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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0083
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N Hinstcht, weil wsder das
! ^ässetLors zum Akachtbereich
I L?n gehören; formelL,
HMen

Ruhrgeoiet, noch t,er Vcli--'enkopf
tsr ilrteraÄilerten Rhcmchin kommis-

,__, weil nur e'ne Verfügi-ng der franzo-

»n>a,en und belgijchen Aiitgtieder in der Rheinlandkommission vor-
il'age^aber kein'Beschlntz Les Kollegiums selbst; materisll, weil
i«re giorderung von Kohlenliefcrungen an Framreich nicht znm
zvabsnlreis der interalliierten Nheinlandkomnussion gehört.

Auf-

D!e Bednchmig WM.

Litauische Bandsn aus Tilsit im Anmarsch.

Eigene Drahtmekdung-

Memel, 13. Januar.

Der litauische Raubzug ins Memelland nimmt immer ungeh>uer-
,'lAere Formen'an. Nach neueftsn Meldungen sind die litamschen
>.ureischaren bis Tilstt herangeriickt. Ssn mehreren «tellen wurden dir
xLchlenenströnge aufgcr ssen. Der Zugverkchr Tilsit—Memel
- unterbrochen. Tas in Memel befindliche Eisenbahnmaterial
onnts xon dcn Devtschen nicht gerettet werden.

„ . Südlich Msmel versuchten litauischs Freischärler nachts einsn
^'-teren Vorstotz Lei Atthof mit zwei Kraftwagen. Elner
Krastwagen wurde sawt dem darauf befindlichen Maschinenge-
erbeutet. Ein englscher Panzerkrenzer wird in
't emsl stiindlich erwartet. Nach eincr Meldung des Oberlommissa-
a. s leiintsn stch ai'ch vier sranzösische Kriegsschiffe
- ^ der Fal-rt nach M-mel.

.vn läeydekrug hat sich einc litauische Regierung
atst cas Memelland gebildet die neben Simonaitis als Präsi-
tzj'B ten Lan^wirt Reisgis und den Bürovorsteher Jons To-
umsatzt- Zwei wciterc Mitglieder aus der Kaufmannschaft
Arbeiterschast sollcn noch Lerufen werden. Sitz des Landes-
re-iorlums soll einstweilen Heydelrug sein.

, -^ach einer Drahtung aus Paris will die Votschafter-
^ w isston neue Schritte in Kowno unternehmen, damit
^ I'.tauische Regier-mg ihrcn Eimlutz auf die grotzlitauische De-
D-st"g d.eltend mache, die cinsn Druckoersuch gegen die alliierten
^.achts nnd eine B e e i n t r ä ch t i g u n g der Souveränität
zn'/u.e, die sie auf Erund des Vcrsaillcr Verirages über Las
»M-elgebie't besätzen. Die Konsercnz l-at bescklosscn. einen franzö-
. Oberftcn nach Memel zu schicken, der das Kcmmando der
uerten Truppen übernehmen solle.

Aroeitgeberverbände sprachen dieser Tage beim Reichslanzler vor
und gäcen in Anwesenheit des Reichswirtschaflsmin'sters namens
der Veroünde die Versicherung ab, datz sie bei der Abwehr
der dem Deutschen Reiche drohenden Vergewalti-
gung Len Neichskanzler und die Leutsche Neichsregierung
eiymütig mit allen ihnen zu Eebote stehenLen Mittem und
Kraften unterstützon wcrden. Die Abwehr verlange die Ein-
heitsfront Les gesamten deutschen Volkes. Von der
Zuversicht getragen, Latz in diesem Willen alle Volksschichten sich
unterschiedslos zusammenfinden, würden die Wirtschaftsstände alls
Opfer bringen, welchs die Not des Vaterlandes erheische. Der
Reichslanzler Lankte für diese einmütige Erklärung. und bezeichnete
die sofortige Zusammenfassung aller an Ler Wirtschaft beteiligten
Faktoren zur praktischen Arbeit als die zunächst dringendste Auf-
gabe der Reichsregicrung.

von AHr und Saar.

Dre wiitschaftliche Desorzauisatio« d«rch die Vcsehung.

Saarbrücken, 12. Januar.

§1,,.politischen Parteien des Saargebiets haben folgenden
lru, erlassen:

^ wegen alles Rscht und in offenkundiger Verletzung dcs Versailler
Fr'besstzt die sranzösische Militürgewalt Las Ruhrgebiet.

Jmperlalismus durchschneidet die letzten Lebensadern
Kobl?nm - Tode ringsnden Volles. Das Saargebiet hat selne
^ucht ^otze Franlreich abtreten müssen, sein deutsches Volkstum
ietzt ihm M ranben. Ein gleickes Schicksal verbinLet

schw-D ..illmgsr die deuischen Brüder an Ruhr und Saar. Den
j« : ^prüftcn Volksgenossen an der Ruhr rufcn wir zu: W '"
z« i,»". mitEuch! StehetfestinTreueundLie
^nserem Vaterlande!

i r
be

Sebi^E,e wirtschaftliche Schäden dre Fremdherrschaft im Saar-
erhem""Mich^tst<tt (im Rrchrbezirk wird es kaum anLers werLen),
Herrss^o^nde Taisachen: Um den Fran'en im Saargebiet zur
äwun?^ M brin^en, hat die Saarregieruiig die Eemeinden ge-
Beamten in Franken zu bezahlen. Die Ee-
^ wukr zum Teil einen langen Kampf gegen diesen Zwang;

'tichl s k .zuvor, tatz sie dre Einnahmen fllr die Frankenenilohnungen
erwtz.st^mtzen. Nun ist in Saarbrücken eingetreten, was zu
dex g?" war: di« Siadt istnicht inderLage, die Eehälter
Di« ^ ^ Lehrkräfie zur Auszahlung zu bringon.

üablun risinanzen sind ruiniert. Nur kleine Vorschutz-

in Mark können gemacht werden. Die Organisaiion
Canr«"" «tld StactsarLeiter wendet sich in einer Eingabe an die
d«N r;„^rung, in der sie von ihr verlangen, den Schaden zu heilen,
angerichtet bat.

angerichtet hat.

Nnd ^strkehr vonLothririgeir nach dem Saargebiet
Der besetzten Gebiet hat in lctzier Zeit vedeutend nachgelassen.
zn luu: "o Lafür ist in der cnormen Preissteigerung in Dsutschland
^u«eko ?' die derart ist, datz viele Artikel in Franireich billiger
Pr,xn?werden, als in Deutschland. Reis^verkehr sowohl wie
"'guterverkehr stnd Ledeutend zurückgegangen.

bsutschen Llntemchmer gegen d!e Befetzrmg.

Spitzenverbände des gesamten deutschen
bagz mertums in Berlin. nämlfch dsr Zeniraloer-


-ien Bank- und Vankiergewerbes, der Reichsoerüand dcs dsut-
^r der Reichsausschutz dsr deuischen Landwirtschaft,

scheg st-chslandbund. der Hansabund, die Hauptgemeinschaft des deut-
Zenirast^Ei<mL>els, der Neichsverband der deutschen Industrie, der
^ -st^Erband des deutschen Erotzhandels und die Vereinigung der

.Di

Dnrtscher Bnnerntag 1SZ3. Die iäyrlicb stattsindenbe große nracht-
volle Kundgebung ies gesamten deutschen Vauernstandes finLet g-emäß
Bcschlntz Lcr Vereinigung der Vereinignng d:r deutschen Banernvercine
in diesein Jabre in BraunSberg in Ostvrcußen statt. AuS allen
deutschcn Gauen wevden Nertoeter der Landn irtschatt anwesend sein, so
daß bier cin-e irirkirngsvolle KundgeSnng dsr EinbeitSfront ber Leutschen
LandwirtsHaft stattfindrt.

Ein sriibercr Bnndesfürst im volitischen Tageskamvf. Der frilhere
Fürst vvn M-aldeck soli dis „W a l b e ck i s ch e N u n d s ch a u". ein rechts-
radrk..IcS Lolalblatt, d-as sinanziell sestr gesälirLet war, gekaust baben,
oder es gegen Ucl-erlassung des volitisci-cn Einnusses sinanstcren. Solite
diescs Gvrstcht stch Lewabrl-eiten, so lSge hier mm ersten Male dsr Fall
vor, Laß cin frstliercr Bunüesfürst in den poütischcn Tageskamvf einlrttt.

Könlglichc Prinzcn iin täglichen Bcrnf. Die Söbne deS Vrinren
W-albcmar von Däncmark, eines Onkcls öes Königs Cliristian, iind gc-
swnngc», sich ihrcn täglichcn Unterhalt zn verdtencn. Ste liaLen bcide üci
icm Zuic.mmenbrilch ber Landmannsbank in Kopenhaxcn ihr ganzeS Ler-
mögcn verloren und auch thr Bater ist durch den Zusammenürl'.ch Ler
Vank derarttg in Akitlsidenschast gezogen, datz er seine Söhne nicht nus-
reichend z-u unterstiitzen vermas. Prinz Aage, ker älteste Ler beidcn Söhne,
bient vom 1. Jan-uar ab in Ler f r a n z ö s i s ch e n Besatzungs-
armee in Marokko. Sein B-ruder, Prinz Eirik, ist in ein« kana -
d i s ch e Far m eingetreten. Prinz Aage versicherte, eh: «r nach Aiarokko
abfuhr, dab er es n-icht sür unvrinzlich haltc, wenn er, rvie anbere, sich
scinen Lebensuntcrh.ilt verdienen müsse.

Strasantritt KavltärOcutnkmts Diedrichs. Die für ben Kavitän-
leutnc-nt Diedrichs, ier den Nathnraumürdern Fischcr unb Kern auf der
Burg Saaleck Kleider zu verschassen vcrsucht hatte, und basür zu einer
GesängniSstrc-.se von fechs Monaton vernrteilt wnrbc, von seinem Rechts-
anwalt cingelegtc Ditte um eine VewährungSsrist ist rctzt vom Oberreichs-
anwalt abgelehnt worben. Diedrichs hat scine Strafe in Tegel an-
gctrcten.

Betrogene Berliuer KLnstlerinuen. Bei verschiedenen bekannten
Berliner Sängcrinnen crschien in den letzten Tagen ctn böflich aus-
tretender Mann, der angab, Dr. Siegsrieb B o h r m a n n zu heitzen unü
Geschäftsführer der Pragcr Philharmonie zu sein. Er vsrsuchte- die
Sängerinnen für ein« Tonrnee durch die Tschechollowakei zu enaagieren,
mozu cr von der Pragcr Philharmonie bcanstragt scin wollte. Die Ver-
irägc sollten bci einem Notar in der Tanbenstratze beglaubigt werden.
Jm Lanse bes GesvrächeS mit den Sänxerinncn erzähltc cr stets, datz sein:
Nhr stehen geblieben sci, und er bat'di« Damen, ihm zu sagen, wie svät
es sei. Verlictzcn nun bic Sängcrinnen bas Ztmmrr, fo benutzt« der an-
geblichr Dr. Bohrmann Lie Gelegenhcit, um sich schnell einigc Wertsachen
anzueign-en, mit benen cr svkter verschwand. Jn ernem Fall begleitet; cr
cine Süiigertn zu ihrer Bank. Sie hatte ihm einen Geldbetra-g anvertraut,
und cs gelang ihm auch, damit zu verschwinden. Bohrincklln, öer aus diese
Weise verschiebenc Künstlerinncn gefchädigt hat und der genau tiber die
Persönlichkrttcn dcr Berlincr Mnfikweit oricnticrt ist, wird jctzt von der
Kriminalvolizei gesucht. — Ein andcrer Schwindler ist auch in den
Wobnungen belannter Filmschauivielerinncn nufgetaucht und hat ver-
sianden, iie mit cincm ähnlichen Trick zu schäbigen.

Das verhert« GcsaugSiiK. Jn unsercr Zeit ist allcs möglich, —
warum alfo nickit ein Gciang-Huch, das sich «ngebührlich benimmt? Und
waium soll nicht wahr sein, was stch in einer Kirchc des Berlincr
O st e n s am ersten Weihnachtsfeicrtag zugetragen h-aben soll? Ein altes
knrzsichtigcs Mütterchen satz Lort in feierlichcr Stimmung auf Lem Platz,
den sie allsonntäglich einnimmt. Str lauschte den ernstdn Orgslklüngen
und versuchtc dann, in ihrcm Gllanebuch Len Liedtext auszuschlagen, Len
Lie Tasel ankündig-te. Absr — settsam! — das Buch wollte sich nicht
össnen lafscn. Sie vrobiertc unb singerte daran herum, vergebüch: das
B-uch klavvtc nicht auf, dafiir aber — o Schreck! — sina es vlötzüch an,
in die eingctretrne Stille lnnein zu stngen. und „Pupvchen, du bist mein
Augenstern" klang es zn aller Erstauncn dnrch die Kirchc! Das rntsctzte
Biütterchrn flüchtete vvr der sch-allenden Hcitcrleit, die stch nicht unter-
örücken lasfen wolltc, aufscrcgt nach Hause, o-anz sichcr selsenscst davon übcr-
zcngt, bab ihr giitrs alteS Gesangbnch vlötzlich v e r l, e x t ici, — bis sic
dann zu Hause fcststrllcn konntc, datz sie verscbcntlich ihres kleinen Enkels
Svielbose zur Kirche mitgenommen hatte!

Zmci BairerlisKädel rmd ein Klavicr. Bei einer Erbschaftsteilung
in Untermirbach bci Saalfeld iThüringcn) war anch ein Taselklavicr vor-
händcn. Dsr ein« Bruder, ein Arbeiter. wolitc dasselbe vcrkaufen, de«
andcre Brud-rr, cin LanLw-irt, bcstand dara-us, datz eS gcteilt werden sollte
nnd so blieb erster-em weiter nschts nbria, als die Tciluna mitzumachcn.
Si: holtcn eine Schrotsägc herbei nnd ohne ein Wvrt zu sprechcn, fägten
fte das Klavier in der Mitte durch und zrrbvachen Labei noch die Söge.
— Was einer nicht im Kopf hat, Las mutz er eben in der Briestaschc
haben.

NauLmord rm Berliner Weste«. Ein neues Kapitalverbrechen murde
auf Charlottcnvurrer Eebiet in der Banreiither Stratze 33 entdeckt. Dort
wrrrde der am 22. Februar 1888 in Wien geborene Kaufmann Robert
2i o w a ck tot in scinein Bctt a u s g c i n n d e n. Der Ermordstc,
amcrikanischer Staatsbürger, wanderts vor längerer Zeit mit scincn
Eltern nach Nmerika aus und war jctzt als Ausknnser der Now-ack-Jmport-
Company in New Nork tütio. So bereiste er ouch ganz Deutschiand, um
. Mctalle und andere Waren einzulaufcn. Schon im vergangen-rn Sevtember
l weilte er in Berlin und wohnte in cinem Fremdenhsim in der Bavreuther

gleich einschlafen konnte . . . Und der Engel mahnte fie an
ihm angelegte Sammlung gleichgehender Uhren . . .

zv^ Uhren, Bub, die Uhren .
».. mntzte Maxl ins Lab

de^ Frechhelt .

Laboratorium. Mia tröstete ihn. „Du

^ustex^Eags kam er heim. Se:n Eesicht war lang, seine Miene
Croßj' "is wollte er gerade zur Beerdigung der assistentlichen

als
kZNte.

''^rognmtter
A?ro-;mutter

' flüsterte er. Die wurde bleich . . .
meine Entdeckung . . . meine Doktorarbeit

»H "w-iuiier . . . ineine uinioear
Großmutter wurLe unruhig.

"Srognrutter . . . die Nepp-Säüre . .

was Lenn, Bub, red doch . . . um Eotteswillen . .
NevÜ^rogmutter . . er flüsterte nur noch, „Erossmntter . . . die
die sm"re . . . die Nepxsäure frikt Eold . . . die Neppsäure hat
sieh " .flefressen . . . Las Eold hat ssch in ihr ausgelöst . . . Da
a'^^'ti?rblieben ist!"

Tifsei^i- . ie ein Päckchen verbogener llhrzeiger und zerbrochener
watter hervor.

ieL'^"gmutter . . . ich bin unglücklich ... ich werde mich
te Um. '- meine wissenschaftlichen Hoffnungen . . . und du,
strcnsammlung . . . Laß mich . . . Wo ist mein Rcvolver

er-

Cr

q, rannte von Lannen. Die Erossmutter trippelte hinterdrein.
Vlo-is"r djx lebhafteste Veredsamkeit brachte ihn oon seinem selbst-
^rischen Plane ab.

i,"i der Erossmntter willon . . . wollte er am Leben bleibe«.
"Nd so lebt er dcnn heute noch.

- ' EF V

Reue Vücher.

iHönsten Vrzätzlnugc« »on Edgar Alla« Poe. Jn neiier Ber-
a I« - ^ non Erust W. Frcißler. Ausgcwähü uud cingeleitet von
„ riitz s-.r ri o n M o l o. Mit dem Bildc Pocs. Elnbandzcichniing von
Prcis oornehm gebundcn ctiva 860 Mark. Verlag ion
°rt Lau^En in Mtinchcn.

^nicr m". dcr Name des amcrikanischen Dickiicrs Poe genannt. io flictzt
Räts^.^dankeniirom aus unscrcm Jch in die uncndüchen Gesilde des
der Nki» >vir Leben nenncn. Kcincr ist von der Iti-.beimlichkeit

sühjtz, und ihren Mystcrien stärkcr crgrissen worden als Poe. Er ist
bctra'ch/,, <u- auch drn behäbigsten Lcier aus den Fugcn harmloser Welt-
erreicht "b bcben. Als „Dichter des Grauens" ist cr bis heutc iveder
Unz' di'- aar übcrtrosscn wordeu. Darin is! die ungehcnre Wirkung
Lebzej,„„ Derbrettung seiner Werke begrnndct, die sich ickon zu ieinen
Genj» die ganze Erde eroberten. Poc, das mathemattsch-analntische
^istcn- ungewöhnlichc geistige Fähigleiten nnd cin universalcs
"lach-tl-' dxang Uef in die Gebietc Lcr Technik unü Medizin cin und
iVcii- ^dlc ichwierigiteii wisicnschastlichen Prablcme in dankenswert«!.-
enth-.ir„ Poesic dienstbar. Doch glcich ben iunere« KrSfie« bsr Natnr
Ulb scinem Schaishlick anch d!c verboracnften Regnngen der
"vcniccte, Wunüersam ergreifen seine von Lodcsslhaucrn ange-

wehien Phantaflen. Jn atemloscr Svaniiung gibt stch der Lcser sciner
Anflösung gebeimnisvollcr Rütsclfragcn h!n. Wir bcsitzen in Poe cincn
miserer arötzten Dichter, dem heutc zn seiner vollen und rickstigen Wertung
nur noch das eine fehlt: batz er ohne seine kitschigen Nachahmer betrachtet,
datz er der Gier der in ihm nur Sensationen inchcnden Leserkreisc ent-
zogcn. datz er cndlich allgemcin als Dorkämvfer deffen erkannt wird, was
die Wistenschaft hente wiedsr zu snchen beainnt. Diesem Ziel soll auch
der neue IluSwahband dienen. dcr zncklf von Poes vackenbstrn Er»
zählungen enthält. Ernst W. Freitzlck hat ihn neu in ein autcs und
gevflcgtcs Deutfch übertragcn, Walier von Molo schickt ihm eine Ein-
lcitung voran, die Wescn und Werk Eügar Alla» Poes meifterhaft
charalteristert.

A. E. Weirauch. Nuttz Mever. Noma«. Verlaa: Dr. Eysler L
C o. A. - G., B-rlin 8XV. 88.

Rvth M c n c r — das ist der Name von Hundertcn von modernen
inngen jiidischen Grotzstadt-Mädchen, und cs ist die Geschichte von eben-
sovielcn. Jn fast allen lebt, wic In dcr kleinen Nuth Meyer, die Sehn-
sucht nach arotzen Leistüngen. nach grotzen Erlebnisten. Ruth M-eyer hat
cin wenig Begab-ung zu allen Dingcn der Welt, und ste darf allcs
lern-en. wozu ste Begabun-g hat. Sie ivielt Gcige — a-ber sie möchtc ihre
Seele küngen lastcn, eh' sie noch die Tonlcitern behcrrscht. Sie möchtc
unheimlich gelebrt werdcn, abcr die Geicllschasten und die Schneider-
anproben und das TenniSsviel nehmen zu viel Zeit weg. Sie möchte einc
ModeLame werden. aber ihr reger Geist nnd ihr üeitz-ss Blut vcrlangcn
nach mebr. Jchre erste Liebe und erste Enttauschung ist dcr iunge blonde
Adüge, dcr typische Leutnant srüherer Zciten. Der Rückschlag dieser
Sommerliebe ist ein kurzer Abstccber in deu- Zionismus. von dem eine
ncue Licb« ste beilt. Für dicien Mann, der das arotze Gesühl in ihr
eriveckt. dcn geschmorenen Junagciellcn unü Frauenüetörer, iit ste nuri
ein liebliches Sviclzeua neben anderen, crnstcren Leidenichaiten. Uud
nun begräbt Ruth Mcycr das grotze Strebcn und die grotze Leidenschast
und landei. wie die meisten ihrcsglcichcn, im Hafsn eiuer Ebe, die von
dcn Familien mit viel Sorgsalt crwogcn ist. Sie stränbt stch dagegcn,
ste will lieber sterben — unü stc wird glücklich. weil sts sich vcrli-ebt in
den Mann, mit dcm zu lcben ihr besiimmt ist. Das ist in kurzcn Wvrtcn
dcr Jnbalt eines RomanS, dcr den Lcscr sofort packt. weil er ihn mit
Periönlichkciten Lekannt macht nnd an Ereignisten tcilnehmen lätzt, wie
sie gerade für die Gegenwari charakterisüsch stnd. Die bcgabte Ber-
fasterin vcrsteht es meisterhaft. Problcmc in ihre Erzählnng zu verflechen,
die gerade ietzt Taniende beschüstigcn und errügen. Dcshalb wird ibr
ncucs Buch vielen Lesern angcnehme Unterhaltung bieten: die geschmack-
volle Ausstattung lätzt es für Geschenkzwccke besonbers gccignet crscheinen.

Margarete Bötzme, Roswittza. Geschichte einer Glücklichen. Verlug:
Dr. Eysler L Co. A. - G.. Berlin 8ZV. 88.

Wenn Margareie Böhmc ein neues Buch crscheinen lätzt, kann
m-an mit ziemlicher Bestimmtheit erwarten, datz der Stofs bes Nomans
irgeud cine brennonde Zcitiragc, icdenfalls aber cincn intereiianten. mcist
sogar scnsatiouellen Stoff bchandelt. Dicse Voraussetzung scheint sich im
Ansang des Bnches auch bei „Noswitha" zu erfüllen. Eine ergreiicnde,
sak tragisch-r Wuch! üegtj übcr dcm Einaang, dcr das lähmcnde Entsc-tzcn
dcr Dorfbewohner bes der Kunde schildcrt, datz dic hochangi-s:hene Hos-
besitzerin und Witwe Negina Stutenreuter fast zur selben Zeit, da ihre

Stratze §8. Nacki längeren Reisen kam er kürzkiL wieder nach Berün und
ftirg evensall« in tem genannten Fremdentzeim aü. Kürzüch uutzerte er
stch' zur Wirtin, das- cr cin: grötzcrc Reiis vorSabc und «inige Ae,t ao-
nescnd seiu werde. Jn der darausiolgenden Nacht zwischcn 12 und t Uür
hörte dic Snhaberin des KremdenheimS. datz mebrerc Psrsonen die Trevv«
heranslamen. und datz dann im Zimmer Nowacks laut geivr^iien wuide:
sie nahm nach einiger Z:it auch wahr, dasz jemund mieöer die Treppe
binuntcrg-ing. Jn der Annahmc, datz Nswack in der Nacht bereits av-
reisen wollc, ries stc noch hintrrher. erhielt aber keine Antwort. Als
mor-gens ias Zimmer des vermeintüK Mgereisten !n Ordnung gebrach-t
werden sollte. sand die Wirtin das Bett durchwühlt, und als str das
Deckbett znrückschlug, sah st« zu ihrem Entsetzen, datz Nowack angekleidet
leblos dalag. D-r Kovi tvar mit Kisten bedeckt. Schon b-eim Anfheben
des Deckbettes strömten ber Frau D ü n st e eincs Betaubungs-
mittels, vermutüch Cbtvroform. entgcgen. Sre benachricsttig.ir die
Poüzei vnd die Mordkommission. Oberrcgicrnngsrat Hovvr, die Kriminal-
kommiffarc Dr. Rirmann und Dräger mit den Bcamten der Kommissare
und der Erkennungsdienst erschienen bald dara-uf an Ort und Stelle,
um Len Bcfund anszunehmcn. Bcim Abhrben Ler Kiffen füllte stch das
ganze Zimmer mit Len Betüulmni-.-sdünsten, drren Reizwirkungen nch noch
bei allen Anwesciiden bemerkbar machten. Nowack war tot. Die Stuben-
und dcr Hcmsschlüssel, Lic cr benut-t hatte, waren verschwundcn. Ob ctwas
geraub-t worden ist, üeb sich noch nicht feststewrn, scheint aber sicher zu
sein. Die Uhr bcs Totrn ift noch vorhandrn. üie goldenen Ninge batts er
noch an Len Fingern. Datz ein Verbrechen vorlieet, steht autzer Zweifel.

Eine natttr'ichc Warmwasterheizanlage. Die einzige Stadt der Welt,
Lie stch natnrlicher heitzer Quellen zur Hrizung von Wohnnngcn, öff-rnt-
lichen Gebäuden und Fabrtken bedienen kann, ist Voisc-Citn in Lrm
nordamerilanischen Staate Jdaho. Das Waffcr, das eine Temveratur von
77 Grad hat, cntslieht mehreren in dcr Nähe dsS Ortes cntsvringendcn
Quellen, deren beids hanvtsächlichsten täglich 8,78 Millionen Liter licfern.
DaS Waster wird in cin grotzes Becken gevumvt nnd von bort ans dcn
Einzelverhramhcrn zngesührt. Di« stch bab»! cntwickelnde Hitze ist io grotz,
datz cs fast unmögüch ist, biS zn sechs Meter Ticfe zn arab-en, und datz die
Arbcitcr cinanöer alle zrhn Minuten ablösen müfsen.

Znssmmmhruch der ZillkerMauBbsivi'rffchOting.

Von der LanLeszenirale des dadischen Einzelhandels wird uns
steschrleben: Die Zuckerzwanstsbew'.rtschaftung, -die mit Beainn der
Zuckerlampagne 1922/23 von den in Fraqe kommenden behördlichen
Stellen mit so protzen Hofsnun-zen aufs neue ins Le-ben stssetzt
und ron den Ver<rauchcrn mit pleichen Trwartungen bestriisst wurde,
steht ohne allen Zweifel nahe vor dem Zusammenbruch. Und zwar
mird sie scheitern nicht etwa an mangelndrr Or--anisat:on in Ler
Verteilunq oLer an einem Mangel der Ware iiberhaupt, sondern
an Ler Ilnmöplichkeit Ler Verlraucher, die von der volkswlrtsch-aft-
lichcn Abtcilun-t Les Ne'chsministeriums im Benshmen mit den
Fabrilanten festc-esstztcn Preise zu bezahlen. Wosei nicht uner-
wähnt sei, Lass die Znckerfabrikat'.on beispielsweise für Len Januar-
Zuckcr noch wessntlich höhere Preise verlanpt hatte als ihr zuge-
L-illijft wurde, und dass es den massczebenden Stelien ersi mit
prosser Miihe gelunqen ist, die Pre'ise a>rf Las jesst festgefetzte Masz
zurückzuLrücken. Schon sind wrr aber so wsit, dass Ler InlanLs-
zucker im Preis Lem Auslandszucker tross der unerhörten Mark-
entwertuna der lessten Wochen kaum noch nachsieht und unter sol-
chen Umständen wird der praltische Wert Ler ZuckerzwangsLcwirt-
schaftung s-elbstverständlich hinfällig.

Leidtragender an Liesem Zusammenbruch der Zuckerbewirtschaf-
tung ist in erster Linie Ler EinzelhanLel. dessen rvcirnenLe Stimme
bei den seinerzeitigen Verhandlungcn ssitens der massgelenden be-
hördlichen Stesten leider unbcachiet blieb, andererseits isi es aber
auch aufs tiefste zu bedauern, Lass ein so wichtiges -Nahrungs-
mittel, wie es Ler Zucker Larstellt, durch die uferlose Prsissnt-
wicklung Ler iiberwiegenLen Mehrheit der Verbrauchsr nicht mshr
erre'chbar s?in wird. Nun ist angesichts Ler bisherigen Erfahrun-
gen kaum zu Lezweifeln, Lass die Berlraucherschaft, die von Len
Vorgängen hinter Len Knlifsen nicht unterrichtet ist, wiederum Len
EinzelhanLel fiir die bohen Preise und den Zusammenbruch Lcr
Zuckerbewirtschaftung verantwortlich machen wird, La ja dieser
den Konsumenten in lessier Linie gegenüberiritt und den Kassier
für asie vorhergehenden ProLultions- und Handelsstellen zu machen
hat. Demgcgenüber sei in Kllrzs festgsstellt:

Der Einz-elhandel hat mit der jsssigsu Regslung des Zucker-
preises garnichts zu tun. Ihm ist nur die Verteilung des Zuckers
an -Len Verbraucher übertragen, wofür ihm ein-e herzlich gcringe
Verdienstsvanne zugebilligt wurde. Für diese' Verdienstsganne, die
absolut festgelegt ist uno nicht üb-erschriten wer':?« darf, hgt er
nicht nur seineu ganzen Eeschäftsapparat zur Verfiigung zu siellen,
und die Verantwortung ordnungsinüssiger Verteilung zu überneh-
men, sondcrn cr hat auch noch das zweiselfa-te Dergnügen, Lir
bei den heuti-gen Preisen schr erheblichen Betrüge für die Zucker«
lieferungen im ganzen vorzulegen, bis er dieselben schön langsam
bei der Abgabe an die Verbraucher einzeln wleder hereinbekommt-
Denn alle Zuckersabriken und die Erossiflen fast durchwcg ver-
langen Vorausbezahlung un-d kümmern sich nicht im geringsten
Larum. ob die Frist, bis zu welcher der Zucker seitens der V->r-
Lraucherschaft aboenommen sein muss, um 4 oder 6 Wochsn uach
ihrem Zahlungstermin liegt. Nimmt man die Lief-crung des
Dezemberzuckers als Beispiel, so ergibt sich folgendes Bildi Dem
KleinhanLel wurde vorgcschrieb-en, dcn Dezemberzucker bis zum 15.
Dez. abzunehmen: diese Frist wurde -Lann später bis zum 31. Dez.
verlängert. Di-e Zuckerfabriken bestimmten, dass der Handel dsn
Dezembcrzucker Lis 15, Dezember an die Fabriken vorauszah-
len musste. Wer dieser Bestimmung nicht nachkam, dem wurde
der Dczcmberzucker nicht geliefert. Da aber die Frist für die AL-
nahme des Zuckers seitens der Verbraucher beim Kleinhändler
bis 13. Ianuar hinausgeschoben wurde, hatte der Kleinhändlrr
vom 15. Dezembcr bis 13. Januar, also volle vier Wockicn zu war-

Tochtcr, die Hofbäuerin Ann-elcne Henne von cincm Knabrn eutbunden
wurde, eincs Töchterchcns gcnesen ist, als dcffen Vater cin sremder Ernte-
arbeiter bczeichnet ivird. Dann abcr bat die jung« Roswitha das Wort.
d!e uns bi-e Gcschichte ihres Lebrns crzählt. „D i e Geschichtc einer
GlückIiKen". Aus drr schwcren Jntroduktion steigt ein wundersüßeS
Klingcn und Singen, wic cin Menuett von Mozart, wic Geigen und
Flötenstngen, Harien- und Cellostimmen. Sommersonne. Birneniummen.
Hcided-uft iunkeln, tönen und atmen in bem lieblichen Buch. Di« Vcr-
fasterin widmct di'esen Roman ibrer einzigen Tochter. Das ist virllcicht
die beste Empselstuns des Werkes. Das Buch eignet stch vorzüglich zum
Fcstgeschcnk, das der jungen Haustochter genau soviel Freude bietru dürste,
mic der reiscn Frau.

E. Kiüling-Baleuti«, „Die grotze Eiusamkeit". Roman. Verlagj
Dr. E » slcr L C o. A. - G„ Bcrli» 81V. 68.

Der ncu«, ibre früberen Büchcr an Rcife und Tiefc noch über-
tresscnd« Noman vou C. Kitzllug-Balentin, „Dic grotzc Ein-
iamkeit" bebandelt cin Tbema, das jetzt die brcitcn Masscn bes VolkeS
allcr Ständc immer stärker beschästigt und iuteressiert. Ueber dic Nelt«
gioncn der gr.nzen Welt lätzt die Verfasterin mit künstlerischem Schwuna
das schars-e Bützücht ihrcr Bcobachtung gleiten. Besondcrs das gehetmnis»
volle, mvstischc Rcich dcs Buddbismus und Sbintossmus tritt — auf
gründüchcn Studien ausgcbaut — in der bvchsvannestdcn Handlung ber-
vor, die sich zum Teil hinter Klostermaucrn iin besetztcn Gcüict und iir
Japan abipielt. Es ift wobl auch der erstc Roman, der hrntrr bie
Knlisscn der Kinodörfer und in dic Nicscn.-ttclicrs der Filmwcrkstätteir
vor Verlin binausfübrt. Einc ticsgcbcndc Würdignng ersährt die bobe
Kult-ur des alten Javan! Geheimnisvoll ist dte. das.Dascin des Wclt-
rciscndcn Tictrich Kcffclbroik scitsam becinsliiffende Rollc einer schöncir
tvten Japanerin. DieseS Vuch wird soivohl dem scincn und, vcrwöhntei«
Geschmack des Tiesergebildeten als auch dcm Vcrlangcn derienigen Nech»
nung tragen, bie sich aus dcm Alltag des Lcbens in dir begnadcte Vor-
stellungswclt c!ner Dilbterin tragcn I-affcn wollen: rs wird immer ivicdrr
seincr tiesgrünbigen Problcmc, seiner gntcn Svrache und interestante»
Schicksalc wcxcn zur Hand genvmmen wcrden.

Dcutfchc Gcsellschaft für Geivcrbehygien«. Dcr Arbettsausschutz der
Deuttschen Gescllschast sür Gewerl'ebugiene, der mit dcr dlusüellung der
Sabiin«, dcs Arbeitsvlancs und dcr W-abl dcs Vorstandcs bcaustragt ivar,
bat in scincr crsten Sitzung in Berlin sich dicser Ilufgabe cntlcdigt. Der
Arbritsausschutz sctzt stch zusammen ans ie etnem Bcrtrcter bcs Ncichs-
arbestsministcriums, Reichsgesundbeitsamtcs, ll.cichSverstchcrllngsaiiitcS.
dcr dcntschcn Krankenkastcn. des Jnstitutcs sstr Gcwcrbchygiene, jc zwct
Vertretcrn dcs Vcrban-des der Dcutschcn Bcrufsgenvsscnschastcn i-nd des
Vcreins dcntschcr Gewcrbeanssichtsbenmten, ic drci Vcrtrescrn dcr deut-
schen Arbeitgcber- nnd Arbeitnehmerorgantsationcn und sechs von der Mit-
gücdcrvcrsammlung seinerzcit gcwähltcn ärztüchcn Gewrrbcbugicnikcrn.
Als Zicle der Gcsellschast wurücn neben dcr Abhaüuug eincr Jaürcs-
Vütstüedcrvcriammlung dic Nntcrstiitzung wistenschastlicher Arbcitcn ä»f
dem lSebie'.« dcr Gcwcrbebugicnc nnd Bernsscrkrankungen. die Pcranstal-
ti-ng von Vorträgen über Gewcrbebygien« nnd Bcrukserkrallkiingcn. di«
Niiterststtzung dcr g^rvcrbchygicnischeu Lachvresse tu erstcr L:ni« t« d«
Satzun« fcstgclcgt.-
 
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