Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

DOI chapter: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0547

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Dle Sieiiem nach dem Geldentmeriungsgesetz.

d«, ,7 T-, ^ Vermögenssteucr.

^k», ^enbrer»»?' BermSgenskeuer ist unter BerückjiKtiS'rua

dur» "'"'eils iin lctzten Viertcliabr vor dcm Veranlagnn->s-

ite^U. Kbesondcreo Gesetz scstznjetzen.

.'"ü'ichtaa eritcn Veranlaaungszcitraum j1S2>! b!s ISüä. Fest-
*Netzes !»« ; '^i^-mSer 1923) gclten an Ztclle dcr Tariflioricüriücu
18—-22) nachstchciide Bestimmnngen

""'Nen^ Tcil des anf

"°» d??

»>Se-ü?° Tci?^"V »ur k>er dcn Netrag von 1SN NNN Mark Lbe -
ic>. ^ollx Tansend nach nnten abgcrundcien Vcr-

crs/en"" "e'rägt iahrlich für natürliche Pcrjonen:
" "ächsten Miilionen ües

^U'cud" ^ «ir

weite

rci'

1.:

i>b

1.7>

v

12

18

18



W

üionen ües steucrvsl. Vermdqcns l

. „ l'/l

oro Lauscnd

Ncträgcn 10

^ Steueroilichtigen beträgt dic Steucr jährlich l'/L oro

lur Vermögcnsstcuer jfür die Dauer oon 1ä Jahrcn),

^rlich, P, .

, "rsonen vvn den erstcn 1,S Millioncn 1005° i dcr Bcr-

">r z,, ^ von den nächstcn 1,5 Millione» ISO'- i mögeus-

Sr ''»ria-« von den weitcrcn Beträgcn . ÜOO'I' ' iteuer

Bord-^'Ü"»»"^''"^gcn 150°i der Vermögcnsstcucr,
ü'.">t ,-sr i>ch . ".i°in von zivci odcr mehr mindcriährigeii Kindcrn

i-cht i-,-»ch j-n, . >""nn von nvci oocr meo

"'°Srn - ständ'a ^ Kalenderfahr öie Vernivgcnsitcuer fiir iedes

- r!60 Mark. inioiern daS üencrvilichtigc Ä'er-

^°Ue,i " nicht nberstcigt.

^>>i>tt» '»en» / scrner

sü">>>ieÜ,viich Vcrmögen nicht mchl als 1,2 Millioncn bcträgt iiud

»>lk,l «"-"eucr sjiü «avitalvcrmögcn bcsteht, und wcnn dgs dcr iriu-
i z "°r!teigi." zugrnnde »» legendc Gciamtcinlomnicn 1g OM Mk.
"°z m, we»„ - '

nr A,/"lainm-Ü.-^^"i°n»nen sich vorwicgcnd auö Grlrägcn diclcö Vcr-
M Antr' »"'^i »nd 60 000 Mark nicht übcrstcigt.

?"d iin" »icht die Verinögcnssteuer für dic .'iaiciiocrjahrc I!>21

nÜ"i>t!z,i,,sweit°„ wcnn das Einkonirnen im erften tzalle 10 000 Mk.

"»>' c,n - »altc 60 000 Mk. nicht übersteigt und das V.'rmvgen

"> Kavj^-'"'"uoischen Hyvothckcn, sestvsrztnslichcn Wcrtvav-crcn
"iwert inländischer Nenten besteht.

'»> Der Zwangsanleihe.

>,!' IllSs"" 192o'„!>""!'"^"eeis beträgt sür Zctchnunge» im Juli 1SS2 t 1.
Adge» bsz -ss, "0, im Seviembcr 1S22 986--, in der Zcit vonl 1. Okto-

>üch,

dem

"Ugj ^srhoht 4823 1006« ö»s Üiennwcrtss. Bci ivätercn Z

,»n, »il s-r"w der ZeichnungSorets für iedcn augefangcncn
,?/">!» "."Ssa»s?-«"den Monat um je 106'» deS NeniiwcrtcS.

«Stiln «'.""cbcträge. die bis zum 31. Auguft 1S22 nntcr Bar
»"llz»ÜÜ°U Z„ü'w"ungsvrcises gezeichnet worden sind, wcrden auf dcn

'"de» !"»ge» """Ssanleihebetrag zum boooeltcn Ncniiwcrt angercchnct.
ti>- 1r""bt ».,,"> Grund dicser Anrechnungen zum dovvelten Oiennwert
tchh '^.biue ,, - -

iÜ?"rk -.i-KuchnungSpflicht


-°ie

MO OOO Mark).

°"s 1.2°L"'°. crvöht si»

bauvisv^irlllonen sbisher 600 000 Marks, wenn das Vcrmiigcn
!ü"i>ne»ii» ' Kavitalvcrmögen bcsteht und das dcr Ein-
-OMg Mr °r für 1821 zugrnnöe licgendc Gesamtcinkommen
?°i üher än"!?d übersteigt: aus 4 Millionen (bisher 2 Millionens
ÜÜ^ ""bre alten oder erwevbsunfähigen Pcrsonen. wenn

r »N da» bouvtsächlich aus Kavitalvermvgen besteht und
i ""Uen u,« " Einkommenstener für 1S21 zugriinde liegende Ein-
r». "Uluiens.,"? vorwiegcnd ans dcn Erirägcn dieses Vcrmögens zu-
» N , s, >>nd 60 000 Mark nicht überstcigt.

°" be»^ i ch e Persvncn Haben zu zeichnen:

besteht nicht bei BermSgen biS su

Näacn OOO 000 sbisbcr 200 000s deS Vermögens 1 >
"wsten 800 000 -


i
l
l

< .

300 000) „
500 000) .
500 000) .
500 000)

2<

4 6i>.

6 63.

8 6ö,

" ILVOOOO
" 1500 000

-, w-ite- d 500 000 ... „ ...

- Bcträgcn.. 10 63.

rioc - ^'° ^Ee diescr SStzc.

ch'linien für die Veranlagung vou Bermögeussteuer
und Zwangsanleihe.

" nd »„ Juländisches Grundvcrmöge».

L"SSwe?.-'/! schaftIiche Grundstücke: DaS Zshnsache Les
il»! erllim, iStichiug 31. Dezember 1918). Bei Erweiternngen nach

dk,?kcn ," ISiz «i.iich der zchnfache Wcbrbcitragswert bci Anlagcn in
H-estez tn ben »»'Ü '"16 nm das Doovelte -cS Ilnschaffungsprcises, bet
AnsT."bren 1817 bis 1818 um das Einfache des Anschasfungs-
ch ^llzü"i, bei im Iabre 1820 um den AnschaffungSvreis minus
bci ^eu >m Jahre 1921 um den Anschaifunasvreis minuS
^ B "iagen im Jahre 1822 um den Anschaffungsprcis minuß

^"liet^i e i^"- Das Künsfach« dcs Wehrbeitragswertes.

s-"e»dc»lÜ " " dstückc (auch solche, die zu gewerblichen Zwecken
ür»weit-,,' Das Dreifacbe des Wehrbeiiragswcrtcs.

'"cküÄ'cheii »>N?bauten bct Bille» und Mietsgrundstückeu stud in
-weiie ivie bei landwtrtschaftlichcn Griindstückeu »n be-



Für nach dcm 31. Dczcmbcr 1918 errichtetcn Villen wird anzeietzt:
bci Errichtung in dcn Jahrcn 1814 bis 1816 das Vicrfache. 1917 bis
1818 das Dovvclic des Ilnichafsungsvreiscö, 1SSV der Anichasiunas-
vrcis, 1921 IlnichaisungSvreis minus ZO Prozcni, 1822 Slnichaisungs-
vreis minus 45 Prozent. — Kür nach dem Wehrbeitragsstichtag errichtete
-Mietsgrundstücke stnd anznsetzen: bei Errichtung in dcn Jahren 1814
bis >816 das Dovveltcl 1817 biS )Sl8 das Einsachc dcS AnschaffungS»
prcilrS. 1920 der dlnschaisung-svreis minus 30 Prözeut. 1021 dcr An-
schassungsvrcis minuS 45 Prozcnt, 1922 der Anschafiitngsvreis mluus
70 Prozcni. Grnndstückc, dic 1922 känflich erworben nnb, werden nicht
nach dcm Wchrbeitraa veranlagt, sondern nach dem NnschassitiigÄvreis^
von 1822.

4. Bauland: Das Zweifälhc des Wchrbeiiragsweries.

b) Inländisches Betrieböoermöge».

1. Anlagckavital (gewerbliche Gcbäude, Grnlidstücke, Maschi-
nen, Pairnte): bei Anichaisung vor dcm 31. Dezember 1916 das Sechs-
fache, bci Slnichaffung in den Jahren 1817/18 das 414fache des Nokovier-
wcrtcs (Stichtag: 81. Dezembcr 1816), bci Anschasfnnc- im J-ahrc 1820 üer
Herstellungsvreis minns 30 Prozent, im Ja.hrc 1021 Herstclliingspreis
minus 45 Prvzcnt, im Jahre 1822 Hcrstellungspicis miuus 70 Prozent.

2. B c t r i e b s l a p i t a l:

R o h ft o s s c, Halb- und Fertigiabrikatc, Warcn »sw.: dcr Anstbaff-
ung-s- oder HcrstcllunnsvrciS niiiiiis 70 Prozeui (bei 2lbschUissen vor dcm
1. April 1822 minuS 45 Prozent, bei Abschlüsse» zwilchcn dcm l. Avril
und 88. Seviember 1822 minns 60 Prozent). ,

Wcrtvavicre nach Steucrlurfen (ficbc 6).

A o r d e r n n g e n: Nennwcri. Bci alisländischen Zahlnngsmiiieln
und Fordcrungen auf cinc gegenüber der delltichcn hochivertige Währung ist
die llmrcchnnnQ aus dcr ausländiichen in die inländil'chc SSährung näch
Durchschniiiskursen vorzunchmen, die in gleicher Weisc wie dic Durch-
schniiislurje öcr Wcrivavicre crniiitelt werden (siehc E').

Schnldcn: Oiennwcrt. Bci gleichzeitigcn Deviicnichnlden nnd
D-evifenantbabcn wcrdcn bcide gegencinander ausgerechnet. Bei der Be-
wertung wird der Säldo in Slniatz gsbracht.

Gesamtwert: Es kann unier llmständen vom Standpunki der
Beivertung des O-eiamiiinicrnebmens eine lvon dcr Summe der
Aktiven abzüglich der Paiüven) abweichcnde Bewertnng nach obcn oder
untcn in Fragc kommcn.

v) Soustigcs Bcrmögcn.

1. Wcripavicre u a.ch D u r ch i w n i t t S k u r s e n, dic crinitteli
wcrdcn aus der durch drci gcteilien Summe dcr Kurse am Ende der
eisten Hälftc der Jabre 1820, 1921 und 1822 einerseits und den Kurscn
vom 8. Oktober 1822 andcrcrscits. Anngc Aktien 10 Prozcnt wcniger.
Es wcrdcn Sicucrknrsc fcstgesetzt, auch tür in- und ausländischc Wert-
paviere, die in Dentschland eiiicn Knrswcrt habcn, abär nicht zum Nörien-
handel zugelafscn stnd. Für inländische Wertpapiere ohne Knrswert sind
die Verkaiiisivcrte am 31. Dezcmber 1922 odcr, fallS olcht »« crmitteln,
dev letztc VerbausSwert minus 40 Proscnt anzusctzen. Für ausländische
Wertpaviere o.bne Kurswcrt im Jnland ailt der ausländischc Kurs- oder
Vcrkaufswert am 31. Dezember 1822 bezw. der letztvorangegangene ermittel»
barc Verkausswcrt. Wcrtvavicre, die nach öem 31. 2!ngust 1822 unter
Kontrahierung von Schulden gngeschaist sind, werden nicht mit üem Gteuer»
kurs, sondern mit dem Anschasfungspreis bis z»m Betrag der Schulden
angesetzt.

2, Forüerungen nnd Schuldcn: Nennwert.

8. G e s ch ä ft 8 a n t c i le a n G. m. b. H.: Mindesteus das Zwanzig-
fache des Ilennbetragcs.

- 4. Gold- unb Silbermünzcn in deutscher Währung:

Mindeltcns Metallwert vom 31. Dezember 1822: anderesGc 1 d: Ncnn-
wert: ausländische Zahlung-Smittes: Knrs vom 81. Dezcm-
ber 1822.

5. Ebelmetallc. Edclstcine. Pcrlcn: M-arktwert vom
81. Dezcmber 1922.

6. D e r K a v i t a l w e r t v o n Renten jst zu lavitalistercn. 2!och
nicht fällige BersiSerungsansprüche aus Lebensverstcherungen stnd mit
Zweidrittel Ler Lls »nm 81. Tezember 1922 eingczahlten Prämlcn-ober
mit dem Verkaufswcrt am 81. Dczember 1822 anzusetzcn.

8SN Prvzcnt Znschlag.

Z» Len Werten der vorstebenden Richtlinicu tritt überall ein Zu-
schlag von 800 Prozent. Von diesein Zuschlag stnd ausgenommcn: Billen
mit eincm Wehrbeitrag-Swcrt bis zn MOOO Mark und Mietgrundstücke:
Bauland: inländische anf RoichSmark lauiende festverzinsliche Weripavier«:
Hyvothekensorderungen, Grunöschuldforderungeu und Oicntenichulden:
andere Vcrmögensgegenstände, die nach dcm Gcsetz oder den Richtlinten
mit Lem Marktprcis odcr Kurswert am Stichtag zu bewerten stud.

Der Steuervflichtige kann etne Abweichung von öen Bewertnngs-
vorschristen «erlangen, wenn,cr nachweist, daß stch bei Anwendung, diescr
Vorschriften eine zu bohc Bcwcrtung crgibt. Entscheidung dnrch das Finanz-
aericht.

Erbschastssteuer.

1. Zu Le« unverändert geSliebeneu Tarrf-Grund^Sätzen
Steuerklasten l II M IV V

8.5 5 6 8 14 6»

treten folgendc nen festacsctztc Znschläge:

Der Steuersatz erhöht sich bet einem Erwcrb vou mehr als
400 000 Mark ...... um 10 63

800 000 - 2063

1 200000 . .. 80-k

1600000 . 40 63

2 000000 . ....... 5063

2 400000 . ....... 60 63

2 800000 . ....... 7063

3 200 000 . ....... 8063

3 600 000 . ....... 80 63

4 000 000 . ........ 100 6» »nd io sort

'» ff»i">ge. weitzen Buchstaben an den Wagen in endloser

"üer-i -,">e a-1.

!»- Hr^Wbor ^>« deutsche Erde bebte unter diesen Wagen.

^-'"ste» .^sische Wnst. Bebte vor Schmerz und Schmach. . .

t»^r?„ "" He,-° Feindeswagen!! Ünd das hier oben, wcit
Ngch äE" "eutschen Landes! Wagen, die, wie sie hernach
j. -voien fuhren und ohne Entgslt befördert werden

Un^'esen^DSrfer fuhren sie! Durch ihr« Kornselder! Durch
^leir ^eutsch» deutsche Wälder und deutsche Aecker!
i» Tti.§"uste» ^->>c>nner sührten sie, finsteren Auges und mit ge-
i>e führen als Lklaven feindlicher Eewalt!
M">r Uche Kin/ """ wie gebannt stand unten an der Schranke
z», I" an x- Kinder, die in wenigen Stunden zum

1? bj^ ^orbe-ÜÜ" Tisch des Herrn treten wollten. Und auf dem
j«" ..'>ung dieses bedeutungsvollen Erlebens, üem Weg,

"lt rvic unmittelbar hinein ins rauhs Leben führte,
M ?'e!er fxj Symbol der düsteren Zukunst, das Schicksal in
Wagen und schwarzen mächtigen Särge ent-
^perrte ihncn drohend den Weg.

d »N V'» ,R-'LL,7ü "

'^schgj?'"cht n»x ü'^en deutschen Kindern die Schmach und Not,
"e ^ Feinx. - ^uechtschaft ihres Landes und die Gewalt-
^st-^ale^^er »,»? ^ .""h und greifbar vor Augen gefllhrt. Das
>>ti-„^Nlit5 e^ Mj.<!,, ?erstummt, ihr jorglojes Schcrzcn erstorben.

"^stenff, ?erejsj. "och Kinder, die dort standen? Waren cs
sti-! Äh^?rden x; !""Ü.e Menschen? Die Knaben zu deutschen Män-
S^wistDem Bab„/?dchen zu deutschen Frauen?

^li!i."nd X 8estand»!." , k!°"8 hatten sie mit ihren Müttern und
reV°rn v»x"°N kleine K-nder. di- eben zm " '

istkt ? deutlch„„ ?"> erwachtem Verständuis dcn
b-x" striiniim»?- . e» zugewinkt. die singend und blumm-
«Ü i>e ?°hte Wagen hinauszogen n

»°I^°rn ?ü?ten rleine Kinder, di- eben zur Schule gin-

!>di^!"uÄt- deut ch„» erwachtem Verständuis dcn Vätetn, den

b-x" striin„^,??'°?ren zugewinkt, die singend und blumm-
^rx" sie 7"^e Na7/.7"^" ^"8°" hinauszogen in dcn Krieg,
^S>m^hre7'! kind?ichpi?"^:°" !ch''ts°n. An di-s-m Bahnübergang
cN>eq „ sehcn q?"'. Erauen die trauriaen V-rwundetenzügc

I»"ea „ .^ehen . tcuq!>ue,l -lleruiunoeteixzntze

tzh„7"d he»?„"'er lan»°7^"V Ucbergang hatten sie auf ihrem
0-7 alz°?"te?— ^ ?8«n Jahren die ersten Heimk-Hrer Legrüszt.
)>i° ."esiv„?'"8e Kons-^?„^. ^anden sie hier nach sasi -inem Jahr-
^ieb" 'rech^ durch ""d sahen eine cndlose Reihe von

Tx"! EewaK»Z?.7""luren rollen. Feindeswagen. die
'k>"°n ?s'"en auf dem U-bergang stehen

a- ^ ooynvoll den Weg vevsperrten.


!vr

' Knaben hinzu und wollte die Schranke

^ch°N "°"! N»r ,ri-ch-?°-^' denen lassen wir uns
">°Ut,n djg '„x unten durch!"

LNderen folgen. da sraud plötzlich der alte


k'vLNos-

neunzigjährige pensionicrte Dorfkantor, der unbemerkt hinter ihncn
hergekommen war, in ihrer Mitte. Ein müder, gebllckter Greis.
Wie Silber leuchtete unter dem schwarzen Käppchen sein langes
weihes Haar. Hell flammten die mattcn Greisenaugen. Gebi-te-
risch hob sich sein zittriger Arm.

„Halt!" rief er und schwenkte abwehrend den festen Eichenstock,
aus den er sich zu stützen pflegte. „Kriechen? Nein! Unter denen
da kriecht mir keiner hindurch, und wenn er seinen schlechtesten Rock
anhätte! Jhr könntet euch zu schmutzig daran machen! Wartet, und
mag's auch noch so schwer sein, Lis daß die Zeit gekommen ist!"

Gehorsam blieben die Kinder stehsn.

„Lasit uns derweil ein Lied singen, Kindcr," so sprach der
Neunzigjährige, „hier drautzen unter Gottee Himmel. Schlagt eure
Gesangbücher auf, 544, das Lied vom Volk iu Not, Lers 2 und 6,
und weiht sie ein, eure Konfirmationsyesangbllcher, hier vor den
schwavzen Feindeswagen, die Gott dsr Herr euch nicht ohne Absicht
gerade heute in den Weg führte!"

Da sahen die Kinder zu dem Alten auf, der gebieterisch wie ein
Iunger in ihrer Mitte stand, mit Augen fromm und klar, wie um
sie der Frllhliugstag. Sicher und kraftvoll folgten die hsllcn jugend-
lichen Stimmen der matten Ereisenstimme: /

„Schau, wie grotze Not und Qual
Trifft dein Volk jetzt überall!

Täglich wird der Trubsal mchr,

Hilf, ach hilf! Schlltz' deinc Lehr — —

Hklf mit deiner starken Hand,

Menschenhilf' hat sich gewandt.

Ein« Mauer um uns bau',

Datz dem Feinde davor grau' — —"

Da kehrte die Maschine vom Dorfbahnhof, wo sie rangiert und
ein paar deutsche Magen hinzugeholt haitc, zurück. Langsam, stöh-
nend und ächzend. Und wieder schrie ste plötzlich auf wie im
Uebermatz eines Schmcrzes.

„Und nun zum Schlutz noch eins, das Lied der Lieder, das ihr
alle auswendig witzt! so sprach die Greisenstimme und hob von
neuem als erste an zu singen. Hell und markig klang es in den
goldenen Frllhlingstag und mischte sich mit dem Jubellied der
Lerchen:

„Deutschland. Deutschland, über alles — —"

Oben auf der Maschine aber fielen plötzlich krastvoll zwei rauhe
Männerstimmen ein:

Ueber alles auf der Welt!

Wenn es stets zu Schutz und Trutze

Brüderlich zusammenhält-"

Da ging es wie ein Ruck, ein Zähnekninschen und wie ein anter-
drückter Wutschrei durch die schwarze Wagenreihe. Die Sklaven-

«m ie 10 Prozeni der Krund-Sätzc sür tebe weiteren 400 000 Mnrk br»
zn esnem Gesqmtanfall oon 10 :>Nillionc:i Mark. darüber hinaus für icde
wciieren 600 000 Vlark bis »u einem Geiamt-ankall von 16 Milttvnen
Mark und darüber hinanS sür sede weiieren 800 000 Mark bis zn einem
Gelamtansall von 20 Milttonen Ätark. Re: einem hvberen Erwerb wird
das Aünfsache dcr Grund-Sävc erboben.

Ueberftcigl Las zur Zeit des Anfalls bsrcits vorüandene Vermügcn
des Erwerbcrs 4 Millioncn. lo wird jür je angesangene 400 000 Marl
de» übcrstcigenden Bctrages cin Zuschkag von 10 Prozent des nach
obigem berechneten Stcucrbetrages crhoben. Der Zuschlag darf die HLkft«
des vicr Milttoncn Mark übcrstcigenden Betrages nicht überschrcitcn nnd
nicht mebr als 100 Prozent der Steuer ansnrachen. Das vorhandenc Ver»
mvgcn eines Kindcs ist bei dcr Besteuernng bes Anfalls aus dcn: Nach-
last des Icbtverstorbcnen EltcrnteilS nm einen Bctrag zn lnrzen, dcr dcm
Wert entsvricht, um den das Kiud durch den Erbsall des verstorbenen
Elternteils bereichert wird. Diese Vergünstigung entfällt, wcnn zwische»
den beiden Erbsällcn ejn Zeitraum von mehr als zehn Jabren licgt.

2. Zn K 22 des Gesetzes stnd die Zissern 1 biS 4, die die Hauvtvor-
schriften sür öie Sieuerbesrciungen entbaltcn, durck folgendc Vorkchriste«
ersstzt wordcn: E8 siisti steuerfrci:

a) allgemcin: ci» Erckcrb von nich: mehr als 50 000 Mark lbishcr
5000 SNark):

d> bei öep Stcucrklasscn I, II, III 1, IV 1.5 ein Erwerb von nicht mcb«
als 500 000 Mark (bishcr 50 000 Mark):
a) Zuwenüunge» an Gemeiuden, mildtätige Stiltungcn u!w„ die von
Ausländern zufltctzen. bis zum Betrage vvn 200 000 Mark lbishcr
10 00 Mark):

ck> Hausrat, cinschlictzlich Wäschc nnd Kleidnng, dcr Pcrsoncn der
Stcucrklaisen I und II antällt. iu voller Höhc lbishcr nur üegrcnzt
- stcuersrei):

e> Hausrat, dcr Personcn der Steucrklassen sll nn-d IV- anfällt, bis
zu zwei Milttonen (bishcr 100000 Mark):

k) auöere bewcgkiche lörverliche Geecnstände, dtc nicht zuin Bctriebs-,
Grund- odcr Kavitalvcrmügen (ini Sinne dcS 8 8 dcS Vermügens-
steuergesctzes) achören. sosern ste Personcn dcr Klassen I bis IV an«
iaven und ihr Wert bci ?lnfällen gemätz Klasten l und 71 dcn Betrag
von ciner Million und bei Ansällen gemätz Klassen III und IV de»
Betrag von 200 000 Mark nicht übersteigt.

Weitcrhin ist ireigcitcllt ciir Erwerb, der Gattcn. Kindern, Enkcl»
kindern, Eliern o-cr Grotzeliern ansällt, sosern der Erwerb zusammen
mit dem sonstigen Bermögen des Erwerbers eine Million lbishcr 300 000
Mark) nickt überstcigt und Ler Erwerbcr infolge von Gcbrechen als
erwcrbsiuifäüig anznscben ist.

Der Rcichsfinanzinuiister ist ermächiigt wovdcn, dic vorgen-annicn
Beträgc. der Vcrändcrung dcs Gcldwcrtes anzupastcn.

Die übrigen Befrcinngsvorschriftcn des 8 22 sind unverändert
geblieben.

3. Dic Grcnzc. b!s zu dcr Bcträgc an volitische Bereiniaungen
steuerire! stnd, ist au! insgcsaint 200 000 Mark iäbrlich (Lisbcr 5000 Mark)
festgcsetzt worden. Darüber binans erfolgt eine Besteucrung tn Höbe von
iiins Prozeni..

Kapitalverkehrssteuer.

Jn dcr Gesellschasissteuer ist bei den Kavrtalgesellschasten sur die
Gründungssteuer auf mindestcns 8000'Mark, für einaetragcne Erwcrbs-
worden. Die Mindcstsätze für anderc Erwerbsgesellschaften stnÄ feft-
gesetzt woröen aus 20 000 Mark bci Urkundeii übcr die Errichtuna von
ofscnen Handelsgeiellschafien und Kommanditgciellschasicn, 10 000 Mark
bci Urknnüen ber Errichtung der übrigen Gesellschafien. 10 000 Mark bci
Urkunden über Lcn Beiiritt neucr Gesellschastcr und die Erböbung von
Einlagcn dcr Gcfcllschatter, 1000 Mark bei Urkunden über den Beitriit
cines neucn Genosten bci Erwerbsgenossenschasten. Kür stillc Bctcilignua
ist «ls Mindcstsatz eine Steuer von 6000 Mark sestgelegt worden. Für
dic übrigen inländischen Personcn uud Persoueiivereinigungen ist dte
Gründugsstcncr auf niindcstens 5000 Mark, sür eingctragcne Erwerbs-
und Wirtschaitsgenoflcnschastcn, dic einem Rcvistonsverband angebören
und deren GefchSstSbctrikb satznngSgemäh nicht nber den Kreis der
Nütglieder hinansachi, ans 2000 Mark festgesetzi wordcn.

Amsatzsteuer.

Dcr ? 87 des Gesetzes (Regclung der Vorailszahlungcnl ist durch
die Bestimmung erwcitert wordcn, dah der Steuervstichtige bei Abzabe
öer Steuererklärung, sväteftens bis zum 31. Januar des auf daS Bcr-
anlagungssahr solgenden Jabrcs, öen Unterschied zwifchen üem Betrag
der Steuererklärung uckd ber Summe der Borauszahlungcn zu zahlen
hat (gegebenensalls -anf Grund einer Schätzung). Dcr Zuschlag für
säumige Zablung istcbe oben Einkommensteuer 0 I) ist von -cr Voraus-
zablung, mindcstens jedoch von cin Viertel der für daS vorangeganaen«
Kalenberjabr veranlagtcn Steucr zu zahlen.

Unverändert geblicben tst die Bestiimnung, datz, wenn üie aw
Schlntz Ses Stcuerabschnitts vvrgenommcne Veranlagung den Gesamt-
betrag der Borauszahlungen um mebr als 20 Prozent übersteigt. sich die
Steuer um 10 Prozcnt deS ü-berschießcnden Betrages erböht.

Wechselstempekgesetz.

Die Stempelabgabe ist auf 10 Mark für se angesangene 10 008 Mark
der Wechsellumme festgesetzt tvorden. Bci Wcchseln, bci denen d!e
Angabe öer zu zahlenden Geldsnmme fehlt. tst Ler Abgabe eine Summc
von eiucr Million »ugrundc zu legcn,

Zuschlag sür Steuerrückstände.

DaS Reichssinanzministerium erhebt auf Grund des Ge.
setzcS über die Berückstchtigung Ler G e l d e n t we r t u n g bei den Steuer-
gesetzc» bei der Einkoinmensteuer, der Körverschastssteuer, dcr Vermöcens«
steuer und dcr Umsatzsteuer im 8-alle eines nicht länger als drei Monat«
Laueindcn Rückstandcs cincn Zuschiag von 15 Prozent monatlich und im
Falle cines länger alS drei Monate dauerndcn Rückstandcs einen Zufchlag
von 80 Prozent inongtlich. Der Zuschlag fiiidet erstmalig- auf bieienige»
Stenern Anwendnng, die vor dem 1. Avril 1828 sällig stnd

ketten rasselten. strafften sich und zogen an, und zwischen dem Erün
der deutschen Kornfelder verschwand am Waldessaum, langsam, wi«
sie gekommen war, die dunkle Sargkette.

Ueber die freigcwordene Bahn aber schritt eine Schar von deut-
schen Knaben und Mädchen mit srommcn, leuchtenden Augen dem
Leben und der Zukunft entgegen. . . .

Frankflirter Lacilien-Verem.

Die AuMhrung d«r Matthäuspassion in -diesem Jah«
lätzt erkennen, datz der Verein stch in -das Hauptwerk seines Arbeits»
plans auchmit d«m neuenDirig«nten neai hineingelcbt hat und wieder
auf dem Weg« ist, von d«r grohen Paslpon den Hörern auch de«
rechten Tiwdruck zu geben. Jn der Frage der Streich-ungen werden
die Meinungen immer auseinandergehen, «s sind diesmal Stellen
fortgefallen, die mancher nur ungern beiseit« gelassen sieht, andere
wurdcn gesungen, obgleich sie im gedruckten Text fortgelassen waren.
Jedenfalls vermochte Dr. Temesvary aestern ein« w-ssentliK
bessere Gesamtleistuna zu bieten, als 'im vorigen Z-alhre. Vor allem
entsprach di« Auffassung des Schlutzchors diesmal sowohl seinem
inneren Wesen wie auch seiner Bedcut-ung als Ausklang des Eesamt»
werks, aber auch im übrigen wurd« eine Lessere Eliederung heraus-
gearbeitet, die in der Abmess-ung und Beleuchtung der einzelnen
Nummern gegeneinander mehr architektonischen Sinn bekundete und
die abstumpfende Einsörmigkeit im Vortrag vermied. Di« Choräle
wurden wieder die lyrisch volkstümlichen Rühcvuirkte in der Paffion.
st« wurden mit schöner, durchlichteter Tongebung, einsach, sauber und
innerkich gesungen und hielten schon dadurch die Aufmerksamkeit rege,
bei den dramatischen Chören waren -di« ohne jede Ätcmpause natura-
Wisch herein-brechenden Einsätze wirksame Kennzeichnung der
Tumultstimmung des Volkesj die Reckenfaust Dachs dars sich an ein-
zelnen Stellen noch wuchtiger geltend machen. Die Solisten waren
gut gewählt. August Richter bewältigte die hohe Lage des Evan-
gelisten auch iin hohen Register leicht, die helle Farbe siörte dabei
Nich-t, die erregten Steigerungen im Ton des Erzühlers belebten -dre
Spannnng sehr wirksam. Wohl hätte der Bah von Ger.hard Jeke-
lius an einzelnen Stellen etwas mehr metallischen Glanz i)«ben
ddüksen, aber der feierliche Ernst, die überragendc WLrde der
Heilandsworte wurden durch geistig wie gesangstechnisch bedeutendc
Ariosoleistung vollauf gewahü. Der Alt von Elly Hartwig-
Eorrens war in seiner dunklen Einheitlichkeit und atemtechnssch-n
Leistungsfähigteit sehr eindrucksvoll, der Batz Adokf Müllers wic
immer charakterisiisch und zuverläffig. Paul Meyer (Klavier),
Karl Vreidenstein (Orgel). Otto Klinge (Geige) und di«
nicht genamiten Vertreter von Oboe und Flöte gaben stimmungsvoll
ihr Bestes, die Knaben dcr K-mrende un-d der Wöhlerschule waren
aut wuf den Gesamtchor eingestimmt, das Tinsonveorchester hielt
' L-stens. u.
 
Annotationen