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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#1081
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^ L> ^ '-Ti

Korfantzs Mili'iariMirs fiegi.

(Lon unserem ostoberschlejischen Mitarbeiter)

Kattowitz, 20. Juni.

.. . Trotz seincr Arbeitsunfähigkeit weiß der Schlesische Sejm,
^ses jüno.ste Klnd Lcs Parlamentarismus, von sich reden zu machen.
L-as kieschieht jetzt wieder durch das Verlaniten nach dem Kasernen-
für Öst-OLerschlesicn. Ein parlamentarkscher Husarenritt! Nach
,dr Beratuna des Budgetprooisoriums dachte niemand mehr an
^nsthafte DeLätten von Wichtigkeit. Die Prefsevertreter hatten oen
^eim verlassen, die Bänke der Abgeordneten waren gleichfalls zum
^otzten Teile geräumt. Plötzlich crhebt sich im Auftrage des bei
»en Warschauer Verhandlungen anwesenden Korfanty ein Mitglied
s-lNer Fraltion und stellt mit dürren und wenigen Worten den An-
^ag, der Wojewode möge den Warschaucr Ministerrat aufsordern,
Mgesäumt die a l l g e m e i n e W e h r p f l i ch t für das von Deutsch-
^nd abgetrennte Ost-Oberschlesien einzuführen, so unverzüglich, datz
°>e Einsührung noch vor der allgemeinen diesjährigen Rekruticrung
Molgcn kanm Das Einschlagen einer Bombe hätte 'nicht einc grötzere
^erblüffung hervorrufen können. Der gleichfalls MM Korsantyblock
behörige Sejmmarschall erlennt ziffernmätzig die Lituation und lätzt
^fort üüer die Dringlichkeit diskutieren: Von der deutschen Fraktion,
M Ler bei der vorgerückten Stunde noch nicht einmal die Hälfte
?er Mitglieder anwesenü ist, wie von der deutschen Sozialdemokratie
Mt sjch noch niemand von der Verblüffung erholt. Nur der allzeit
Mügjertige Führer der polnischen Sozialdemokratie, der Abg.
>> i n i e c z k i e w i c z, der auch dem Warschauer Sejm angehört,
^iinmt Las Wort. Was er sagt, ist nach mehr wie einer Nichtung
?uch für Deutschland interessant. Die polnische Sozialdemokratie ist
!fs eincm starken Nationalismus so befangen, Latz auch ihr oLer-
4lesischer Führer sofort Lavon spricht, Latz ein ausgeprägter Mili-
'arismus auch vom sozialdemolratischen Standpunkt verzeihlich sei,
Neil eben „Polen rings von Fcinden umgeben" sei. Aber er besinnt
^h Lann und erklärt, Latz die Einführung der Militärpflicht für Ost-
tnerschlesien nach den dem Volke beim Plebiszit gegebenen Ver-
nrechungen ein ungeheurer Volksbetrug wäre, datz man
M Jahre, wie feierlich versprochen, wartcn müsse. ehe man den
Merschlesier in dic Kaserne zwinge und datz es auch politisch bei
rer weitgehenden Abneigung gegen Polsn garnicht klug wäre, schon
ldtzt die Dienstpflicht einzuführen.

Das waren gewitz Eriinde, die sich hören lietzen. ALer Korfanty
^ollte am heutigen Sonntag Lei dem fcierlichcn Besuche tes polni-
Mn Staatspräsidenten in Kattowitz diesem etwas bieten. Die Aus-
Unung Ler Dienstpflicht auf OLerfchlesien und die dadurch mögliche
Lermehrung Les polnifchen Heeres um einige Armeekorps. sollte das
^eschenk Korfantys an Len StaatsprüsiLenten fein. Darum mutzte
°or Sejm überrumpelt werden, dacum schwiegen die Lei-den mili-
^ristischen Parteien gegenüber L-er Rede des polnijchen Soziabdemo-
dNtLn. Mit den Stimmen des Korfantyvlocks uns der Nationalen
^rbeiterpartei wurde die Dringlichkeit -des Antrages bejaht. Jetzt
»mubte man auch auf Seiten der Eegner der Militärpslicht, Lie
Aeichzeitig -Lie Fürsprecher Ler Aufrechterhaltung ein-es geg-ebensn
^olks-verfprechens sins, eine jede Debatte für llb-erflüjsig halten zu
s°>tnen, so datz sogleich auch -die Abstimmung llber Annahme
^er Nichtannahme Les Anlrages selbst erfolgen konnte. Mit der
üeichcn Mehrheit wurde der Antrag angenommcn: Korfanty
'dtte fein Geschenk

. Und Foch und Le Rond h-aben ihren Willen! Denn in ihren
A Polen und Oberschlesien geh-altenen Reden kehrte als ständiger
nefrain imm-er wieder die Forderung: Polen mutz militärifch stark
es lann nicht g-enug Soldaten ha'oen! Da aber aus Pole.r,

, o-lizien, Pofen und Weftpreutzen an Rekruten nichts mehr heraus-
Mholen ist, mutz Las betrogens ost-oüerschlesische Volk daran glauben.
^tzl erst stellt sich die ganze ung-eheu-erliche Art d-es an Oberschlesien
»ereMen Volksbetruges heraus. Jn Deutschland war Lie nulitärische
-flenstpslicht abgeschafft. Das spielte eine grotz-e Rolle auch für OL-er-
Alejten, denn unmittelbar nach Lem Kriege bestand auch in Ober-
Me-sten kein-erlei Neigung, SolLat zu spielen. Jn Polen herrschte
^eg-en Ler schranken-lose Militarismus. Deserteure kamen immer
^seder nach Ob-erschlesien, nm von hicr aus nach Deutschland zu
pUchtcn. Das wirkte aLschreckend für OLerschlesien. Korfanty er-
Mnte die hier lieg-end-e Gefahr für seine Abstimmung. Er veran-
'?8te den Warschauer Ministerrat zu -dem feierlichen Bsschlutz, datz
std an Polen fallendes Oberschlcsien für acht Jahre von
p?em Militärsiei befreit sein sol-lte. Das gab damals
^lner Agitation neuen Auftrieb u-nd die Oberschlesier
Angen wie Fliegcn auf diesen Leim. Diejenigen Leute, die da-
Mls den Warschauer Beschluh herbeiführten, sind es heute auch, die

Sejm den'Antrag stellten, ihn wieder aufzuheben und die Ob-er-

lesier zwbet: ügen! Und der Zufall will es, datz auch an
Spitze der Warfchauer Regierung Ler glciche Mann steht, unter
Men damaliger Ministerprasidentschaft das feierliche Verfprechen
^ Oberschlesien, das jetzt gebrochen wcrden foll, abgegeben wurde.

Der im Solde des französifchcn Erotzkapitals
Aehende Korfanty hat auf diefe Verstärkung der polnifchen
Arinee seit Monaten s: .tematisch hingearbeitet. Schon vor einer
l^ihs von Wochen fp ach er auf dem Marktplatze in Kattowitz bei
Kendeiner nationalistifchen Feier daoon, datz Polens Rüstungen ver-
!'?rkt wsrden mützten und datz man auch den Oberschlesier zum Mili-
^rdienst heränziehen müsie. Seitdem haben seine Jnsurgenten-
Tkanijationcn dafür gesorgt, dah die Frage immer weitere Kreise

zog. Sie, die ohnehin ständig militärische Uehungen abhalten,
forderten in allcn Kreisen der WojeModschaft die fofortige Ein-
führung der Dienstpflicht. Diefem Verlangen hat der Korfantyblock
in eincr ihm geeignet erschcinenden Stunde im Schlesischen Sejm
das Schlutzstück'angefügt: Die Warfchauer Regierung hat die Ge-
legenyeit, von der sie ficherlich mit Freuden Eeürauch machen wirö,
die Armee Frankreichs im Osten erheblich zu ver-
stärken. Polcns Armee bekommt durch diese Verstärkung auch
innerhalb dcr Kleinen Entenre crhöhtes Gewicht. Die Betrogenen
sind alle.in die Oberschlester, die fo leichtsinnig waren, einem War-
schauer Worte Elauben zu schenken.

Ein BeßeKmgHroZLß.

Berlm, 24. Juni. Ein Bestechungsprozeh Leschäftigte
dte zweite SLrafkammer des Landgerichts 1 Berlin gegen den stell-
vertretendsn Eeschäftsführer der brandenburgischen Landwirtfchafts-
kammer Dr> Georgs und den Eutsbesitzer Hcnnecke. Die
Bestechung erblickt die Anklage darin, datz Georgs von dem Mit-
angeklagten Hennecke, dem durch Vsrtrag mit oer Landwirtschaits-
kammer die Beschaffung von Pferden für die Enrente Ubergebcn
war, sich eine Beteiliguiig am Reingewinn hatte versprechc-n lasien.
Das Eericht verurtcilte Eeorgs wegen Bestechung zu 3 Monaten
Eefängnis und erlärmte auf Einziehung des Vestechüngsbetrages
von 1200 000 Mark. Esgen Hennecke konnte Urteil noch nicht
gefällt werden, da er am'dritten Verhandlungstage fchwer erkrankte.

Zyr LiM am VüllKR.

Paris, 24. Juni. Wie die Vlätter aus Belgrad erfahren,
wendet sich das jugoslawijche Pressebüro gegen dic ausländische
Pressemeldung, wonach in Jtalien eine Note veröffentlicht würds,
dieals Warnungan dieK.leiNe Entente angesehen wer-
den könnte, irgendwie in bulgarifche Angelegenheitsn einzugreifen.
Ebsnsowenig griff auch die eng l i sch e Regierung in'Belgrad ein,
um ein aggrefsives Vorgehen gegen Vulgarien zn verhindern.

Havas meldet aus Rom, aus Skutari verlaute, datz die
Lage in Albanien nicht so ernst sei. wie sie in gewissen Nach-
ricbt'en daraestellt werde. Es scheine, datz dic LerzeiLigs Regierung
einen chri'stlichen ausländischen Fürsten wünsche. Vom
Fürsten Wicd sci nicht mehr die Rsde, vielmehr vom Fürsten Wil-
helm von Urach aus dem Hause Wurttemberg, kommandierender
Eeneral a. D.' In politischen Kreisen habe der letzte Mord an
dem ehemaligen Fllhrer der EssaLpartei, Pahled Lechi, in der
Eegend von Dibra eine gewisse Erregung hcrvorgerufen.

Der Berkchr miL EdelmetalleK.

Verlin, 24. Juni. Nach dem amtlichen preutzischen Presiedi-.nst
erlietzen die preutzischen Minister für Handel und Eewerbe und des
Jnnern A u s f ü h r u n g s b e st i m m u n g e n zu den Tesetzen llbcr
den Verkehr mit Edelmetällen,- Edelsteincn, Perlen and
den Verkehr mit unedlen Meiallen. Danach stnd für die Ertsilung
der Erlaubnis zum Betriebe^der in 8 1 der beiden Gcfetze bezeich-
neten Eewerbe zuständig in Orten mit staatlichcr Polizeiverwaltung
die staatliche Polizeibehörde, im übrigen in ben Landkreijen de'r
Landrat (Oberamtmann), in Stadtkreisen der erste Bürgermeister.

Der Aeina wird ruhig.

Catania, 24. Juni. Die Ausbrüche des Aetna kietzen Ledeutend
nach. Die Lavaausbrüche sind erhsblich zurückgegangen. Aschenregen
und Nauchentwicklung ist schwächer geworden. Für die Ortschaft
Linguaglofsa besteht keine Eefahr mehr.

Läßt sich die Fleischtenerung lindern?

Der Viehbestand Deutschlanos rricht zu einer ausreichenden Ver-
forgung der Bcvölkerung.mit Fleisch leider nicht annähernd mehr
aus- Viehreiche Eebiete sind bssonders an DLnemark und
Polen verloren gegangcn, z. B. fast 20 Prozem des Rinder-
Lestandes. Der Mangel an Kraftfutter erschwert die Mast. Der
eigene Verbrauch auf dem Lande ist daüei durchweg grötzer
als vor dsm Kriege. (Der Landbewohner atz frllher durchschnittlich
nicht halb so viel Fleisch als der Bewohner der grötzeren Jndustrie-
städte.) Eo verbleibt deshalü fllr die Schlachtviehmärkte ein ganz
ungenügendes Angebot. Während die gewerblichen Schlach-
tungen in Deutschland 1913 etwa 40 Kilogr. Fleisch für jeden Ein-
wohner ergaben, waren dies 1920 nur noch etwa 14 Kilogr. Die
Schlachtviehpreife sind mfolge des ungenügenden Angebotes
autzerordentlich stark geftiegen und haben die Geldentwertunz
fast erreicht. Ein Schwein, das vor dem Kriegs etwa 120 Akark
kostete, kostet heute etwa 2 Millionen Mark; ein Ochse, dsr
vor dem Kriege etwa 420 Mark wert war, koftet heute ungefähr
6 Millionen Mark.

Soll die Bevölkerung in den Städten unter' fchwerer Schädi-
gung ihrer Gefundheit und Leistungsfähigkeit nicht noch immer mehr
auf Fleifchnahrung verzichten, so mutz gutes aber wesentlich bil-
lig eres Uebersecfleisch auch nach Deutschland in weit

^chwerte, Entwickl-ung Homburgs in klimatologif-cher Hinsicht,
Mege des vornehmen Sports. Das heitzt alfo — zurück z-ur N-atur,
L-em alten, fast hundertjährig-en Hauptzweck Les Heilbads, für Las
fsir alle Stoi'fWechfellrani'heiien, für Magen, Darm, Herz L-ie
^Uihmten eisenhaltigen falinischsn Trinkqusllen, die Stahkprunncn,
Solsprndel und vor allem Lie Heilquelle für ein weites Jnd-i-
säonsgeLiet, Len ElifabethenLr-unneii, hat. Dann Lie hochgraÄ-igen
,Ml- und eifen-haltigen Lu-isen-, Ludwigs-, Kaiser-, LandgrTfen-
lichllen, Lie Ausnutzung Ler grotzartigen VaL-eemrichtungen, Lie in
italienischen Renaiyancepruntkau Lcs Jalouifchen Kaifer-
' ^ilhelmsbades einen Bas-ebetrieb ganz grohen Stils ermöglichsn.
i > Homb-urg, L-as große Hcilbad, Homiurg, der von L-er Namr mit
' ^rsckwenderifcher Fülle bedachte Lufuurort, Ho-:nLurg. Las Baü Ler
Aauen und vor allem auch üer Kinder, und fchliehlich: Homburg,

^ ^ sportliche Turnierplatz. Datz in Liesem Programm die Künstc
ttcht fehlen, ift klar. Ein irULer R-eg-entag hatte Lis Kurgäste im
Mkhaus-Foyer versammelt, wo das neu-ge-bilLetc Orchester klas-sische
Gchit spielte. Es hättc keines überzeugend-eren BsAei-scs sür die
^KsLltige Pflege mufikalischcr Eenusse bed-urst. Nuch das ent-
Mende Theatcr stand im Dienste des Kurbetrisbs. Am Abend
^jteten stch Lie Wolken, Lichtgarben fluteten über Park und Bergs,
raschtrocknend-en Wegen enthüllte fich Lie abendliche Sckönheit
: j^AL-uras-- und alles fl.otz zu-fam-men — L-andschast, Quellentemxel,
^drge. Kprhaus, Schlotz und StSotchen in Bil-dern, voll Lchönheit
Erinnsrung, die den Eajt m der Elektrischen in den grauen
'"ag per Arbeit zurückgeleiteten. iz.

j>. Der deutschc Frlm in Amerna. Uns wird geschrieben: Mit
>, Uecerschwemmung des deuljchen Marttes durch amerikaiiisch-e
Nälx goht das Eindriugen Leutsa;er oslimmerkunst in umsrilanische
LMer'parallel, ohne datz aber damit gesagt wäre, datz der deutsche
drübeN mit dem Vordringen ces amriiamschen hiiben auch nur
i^ahernd gleichen Schritt halten ionnce. zmmerhin haüen w!r
>,!, Aiuerika so ziemlich alle nachkrieglichen Vorurteile überwundsn,
j.^chuch das moralijche Wirlen c-es Lem-schcn Meister-Regisseurs,

M der grötzten ameritanischen j>ümsiac-t, in Los Anzelos, zsn-
i°^tig eine Reihe von Filmen infzeniert, lentet dem deutfchen Film
beachtenswerte und wertvolle Pionicrarcieit. Ein amerikanifches
sj^d will trotz alledem auch heute noch niiyts von uus wissen. Es
mit diescr Abneiaung gegen alles Deutjche im Kino zwar so
tzs.^Iich vereinfamt ta," aber diefe Abne.gung lommt der Levisch.m
tz^»lkunst UNÜ Filmindustrie immerhin teuer genug zu stehen. Dieses
nM ist Canada, ein riefiges Eebiet, das in jeiner Bedeulung
>>? lilmausnahmefähiges Territorium keinswegs unterjchätzt werden
r,Tl- Canada oerfügt über zahlreiche, zauz vorzügliche und modern
f,,üerichtete Kinotheater, es hat nach einer erft cürzlich vorgenom-
"«n Zählunz 918 Lichtjpielhäujer, m denen etwa 30 Millionen

Dollars angelegt wurden. Mehr uls 30 Verleihiriftitute Lelieferu
Len canadifchen Markt und erzielcn wohl eine Million Dollars an
jä-hrlichcm ReingeWinn. Der Verlusi eines svlchen Landes als
Absatzgsbiet für'den Leutschen Film ist daher sehr fchmerzlich; er
ift in erster Linie auf dis Animosität Ler canadischen Lanüeszensur
zurückzuführsn, die gegen Lie deutsche Produktion äutzerst ftreng vor-
geht. So wurden in L-iefem Jahre Lereits fechs deutfche Filme von
der dortigen Zensur zurückgeyaltsn, und der einzige nach Tanada
gelangts deutsche Film, „Das Weib des Pharaos" erzielte nur da-
durch Eingang nach Canada, Lctz er als cin rein amerikänifches
Fabrikat ausgegeben wurde. Der wahre Grund ist natürlich die
Angst vor Ler Leutfchcn Konkurrenz, die immcrhin ras amerikaiiifche
Monopol erschüttern könnte. Jn S p a n i s ch - A m e r i k a ist üiess
Vormachtstellung bsreits n-cht unwesentlich Lurch üen deutschen Film
unterhöhlt. Erft ungehcuren Reklamebemllhungen ist es gelungsn,
in einzelnsn sürameri-lanischen SLaäten den Prozentsatz nordameri-
länischer Filme, um ein weniges zu heben. Dcr Jahresstatistik,
die Brasilien für Las Jahr 1822 mineilt, lann man cntnshmen,
datz um 9 Prozent nordaMeri-kanische Filme mehr in Las Land kamen
als 1921. Von den imporüerten Filmen waren alierdings Lie über-
wältigcnde Mehrheit, nämlich 1058 Filme amerikanischen llrsprungs,
und Lie übrigen 283 verteilten jich gar auf 11 JmportlänLer. Ab->r
man darf nicht übersshen, datz die Erhöhung Les nordamerikanischen
Prozentfatzes sich nicht mehr natürlich, sondern unter einem gewal-
tigen Retlameaufgebot oollzog, uno datz unter drn 2L3 importierten
Filmcn etwa 30 deujscher Provenienz waren und ohne zrotze Re-
klame in das LanL lamen. Die natürlich jieigende winzige deutschc
Zifser wiegt schwerer als dis künstlich gesteigerte nürdamerikanische
Ri-esenzahl. ' 1b.

Tas ältelle «chlLcr-Tcuiwal. Jn eiriem „Balten-Heft", das dic im
Bcrlaes vo» Eeora Still« rrfcheinenöc» „Liideutschen Monatsliefte" svcbcn j
herausocben und das cine Aülte vo« Veiträscn auS Nord und Süd über l
oic Äulri-rstättcn des Balicülanöes vcrciuigr. ivcist Alexander von Bodisco
mit Stolz darauf Hi». dab daS ültekie Schillcr-Dcnkmal nicht in der beutschcn
Hcimat selbst, sondcrn in dc» baltischcn Provinzcn crrichtct wurden ift.
Schon im Jabre 1818 hat J-ran Eillieliiiine von Hclmia, bic Gcmablin I
dcs cstländischcn Landratcs Tdurc von Hclivig zu Schlob Wcrdcr, einc
olüvende Bcwundertn.Les grobc» Dichters, in dcn büüschen Anlagcn aus
dsr reizenden Park-Änscl Pncht. die zum Schlob Wcrder gehvrt, ciu ltcincs
Dcnlmal errichtct. Es ivar 1,88 Metcr hoch und trug auf der Borderscitc
die Worte: „Dic Dichtkunst reicht Dir ihre Göttcrrechtc, schiviugt sich mlt
Dir öcn ewacn Stcrncn zu, mit ciner Glorie bat sic Dich umgebcn, Dn
schusst surs Herz, Du wirst unsterblich lcben." Aus dcr Rückssitc las mau:
„Dcm Andcnlcn Fricdrich von Schillcrs, Dcntichlands crhabenem Dichter
unü Liebliug der Musen. Gcividinet 1818." Jn Deutschland ivurde das
erstc Denlmal crst 18L7 errichlct, so tast Estlcind dcu Ruhm für sich in An-
ivrnch nchmcn kann, dcm GcinilS Schillers dic erstc Huldigung dargeüracht
zu baben. Leider ist das Denrmal bcutc nicht mchr crhaltcn: es wurde
im »rlege un,' von rujfijchc« Soldaten gleichzeitig mit de» Gebüude» deS
Gutes serftort.

qrötzersm Maße eingeführt werden. Gutes Ueberseefleisch tEefrie»
fleisch) kostet trotz dsr - Entwertung der Mark 28—40 Prozent, also
mehreretaufend Mark je Pfund weniger als an-
nähernd gleichwertiges Fleisch von inländischem Schlachtvieh-

Das end!ose RegenweLter.

Unser sonst bewährter meteorologischer Mitsrbeiter
gibt trov dcr sommcrlichen und sonnigen Witterung am
Samstag und Sonntag solgenden vessimtstischen Aus-
führungen Ausdruck:

Die seitherige lange V o rf o m m c r r e g e nze i t, die nunmehr
auch noch in den eigentlichen Sommer überzugreifen droht, wächst
sich allmählich zu einem Verhängnis ar.s, nicht nur für dic Erlwlungs-
suchenden in der Sommerfrische und für die Stimmung Ler Daheim-
gehliebenen, fondern in viel stärkerem Matze für unsere auf dcn
Fcldern ftehende Ernte. Während März und April noch erheblich zu
trockcn waren, erreichte im Mai der Riederschlag einen Ueberschutz
von nahezu Lem zweieinhalbfachen Betrag der normalen Menge. Der
Mai brachte den eigentlichen Einfatz Ser jetzigen Regenperiode und
lietz sie anch bis jetzt zu ihrer stärtsten Entwicklung kommen. Vom
9. vis zum 81. Mai regn-ete es nur mit Ausnahme oon zwei Tagen
täglich. Jm Juni hat üie Regenperiode inl Bergleich zum Mai einc
Abschwächung, sowohl yinsichtlich der Regenmenge als auch der Regen-
häufigkeit gebracht. Erst seit dem 11. Juni ist die Regxnperiode
wieder in stärkerer Entwicklung, indem von di-esem Tage bis zum
gestrigen 23. eine ununterbrochene Folge von 12 Regentagen fest-
gestellt ist. Die gegenwärtige Regenperrode reicht an iinnnter-
Lrochener Dauer von Regentagen zwar noch nicht an die extremsten
Beijpiele der Wetterstatistik heran, lätzt sich aber ihnen doch schon
gegenüberstellen. Die längste bei uns überhaupt beobachtete, ununtcr-
dro-chene Folge von Regenlagcn wurde in Cleve (unweit der hollän-
dischen Erenze) beobachtet. Hier regnete es vom 13. Oktober Lis
14. November 1869, also an 33 aufeinanderfolgenden Tag-en. Aller-
dings war dieje Regenperiode im Herbst und nicht im Frühling und
Friihsommer, wie die gegenwärtige. Jn der jetzigen Jahreszeir find
derartig lange Regenzeiten weit seltcner.

Um den Ursachen des jetzigen, kalten Sommerwetters nsch»
zuforschen, mutz man die Witte.rungsverhältnrsse eines grotzen Ge-
bietes, möglichst der ganzen nörölichen Halbkugel in Betracht ziehen.
Man findet L-ann Witterungsfätze zwischen entfernten Teüieten, Lie
in gegenfeitiger Beziehung stehen. Die Zeitungen haben oor lurzem
von starter Hitze in NorüaMerika berichtet und sicherlich hierdurch
bei vielen die Hoffnung erweckt, datz nunmehr allmählich auch dieje
amerikanifche Hitze zu uns gelangen wird. Diefcr Schlutz ist nicht
ohne weit-eres berechtigt. Die amerikanische Hitze steht dtrelt
in einem kausalen Zusammenhang mit der gsgcnwärtigen Kälte bei
uns. Dieselben augenblicklich vorherrschenden Luftdruckoerhällnisse,
welche bei uns die Kälte bringen, bedingen- in Amerika die hohen
Temxeraturen, und zwar liegt das entscheidende athmosphärischc
Aktionszentrum für diese Witterungsgegensätze über dem atiantischen
Ozean. Ueber dem nördlichen atlantischen Ozean hat sich seit Wochen
ein ausgedehntes Gebiet hohen Luftdruckes ausgebilset, das bis
weit nach Norden in das Eebiet von Erönlano und Zstano reicht.
Dieses Hochdruckgebiet nimmt dsn ganzen nordatlantischen Ozean ein
und hat seine Ostgrenze an der engtischen und französijchen Küste,
seine Westgrenze an der amerikanischen Küste. Wie jeoes Eebiek,
hohen Luftdruckes, hat es an seiner Vorders-site, welche im rcrs
licgendon Falle unsere europäische Seite Lildet, kalte, nordweftliche
Winde, an seiner Rückssite, also der amerikanischen, warme, südliche
Winde. Auf diese Weise erklärt es sich ohne wsiteres, datz Kätte Ler
uns zugleich mit Hitze in Nordamcrita verbunden ist. Diejes, für
unsere Witterung ausschlaggek-ende Gebiet hohen Luftdruckes übsr
dem atlantisch-en Ozean ist stationär, d. h. es verlagect sich nicht
mit der aUgemeinen Luftströinung, fondern behalt feine Lage unver-
ändert bei. Jn dieser stationären Lage liegt die mihtiche Bsdeutung
für uns. Wir bleiben dauernd im Bereich der lühlen
Nordwestwind-e und haben das anhaliend fchlechte Wetter. Die
weitere Frage ist nun: Woher kommt diefs starke Entwicklung des
atlantischen Hochdruckgebietes und seine weite, anormate Ausdehnung
nach Norden. Die Entwicklung der Lustdruckverhältnisie über dcm
atlantischen Ozean hängt von L-em allgemeinen Luftausiausch zwischen
Aequator und Pol ab. Ist der Temperaturgegensatz zwischen Asquator
und Pol übernormal, dann ist auch die Luftzirluiation lebhaff, ö. h.
die Hoch- und Tiefdruckgebiete wandern schnell und werden uichr
stationär. Jn diesem Fall hätten wir nörmaleo Sommerwetter mck
regelmätzigem Wechjel von warmem, heiterem unL vorübergeheno
lühlerem, regnerischem Wetter. Jst Lagegen der Temperaturuiit-r-
schied zwischen Aequator und Pol nnternormal, Lann fst die all-
gemeine Luftzirkulation auch jchwächer, und es lann sich das srünöig
bei den Azoren liegende, atlanlische Hochdrugcksoiet Lcsono.rs iräfttg
entwickeln und weit nach NorLen vorstotzen. Das ist der Fall, der Lie
unheilvollen Sommerregen für uns bringt. Wir müsien aiso anneh-
men, Latz der gegenwärtigen Regenperiode eine gerrnzere Tempera-
turdifferenz zwischen Pol und Aequator entfpricht, L. h. also- cntweder
auf zu tiefe Temperatur am Aequator, oder zu Kohe TemperaLr.r am
Pol schlietzen. Die Temperaturanomalien dicfec Eebiets liegcn uns
zur weiteren Verfolgung des Problsms gegenwärtig noch nicht vor.
Zmmerhin lätzt sich auf di-ese Weise eine vcrsiändliche LrUäruug Lcr
augenblicklichen Regenperiode geben, Leren EnLe vorerst die Wetter-
lage noch nicht abzusehen gestattet. Die nüchstcn Tage werden auf
jeden Fall sich noch wsnig von ihren Vorgängern unrerscheide»
und noch keine durchgreifende Lesierung bringcn. vr. ch.

Von Msritz koldschmidk, Frankfurt a. M.

Ear manches stolze Schiff Ler Theorie scheitert auf Ler hohen
See der Praxis.

Die bssiere Hälfte sehr vieler Talente heitzt — Protskiion.

*

Auch seh: viele Nieten können di: einen Namen machen, — fo
wie viele Nullen hinter einem bescheidenen Einer eine grotze Zahl.

*

Der Lrägt es nicht auf der Zungs, wer sein Herz auf dem
rechten Flecke hat.

Nur der kann wahrhaft lachen, der — lächeln gelernt hat-

Die versengendste Leidenfchaft bewsist noch lange nicht — Herz.
Auch in der Wüste ist es sehr heitz. . .

Wer den Menschen zuviel gegeben hat, der hat schkictzlich am
wenigsten für sie übrig.

*

Die Feindschasi unserer Freunde sttzt meist tiefer als die unfs-
rer Feinde.

Die sogenannten Jdealisten haben vielleicht JLeale, aber ste
pfleaen sie am seltensten zu verlörpern.

!>i-

Eine lteine Mahrheit ist ein beliebter Schritimachsr für eine
qrotze Lüge.

Jm Munde unserer Nebenmenschen ist iible Nach rede nur erst
die Vorrede'zu unserer Biographie.

Man trachtet immer. die Welt zu verbesiern, — Lis auf den Teil.
dcn man felber darstellt.

Schöner Frauen Tränen sind Wasier mit der Wirkung des
Feuers; sie löschen nicht, sie entzünden Elut.

*

Eins leere Hand, die sich gibt. bietet mehr, als eine volle
schenken kann.
 
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