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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0430
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schen und pärkeixolitischen Jnisreffen in den H'niergrund stellsn und
die Masse davon überzeugen mützten, dätz und weshalb solche Opser
notwendig stnd.

Man wird die Arbeiter um so leichter von den gegebenen
Notwendigkeiten überzeugen rönnen, wenn, wie gesagt, mit voller
Schärfs allen wucher^chen und preistreiberischen Ausbeutungs-
versuchen entgegengetreten wird, wenn stch das Schiebertum weni-
ger breitmachen kann, kurz, wenn endlich energisch etwas geschiehl,
um den üblen Begleiterschsinungen der heutigen Zeit, dis gerade auf
den Arbeiter aufreizend wirken müsson, k.räftig zuleibe zu gehen.
Und wenn — auch das mutz in diesem Zusammenhang gesagt werden
— die Bewegung des Lohnabbaus sich nicht auf die Ar-
beiter beschränkt, sondern zu eiuer allgemeinennationalen
Pflicht für feden Stand erhoben wird. Preisabb-ru,
wirtschaftliche Gesundung und politische Wider-
standsfähigkeit nach autzen, sind heute ein Begriff, eine un-
trennbare Einheitlichkeit. Das muh mehr als bisher anerkannt
werden. Bon der Regierung, wie von der Oefsentlichkeit.

vr. x. k.

Me Rechtswidrigkeit der „Sanklivneu'.

Eine deutschc Erklärung zu dem französischen Verleumdungsfeldziig.

Berlin, 11. März.

Von unterrichteter Seite wird uns geschrieüen:

Havas verössentlicht nunmehr die vor einigen Tagen angekün-
digte Zirkularnote Ler frvnwsijchen Regierung, in der dieje die
deutsche Denkschrift vom 18. Februar über die Rechts - und Ver -
tragswidrigkeit der franzäsisch-belgischen Matz-
nahmen zu wideclegen sucht. Wir bemerktsn schon zu der ersten An-
kündigung der sranzösischen Verteidigung, datz Deutschland nichts
willkommener sein kann, als sich mit Frankreich über die Ruhraktion
vom Rechtsstandpunkt aus auseinandcrzusetzsn. Datz die französtsche
Regierung uns diese Auseinandersetzung so 'leicht machen würde, wie
iie es mit ihrer jetzt vorliegenden Äniwort tut, erwarteten wir aller-
oings nicht. Die Antwort ist in ihrer rechtlichen Beweis-
führung so fadenscheinig und Lleibt in ihrer tatsächlichen
Behauptung ?o wenig mit derWahrheit im Einklang, datz
man sie nur als Versuch einer groben Jrreführung dcr öffent-
lichen Meinung bezeichnen kann.

1. Nach der französischen Zirkularnote foll die Note der Repa-
rationskommistion vom 21. März 1922, die sür den Fall von Srück-
ständen bei den deutschen Naturallieferungen ausdrüülicki die Zahlung
einer Ersatzsumme in bar vorsah, durch den deutschsn Antrag aus Ge-
wäl>rung eines Moratoriums ihre Vedeutung verloren habcn. Das
ist schon desyalb nicht richtig, weil die Reparationskommission iiber
den Antrag im Lause des Iahres 1922 gar nicht entschieden hai.
So lange eine solche Entscheidung nicht vorlag, blieb die Note der
Reparationskommission die Rechtsgrundlage für die deutschen'Ver-
pflichtungen. Tatsächlich setzte auch Deutschland seine Leistungen
gemätz dSr Note bis zum Schlutz des Jahres 1922 und sogar noch
darüber hinaus sort. Die gegenteilige Behauptung Ler französischen
Zirkularnote ist völlig aus der Luft gegriffen. Datz die
Note vom 21. Marz bis zum Schlutz des Jahres 1922 in Kraft blieb,
ergibt sich übrigens auch daraus, datz die Reparationskommistion
selbst, als sie den Beschlutz vom 26. Dezember Lber die Nückstände
bei den Holzlieserungen an die alliierten Regierungen mitteilte,
diess zugleich auf den Weg dsr Einsordernng dsr'' vorgesehenen
Ersatzzahlung in bar hingewiesen hat, HLtten die alliierten
Regierungen, wie es allein der Rechislage entsprach, diesen
Vorschlag üefolgt, so wäre Deutschland durchaus in der
Lage und bereit gewesen, den Wert der Rückständs, der sich sür
Holz und Kohle auf etwa 24 Millionen Golomark beläuft, in
bar zu bezahlen.

2. Die französische Regierung will ihre Befugniffe zu terri-
torsalen „Sanktionen" aus dem Paragraphsn 18 mit der Be-
gründung herleiten, datz die Befetzung des Ruhrgebietes von den
alliierten Regierungen schon in zwei früheren Fällen, nämlich im
Protokoll yonSpa über die Kohlenlieferungen vom 16. Juli
1920 und im Londoner llltimatum vom 5. Mai 1921 vor-
gesehen worden fei, ohne datz Deutschland dägegen protestiert habe.

Jn dem Protokoll von Spa ist die Besetzung des Nuhr eb ets
allerdings angedroht worden.

Diese Androhung beweist nicht, datz die Besetzung rechtmShig
gewessn wäre. Bor allem verschweigt aber die sranzöffsche Rrgic-
rsng, dah die dentsche Delegatioir das Protokoll vom 18. Zuli 18LS
»ur unter ausdrüalichem Vorüehalt desjenigen Artikels untrrzeich-
«et hat. worin von dem Plan der Bcsetzung des Nuhrgebiets die
Rede war. Die deutsche Delegation hat auch durch ihre sonstiger:
Erkläruuoen avf der Kouserenz unzwcideutig zum SlusdrnS gcbracht,
dah die Besetzung weiteren deutschen Eebicts nach der.i Vertrag von
Versailles unzulässtg sei. Aehnlich liegt die Sache bei dem Londoner
Mtimatum vom ö. Mai 1921.

Jn diesem kündigten die alliierten Regierungen die Besetz-




Der schwingende Klang.

Eine Straßburger Novelle von Erica Erupe-Lörcher (Hambuig).
r, lNachdruck «erbote«.)

A Wir besinnen mit drr Veröffenttichi-lrs der Stratzburger Er-
H »Sblung: „Der ichwingcnde Klang" von Erica Gruve-
L LSrcher. Der Nauie 'der Derfasserin ist der breiteren Oesfent-
ls, lichkeit dnrch itzre Els.:hbücher bekannt. — An bem Schicksal der
Hauvtverion in unser:r tzeutigrn Nvvelle, einer inngen Elsässerin,
,' wird geschildert, wie dasZngebSrtokeitsgesühl znr
dentschen Aultnrgomeinschast, Leutschcr Srrache, deut-
schem Wissen uird deutscher Kvnst, als schwingender Kl-ng dvL
tissere Wurzel in vislen Ktndern des Elsatz g-rfchlagen hat, als es
ansangs bei Lem Taumel Ler Einzvgstage der französischen Truvvcn
bes November 1918 den Anschein baüen mochte. — Die Vsrfafserin
hat sast »wei Jahrzebnte im Elsatz gelebt und schildert somit die
eigenartige» nnd seelisch komvlizierten Stimmungen und Verhält-
nisse mit Len Konflikten, «ie eben e!n hertz umstrittenss Grenzland
sie bringt, aus aenaucr versönlicher Kenntnis und Anschannng.

Den Gednmen an das Elsah wach zu erhalien ist um so mehr
uusere heilige Pslicht. als Lort «eit einiger Ieit ein erbitierter Kamvs
der elsässischen Bevölkerung um bie Erhaltun-z der deutschen Sorache
ln Kirche und Schulc xegennber den bkutalen Romanisierungs-
bestrebungen, nm üie Erhaltnng Ler deutschen Knltnrgemeinschast
: überhauvt, aüsgefochten wird.

-Enfin, und ich leid's nHt, datz du, ihn heiratesti"

Es klang wie Ler Schlutzakkord e n-r langwährend n Debatä.
Nicht nur in seinem Tone, sondern auch in se ner Haltung lezeu-te
Monsieur Charles Dsnger, datz er ein Ende der Diskustion wünsche,
mrd schob das neue Extrablatt zur Seite.

Lsonie schwieg. Langsam faltete sie einen Br'ef, an dem sie
eLen dem Vater gegenübersitzend geschrieben, z- samn en i nd shob
ihn unüeendet in ihre Lriesmappe. S,e war bei ihrem Vater e nen
brutalen, herrischcn Ton n'cht eiventl'ch eewohnt. Er b s"tz da-
Temperament des Durchschnittseliässers. Seine Le"ensdevise war
bishsr gewesen: „Ich treib kein Poliiik! Meine Politik isch Eel"-
vsrdiene!" — Aber wenn der Pa' a jetzt so heftig, so best'mmt, so
unerschütterlich in etner Sache war, dann mußte sie tief sitzen. Ünd
im Grunde hing diese unerschütterliche Bestimm'he't und srine Hari-
näckigkeit ihrem Wunsche gegenüker doch mit se'ner Lebsnsdevise zu-
sammen. Denn seine einzige Tochter Lsonie woäte einen de tshen
Areier ins Haus brinven. Alles Ü'eutsche aber stand
zetzt hier tief im Kurs! Alles Franzöj.sche dagezen wurde
Trumpf!

Es war aussichtslos für ihn, knnftia mit diesem ausg hungertsn,
verarmten, zusammenbrechenden Deutschland m t se'nem Kolonial-
geschäfte Enoros gute Eefchäfte zu ma^en. Alles, aber auch alles
hier im Elsatz starrte wie fasziniert nach Frankrnch hinüler und er-
wartete. non. drüben sein Heil. llnd so f.iel es ihm oar nicht sin.

ung des Nuhrgebieis fsir ben Fall an, datz Deutfch -
land die Bedingungen des Ultimatums nicht bis zum
12. Mai annehme. Belannilich hat Dsutsch and tas Ulii-
matum vor diesem Termin angenommen, solatz die Andrch ng Ler
Eebietsbesctzung überhaupt gegenstandslos wurde. Die Behaup-
tung, datz Deutschland die Androhung der Gsbietsbcsetzung ruhrg
hingenommen habe, ist um so brfremdlicher, als die deutsche Dele-
gation auf der unmittelbar vorhergegangcnen Lon^oner Konferenz
gegen die damals beschlossene Besstzung der rechtsrhe nischen Städte
den schärfsten Proiest erhoben und dies n Protest nach der Durch-
führung der Besetzung in einer an den Völlerbund gerichteten Note
wiederholt hatte.

3. Die franzästsche Regierung will das deutschs Argumsnt, daß die

RLckstände bsi deu Holz- und Kohlenlieferungen

in keinerlei Vsrhältnis zu dcn französisch-bslg schen San'tion n
stehen, mit der Behauptung entkräften, datz Deutschland den Ver-
trag von Versailles von seinem Jnkraftireten an nicht vorschrifts-
mätzig erfüllt habe. Diese Behauptung gsht schon deshalb fshl,
weil die französische und die belgischs Regierung ihren Enjschlutz
zum Einbruch in das Ruhrgebiet nach ihrer amtl chen Notifikation
an die deutsche Regierung vom 10. Januar 1923 nicht auf das
allgemeine Verhalten Deutschlands in dsr Erfüllung des Fr'edens-
vertrages, sondcrn ausschlietzlich av.f die bsiden Beschlüffe d:r
Reparationsrommission über die Rückstände bei den Hoiz- und
Kohlenlieferungen gLstützt haben. Tatsächlich war für sie auch eine
andere Möglichkeit, sich des Z 18 zu bedienen, nicht gegeben.

lleberdies sind> aoe: die von der französischen
Regierung zum Nachweis der mangelhasten Verirag erullung
angegebenen Zahlen völligirreführend. Llutzerdcm
mutz aber auch erneut betont werden, datz auch diese geringsüg'gen
RückstänLe nur deshalb eingetreten sind, weil di-e alliierten Avnahme-
kommissare die von Deupschland angelieferten Kohlenmengsn auf
Grund unberechtigter Qualitätsfovderungen zurückgewiesen haben.

Ebenso unrichtig sind die

Angaben Lber den Eesamtrvert der deutschen Reparationsleistungen

sür die Zeit vor und nach dem 1. Mai 1921. Was die nach der
Zirkularnote angeblich nur teilweise gezahlte Rate von
20 Milliarden EolLmark betrisst, so, ist die Meinungsverschieden-
heit die hierüber zwischen Deuischländ und den Alliierten bestand,
our'i das Londoner Ültimatum erledigt worden. Die weiter
angegebene Zahl von 4,4 Milliarden. Goldmark, die Deutschlaud
angeblich in der Zeit vom 1. Mai, 1921 Lis 31. Dezember 1922 be-
zahlen mutzte, entspricht allerdings dem Zahlungsplan des Londöncr
llltimatums. Für das Iahr 1921 hat Deutschlanü auch die Zahlungen
des llltimatums geleistet. Für das Jahr 1922 ist der Londoner
Zählungsplan Lelanntlich durch dis bsreits er-wähnte Note der
Reparationskommission vom 21. März 1922 rückwirkend vom 1. ^an.
1922 an autzer Krast ges-etzt worden. Die in dieser Note' sest-
gesetzten Zahlungen hat Deutschland gleichsalls, und zwar verein-
barungszemätz durch Barzahlungen und durch Hingabe von Wechscln,
geleistet. Am gegenüber der französischen Darstellüng ein richtiges
Bild von den deutschen Gesamtleistungen an die Alliierten zu geben,
braucht nur auf den in Len letzten Wochen mit den Einzelheitcn dcr
Berechnung wiederholt veröffentlichten Betrag hingewiesen zn wer-
Len, der den tatsächlichen Wert der Leistungen darstellst nämlich aus
den Betrag von 46 Milliarden Goldmark.

4. Zur Begründung ihrer Befugnisse, ohne Zustimmung der
anderen Leteiligten Alliierten gegen Deutschland vorzugeh.'N, will
sich Lie sranzösisch-e Regierung auf Len Beschlutz der Lritischen Regie-
rung vom OktoLer'1920 berufen, wodurch diese darauf verzichtet hat,
deutsches Privateigentum in England auf Grund des ß 18 zu be-
schlagnahmen. Die Zirkularnote zitie'rt eine Aeutzerung des früheren
deutschen Schatzkanzlers - über diesen Verzicht und meint, datz es
Lamals für Deutschlanb an der Zert gewesen sei, gegen das ein-
seitigs Vorgehen einer einzelnen alliierten Macht zu proteftieren.
Diese Argumentation Ler franzöflschen Negierung verdient kaum eine
andere Bezeichnung als die eines schlechten Scherzes. Die britischs
Regierung hat den in Redc stehenden Verzicht aus eigenec Initiative
und ohne Benehmen mit der deutschen Negierung auszesprochen.

5. Die Kritik, 'welche bie deutfche' Denkschrrft an den während
der Okkuxation getroffenen

Matznahmen der franzöfischen «nd belgische» Befehlshaber

übt, wird in Ler Zirkularnote mit allgemeinen Behauptungen be-
antwortet, die nirg-ends den Kern der Sache tresten. Den Dar-
legungen selbst will die Zirkularn0te mit dem feltsamen Einwand
begegnen, datz cas Verhalten Ler Okkupationsarmee eine Folge der
deutschen Kriegsführuiig in Frankreich sei. Der Einwand ist um jo
unlogischer, ais ihm unmittelbar der Satz folgt, Frankreich habe
ständig dis Haager Landkriegsordnnng beachtet. Wie es mit der
Beachtung der Landkriegsordnung auf seiten Frankreichs stsht, -rgibt
sich daraus, datz stch Lie Zirkularnote für die Rechtsmätzig-
keit der Kohlenrequisitionen und der Abschnürung der
hesptzten Eebie.te vom übrrgen Deutschland ledigljch auf den
passiven Widerstand Deutschlands berufen lann.
Sie versteigt sich dabei zu Ler Behauptung, Latz Lieser pajsive
DZrderstand ein Bruch Les Vertrages von Ver-

eine Tochter jetzt einem Deutschsii zu gsben, wo alles Deutsche jetzt
eine verlorene Läche war, Lsts im Vabanqüe-Spiel des Krieges vsr-
loren hatte!

Er erwartete jetzt, wie so oft in den letzten Tagen, von setten
jeincr Tochter eine leidenschaftliche Opposition. Immer wie er haits
sie ihn zu üoerzeugen gesucht, datz sich HerzensLündnisse jens.'lts > on
Politik sinden und schlietzen lassen miissen. Aber v'elleicht war jctzi
Loch Lie Raison in jhr zum Recht gelommsn, weil sie nin auf ssinen
kategorischen Jmperativ hin schwieg, und n :r len Ko f mit einer
schweren Bewegunz auf oie Hände legte, die sie vor fch auf der
Tischplatte gelreuzt.

Schnelle, hasttge SHritte sprangsn drautzen die Stieg. .ss älicn
Hauses herauz, und stürmten zur Tüv herein. Monsieu: Dengcr
wandte sich besremdet dem-Eintretenden zu, Se'n Sohn Xavier war
doch sonst kein Himmslsstürmer, sondern bedächiig und von gemüt-
lichsr Eelassenheit. Was aab's?

„Babbe! Lsonie! Jch hab e Nooelle für Euch! D'.nkt. ich Lin
zum comits-de-röception aufgeford:rt! Pensez donc! Ia, jetzt komme
endlich die Zitte (Zeiten), in denen wir Elsässer zur Geltung
komme!"-

Er schlenderte seinen' etwas schäbigen 'F'lzhut aus einen Stuhl,
schob die Hände in die Hosentaschcn, und g ng tn knapp v.rha 'en r
sreudiger Erregung auf^und ab. „Eebt acht! Wenn jetzi mi! den

sen ein neucs Regiment kommt, lrieg ich a ch n ch eineu
Posten. Da Irauch ich nicht mehr dcn T u al iernen a:f der

jmonen

Malre (Burgermeisteramt) zu s:iels! Jetzt kcmme wir Els si er in
Allem vorne dran und bra.:ch: n'cht mehr zu ne.,me, wa; uns b's-
her die Preutze, diese verjluchte steife Krrle, vorent rlte labe." —

Das junge Mädchen reckte jetzt plötzlicb Len Ko f mit cincr
empörten Bewegung in den Nack n zurück: „Jä, schimpf istzt nur auf
die Prsutzen! Vorher warst du im.mer derjen ge, der zu den Frernden
gesagt hat: „Haltets Maul! Wir wissen noch nich :, wie der Kr eg
ausgeht. Wir Lür'en es n'cht mit den Prentzen verderben!" —
Aber zetzt — lann man nach Herzrnslnst auf a« s >i -n ciiimpf n,
weil man nicht mehr riskmri, latz es einem sSad n kcn"ts! Weil
die Deutschen den Kr'eg verlorsn haben. habt ihr Euer franzöfisches
Herz entdeckt. Nicht wahr, Babbe, ist's n chr so?" .

Aber der verstand ihre hcrbe Amap ung n cht, son ern erw'd-rte
in aller Eelaffenhe't und UeberzruLUNg: „Na rerlich, ma ch're!
Wir als Elsäster im Grenzland — wir g:höre immer zum —
Siegen" —

Vaterländische lleberzeugung war zur Zweckmötzigk'itsfrage er-
hoben. —

Dem Bruder, der jetzt Lc'anie schärfer ins A»ae ^atzte, iiel -hri
Blässe auf. Er hing sehr an ihr, mit der dem Elsässtr eig n.'n, stark
entwickelten Familiengefühl, obgle'ch sich ls de Gelchwister iu dcn
letzten Jahren immer mehr auseinander enlwickelt hatten.

,-Hast dir wieder chagrin gemacht. wegen dem deut'chm Pro-
fesfeur? Latz ih» doch geh«, Läonie! Schlag dir de« au« k«m Sinn.

sailles fei. Danach ware alfo Deutschland auf Krund ^^ ^7
verpflichtet, nicht nur Gebietsbesetzungen Lelieoigen Umäna^ ^
militärische Eeaenwirkung über sich ergehen zu lanen,,,! <
die von dem Okkupanten auf deutschem Gebiet fur gur
Eingriffe in das deutsche Wirtschaftsleben mit cä'

unterstützen. Eine derartige These Ledarf keiner Wikerl g
Noch willkürlicher ist die Begründung. welche d:°
note für die sonstigen Anordnungen der
belgischen MilitärLesehlshaber im Einbruchsgebiet uiw sur „ s- .,
Ordonnanzen der Rhcinlandkommission gibt. Die Ordonna »
regelrecht nach dem Rheinlandabkommen erlasten und «e'
regelrecht auf das Einbruchsgebiet ausgedehnt worden. -cv

die Ausdehnung der Ordonnanzen au? das Einbruchsge ^ ^

Letrifft. so wird nicht 'gesagt, woiauf sie sich stützt. P>E

...

dä ki °

diefer Hinsicht nur auf die vor wenigen Tagen im
ment abgegebene Er k l ä r u n g , e i n e s , br i t r! w r r: ^ tz »

verweisen, der festgestellt yar, ,^

rungsvertrelers zu verwei,en, der festgesieul pu., .jn o-
Rhe'inlandkommission Ordonnanzen nur i
altbesetzte rheinische Gebiet erlassen da l- Am
Hinsichtlich der in der deutschen Denkschrift an ien>
behandelten

Besetzung der badischen Städtc Osfenburg und Appea'-U- ^^

boschränkt sich die Zirkularnote auf die einfache ^lsderpolll^ ^
früheren Behauptung der sranzösischen Regierung, dcrtz dieje
die Sanktion für die Einstellung von zwei internatiou ^
verbindungen und für andere, nicht näher Lezeichnet« deu
tragsverletzungen" sei. ^s, ^

Als Gesamtergebnis können wir hiernach seststellen. ^, § >
Ausführungen der franzöfischen Zirkularn^^
allen Punkten unhaltbar sind. Sie kcnnen oie^

Argumente nicht erschüttern, tragen vielmehr durch ")
slächlichkeit, Unrichtigkeit nnd Unwahrha'
lediglich dazu üei, deu französifchen Rechtsbruch blotzzustcll


AusNchmezusiand Wer KobleuZ.

rz, 12. März. Jn der Nacht vom Samstag
wurde auf die sönderbündlerische Gutenverg ^ pä§
rei zum dritten Male ein Ueberfall ausgeführtzr—^
und Setzmaschinen wurden diesmal vollstandig zerstorl.
lagsdirektor Mull hatte, als die Täier das Gebäude -e-^
lasscn wollten. einen Schutz aügegeben, worauf sofort die ^ pi»st!-S
Ort und Stelle erschien und einen der Täier festnahm. H-u
wurde infolge der Zerstörung der Maschinen des Eute"e--
von den französtschcn Besatzungsbehörcen über die «>-alf
der Ausnahmez u'st and verhängt. Die Bevölkeruuö. -„z

10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens die S.ratzen nicht
den Aerzten und Hsbammen ist der Aufenthalt auf oe
während dieser Zeit gestattet.

Neue Ausweifungen.


Wicsbaden, 12. März. (Eigene Drahim.) Nachdem E
bruar. Ler Oberpostdirektor Frosch vom Telegrcv h-nM'" E
baden durch das Kriegsgericht Wiesbaden zu drei Aione> . P .-rz
nis verurteilt und sein Vertreter, der Telegraphendirer^
meyer, am 24. Februar ausgewiesen worden ist, 'st ' sst

abends auch dcr zuletzt mit der Leitung des AmtZ be.r E,F>k
yraphendirektor Dorn »erhaftet -wordrn. Bls Grund o-
tung wie auch der bcreits gemeldeten Vesetzung des EjiqlU'
amts in Wiesbaden wird die N chibesörderung e.nes -u
nach dem Einbruchsgeüiet angegeben.

Erneute Verkehrssperre in Ludwigshas^

Ludwkgshafen a. R„ 12. März. Ueber Lwdwigshaf-"^ a
erneut Lie Verkehrssperre verhän-ll wovLen. Jeglicher , ! b>-Ztl«
v e rk ehr ist zwischen 9 Uhr äbeäds und 6 Uhr morge'-t^ Ä-
18. März untersagt wovden. AusNahmen wurden >
Hebammen, EeiWche usw. zugeLrlligt.

PMWeTagMa«.

Eiue kommunistische Konfereuz in Frankfurt a. M.

Das Aktionskomitee der Kommunistischen Partei ä'-g
und Frankreichs fordert alle Arbeiterorganisationen "">'-fult <^i^
17. März beginnenden internationalen Konferenz in F-AP
Delegierte zu entsen-Len. Anf Lcr Tagesordnung stey-u^E<^
Punkte: 1. Die Lage in Frankreich. 2. Die Lage >" Ec -
3. Der franiösiscke R-anbzug an Ler Rnhr und die
gefahr 4. Der Kampf gegen die internaiionale fasziltlsly- ' ^

c>^.<

dort^ tzoEi.

Blutige Zusämmeustötze in JngolftaLt.

Nach einer Mcldung äus Jngolstadt ist .

Zusammcnstotz zwischen. Nationalsozi a I isten
listen gekommen. Mehrere Personen wurden durch

o'"

Dpr kommt jetzt bald von hier fort. Ja, guck nuri „
Franzose täte, wenn' fie jetzt hier ins Land tomme, " ...

Professore am Gymnase dnloe?"

Ene Pause solgte. Das junge MLLchm erhob^stch

jhörlichem Drängen , ,, ,,

Der Bruder fsihlie ihren erschäffenden W d r'<u, E
haft du den Dr. Nieth zuletzt gesehen?" — Lsonie »a? Ec»
ihm seit mehr als einer Woche wegen ihrer Vorgän'ä 'g- r.
Hause im beginnen.dsn schlechten Eew ffen aus dem A.e.
war. — „Na also!" Guck, in diescn 10 Tagen hat W
viel peändert! Wir stehe jetzt in Stratzüurg von Stinme - po
vor Neuigkeite und Veränl erunge. Weitzt dn iiberha-^'nicu
MoNsiucr le Prosesteur noch so viel an dir liegt, wie du u
denkst?" ^ ,, Fs

Da fuhr sie herum und starrte dem Bruder ins utz^kl'

gulmütige, nicht eben bs' en'tende ZLge, mit dunkren ÄU'- S
immer noch in kleinen herabhäng:nden Endcn ge ra ^

Lart, im Gegensatz zu ! r jetzt bei den . Preutzen" beu- hiE H
„Weitzt dn nicht, oi> er jetzt nicht auch von Stratzöuv ^
zieht, wie so unzählige Deuische, we'l sie stch's scho» . EF'
datz es ihne unier dem fran ösische R-g me nichr «.-nste
Vielleicht denkt jetzt der Profesteur gar nicht mehr d ^

sich eine Elsäsierin als Frau zu nehme. a's Frau nor'., d»

er nach Deutschlcmd rüberzieht! U-kerhaupt hat .

Sorae iür ieine Mutjci- mit nus dscn V.:ckel> Aüez, o

-c<

Gebietendes. Er 'fühlte, er tzatte ihr weh qeän- sah^L»^

doch bessere Partie mache!" <^te

„Red doch nicht in solchem Ton, Xaver!" Zhr stg in Äi^
ietendes. Er fühlte, er tzatte ihr weh ge an. - ""

schlanken S'äitlichkeit überrag.e, trat er an sis heran ..
qcnd zu ihr auf: „Sag. Läonie, warum hast -u ^

so gern?" . ^

Sie seiiszte und lietz estren Bl'ck L'''er Vat"r

. no neg e nen Bi-cr u"er Aai"r

das aanz: immcr gleiten. In d'esem Augenblicke rioy --au'
sie alles, was sie zn Helmut Rieth zog, in wen'ge B-orie g . ^ s,e
„Er hat m'ch aus Lem Alltag Lerausgehobcn!"

Und da die Ihren sie überrascht, vsrständn'slos an.ay . - mi>r

. »E

lamen, wenn er spielte!" die - -m'i'

Beide Mämmr schwiegen. Ia, hier im Hause war
in irgende'ner Meise qepflegt worden! D:r Va'er , ' xia
gu>en Tisch. Eine sck'öne kn-'lperige Eänsele'er a,re. -ud >>
duftender Eockel, ein saftiges Rostbcas m't > a Ei:

geolets, imd als Nachspeise einen saint hknirs a s a->S "Ȋ

und als Krönung lazu ein Tropfen wimdrr"oll'pr,'A-ila-' -
eigen'n, weinfrohen E satzlande — dac- war ihm iolö" >

von Beethoven und Cellospiel, — iFortsetzuuü
 
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