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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0368
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redsr durchgreifenderen Reform. D?« Sozialdemofraien verlangen
em >o weitgehendes Mitüesiimmungsrech- der Angestellienor.qanisa-
tionen an der Verwaltung der Bundeskahnen, datz schon dadurch
eine Gssundung Ler Verhältnisse als ausgeschlossen erscheinen mutz,
wenn ihrem Verlangen entgegengekommen msrden wnrde. E.ne
Neigung dazu ist allerdings gerade bei den Mehrheitsxarteien nicht
vorhanden. Auf der anderen Seite sind es osfenkundig spekulative
Elemente, die die Uebergabe der Bundesbahnen in den Privat-
betrleb empfehlen. Auch dieser Vorschlag diirste nicht verwirklicht
rosrden können. Dis meifte Ausstcht hat Ler Plan, die hoheits-
vsrwaltung und die Betriecsverwaltung der Vundesbahnen von
einander zu trennen, wadurch man eine Derringerung des Personal-
ftandes des Verkehrsministerinms um ungefähr 2000 Personen zu
erreichen hofft. Es scheint jedoch, dag derzcit auch dieser Plan eine
feste Cestalt noch nicht angenommen hat.

UeLerhaupt, ist noch alles in der Schwebe. Selbst die Vov
avoeiten, dte im wssentl'chen auf^ das Zusammenlegen ein.ger

wesentlschen auf das Zusammenlegen
M>.u .erien abzielen, sind in leiner Ale se noch zu einem sichtbaren
Ends gediehen, und es hat bis heute nicht den Änschein, als ob die
Flickarbeit an Lem zerlrümmerten Staaie wirklich wieder gnt machen
könnte, was durch ,.gerechte" Friedenskestimmungen mutwillig zer-
stört worden ist. Ja, es muß nach Lage der' Dinge iiberhaupt
zweifelhast bleiken, ob man in der Tat von seiten der'Entente h'er
ernstlich helfen will, oder ob — eine Warnnng für
Deutschland — auch das nur eine Komödie ist. Will man

— odsr besser kann man denn überhamt ein Land wieder hoch-
bringen, dem seine indttfl-riellen und wirlfchaftlichen Kraftquellen ein
für allemal genommen sind? Oder sucht man nicht vielmehr durch
d?e Sanierungslomödie nur noch den Teil des Landes den man
bisher nicht rers-chlucken konnte, in ein ALHänglgklcitsverhältnis zu
zrvingen, das von einer tauern^en Schuldlnechtfchaft durch nichts
untersch'eden istt Ontimismus ist hicr nicht am Platze. Talsache blsibt
die Hörigkeit Oesterreichs. Und diese Hörigkeit allein be-
stimmt ssine S'ol'tik ron heute und auch noch von morgen. Das
möge sich Deutschland hinter die Öhren schreiben

— das Deutschland.dasheute mit seiner Ruhrkrise
drcht vor einem gleichen Schicksal steht!

M MüdißZ AeNarKiLonsksmmission.

Paris, 2. März. (Eig. Drahtm.) Die Reparationskom-
mission rerösfentlicht zolgende Note: Am 28. Februar wurden
holländische Delegierte wegen der Kohlsnlieferung aus Deutschlano
nach Holland angehört. Sie Lsriefen sich auf einen Kontrakt, der
mit Zustimmung der Re? arationslommission abgeschlossen worden
war, und der sei't der Einlreisung des Ruhrgebiets nicht mehr durch-
geführt wird. Die Re, arationslommission fatzte in dieser Angelegen-
heit folgenden Beschlutz:

1. Sie ermächtigt Lie Veriretcr Ker Regierungen Frankreichs nnd
Delgiens, ihrsn Regierungen eine Abschrift einss Triefes zuzustellen,
der am 7. Oktober 1920 der Kriegslastenlommission und der ho 'Lndi-
schen Eefandtschaft übsrrsicht worden war (über den Jnhalt dieses
Briefes werden keine Angalen gemacht, doch handelt er allem An-
scheine nach über die Ermächtigung der Re arationslommifsion, datz
Deutschland an Holland Kohle liefern dars).

2. Die Rexarat-'onslommission erklärt. latz allerdings augen-
blicklich die Bestimmungen des Vertrages, der
seinerzeit mit Holland abgeschlofsen wurde, nicht durchge-
führt werden, sie steht aber keine Schwierigkciten darin, datz
die LiefeKmgen an Hollantz weiter fortgesetzt werdcn.

Sodann hatte die Re-arationskommission noch den geschmack-
vollen Einfall, sich mit Ken Kohlenliefernngsverpflichtungen Deutfch-
lands für den Monat März zu beschäftigen. Sie best'mmte, datz
Deutschland im Monat März 1923 an Frankreich e'ne Msnge von
1600 000 Tonnen Kohle zu l'efern babe, also eine Vermehrung der
Kohlenlieferunqsn, weil im Monat Dezember die Kohlenfördervng in
Deutfchland stch au.f 8 300 000 Tonnen belaufen habe. Da aber Ober-
fchlesien von Dentschland abgstrennt wurde, so könne (!) eine Ver-
minderunn der deutschen Vervflichtunoen e>ntreten. die im nanesn
1780 787 Tonnen belragen mützten. Dazu kommen noch 125 000 To.
Koüle, die aus Polnisch-Obsrschlesten stawmen. Endgültiae Befchlüife
will die Re>-arationslommission erst s Lter sassen, sobald deutsche
Vertreter i'iber die Kohlenliefer"imen Dsutschlan^s angehört wer^en
können. (Warum sich di^ ncrehrl'chc Renara^-onslomm'sfion über-
hauvt noch disfe letztere Mühe macht. ist nach ihren bisherio--n Vcr-
fahrungsweifen nicht ersichtlich. Aber sie hält woht auf Form. D. Red.)

und den Kurs der am 11. Fanuar knaugurierien Poliiik and-ern,
Lann müßtcn die Folgen dcs. Vers rcchcns sein: I. eine Garantie
für die rcgelmätzige Zahlung der vom Dcutschen Reich geschuldsten
Summen und 2. eine Earantie für die französisch-bslgischs Sicher-
heit, die durch die deutschen Reranchepläne gefährdct ist. Es ver-
steht sich von selbst, datz man uns nicht zusriedenstsllen kann, wenn
man auf alle Fragen mit Lem Worte „Völkcrbund!" antwortst.
Garantlcn. die die Staaten, die sie unterzeichnet hakcn, ver-
pflichten, wollen w-r habsn. Solanqe die amerikanifche und dis
englische Diplomatie in diesen be-den wichtiaen Fraoen fckwanlen,
ist Frankrcich berechtigt (!), von ihrcn Ratschlägcn keine Notiz
zu nehmen.

Tss hsÄschr Ägsrikum!!> AmerSa.

Das Ccsctz oom Ncpriiscntantenhaus oerabfchiedet.

Ver ZgO hxr Zchrien öMogm.

Die Uebrrnahme der Ruhr- u. Aheinbahnen in avüertc Verwaltung.

Von unserem kl-Korrefpondentetz.

Paris, 2. Wkärz.

Sar-as msldct aus KMerrz, datz die interallüertc Kommission
uuter dcm Borsitz Les ftanzcstscheu Oberkommiflars r»,»

Dje schwjsrige VermNungsfrGe.

Paris. 2. März. Das ,,Echo de Paris" stellt die Frage, unter
welchen Bedinguügen eine englisch-amerikanische Jntervcntion in
den deutfchen Angelegenheiten (gemeint ist die Ruhrpolitik) mög-
lich sei. Nach einer Betrachtnng über die internationale Schul-den-
fraoe hcitzt es: Eine e n g I i s ch - a m e r i ka n i f ch e Inter-
vention ist nicht möglich, folange die Regierung»en
von London und Wafh'ngton, namentlich aber diesenige von
Washington. nicht vollkommen ihre Stellung-
nahme geändert haben, die ste in der internatio-
nalen Schuldenfrage «ingcnommen haben. Aber hier liegt
nicht die einzige Schwierigkeit. Wenn Amerika und England ver-
langen wollten, wir sollten unsere Beute im Ruhrgebiet loslaflen

.... _ - irard die

Ordonnauz unterzeichnet hat, die an Lie StcAs Ler deiüsche« Eisen-
bahuvrrwalLuug cine «Merte ZiorlverwaltUKs fiir Lie ErseuLahrre»
Lcs Lesctztcn EeLietes einrichtei! will. Diesem Schriftsiück geyen
ErWäguugen voraus, dis an dis Haltung dsr dcutschen Rsgierung
erknnern. Namentlich werden ihr SaLotagcalte zur Last gclegt, die
Lre. Srchrrhekt und dr» Ävterchalt der Brsatzs»gsmlAe«» srwke dks
Znteresscn der Bevölkerung in den Lesctzten Gcüictcn in Gcsahr ge-
bracht hütten. Jm ersten Artikel der OrdMnanz wird dsm Obcr-
kvAMKAdierenden Ecncra! der alliierten Armeen dir erforderliche
Pollmacht LVertrage», hivfichtlich der Ekseakahae» zmeSmKtz^e
Borkehrnngen zu treffrn, um den B e d ü r? u i f s e n dsr Ar m e e n
und der Ziviibevölkerung Eenügs zu fchafsen. Artikel 2 iiberträgt
dcr T-crwaltung dcr Eiscnlahne« m den bcfetzterr Gebiete» den tech-
nifchen, kommerziellen und finanziellen BetrrcS dcr Lahn. Die
Lcriung ift befugj, EinLerufungcn an Persorra! vsrzunshmen und
kollektrve oder einzelne Entlaffungen zu veranlafsen, doch könne fie
durch Sondersntscherdunge» gewisse Strecken oder TeiLe diescr
StreSen, die ihr zuriächst unterstcllt find, vorr ihrer Zu-läriLi-ikeit
abgeben. Sie steht zu Len interaMicrten Bchörden und Kom-
misstonen im gleichen BerhSltnis wie Las, in dem bishc« die deutfchen
Dehörden zu ihnen geftanden laben. An der Sprtze der Verwaltung
wird ein französischer Direktor stehen, dem zwci llnter-
direktoren, ein Franzose und ein Belgier, leigegeben find. Der Sitz
der B-rwaltnng wird Koülenz fein. Vorläufig arbeitet fie jedoch
in DLfseldorf. Die Ordonnanz tritt sofort in Kraft.

FLr Licfe Matznahme stimmto Lbrigens »ur der belaischc und
der franziistsche Dertreter in der Rheinla'idkoinmifsio», während fich
der englische Delegisrte der Stimme enthielt. Auf-
faKend ist, Latz glrichzertig die „Dailn Mail" in einem TslsgramM
berichtet, datz dir Einnahmen, die die Zivilverwaltung aus den
dcuüchen Eiscnbahnen ziehen wird, der Reparationskasfe
nicht zuflietzen werden; die crzieltsn Einnahmen sollcn vielmehr
nur der Eisenbahnverwaltung ve bleiben. Man bcab-
sichtigt eine Gesamtentlafsnng aller deutschen Eiseu-
Üahner, soweit dicfe fich nicht in dsn Drenst der neuen Berwal-
tung stellen wollen; gleichzeitig wird in einer Berösfentlichung der
neusn Eisenbahnvcrmaltung bekanntgcgebeN, Latz man „fchon" 6SS
Eifenbahner angeworben habe, aber angestchts der 120 000 dentfchen
Eifenbahner, die für de« Letrieb der EifenLahnen notmendig sind,
kann man sich ein Bild machen, was diefe paar Leute leiften können,
felbst wen» die Zifser »icht noch Lbertrieben ist.

Ueber den Inhalt des nunmehr vom Repräsen.'^^t^«
irabschicdcien Eesetzes über das deutsche

lägt uns Ler Bund der Auslandsdeutschen die
Lcn Lufklürungsn zukommen:


Das Eesetz weicht in einigcn Teilen von der ursprünglich^^mS
!age ab; es stellt ein AmenLement des Abschnitts 9,des

vltsi Itis LiiLva^ Äet (Gesetz über den Handel mit deM ^ge»'
dar, welchcr Abschnitt die Bestlmmungen über das deiMV
tum enthält. ' ^

ALschniLt 9a bestimmt in der jetzigen Faflung, datz
deuischcn Pcrsoncn, die Ansprüche auf beschlagnabmtes
habcn oder Eläubiger von Deulschen sind, deren Eigentuw
nahmt lst, oiese Ansprüche geltenü machen lönnen. Ar>n^> >st- -

Veüe^tung ist das Versähren, wclches h-erfür vorgcschrieben
. - . - / .f. .. - „n Besuww

diesss seincn Grundzügen nach auu; für die übrigen

' erefleltt >

dss nsucn Gesetzes zur Anwcndung gelangt: Der
Recht, bci dein Verwalter fremden Eigentums (-Vlisii
Onslolliari) seine Forderung cinzubr'.ngcn unier Eid in lo>ai lN>r
uiid enthaltend folche Einzelhciten, wie dies der TreulM'' Eige"
schreibt, worauf der Prüsidcnt autorisiert ist, die Freigabe v vc
tuins zu verfügen oder der Zinscn, soweit er dis BcreAtt^M-M
Forderung ancrkcnnt. Wenn cer Präsidsnt e!ne derarttgc c

nicht innerhalb von 60 Tagen nach Einbringung dcs Ani.LZmhre
lätzt, so hat Ler Anlragsteller das Recht, ein gcrichtliches sLer^
einzuleiten, woraus das Gericht die AushänLigung derjen-g
veriugeii soll, deren Besitzestitel es anorlennt.

di-


Abschnitt 9h zcrsällt in elf UnteraLschnitie, vo»
crstcn acht eine Aufzählr.ng derjenigen Eigentümergrlli 'css. l'Ä
denen schon ssit län^erer Zeit das Recht äuf bevorzugis ^ ZZ-. o-M
bezw. die Möglichkeit einer Freigabe des gesamten EigcN"?,HZi-(
Höchstgrenze zugef rochen ist. Die Unterabfchnitte 9 und si" .z
die wesentlichstcn nsiien Bestimmungen und sind daher fitt s-''
essen der deutschen Eigentümer von haup'tsächlichsr BedsUiu-'-"

:cr-

Ein nachOmensweries Veisplel.

Lckpzig, 2. März. Die Ausnahme von Franzosen und Delgiern
in den Leipziger Zotels während der diesjährigen Frühiahrsmeffe
ist durch einen Beschlutz der Leipziger Hotel'er-Vereinigung abge-
lehnt worden. Auch wird es kaum möolich sein, Besucher aus diesen
Ländsrn in Privatquartieren unterzubringen. Wie wir erfahren,
bat das MetzamL für die Miistermessen in Leivzig in Anbetracht der
Verhältnisie nach der Besttzung des Nuhraebiets sofort jede Propa-
ganda in Frankreich un-d Belgien eingestellt.

Die MychLkLr Aeise des Aeichskakzlers.

Berli», 2. März, (Eig. Drahtm.) Wie bereits gemeldet, tritt
Reichskanzler Dr. Cuno am Sonntagabenid seine Reise nach MLn-
chen an. wo er Montagsrüh eintresfen wird. Jm Laufe des Tages
finden Besprechungen Wvischen dem Kanzler und der bayerischsn
Reg'erung statt. Für Montagabend ist ein Empfang im Rathaus
vorgesehcn, wobei der Kanzler eine Red« über die politische Lage
halten wird. Dienstagvormittag trifft der Kanzler zu Beratungen
mit Ler württembergischsn Regierung in Stuttgart ein. Die
RLckreise nach Berlin erfolgt Dienstagnacht.

Sie spcechen allcn dcutschen Piivatpersonen uod Firwra

das Rccht anf Räckerstattnng zu, soweit die in FraS
kommenden Wcrte oder das Einlominen aus dirfcu
Betrag von 10 080 Dollar nicht Lberfteigea;

auch aus den grötzeren Vermögen lann jedoch der Dstrag Ägsie
Dollar sreigegeüen wsrden, fofern die Teiivartert der ^ "

ermöglichen laßt. Als-einz!ge E.nschrünkung ist vorgcsell-Z- e-
fern es sich um Eigentum einsr, Gesellschaft handelt, "^-age^
zelne Gefsllschafter zur Freigabe Lss genannten Be>*
rechtigt ijr. .. . haltZ'

Von den weiteren Bestimmungen seien hier der Klttö geli

lv

nur die solgeni.cn erwähnt: Für Las österreichisthe Eigen"-^ geiÄ,
die gleichen Rechte wie für das deutsche; — die Freigaoe p.-^iE,

ten Eigenrums steht Sirmen zu, die ihren Hauptsitz auser-" . sind-lp
lands hacen oder als auslänsische Geselischaften organilier p.oi.

fern ihre Konlrolle oder mehr als 50 ihres Kapttals ^ ^
deutschen Händen liegen; — in denjenigrn Fällen, >n^ ^tsn^,
ursprünglich berechtigte Person gestorben ist, lann ihr. üstjpsti
folger die Forderung geltend machen; — es soll kcin Eisi'Zj^st
ksine Schuldenforderung eines Staatsangehörigcn einer Ä-Z .p»
aeasLen werden. iiie init den Ni>re:n?nl-n Ktaate« N>au '->ie><

gegeben werden, die mit den Vereinigten
Krieges verbündet war, sosern die betreffende --

ten Falle den Bürgern der Vereinigten Staaten niÄt
'pricht; — aufgelaufene Dividenden, Zinsen c^"
sollen als ein Teil Les Kapitals angesehen

Recht zuspricht; — aufgelaufene Dividenden, Zinsen oder a
kommen sollen als ein Teil des Kapitals angesehen wer« ^ eifl.^
sollen keinerlei Patente oder Warenzeichen in die rstÄZr«

zogen werden, sosern die in Rede stehenden Rechte vcraud pie^j,
oder in ein gerichtliches Dersahren einbezogen sind, av

einigten Staaten Anteil haben. — andernsalls jedock /«n ve „
gabe derartiger Rechte ungeachtet ihres Wertes erfoltz^' stZ',

Freigabeantrag soll in keinem Falle stattgegeben werden, ^Z-jrcm'',
klar ersichtlich ist, katz Las Honorar, welches die Jnteresseno^i

t<

gen, Änwälte oder Ägenten^für die Vertretung^der Äigentüw^. tzek

den amerilanischen Behörden beziehen, 10 ^nicht uberstel9('g od-
Alien Properly Custodian ist beauftragt, Dividenden, D

anderes Einkommen, das in Zukunft auf von ihm verwai
mögensmassen sällig wird, an die Berechtigten auszuzahlen- ^ psts

!!!

... peist Zst

Ueber die sonstigen Bestimmungen des Ecsetzes — ,sT'ssindeln.,<t
sehnlichst zu hosfen ist, datz es noch vor der am 4. März Z. el^d.

Vertagung des Senats auch von oiesem angenommen rotto g

der Bund der Auslandsdeutschen, Äbtlg. Ämerika, Berlin ^^flensi z
stratze 30, kostenlose Auskunft, wie er sich auch allen ^sjigends
ioweit kie die erlorderlitlien Rorkeb-.-unoen nickii k-boN artt .d/,re>" ,

joweit sie die ersorderlichen Vorkehrungen nicht schon.a»^ ^gie-O ^

Weise gstrofsen haben, zur sonstigen Beratung über die ^ntüw,wl
den Matznahmen Lereitwilligst zur Verfügung stellt. Erge je>

die den Bund der Auslandsdeutschen g.(0w

amerikanische Verirauensstelle, die Oonoorä I'inanos Oo"^ ^ g v ^
bereits mit derWahrung ihrerJnteie>>
traut haben, brauchen jedoch vor der H"jj"der "

zu unternehmen, da alles Erforderliche auf Grund
»hne weiteres veranlatzt wiro-

herigen Unterlagen ohi

Zm Wilddad.

Nooelle von Gertrud Lent.

Eovvrisbt bv Ausust Scherl G. m. b. H„ Berli« 1SS1.

IS. Sortlebung. NachSruck verboten.

Da tat ihre Nichte schon im Eehsn eiwas, das ihr so unerwartet
kam von diesem kaum der Kindheit entwachsenen Mädchen, datz sis
vor lauter Wundern ihre Zustimmung gab: Verena wandte sich an
die Hütlinin, so sicher, Lefehlend und krafivoll wie eine verständige
Frau:

„Eeh ste sofort aufs Schlotz, spring sie I Der Herr Chirurgus, dcr
Lei der Ämtmännin ist, möchte fo schnell, als er kann, zum jungcn
Herrn Irenäus aus Bafel kommen — gefchwind Frau, da!" Und
Verena gab der Wirtin ein Goldstück und trieb sie mit einsr Hand-
bewegung zur Eile an. Einen fragenden Blick tat diese auf die
Brennerin.

„Eilt Euch, wir lassen sshr Litten!" fügte sie nun hinzu.

Der junge Hsnny lag in seinem Dett. Die Sommcrnacht drohte
wie ein unhsimliches schwarzes Tor hinter den of-enen Fenstcrn,
Nebel dampften, Jnsekten zttcten, Eulen schr en, Wasser rannen,
Falter taumelten zu der Oellampe heran, die flaikernde Lichter und
Schatten über Wände und Decke, über die Bettcn und das blasse
Antlitz des Kranken hüpfen lietz. Auf einem Stuhl satz der alte
Irenäus, am Fenster lehnte der Arzt. Merkwürdig steif lag dor
Kranke. Beweglich fchienen nur die schweren Augenlider, die sich
manchmal mühjelig hoben über Augen, Lersn Pupillen starr und
grotz aussahen. Schwer beweglich schienen die bläulichen Lippen,
zwischen denen, aus stets gleich geöfsnetem geringen Sxalt des
Mundes undeutliche Worte floflen, nicht anders als ein Eeräusch
wie die Gsräusche der Sommernacht. Aber die Vokale dieser Worte,
mehr leise geheult als gesprochen, lietzen die Aufhorchendcn nur zu
deutlich verstehen, was der Trüumende lallte. Diese Vokale warcn
wie die stehengeblieb"n:n P-eiler e'n r eingsfall nsn Brücke.

Ms die beiden Frauen eintreten wollten, ging Abimelech so-
sort mit leisen Schritten ihnen cntgegen und flüsterte: „Vsrzeiht,
Brau Vrennerin, dies ist kein Ort sür cuch! Noch wenigcr für eure
Nichte — wartet unten, ich berichte euch sväter!" Urrd zu Verena
gewandt, fiigte er hinzu: „Die äutzerste Ruhe ist nötiq!"

Verena blieb aber in Ler Tür stehsn. Feste Entschloflenheit
lietz sie älter erscheinen, als sie war.

' „Was ist das da?" fragte die Brennerin — und wies auf eine
Eerätschaft auf dem Tische. Sie fraqte nur in der Verlegenheit.
da sie nachsann, wie sie von dem Chirurgus reden könnte, ohne
ihren Arzt zu beleidigen.

Jch mutz den Kranken zur Ader laflen und will versuchen. ein
-eilsamcs Mittel in die Blutbahn zu leiten, das ihn beleben soll!"
j »Wir warten drauf," stammelte die fchöne Frau ganz Lefangen.

Verena aber trat Lber die Schwelle, ging zum Tisch, warf einen
prüfenden Vlick über die Gegenständc, die dort angeordnet waren,
und sagte mit gewaltsamer Nuhe:

,.Herr Abimelech, wartet bei meinem Verlobten mit dem Ader-
latz, Lis wir noch den Chirurgus gehört haben, den ich herbat!"

Abimelech fuhr herum, als habe dies junge Mädchen eine
Waffe gegen ihn gezückt. Jrenäus horchte auf. Die beiden Män-
ner tauschten einen sragenden Blick; da aber der alte Irenäus mit
Len Ächseln zuckte und eine mü'de Hand-bewegung gegen Berena
machts, als lüde er sic ein, zu tun, wie sie wolle, hielt sich Abi-
melech in Eewalt, verneigte sich gegen Verena und sagte gelaflen:

„So wollen wir den Chirurgen abwarten, Jungfrau."

Der Kranke begann wieder zn fprechen.

„Wollt ihr nicht lieber im Nebenzimmer warten?" fragte der
Arzt, und als Verena verneinte, setzte er flüsternd hinzu: „Es dürfte
euch nicht angenehm sein zu hören, was Henny spricht, und seinem
Vater peinlick, datz thr dabei seid!"

Verena aber rührte sich nicht vom Fleck, sondern staird wie eine
Schil-d-wache, welcher Abimelech mitztrante, ob ste nur den Kranken
oder auch die Medizin auf dem Tische kewache; fo datz cr es rät-
lich sand, einsiweilcn nichts zu tun, was das Mädchen noch arg-
wöhnischer machen konnte-

Da Henny murmelnd und gleichmätzig fortfuhr zu flüstern und
Verena ihre grotzen angstvollcn Blicke nicht von ihm wandte, erhob
sich der alte Jrenäns und sagte zu ihr: „Er hat diefelbe Arznei
bekommen, die mir so gut getan hat. Hoffentlich kommt der
Lhiri'rgus bald. damit sich der Aderlatz nicht zu lange verzögert."

Verena nickte ihm nur zu und suchte mit den Angen auf dem
Di-sche, ob da nicht das Fläschchen mit der Arznei zu sehen sei. Es
stand aber unter den mancherlei Dingen nur eine winzige grüne
Phiole, die einige wenige Tropfen enthalten konnte.

Eine Luftregung. die sie beim Wenden des Kopfes an ihrer
Wange voriiberstreifcn fi-hlte, lenkte ihren Blick auf die spaltoffeue
Türe zum Nebenzimmer, und es war ihr, als sei ihren Äugen aus
bem Dunkel heraus ein anderes Nugcnlaar begegnet. Sie dachte
an Abigail, da zwangcn sie aker vcrständlichere Worte Hennys,
ihre ganze Aufmerksamkeit ihm wieder zuzuwenden.

„Hast du nnn genua, Datcr?" fragte er, als hiitte er diesem
schon vicles erzählt. „Noch n'cht: Ich will cs noch mal sagcn!"
Und er kegann aufs neue zu murmeln: „Heitze Sommernacht!
Nicht die Blitze reinigen die Luft von der Schwüle, nicht der
Regen kühlt sie ab. dcr drautzen auf die Blätter fällt — ,Jst euch
nicht zu heig im Dampf, Hsrr Hsnny?' fragt die Nonne — .Wird
cuch nicht eng um Hals und Herz — O wie schwül, fühlt doch, wie
ich so warm bin!' — .Nonne,' sag ich — ,latz mich!' Da ist ste
wieder! Ein Vlitz scheint auf sie, ganz nahe beugt sie sich zu mir —
ja. sic ist warm, lshnt sich an mick. ,Mir ist so angst norm Wetter,'
slüstert ste. ,Nonne,' saq ich, ,latz mich!' Da schleicht ste wieder
heran. Marum sagt ihr mir noch Nonne?' schmeichelt ste; ,ge-

fällt euch rneine Name nicht?' — .ALigail/ antroortete ^ jKe
sollte ein Name sein sür die grotzen stinkenden Blüten, Z".
sekten freffen' — ste geht nicht, nein, Vater, ste blei-bt-
mir von den Jndiern iind den Vlumen!' Littet sie und ' Mgt
Arm um meine Schultern. Sie fatzt in mein Haar, "Ei^beN-'
an mich, da sage ich: .Nonne, wo ist dein Kleid orbtte ^ "
,Es lst mir so heiß,' aniwortct ste ,kühl stnd nur meine ^

meine Brust, wie der Brunnen drauhen so kühl" ^-^„ai- -
Der alte Irenäus drehte sich auf seinem Stuhle «eru ^
ist unerträglich!" stöhnte er- ^

Da.trat der Chirurgus nicht eben leise, aber doch
und suchte in einem raschen Umblick die Person zu erie»
er zuerst kegrützen sollte. und vermutete sie in der Dren»e g,!

kannte ihn von einer Kartenpartie uud erwiderte seflr gew5j
seine Reverenz, wollte auch eine Erklärung der SaaM-z

kam ober nur bis rn d<>m ?lii,m-»ik-> dak 5>nnde»'--- IIZ,

kam aber nur bis zu dem Hinweiss, datz der alte
Vater des Kranken und selbst ein Patient des Vasler Ari picl
melech wäre. denn chs sie noch flüsternd ausgcredet, »r
mit grotzer Würde herzu und sagte: . ern"

„Herr Lhirurgus, wir erbitten ihren Rat in cinew ^
Falle. bevor ich weitere Matznah-men veranlafle" — „,gjnie^^
Der Lhirurgus antwortete sogleich: „Grlltz Gott, Aw

di-

wandte sich dann zy den anderen und kat: , s er "'

„Wollet vielleicht uns nunmehr verlaflen!" damit ^ „

Tür in die zweite Kammer a>if, so datz Abigail sichtbar wu^ pa

„Ah — eine Zllrqgler Frau — nur hereinspaziert-
nicht die sogenannte Abigail?" . »w

Auf cttien Augenwink Abimelechs trat sie an den anv»
bei zum Vorschein. ħ .

„Zünd Sie den Leuchter an!" bsfahl der Chirura.^ eb'

gajl näherte Kerze auf Äerze der Osllampe. Hs alle si

zündet waren- ' " " ' ' ^ E

„Das Fenstcr zu!" kommandierte er weiter. während c»

ein Augenglas abwechsslnd die Nonne und den Kranlen beira^yel-

. __ ____„_—_ . ,

Er behandelte den anwesenden Arzt nicht an^crs als eine» " a>(
den er zufällig angetroffcn. indem er ihn vorerst nicht.w---^
redete. Als Äbimelech tznrch eincn Fingerzeig die Hantierea^ hje>:
anlaflen wollte, die Geräte vom Tische Leiseite zu rämn'-"'tzje>c'
der Ehirurnus seine breite fleischige Hand darüber „Das
alles hier stehen!" > >» ^

Abimelech nöherte stch seitlich dem orotzen

._. _ wohksiekir ha'

Manne, ker jetzt nabe am Bctte ohne das Äugenglas dcn
osfcnen Augen re-ttos siarrenden Hennn bcokachtete.

ofscnen raugen reaios siarrenden Hennn bco> achtete. ' abott
nach Art vieler Kleinen unter den Aerzten mit gelchrten —

„iÄ


eine ausholende Veschreibung des Falles.

„Später, bitte, sväter!" unterbrach ihn der Ehirurg,
erst sehen, kann vielleicht noch hören." .

„Viehbader," sagtc Abigail, aber ste zitterte w>e DljZ.t.)

(Fortsetzung

la?
 
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