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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0819
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Skk Lrnst dtt Llge.

8on Rechtsanwali Drugeldcy, M. d. L-, Darmstctdt.

UeLerleamrgen, die daM gefüchrt haüen, die Rede des engli-
Iche« ^"Mnminisiers in Form eines lestimmten Angebots dsr deui-
-neichZregierung durch einc diplomatische Noie zu bcantwortsn,
Kai,^ °"! ausienpolitischem und iuncrpolitischem Gebiet. Man
tz.,We 'n weitcn Kreisen der sozialdcmotratischen Parter, dasi d,e
^egierung es in der Hand habs, durch ein solches Angebot,
si, V nixlomatischc Verhandlungen die Becndigung dss Ruhrkr:cgcs
h;, .°ng Lringen zu können. Die sozialdemokratische Partei drangte
r^i^ugcr.er Zeit daraus. dah die ..Aktivität" dcr dcutschen Reichs-
del! D'Ng sich durch cin Lestimmtes Angclmt auswirken solle, weil src
hs»° ^'ng war, die Aufnahmesähigkeit der englischen imd franzo-
^rLeitcrschaft für vernünftigc wirtfchaftlichc Bertzandlungcn
größcrem llmsang vorhanden als vor vier Monat-n, Trch
ih ^ ^ llos vorhandcner schwcrcr Vedenlen gab inan
kli^erlm dieser Erwägung Ranm. Man erwartcte. dah.emc StLr-
lo,,? """ vernünstig und wirtschaftlich denrcnden Kreise des Ävs-
sM- Einflusi auf die ftanzösische Regierung färdere, jedcn-

dvrn """ eine Stärknng dcr Abwehrfront im Jnnern Deutshlauds
einen dmlomatischcn Schritt crrcicht werd«n könnte. Wer. wis
!hT' ber Ausfassung ist. dcch der Kampf zwischcn Frankreich und
tz ^icyland hcute nocki und lsider moül uoch ans adscödars Ze:t ,m
hiiti,"lcht in wirtschaftlichen Zielen, sondern in dem alt-
d^Men volitiscben Kamvs der französisckirn Nation gegcn
hsr°- utsche Reich gipielt, stand all diesen Krwartungen von vorn-
°a.r! ?- slepiifch gegenüber. Wir Ledauern jetzt fc.ststslleu zu müsfen
M orese Ausfassung Rscht Lehalten hat. Die Antwort dsr franzö-
""d Lelgisckien Regierung auf die deu-tfchs Nöte gibt kcmcn
swr zu einer mit den Sebensintcreffcn und dcr Ehrc drs deutschen
hi- in Einklang zu bringenden Lösung. Es ist die altr HsfinN.mg.
do-, m 'ws in jeirer Antwort offeubart. dic wir aus dcm Bcrirag
sei, -^-rsailles. aus der qanzcn Politik der Gcwalt und der Diktatc
kem.l^er Zeit zur Eenügc kennen. Das französische Bolk rst noch
reif sür eine Regierung, dic dis Krafi höttc. die wcrt-
Vernunft gegenüber der Politik Ler Angst und Rachs, der
Ilscb^ ^ Raubsucht. durch die heute die Handlungen der franzo-
" Vegierung diktiert werdcn. zum Sieg zu führcn.
lrai ^ Hoffnungen auf England oder andere ncu-
UUL° . Diä ch te wcrden sich leider auck als gavz umvesentlich und
hai- -^undet erweisen. So sshr zweifcllos anerkannt werdsn mütz,
>>-» I1Ü,7>11I11° ?,"s Nie sckniei-e EekaLi- der aeaen-

'^Mn begrisfen ist, so fehr die gcwichtigen Stimmen aus wirt-

England die Empfindung für die schwere Eefahr der gegew
europäischen Lage für die euglifche Vorniachtstell'.mg im
"egriffen ist, so sehr dis gewichtigen Stimmen aus n
l>ie chen Kreisen Englands zu würdigen sind, fo fehr Llcibt doch
riiKi^errückbare Tatfache Lestchen, datz im Augenblick wedsr die
YoiWsIase Entfchlassenheit nach auch die Machtmittel der englifchcn
Miim lür die deutschen Lcbensintcressen eingefetzt wcrden, Die
tzrx-dlung der englisch-französischen Beziehungcn, wie sie sich in der
lnun der englifchcn Minister gegcnüber Frankreich ausspricht.
l>ie darübsr himvcgtäuschen, datz cin cntschlassener Schritt durch
: ^eai- lwicklungsreihc dcr Politik der letztcn Iahre von der cnglischen
lHr°!?ruch setzt nicht beabsichtigt ist. Selbst das himmel-

- > barbarische, eines Kulturvolks unwürdiac llnreckit, das
dep Mche Kriegsgerichtc in einem jedem Rechtsgefübl hohnsprechen-

: »der dem deutschen Valk zugefügt haben, findct nur ein mehr'
, bUiger platonisches Interesse in der cnglischen Deffentlichkcit.

- ^ULe,'"l!chastslage in England kann sich untcr der Einwirkung des

- Epg^wpfes nicht verschlechtern. Die autzenpolitischen Interessen

und Frankreichs stehen wieder einmak angesichts der
i «er 'le» Lausanner Konferenz in einem Esgensatz, der es
Eeg,^Wischen Regierung unerwünscht erfchsinen lätzt. zu diefen
! ?Isen^?^en noch einen starken Kampf der mitteleuropäifchen Znter-
M^'?SUzufügen. Man will in England deshalb nach einer Farm
den 2 kn der man das Eesicht wahren lann, ohne einen entschsidsn-
§t dex^ritt gegenüber Frankreich tun zu müssen. Die Form dasür

- ^Ugrr> ?ch gefünden. datz auch die englifche Regicrung das deutsche
! wsvrt, "ls ungenügend Lczeichnet und der Entscheidung Lber die

8e Veendigung der rechtswidrigen Eewaltmatznahmsn Frank-
ieht bnd Velgiens ausweichen wird. Datz in Amerika auch
steht „.ch wie vor in amtlichen Kreisen durchaus keinc Neigung be-
?lleü iu den mitteleuropäischen Konflikt einzugreifen, wird von
Uß i^nnern der amerikanijchen Politik bestätigt. Heute lefen wir,
^wglifchen Unterhaus diese Auffassimg der englischen Regie-
lvir UsdrLcklich bekraftigt wordcn ist. Mit dsr Tatsache also haben
"bzufinden, datz weder England noch Amerika, noch irgend-
fr^re starke europäische Macht entschlosien find, einheitlich gegcn
Ueilr^ösifche Politik Front zu machen. Man lätzt den Dingcn einst-
'en Lanf und will versuchen, die dcutsche Regierung in
^eru^, lungen Lber die Reparationsfrage zu verstricken, ohne den
der französisch-deutschen Gegenfätze, den Vernichtungs-
ber französischen Politik gegenüber Deutfchland, blotzzustellen.

^ssey Acnüber dieser Sachlage. die klar und nüchtern ins Auge zu
DUe vcrmag ich nicht einzusehsn. wie die deutsche Regicrung,
i id^tzandr ^istenz dcs Rciches aufs schwsrste zu bedrohsn, auf deni

- Keg ^mngsWeg im Augenblick weiterkommen kann. In der devt-
Sv'dokr-j. "llichkeit besteht von den Deutfchnationalen bis zur Sozial-
^id darübsr nur «ine Auffasiung, datz der passive

! ^>--j " fiann uvbedingt und ungeschwächt aufrecht

-,.?>tvrisu>-« —i. --- angetreten. Die DLm-

dem Gefang „Mutz i denn
nach einer anderthalbstün-
schwarze Dunkelheit mit zwei Stunden Ver-

T^Utress Pforzheim

E.Uch jW Nvn galt es sich sputen. Im Hotel Ruf satzen seit einer
waßgeocnden Herren von Pforcheim, mit eincm klang-
ivAe, m-i^^or unsrer harrend. Nervöse llnrube herrschte in der
T»- ?He festliche Mahl zu verbratzeln drohte. Endlich marsn

l^eriivi Oberbürgernisrster gab uns eine eingehends

aiy öl.?" Pfor-ihcimcr Jndustrie, die einc gute Erundlagc fllr
zxjdseltej,"Neren Morgen folgendcn Bcstchtigungen bildetc. Es
»ltev Fl.?ben und Eegenrcden mit den Ehören der vorzüglich
No >mnger,

Morgcn bcnn Frühstück im Hotel crhielten

z u e rh L l ten i st, Lis dic Zurücknobme der fränzöfifchen Trupven
und die Wiedergutmachung Lcs gefchehcnen Lnrechts erreicht ist. Ist
dem aber so, so lätzt fich die Frage der Wicdergutmachung des lln-
rechts und der Beendigüng der Eewalttaten nicht trennen vonMen
wirtschaftlichen Verhrmdlungen. Es ist vollkommen qusgeschlotzsn,
datz dic dcutschc Regicrung in dem gegenwärtigen Zustand stch auf
wirtschaftlichs Verhandlungen einlasscn, wirtschaftliche Verpflichtun-
gen iibernehmen kann, ohnc datz gleichzeitig alle Garantien zur Bs-
freiung des dcntschen Bodens uon der widerrechtlichsn Eewalttai
gegebcn sind. Die Aegierung Luno genietzt gerade um dessentwillen
in den.breitesten Schichten des deutschcn Volkes ein so hohes Matz
von Veriraueu, weil sie vom ersien Augenblick an die Politik ver-
falgt hat, datz rhre Erklärungen unter allen Umstän-
den fest un d unv erbrüch lich e i ng ehaI ten werdsn, und
sie hat erklärt. einmal, datz der pasiive Widerstand bis zur Vefreiung
durchzuführen ist, ferncr, datz das erste Ziel der Verhairdlungen Be-
cnöigung rmd Wiedergutrnachung der Eewalttaten sern müfse. Wsnn
also jetzt von England aus versucht werden wird, die politischen Ver-
handlungen sa zu leiten. datz mair dreser Frage auswercht, um sich
lcdiglrch mit der Revaratiansfrage ats salcher zu befasien. fa kann
und ' '" " ">'''. " "

durch __ ^ . ... . . .,.

ern deutsches Angebot übciwundsn wcrden kanu, sonderu cinzig und
allern durch den standhaften und entschlossenen, vor keinem Hinocrnis
zurückscheuendcn Widerstand des einigen dsutschen Volkes. Odsr
glaubt jemand im Ernst, datz die Antwortnotc Poincarös anders ge-
lautet haben würde, wenn das zahlcnmätzige dentsche Angcbot irg md-
wre anders aufgebaut, beziffert öLcr bcgründet worden wäre? Für
die franzöfische Polrtik steht dre Frage der 86<rrinit.s. d. i. die Rhein-
grenze, und die Zerstückeleung des Rerches im Vordergrund L,cr
Ueberleonngen. Dieser Frage aber kommt «uan nicht mit wirtschaft-
lichen Bsrechnungeni sondsrn nur fo bei, datz die französischc Politik
die Ersahrung macht. datz dcr Lcbcns- und Einbeits-
wrllen des dentschen Valkes stärker ist alS alle
fränzösifchen Gewalttatcn.

Jnnerpolitifch muh nun alles darauf abgestellt ssin, eme
Erschüttsrung jener Einheitsfront unier allen Urnständen zu verhrn-
dern nnd die pärtcrpolitischen Gegensätze in siner Form auszntragen,
dre stch mrt dsm Lebenswillen des deutschen Bolkes vereinbaren lätzt.
Um desientwillen haben wir die Amtsführnng des
Ministers Severing auf däs sch 8 rfste mitzbilligen
müssen. Kein Augenblick war weniger geeignet als diese Zeit der
höchstsn Lebensgefahr des deutfchen Volkss, um auf dem Verrval-
tungsweg mrt polizerlichen Anordnungcn gegcn die Wrdersacher der
jetzigen Regierung vor^ngehen. Mit gleichcr Deutlichkeit aber mllssen
wrr auch im ernstosten Ton jene Vewegung warnen, dis insbcsöndsre
in Bayern glaubt, datz ein mit Erdrasielung und Zerftückelnng
drohtes Volk fich den Lurns gcstatten dürfe, hcmmungslos und von
allen Lcidenschaftcn gepcitscht, rnnerpolitische KLmpfc anszuiragcn.
Wir wrssen wohl, datz in jener Layerischcn Bewegung die
vaterländische Leidenjchaft, das verzweifelnde Temperament des übsr
die Demütigung des eigenen Volkes und feiner Wehrlpsigkeit be-
drückten Gemüts sich auswirkt. Das gibt uns Grund, drejcnigen zu
warnen, dic jene Bewegung anf polizcilichcm Weg übcrwinden zu
könncn glauben. Es gibt auch allen Anlatz zu betonen. datz der
Palitiker mit den vorhandcnen Kräften und nicht mit den
Kräften seiner Phantasie Politik machcn mutz. Der pban-
tastische, nnr seinen leidenschaftlichen Trieben ergebene, am Ende
gar von persönlichem Ehrgeiz beseelte politische Führer kann ein
Volk in der Lage des deutschen auch dann in den Abgrund führcn,
wenn er im tiefsten Erund aus vaterländischem Herzen zu händeln
glaubt. . ,

Nüchternhert und Besonncnheit ist das Eebot der Stunde. Ern
Eebot, desien Grötze und Schwcre, aber auch desien sittlrche Kraft
wir täglich aus dem heldenmütigen Widerstand des Rnhrgebiets
und des RHeinlandes lernen können. Wreviel leichter wärc es für
jene bedrückten Seelen, wenn sie dem leidenschaftlichen Herzen freie
Bahn und ihren letzten vaterländischen Wünschen rückfichtslofen Aus-
druck schenken könnten. Wieviel schwerer ist jenes stumme, aber be-
harrliche SchwergSn pasiiver Abwehr. Wie unfäglich tief schmerzen
dre Wunden, dre in jenem Kampf geschlagen werden. Aber gleich-
wohl ist es die einzige Kampfesform, in der das deutsche Volk hente
streiten kann. Nüchternheit und Besonnenheit sei aber aucki den
sozialdemokratischen Führern in der Beurtrilüng der
Lage unferes Volkes anempfohlxn. Illnstonen und Träume von Din-
gen, denen in der Welt der harten Tatsachen das Leben verfagt
bleibt, haben das deutsche Volk in den letzten Iabren schon wieder-
holt an den Rand des Abgrunds geführt. Auch das deütfche Volk
im pasiiven Widerstand ist ein kämpfendes Volk im sittlichen Sinne
betrachtet. Ein kämpfendes Volk aber bedarf der ständigen innsrn
Stärkung und Kräftigung, nicht aber d«r Aushöhlung seines Wider-
standes dadurch, datz man Zweifel und Bcdenken in das Herz träufelt.
Jener Jrrglauben, datz deutfche wirtschaftliche Angebote etwas rm
Ausland im Augenblick zu ändern vermögen, jene Illusion, datz in
Frankreich oder England die einer wirtschaftlichen Verständrgung
gcneigten Kreife zu aktivcr Politik stark genug wären, kurzum alle
lleberschätzungen dcr i n t e r n a t i o n a l e n Kräfte
oegenüber dcn harten Tatsachen des nationalsn Daseinskampfes
führen Zweifel und Mutkosigkeit ins Herz dcs kämpfenden Volkcs.

Dre deutfchc Regierimg hat nicht leichten Herzcns, fondcrn nach
langen und jchwcren lleberlegungen, das Letzte einzufetzen für die

Rettung dss Ländes nnd um dke Sinhellsfront des BaTkes nngsi
Ärochen M erhalten, jsne drplamatijche Nate rn die.Welt gesandtz
Die Antwort der Welt liegt vor. Sie lantet: Hilf dir selbA
so bilft dir Gott! Eine harie, aus allen Träumen erweckends
Sprache, abcr vielleicht die Sprache, deren es bedarf, um im deut»
schen Volk alle Kräfte des Widerstandes zu fammeln. Zum Iahres,
mechscl schricbcn wir an dicser Stclle, datz das neue Iahr mit der
varausfichtlichen Eewalttat der Franzosen das deutsche Volk var LÄ
Schicksalsfrage sciner Zukunft stellen wcrde. Noch immer liegt es ii>
seiner Hand dre Zukunft zu merstern, wenn es stark bleibt irr
seiner Schwäche. wenn es einrg bkeäbt trotz aller scheiw-
öaren Zerrissenheit.

Von unserem Wiencr Mitarbeiter.

Das offizielle Organ des ffchechoslomakischen Autzenministers^
Dr. Benefch, die Pvager „Zahranicni Politika". bsschäftigte stiÄ

-kleinen monLrchfftifchen Elemenren abfieht, der .echteste Vertretel

wörtlich aus: .ALer unserc französische Politll kann nicht eine
'deutfch- oder ungarseindlichr sein, rn dem Sinne. welche ihr gerne
Lre Vertreter d-er Rasssn- i und NationalitLteng-egen'fatze beilegeni
möchten. llnd das Nicht nnr, wsil wirtifchäftlrche Jntcresien nns>
iMrgen, ein vsrnülntriges Verhältnis zu allen NachLarvölkcrn M
suchen, fondern auch dsshalh, weil wir in dcr Zerreitzung Europas iM
ewig einander feind-liche Rasien nichi das letztc Wort politischer
Wcrsheit sehen können. So haüen wir unferen kankreten Bestchiingcn
zu Dentschland ein ganz normales Eepräge zu gsben vevsucht unä
wir Wnnen auch den cheutschen Re-gisrung-sn nicht den! DorwlirH
machen, datz fie fich gegen uns nicht- genügend loyal vsrha'lten hätten-
Wir haben ouch genug für eine wirtschaftliche Annährrung nn
llngarn getan. ALer doch wird niemand behauvten können, datzi
wir auf das Dsntschland, wie es fich heute noch gibt, unsere Zuknnft
gründen könnten, so wre man das auch nicht von dem heutiaen!
Üngarn sagsn kann. Minister B e n e s ch hat kürzlich den TharaKäie
Deutschlands miid llngarns dahin umschrieben, Deutschland baüe M>är
seine politische, aber nicht scine feslffche Revolution -durchgeführt,
Ungarn aber werde wsder die «ine, noch die andere durchmachen ims
in den beiden «taaien werde noch der Varkriezoideolagie gehuNigt,
Wäre rmseve Freiheit und unser Staat im SchatL-en jolche: Idecrr
sicher und antzer Gcfahr?"

A«s aller Welt.

Heinrich Freefe 70 Zahre alt.

Der beka»nte Grntzindustricgc Helnriüi Frcefc vollendet am
1S. Mai sein 70. LebenKjahr. Frcese rst in Hambura als Sotzn deZ Be-
arüiiders dcr deutscben J-alousie-Fabrikativn. Hcinricki Aobann Marivt
Frcesc. geborcn. Seinc Mütter wa- einc SÄivcftcr des Dr. FraneoiS
Wille, eines Studicnoenoflen des Fürsten von Bismarck. der auch iv
dcn Wcrken Fritz RcuterK und Heinrich Hcines erwäh-rt wird. Jü
Dr. WillcK Hciw'..t» Zürich perkchrie in der NachrevolurionS.ieit von 18«
Nichard W a o n c r , Frauz Liszt. Urüöld Löckli«, Gcorg Herwe.söt
Gottsried Kinkcl und viele andere deütsche IKrötzcu. Obcrft Wille in
Zürich, bei dcm Kilbelüi ll. gclegentlich Ler grotzen Schwek-er Wauöusr
i« Herbst 1018 zu Gaste war, ist eiu Vetter von Heiurich Freeie. FreeseS
Bater erobcrte im Schlezwig.Holiteiniicheu Befrciungskrlege eine Dan«,
brog-Fabnc, die in der RuhwcSlialle des Bcrlincr ZeughauseS cinen ber,
vorragenden Platz erhalten tzat. Jm Februar 1890 wurde Heinrich Frecs«
in den Staattrat bcrufen, um an dcn Verliandlungcn über die Arbciter!
schupgesebe teilzunebmcn. Für den Schutz der Bautzandwerkcr ist Frees«
in reichem Matze ebenfallS eingetreten und hat hierüber mehrere Biichei
geschriebc», die fetnerzcit grotzes Aufschen crregten. Freese gebört auci
mtt zn den Begründcrn dcs Bundes sür Bodcnbcsitzrefornl, deffcn erstci
Vorfltzender er lange Jahre gcwesen ist, ebenso zu den Begründern dcs
Berliner Svar- und BauvereinS, defleu fcgensreiches Wirken viele Be-
Hörden nnd Dcrcinigungen veranlatzte, gleichfalls Svar- und Banvercirn
inS Leben zu rufen. Die GewcrkiLaften und sonstigcn Arbeitcrver,
einigungen werden dereinst, wenn die sozialcn Gegensätze mehr auS»
geglichcn stnd, stets dcs Namens LeS Maünes voll Dankbarkeik geöewken,
oer mit fo warrnem Herzen sür die Bcflerung der wiriichasrlichcn Lagc dcr
Arbeiter und Ha»dwerker iu Wort nnd Sckrift und mit dcr Floe ein«
getrete« ist.

Petersburg wächst wieder. Äw 1. Mai üetrug die BevökkeLune
Petersburgs auf Grund cincr Bolkszühlung 1101600 Personen. Ju der
letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl aus das 1'Hfachc angcwachicn
— Tie Sowietvertrctnngen im Auslande halien von ihrcr Negierung di<
Wcisung erhalteü, katholrschcn Misslonaren dic Einreiie.
erlaubnss nach Rutzland zu vcrweigern.

Der Lamvf gcgcu dic dcutschc Svracke !u Sfldiir? ' > B'rüüc»
aus Jn»sbruck kat die italienische Regierung wegen der Ausnahm«-
bczcichnuna in Südtirol im Berkchr mit dcn Bchördcn angeardnet, datz
kein deutscher Name mehr gebraucht werden darf. Nur iu wcingen Ortei,
wird eS gestattet, neben der italieniichcn anch noch die deutsche Bezeich-
nung in Klammern beizuiilgen. -

. T'schen Davdenkmale wurde «u
schon herein, als wrr unter
ügky hinous" losaondelten, um

^ty^ahrt durch ^-

wrr

'"'b Vertreter erotischer Völker. MÜnner' von
^e^Efa^/^r und schwarzer Hautfarbe, die gekommen waren, um
ernMtausen. llnser Weg führte uns zunächst ins
jkk', r«: s. Dort ist die Schatzkammer Pforzheims

'st 'hk Dauermuster-Ausstellung von über dreibundert Bijou-

tzeL.er voi-T-°'.^Scrätefobriksn. Jn sorgfältig geordneten Auslagen
ünd -"'Kj- an Schmuck und Gebrauchsartikeln in Edel-
'nifi^Ufer x'-" .5'n!iaiioncn auf denr Erdkreis verlangt wird. Nur
solchc legrtimiercir können. habcn Zutrrtt. kein
dekKre "'ugclasien: dre Avsstsller selbst wisien äichj, wo und

b!»i--^lronen untergebrocht find. Diese Einrichtung hat stch
djtz Echhrt- Die Ernkäufer bskommen hier einen lleberblick

AxjUer A'Nrntproduktion. und können in Ruhe ihre Wahl treffen.
chhLäd-^bwunderung voll. perlrefien wir die von Edelsteinen und

. d"/ch.Pesuch 'zu machen. Wir beiraisn die großenH^jk
''^^kierew lfiodr L Wienenberger A.-G., dre echten Schmuck,
Uflv lzx^ -Naße aber fogenannte Double.ware anfsrtigt- Das

—erung «oll. vsrließen wir die »on Edelsteinen und
Gold schrmmernden Räume, um «iner Schmuckwaren-

Vlo» woldes. das Auswalzen der Barren bis zu paprer-
jHe dos Äufbrinaen dieser dünnen Eoldhäute auf dje

sjTfickfiin - __,_______

' ,'e v b und dann die Weiterverarbsitung stnd Handgriffe,

'chauens wert sind. Wobl am mcisten bewunderten wir
d»!». U»? Konstruktion der Maschinen zur Herstellung der Uhr-
ftcs^'Nej Z-einen Seite rückt der endlose Eolddraht in dre
i schneidet die Länosn für die Kettenglieder ab, bregt

v-chäzelv°lll iie Elied für Elied ineinander und vollzieht bei
s Otsft-js Ketienglied die Lötung mr't einer Eenaurgkeit, daß
chü-,chl>ge «j'cht zu erkcnnen ist. In ernem endlosen Fadsn riejelt
O« k " Arb-it ^ -°us der Majchine heraus. Aehnliche Vorgänge
Mrnchinen und auch mkt der kunkfertraen Hond
hier genügend Eelegenheit zu jeheu.

Manipulationen Hrer werdcn Tafelgeräte und überhaupt meist
größere Artikel hergestellt, weshalb dort die Kraftmaschinen mehr
Anwendung finden. Donnernde Schläge lasien die Fallhämmer
ertönen, auch die Schneide- und Prägepressen geben Zeugnis von
der ihnen innewohnenden Kraft. Jm sehenswerten Musterlager der
Firma bewunderten wir als Kuriofum Eefäße aus Edelmetall, für
den Kultus in heidnischen Tempeln bestimmt.

Erfüllt von dem Eesehenen begaben wrr uns ins Hotel zur Post,
wo uns das Abschiedsmahl gerüstet war. Der Landtagsabgeordnete
Habetmehl, der Pforzheimer Jndristrie angehörig. gab uns noch
längere Aus.führungen über den llrfprung und das Wachsen des
werktätigen Pforzheim mit auf dcn Weg. Ein klciner Spazrergung
vor das Tor frihrte uns an den Zusammenfluß der Nagold und der
Enz. So konnten wrr uns überzeugen, daß das arbeitsfrohs Pforz-
heim auch landfchaftlrche Reize besitzt. Dann schlug dre Abschieds-
stunde. Mit herzlichem Dank verabschiedeten wir uns von den lieben
Pforzheimcrn. Jn Karlsruhe trennte sich unsere Karawane. Einige
Kollegcn fuhren wieder nach Baden-Baden zurück, der größere Teil
fuhr mit uns nach Frankfurt Wrr hatten uns noch vieles mitzu-
teilen, lcbhaft war der Meinungsaustausch über das Ecfehene. Es
war ersichtlrch, ein jeder nahm vrel mrt nach Hause von der lehr-
reichen und hochinleressanten zweiten Journalistenfahrt.

Dre St. Lorcnz-Kirche rn NLrnberg vom Versall bedroht. Die

berühmte St. Lorenz-Kirche. eines der herrlichsten gotifchen Bau-
denkmäler Nürnbergs, jedem Befucher Nürnbergs rvohj bckannt,
droht dem gänzlichen Ruin anheimzufallen. Sert zwanzig Iahren
fchon wurden ununterbrochen Stützungs- und Srcherungsarbeitpn
vorgenommen, üm den völligen Verfall aufzuhalten. Diese können
leider rn Zukunft nicht mehr fortgesetzt werdcn, da das nötige Geld
zur Fortführung der Arbeiten — 1l> Mrllionen — fehlt. Da der
Verein zur Erhaltung der Kirche in Nürnberg selbst die dazu nöti-
gsn Mrttel nrcht zusammenbringen konnte, we'ndet er sich an das —
Ausland, vor allem an Amerika um llnterstützung. Auch ein Zeichen
der Zert.

Eine groteske Oper von Hcnrs Gül. Aus Düsfeldorf wird
uns gcschrieben: Hans Gsl, der als Komponist und Theorielehrer
in Wien lebt, hat Lererts im Jahre 191g in Breslau mit jeiner
komischen Oper „Der Arzt der Soberde" einen starken Achtungs-
erfolg erzielt. Auch seine neue groteske Oper „D ie he i li'ge
E n t e", dre rm DLsseldorfer Stadttheater rhre Urauf-
führung erlebte, hat zum mindesten erwiesen, daß der jugendliche
Komponrst — er steht im 32. Lebensjahr — eine Hoffnuyg auf dcm
E-biete der komischen Oper ist- Die Handlung, die in Ehiua jpielt,
geht davon aus, datz dre ELtter sich in ihrer Ewigkeit lgngweilen
und bsschließen, die Lsstehende Ordnunq zn stören und d'ke Menschen
durcheinonder ,u rüttcln. Es gescbieht ouf groteske Weis: mit einem
^^rkutl, ernem Ltandarrn, dessen brldschöne Frau und einem

i«0Ld«

aber wieder zu gutem Ende gebracht merden. Die Musik ffi
namentlich im 2. grotesken Akt rhythmisch r.nd klanglich verblüffenk
orrginell. während der 3. Mt, der seelifche Wandlung zeigen soll
zwär viel Wohlklang und Harmanic zeigt, daneben aber auch
manche Steigerung und Aebersättigung. drc sich klanglich auch nichi
ganz frer von Erinnerungen hält. Die Singstimmen erscheinen im
allgemeinen etwas einförmrg und nichtssagend. Das Orchester un'Lr-
malt crst m!t gelegentlicher Motivenvcrwenduno die Strmncen.
während diesen jelbjt, ausgensmmen die sehr neckisch und grotciil
singenden Eötter. nur dic Worte zu singen übrig bleiben. Alles io
allem ist dic Musik stcts geschmackvoll, ohnc Ucbertierbunq uni:
moderne Ueber-Jnstrumcntation. Gül ist ein Mustker von gefälligem
Gefchmack und gutem Humor, hier liegen die Entwicklrwgshdff-
nungen fernes Talents. Die Aufführung wgr ern EhreAabend
unse'rcs Stadttheaters. Dre Znszenierung durch den Intestdanten
Dr. Willn Becker selbst. schwclgte in FarLcn und Pracht. Das
Orchester unter Kapellmcister Eeorg Szöll stand oui der Höbe
seiner nicht eben leichten Aufgabc. Der Komponist konnte sich nach
dem zweiten Akt und zum Schluß für den temperam«?tvollen
Beifall bedanken. bs.

Dre Not der Wisienfchaft. Jn der Berliner Medizinifchen Ge-
sellschaft fanü eine lebhafte Erörterung über wichtige wirtjchaftliche
Fragen der Eesevschgft vor allem über dre Erhaltung des LaVacn-
beck-Virchow-Hauses statt. Es ist ern betrübendes Zeichen der ^erff
daß die beiden vornehmstsn wisienschaftlichen Eesellschaften der dcüt-
schen Herlkunde, nämlich die Berliner Medizrnische Gefsllfchaft urrlt
dis Deutsche Eefellfchaft für Ehirurgie. nrcht mehr imstrude sirff). dis
llnkosten für ihr gemeinschaftliches Herm im Langenbeck-Virchorv-
Kausc und dre dort befindlrche Bibliothek aus ergenen Mrtteln zir
bestreiten. Die Gefsllschaften wüvden genötiat sern, rhr Vrgentum
zu verkaufen, wenn sich nrcht durch das - Entgegenkommen einer
größeren industrrrllcn Firma, dre das Haus pachtct, ein Ausweg
HLtte schaffen lasien. Es Lesteht nunmehr die Hoffnung, daß die
alten Pflegvstätten eines regen und fruchtbaren Ecdankenaustau»
sches innerhalb der medizinischen Wisienfchaft nicht verödsn.

Eirrc nene Over von Janaz Waghalter. Jm Braunschwctaer LandcS»
tbeater sand dre Uraufführnng der dreiaktigen Ovcrctte „Der sväte Gast"
von Jgnaz Wgghalter, Kavelluiclstcr an der Charlottenburgcr Over, be»
geistcrte Aufnabme. Der Text des WerkeS stammt von Nudolf Presber
und Leo Walter Stein: cr ist im Grundc gcnommen nicht overettenbast.
sondern romantisch. Ein ickönes Mädchen. das von habgicrisen Erb-
schleichern umgebcn tst. wird durch einsn als Teufcl vcrkleideten tzreicr
nnd etnen trcuen stnmmen Diener gcrettet. Wie Leo Blech, so künipft
auch Waghalter für die Wieöerauferstchung dcr deutschen Overette, die er
aus dem Schlamm retten will, in bcn fle ,n versinken droht. Gerade
desbalb ncnnt er das Werk. kür das andere wohl den Titel ..Komische
Ovcr" sewäh« hötkev. Orerejte. Dw .-cichnct flch Ln-.ch die virtnose
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