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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0907
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DkenstSg, 8g. Mai 1923.

Beiblatt -er Badischen Post

Seite 8.

Arrs der StadL.

Das blutende deutsche Serz.

Ein Nachwort zu den Pfingsttagen.

^ Aus der Pfalz erhalten wir folgende Zuschrift:
s Das blutende deutsche Herz wohnt im besetzten Gebiet und inutz
! unsagbares Leid ertragen. Für wen leiden? — Warum? Weil
' L". durch unsere Volksgenossen mit unseren Feinden abgeschlossene
iAedensvertrag dies Opfer von ihm verlanat. Mutig hat es dies
^chicksal ertragen und alle Abtrennungsversuche von unserem einst
Noßen Paterland vereitelt, um dafür doppelt und dreifach doppeltes
^eid aufgebürdet zu erhalten.

^ . Es wohnt in vielen Eisenbabnern, die darum ausgewiesen wur-

- und drüben Lber dem Rhein nicht das Verstänonis für ihre
i "t finden, es wohnt in den Arbeiterherzen, die durch tätliches Ein-

N^ifen die Ausrufung der freien Pfalz verhinderten und in den
Aerzen derer, die an der Ruhr dem Abwehrruf der Volksgenossen
solgend in den Tod gingcn. Es wohnt in Tausenden von Männern,

, an unsere Sache glauben, weil sie sehen, datz ein inneres Ver-
! Uandnis zwischen uns und den Franzosen nie möglich sein kann,

' wir zu verschieden sind. Leid durch Franzosen zu ertragcn, hat
i M bessere Deutsche werden lassen, denn die jenseits des Rheins, und
s sonnte unsere Sache nie verloren gehen, wenn nicht Verrat !n
i ^Useren Reihen herrschte.

k. Jnternationalismus, das soll der Deckmantel sein des Ver-
Fehens und der Selbstlüge. Mammonismus ist der wirkliche Erund,
l "or diese Verbrecher treibt, die für Geld, jedem der bezahlt, vor
s uuem aber dem, der am meisten bezahlt dienen.

- Nicht der Dieb aus Not ist der Schlimmste, sondern der Hehler-

die irregeführte Masse, sondern ihre politischen Hintermänner
; ""d Börsianer sind die Verbrecher.

^ . Mit dissen Erfahrungen kamen deutsche Männer nach dem
lreien Deutschland nach dem lieben Heidelberg, — dessen Eeschichte
vielleicht noch schwererem deutschsn Leid erzählt, denn wir es
' Mte ertragen, — um frei fühlen und denken zu können, um dann
s "llch gestärkt zurückzukehren.

i Eo war der Gedanke! Doch schrecklicher ist die Wirklichkeitl
, s^r Zug, der uns am Pfingstmontag nach Heidelberg brachte,
Meint sein Ziel verfehlt zu haben und nach Moskau geraten zu sein.
f Jnternitionale ertönte! Rote Fahnen! Sowjetsterne! Die
s L^hnc, unter welcher sich bei uns die Mammonisten und Vaterlands-
j.?^rräter sammeln. Wenn wir auch nicht zu den Männern gehören,
l nicht jedem Deutschen seinen politischen Fimmel laffen, ob er
s ,°r> schwarz, ^lb oder blau ist, da dies doch keinem etwas einbringt,
^ iondern nur den volitischen Eeschäftsleuten, so mutzte es uns doch
fiuIrvaltig erregen, datz die Vaterlandsverräter, die unter Franzosen-
f Wutz uns Deutsche quälen und verraten dürfen. hier in Deutschland,
iHeidelberg, im Erenzland Baden, zur Selbstverherrlichung Um-
l veranstalten dürfen, statt daß die Polizei einschreitei, um die
!> Undxnregister einzelner zu prüfen. Laut protestierten und
! ff?unpften wir, Wenn es nicht zu einer Hauerei kam, so war dies
f Mt das Verdienst der Stadtverwaltung, sondern nur die demon-
' lsrendcn Kinder und Feiglinge und die uns anerzogene Disziplin
Us alter Zeit. ^

- r, Ruhe fanden wir keine in Heidelberg. Erregt trube Ltimmung
: ^rrschte uns den ganzen Tag, die alle Schönheit Heidelbergs nicht
i', ettmachen konnte-

! Warum werden wir nicht französisch, wo hier alles international
i L' . Wozu die Qual, die Duldermiene? Haben wir nichts aus dem
kNrge gelernt? Haben wir nicht damals unsere Pflicht getan und
tzurch die Revolutionäre darob gehasit und verspottet

ß^erden?

§o sprachen di« Temperamentvollsten.

^ Die Ruhigeren sagten: Wir im besetzten Eebiet sind den anderen
ikiWus. Bei uns ist so etwas nicht mehr möglich, es wäre ein
i^iuck für alle Deutschen, wenn die Franzosen fich zu einer Besetzung
KMNz Deutfchlands entschlietzen könnten. Nein, es ist die Dekadenz
>°res Volkes. Das Abendland und die weihe Raffe hat abgewirt-
uftet, wer folgt, das muf; die Zukunft lehren- '

.. Das deutsche Leid ist nicht zu End«. Jst es erst der Anfang
r»^r das baldige Ende? Werden wir so lange aushalten? Wird die
fxfuffe uns im besetzten Eebiet nicht mutlos werden und das
! ^Utsche Herzeleid nur vergrötzern ohn« uns zu helfen?

- Auswandern, das ungewiffe fremde Land einer ungewifferen
U'Mat vorziehen? Nicht aufhalten. nicht stützen was morsch und

< '"ul jst, sgudern den Zusammenbruch aufferhalb abwarten.

-,,,-Eo gingen die Meinungen durcheinander, Lis unser Wirt uns
, ^'uärte. datz der am Sonntag voraufaegangenen republikanischen
NUdgebung der Arbeiterjugend am Montag eine kommunistische
muffte, um dic Jügend für sich zu gewinnen.

»g.-Arines Deutschland, arme Republik, die solch traurige politische
k^chafte machen mutz und dies in Zeiten der grötzten nationalen

„Di« Jnternationale", „Wir sind die Earde des Proletariats".
t ^ sind die Lieder, die du altes Heidelberg hören mutztest und
Verwaltung nicht die Kraft hat. als Eeburtsstadt unseres
^^hrten Neichspräsidenten sich vor sozialistischen und kommu-
^Mchen Ueberdemonstrationen zu schützen, die vom deutschen Stand-
, nnkt aus würdelos sind.

^Armes Vad Heidelberg, das Deutsche Herz kann in dir nicht
Ein alter Verehrer Heidelbergs zum Abschied.

^ Eegen Eehetmrat Lenard ist wegen seines Verhaltens äm
fji Ma! und 27. Juni vorigen Fahres «in Disziplinarvsrsahren ver-
- wovden. Der Druck von der linken Seite mutz schon sehr stark
ffzuff^fen sein, wenn sich der Unterrichtsminister nach so langer Zeit
^l«f«m Schvitt entMoffen hat.

* Personalnachrichten. Landgepichtsrat Dr. Elsasser wurde
"nsuchen aus dem Staatsdienst beurlaubt.
j.fju>Nickert-Ehrung. Wir weisen nochmals cmf Viv heute statt-
ch ^nde Rickert-Ehrung hin.

i'sg / „Bunseniana". Unter diefem Titel erzählt Dr. W. Ahrens
kej». >>D. A. Z." folgende Anekdoten über die Heidelberger Ge-
Bunsen und Kuno Fifcher: Jm Jahre 1862 machte Robert
-seis,"n (1811—1899). der berühmte Chemiker, auf Einladung
Freundes und ehemaligen Heidelberger Cchülers, Henry
^>»e Reise nach England, und auf dieser Reise in jenen
i sigdi"' Bunsen zusammen mit Roscoe in der englifchen Haupt-
."ttbrachte, begegnete dem deutfchen Eelehrten eines Tages
Marv Äffifche Vcrwechflung, eine Verwechslung nämlich mit Ehristian
Mvn, ^esias Freiherrn von Bunsen (1791—1860), dem zwei Jahre
verstorbenen Diplomaten und Rcligionsphilofophen, deffen
- da er ja ehemals als preutzifcher Eesandter in London
chiu,"t hatte. dort begreiflicherweife weit bekannter war als der

n-tc >chon veenvei yave, >o sragie namna, eine ^ame ,egi
^itzi.^hemiker. „Leider nein. gnädige Frau." antwortet« Bunfen
'^üi,?'-."Niein frühzektiger Tod lietz mich meine Aufgabe nicht zu
b>es°, 'Uhren!" Kein anderer als Roscoe selbst, der nächste Zeuge
Szene, hat den Vorfall in seinen, auch in deutscher Ausgabe
oie ^Uenen Erinnerungen erzählt, und auch an anderen Orten ist

seinen. auch in deutscher Ausgabe
. -nen Erinnerungen erzühit, und auch an anderen Orten ist
»tzes,!Mekdote mit diesen oder jenen ALweichungen wieder aui-
Fej,.>cht. und so auch jetzt wieder in einem höchst intereffanten und
Eedenkbuch, das Hans Schadow, der Maler, kürzlich
-A>t °.?em Titel „Mit Pinsel und Palette durch die grotze Welt"
'?esz,ff>ck>einen laffen- (Verlag K. F. Koehler-Leipzig.) Das Wel'-
k'j 8»hi , 2-Kapitel der „Bunseniana", der bckanntllch in stattlicher
' lausenden Bunsen-Eeschichten, erfährt aber durch das Buch

f v^iibio ber LLerhaupt viel Amllsantes und Jntereffantes zu
> Mch k , uieih, auch einige Bereicherungen. so insbesondere
I »ende, bisher wohl unbekannte köstliche Eeschichte, die unser

^ ielbst als Ohren- und Augenzeuge miterlebte: Zu der
in der Schadow zu jener Zeit in Heidelberg täglich mit
Wsten Chemiker zusammentraf. gehörte auch Kuno Fischer,
^uvsoph. Veide waren sie weltberiihmt, Bunsen und Fischer,

beide auch „Exzellenzen". aber im Lbrigen doch wieder recht be-
scheiden. Wöhrend Bunsen bekanntlich auf allen äusieren Schmuck
des Lebens recht wenig und vollends auf Orden und Titel gar-
nichts gab. vielmehr die Anrede „Exzellenz" am liebsten überhörte
oder so tat, als sei ein ganz anderer gemeint, war „Kuno", wie
Fischer ja in ganz Heidelberg und weit darllber hinaus allgemein
hietz, nicht wenig eitel, und insbesondere soll die Anrede „Exzellenz"
seinem Ohre stets von neuem einen wohlgefälligkn Klang bereitet
haben. Da sagte denn nun, wie unser Eewährsmann erzählt, der
alte Bunsen eines Tages zu dem selbstbewutzten Philosophen, den
er Lbrigens auch bei anderen Eelegenheiten gern angeulkt hat:
„Sehen Sie, Kuno, das ist das Eute. datz man in unserm Alter
nicht mehr eitel sein kann. Was man leisten konnte, das hat man
in unseren Jahren hinter sich." „Das Eesicht von Kuno," so schlietzt
unser Erzähler, „war un be sch re i Ll i ch."

* Heidelberger Volkssternwarte. An diese ist zur Verbreitung
gemeinnütziger Kenntnisse jetzt eine Wohlfahrtsabteilung
angeschloffen. Unser bester Pilz ist der Edelpilz oder Eham-
pignon, unser giftigster der Knollenblätterschwamm. Durch
bie leichte Vcrwechselbarleit beider entstehen die meisten Vrgiftun-
gen. Von beiden sind einige Arten auf einer Tafel im Schaufenster
der Dr. Hof schen Apotheke in Wort und Bild ausgestellt. Der Hut
des Edelpilzcs hat rosarote, zuletzt schokoladebraune, der Hut des
Knollenblätterschwammes stets weiße Blätter. Der Stiel des letz-
teren ist tinten knollig verdickt und steckt in einer Scheide. Das u n -
trüglichste Kennzeichen des Edelpilzes aber ist sein mandel-
artiger Eeruch und nutzkernartiger Eeschmack! Auch
der M a i s ch w a m m ist ausgestellt und ferndr der Ackerschachtel-
halm, der den so heilsamen Zinnlrauttee liefert. — Eine Wohl-
fahrtssache von höchster Wichtigkeit ist der Feuerschutz, denn die
Dau- und Fahrnispreise sind heute unerschwinglich. Deshalb wer-
den an der Hand des Feuerschutz-Merkblattes von Oberreallehrer
Mang die wichtigsten Regeln über die Brandverhütung und
-bekämpfung auf der Tafel angegeben. Durch deren allgemeine Vs-
folgung könnte über die Hälfte der Vrände verhütet iverden, eine
Ersparnis im Deutschen Reich von vielen Milliarden jährlich, eine
zwingende Notwendigkeit bei jetzt 50 v. H. Brandsteuer! Hier nur
zwei Regeln des Merkblattes: 1. Nie Erdöl ins Feucr oder eine
örennende Lampe gietzen! Brennende Personen müffen sich blitzscknell
auf dem Voden wälzen: dadurch werden die Flammen in wenigen
Sekunden sicher erstickt! 2. Bei einem Zimmerbrand das Zimmer
ttreng geschloffen halten! Dann erstickt das Feuer in sich selbst und
ver Brand von Häusern ist damit ausgeschloffen! Lätzt man aber
Tiir und Fenster offen, so entsteht Durchzug und damit alsbald ein
Erotzfeuer!

" Das städtische Jugendheim am Vangerowplatz wurde am
Sonntag vormittag seiner Vestimmung übergeben. Zu einer kurzen
Feier hatten sich Vertreter der Stadt, der Eeistlichkeit und Lehrer-
schaft eingefunden. Das Heim umfatzt neben einem grotzen Saal
vier geräumige Zimmer, die durch Tannenreis und verschiedene
Wimpel geschmückt waren. Stadtrechtsrat Dr. Ammann eröffnete
die Feier durch eine Ansprache, in der er zunächst der Stadt für ihr
Werk dankte. Sodann hob Stadtrcchtsrat Dr- Ammann den Zweck
des Heims hervor: nachdem er noch einige ermahnende Worte an
die Jugend gesprochen hatte, übergab er das Heim seiner Bestim-
mung. Lür oie Jugend sprach der Student Iörger. der mit be-
redten Worten die Ziele der Jugend schilderte. Er versprach, datz in
dem neuen Heim stets Eintracht herrschen müffe und datz die Jungen,
ohne ihre politische Richtung zu verleugnen, einander näher kommen
wollen. Er dankte sodann der Stadt und dem Jugendamt für die
Errichtung des Heims, das wie dazu geschaffen sei, ohne jede äutzere
Einwirkung gemlltliche Festabende zu verleben. Nach diesen An-
sprachen wurden noch einige Wandervogellieder gemeinsam gesungcn,
die die schlichte Feier abschloffen.

" Kurpfälzische Bilderbühne. ,Ias Glück «rm Rhein" nennt ffch
der diesmalig« Hauptfilm, elne lustige Liebes- und Wandsrgeschichte,
die uns ein« Rheinreise von Köln Lis Mainz mit prüchtigen Natur-
ausnwhmen zeigt. An all den schönen StLdten und Vurgen geht es
vorbsi, d-eren Sagen geschiickt in dl!« Handluirg eingewoben sind.
Nheinischer Froh- und Leichtsinn klingt uns «ntgegen, wie man ihn
so oft am fveien Rhei« erlebt und genoffen und «i« m«m ihn fur
spätere, beffere Zeiten Vieder erhoffti — Fm Beiproonrmm gibt es
einen lehrreichen Jndustvieftlm ,L)as Werden des Buches" und eiiren
der mirklich amüsanten gezeichmeten Trickftlme, eine Löwenjagd mit
vielen Hinderniffen.

" Bom Stadttheäter. Paul Joachim Schneider, sines der
lbesten Mitglieder des Stadttheaters, ist für die kommende Spielzeit
an das Mainzer Stadttheater verpslichtet worden. — Am Mittwoch
findet in Miete 8 eine Wiederholung des Lustspiels „Extemporalc"
mit Erna Hertel als Lotte, am Donnerstag vine Wiederholvng von
Lumpacivagabundus" wutzer Miete statt.

* Aus Rache wurde durch Eiinoerfen von Fensterscheiben in der
Nacht zum 26. Mai einem Zementeur in der Eppelheimer Stratze
e!n Schaden von etwa 20 000 M. verursacht.

" Zechbetrüger. Ein etwa 22j8hriger, 1,70 m groher Mann mtt
glattem Eesicht. der schwarze Hose und feldgrauen Kittel trägt, hat
am 27. Maii in zwei Wirtschaften in Neuenheim Aechbetrügereien
in einem Falle im Betrage von 13 580 M. und im an-deren Falle
von 7000 M. verübt. Er fft Wchtig gegangen. Um Mitfahndung
nach demsetben ersucht di« Polizei.

" Vom Tode des Ertrinkens gerettet wurde ein lediger Maler
aus Vruchsal, der gestern nachmittag nach 3 llhr mit einem Boot
aus dem Neckar bei der Fviedrichsbrllcke kenterte. Der ledig« Schloffer
Geoyg Fischer von Neuenheim, welcher den Dorfall beobachtete,
sprany mit den Kleidern in den Neckar und zog den Les Schwimmens
unkundigen Maler in bewutztlosem Zustand« aus den Fluten- Di«
Wivdervelebungsversuche waven von Evfolg.

" Schwindlern in dke HSnd« gefallen ist ein Eutsbefitzer aus
WLrttemberg. Dieser wurde von zwei Männern unter dem Ver-
sprechen, ihm Pferde aus dem besetzten Gebiet verschaften zu können,
mrch Heidelberg gelockt. Hier wurden i>hm 8 Millionen 250 000 M.
abgeuommen. und als er mit dem Auto nach Doffenheim fuhr, wurde
er dort abgesetzt, während einer der TSter nach Mannheim weiter-
fuhr und dort festgeuommen wurde. Einer der Täter, vin geschie.
dener Kauftnann aus Fraukfurt a. M>, konnt« hier ermittelt und
festgenommen werden.

* Schwurgericht Heidelberg. Jm Fall Eotz hatten die Ee-
schworenen 138 Schuldfragen zu beantworten und haben ihre Auf-
gabe in Lewunderungswürdiger Weise fehlerlos nach viereinhalb-
stündiger Bratuna gelöst. Die Eeschworenen hielten steben vollendste
Abtreibungen und acht versuchte Äbtreibungen für erwiesen. Eegen
Eötz wurde eine Zuchthausstrafe von vier Jahren, gegen
seine Eehilfen Eefängnisstrafen von acht Monaten bis zu vier
Wochen ausgesprochen. Alle Angeklagten bekamen die erlittene
Untersuchungshaft angerechnet. Eegen 36 weitere Personen, die sich
an dem Treiben des Eötz beteiligt haben, wird demnächst vor der
Strafkammer hier verhandelt werben-

* Polizeibericht vom 28. «nd 27. Mäi. Festgenommen
wurden: -wei Schloffer und ein Arbeiter von auswärts. die gestern
in einer Herberge hier beim Derkauf von Vorhüngen, Teppichen und
verschiedenvn anderen Eegenständen betroften wurden, wozen Ein-
bruchsbiebsiahls. Di« Eegenstände sollen in der Nacht zum 25. Mai
in einer Sommervilla in Obersensbach in Heffen gestohlen worden
sein: ein zugereistvr Taglöhner, ider wegen Diebstahls ausgeschrieben
ist: vier Landstreicher unb ein Bettler. — Aufgegriffen wurden:
sechs Obdachlose u-nd zwei Tvunkenbolde. — Zur Anzeige ge-
langten: ein Taglöhner und ein berufsloses Mädchen, beide wegen
Diebstahls von zusammen 30 000 M.; ein flüch-tiger Bäckrr, der am
26. Mai aus dem Empfangszimmer der chirurg-ischen Klinik hier
einen gvauen Ranglanmantel im Werte von 200 000 M. entwendete,
wegen Diebstahls: ein lediger Taglöüner von hier wegen Unter-
fchtaquiig von 2 Ztr. Kohlen und drei Säcken; ein Landivi-it von
Kirchheim wegen Bedrohung: ein Händler und ein Arbeiter von
hier wegen Ruhestörung, Dvamtenbeleidigmig und Widerstandes:
vier Kausleute wegen Zuwiderhandlung gcgen di« Preisaushang-
vorschvist: ein Friseur wegen Vergehens geven di« Sonntagsruhe:
sechs Personen wegen groben Unfuas: sechs Ruhestörer: ein Iugsud-
licher wcgen Nichtbcaäft-U'Ng des RauchverLotes: 25 Kraftsahrzeug-
sührer wegen zu raschen Fahrens und weitere 23 Personen wsgen

anderer strafbarer Handlungen. — Gestohlen wurden- vom 12
bis 26. Mai aus einom verschlossenen Zimmer eines Hauses der
Sofienstratze nach Erbrechen eiue Schraukes 13 außergewöhnlich
grotze lsineue Dettücher, gez. E. K., mehrere Rollen buntfarbi.ger
Flicklappen und eine silberne Dhristofelgabcl: in Ler Nacht zum
26. Mai aus einem Kellcr in der Ladenburgcrstratze 26 Eier; in der
gle-ichen Nacht aus einem Erundstück im Gewann Stupfelqärten
70 Salatlöpfe und am 27. Mai «ruf einem Sportplatz in Handschuhs-
ve>m E dem Aukleideraum eine schwarzlederne Brieftasche mit
2o000 M. — Unterschlagen wuvde oin Alaskcvfuchspelz im
Werie von ZOO OOO M.. der am 22- Mai aus d«m Woge von der
Plock 51 bis zur Hauptstratze 2a verloren wurde.

AiiSschuß för «r- u»d Arühgefchichte Sadens.

Zur Unterstützung des Ministeriums des Kultus und Unter-
nchts bei der Leitung der Denkmalspflege und Forschung auf ur-
und„fruhgeschichtlichem Eebiet ist ein Ausschutz für llr- und
Fruhgeschichte Badens gebildet worden. Dem Ausschutz
kommen „msbesondere folgende Aufgaben zu: Aufstellung eines
Planes fur die badischen ur- und frühgeschichtlichen Forschunqen: die
Fursorge fur die Erhaltung und Aufzeichüung der ur- uiid früh-
geschichtlichen Denkmäler, sowie für die Sicherung der Bodenfunde
Sammlnngen: die Förderung von wiffenschaftlichen und
volkstumlichen Veroffentlichungen auf dcm Eebiete der Ur- und
Fruhgeschichte Badens; die unmittelbare Aufsichtsführunq über die
Tatigkeit der Bezirkspflcger auf dem Eebiete der Ur- und Früh-
geschichte mit der Maßgabe, daß die Mitglieder des Landesaus-
schuffes als Oberpfleger der ur- und frühgeschichtlichen Denkmäler
gelten und dementsprechend befugt sind, die Bezirkspfleger mit Wei-
sungen zu versehen und ihnen bestimmte Aufgaben zuzuweisen; die
Fuhlungnahme mit Leitern der Ortsmuseen; die Beratung in An-
.qelegenheiten der ur- und frühgeschichtlichen Denkmalspflege und
Forschung. Zu Ausschutzmitgliedern sind vorläufig ernannt worden:
Geh. Hofrat Prof. Dr. Dcecke, Eeh. Rat Prof. Dr. Fabricius
und Prof. Dr. Eugen Fischer in Freiburg, sowie der Direktor
des Vad. Landesmuseums Prof. Dr. Rott in Karlsruhe. Eleich-
zeitig hat das Ministerium zur Durchfllhrung der für die staatliche
Denkmalspflege und Forschung auf dem Eebiete der llr- und Frllh-
geschichte des Landes crwachsenen Aufqaben zwei wiffenschaftliche
Hilfsarbeiter bestellt, Privatdozent Dr. Ernst Wahle inHeidel-
Lerg für die Landesteile nördlich der Kinzig und Prof. Dr. Friedr.
Leonhard in Freiburg für die Landcsteile südlich dieses Flusses.
Als ihre Aufgaben kommen insbesondere in Betracht: die Leitung
und beraiende Mitwirkung bei Ausgrabungen; die Fürsorqe für die
Erhaltung von Altertumsfunden und sonstigen ur- und frühgeschicht-
lich bedeutsamen Eegenständen; die llnterstützung von Leitern bei
Ortsmuseen bei Ordnung und Einrichtung ihrer prähistorischen
Sammlungen; die wiffenschastliche Mitarbeit bei Dcrzeichnung der
Altertümer und der Herausgabe von Veröffentlichungen aus deiii Ee-
biet de„r Ur- und Frühgeschichte des Landes; die Ueberwchaung der
Durchführunq der Denkmalsschutzbestimmunoen. Der Tätigkeitsbereich
des Ausschuffes und der wiffenschaftlichen Hilfsarbciter erstreckt sich
zeitlich von den Anfängen menschlicher Kultur bis ungeföhr zur
Karolingerzeit, von da ab schriftliche Urkunden als die hauptsäch-
lichen Eeschichtsquellen in die Erscheinung treten.

Aus Baden.

— Marrnbeim. 28. Mai. Auf Anregung deS BadisKen LandeS.
gewerbeamtS fanb kürzliL eine Studienretse badischer Gesellen.
vrüfltnge nach Münch « n statt. an der 24 iunge Männer und dret
junge MSdchen. dte die Gesellenvrüfung mtt gutem Ersolg abgelcat batten.
teilnabmen. An Stclle dcr btSSer üblichen Prämien in Büchern und Werk-
zeugen, war ben Prüslingen ein Retsestivendtum gewährt worden und zwar
für Ig TeilneSmer mit staatlicher Untcrstützung und sür acht auf Kostc»
der Hanbelskammern Nrciburg und Mannveim. Dte Nctse umfatzte di«
Tage vom 18. btS 17. Mat nnd galt tn München der Beüchtigung dcr
kervorragenden dorttgen Sammlunaen tm Deutschen Muscum und tm
Nattonalmnfeum unb tn den Galcrten. Obergewerbelebrer Bollmer
lettete die Rctse, di« etne» sebr befrtedigenden Verlauf nahm.

— Mannbei«. 28. Mai. Der bet der Schietzeret an ier Becker-
brücke in der Nacht zum SamStag schwer verletzte Kassenbtener Rübl
von ber Rbetnischen Kredttbank hatte bnrch ben Schutz tn den rechten Ar«
einen so grotzen Blutverlust crlitten, datz fetn Leben tn böchster Ge-
fabr stanb, und eS erforberltch war, ibm künstlich Blut zuzufübren.
Sein Schwiegervater uvd scin Bruder stelltcn sich sosort zur Vcr-
fügung, sich die notwcnblge Mcnge Blut ncbmen zu lassen. Durch die vor-
genommene TranSfusion tst eine Besferung in setnem Bcftnbcn ein-
getreten.

— Nenlutzbei«. 28. Mat. Zu ben Milliardendiebsiäblen
auf ben Nbetnschtffen, übcr dte wir kürzlich schon berichtetcn, werben
jetzt nähere Einzelbctten bekannt. Nachdem die dcutschen Rbcinschiffer sich
geweigert batten, untcr französischcr Flaage zu fabren, fanden sich Leutc auS
der Gegend von Alt- unb Neulutzbeim unb von Rheinüausen. sowie
Reilingen bereit, kei ben Franzosen in Dienst zu treten. Auf etner Rück-
fabrt vom Obcrrbetn haben dtese Leute nun etncn Nbeinbamvfer völlig
ausgevlünbert. Sie staglen Tevviche. Pumven. Werkzeugc ukw..
bic sie teilwcisc waggonwcise nach Alt- und Neulutzbclni, Nheknbauscn und
Rellinsen schafsten, wo icbt bte Gcnbarmerie grotze Beständc bes DtcbcS-
gutes beschlagnabmte unb ncun Pcrsonen vcrbaftctc. Der
Wcrt der gestoblencn Gegenstände gebt in die Mtlliarden. D!e Nn-
gelegenheit bat insofern eine volitische Bcdcutung, alS Frankreich daS
Deutsche Reich für den Milliardenschaden baftbar macht.

— Karlsrnhe, 28. Mai. Hlcr fiel in einem Hause der Wcstsiadt ei«
UL Jahre alteS KInb in einem unbewachtcn Augcnbllck über bas ciscrne
Geländcr des nach dem Hofe >u aelegenen BalkonS im zweiten Stvckwerk
airf ben gevflafterten Hof, wodurch «S lebenSgesährllch« Ver.
letzungen erlitt.

— Sarlsrnbe, 28. Mat. »Frettag abenb nabm elne von ibrem Ebe-
mann getrennt lebende Hrav Gift. — Vor elnigen Tagen erschicn ein
bier rvobnender 24 Jabre altcr Kaufmann in ber Wobnuna fciner Braut
und bedrohtc sie mlt elnem Nevotver. Nachbem ibm bie Waffe ab-
genommen war, stürzte cr sich durch daS Fensier in den Hof, wo «r be>
wnhtloS ltegen blieb. Betbc wurden in schwerverletztem Zu.
stanb tn das siädtischc KrankenkauS üverfübrt.

— Karlsruhe, 28. Mat. Ei« frecher EinbruKSdiebsiabl
wurb« am DonnerStag abend gegen 10 Ubr in einem Haus« der Jahn»
stratze ausgefübrt. Der Täter muh an ber Vorderfront deS HauseS bin»
aufgesiieaen unb bann durch daS geöffnete Erkerfensier kn etn tm zwclte»
Stock aelegenes Zimmer etngedrungen seln, besien Besitzer abwelend war.
Der Dieb benützte dies« Abwesrnbcit. um vier Anzttg« und Hcrrenwäsch«
In einen im Ziwmer bcfindlichen Koffer zu vacken unb entfernte sich wieder
auf dem Wcge. auf bem «r gekommen war. D«n Kofser mlt d«m g«.
stvblenen Jnbalt batte er schelnbar an einer Schnur vom zweitcn Stock au»
auf den BoLen beruntergelasien. Für die Ermittelung bcS TSterS wurbe
eine Belobnung von etner balbcn Mkllion auSgesetzt.

— Pforzbeim. 28. Mai. Der schon mebrfach wegen Betrugs vor»
bestrafte Hänbler Aonrad Sckemvv fchwindelte einem Bekannten vor, er
wlsi« einen Bauer, Ler nvch tm Besitz« einer beträchtlichen Menge G o l d.
münzen fei und dtese gerne absetze» würde. Dcr vertrauenSsellae Be»
kannte bcinbtgte Scbemvv 8lX>(X)ü Mark auS für bcn Ankauf ber Gold»
münzen; dcr »Agent' Schemvv vcrschwand aber mit bem Gelde. DaS
SLöffengericbt verurteilt« den Betrüger »u 1 Jahr ZuchtbauS und bret
Jabren Ebrverlust. — Ein zweiter rückfälliger Betrüger, der Lag.
löhner Eduarb DitteS auS Neubausen, gab sich alS vermSgender
Lebensmittelfabrlkant auS. Bei verschtedencn Leuten schmekchelte er sich
ein und erlstclt grötzere Geldbcträg« auSbezablt. um LebenSmtttel einzu»
kaufen. Dittcs verbrauchte daS Geld tn biesigen Mrtschaften. Das Ge»
rtcht verurteilte ibn zu «inem Jahr unb k-rei Monate» GefängniS sowie
bret Jabren Ebrverlust.

— Psorzbek«. 28. Mat. Zur Ertnnerung an di« küngst tn Baden»
Baden verftorbene Grvtzberzogin Luis« bat bi« Hof» unb Kunstoräge.
anstalt von L. H. Mavr «ine ErtnnervngSn. ünz« gevrägt. Di«
Medaille zelgt auf der Borberscite dcn Kopf ber Berstorbenen. Die Worte
„Lulse, Grotzherzogln von Baden" rabmen daS Blldnls «in. Di« Rück»
seite trägt bie Worte „Zum GedächtnIS" und „Jch will bich segnen unü
bu sollst eln Segen feln". Ein Kranz und «in Palmzweig umrnbmcn
diesen Svruch. Auf bem noch freibletbenden Nand tst baS GeburtSbatum
unü der TodeStag ber Fürstin angegeben und bi« Wort« „Der Herr nahw
sie auf tn sein Reich".

Derantwortlich für den tertllchen Jnbalt: Jul. Sraemer i» Heidel-
berg: für ben Anzekgen. und ReklameteU: E. Clauer. Srankfurt a M.
Druck u. Verl.: I. G. H o l tz w a r t S N a ch f. G. m. v. H.. Sranksurt a M.
 
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