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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0987
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^>i° i?Ezukommen, Eil kie von verbrecherischen Elementen aufs
^droht würden.


Aus Baden.

- d. Juut. Be' einem Sestakt zn ESren bes Erzbischofs

?l»jz Freiburg erWrte öer Erzbtschof in einer Rsde über bas

, »Nt Kirchc znni Staat, datz er gewillt sei, wie bisber so auch

^»t Staatsgewalt zum Woüle bes VolkeS und zur Förbcrung

,^et in Hand zu oehen. Die Freibctt ber Kirche durse nicht

Re Jm levten Kriege scicn Gercchtigkeit ünd Wabrhcit ini

ied-,. ^taates rerlcbt wordcn. Dte Religion sei das bestc Mtttcl
^"nfdau unseres Bolkes.

^ B^tt^^eiin, g. Junt. Das breijäbrige KtnS einer hiesigen Samilie
z b rger wurde von eincm t
-e»d ft a r b. Den Krastrru

hat sich eine 26jährige Kausmaunschcfrau aus Eifcrsncht
ke» « End gcschossen und fchwcr verletzt. — Jnfolge eincs
°»i, Etbens bat stch auf dcm hiestgcn Kricdbof cin SLjähriger

:'>-»

, » Dn"" Edingcn erschossen. — Einer auf dem Hcimweg be-
-lsttrc wurde von einem noch unbekannten

rvtark

Täter die Handtasche
Papiergeld und mchreren Schmnckgesenstänbcn entrisscn.
?tkeh^t»ctzingen, g. Iunt. Dre F r e i l i ch t - A u f f ü ^ r u n g e n, die
^ g-f rein im Lchwetzinger Schlohzerie« verinftaltet, habcn grohe»
>?t°eii° tttrden und vielc Besucher von nah nnd fern herangelockt.
i'tS ,!g ^ufführung für die F-rcilich-bühtte am Merkurtcrnvcl rjt
'» a u t von M e s ? i n a" tn AuSficht gei ömmcn. Die Zluf-
wurdcn auf len 16, 17., 23. unb 24. Juni. 4 Uhr nach-
Sesetzt. Die Darstcller sinb Mitalicder Lcs Mannheimer
"sto ttt°rs. bes Landestheaters Darrnftadt und bcs Stadttheaters

^ E'^t» lAinr Buchen), 8. Juni. Bei bcr
tt»,»,t-e Gcmcinderat und Handelsmann

°r gewählt.

Bürgermeister-
Wilhclm Löhr zum

"°>s!,

ftl>bil. tt'Vsr««, 0. Juni. Das vom Badischcn und Rheinischcn
tt »>t.t?lb schon im driiten Iahr rcraustaltete Badener Antomobil-
t)om ig. bis 13. Juli ftattfinben unü sich auch nach Karls-

,^k. t°ru-c>m, 9. Juni, Etne böhe Ueberraschung erlcbte cine biestge
,t»„.'tls ste non eiuem AuSslug nach Haufc kchrte, war dic Wohnuna
5 ü,.Znd baS ncuansestclltc Dicnstinäi chc>,,-das sich Luife Al c n n c r
stl'A^tvunre«. Ohnc Z vcifel ist daS Müdcheu die Tüterin und hat
'>»jI^-:elser.i zuiainmengeorbcitet. Die Dieötn konnte auswärts
! ° t werden.

sf-ftru (Amt Freiburgl, 8. Zuirt. Jn der NaSt anf Sonntag ver-
,t i>s ?tlt Gewalt untcr rorgebr.lienem Ne olvcr si'rif Einvrechcr
-^Hiiztas gräsliche Schlotz und raubtcn allc Mcrtsachcn. Die Ein-
' »1,,.° E n t k o m m e n.

! ^erschwand mit ihrer Bcutc.

^e>Znrg, g, Iutti. Der vlattmätzige atttzerordentlichc Prof. Dr.
an deu NcStS- und StaatSrvikscukchaf!lichcn Faknltüt ber

>!.>» 'i- Solüenes Dicnstjubrläum begehen. — Etnc ISiührtge Gcsell-

-'t. —

-isser Taae konnte die Ktnderschwcster Kätchen


8. Junt. Anstelle Les geplanten, abcr vcrschobenen Reichs-
Ler
die

>!?lt.

!>>

V"e»

am 22. nnd 21. Juni in Würzburg ftattfinden sollte,
Gaue Schwabsn unb Südwest des Dcutschnationalcn
«i^Ehilfenverbandes für ihrc Jugendmitglieder an öen gcnannten
odensectagung auf dem Hohentwtel mit anschliehendcn
--H ss , " 'll t>ie Bodensecgesend.

g. Juni. Der „Prophet" H ä u h e r, der kürzlich hier ver-
>>>d °c» jst, u-.h dcr in lebtcr Zcit die Gerichte wicderholt befchäftigt
-»e^scenwärtig in Nor-deutskhland cine viermonatige Gefängnis-
s Srm''E- ttand lebtcr Tage vor dcm Tchöfscngcricht Tettnang iWürtt.)
«' Belcidigung eines Richters. Er erhlelt zwci Monate Ge-
'lt-^lDegxn Schluß der Verhandlung mutzte wegen ungebührlichen
>eines Damenanhanges öer Saal geräumt werden.
a. H..

/'»»» Eu a. H„ 9. Juni. Ter vor einigen Tagen am bicstgen Säge-
Ikh "Sltickte Landwirt Julius Denzel ift jetzt seinen schweren Ver-
l e g e n. Der VerunglIckte hinterlätzt eine Witwe und fünf

hA«a«. g. Junt. Nm Sonntag. den 10. Juni, nachmittags
auf öem hiestgen Fricdüof die Betsctzung des von den
^lchosscnen Schlageter stattfinben. Dte Beisetzung wirü sich
?-» ^u einer grotzcn Trauerkundgebung gestalten, da daran die
'ämtliche Dcreine und Schnlcn teilnehmen. Nach der am

1ihs.">ittLg erfolgten Ankunft der Lciche werden die sterblichen Ueber-
AxKters tm Nalhaus aufgebahrt werdcn. Jn Düsteldorf bat vor
">r«iig Traucrfeier tn Anwcscnheit ber Vertreter der deut-
?t. "ung stattgefunben. Der Sarg war mit Kränzen reich ge-
^Ne grvtzere Tranersetcr konnte aus naheltcgenden Gründcn

r. >?'sang anf der Schauinslandstratze auS eincm A«to, weil sie

stotze mit einem Holzwagen zusammen. Sic zog stch eine

ttnerschstkterurig und cine Kovfrerletzuna zu.

cr.

-)«s ^"den. doch ist dic Grabstätte Schlagetcrs auf dcm Düfleldorfer
>» ""» einer grohen Menge befucht worden. Das Niederlegcn vo»
von den Franzosen verboten worden.

badischen Landtag ging eine von
- »i> x " S ch n e i d e r - Mannheim, Dr

VadWer LandLag.

den deutschnationalen

,_ _, , Dr. Hanemann und

' Karlsruhe unterzeichnete förmliche Anf r a g e zu,
kdi >Lihnlts: „Die akademifchen Assistenten Badens sind durch
, .-,x O->rlasie des Ministxriums sür Kultus und Unterricht und
AtmDaitung des Ministeriums gegenübsr ihren Wnnschen nach
-t i,, g stark beunruhigt- Jst die Regieung bersit, Auskunft
geben, ob und weshalb nicht die Möglichkeit gegeben ist,.


Preühen geltenden Bestimmunqen zü versahren und ist
n Kündigungserlah vom 20- April 1923 in eine dem
Erlag vom 16. August 1921 ähnliche Form zu bringen?"


Frankreichs Ziele.

unserer Münchener Redäktion.

München, 9. Juni.

E Oberleutnant Kautter bekundet, über d!e Beurteilung
"nd über seine Bedeutung in Frankreich habe zwischen
^ r^Nstr eine gewisse Meinungsverschiedenheit bestanden. Der
' e^ahnt dann'auch seine Unterredunq mit Fuchs, wobei er
Kdie Unmöalichkeit hingewiescn habe, mit zu geringen
hghe hei dieser Eelegenheit den Eindruck
dgh ^uchs a» die bolschewistischc Gefahr selbst nicht so
"" habe. Der Zeuge erzählt weiter, wie er sich von der

dv ^ ^

5° ».-»edeutuna des Richert überzeugt habe und wie Machhans
^uhernng über seine Ziele in Gegenwart der Eebrüdsr
>»s .»chtlich oermied. Auch Friedmann bestatlgt. Richert
"er Unterredung mit aller Bestimmtheit betont,

als mächtigste Kontinentalmacht für die' nächsten
tz. * U»srde die Rhringrenze onter allcn Umställdcn sesthaltrn.

>>!^Üen ° weihte nannt« Richert den Eensral Degoutte so-
i, - do ^eneralstabschef. Richert ,habe auch zum Handeln ge-
»i>M als Leiter der politischen Abteiluna ins Ruhrgebiet
I^i»» Richert erklärte weitcr, die Haliung Frankreichs wurde
des Pntschcs znnächst eine kühlc sein, sich dann aber dalo
>» i»°^ gcstalten. Dann schildert dcr Zeuge den weiteren Ver-
Vr Maqr gemeinsam gemachten Beobachtungen bis

>»?Ust° ' A>n 18. Februar wurde zwischen Maqr, Friedmann
r, » ^>ue gemeinsame Besprechung über die Uebergabe oes
,/»»!> '-uaterials an die Polizei abqehalten. Für dis letzte B
'Z!„?,"rden am 20. Februar folgende füns Richtpunkte dur
*E^t und Richert vorgelegt:

^^°akuten Erllnde hat Frankreich, um d!e Aktion zu fordern?
Unterstützung will Frankreich in militärischer
kurantieren?

e Earantien auf politischem und wirtschaftlichem
Ai- werden seitens Frankreichs versprochen?

U-z ^ ko nt j n e n ta l e n Ziele hat Frankreich?

einer aniibolschewistischen und monarchistischen
. lNltzung zu halten?

L'ird mitgeteilt. dasi die Leiche des Selbst-
Kapellmeister Machhaus geösfnet und untersucht

wurd-e- Dies« Uniersuchung hat einwandfrei ergeben, dasi der Tod
nur durch Selbstmord erfolgie. und damit alle gegen die baqerische
Regierung aufgebrachten Eerüchte jeder Begründung cntbehrcn.

Bestrafte Hochverrater.

Leipzig, 9. Iuni. Der Staatsgerichtshof hatte sich in
dem diesmaligen Tagup.gsabschnitt zum erstenmal mit der rh e i n i -
schen Separatistenbewegung zu beso.sien. In zwsitäg'gen
'' -rhandll'ngen hatten sich der Eemüsshändler Forteter und der
-aurer Hans van Suntum, beide aus Oberhausen, wegen
BeihUfe zum Hochverrat zu verantworten., Forteter hat die Vorbe-
reit-ungen zu dem hochverräterischen Untornehmen von Smeets unter-
stützt. Van Sl'nt:-m hat di« Tai Forteiers begünst>gt. Das Urteil
lautete gegen Forteter wegen Be'hllfe zum Ho-ch-verra't auf 8 Monate
ZuH-haus, die in ein Jahr Eefän-znis umgewandelt würden, und
200 000 Marl Eeldstrafe. Suntum wurde wegen Vegünstig'.-ng zu
5 Mon-aten Eefän-gnis unter Anrechnung von zwe! Monaten Unter-
suchu-ngshlrst verurteilt.

BißLrauensanirag aeMN Ssvering.

Bcrlin, 9. Juni- (Eig. Drahtm.) Jn der heutigen preußi-
schen Landtagssitzung stellte die deutschnationalc Fraktion
folgenden Mihtrauene-antrag: „Der Landtag wolle beschließen: Die
Versäumnisie Les Ministers des Innern Sovrring in der Be-
kämpfung der kommunistischen Eesahr haben zu ein-:r
Erslbüttcrunq des Staatswesens geführt. Der Landtag entzieht ihln
tas Vertrauen." (Lcbhafter Beifall rechts, Unruhe und anhaltenoer
Lärm links.)

paliiiWe Tagesßhao.

ErhShnng, der Errrerbslosensiirsorge.

Der Neichsrat st>mmte dem Entwurf einer Verordnung über
die Hkch^si-tze in der Vrwerbslosenfürsorge zu. Die Sätze wer-en
mit Rücksicht auf die allgemeine Geldcntwsrtnng erhöht, und sollen
nach der neuen Höhe sokort ausbczahlt werden.

Oberschlesien vor dem Generalstreik?

Der Streik in Oberschlesien breitet sich immer mehr aus. Von
rerschiedcnen Eruben und Werken lisgcn Miiteilnnaen vor. 'ag die
BelegschatKn nnd Arbsiter in den StKik getreten sind. Anschsinsnd
ist Oberschlesien nabe dem Kenero.lstreik. Es scheint, daß die Kom-
munisten immer mehr die Oberhand gewinnen.

Die Krise in Lausanne.

Die Alliierten Leschlosien Freitagabend, um den leeren
Redereien in Lausanne ein Ende zu machen, am Montagmorgen
Ismed Pascha ein, Ultimatnm zu stellen, in dem er
aufgesorderi werden soll. allen noch n-cht gelösten Fragen die von den
Alliierten gewünschie LLsung zu geben.

Schlaganfall Vivianis.

Der früher« Ministerpräfident Viviani wurde am Freitag bei
einer Verteidigungsrede von einem Schlaganfall getrosfen. Sein
Zustand ist besorgniserregend-

Die Ausfichten der russtschen Eetreideausfuhr.

Nach einer Meldung der russischen Telegraphenagentur werden
die Aussichien der russischen Eeireideausfuhr fllr das laufende Iahr
günstig eingeschätzt. Die Finanzierung der Gelreideansfuhr
wird vom Staat restlos Lbernommen. An eine Hsranziehung
ausländischen Kapitals wird nur in der Form gedacht, datz auf die
abgeschlosienen Eeschäfte Vorschüsie erhoben werden.

Verurieiluna des VersaNer Derirages
durch die preffe Guaiemslas.

Aus Guatemala, Mitte Mat. wird uns geschrieben:

Guatemala war seinerzeit auch in den Weltkri-eg gegen
De-u-tschland eingetreten, aber schon bald nach Bee-nidi-Mng des Krieges
bsgann sich ein Mandel der Auffasiungen zn vollziehen. Wie star'
dieser Wandel inzwiischen geworden ist, geht a-us den Betrachtungen
hervor, welche die bedeutendsten Blätter Euatemalas in den letzten
Tagen llber den Versailler Vertrag angestellt haben.

D!e wicktigsten Blätter Gsatemalas, von denen hier der „D'ario
-de Ceniro-America", „Excelsior" un-d „Diari-o Nuevo" angeführt
seien. verurteilen e i n m ü t i g sckiars den Vertrag. So schreibt
i-m „Diario de Centro-America" Max Dorsal: „D!e de-u-ischen Vevoll-
mächtigten in Vers-ailles wuß-ten, datz si« mit ihrer Unterschrift etwas
Fürchterlichcs, nie D-agewese-nes giltheisien würden: die här-
testen F-riedensbedingungen, welche die Geschichte
kennt: den Derl-ust einer unendlichen m-Mtäri'schen Macht, wert-
voller EeHi-ete u-n<d großer Kolon-ien, die ZerstöruNlg einer w-under-
bare-n Flotte, fast üb e r m e n > ch l > ch e finanzielle und mate-
rielle Vernfli-chtungen, die Demüt'gungund Versklavung
von 60 Millionen von Mitbürgern. . . . So m-ufsten sic
unter den lmerbitt-lich-en Vertrn-g das I U. II. I setzen, das den Rui-n
di-e De-mütig-ung mtd die Verurteil-ung ihres Lanides sian>kt!om:erte."

Darcm-f geht Dorsal zu d-em.Verhal'en der Ameri-kaner über,
oon denen er sagt, datz sie zu ehrenha-ft un-d w-ürdi-g seien, als
datz sie es über sich gebracht hätten, die unerhörten Beding-
ungen eines phantastisch harten Vertrages aut-
zuheitzen und sich einer Völkerliga cmzulschliehe-n, d>ie d-en sleber-
mut d-er E-owal-t symbolisiert.

„Exce-l-sior" schreibt: „Leider war der Vevsailler Vertrag ledi-glich
di-e grausame und phantastische Verurtei-lung eiues -dmrch seine
zahlreichen Eegner Lestegten Volkess anstatt d-sn Frie-d-en
und di« Versöhn-u-ng unier d-em Reiche der Eercchtlgkeii und des
Rechts sicherzustellen, bat er mir unzählige neue Konfltkte
geschaffen. . . . Mtt Aus-n-ahme von einer oder der anderen
Nation ha-ben fast all« Unterzeichner des Versailler Vertrages ihren
Jrrtum eingesehen. Der Vertrag wird nur noch von den°
jeni-gen verteidi-nt n-nd aufrecht erhalten, >die seine Ungerechtig-
kei'ten undHärten zumeigenen Vorteil ausnutzcn
wollen, ind-em sie ihren Sieg, den sie n>ur mit mächtiger fremder
^i'lf« erfocht-en haben, einem entwafsneten Volke ge-genstber mitz-
brauchen." t

Fast noch schärfer dvückt stch das „Diwrio Nuevo" wus, ind-em es
erklärt, kei-n gerecht den-kender Mensch wer-de di-e Wederkehr dss
Iahresiages der Un-terschrei-bung Les Vertrages Legrüßen können,
d-enn „Ntemanden be-fri-edig-t d>i«fer Vertrag, d-er a-us einer unend -
lichenReihevonJrrtümernundUngerechtigkeiten
besteht, einen dauernden Kriegszustand gefcha-ffen, die
Sieger enttäufch-t und die BesiMten ,z-ur Derzweiflung getrieben hat.
Man bra-uch-t nur fti-ne Micke Sberall hi-nzu-wenden, um sich zu über-
zougen, datz der Veifailler Ve-rtraq s-einen Einflutz auf di-e gan-ze Welt
ausübt, i-nld-em er sic in Aufruhr, Uneinigkeit, Armut u-nd Anarchie
erhält und zwar tn demfelben Umfange oder gar noch nrehr als
während des Kri eges."

Man geht wohl i-n der Annahme nicht fehl, datz das schmach-volle
Derhalten Fra-nkreichs in Ver Ruhrangelcgenhei-t zu diesem vernich-
tenden Urte-ile der Blätter sehr beigetr-aggn hat. Richtet doch be-
ssnd-ers der Artikol des „EMlsior" an seinem Sch-luffe seine Spitze
ganz dir-eikt gegen Fran-kroich, das den Vertra-g ,^-um eigenen Vortei-le
ausnutze" un>d den „mit mächti-ger fvemder Hilf-e erfochtene-n Sieg
ei-ne-m e->rtwaffn«t«n Volke gegen-üi-er mihbvauche". Dom noch v-on
der Ze-it der spanifchen Herrschast her in Late-in-Ameri-ka wirks-amen
Eeiste der Ri-tterlichkei't wider-strebt eben.die brutal« Aus-beutung
der Macht Neg-enüber dem Schmächer-sn auf das ontfchiLldenste. Der
'H'iNmeis, datz Frankreich den S-tog nur mit d-er mächtigen Hilfe
anderer habe err!nge.n können, ist zngleich e-ine w-irk-sam« kalte D-ufche
für di« sranzüfische Ei-telEeit.

Aus Frankfurt.

AlberL Leo SchlageLers letzle Fahtt.

Was sterblich ist an Albert Leo Schlageter, den vor einer Woche
feige Feindsshand meuchlings hinmordete, das wurde ip der Nacht
zum Samstag vom Rhein durch das Siegener Land über Frankfurt
seiner iannenumrauschten Schwarzwaldheimat Schönau zngeführt.

Das war keine Trauerfahrt, dis wir in spater Nacht-
stunde erlebten, wenn anch das Herz sich zusammenkrampfte in wehem
-Lchmcrz ob^der furchtbaren Tr-agödie, der Schlageter sein Leben
opferte. Nem! Das war eineheiligeFahrt. In stummer
Ergriffenheit sianden an jed-em Bahnhof, den der Zug mit der Leichs
berührte, Tansende deutscher Männer und Frauen, und legten an
dem blllmenüberdeckten Sarge, den der Offizisrshelm scbmückie, hei-
llgen Eidschwur ab. Aus tausend und aber tausend Herzen quoll
überall ein einziger Schrei dss Schmerzes auf. als dsr Waffsn-
gefährte und Freund des toten Helden vom Leichenwagen aus bis-
her nicht gekannte Ein.zslheiten über die Hinschlachtunq Schlageters
Lericbtete.

Den Höhepunkt dieser heldischen F-ahrt bildete aber der
Willkommengrutz cmf dem Franknirter Haimtbahnhof. Kürz nacb
11 Uhr abends sollte der Zun e'mlaufen. Aber schon nom frühen
Abend an dränaten dichte Menschenmassen Männer un>> Frauen aus
allen Verufssch-'chten und Bevölkerungsklasien, dem Bahnbof zu. Ie
näher die. Anknnftsstunde beranrückte. um so beängstigen^er wurds
das Eewühl in den weiten Hallen. Sämtlicbe farbsniragenden
studentischen Verb-ndungen fnhren anf und nähmen am Bahnsteig
mii ihren Vannern vnd^ Schlägern Uufstellung. Brausende Zuruse
erklan-gen. als der Wikinoerbund mit einer alten Kriegs-
flagge in den schwarz-weitz-roien Farben erfchiens viele ehemalige
Offizicre. Turner, Hnnderte junner Männ-'r und Mädel und Jun-
gen. . . sie alls warteien des Hsl>en. Aber dis Eeduld sollt? auf
e>ne harte Bro>-e gestellt werden. Die Tranerfeierlichkeiten in den
anderen Städten bislten hen Zug zurück nnd ggben ihm eine -ast
zweistündige Verspätung. Der Baseler l>Zug. der wenige
Mini'ien »or 12 Ilbr abrollt »nd die Leiche mitfnhren sollte, mutzte
warten. Die Tansende aber harrten still aus, ksin Lant des Mitz-
iallcns und der llngeduld ward börbar. Endlicb. wenige Minuten
vor i der Tvcmerzug in d!e 5iallen ein.

Dann w"rde der Wgoen m!t dem "aro an den B-oseler Zug
sanst berangeschoben. „ La"ilole St'lle. Vor der Masestsit des Todes
f>e»sank dio llmmelt. Die Fghnen nnd Schläoer senkten sicb, der
Möserchor der Luiher"eme!nde inton'erte: „Iesus, me-ne Zuver-
sicht". Ans dem Leicbenwagen orützten in siummer Trauer die
Frev.nf-e vnd Mgk'engefäbrten Schlageters. Der Bgxg wird sicht-
bar. Er nerschwindet vn-er si'ner nnübersehbaren Fülle vnn Krän-
zen und Strövtzen. vmwvnden von schwarz-wsitz-rofen Schleifen.
Und nnn br>ngt Frankfurt dem Helden >en lestten Erutz dar: Zu-
erst der Nationalverband deutscher Offiziere, desien
Surecher krasivoll» Wort" der Empörung iür den feigen Mord an
einem dsuiscben Ossizier fsndet nnd seine Ansprache in dem Munsche
ovsklingen lätzf: Möge avs Deiner Aiche sin Nächer erstehen! Die
Ortsgrvi"'e . Ebrhar>t" wciht dem Toten einen Kranz m!t dem
Wort: .Die Tat". Dann folgen die Sprecher der Deutscben Turncr-
schaft Iahn. der Frankivrter Wafsenring. der Dentsch-Orden u. a.
E'ner d-er Beoieller des Zi'ies danit vom Sarge aus imd schil>'-'rt in
erschütternder Weise die näheren Einzelheiien, unter denen Schlage-
ter starb. An emen Psakl hake man ihn gebunden. keins Kugel der
franiösifchen Scheraen habe das Herz getroffen: ein französischer Offi-
z!ersiell"erireter sei, nachdem Schlcrgeter niedergefallen mar, an
diesen beranoetreten und babe ihm noch eine Kugel in den Kovf ge-
jagt. Bei diesen Worten brausi ein gellender tausendfältiger Schrei

durch den Babnhof: Vfui.... Rache_Rache..der sich immer und

immer wiederholt. M!t Schärfe betont der Redner. datz diese Stunde
keine Demonsiration sein solle. sandern eine Kundgebung dahin,
datz d-as dentsche Volk diesen Helden niemals vergesien und ihn als
einen Schill ewig im Gedächtnis festhalten möge.

Dann glitt der Zug leise in die Nacht hinaus, begleitei von
dem Liede: ..Ich hatt' ein-en Kameraden". das die Menge mitsang.
Nun aber lösen sich Spannnng und Ergriffenheit. die bis dahin die
Zehntausende umfangen batte. Spontan brauste das Deutsch-
landlied durch die Hallen und ciab der erhebcnden Stunde, die
unvergetzlich jedem Teilnshmer blcibt und aber auch Zsugnis dafür
ablegte, datz das Volk trot; Schmach und Schande noch für Grotzes
und H-ehres empfänglich ist, weihevollen Ausklang.

Kundgebung am Äismarck-Denkmal.

Jm Anfchluh an die ergreifende Trauerfeier für den deutschen
Helden Schlageter am Haupfhghnhof zogen die vaterländischen
Verbände in langem Zuge mit umflorten Fahnen ans Bismarck-
denkm-al. Hier legie es-nä. rer. pol- Heinz Schiitz in packenden
Wortcn das Bekenntnis der dentschen Iugend zum freiendeut-
schen Vaterlande ab und gelobte, datz niemals ver«
gessen werde, was der Feind uns angetan hat. Die
grotze Gemeinde sprach mit ihm, tief ergriffen, den Rütlischwur.

r?:

8ob. Darmstadt, 9. Iuni. In der Nacht zum Samstag gegen
2 Uhr veranstaltete d-ie hiesige Studenienschaft. an der Spitze die
Profesioren, bei dcr Durchfahrt der sterblichen Ueberreste dcs von d-n
Franzosen gemordetsn Schlageter eine mächtige Trauerkundgebung
anf dem Hauvtbahnhof. Es wurdsn zahlreichs Ansprachcn gehalten
und Lieder gesungen- Haupisächlich kam d-arin der einmütige Pro-
test gegen das Verbrechen und der Schwur zum Zusammenhalten
gegen die schmachvolle Vehandlung der Franzosen zum Dusdruck.

(Wiederholt, da nur in einem Teil der gestrigen Auslagc enthaltcn.)

Die Aerren in Sachsen.

Dresden. 8. Iuni. (Eig. Drahtm) Die Kommunisten haben
dem Kabinett Zeigner infolge der Leipziger Vorgänge den soforti-
gen Siurz angedroht, falls noch einmal ähnlichs Vorkommnisse in
Sachsen sich ereignen sollten. Nach mehrfachen erregten Verhand-
lungen mit den Kommunisten ist nach den kommunistischen Zeitun-
gen Dr. Zeigner sosort nüch Leipzig gefahren, um
die Kommunisten zufriedenzustellen. Die einzclnen Fordcrnngcn
der Kommunisten sind: Soforiige Entlasiung des Leipzigcr
Polizeipräsidenien Fleitzner, Regelung der Sicherheitsverhältnisse in
Leipzig durch das sächsische Jnnenministerium, Zurückziehung der
Polizei und Einsetzung proletarjscher Hundertschaften, Entlasiung
und strengste Bestrafung der Polizeioffiziere, die den Schiehbefehl
gaben, Aufhebung des kleinen Belagerungszustandss in Leipzig und
Durchführung des kommunistischen Vorschlags zur Linderung der Not
der Erwerbslosen. Da diese Forderungen durck, d,e Drohling einis
Mitztrauensantrags gegen Zeigner den nötigen Nachdruck erhalten
haben, dürfte den Kommunisten in der Hauptsache voller Erfolg be-
schieden sein.

Meder inleralliierte Rilitärksntrolle.

Paris, 8. Juni. Havas teilt mit, datz die Botschafierkonf-renz
nach mehrfachen vergeblich von ihr unternommenen Schritten gestein
einmütia beschlossen habe, der deutschen Regicrung mit-
zuteilen, datz die interalliierte Militärkontrolle
in Deutschland wieder aufgenommen werden müssc- Sie werde
Deutschland auffordern, alle Matznahmen zu tresfen, um diese Tätig-
keit zn erleichtern und zu verhindern. datz es durch das Verhalten der
deutschen Beamten oder der deutschen Bevölkerung zu Zwischenfällen
komme. Eine Note in diesem Sinne sei bereits heute
nachmittag dem deutschen Eeschäftsträger in Paris übergeben
worden.

Lord Lecil bei Mllerand.

Paris, 8. Juni. (Eig. Drahtm.) Prästdent Millecan > hat
hsute vormitiag den englischen Minister Lord Tecil empsangen
und autzerdem hat er nach dieser Besprechung den Ministerprästdenten
Poincarh zu sich rufen lassen. Es ist als sicher anzunehmen, datz
man darin eine Vorbereitung für den französisch-englischen
M e i n u n g s a u s t a u s ch i n bezug aufdie deutsche Note
zu erblicken hat. Lord Cccil dürfte >n Paris den Weg für cine pcr--
jonliche Aussprache zwischen dem englischen und dem französischen
Premierminister voroereitet haben.
 
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