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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#1074
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Lsnntag, L4. Inni 1823.

Beiblirtt der Badischen Post

Geite S.

Die Berechnung der MieLen.

Iu bem letzten StabtratSLericht wiiü uns vom Stäüt. Nachrichtenamt
»och ergäuzend mitseteilt:

NachLem zunächjt i>er Grunb- unb Hausbesitzervercm und alsbann
auch der Mieterverein crtlärten, Latz sie künstigtzin an ben Lert anblüngen
Lcs LerstäriSiguiiösauSschusses nicht mebr teilzunetzmen gebenlcn, wirü
von ber Einberuiuug bisseS Aiiöschusses abgcjeheu. Ler Borschrist beS
.Neichsmictengeietzes emsvrecheud, werbcii bie beiben Barieieu : nü bas
Mieteinigungsamt unmittetüar gehvri unb der Stadtrat entscheiüet banri
übcr öie gcsrellten Anträge und setzr üie Zuschläae sest. Kür beu Monat
Juli sind die Zuschiäge, wie im «siabtratsüericht mitgcteilt, sestgesctzt
worben.

Zu bem Zuschlag sür Steigerung ber Hgvothttenzinsen
ist zu bcmerlen, batz nach einer Ausluust bes Grunbbucharnts Heibclberg
in ber Zeit vom 1. April 1SLS bis 31. Dezsmber 1923 iSS7 unb vom
1. Ja»uar 1923 biS 1. Mai 1123 1339, im ganzen also 2 436 Hypo-
tbeken zur Lvschuug lainen. Mrt Rüclsicht barauf, batz bcr grvtzte
Teii üer Hypotgeken bereuS aelbscht ist, halt bas Äruaübuchamt v.n
Zuschlag von 4 Prozent sür Zinsensteigerung sür ausreichcnü. Der Stabt-
rat vat desyaU> vou eiuer Grtzbtzung beS Zuschlags abgejeveu. Lagesen
konnie er ,.ch oer Notweuvigielt eiuer Grovbuug üeS Zuschlags rUr
Berwaltungslosteri uichr vcrschiietzcii. Bo,n Mierrl.liguugsauit
iit «lne Aeutzerung ües babrscheu Arbeitsmiutsrcriums uber bie Grhebuug
von LtratzenreiriiguitgSlejt«» eingetzoit word>m, ba drr
Mieterveretn bic Ansichr vcrtrat, Satz diese zu üeu Lerwaltungsloslen
getzüre». Das ArbeltsmlNifteLium erwiberte unierm 13, »'uui bs. ZS.:

«Die Strabeureiiiiguiigs.ofteu siuü uiizweileibail als allgemeine Be.
triebsivfteu aüznsebeu, welchs uach der sür bie Slaüt Hei-elberg gelros-
jenen tztegelirug umzulegen finö. Sie saüeii nicht uuter die Berwalluugs
loften. Bei bem Berwalluugorvitenzuschlag isr lediglich zu berüaiichtige«,
batz dcr Hausbesitzcr Ersatz sür deu iachltcheu Ausroanb uud öie persön-
lichc Mühe ertzält, bie er sür die Berwauung sciucs Hauses bat, oder sür
die Ltvsten, bie üaüurch cuiuebeu, datz tn setnem Austrag anüere Personru
bte Hausoerwaltuug ausüocn."

Bou Len HausLeiitzer» wird ueuerdiugs auch versu.ht. sür bic Be-
.»»tzuug üer Oesen unb Herbe eiu besouücres Gutgett zu
ertzalteo. Das Mieteiniguugöamt vertriu die Aussaminz, Satz dieseS
Lerlange« uicht gerechiserligt ,et, wetl das Gntgelt uack er ir. Heidel-
berg beftetzenücn Ucbuug in der Sriedeusmtete mit enttzalte« tst. Das
Baö. Arüeitsmiuiiterlum ist diisir Ausiasiuug beigetr-ieu uuü schreibt,
batz eine gesonderte Bsrzitisuug ber Oesen- uuö Herdewerte t» Heidelberg
Nicht in tzrage tvmmen tanu. Dagege» iit üer Berrag sür Sie tzteparat.ir
ber Oe,eu unb Heroe in bem Zuschlag für lauisnüe Zustandsetzuugs-
arüeiten mitentbalten.

Dem Mietiiriigungsamt lag öicser Tags cin Fall >ur Entscheiüung
vor, -er von grnnSsäbltcher Bcdevtnng isr. Gin Hauseigeaiümer halte in
einer sreigeworüene« Woüuuug dic Oeseu uud Herüe entfernt. Das
Mieteinigungsamt bat eulichieoen, üah bie Oeseii uub -oerde vom Haus-
cigentumer wiebrr in bie rLvbuung su vcrbringen ünd.

Da die sorischreiteubc Leucruug alle ieosren sür Znstanbsctzuuaen
ganz weseutiich in öie Hotze gciriebeu bat, mutzten bie Zuschlägc s ü r
tz. ie Jnftandsetznngsarbeiten iveiter gefteigert werüen.

LUr Zuni wurbeu erboben-

in lauseuöe grotze

Äuitaubjetzurigöarbeiten

Heibelberg 4 8007» 2 4007- der Gru«ibmicte'

Rasiatt 7 000/» 6 0007°

Larlsrutze 9 8207» 6 9S0si>

Mannbeim 11LL07» 3 9247°

Psorzbeim 11 0007-- S 400>

Dte ab 1. Juli gcltewbeu neuen Sntze üleiben also immer noch
hiuter benen auberer babischen Stäbtc surüic, die üiesc bcreits sür Juni
jcstgesetzt hatten.

Bon grotzer Bebeutung ist Lann noch ber weitcre Beschlutz bes
.Siabtrats, bag alle B e t r i e b s t o st e n sosort auf Anjorbe-
u u g umgelegt unb bie autetligen Betrüge an be» Fälligkeits-

-terminen eingezogen werüen üürieu. Au dem Beisvisl ücr Gemeinüe-
umlagen sei üieier Bcschlutz uäb-rr erläutert. Bon ber Stadtgemeinde
»tznd gemätz A 12 Abs. 2 des üabischen Grund- unb Gcwcrbesteuergesetzes
-Borauszablungen aus öie Umlage für üas Rechnungsjahr
ÄS28/24 in ber Höhe des voriäbligen Umlagesutzes angefordert. worbeu.
'-Das erste Viertel war ans 1. April fällig. Da tn H-idelbera allgemetn
ibie vierteljährliche Mtetzinszatzlung übi-ch ift, erhäli ber Hausbesitzer
(die aus üie Piieter entsaüenüen Anteile üieses ersten Biertcls öer Umlage
ierst am 1. Juli zurück. Das am 1. Jnli sällige zweite Biertel würüe
-Ler Bermieter erft am 1. Oktober von den Mietern zurüübekommen.
°Bckanntlich bat nun ber Stabtrat beschlossen, üatz aus bas am 1. Juli
jällig werücnde »wcite Viertel ber vorläusigeu Umlage von 1923/24 ein
'Z uschlag von 200 Prozcrit erboben wtrb. Der am 1. Juli zu
zahlenüe Umlagebetrag euisvricht also drei Visrteln ber angeforderten
porläusigen Umlage voir-SS Marl für je 100 Mark Steuerweri. Dte
Aufsorderung zur Zahlung wird den Umlasepflichtigen in ücn nächsten
Tagen zugehen. Der Bermietcr bars also am 1. Zuli solgenbe Umlage-
zablungbn uach bem Verbältnis ber Grundmieten aus die Mieter um-
legcn:

das am 1. April sällig gewesene erste Viertcl,

das am 1. Suli süllig werdende zwcite Viertel zuzüglich 200 Prozcnt
ZusHtag.

Aii Staatssteuer ist für das verzangene Rechnuugsjahr 1922/23
ber Nachtrag mit 18 Mark für je 100 Mark Steuerwert von bcn Haus-
eigeutümern angeforbcrt worben. Auch ötescr Betrag bars alsbald um-
gelegt werden. Gleichzeitig siud üie Zahlungspslrchtigeu ausgesorbert
worben, Vorauszahlungen aus bie Staatsfteuer '-ür üas Rechnungsjahr
1923 zu entrichtcn und zwar je cin Biertel innerhalb eincs Mouats nach
Anforderung, aus 15. Juli, 15. Oltoüer und 12. Jannar. Es dars alsv
an Staalssteuern ber Nachtrag sür 1922 mtt 16 D'ark sür je 1!X> Mark
Steuerwert sowie ein Viertel beS vvraus zu zahlcnbeu Gesamtsteuer-
satzes von 17.64 Mark sür je 100 Mark Steuerwert sosort bezw. nach
Ansoröcrirng umgelegt werbsn, ie cin weiteres Bieriel an ben >ben
genannten Källigkeitstermincn.

Kür die st a a t l i ch e G e b ä u d e v e r i i ch e r u n g war ber
Umlagesatz sür das Jabr 1822 (ber im -Jahre 1923 zu zahlen ist> ansaugs
Januar d. Js. aus vorläufia 80 Prozent der Fcusrversicherungssuuime
festgesetzt worben; anfangs Mat wurde die Erhebuug einer weiter.m vor-
läusigcn Umlagc son wiederum S4 Prozent beschlosseu. Für die ersten
50 Prvzent stnd die Fvrbernngszeit l den Zahlungspflichtigcn bereits zu-
gestcllt: bie Hälste des Vcrsichcrungsbeitrages war innerhaib zwei Wvchen,
vom Tagc ber Ausorderung an gerechnet. zu cntrichten, die zweite Hülstc
ist am 1. August sällig. Die Korderungszclte! für öic zweiten 50 Prozent
werbeu vorauSsichtlich Mitte August zugestellt. Auch biervon ist Lic
Hälstc zwei Wochsn uach Zustellung zu zahlen unö der Rest am 1. Ok-
tober. ES sinb also zuiammen an Deitrügcn für dic staatliche Gebäude-
verstchernng vorläufig 100 Prvzent ber K-uerveriicherungssummc fcst-
gessbt und cnisprckbeuö den Fülligkeiten dars der Hausvelitzer auf die
Mietparteien umtegen:

25 7° sofort, La schon angesordert,

25 7° am 1. August,

35 7> nach Ansorderung ber zweitest 50 7»,

25 7° am 1. Ortober, zusammen wiederum
^ 100 7°.

Jn ütznlicher Weife find auch die Beträge für die Kreisumlage,
Kirchensteuer usw. nmzulegen. Der Bermieter ist vervilichtel. den
Mietern die Belege für bie Zahlungcn vorznlcgen.

Gleichzeitig empsiehlt der Stadtrat allen Bermictern und Mistcrn,
diemonatlicheZahlung der Mreten einzusühren. Es dürste dies
irn Jntcresse aller gclegen sein, da nicht nur bie Bsrechnung sich cinfacher
gestaltet, iondern auch die auf einmal zu zahlendsu VetrLge nicht uugc-
bührltch Hoch werden. Uebrigens bat auch daS Mieteinigungsamt diescr
Tage ill einem derartigcn Kalle, wo der Hauseigentumci die monatliche
Mietzrnszahlung beantragte, ber Mietsr sich jedoch weiaerre. uuil im
Mietvertag vierteljährliche Mietzinszablung vereinbart mar, entschieden,
datz ber Mieter dic Miete monatlich zu cntrichten habe.

Die BereÄUtlng des ain 1. Juli fällig werüenden Mietzinses sür
bas zwslte Kalendervierteliabr würde sich in ben Fällen. in dcncn die
gefetzliche Miete und sedt noch vicrteljährlichc MietzinSzahlunq verein-
bart ist, bei einem Haus von 50 000 Mark FriedcnZsteuerwcrt wic solgt
gestaltcn: .

Grundmiete 5^ bes Steuerwcrts von 1914 — 2500 jährlich.

für Jahr - 622

Zuschlag sür Steigerung der Hvvottzekerizinscn:

4 7° — 2000 jäbrlich. sür Jahr — 500 ail

ZnsKIag für Hausverwaltung: 10 7° — 2000 ab

jährlich, für lft Jahr — 1 250 ail

Zuschlag für lausende JnstanüsetzirngS-

arbeiten: für Avril uiid Mai 1807° öcs Steuer-
werts — 90 000 jährlich, fnr zwei Monate also 15 009 V/

fiir Jnni 240 7° — 120 000 chl jährlich, für eincn

Monat also 10 090

Zuschlag sür grotzc Jnstandietzungsarbeiicn: ,

sür Avril und Mai 707- — 35 OM jährlich, sür
zwei Monate also 5 870 7//

sur Juni 1207- — W 000 iährlich, für einen Monat
alib 5 000 V/

Dazu kommen Lann Lie allgemeine» BetriebZkosteu (Steuern.
Umlagen, Feuerversicherung usw.), die, wie oben dargelegt, je nach der
Anforderung und Fälligkcit einzusetzen sind. Der Gesaintbetrag wird
dann im Berhältnis der G'runümieten auf bie einzelnen Wohnungs-
inhaber umgelegt: dabei darf natürlich bie Grunümiete, dic in obiger
Summe enthalten ist, nicht noch einmal hinzugerechnet werdeu.

zusaminsu 38 245

» Cine Naturwissenlchastliche Arbeitsgemeinschast siir Nordbaden

-mit dem Sitz in Heidelberg wurde am Freitag gegründet. Sie be-
zweckt Zusammenfassung ailer naturwissenschaftlichen Vereine.'und
Ein,ielpersonen in Nordbaden zu gemeinsamsr Durchforschung der
Heimat und VerLreitung von naturwissenschaftlichen Kenntnissen und
dies Leides als Erundlage eines groMgigen Naturschutzes. Bis
jetzt beteiligen stch der Mannheimer Aquarien-Verein „Nymphaea",
der Hsidelberger Aquarien- und Terrarien-Verein, die Mannheim-
Heidelberger Deologischc Vereinigung, der Bund für Vogelschutz so-
wie eine Reihe namhafter Einzelpersonen, namentlich aus Lehrer
kreisen. Dte „Arbeitsgemeinschaft" wird mit der badischen Heimat
Hand in Hand arbeiten. Ein Zusammenschlutz mit dem Frei-
burger Landesverein für Naturkunde und Heimatschutz ist
gsplant. Der Mittelpunkt für NordLaden wurde dann Heidel-
berg. Die vorläufige Tcschästsgründung liegt in den Händen des
Erünvers, euiiä. meä. Werner Panzer, Neuenheimer Landstr. 12

Vortriige über Arbeitsrecht- Die Gesetzgebung der Nachkriegs-
zeit hat auf dem Eebiete des Arbeitsrechts zahlreiche und grund-
legenve Aenderungen gebracht. Um den juristisch vorgebildeten
Justiz- und Verwältungsbeamten Gslegenheit zur Fortbildung auf
diesem Rechtsgsbiet zu geben, lätzt die Justizverwaltung gegen-
wärtig an dsn Sitzen der gröheren Landgerichte durch den Leiter des
baüischen Landesamts sür Arbeiisvermittlung, Reg.-Rnt Dr.
Wehrle in Karlsruhe, und den Professor der Rechte un der Uni-
versität Freiburg, Dr. Hoeniger, Vorträge über Arbeitsrecht
halten.

" Gebete um günstige Witterung. Das e r z b i s ch ö f l i ch e
Ordinariat in Freiburg hat verordnet, datz mit Rücksicht auf
die andauernd ungünstige Witterung bis aus weiteres an allen
Sonn- und Feiertagen nachmittags oder abends in allen Kirchen
eine Bittandacht um günstige Witterung abzuhalten ist. An allen
Werktagen ist nach der heiljgen Messe das Allerhsiligste in Speise-
kelche auszusetzen, die Herz-Jesu-Litanei und ein besonderes Gebet
zu verrichten. Den Pfarrämtern ist es übcrlassen, diese Andachten
bis zum Schluh dcr Erntezeit fortzusctzen.

* Warnung. Der Bszrrksverein Heidelberg des Reichsbunds
der Kriegsüsschädigten usw. schrsibt uns: Agsnten des jZentralver-
bandes Ler deutschen Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen
Lereisen zurzeit Baden und entfalten unter dem Namen der Eswin-
nung „sürderndsr Mitglieder" oes Zentralverbandes eine rege
Sammellätigkeit. Eine grötzere Anzahl badischer Firmen haben
bereits nennenswerte Velrüge als freiwilligen Jahresüeitrag unter
der Annahme gezeichnet, dasz üiese zum Zwsck der Kriegsbeschädigten-
und Kriegerhinterbliebenenfürsorge Verwendung finden. Dies ist
jsdoch nicht der Fall. Die gesammelten Gelder werüen, nach Abzug
einer Provision sür die Werber. nach Berlin eingesandr, wo die
Eelder lediglich für V e rw a l t u n g s zw e ck e des Zentralver-
bandes verwendet werden. Eine Untersiützung der Kriegsbeschä-
digten und Hinterblisbenen erfolgt nicht aus den gesammeltcn
Eeldern. Es sei hiermit zum wiederhotten Male darauf hinge-
wiesen, dah die Sammeltatigkeit des Zentralverbandes und Lie
Werbung „fördernder Mitglieder" in Baden üurch cjnen Erlatz
des badischen Arbeitsministeriums untersagt ist und dte
badischen Aemter angewiesen sind, Agenten ches Zentraloerbandes,
die trotz des Verbotes „fördernder Mitglieder" unter nicht Kriegs-
teilnehmer werben, in Baden festzunehmen und zu bestrafen.
Diejenigett Kreije, die gewillt sind, bedürftige Kriegsüeschädigte und
Hinterbliebene zu unterstützen, führen am zweckmätzigsten ihre
Spende an den BadischenHeimatdank in Karlsruhe, Krieg-
stratze 5, ab, wo die Eewähr gegeben ist, datz die Betrüge im Sinne
der Spender an bedürftige Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene
verteilt werden.

^Lautenliederabend Hans Ebbecke. Wenn Dr. Hans ELbecke
einen seiner beliebten Abende ankündigt, so läust übcr die Ecsichter
der „Wisscndsn" ein antizipierendes Echmunzeln der Freude. Erog
und echt wird aber die Freude, wenn Ebbecke mit Ünterstützung der
von ihm meisterlich beherrschten Laute scinc Weiscn stngt und mimt.
Neues ist über die Art seincr Kunstbetätigung nicht zu sagen. Man
lann sich sreudig mit der Feststellung begnügen, datz die vielen, vielen
Menschen, die da kamen, um Hans Eübecke zu hören, um sich von ihm
auf einige Stünüchen über die Alltagssorgen erhedlu zu lassen, üder
die Matzen befriedigt von dannen ziehen konnten, nicht ohne datz
sie vorher ihrer Freude und DankLarkeit lauten Äusdruck gegeoen
hätten.

^ Ein Racheakt. Ein Scichschaden von 130S0V0 Mk. wurde einem
Arbeiter in Handschuhsheim dadurch verursacht, dah ihm am 28. Mai
zwei Wolfshunde und am 4. Juni eine Ziege durch Ver-
giftung mit Strichnin verendeten. Man glaubt an einen Rache-
akt. Um zweckdienliche Angaben, die zur Ermittlung des Täters
sühren, bittet die Polizei.

Wochenbericht der Wncherpotizei. Zur Anzeige gelangten:

1. wegen unerlaubten Handels ein Dienstmann und ein
Händler von hier, ein Metzger von Waibstadt und cin Metzger von
Neckarsteinach, 2. wegen P r e i s t re i b e r e i ein Wirt, ein Zigarren-
händler, ein Fahrrashändler und drs Eeschäftsinhaberin einer Krast-
sahrzeughandlung hier, 8. wegen Aufkaufs von Eemüse und Obst
vor ö Ühr auf dem Wochenn'.arki eins Händlsrin aus Mannheim.

^ Die Begründung des „Bundes der Freunde der Höheren
Mädchenschule mit 'Mädchcn-Realgymnasium Heidelberg" am
19. Juni nahm einen sehr erfrulichen Verlauf. Der Vorsitzende des
Elternüeirats der Anstalt, Professpr Dr Eraf zu Dohna, erösfnete
die Vcrsammlung und begrützte die Teilnehmer, die schon durch ihr
zahlreiches Erscheinen zeigten, datz die neue Gründung eine von der
Allgetneinheit erkannte Notwendigkeit sci und die damit auch ihren
Willen kundgaben, gerne Opfer zu üringcn, um die zarte Pflanze
der deutschen Bildung durch die wilden Stürme der Zeit hinüber zu
retten in eine — wills Eott — bessere Zulunft. Prof. Dr. Eustach
Mayr legte dann in längeren wohl durchdachten Ausführnngen
dar, von welchen Erwägungen der Elternbeirat ausging, als er dis
Eründung dieses Bunües üeschlotz, wie überall, wo die staatlichcn
Mittel für wirtschastliche und kulturelle Aufgaben nicht mehr aus-
reichten, die Bildung von Eenossenschasien einsctzte und erfolgreich
durchführte, was auf andcrem Wege nicht durchzuführen war. Auch
in der heutigen Eründung liegt dies Absicht, die ja auch unserer
neuen staatlichen Aussassung entspricht. Ausgaben der Regierung auf
breitere Schichten des Volkes zu überiragen, vor allem aber da z»
helsen, wo die öffentlichen Mittel nicht mehr genügen. Dies kann
aber nur erreicht werdsn, wenn jeder einzelne nicht nur seine wirt-
schaftliche Hilfe, sondern vor allem. auch seine Persönlichkeit in
den Dienst der Sache stellt. Die Aussührungen des Redners wurden
von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Der
Satzungsentwurf fand einstimmige Annahme, ebenso die Vorschläge
für die Mitglieder des Vorstands. der sich teils aus Eltern, teils
auch aus Lehrern sowie Freunden der Aanstalt zusammensetzt. Den
Vorsitz Lbernahm Pros. Dr. Eraf zu Dohna, der dadurch dieses Amt
mit dem Vorsitz im Elternüeirat vereint. Stellvertretender Vorsttzen-
der ist satzungsgemätz der Direktor der Anstalt. Jn das Ämt des
Rechners teilen sich Prof. Dr. Eustach Mayr und Frau Bankdirek-
tor Fremerey, dis ihr reges Jnteresse fllr das Eedeihen der
Schule auch 'hier wieder Letötigt. Ferner gehören dem Vorstand an
Bürgermeister Wielandt und Frl. Therese Qnincke, sowie vom
Lehrkörper Prof. Dr. Horn und Frl. Mayer, beide als Schrift-
führer. ferner Frau Prof. Trecelius, die unermüdliche Verwalte-
rin der Anstaltsbücherei. Vei der Festsetzung des Mindestbeitrags
gab es eine kurze Erörterung, die ein, erfreuliches Licht auf die
Opferwilligkeit der oeteiligten Kreise warf, als ein Herr aus der
Versammlung heraus Len vorgesehenen Zahresbeitrag als Monats-

FaeliLalLluüK Atzr kostbtzMLlwr!

Osr ksuti^so kostllllklll^s äer „Lutiisoiiön kost'
lie^t siris bei, ciis kiir ciis a « b r: s. k I u u s voo

Lsrnss^slä kiii-Zriiii unk äkis ?o8t.8sbsolctzonto äsr
„ÜLcii^obsil kost" Xr. 91419 braiitckurt s. N. bsstiimot
ist. Oer krsisunkksblax, cisii ruisers soostiAsii lZs/.isbei
bsrsits bsrablt babsii, soll s.ak cliess ^Vsiss von imssrso
kostbsrisbsrii siiiAsroASll resrclsll.

Lsi clsr F'sstsstLllllA äos änlli-LseniMprsisss, cisr ssboo
20lli 3. Nai bsi cisr Rsivkspost .nv^sillslclst vvsräsll nioöts,
kolliits clis illi I°Lllks clss Uonats Tlai silltrstsllcls llllAeksors
OuiiisrprsissrkökullZ' niskt vorausxe eden vvsrclsll. Oa v'in
äen LsLNMprsis so nisäri^ vvis inö^Iisk kaltsn volltev,
kattsn rvlr ikn init 4000 Nk. lln^sinsläst.

llntsr Rsrüolrsivktixllll^ cier obsn anMAsbsriLll Losklas^
sillä vvir lliiii xsrvvnllASll, clsn RostbsrllMprsis iill -lulli
kiir clio „Laciisoko Rost" auk Llk. S600.—
kWt/llsstMN. vio RavkrakIllllL: von 160vLlK.
llur von äsll äiroktoll ?o8tksr1oksrn ^o
Isistsii, ä. k. von solskev RsLieksrll, äis boi
äsr Rost oäsr ikrsni Rriskträ^c-r bsstsllt ooä
bsriaklt kabsll. Miskt adsr von Lsriskorll, äis äis 2ei"
tllvA rvvar äursk äiv ?<>8t rniMstsIIt bskomillsll, abor rssek
lliäüix an lllls oäer s.n lliissrsn bssolläersll Rassisrop
korskloll.)

'tVir bittell, uillsskollä äie XaokrulkIllllZ' an uns loistsv
2ll zvollon.

Leitrag aufgefatzt sehen woNt«. Da aus idealen Gründen zu wünsche«
ist, datz möglichst viele frühere Schületmnen in den „Bund" zusaio'
mengefatzt wsrden, sollen diese die Höhe ihres Beitrags selbst fsm
setzen, solange sie nicht in selbständiger Stellung sind. Es wurdc dann
noch zur Bildung einer Reihe von Ausschüssen geschritten, nämliM
für die Biicherei, für das Landheim, für Ünterrichtsfahrten und tnk
Werbezwecke. Hierauf konnie der Vorsitzcnde die in jeder BeziehuNg
erfolgreich verlaufene Versammlung mit waren Worten des Dankes
schlietzen. Eine grötzere Anzahl Anwesender lrugen sich mit grötzeren
Beiträgen in die aufliegenüen Listen ein.

Aus dem Landtag.

Aus der Tagesordnung der nächsten Landtagssitzung as»
Dienstag, den 26. Juni, stehen verjchiedene kleinere Gesetze und d>e
Förmlichen Anfragen von Zentrumsabgeorüneten über die Ortslohn-
zulagen für Staatsarbeiter und Ortssonderzuschlüge für Staats-
beamte und der deutschnationalen Abgeordneten über de»
Fri edensvertrag von Versailles. Ferner sollen die sozialdemo-
kraiischen Anträge über die Erhöhung der Werbungskosten und üüst
die Erwerbslosenunterftlltzung zur Behandlung kommen.

Roch gepade vor Schlutz öer Spielzeit hat unsere Oper einen
grotzen Wurf getan. Paul Radig hat — von Einzelheiten ao-
gesehen — Verdis „Troubadour", der hier woyldekannt rst, in einsr
sür hiesige Verhälinisse ausgezeichnetsn Weise hsrausgebracht. RadE
kennt die Schwtichen, aber auch die Stürken dieses Werkes und giü'-
gerahe den Ensemvleszenen, die Veroi mit nicht ost erreichter BravmA
auizübauen verstand, durch belebtr und strasfe ^e:.. .j.ll!M're»
Schwung. Es ist eigentlich jchade um die viele Mühe, datz die Ope^
nur ein einziges Mal zu hören jein wird. Datz sie üderhaupt heraus-
kam, hat sie dsm Bedursnis zu verdanken, einer Altistin in einer
grötzeren Partie Gelegenheit zu geben, vor einer evtlt VerpslichtuNg
hier zu singen. So gab denn am Freitagabend ein Frl. Elms am-
Äugsburg die Azucena. Hier ist der Fall eingetreten, datz man scho»
nach diejer einen Prode die Verpslichtung der jung-en Sängerm
ruhig empfehlen kann. Jn diejer Stimme sind ausbaufähige Mater!a"
lien vorhanden. Ansangs schien der East mit einer kleinen Jndispop-
tion kämpfen zu müjsen, im Verlauf der Oper hatte er sich aber !E
gut eingesungeu, so datz vor allem die Schlutzszene sehr gut gesiel. ^
steht zu erwarten, Latz wir uns im kommenden Wrnter noch weilrr
über Einzelheiten ihrer Eesangsart und ihr-es Spiels unierhaltra
können. Än der Lconore von Frl. Junck konnte man eine re!»b
Freude haben, die nur durch ganz wenig Einzelheiten getrübt wurde,
die aber gerade deshalo aussielen, wsil die ganze Art, wie sie. dss
Partie gesanglich uno darstellerisch anlegte, von beginnender kunp'
lerischer Reise und fleitzigem und ernstem Studium zeugte. H^r
Barth hatte als Gras Luna gegen eine starke Neijerien anS»'
kämpfen, um so anerkennenswerter ist es, datz er die Partie bis I"
Ende mit vier Eejchmack durchhielt. . Herr >schette. ^'5

Manrico sang — autzerdem zeichnete cr fllr Lie Spielleitung vera>"7
wortlich —, hat sich im Laufe seiner Heidelberger Wirksamkeit olc
persönliche Freunbe erworben, die sich Lie Gelegenheit nicht nehin-
liehen, ihn mit reichen Blumengaoen zu beschenken. Dis lleinerj.
Partien waren gut gesetzt, besonders ist der Ferrando dcs Herrn
zu erwühnen. Das Publikum war sehr beisallsfreudig.

VorLragMhend Martha Moeller.

Martha Moeller vom Karlsrul>er Landesthoaler las
Freitag abend iw der alten Universttütsaula zugunstsn dcr Men>
„Aus Büchern des Glaubens und der Liebs". Wir haben die vo»
endete Darstellungsweise Ler Künstlerin bereits in den AuffLhr"
gen der Mediziner- und Juristenschaft schätzen gelernt. Auch ^
Vortragspult bewährte sie sich aufs allerbeste. Ein wohlklingende '
allcn Modulationen fähiges Organ, eine immer unaufdringliw^
aber jeden Stimmungsgehalt ooll erschöpsende Vortragsweise
sähigen die Künstlerin, sowohl lyrische als Lramatische DichtuNg
in eindrucksvoller Weise zur Eellung zu dringen. Das PrograR'
war mit oiel Liebe und auherordentkich feinem Veiständnis
sammsngestellt. Kein Stück äutzerer Vorzüge willen gewählt, sondo
jeines Stimmungsgshaltes und des Erundtones wegen. Glauve u
Liebe sprach aus dem Buch Ruth, der Elaubs klang aus den
und die Liebe aus dem Hohenlied Salomonis. Volkslicd und KnM^
lied schlosscn M an, üesonders eindruüsstark Dichtnngen oon Äl' K
Kcrr und der feinsinnige Vrief der Frau Fönne aus IacooK
gleichnamiger Novelle. Als dumpfer, schwerer Eegenton fland gdge g
über Kofflas Drama „Kain" in Stück voll Hatz 'un's Mitzgnnst. o
Nichtverstehen und Leiden, von der Künsilerin ausgezeichnst nnd
scharfer Charakterisierung gesprochen, aber vielleicht doch als

klang zu trübe und freudlos. Es waren Stunden reinsten EesiüNiA
die geboten wurden allen Lenen, die gekommen waren, zu denen
abcr in Anbetracht des guten Zweckes noch manche hätten stosein
müssen. Qr. N'-KM'


Kirchliche Machrichterr.

Diakouisieuhauskavelle. Sonntug, dcn 24. Jnni. K10 lldri
11 Uür: FugendnotteSdienst. 11 Ubr: Cbristcnlcdre. 5 Ubr: Brbcln-
Donners-tag. 87t Uhr: Gem. Bibclstunüc. Plöck 18. Aonb'

-se-

Mettzodlsten-Geursindc. Eben-Ezer-Kavelle. Lanöhausstr, '17- ^Qgs-
tag. 24. Juni, vorm. 9>i Uhr: Prediat. Pred. Ekert. 41 uhr: tzS

schule (Ktndcrsattesdicnst). 4 Uhr: BczixkSiuaendbund. Dtenstag, a
8 Uhr: Btbel- und Gebetstunde. Pr-.-d. Ekert. DonnerStag, avenas
Gemidchtcr Chor. .

Alt-katbolischc Kirchcnarme- «d« Heidelber«. Heiliggcistchorkirche. ^
olab. Sonutag. 24. Juui, vorm. !410 Ubr: Deutsches Arut "Vt
Stadtpfarrer Hütw-ohl. Vorm. 7 Uhr: A. K. I. B. Morgeinpa»,. ai«.

Ktrchenchorvrobe. Dieustag, 8 Uhr: «."»H
».5 » D«mer»t z .Zraucuvereiits-Sitzung. Srab-ngaK- A
t-»»nl 5°. Schlierba«. 6-7 Uhr: Beichtgel-geuhoit. A7 Ubr: «51
Kommunton. >110 Uhr: Hochamt mit Prediai- 3
Christ nlchre und Andacht zur hl. Familie.

Berantwortlich für den textlichen Jnhalt: yul. Kraeoier t» Hcid^
""d ä!cklaincteil: C. C l a u e r. öranksurt

Druck u. Verl.: I. G. H o l d w a r t L N a ch l. G. m. b. H-, Krauksnrt o-
 
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