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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0830
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Mittwöch, 18. Mai 1923

Geite 5.

Aus der Stadt.

Der Keiheilspreis der «niverWt.

Die UniversitSt Heidelberg schreibt zrrm erstenmal den ..Deutschen
Freiheitspreis an der Unweksität Heidelberg" (Gerhard Anschütz-
Preis) aus.

Als Preisausgaben wurden zur Wahl gestellt:

1. Macht und Freiheit als Ziele der deutschen nationalen Bewegung

von 1818.

Jnncrhalb der Eesamtiewegung von 1848 lassen sich zwei voli-
tisch« Entwicklunasreihen unterscheiden. Das «ine Ziel ist die Ein-
heit der Nation. Lie Bildung eines geschlosienen Nat.onalstaats .on
grösierem oder geringerem Umsang, aber von achtunggebietsnder
Stelluna innerhalb der europäischen Staatengesellschast. Wie das
Ziel. so qehören auch dic Instinlte, die dahinter stehen. und die
Ärqumente, deren sie sich bedienen, der macht politischen Sphare
an. Das andere Ziel besteht darin, innerhalb des zu schaffenden
Nationalstaates die individuellen Freiheitsrecht« und die politische
Mitwirkung des deutschen Staatsbürgers an den Aufgaben der ive-
iamtheit zü erkämpsen und in weitcrcm oder engcrem Ausmatz
sicherzustellen: in diesen Bestrebungen überwiegen die Versasiunzs-
und rechtspolitisch'en Antriebe und Gefichtspunkbe. . Das Neben- und
Jneinandcr dcr beidsn Strömunaen zur Anschauung zu bringen, ^ie
enq zusammengehören, aber auch sich kreuzen und gslegentlich wider-
sprechen: — das ist die Aufgabe, die gestellt ist- Jhre Losung be-
dingt weniger ein Eingehen in die politischen Einzelfragen ".nd
die konkreten Formen der, Lösungsmöglichkeiten, als einc ideen-
qeschichtliche Analyss, zu der unter anderem die Tebatten der Pauls-
kirche, die' wichtigsten publizistischen Aeutzerungen und mancheriei
Liographtsches Material reichlichen Stoff bieten.

2. Listenwahlsystem «nd Fiihreräuslese.

Das Thema bezweckt die Herbeisührung einer Untersuchung vor
allem über den Einilutz. den das heute in Deutschland eingesuhrte
Listenwahlsystem auf die Auslese der Gewählten hat, Es knupfen
sich an das gegenwärtige deutsche System erhebliche Bedenken, vor
allem nach der Richtung, ob nicht eine Verdrängung der prominemen
Jntelligenz und eine Bevorzugung des versorgungsbedurftigen
Parteibeamtentums sowie der nach Deriicksichtigung verlangenden
Jntevesienvertreter in stärkerem Matz als durch andere Formen
Herbeigeführt wird. Diesen Dingen wäre nachzugehen und ihre
Wirkung nicht nur für die arotzen, sondern auch für die kleinersn
Parteien zu verfolgen. Zum Dergleich wären heranzuziehen, einmal
die früheren deuischen Verhältnisie mit kleineren Wahlkreisen und
ohne Listen, und andererseits — wenn möglich — ausländische Er-
fahrungen vor allen Dinoen wohl französische, da in Fraukreich seit
1871, also'rechi lange mit wechselnden Listcnsystemen experimentiert
worden ist. Nicht nur eine deduktive Erör erung wäre zu geben,
fondern es wäre wllnschenswert, die Betrachtungen auch in cine
Untersuchung der Znsammensetzung des Parlaments nach Beruf und
Aerkunft auslaufen zu lasien, soweit aus disfen Tatfachen Ruckschlusse
auf die Führerauslsse und die Wirkung des Wahlfystems möglich smd,

Zur Bewerbung um diesen Preis ist jeder deutfche Reichsange-
hörige zugelassen, der zur Zeit der Uebergabe seiner Arbeit als
Studierender an der Universität Heidelberg immatri-kuliert ist. Die
Arbciten sind spätestens am 31. Iuli 1924 dem Sekretariat der Uni-
versität zu Lbergeben. Der Name des Verfasiers mutz in emem
versiegelten Umschlage enthalten sein. Ler glsich wie die Abhandlunz
Mit einem Kennwort überschrieben ist. Die übergebene Abhandlung
muß in gut leserltcher Schrist gefertigt sein.

Fllr die Löfung der Preisaufgaben steht ein Beirag von
insgesamt 300 0V0 Mark zur Verfügung. desien ErhShung für den
Fall weiter fortschreitender Geldentwertung vorbehalten^bleibt.

Das Preisgericht ist berechtigt, den Eesamtbetraz als
«inzigen Preis einem Preisträger zurusprechen oder ihn an zwei
Preisträger zu verteilen. Die Verkünduna der Entscheidung
des Preisgerichts soll bei der Iahresfe ier der Universitat, am
22. November 1924, erfolgen.

* Dte Hetdelberger UntversitSt hat den Fabrikdirektor Emil
Bünthel tn Karlsruhe-Erünwinkel, der Mitglied des evangelischen
Kirchengemeinderates und anderer kirchlicher Körperschaften ist,
wegen seiner grotzen Verdienste um das kitchliche Leben und die
Förderung der theologischen Wisienschaft zum Ehrendoktor der
theologischen Fakultät ernannt.

" Konfesiionelle Standesvereinigungen. Am Ende des Jahrss
1921 bestanden in Vaden über 270 katholische Vereine mit 24 000
ordentlichen Mitgliedern und 50 evangelische mit rund 5300 Mit-
gliedern. Die katholischen Vereine sind in sechs, die evangelischen
in drei Verbände zusammengeschlossen. Zu den konfesiionellen Stan-
desvereinigungen Badens gehören die katholischen kaufmännischen
Dereinigungen und die katholischen Eesellenvereine, die katholifchen
und evangelischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine und die katho-
lischen und evangelischen Hausangestellten und Dienstmädchenvereine.

* Beibehaltung der Milchlieferungspslicht. Der Reichsernäh-
rungsminister hat die Vestimmung der Reichsmilchverordnung, datz
bie Milch an den bisherigen Empfangsort weiterzuliefern ist, über
den 16. Mai 1923 hinaus verlängert.

* Die Handels- «nd Eewerbebank Heidelberg hielt Montag
«tbend ihre Eeneralversammlung ab. Die Verteilung des
Mingewinns wurde nach den Vorschlägen der Verwaltung geneh-
migt, so datz unter Vorsehung reichlicher Rücklagen zu den Reserven
eins Dividende von 20 Prozent zur Verteilung kommt. Der ver-
Lnderten Eeldmarktlage entsprechend wurde die Erhöhungder
jEsschäftsanteile und Haftsummen beschlosien. Die
stgtutengemäh aus dem Aufsichtsrate ausscheidenden Herren Otto
Sauter, Thomas Schmucker und Martin Schweikart wurden ein-
stimmig wiedergewählt.

Wohnuugsvergebung und Umzuqskontrolle. Der Stadtrat be-
fahte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage des Systems der
Wohnungsvergebung in Heidelberg. Es war angereqt worden, man
möge auch in Heidelberg wie in verschiedenen grötzeren Städten,
z. B. Mannheim und Karlsruhe, das sogenannte Vordring-
l i chke i tssy st em" bei der Dergebung der in hiesiger Stadt frei-
werdenden Wohnungen einführen. Nach diesem System sind die
als vordrinqlich anerkannten Wohnungssuchenden berechtigt, sich
selbst eine Wohnung ausfindig zu machen, mit dem Haüseigen-
tümer einen Mietvertrag abzuschlietzen und die Wobnung nach einsr
vom Wohnungsamt grundsätzlich zu erteilenden Eenehmigung zu
beziehen. Der Wohnungsausschutz war einstimmig der Auffassung,
datz in der heutigen Zeit stärkster Wohnungsnot und bei den gerade
hier besonders schwierigen Wohnungsverhäitnisien ein solches System
vorerst nicht eingeführt wsrden kann. Der Stadtrat schlotz
fich den Bedenken des Wohnunqsausschusies an und beschiotz, datz
eine Aenderung im hiesigen System der Wohnungsvergebung nicht'
eintreten soll. Das Wohnungsamt wird deshalb nach wie vor über
die freiwerden Wohnungen verfügen. Eleichzeitig hat der Stadtrat
den Erlatz einer ortspolizeilichen Vorschrift über eine llmzugskon-
trolle Leschloffen, um den unberechtigten Bezug von Wohnungen
verhindern -zu können. Darnach darf für die Folge kein Umzug ohne
Berechtigungsschein des Wohnungsamts vorgenommen werden.
llmzüge, bei denen der Ausführende diesen Schein nicht vorzeigen
kann, werden von der Polizei verhindert. Ferner wird das Woh-
nungsamt ermächtigt. leere beschlaqnahmte Wohnungen durch Steck-
schlotz abzuschlietzen. Wenn trotzdem auf Schleichwegen Wohnungen
unberechtigt bezogen werden, dann sollen die gesetzlichen Mittel zur
zwangsweisen Räumung ergriffen, autzerdem aber die Zufuhr von
Eas und Strom für die betreffenden Wohnungen gesperrt werden.

* Der Scufzermarkt. Der alte Wrede hat in feinem Kriegs-
leben sicher viel Seufzer zu hören bekommen, aber kaum so viele
»nd so aus dem tiefsten Znnern kommende nicht, wie sein Stand-
vuv auz dem nach ihm Lenannten Platz in Heidelberg. Wer an
vrenstagen oder Freitagen über den Wredeplatz geht und die Le-

Hausfrauen sieht, hie und da einmal nach
>en Preisen sragt, der wird diese bekümmerten Mienen verstehen

und auch die vielen Stotzssufzer und die Ausrufe: „Ach Gott, ach
Eott!" oder „Es ist doch schrecklich" oder „Wer soll denn das noch
bezahlen?" Am Dienstag war's aber auch besonders arg. Die
Preise sind durchweg ganz kolossal in die Höhe geqangen.
Wöhrend in der vorigen Woche Spargel noch zu 1600 Mark zu
haben waren — der damalige Preis wurde mit dem mangelnden
Regen erklärt —, kosteten am Dienstag die Spargel 2300 Mark das
Psund. Wahrscheinlich ist jetzt die fehlende Sonne schuld daran. Für
ein Köpfchen Salat — ein einigermatzen gesunder Mann kann
zur Anscuchtung seiner Kartoffelmahlzeit mindestens drei Köpschen
verzehren — wurden 400 Mark verlangt; Spinat kostete das
Pfund 350—400 Mark. Die Hühner haben allem Anschsin nach
auch schon Kunde von dem Steigen des Dollars bekommen, denn sic
schätzen ihre in das Nest und dann auf den Markt geworfensn Pro-
dukte mit 500 Mark für das Stück ein. Für ein mit Haut und Fed-rn
überzogenes Knochengerüste. das sein Besitzer stolz als Iunohahn
anpries, wurden 15 000 Mark verlangt. Man könnte noch mehr
solcher Veispiele anfllhren, aber es mag für heute genug sein. Man
kann nach diesen wenigen Proben schon verstehen, datz der Markt-
gang fur unsere Hausfrauen ein gar schwerer Gang ist und kann
ihnen die vielen Seufzer nachfühlen.

* Ausgcwiesene Schupobeamte in Heidelberg. Die Haupthilfs-
stelle für die Pfalz begrützte am Montag abend im „Hokländer H rs"
unter reger Anteilnahme der hiesigen Schutzpolizei und der hier en-
sässigen vertriebenen Pfälzer 11 Beamte der Schutzvolizei
aus Essen, die nach verbützter drcimonatiger Gefängnisstrafe von
den Franzosen ausgewiesen wurden. Polizei-Oberieutnant Reitz-
Essen hielt einen kurzen Vortrag über die Organisation der Esstncr
Schupo und über seine Erlebnisse im französischen
Eefängnis. Aus seinen Ausführunoen ging hervor, datz die
Schupo in Essen unter allen Umständen die Befehle der deutschen
Regierung als die einzig matzgebenden anerkennt und ausführt.
Ueber seine und seiner Kameraden Erlebnrsse im französisihen Kerker
gab Oberleutnant Reitz eine eingehend« Schilderung, aus der hervor-
ging, datz die Behandlung in Zweibrücken und Eermersheim zum
Teil sehr schlecht gewesen sei. Die Verpflegung sei meist m i n-
derwertig gewesen und habe teilweise nur aus Wasser und
schlechten Kartoffeln bestanden. Seine Ausführungen wurden von den
Zuhörern mit tiefster Entrüstung aufgcnommen. Nach dem Nortrag
blieben die hiesigen Schupobeamten mit ihren Kamsraden aus dem
Ruhrgebiet bis gegen Mitternacht Leisammen. Heitere und crnste
Vorträge trugen zur Unterhaltung des Abends Lei. Die elf Polizei-
Leamten tvaten am Dienstag die Weiterreise nach Münster in West-
falen an.

* Erholungsbedürstige Kinber aus Heidelberg verlistz:» am
Montag abend ihre Heimat, um die Reise an die Ostsee, >vo die ctwa
50 Kinder vier Wochen zur Erholung weilen werden, anzutreten.

* Jn der Aufführung von „Kabale und Liebe" am Donnerstag
spielt Herr Heinle die Rolle des Ferdinand, Frl. Lillie die Luise
Millerin. Die Vorstellung ist autzer Miete. — Am Samstag gsht
Nestroys Zauberposie „Lumpacivagabundus" zum ersten Mals in
Szene. Die Eeschichte vom „liederlichen Kleeblatt" hat stets das
grögte Jnteresse und den stärksten Beifall des Publikums gsfunden
und wird auch sicherlich hier ihre Anziehungskraft ausüben. Ober-
spielleiter Helwig hat das Sffick inszeniert. Die mitsikalische L-itung
hat Kapellmeister Fritz Henn. Beschäftigt sind die Damen Manhof,
Lillie, Mattner, Neudeck, Morys, Braun-Erotzer, Petersen, Junck und
die Herren Malön, Hariling, Krumschmidt, Eöcklcr, Sauer, Heinls,
Schneider, Daurer, Kettler, Kastner, Rudorf, Moser und Gr-ebel.
Die Vorstellung ist autzer Miete.

» Tanzabend der Eretl Nestler-Schule. Man mutz die strablende»
Gefichter der kleinen Mädchen — und auch der Mutter — gesehen
haben, um zu ermessen, welche Freude die jungen Mädchen selbst an
sso einem Abend haben, an Lem ihnen vor Lreitester Oeffentlichkeit
Gelegenheit gegeben wird, ihr Können zu zejgen. Jn langer, ficher
nrcht immer müheloser Arbeit hat Grekl Nestler auch in diesrm
Iahre wieder ein« grotze Schülsrzahl in den Anfangsgründen der
Korpergymnastik und Tanzkunst unterwiesen, und hat dabei bei «in-
zelnen Schülerinnen ganz erstaunliche Erfslge zu erzielen qewutzt.
Das Erfreulichste bei all diesen Abenden, die die Veranstalterin
schon zu «insr gern gesehenen, stehenden Veranstaltung zu machsn
gewutzt hat, ist die reizende Art, wie Frl. Nestler selbst die einfachsten
Körperdurchbildungsübungen einzukleiden vermag. Alles hat einen
gewisien Eharme, die angeborene weibliche Erazie wird als Erund-
stock zur weiteren Ausbildung genommen. Gretl Nestler weitz auch
ganz genau, was sie den einzelnen Schlllerinnen sowohl technisch
als auch i-m Ausdruck zumuten kann. Eanz famos waren — um
nur Einzelheiten aus dem fast überlangen Programm heraus-
zunehmen — die als Tanzfpiele arrangierten Volkslieder und die süns
Einzeltänze, die als „Masken" bezeichnet waren. Man versteht die
Erfolge Eretl Nestlers, dic jetzt auch neben ihren Dilettantenkursen
auch Ausbildungskurse gibt — die reizende „Kokette" Margit Wsrres
ist Ausbildungsschülerin —, wenn man sie selbst alleine oder im
Kreis ihrer Schülerinnen tanzen sieht. Ihre beiden Solotänze
„Morphium" und „Humoreske" waren stark durchdachte, fern von
allem Konventionellen stehende Studien. Der Erfolg des Abends
— am Flügel hat wie immer Frau H e s s e-B ü t sch l i sehr ge-
schmackvoll ihres Amtes gewaltet — war autzerordentlich stark.

* Sich durch Erschietzcn selbst gerichtet hat sich ein lediger
24jährigei Kaufmann von auswärts, als er am Montag nachmittag,
kurz vor 3 Uhr, hier festgenommen und wegen verschiedener Be-
trügereien ins Amtsgefängnis eingeliefert werden sollte. Nach
Feststellung hat der Selbstmörder und desien entkommener Kom-
plice, der inzwischen in Oberkirch verhaftet wurde, Bekleidungs-
stllcke (Anzüge, Wäsche) und Ledsrkoffer, im Eesamtwerte von eiwa
12 Millionen hier gekauft, autzerdem wurden an Bargeld
9 860 000 Mk. Lei ihm vorgefunden. Sämtliche Gegenstände und
das Eeld wurden beschlagnahmt imd der Staatsanwaltschaft über-
geben.

* PolizeiLericht vom 14. Mai. Festgenommen wurde ein
zugereister Kaufmann, der wegen Schleichhandel verfolgt wird: Auf-
gegriffen wurde ein Trunkonbold. Zur Anzeige gelangten:
eine Arbeiterfrau von hier wegen Entwendung von Schnürstiefeln-
Ein Arbeiter weqen Unterschlagunq eines Rucksackes mit Veklei-
dungsstückcn im Werte von etwa 50 000 Mk-, 2 Personen wegen
Veamtenbeleidigung und Eefangenenbefreiung, 3 Landwirte iind
2 Händlerinnen wegen Vergehens gegen die Milch- und Butter-
versorgung, ein verheirateter Schreiner von hier wegen unerlaubten
Handels mit Möbeln, ein Kanfmann von hier wegen Zuwider-
handlung gsgen die Preisaushangvorschrift, 3 Personen wegen
groben Unfugs, 4 Personen wegen Uebersitzens nach eingetretener
Polizeistunde, 2 Ausländer wegen Nichtachtung der Meldevorschrift
und 9 weitere Personen wegen anderer strafbarer Handlungen. G e -
stohlen wurden vom 12. bis 14. Mai durch Erbrechen'in einer
Bauhütte bei Wieblingen 31 Flaschen Biet, vom 13. bis 14. Mai
auf einem Acker im Eewann Pfädelsäcker 300 Stück Tomaten-
pflanzen im Werte von 60 000 Mark.

Aus dem Leserkreis.

Heidelberg ohne Neckarbad?

ES scheint wirklich, dah wir in bicsem Sonimer kelne Bade-
anstalt tm Neckar bckommen. Denn es wird bvch nismand be-
tzaupten wollen, hatz tzas Blumsche Freibatz gcnllat. »m tzen Ansprüchen.
die man tn Heiöelberg löblicherweise <m öie körperliche Sauberkeit stellt,
zu genügen. Es wirb also wieder so komme.n. öatz unscre Buben und
Mädchen bts über Lv Jatzrc 1m freien Neckar baöen unö — man kann
darüber öenken, wie man will — ver manchen Leuten Aergernts er-
resen weröen. Und warnm? Weil die S t a d t in u n b e g r e i f l i ch e r
Kurzslchtigkeit nicht die nötigen Mittel bewilltgen rvill. Lie Lem
Jntzaber der Baöcanstalt cinlgermatzcn die Gewähr victen, datz er im
günsttgsten Fall nicht allzuviel zulegen mutz. Fünf Millionen Garantie-
summc und ebenioviel Millionen als Borschutz können ebcn untcr den
heutigen Vertzältnissen nicht genüsen, um einen Geschäftsmann zu ver-
anlaflen, ein solch grotzcs Risiko auf flch zu netzmen. Soll Ler elnzelne
mehr sozialos Empfinben Sabcn alS Lie Stabt? Man tzört. dah In dieiem
Sammer das Stadttheater mit einem KvstenaiifwanL von etwa 120
Millionen Mark umgebaut werden soll. Es gibt Stimmen, die mcinen.

datz man den llmbäu, wte er gevlant ift, mit dieser Sumin
ausführen kann. datz vor allem der Umbau bis zum Beainn °er ^ Per-

saiivn nicht ansgeführt werden kann. Dann hat^d-aS Ttzearer^^^

ou".kultu-

fonal vervflichtet, mutz cs bczablcn und hat keine Einnatzmen. o «ne!-
wird bis dörttzin ungcfätzr eine Million kosten. Anch wir u«o fultu-

nuns, dätz für bas Ttzeater etwas gsschetzen muß, und zwar o»
rellen Gründcn. Einc mindcftens aber gcrade io wichtige kuuu ^
wäre es, wenn die Stadt den Einwohnern dte Möglichscit verim sA„t,

Neckar regulär. otzne Gcfatzr für Leib und Lebcn nnd Hab
»u baben. Noch ist «s nicht z« spät. Aber e» wird 3«it. ^ he-

gebcwden Persönlichkeiten ftch aus bic Wichtigkeit l>es Neckarv
flnnen nnd ctwas tiefer in den StadMckel grcisen. Bei ecn
SKulbcn der Stadt kommt eS ans ein paar Millionen metzr oocr^ ^,
nicht an. Solchc Schnldcn laflen flch mit rnhigem Gewiflcn v ^ ^

worten. MetzrereHeidelber»

Gerichtszeitung.

i! Karlsruhc. 18. Mai. Ein Postbrlefmarder batt-
ber Person dcS SS jährigen Postaushclfers Hermann Eitne r
ersten Strafkammer in Karlsruhe zu verantworten. Eitner
tzicsigen Postamt H angeftcllt. Wle vlele, anch von der Spek>u°^^^jgste.
angesteckt. kaufte er Devtsen, neben Gewinn erlitt cr aber »uai
Er grifs deswegen zu einem beauemeren Dcvisencrwerb: .""»„-ungrn
schlagen von Nuslandsbriesen. Zwar waren nicht allc Bricii ßow

die er öffnete. mit Dollar. Frankcn nnd tsckicchischen Kronen aci „„„

konnte man ihm. dcm einfachen Postaustzelser, ein Devifenverm -> chzgen
sechs Millionen Mark nachweisen. Er selbft gibt zu. i",, anZN-
1ö AuSIandsbriese ihres Jntzalts beraubt zu baben. Es ist av
netzmen, dah seinem unfautzcren Handwerk nock, viel metzr «g -u
fielcn. Das Gericht vernrteilte Eitncr wegen U n t e r s » > a a jh«
zwei Jahrcn vier Monaten Gesängnis, autzerdem wc

bi« bürgerlichen Etzrenrechte ans süns Jabrc aberkünnt. -gj die

!! Freibnrg, 14. Mai. Eine grotze Holzfchiebuna .„hr-r
bieflge Strafkammer bcschäftigt, vor der flch der 45 iähriae „ ge»
Otto Kawlitzky und Ler 23 jährige Kaufmann Wiltzclm M a ' Airma
äntworten tzatten. Der Angeklagte follte i« Auftrage felu „,,h ver-
Pavicrbolz kausen. Er machie aber auf eigene Kauft "Geswasie stcckte-

schob bas Holz, wobel er viel« Tausende in seine eigene Taia ^ zz»
Er wurde in Bcrücksichtigung seiner Borstrasen wegen uicvri
trugs, Untrcue, Urkunbenfälschung, Kettenhanbel und , un> jj pcr-
Handcl zu drct Fahren Gesängnis und »u dret Jahren Evri -. gyrlaS'
urteilt. Mast. bei dem Kettentzandcl und unerlaubter Haiw ode>
erhielt dret Monate Geiängnis und zwci Millionen Mark Getv'
weitere süns Monate Gesängnis aüferlegt.

Mannheimer rlrauffShnmaen.

Jgor Strawinsky: „Die Nachtigall". — Lcndvai: „Archaifch^

Der Erfolg, den des Rusien Strawinsky lyrisches lb^^gs.
„Die Rachtigall" — 1914 entstanden — bei der deutsch-u . gjei
führung fand, kann doch nicht dariiber hinwegtäuschen, Aiis-
Miihe und viel Zeit an ein Werk vertan worden iit.
wand nicht ganz rechtfertigt. llmsomehr als diese Mui>> , n,e>j
romanischer Orchesterartistik deutschem Eefühle wemg ' iichlü'cn
ihr di« Jnnerlichkeit fehlt, weil in ihr nichts Seel-.sches eu ^ch
wird. Eewitz wird man uneingefchränkte Bewunderung -
mschen Können Strawinsky ehrlicherweise nicht versageu dic
Seine Musik ist eine reine Musik der Farbklänge, ein v>s ^chem
Spitze oder bis ins Absurde getriebener Debusiystil m"

EinMag und einiger Strautz-Eklektik, alfo eigentlich ° ^hlcn
ternatioiiales. Strawinsky fehlt aber die Erfindung^a - ^-ver
di« fruchtbaren Einfälle. Man erkennt aus feiner ^^„iweudc'
Architektonik noch Thematik. Er fchrsibt gerne atonal, u»»
Doppeltonartem. Vierteltonchromatik, Septimenfolgen. Ouc> ^chse'u
Quintenparallelen; die meist ungeradenen Ta-kte (7/16 b >''!.„ein^u
unauflöslich. Er erreicht durch diese Mittel neben dem
Farbenreiz eine seltfam exotifche Märchenstimm-ung. dic Ig:r-
nicht vnverbunden neben dem Stofflichen hergeht, und st"
kungen namentlich im Grotefk-Pantomimifchen, wo siw,.g, «i cr
ponisten Herknnft vom ruffischen Ballett befonders deutua'^siiit-
kennen gibt. D«.Mrchyn M A«d«s«r ist hi«reGe'». all. di«'
es ist die nachdenklich-ironische Geschichte von der NachtE chueiu
an dem Hof des Kaisers von Thrna zu Ehren gekommen, ^
aufziehbaren Spielwxrk in der Gunst verdrängt wird. ^f^^ch
freiwillig und in Freiheit singen kann, di« aber zuletz' ^ dc"
Kaiser vom Tod« errettet, w«il ihr feel«nvoller Eesang ver-
Tod Lesiegt. Das Märchen hat Mufik in sich selbst: der
deutschte Text Strawinskys ermangelt dieses Dorzugs. D> .„gche-
g-abe war (rotz aller Schwierlgkeiten ganz ausgezeichnet. T>c^jher-
wie die musikalische Leitung hatte Operndirektor Erich zijlder
Die stiksicheren und in den Farben fein abgestimmten „,„chtig,^
grotzer Pracht hatte Heinz Erete gestaltet. Für die
setzt« Jrene Eden ihre Sicherheit im Ziergefang >». h seiucu
Ueberwindung der Jntervallfprünge ein. Bartling Mrliuu./,
schönen Tenor dem Fischer und Burgwinkel seinen U,„xelchü-.'
den Dariton dem Kaiser. Die Chöre, meist schwierige.-t,7):chj dck-
faßen anch, so datz kaum Wünfche ofsten blieben, als vicU ^,^„tsE
man möchte am Mannheimer Nationaltheater einer ncucu tzjeser
Oper auch soviel hingebende Liebe zuteil werden lasscn,
Rusienoper. ,,.„.,ffüh'O"0

Jn nicht ganz glllcklicher Koppelung folgte die
von Lendvais neun Reigen: Archaifche Tqnze, jst e>u
ponist, ein Meister auf dem Eebiet moderner Ehorlitera>- .^„„ischc
crnster Künstler von starkem ehrlichem Können. S«>nc ü Zj„-„ung
Suite von kammermustkalischem Charakter fesie-lt durw.„^ Forus'
und Empfindung, durch edle meloüische Linie. behem'"
moderne Harmonik und schönen Klang, und erhebt stch.1, jns
zu herber Grötz«, so datz einige trockene Einzelheiten n>ai „sA

wicht fallen. Bedenklicher scheint mir, datz der Komponff ,., jst z»
für Konzertsaal oder Bühne entschied. Ich glaube die. M ^chönhsl
wertvoll, um getaipzt zu werden. Ihre volle und re><ye
wird ohne ahlenkend« Ehoreographie nachhaltiger wirkcn- „no
stkalische Leitung besorgte hier Werner von BLlow Kxschuiaa
stcher: die Reigen hatte Reinhokd Kreideweitz nn' ^rsön>>"
eingeübt. Der Erfolg war stark und Lendvai konnt« >9» » kins-
entgegennehmen.

--- ^ c. 6-r

* Vo» der Universttät Freiburq Kommerzienrah Dr>

A. Pfeiffer in Stuttgart hat dem mustkwisienschaftl>a> Könner
der Universität Freiburg i. B., desien Sltester Freund >
er ist, einen neuzeitlichen Flügel znr Verfügung gestc>"-

Kirchliche Nachrichte«.

Evanselisch« Gemeinbe-Gottesdieuft«. .,„s„al de»

Mittwoch, 1ö. Mal, abends 8 USr: Bibelftuude im Konfirm-'n° ^^„a-
Cbrtstuskirche, Stadtpfarrer v. Frommcl: Panlus na«
louichcrbrief. ^ .!«dcsa-l.

Donnerstag, 1?. Mak. abends 8 Ubr: Bibelstunde lm Gemel»»

Lubwigstr. 6, Stadtpfarrer Maas: Marcknsevangelium. ^ zgerel»

Donnerstag. 17. Mai, nachm. ZLS USr, bet Krau Hetz, Rödermc

iunger Mädchcn (Bortrag Schlüter). -.«i- Ü-ZO

Sr«eben«ktr»e sHandschnhSheim). Pfingftsonntag. 20.

Gottcsdienst sKirchenchor, Kollekt«), Kauser, Feter de» b'- ^ Ainder

Psingstmontag, 21. Mai. g.M U. GotteSdienst. Kaulcr. ii ^ «-
gottesdicnst. Kayser. 27. Mak. S.30 U. Gottcsdienst. ° "
Kindergottesdtenst. Kayfer: 1.30 U. Christenlebre. Kaul-r-

Lpokl- I^Isckkiclilsn

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vorlsuck
trsxeu.
mit 2:1 esviuuon.

Lllercking« stanck i» ckieeem 8insl 8 p,i- bost
stllrkster 3.uksteIIuug. Lw vounerstss zvsräen deios , rr „ m b » f s
dlatsrial etellen. — veuts dlitt-eocd »beiick rvir - ^^,„be

8t. vLllli in dlsnndeim ckem D.- n. 8pv. ^ ^' 0 ° ^ ^ckanv

treten. vse lküolcspiel r-iviscken Hawbure unck vVal

sm 8nm.vtag adsnck «tatt.

Verantwortlich fur den t-rtlicken Jnba't. I uK - m ,

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