gerade Mark und RLck-
grat unscres Volkes bilden müsien. Um so klarer aber treten die
Pflichten zutage, die wir Einsichtigen zu erfüllen haben.

Zur Sorge um des Vaterlandes Schicksal tritt bei der Mehrheit
unseres akademischen Nackiwuchses die materielle Not des Einzelnen
und dcr uns einst fremde Kamvf ums tägliche Vrot. Da helfend ein-
zugreifen und jede nur mögliche Erleichterung der Iugend zu
schaffen. ist der Philister verdammte vaterländische Pflicht und
Schuldigkeit. Wie brauchen Studenten mit jungen Herzen und freien
Scelen. Nicht, daß sie sich austoben sollen wie wir einmal. Das
rcrwsbrt den meistcn die immer noch schwer acnuq auf ihnen liegende
Last. Aber „dem der keinc Nosen Lricht, ist kein Kranz bescheret".
Nur Eräu in Erau, nur Einschränkung und Entbehrung gerade in
den ersten Studcntcniahren, materielle Fesieln auk Schritt und Tritt
gerade in den Semestern, die noch sinbeschwert sind von Examens-
sorgen, das musi von den junoen Studierenden durch die fernge-
halten werden, d?e aus eigener schöner Erfahrung volles Verständnis
für d?e akademische Iugend aufzubringen vermögen. „Jugendfroh-
sinn, Misiensstreben, schönste Minne tritt uns nah, alles nur durch
dich oeqeben. .^ura ^eackemica!"

Die Folgcn des Fchlcns all der vielen kleinen früher so billigen,
beute im Verhältnis >u den mcisten Weckiseln "nerböri koftsvieligen
Freuden sind weit tiefer gehend, als mancher Ecdankenlose auf den
ersten Blick annehmen mag. Erundlegend für die ganze spät-re
Lebensauffassung sind oft die ersten Studentenjahre. Wer
sich in dcr Zeit, in der er sich vollsauqen soll für ein langes schweres
Leben, schon immerfort quälen und sich jeden harmlosen Genusi ver-
sagen musi, der verblüht vor der Zeit, wird ein verbittertes Men-
schenkind und kein elastischer Träger kür die Wiederaufrichtung all
der Zerstörungen der lehten Iahre. Darin liegt die arosie Eefahr
sür unseren studentischen Nachwuchs. Deswegen sind wir alten Burschen
aus einer sorgcnlosen Zeit verpflichtet. sede Entlastung, die in
unserer Macht liegt, den Füchsen zn schaffsn. Und da bietet sich ins-
bcscndere uns verbeiratsten Philistern sicher in vielen Fällen eine
Kelegenheit, die längst nicht völlig ausgenuht wird. Das ist die
Wohnungsfrage. Wie viele von nns haben ein leerstehendes Quar-
tier für eincn junosn Druder Studio, sei es auch nur in Kestalt eines
ganz einfachen Stübchens oder einer winziaen Kammer, die in reiche-
ren Zeiten anderen Zwecken zu dienen bestimmt war. Wie viele
dcr unverwöhnten jungen Musensöhne werden
dankbaren Herzens mit solcher Studentenbude
znfriedensein. keinerlei Ansprüche rrgendwelcher
'Artstellen, sich allesselbstinOrdnung haltenund
weder Last noch Störung im Hauswesen bcdeuten!
Aufs Vermieten anoewiefene Studentenwirtinnen müsien zeitgemäsis
Preise verlangen. Wir si.nd in der Lage, auch wenn wir keineswegs
auf Noscn gebettet sin.d. kamsradschaftlich und deutsch zu handeln.
Die Eastlichkeit war seit jeher einer der schönsten germanifchen
Wesenszüge. Und hier ist sie außerdem für uns alie Akademiker
«aterländische Pflicht und eigenes nationales Interesse.

Unfere jungen Kommilitonen können sich für die jhnen ersparte
Wobnungsmiete dann wenigstens die eine oder die andere von den
kleinen Freuden gönnen, die ihnen frischen Mut und Spgnnkrast fllr
ihren sicker nicht leichten Lebenskampf geben und schöne Erinnerun-
gen schaffen werden. von denen sie aleicb uns in bitterer Zei? zehren
können. Eesunde. frische. frohe, tatkräftiqe Männer braucht aber
unser deutsches Vaterland in dcn nächsten Iahrzehnten nötiger als
je. Lasit uns alle nach bestem Können mitsoroen, dasi aus unseren
Studenten solche Männer werden. „Brav Eeld musi der Vaker
schicken, wenn der Herr Sohn studieren soll," fo sangen wir in glück-
licher Iuaend lachend unter tauscnd anderen Liedern. Auch die
heutigen Akademiker sollen singen, möglichst alle. und nicht nur
singen, sondern auch leben. Leben, wie es das Recht der Jugend ist,

Burschen heraus! Es g?lt fürs Vaterland! Gedenkt Turer Stu-
dentenzeit! Handelt! Schafft Freignartier welcher Art anch immcr
unferen fungen Studcnten! Wir, Deutschlands geistige Stüsien,
müsien Schulter an Schulter kämvfen mit dcm jungen'Nachwuchs,
ihm das Vorwärtskommen erleichtern und ihm von v.nferer aus
bsfferen akademischen Zeiten stammenden Schwungkraft abgeben.

Sas Grenzlandamt des deuüchen Sochschulringes
und SteHenvermittlung.

Das „Erenzlandamt des deutschen Hochschulringes" gibt bekannt,
dah thm häufia Bitten um Dermittlung von Derussstellen von feiten
Auslandsdeutscher zuiehen. die in ihrer Heimat. besonders
Deutschböhmen und Mähren, keine Arüeitsmöglichkeitsn
angssichts der wirtschaftlichen Krisis sinden können. Das „Erenz-
landami des deutschen Hochfchulringes bittet dringend um Ilntcr-
stützung bei Vermittlunq solcher Stellen und ersvcht dic Arbettgeber
um Berei»willigkeit bei der Nufnahme dieser Auslandsdeutschcn.
Vornehmlich Le'werLen sich fertige Jngenieure, techn. Zeichner, Lhe-

miker usw. um Stellen. Nähers Auskunft erteilt das Erenzlandamt
des H. D. A., Berlin IV 30, Motzstr. 22.

Sozenk, Student und polttik.

Der Micrendorff-Prozetz, dsr cin, man möchte sagen, unbsrechtigt
reges Jnteresse in dcn weitcsten Dcvölkerungskreisen fand, und Ler
zu lebhaften Aeutzerungen in der Presse aller Parteien sührte, lezt
es nahe, ei'nmal ganz allgemein aus Len Kernpunkt der Frage ein-
zugehen, wie sich einerseits der Hochschuldozent in seiner Eiqenschaft
als akademischer Lehrcr zur Politik zu stellen hat und wie anderer-
seits der Student sich den politischen Ansichten eines Hochschullehrers
gegenüber verhalten soll.

Man geht wohl nicht fehl, wcnn man als gültigc und im qrotzen
und gan.zen auch anerkannte Regel annimmt, datz sich der Downt
innerhalb der Vorlesungen von Aeutzerungen seiner politischen An-
sichten fernzuhalten hat, besonders dann, wenn diese in tendenziöser
Weise vorgetragen werden. Zweisellos sind Ausnahmen möqlich
und auch durchäus statthaft, Ein tzistoriker z. B, lann gezwungsn
werden, eine zur Zeit bestchcnde Staatsform mit einer srüheren zu
vergleichen und hieran eine Kritik anzuknllpfen, d!e ichr wohl gegen
d!« augenblickliche Staatsform gcrichtet sein kann. Ebenso kann Ler
Iurist Lei Desprechung neuer Eesetze oder Eesetzentwürfe d>'ese einer
Kritik unterziehen, Dies ist z, B, in-durckiaus zukässiger Weise mit
dem Gesetz zum Schutz der Republik geschehen, Datz hierbei dte
nepsönliche volitiscke Stellung des betreffenden Dozenten mitsvrschsn
kann, ist sel'-stverständlich, wie es gller auch cbcnso selbstvcrständlich
ist, datz der Dozent über die nötige Objektivität bei der Beurteilnng
verfügt und in der Rehandlunq durchaus sachlich verfäkrt, Ieder
ruhig und vernünftiq Denkende wird solche Auslasiung-n, selbst we-in
ste den e'-genen politischen Ansichten zuwiderlaufen hinns>mcn als
in der Natur der Cache, d, h. des betr. Kolleastoffes, liegend, als
nötige Erläuterungen des zur Behan>luna stehenden Themas und
als Aeutzerungen einer gereiften Persönlichkeit, die, ohne ?hre An-
schaiiungen aufdränqen zu wollen. d?s Dinge doch von der Warte
we?Mickender Eriahrungen zu überschanen vermag. Nnnötig. ja
geschmacklos stnd aber derartige politischc Exkurse innerhalb von Vor-
lesungen, die mit Politik keinerlei Deziehung haben, Man wird
auch nur in den seltensten Fällen auf solche „Entqleisungen" stotzen,

In jedem Falle — also sowohl bsi überflüssigen politischcn
Ausfällen, wie auch dann, wsnn sachliche Bemerkungen innerhalb des
Rabmens der Borlefung lieoen — sollte sich der nolitisch anders
denkeade Student veraegenwörtigen, datz es eine allqemeine akade-
mische Gevflogenbeit ist, den Ecsämtinhalt einer Norlesung als nickit
für die Oeffentlichkeit bestimmt zu betrachten, Man entgeone nickit,
datz man dqmit dem Studenten gewisiermatzen einen „Maulkorb"
vgrlege. Es ist eine akademischs Eepflonenbeit, kein Mutz! Der
Student hat das Recht, die politischen Ansichten eines Dozentsn
öfkentlich anzuqreifen, Selbstverständlich ist, datz er stch dabei be-
müben mutz, auch seinerseits sachlich vorzngehen. in ganz besondsrsm
Matz« aber dann wenn er glüubt, die ausgesprochenen Anstchtsn seien
in irqend einem besonderen Falle überhaupt fehl am Platze gewesen.

Elaubt der Student, datz die Aeutzerungen oder Handlungen sines
Dozenten unvereinbar stnd mit Ler Stellung eines Hochschulprofessors
als Staatsbeamten. indem sie sich in tendenziöser oder gar o.uf-
reizender Weise gegen bestehende Staatsformen richten, so hat er
noch andere rechtliche Mittel, um sich drgegen zn wenden, Er kann
dem Nektor der Universität davon Mitteilunq machen, er kann stch,
falls dieser eine Intervention ahlehnen sollte, auch mit dem
Ministerium in Derbindung setzen, Damit sind aber auch alle Möq-
lichkeiten erlchöo-ft, Halten beide Stellen sin Einschreiten für übcr-
flüfsig, so wird sast immer die Klugheit das gerechtsre Urtsil gefällt
haben als jugendlicher Ueberschwana. Der Student kann sicher sein,
datz jede Regierung eine osfensichtliche Vflichtverletzunq eines
Dozenten ahnden wird, wenn sie «s für nötig hält, Es sieht also
autzer allem Zweisel, datz jedes andere Vorgehen eines Stu-denten
einer strafbaren Handlung gleichkommt.

Damit sind wir bei dem sveziellen Fall des Mierendorff-Prozesies
angelangt. Wenn allo der Student die Hilke irgendmelcher Körvsr-
schaften anruft, um die Durckisührung einer Verordniing seitens eincs
Dozenten zu erzwingen — wobei betont werden soll, datz es Pflicht
eines jeden Dozenten ist, sich den Verordnungen seiner vorqesctztcn
Bebörde zu füoen, auch wenn er diese Verordnungen als unvereinbar
mit seinen politischen AnsiKten bält —. so mackit er sich ebenso straf-
bar wie die Körperschaft, dts sich zu einem solchen qewaltsamen Er-
Mingen herqibt und wie seder andere. der sich daran beteiliat, Das
Neckit. einzuschreiten, hat in allen Fällen nur die Polizeü Von der
Mahrunq berechtigter Intercsien als deutschcr Skaatsbürgsr kann
hierbei überhaupt nicht die Red« sein, da'für sind ganz- andere
jurist-iche Poraussetzungen nötig.

Die Stellung eines Studentcn gegenüber den Aeutzerungen oder
Handlungen eines politisch anders denkenden Dozenten sind somit in
absol"t eindeutiger Meiss festgelsgt.

Von allen suristischen Fraaen des Prozesies. also auch von der
Berechtigung oder Härte des Urteils, soll in diesem Zusammenhang
nicht die Red-e sein. Or. V/erubr Lobwickt-HeiüeiberA.

Zetzt M!

Von Frledrkch Koepp,

Vorsitzer der Frankfurter Studenicnschaft

An dem Tage, da der freche Einfall ins Ruhrland erfolqte, ging
ein Aufatmen durch die Neihen derer, die mit ihrem Volke leben.
Nach fast sünf Jahren selbstischen, zielvergessenen Dahindämmerns
durften Masien deutscher Menschon wiedcr einmal für einen Ee-
danken, eine Aufgabe, für !hr Vaterland leiden und opfern. Was ge-
schehen war, hatte man längst absehen können. Es war nichts Neues.
Es war ein weiteres Elied in der Kette der Rechtsbeugungen und
Eewalttaten, deren wir sckwn so viele schweigend oder mit lahmcn
Verwahrunqen hinqenommen hatten- Und somit wurde das Matz
voll. Plötzlich flammte es auf als ein einiger Wille, dem Feinde
die Stirn zu bieten und sich nicht zn beugen. „Durchhalten" wurde
die Losung eines Sechzigmillionenvolkes, sein einer Eedanke, soweit
es „Volk" war und „dachte". Nun sind schon Wochen in diesem Ee-
danken verflosieni an Ruhr und Nhcin. wo Eut und Blut in Feindes
Hand sind. weitz man, was Kncchtschaft leiden für ein Volk be-
deutet. Aber schon cine halbe Stunde Weges autzerhalb der Raub-
zollgrenzen weitz man es nicht mehr; dort dachte man stets zuerst an
die Deckunq des Rückzugs und Larf auch heute schon wieder crwäqen,
ob man nicht doch verhandeln — deutsches Land oerhandeln — sollte.
Diese Taqe und Wochen sind entscheidend. Es handelt sich nicht
darum, ob Frankreich seinen Willen und unsere Kohlen bekommt,
oder ob wir unser scblschtes Necht und unser Nuhrland behalten: es
geht um mehr, es geht darum, ob wir heute aus dem naturgewalti-
gen Aufflammen eines neuen Volksbewutztseins wieder in die un-
kämpferische Celbstgenügsamkoit der letzten Iahre zurücksinken wollen,
oder ob wir endlich den Mut und den Willcn finden zur wahren,
wehrhaften Eesinnung. Ienen Weg weisen uns heute schon die
vielen, die den Kampf des Nuhrvolkes n»r ous den Zeitunqen
kennen, die sie schreiben und lesen, denen ihr Frühstllcksbrötchen wich-
tiqer ist als ihr Volk. weil sie nicht Volk sind; es ist der breite Weq
der herrschcnden Masse, dessen Meilensteine seit jener „Revolution"
Weinbrand, Jazzband, Dollarständ sind. Der andere Weg ist schmal,
und wir sehcn keinen Führer, aber wir werden ihn gehsn müssen.

Es gilt einen Vernichtungskampf ohne Enad- gegen das LsLen
um der Lebensmittel wegen, wie unser Volk es seit Jahrzehnten —
und in den letzten Iahren mehr denn zuvor — lsbt. An der Ruhr
haben Deutsche endlich cinmal wieder eine Sache um ihrer selbst

willen getan — wollcn w!r nachfolgen odcr-verraten?

Diese Frage geht vor allem an den deutschen Studenten, Er ist
nicht entscheidend für den Kampf, auf welcher Seite der Student

stehen wird — man kann sagen, datz die Wflfsen von dk Ab"/-
Iugendbewegung schon ohne ihn geschmiedet woiden >>» - , ,^ jjb-r
ist enischeidcnd für den deutschen Studentcn, ost d>e ;e> 1 ' iccht«
ihn hinweggeht oder ob er im rechtcn Angcnblick »ch siciö'

Sache einsetzt. Der Worte sind acnug gesprochen woroen- '^j^jht
es, ihnen d!e Taten folgcn z« lasien, Ünd wabrlich, 'mr-g vsi"
tun! Eine Studentenschaft, der das Studium nur rer ^ fui
Gelderwcrb ist, deren politisches Wollen sich !n ,,Kundg
und gegen Republik und Monarchie genügcn lätzt. ow t^^j zw
Vildung des Eeistcs die dcs Leibes vcigitzt oder aar 7s„rhalt w
Wehrhaftigkeit leuanet, die sich nicht scheut, ihren Lebensu
der arbeitsloscn Erwerbsweise des Spekulierens
Gemcinschastslebcn weiterhin oon der chemischen lÜerbine
abhängig ist — eine solche Studentenschaft wird gtuden^"

allcrdings nicht bestimmcn. Aber wcr unsere heui'nen ^^chscn-
kennt, der weitz, Latz allenthalben unter thnen junge Krai j„ sim
die den starken Willen zum Neuen mlt gesunder Unbedmm i ^jnieird
tragen, Vor dem Krieqe schon schrieb Friedr'w zu

lV-D.St.) in den „Akademischen Blättern": „Es 0'!'- 'A KL
kämnfcn, Vielen wirds unbcquem sein, sie werden 6>e

promisse und ein Nl.ckgiebiges Sickiabfinden m!t dem^ - -

utsKeN

-- «ncia"

H-V-

wordencn wünicken. Herau-i d>e Klinaen --e-'cn d'e.j. , yNer
keit und dre willenlose Bierphilisterek in nnseren Reipen L „,«1
nicht vorwärts will, der hemmt uns!" Dieser Kamnk m „g l0>>
geschlagen, llnd er wird noch geschlagen weidcn wüsiew. gjj-.piU;'
Studenten unscrem Volks Weqkahner zu einem neuen^ E
zu einem neuen Deutschland werdcn wo»en — wir i'u^jn.
nicht. Studenten werden nicht wiedcr Führer des frciU'M „

Zeiten haben sich ocwandclt. und der Dcrgleicki mit den ^imten

kämpfen des vorigen Iahrhunderts gilt nicht. ^^!,-,„per
können immer noch Diener des Volkes sein und V-rr un-

Bestimmunq. Es ist eine Schande, Sklave der Leben--so ^itteck

iveinmmunq, irs in eme iscpanve, sriave oer 7 «tuven''^,
-mittel sein, wie d-e Masie unseres Volkes und "nstrer „er a

sckiaft cs heute ngcki ist: aber es !st keine Schande- letz!".,

echten Leben. am Ecdanken zu sein. sondern es !st so ist »
einzine Pflichterfüllung, deren ein Mensch säbio ist. U Diesi„
der Sinn des Ruhrkampfes, das Leben aus Pslicht."",, „ ZeÜsil h
am Vaterlande wieder zu adeln und den nachrevolutiona §10"

der satten Eiqensucht von den sebstgesetztcn Thronsn m Zciall

zu stotzen, Wird unser Volk. wird nnsere Stndentensch"''
dieser-Tage verstehen und nach ihnen handeln?

_ ^ Zei-

Elnladuna deutscher Studenten nach Oxford. ?"//§snla'Äx
tungen ging Anfang Fsbruar die Meldung von ei"?'
der Oxforder Studentenschast an zwölf deu'sche ^tuv." ^„scha^-
srfahren dazu vom Auslandsamt der Dcuischsn OÄ-jt

datz diese Einladung zu einsm viermöchigsn Äufencha" .-„srer'''
im Monat Mai keine offizielle Veranstaltung ecr sebha!' „
Orford bedeutet, sondern lediglich die Folge
Wunscbes einer Anzahl Oxforder Student-n z"k
freundschaftlichcr Beziebungen zwisch-n Enaland ""är-ransta^L-p
ist. Das enolische Komitee, das zur Organisation d-r -
oebildet worden ist, mird dic Eesamtkost->n. wc'che ^ tra'z,!
Eösten erwachsen, einschl'etzlich dcr Neise- und -r'a^'7

D-e Unterbriiiqung in Orford soll in Privaihäule^ „„jteN
während des Ausenthaltes sollen die Deuischen an den ^„stgltnNsi »
studentischen Vereinioungen, an den sportlichen ,"s, paen
und Ausflüoen teilnehmen, ste sollen ferner zu den Do"'' e!E„«

zur Unirrersttätsbibl'othek Zutritt haben und auch -'I.-s-f-e"
Studien obliegen können. Das Ausland--amt der D ' .„»ointN-^

>sruvl>-il ovtirqcn lvonsn. ^ttllv -uusillno-ami "51;.7'a„aöN0>"„,„n

dentenschaft hat die Einladung für den Monat si^fen '
Üebcr d-e Auswahl der nach England reisenden

d-"

Ueber die Auswahl der nach England reisenden
noch nichts mitoeteilt werden,

Wcrkstudcntenstatistlk der Studierenden z« Freibursi sn
Not der Studenten wird immer grötzer. Die Zahl Leil "mg
Ferien ihr Geld für das Studinm oder wenigstens ei" ^jjstik,
selben sich verdienen müsien, steigt immer mehr, ? «tenscki"^ < °r<
das Erwerbsvermittlungsamt der Freiburger Studen' hgt,
die in den letzien Ferien werktätigen Studentcn auM'^ ,„gj,
gibt folgendcs Bild: , „ giissi, Ijcck

Den ausgeaebenen Fraaeboaen haben 1120 Studenre > ^ se?
Non diescn 1120 haben 517, also 46 Prozent währ-n ^^„jin"^
Sommerferien gearbeitet, darvnter befinden sich 1o ^r^kst""'"
Aus die einielncn Fakultäten verteilen sich diese 517
folgendermatzcn: ...

Rechts- und Staatswisienschaftler 1".'

Theologen H-,

Mediziner
Naturwisienschaftler

05

86

Philosophen itt

Dic Art der Arbeit war sebr verschieden. A"s
Bureaus waren 118 tätig, Lei Erdarbeiten 102. in jp Der.^
der Landwirt'chast 60. bei der Reblausuntersuchung sibcr
werken 55. Die Arbeitgeber haben sich recht anerkenne
Arbeit der Studenten ausgesprochen. Ach"d?"<u-

Nordmarkfalirt. A» Piinoitcn veranstaltet ber Dcutlw ^t«

illr Grcnz« und AnSlandricutkckitnm lclne vierte Taauna- so
sammcn mtt dcm Bcrcln ftir das DcutkKtnm Im AuSlanvc. ^n

togunosorte lind FlcnSvurg nnd Hambura In AnSiicht oen""7^„tz >" älilter
dcn Nordmtirkcrn aczciat merdcn, dak: dcr Dcutkchc tre" ' stcis

zablrcichcn ilim angcichloNcncn Berclngimmcn nnd B-rbano ^„-cS
ilim ktclit und bas bcdrolitc Dcntlchtnm tm Nordcn des -'".„„srinl' heM
zu schützen und körbcrn vemlibt ikt. Sknch dcr Dentschc wcita-
kich wie in -cn vcrslosscncn Iabren so anch In dlescm <n st^stnna'j-r
Mal-c on ber Taanna bctcillaen. Dle ciaentlichc Hoüischulnei ,t„„d>

pnd

iN

dcr die Vertretcr der örtlichen Hochschulrinae und ibrer ?"Pfjna
kommcn merdcn, wird voraussichtltch am Dtenstaa naw
Hambnra stattkinbcn. wrenzlan^e

Wcrvnng fiir Danzla. Jn diesen Taaen bat siKTclb"' j„»
dcS Dentlchcn Hochschulrinas mit cincm Aulrnf an sam" dew >rd-
vochschnlcn nnd zablreichc böbcre Lcbranltalten actt'an»'- ,-„rdcrt "
drinnlich zum Vcluch dcr Danzlaer Technilche» Hockilchule auis Dcutw',,,s-
Es bclht tn diclcm Anfrul: Dle Eclabr. dasi Danzia 0-^,^ dcr
verlorcn acüt, wlrd von Tcmciier zu Semcster drobcnder. D>c,che
schcn und anbcren nnS fcindlichen ausländischen^Stndicre^ ^ ,„ora^,,§

Illien uno anocrcn nns icinoncycn ausianonmcn vie

lmmcrarubcrcm Matzc. Dcutlche Studcntcn. füblt Jbr da " A„ d»r-b
Berpf ichtuna tn Euch, nach Danzla z» aebcn. um allcin
Nnwclenbelt zu zeiacn. daß ISr nicht willcnS setd, öicle o

Hansxstadt elnem, fremden Volkc zu tibcrlasicn?

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Ire7§^^ die l'nkocrki.äiSrcsorm. Dcr - «...

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Acnöcrukwen n>n ^ ""d tciltc loda"N - j„.

der Dozeittenaruvve» al!!,' , ^°twendia fet zunächst cine 7 ,.z

nn er'^7^ ?°l'e °-nem AuwaÜ "lte Hierarckic,

u»ter,chkeSe. fondern ni,e aemacht. der stK nickt a»t l,c-

"erde tn Zukiin'st an» ^"senSunterschlcd- gründe. De'm^c»
Profcfforen. dcn Honorörvros,»^" "röentlichen und dcn anberordentlt« ^
kcfförc. ""^lordeittlick-cn ^ProÜ-wö" b-n Privatdozcntcn bestcbcn. ,

D«n7s^?k"ltot "ur Be"böi?.'.»^^""° ^'7 L (?r°iie S-n-t ^
^"k'-n Scnat tolltön »ön?» ?""""" AngeleacnS-ttcn --"0^ ^s.
t" ausrckchenöcr ldrdknartcn Dcrtreter dcr N ,

N""°rdi»arkeii, Prtva7o„„??^' wcitercn Faknltät alle 0rdinat> ,

ti7-77^'E„lci kcrner, dab dk-> Honorarvrofcfforen aiiacb ,

tim,L ^7 Nichtordinarken d,> ttntverfftätSoraancn anacbörcnden A-
L»s-- -vabilitatio,,s"'N',.^,"lc/4ctt Nechkc insbciondcrc aiich in,Pr°"^

-rie Vciväbrtc ttinri,t>7"""^' ""d BerusnnaSanaelcaenSeitcn

balten werdcn. m,"s'Ettt„a dcr ttittversitätöknratorcn follc b-v
''"'"ertztatsraks nttk dcn' llntvcrffkäkrkchterS wcrüc In daS ct"^

D-c Rcform des "'"rS ttntverfftätsvnöikns nniacwaud^

inzwischcn wcttcre Forttcn.-,?/" ^ ^ ' t ch e n UntcrrtchtS kclbst

l-t so a,tt wtc abaeschlossö»^-,?^'"°Et- D!e mcöizinifchc Studicmr-sA'

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