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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0559
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"-r Mlr-UWzl Siaaieil von Amerika.

' . .

Erundlagen sind nicht die Ursachen der
p^ens" <' e.ne§^ Volkrs. Immer ist d'e Ürkraft geschichtlichsn

II.

Land und Volktstum.

,54 üilt ^^usch, der dic Verhältnisse zu meistern weitz.

ein zweites Land auf der Erde, das so

L?8en'§/.^Mtrge Voraus'setzunoen


Abcr
autzer-

- -—fur die Entwicklung eines

^sichs", "^„bietet wie die Vereinigten Staaten. Sie kehren
1er arotzen Weltmccren zu, die für die Entwick-

en ->nd ^''^Eheit von entscheidender Bedeutung sind, dem Atlan-
- ^era Stillen Ozean. Sie beroen in ungeheurem Reich-

"-len ^as e:n Volk i,um Leben Lraucht; neben einer grnh-

^ieri.^ .h u d m i r t s ch a f t, die weit mehr erxeugt als das
rir-».. - - : ^olk henöiigt, stehen reiche Bodenschätze als

i^ULlg'7'^".„VoIk denöiigt, stehen reiche Bodenschätze
l> "Uab-^'einc hochcntwickelte Jndustrie. Ein Land also, das
Kr-p» machen kann von allen Zufuhren,

besix^ die Ecfahren der BloLade n°cht zu fürchtcn hat, das

^^en ^,^-ndlaien bietet für die Entwicklung eines tatkräftigen,
v, Da/'^^^uras-

crsixg^S des amerikanischen Landes und Volkes könnte auf
-d a^p, alän'end und fast bewuNdernswert erscheinen. Man
a;-n, »>-. --- und zerstörenden KrSfte

zu aelangen. Die Pro-
tz, :>- »:e rn» ">». >» »»-u»,»,»»»» »>. ringen haben, die Gedan-
c- 2el-x»u^idlrrl Marx ausgehend auf mater'alistischer Esschichts-
dis ?eni dE^siung rnhende Jdeale und Utooicn begründen. lie-
- ^kaner im allnemeinrn fcrn. Die Lehre des Kom-
tz^?lostftx»:i^bekondere bekämnft er Lrutal und mit grösiter Rück-
d-^Nalcn Alles Internachionale, das sich in Eegen-atz zum
^e' anren setzt, ist ihm verhagt. Marum auch sollten
^-r--s" einem Lande Bodcn finden. das fast fo orof, wie
Vs s-K 'si rnd jedem Tüchtiaen den Raum und die Frriheit

die .-^korzuarSeiten? Natürlich regen sich diese sijragen auch.
- " ,'U/re Politik Nmerikas wird im Erunde doch von aanz


Nr Ä?°"lemen beherrscht, die ebcn in der gefchichtlichen Ent-
E:„s: Lrfxrung haben.

d^U- Nord-Amerika von Angelsachfen, Deutschen, Fran-

ern und SchweLen besiedelt. Auf diefem Blut, auf
r» bent^» " R assen ruht das geschichtliche Werden,
in^^tlichesr ^uorenüe -Volktsum. das die Union zu ihrer autzer-

l°tzten '

lr^r," von

lc?dn i^;U Eröhx und Entivicklung gebracht hat. Nun sind aber
l,Vn x»»'?u Iahrzehnten Millionen von Slawen und Südeuro-
i,:g Jndustrie und Landrvirtschaft als billige Arbeits-
hj's alte^ -U.ub gezogen worden. ein Menschenstrom, der sich mit
ar^.u Ds"-- *endsn Volkstum kaum vermischt. sich dem amerika-
stl-aslt. in Svrache, Sitten, Lebens- uno Weltauftassung nicht
tWl-Usen Volksbsstandteile. Polen, Tschechen. Jtaliener, Süd-
r-n 'ichen' s? ^u zwar das amerikanische Bürgerrecht und damit alle
c»' Frsst>7--.^chke erworben, sind aber geblieben. was sie.warsn,
Taron. dast Amerika der ..Melting Pot". der
kl,. les,?^Aie.gel der Menschheit sei, ist also gar keine Rede.

escs Schlagwort auck> mit aller Entschiedenbeit ab.
^^nsari I'un auch nocki der Bestand an 10 Millionen Negern,
tlns, ^ Bürgerrecht besitzcn.

"un entsteht das groste Problem. Jn den hsrrschenden,

aus nordischem Blut

"'ü !>, Kultur traaenden Schichten

^-il^ussenb°!» zurück. während jene nicht zu assimilieren-

'»ii Ü und ll"udteile cine ganz autzerordentliche Vermehrung auf-
^ , Ur den^" ^eschlecht hcranziehen, in dem man die größte Ee-
'vn ^ortbestand des Amerikanertums, für die amcrikanische

d.Ä'on ,,O1'

^i-^ist-üs? Lebens- und Kultur-Jdeale erblickt. Vielleicht. zu
lsi°?°!sor doch heackitenswsrt sind die Worte, mit denen der

^ ni Harvard CoNege. William Mc Dougall sein vicl ge-
il), ^be »?- ^merioa 8aks kor Oemosrsey" einleitet, „wenn
üq >U O»,-?!». die amerikanische Nation freudig, mit unbesieg-
4k°M ernk» ^mus den Weg zur Zerstörung hinabeilt. so glaube
dig-, »n" " - TraoöNin in dni- tkiescklilklt- Npi- Mpriscküeit I'I be-

....

-°Ucrt

.. Tragödie in der Geschichte der Menschheit zn be-
°bne »rgibt siäi eine interessante Parallele. Während
»rchuld der Amerikaner das Slawentum und das
--s^u Na^ m*u deutschen Volke, alio einer höchststehenden nor-
inz-rejg-Boden aboewinnt im Solde und als Bundesgen.issc
ÜI°-, dj» °»künnt in Nmerika die Erkenntnis der Ee-
'chx»^-?uch dort dem nordischen Blute von der
^r!^Us .. ^ ejte droht, sich mehr und mehr durchzusetzen.

!»>n, !?!»r um die Zukunft Amerikas entsteht nun ein

,»s 7.S m Earopa nur weniq beachtet rvird. obwohl es in

TNllchen Litergtur heute seinen stärksten Ausdruck findet,
uämlich, wie man einmal die Fruchtbarkeit der
»n nordischen Rasscn vermehren. anderer-
soll, daß die nicht wirklich amerikanisch empfinden-
Ld Arnmsa .^5 Landes dank ihrer grotzen Menschcn- und
,s p 'dslvv" uu! l-em Wege llber das Mahlreck-t einen allzu star-
Ki-» Uistxs,-' nuf die amcrikanische Politik im Jnnercn gcwinnen.

^cg"?Ne!u' o>c ame

?N>i?kr ^,„5? Keoensatz zwischen Revublik und Demokratie. zwi-
M ; ü» "l!o- welche die Besten zur Herrschast beruft,

^"rj,»Uer c>?>:iwnr Urteil die Eeschicke des Staatss bestimmen,
»T-chgstx»uuisidee. welche die Mitglieder der aesetzgebenden
-- Vollstreckern und Veauftragten des Willens ihrer


der a-Eworscne Mantel bildet em Eegenstllck zu dem Eewand-

!°>-^^!Äkologis.

? > -w:. noch ein Vorfall, der die Sinuesart oes Künstlcrs

8»?? wa,- v^der drci Kolossalfiguren — so derichtet ein Augen-
k>- an iNoninodell fast rollendet, und Launitz hatte sich eben
N»!n^°-Ustjj.^.u Mittagstifch gesetzt. als einer seiner'Gehilfen aiem-
»i-'l>r,uNea»^.Ee mit der Schreckensbotschaft, die große Fizur sei
Er »-M- . Der Künstler wurde totenblaß und fprach kein
„'ism ^elsr seine Werlstatt und sand dort dic mühevolle
»^1 ba,>. Monate in formlosen Klumpen am Boden liegend.

>s innere Eisengerllst versagt. Aber ohne zu klagen
chlotz sich der Künstler sür mehrere Wochen in se-ne

-1— v-.— 7^7,11k?'

-,7" ?a>:» formlosen

d 'nnere Eisengerüst versagt. Abcr ohne zu üagen

"u cia' sich der Künstler für mehrerc Wochen in seine

^Ur a ',7 ^uuttete niemand den Zutritt und Lauie die Figu:

s lr^. " "uf- . "

am Altenburger Landestheater Franz Kaib-el

?d°.'-'>cr '--»^u/vr diesen thüringischen Theatern, 'ehten Stätten
thcatraliicker Ambition innerhalb der Verwüst..ilg


l^atral-schcr Ämbition innerhalb der Verwüst.-Ng

z'r« N Äan^^uudühnc, nehmen Eera, Ätciningen, Altenbura be-
,.v .-una »,-». , - .»vr-,v. »»»,.» »»»»« ax„r»«ck.-->-..

r.-

! D?°?<ang pt"?"u>inc, nsymen vieru, L,»v,,.i..8c,.,

?lei, cas lctzte, gastfreundlich genug gegen Eulenberg

iu war es diesmal gegen dsn Weimarer Franz
LM >ehr andere Reihe deutscher Dramatiker geüört.


>n

,K»Nt 'Ul-st in' etwa mit Hans Eustav Waqner — desscn „Trotz-
»«!->'>?'» U-Nd Stürme deutlcker Begeisterung entfachte —

^'"-sch-»^^ Drama großdeutscher Einstellung zu schafi.n

>!>-?-chn» Jnbnr»» 'l" nehmeudem Wege bemiiht sind; ein Drama
Ug „w-,-»' crner politischen Tendenz, fllr die man.die
En'n c-^'w W 7>u^isch" erfinden könnte: Dichtungen unrhetorischen
o.^'rneDeutsckilands; Dramen, die in die ver-
ä>>° ^re^an-.ipeni-^. ^ter Zeitgenosscn die Notwendigkeit überpaitei-
ii^^'Nerrn vow ? ^nmmern wollen. Die Eestalten Horks und
Uc/-- ^riE°chvei-»l<- hcraufzubeschwören. war eine naheliegende
bml U's jn" s!t Las Eeschehnis des Verlraas von Tauroggen,
NLÄr' VUm D-n-sn-r 'l" !uinem Entschluh, Frankreick, zu vsr-
IkinT'ch ^Estart-in^chl-U'Vb wil'cn mit Rusiland zu verbündnr —
^n ^kirril-» sst »i Einfachhcit,^ Prägnanz und Kiirze recht

> ai^ Natio«„?,"ttLvlwnd und begründeie mit den Ersolg- der
, ^erdina« ^ehnfüchten der Zeit entgegenl'ommenden
L d-«. L stch-r ist. llo I»I,ei-man.

botzen sachliKcn Kostcn für
in Darmstadt
dränaen das
muiikalischcm Ge-

unter «». .i an crfter Stellc.

--t Oonncs nmsichtiger Lcitung gute Konzert«

Mähler und damit der breiten Maffe machen möchte. Diese Ergcn-
überstellung, Republik und Demokratie, hat mit dem Eegensatz der
Parleicn, Republilaner und Demolraten, nichts zu tun. Es ist Ler
Ausdruck der Sorge, dte das gebildete und weitblickende Amerikancr-
tum überall durchzittcrt, die Fremdcn immer wieder entgegentritt.
An eine Aenderung der alten gehsiligtsn Staatsform denken nur
wenige.Aber man sucht die Lösung, indem man vor allem Las
Sinken der Qualität der Massen durch uner-
wünschte Einwanderung hindert und die Bevölkerung
hebt, sic zu „Vetter Citizenship", besserem Staatsbürgertum, zu voll-
wertigen Amcruancin erzieht und das Kind in der Schule im
Sinne der Amerilanisatiou, des amerikanischen Nationalismus, be-
cinflusit. llnd glcichzeitig achtet man darauf, dasi allsn Angehörigen
weißcr Rassen ein ausgeprägtes Rassegefllhl anerzogen
und damit eiue tiefe Kluft gegenllber den Farbigen geschasfen
wird. Das höchste Ziel aber ist oie Heranbildung starkcr, zielbe-
wußter Führernaturen. .

Hier spielt Ler eigenartige amerikanische Kampfsporl, dem
das ganze Volk mit grös-ter Leidenschast huldigt, eine enlscheidende
Nolle. Wenn man gesehen hat, wie hei dem höchst eigenartigen
amerikanischen FußLallspiel die gebildete Jugend des Bolkes sich in
Kümpfcn misst, die höchstss Mannestum, Einordnen des einzelnen
in das Ziel seiner Partei ersordern, und bei denen doch anderer-
seits nicht blosi körperliche Eewandtheit, sondern vor allem geistig
überlegenes Fiihrertum ,über den Sieg entscheideu, und
wenn man weiter gesehen hat, wie an dem höchst eindrucksvollen
Kampf ZehntausenLe leidenschaftlich teilnehmen, »ann gewinnt man
sehr starl'e Eindrückc ron der Bedeutuug eines Sports, der nach
c'inheitlichen Regeln im ganzen Volkc gespielt wird unv die Juqend
zur Mannhaftigleit, zur Ritterlichreit rnd zum Einsatz der besten
geistigen und körperlichen Kräfte erzieht. Auf den Sportplätzen in
erster Linie ist das Führertum erwackisen, das die schnelle Äufstel-
lung eines Millionenheerss- im Weltkriege ermöglichte, Las sich auch
in Zukuuft Lewähren wird- wenn die Vercinigten Staaten erneut
ihrc Volkskraft in cinem Kriege einzusetzen haben sollten. jenes
Führertum, das die amerikanische Industrie und Wirtschaft zu
einer grosiartigen Entwicklung geführt hat. T)as Kampfsviel be-
deutet für Amerika, was Lei uns die allgemeine Wehrpflicht vor
dem Kriege war. ALer es hat diese nicht zu ersetzen rermocht.
Wohl hatte man Führernaturen, aber man konnte ihnen nicht die
militärische Fachausbildung geben, die zur Führung von Truppen
vor dem Feinde befähigt. Echwere Reibungen ,-nS Misioriife bei
Aufstellung des amerllänischen Heerss und bei seinem Einsaü in
den Kamvf waren die Folgen. Nun ist es eine eirenartiae qeschicht-
lickie Tatsache, dasi der Ameri-aner nock nach jedem Krieae die
Rüstunq einfach abgeleot hat, in dem Elauben. dasi man sich diese
Ausgabe sparen. im Falls der Not das militärische Kle'd jeden
Tag wiederanzichen könne. Amer-ka hat ja immsr Zeit für
Rüstungen gehabt. Amerika ist nicht in der scbwrerigen geographi-
sckwn Lage unseres von Kefahren nmdrohten Volkes, das mit in
Rüstungcn stnrrenden Nachbarn reckinsn mnsi, die nur zu oft ihre
Kämofe auf deutschem Boden a-'sgetragen und Lem den-schen Volke
seit Iahrhunderten seinen Besitz, seine Kultur und seine Freiheit
geneidet haben.

Man sucht heute die fehlende allgsmeine Wehrpflicht durch eins
militärische Jugenderziehung zu ersetzen. Die Ärmes
hat sich die Aufgabe gestsllt, in Friedenszeiten das Volk zu körper-
lichct Tüchtigkeit und aufoxfernder Hingabe für die Nation zu er-
ziehen und für die körperliche, geistige und sittliche Ertüchtigung des
Volkes zu arüeiten. Wie das amerikanische Offizierkorps für solche
Eedanken eintritt, Las ist eine Ler wesentlichsten und im Äuslande
am wenigsten bekannten Erjcheinungen Lss amerikanischen Volkstums.

Man sucht vor allem Reserve-Offiziere, also Führer
des Volkes für den Fall des Krieges heranzubildcn. da man ja eben
notgedrungen auf die Ausbildung des oanzen Volkes verzichten
musi. Dazu arbeitet die Armee mit den höhersn Schulcn zusammen.
In allen vom Staate unterhaltenen und in zahlrsicken privatcn
Eymnasien, Colleges und Universitäteu ist die militärisch: Ausbil-
dung obligatorisckes Lehrfach. Ein Schüler oder Student kann hier
nur schwer das Reifezeugnis oder die Befähigung zu dem son ihm
erwählten Berufc erlangen, wsun cr nicht auch in der militärischen
Äusbildung Euies leistet. Denn diese i-t nach amerikanischer Auf-
fassung der Won. auf dem gute Staatsüürger crzogsn werden, die
„geistig. moralisch und körxerlich fähig sind, die Pflickten des
Staatc-bHrgers zu erfüllen, die im Frieden sogar noch grösier sind,
als im Kriege "

Bei jedem Jnstitnt. auf dem militärische Ausbildung einge-
führt ist, wird im Lehrkörner eine „Abteilung für militär-fche
Wiffenfchaft und Taktik" gebildet. Zu diessr gebören aktive Ossi-'
ziere als Lehrer, Unteroffiziere als Hilfslehrer. Bei den Universi-
täten bildet die militärischs ALteilung sogar eine besonders Fakul-
tät. Der älteste Offizier. ein Oberst oder Masor, steht den Leitern
der anderen Fakultäten im Range gleich und besitzt die gleichsn
Rechte und Privilegien wis diese. So wird die gebildete Jugend
Amerikas einer wohlgeordneten, plcknmäsiigen Schulung unterzoasn,
deren Ziele „dje Heranbildung gut geschulter junger Reserveoffi-
ziere ist, in denen Selbstvertranen und kühnes Fsihrertum entwickelt
find".

Aber die Armee beschränkt ihre Erziehertätigksit nicht auf die
höheren und Hochschulen. Sie veranstaltet !n jedem Sommer wäh-
rend der Ferienzeit militärische Lehrkurss iu Uebungs -
lagern, die allen Schickleu des Volkes, Lem junqen Arbeiter, wie
dem Sohn des reichen Jndustriellen oder Landwirtes offenstehen.

Jeder Teilnehmer erhält vom Staate Reisegeld und Uniform und
lebt während Ler Dauer der Ausbildung völlig frei. - Die Meldün-
gen waren im letzten Sommer so zahlreich. dasi Tausends megen
Mangels an Mitteln zurückgewiesen werden musiten. Da? Ziel ist,
jnnge Leute aus allen Schichten des Volkes zusammenzubringen. da-
mit der nationalen und sozialen Einheit zu dienen, die Vorteils
und Pflichten amerii'anischen Bürgertums zu lehren und, wie es
in den ossiziellcn Verlaütkarungen heisit, das Jnteresse der Jugend
auf die milrtärische Ausbildung und deren Segen für den sinzelnen,
ihre Bedeutung für die lüation hinzulsnlen. der Bevölkerung zu
zeigen, wie die militärischs Schulung den Söhnen des Volkes nützt,
sie körperlich. geistig und sittlich eniwickclt und sie VateAandsliebs
und Selbstdisziplin zum Segen der Stärke der Nation lehrt.

Zmrahme der -euischen AußWaÄerimg.

Die Zahl der Lber deutsche und sremde Häfen ausgewanderten
deutschen Reichsangehörigen war im ersten Haldsahr 1922 mit 11303
gegenüber Ler zweiten Hälste des vorhergehenden Kalenderjahres um
4859 zurllckgegangen. Im zweiten Halbjahr 1922 betrügt dre ent-
sprechende Zayl 25 224; das sind 9502 oder 61 Prozsni mehr als in
der gleichen Zeit des Iahres 1921 und 13 921 oder 123 Prozent mehr
als in der ersten Hälfte des Jahres 1922. Die Auswanderung hat
also beträchtltch zugenommen. Die grösite Zahl der Auswanderer,
nämlich 16 884, benutzte Hamburg als Ausganashafen. wäürend 8035
über Bremen und Bremerhaoen gingen. Jm Jahre 1922 haben ins-
gejamt 36 527 Deutsche die alte Heimat auf dem Seewege verlaffeiff;
ihre Zahl hat von Vierteljahr zu Vierteljahr stänhig zugenommen.
Wohl injolge dcr Enlwertung der Mark Lenutzen Lie deutichen Aus-
wancerer jetzt hauptsächlich die deutschen Häfen. Es gingen im
Jahre 1922 23 921 Auswanderer oder 65,5 Prozent über Hamburg
und 11964 oder 82,8 Prozent über Bremen und Bremerhaven, wäh-
rend die holländischen Häfen Amsterdam und Rotterdam nur noch 235
bezw. 355 deutsche Auswanderer aufzuweisen hatten.

50 Prozent der deutschen Auswandersr standen im ünterneh«
mungsluftigen Alter von 17—80 Jahren. Dem Familienstande nach
waren 24 717 ledig und 11170 vsrhsiratet. Dem Beruf nach warrn
die in Ler Industrie und dem Tauwesen Veschäftigten mit 11554 am
stärtsten vertretcn. Die nächstgrösite Zahl von Auswanderern, 1098.
stellte die Land- und Forstwirtschaft, während 4920 dem Handel, 1846
dem Eastwirtschasts- und Äereehr-gewxrL-e, 2165 d'en freien Verufs-
arteu einschl. Lffentlichem Dienst und 22ZK bezw. 15l8 den Eruppen
der häuplichen Dienstpoteu und der Lohnarüeit wechselnder Art an-
gehörten. Äus dcm Bergüau stammten mit 740 wieder die wen'gsten
Pcrsonen. Untcr Berückstchtigung der Einwohnerzahl Ler cinzetnen
Eebiete stammten die meisten Personen aus Hamburg, Bremen, dsn
prsutzischen Provinzen Erenzmark Posen-Westpreusien. Schleswig-
Holstein und Kannovsr und aus den süddeutschen Ländern Wiir'lein-
berg, Daden ünd Dayern. Auch Berlin hat einc verhäitnümäsiig
hohe Auswanderungszisfer auszuweisen. NachLem Lie Einwande -
rung indie Vercinigten Staaten innerhalb gewiffer EreN-
zen wieder sreigegeLen worden ist, ist der Hauptstrom der deuischell
Äuswanderer wieder auf dieses Ecbiet gerichtct. Insolgcöesscn lag.-n
die südamerilanischeu Staaten, Lcsondcrs Brasilien. wiedcr mehr
aLseits Ler Jntcressen der Auswandcrungsiustigen. Dasi die Zahl der
nach Argentinien ausgewandertcn Deütschen im Iahre 1922
trotzdem ungesähr anderlhalbmal so grotz wie im Jahre 1921 war, ist,
znm Teil wenigstens, mit der genaueren Bestimmun-.t oes Reisezielcs
zu erklärrn. GegenüLer 1921 vergrötzcrt sich auch die Zabl der nach
Äfrika ausgewanderten, während nach euroxüischen Ländcrn 4m
Jahre 1922 bedeutcnd wenigcr Deutschc als im Vorjahrc gegangsn
sind. Zum ersten Male nach dem Wellkriege tritt auch A sicn wie-
dcr als AuswanLsrungsziel auf, wenn aüch nu: mit 15 Perstmcn.
Aüstralien hält sich noch immer grgen jede Einsanderung- aus
Deutschland verschlossen. Ebenso wie ini Iahrc 1921 waren aüch im
Iahre 1922 unter den nach den Vercinigten Staaten von Amerira
ausgewanderten Deutschen die Personen w e i b l i ch e nE e s ch l e ih t s
in der Mehrzahl. — Dis Eesam-zahl der im Iahre 1922 über
deutsche Häscn ausgewandrrien Angetzörioen fremder Staatcn
beträgt 38 393. Es sind fast durchweg äutzerst ralnlaichwackis LLndcr,
dcren auswanderungslustige Angehörigc die noch billigeu deutschcn
Häsen bevorzugten.

Darmstadl, 29. März. Dcr F-inanzausschup des LanöiaaS erkcdiale
einc wciter: Zahl vo» Kavitelu ües Hauvtvoranschlaais. B.-i Kav. 8ä.
Volksbildung, «ntsianl! cine lüngere Aussprache über dic Lande s>-
w a n d e r b ü h n c. Von r.ll:n Leilen wnrdcn d;c lullurelie Bcdeuliing
und Ler g-rotze Srfrlg der bisherigcn T.itigkeit anerkannt und gsforöert,
Lah im Jnteresse des ganzen Landes die AufiüLrungen sobald ivi: möalich
iviedcr aufgenvmmcn werdcn. Der Regierinigsvertreter wieZ aiif öie l-edeu-
tungsvvllen Schwierigkeiten liin: es wird aber gefvrdert. datz grei'iieie
Matznahmen gctrvffen werden, die ein: lukraüvs Wciterfüliru-ng ermSg-
lichen. U. a. wzrd auf entivrcchende Organifatiouen in den einzelnen
Städten und Orten. Vcrbindüng mit dem Rhciu-Mainiicheii Thcateroer-
band hingewiesen. Auf jeken Oall müffe veisucht werben, das Inskitnt anf
irgend eine Weise zu fvrdcrn und zu erhaltrn. Dann gibt der Finanz-
minister Mitteilnng übcr rwci von der heisifchen Rcgierung auszugch-nde
reichsmündelsichere Staatsanleihen. Bci den Ausgaben für die L a n d c s-
Univeriität n-irb auf die Vvrbemerlungcn ,u Lem Hauvtvoraüschlag
Bezug sruom-me«, durch welche öic Regirruna cimächiat werdrn ioll. i«
beionderen der Geldentivertung veruriachien F-ällen. d!e Kredüc zu über-
schrcitcn. Jm vorlicgeiidcii Fall wird die hlcgieriina ermächtipt. d!c !oit

Oltober v. I. in ben Voranfchlag eingestelltcn Beträge bis zum 7'4iachen

»M»»»»»»,^^»»»^^»»»,«^»«»»»»»,»l»»»»»l...

on einzelnen Künstlern unb von Quartetten zu Itnglaublich niedriaen
üeisen, so widmet fich ber Mustkvcrein mit sxinem gefchulten gemiichten
hor vor allem Lcr Pilige Lcs Oratorinms. Jn Verbindung mit detn
)rchester des Lanbcstheaters Lrachte er unter Ballings grotzzügiger
eitung Bruckners drittc Mcsse in F-Moll und Tedcum zu ticfgehender
Üirkung. —- Die Freie L i t e r a r i s ch - K ü n st l e r i i ch e Gefell-
chait, sonst vorwiegend Lie Moderne vrovagierend. widmetc einen Abend
er ältcren öeutschen Dichtung-, Die starkc Kunst deutscher Vergangenheit
rirkte in Liesen Tagen nationaler Not als herrlichc Offcnbarung. Elisa-
eth Stieler, bic jugendliche Heldin bes Landestheaters, ftihrte von den
»uchtigen Rhiithmen der Edda über Suios Myfük zu der r:!nen, zarten
nrik von Grirnmclshauseii, Claudius und Vrockes, und erwies stch dank
ires warmen Organs und ihrcr ganz anf Verinnerlichung gestclltcn
Üinstlcr-Persönlichkeit als ausgezeichncte Znterpretin bsr gefühlsstarkcn
cutichen Dichtung. Thco Bög- el sckiinö!:rte als irischcr Svrccher mit
iedern ' von Walter von der Vvgclwcide, Hutten, Neuental, sowie
-chwänkcn Früchlins. Wilhelm Michel sprach eintnhrdnde Worte. Der
lbcnd sollte gerade jctzt in anLeren deutschen Städten Nachahmnng
nden. — Das L a n d e s t h e a t e r brachte eine Neucinstudierung von
-trindbergs „R a u! ch", d!e unter Petcr Suhrkamps kiterarisch ge-
hulter Leitung dcn Ton Ler von Leidcniihait und Mostik bcwcgtcn Szcncn
:ai. Gielen war stark als Adolobe. Reumer elegant als Mauricc,
label R. Sangara nicht ooll nbcrzeu-.cnd als Hcnrictte. — Jn einer
nszenierung des „ll r i a u st" bekuiidctc Gustav H a r t u n g. mehr als
ei frnheren llafsischcn Auifübrungen Reivelt vor ber Tichtung, baute das
Lcrk von innen aüf und ichuf eine von Szene zu Szene stch stei'g:rnde
ramatüche Wirkung. Unier dcn Bühnenbildern von C. T. Pillartz
anden illusionsarmen Schauvlätzcn, w!e Marthens blumcnloiem Garten,
-'zenen von starler Suggesüvlrait lKirche, Marienbild) gcgenüber, cr-
:ugt nam:ntlich durch wirknngsvolle Bcleuchtuna. Waltcr R c n m c r
>ar als der junve-Baust Ler Urfasiung cin ceschmepdiger Liebhaber, Franz
- ch n e i d e r cin mchx kameradschaftücher als -amonischcr Mevhisto.
ilüabeth Stieler ein ausgszeichnctes Grelchen, gemütvoll fcsselnd in
cn Liebesgcsvrächen. vackcnd in ücn dramatüchen Ausbrüchen. ' X.

Badcu-Bade«cr Tlicatcr. „I ch bin D u", cine hritere Licbcs-
eschichte von H. H. Zerlctt, Mnstk vcn Hcrmann Beuttcn, gclangte aui
er Kiirhausbühne zu Baden-Baden unter dcr Leitung. Les Jntendanten
)r. Hans Waag zur U r a u f f ü h r u n g. Zu bem untcrhaltiamen Wcrk
mrde des alten Schreiber Lustspicl „Lamm irnd Löwe" modernistert, und
nt ber aus mirkiamen Gegensätzcn aufgcbauten Handlung hat Zerlett drei
lchtiae Akte ausgefstllt, in dcncn cs weder an gutcr Situationskomik, noch
n mitzicen Einfällen irklt. Beuttens Mnstk hat Nbothmns und Farbe,
c üt melodiös und stngbar, mit einem Wort, ste geht ins Gehör, ohne
ücht zu sein nnd an Vorbüder zn gemahncn. Uiücr den Tänzen nimmt
er L alzer einc bcvorznc-tc Stelluna ein. Da auch d!e Aufführung Schwung
nd Wärmc batlc, fand das Merk slürmischen Beifall. L. Ll.

Die Shakeipearc-Taaung. Tie Dcntichc Shakeivcare-Gciellichaft hätt
irc diesiahrige Hanvtveriammlunlg am 22. unl> 28. Avril !n W-eimar av.
>en Fcstvortrag. sür dcn ürsvrünglich Geh. Rat Gcneralinteiidant
>r. Zcitz. Münchcn, gewvnncn war. wird nach unerwartet:r Abiaac dcr
leiieralsekrctär dcr Teiiüchcii Tchülerstütnng in Wcimar. Dr. Heinrich
ilicnicin. halten. Jm Tcuts.beii Nativnaltbeäter wird der Mac-
cth naih dcr lürzlich vollendetcn Uebersetznng von Dr. Hans Rothe
iliaciiikrt wcrdcn.

Hochschulnachrrchten.

Die Lehrberechtigung sür vhusikalüche und anorgauische Chcmis
crhielt In M ü n ch c n Ler Tlvlvmingenicur Hans G r i m m. — Angc-
nommen haben: Prof. KonraL Zrcgler lBreslau) das Ordlnariat üek
klasstschen Philologie in Grcifswald, Prof, H. Neincke-Bloch
iNostock) für mittlere und rreuere Geschichte iii BreLlau. Prioatdozent
Auguft Rivvel (Breslau) für landwirtschastliche Bakteriologie in
Göttingen, Pros. Eduard Fränkel iBerlin) als OrdinariuZ Ler
klassüchen Philologie in K i e l. der Kustos an der Biologischen Anstalt in
H e l g o l a n d, Wilhelm N i e n b u r g sür Botanik in K i e l. — Die
ncuc autzcrord. Profcstur für Privatwirtschastslehre und Statistik iu
T ü b! n g c n ist dcm Stuttgarter Privatdozenten Curt Eisfelb übcr-
tragen worden. — Dr. Winkler in Königsberg crlnelt Lebrauf-
trag für Wirtschastsgeschichte. — Als Privatdozent sür Botanik (Entwick-
lunLsgcschichte) babiliticrte sich in Wien öcr Gumnasialorvirssor Karl
Schnarf. — Jn Bonn crhicltcn Lehrausträce: Jn der katholüchcn
Fakultät Privatdozent Lorenz Dürr sür Borderastatüche Reliaivns-
geschichte mit bcionderer Berücksichtigung des Altcn Testaiucnts um- der
vbiloioobüchen Faknltät Privatdozcnt Martin Honccker iür Phüoiovüie
ber rouranüchen Lünber und stzr Geichjchte Ler Logik und Erkenntnistheori:.
— Der Honorarvroscstor in F r a n k s u r t a. M. Or. meä. et pbil.
Morrtz Bauer erhielt Lehraustrag sür Musikwissenschast. — Jn Bres-
l a i! erhielten Lehrausträgc: Jn dcr katholüchen Fäkultät Privatdozcnt
Max Raner für homiletische Exegcs: dcs Neucn Testaments ünd in der
mebizinüchen Ler autzerord. Profestor Carl Goebel für Chirnrgie dcr
fremdcn, Lesonders tropischen Länder. — Jn Greifswald erhielt Lehr-
austrag Lic. Otto Bauernieind iür Einführilng in die Lcxtgcichichtc
und Sprache des Ncuen Testaments.- — Dcr Handelsschuldircitor Wilhelm
Rädcrscheidt in Köln erhielt Lehranftrag sür kaufmäilnüchcs Rechncn.

Der Ordinarius -cr iemitüchen Philologie in Gietzcn Lic. Paul
Kahle crlstelt cinen Rus nach B o n n als Nachsolger Litimanns. —
Dcr a. o. Professor sür N:urologie und Psychiatrie in F r a n k i u r t a. M.
Kurt G o l d st c i n wurdc ord. Profcstor. — Jn M ü n ch c n ltarb ber
PrivatLozcnt für Mineralogie und Konservator der Mineralooische«
Staatsfammlnng Karl Micleitner. — Als Prlvatdozcnt sür Ohren-,
Nasen- und Kehlkovfheilknnde ist in Wiirzburg Max Meyer zuse-
lassen. — Ernannt wurdc der a. o. Profestor Karl Stargardt in
Bonn zum ord. Proscssor für Augcnh:ilkunde inMarburg. — Helmut
Weigel erhielt in Erlangen Lehrberechtiguno für mittlere und
»euere Geichick'te. — Beim Statistüchen Reichsamt in B c rlin wurde
der Refcrent Dr. Evoenstein zum Regierungsrat crnannt. — Gcü.
Studienrat Dr. M. Walter in Frankiurt a. M. crhiclt Lehraui-
trag für Methobik und Didaktitz des ncuiorachlichen Untcrrichts. — Ter
Ordinarius dcr Geburtshilfe !n Würzburg Gcheimrat Max Hoi-
mcicr ist von Vorleiung-en beircit. — Ernannt wurde Oleheimrat Panl
Uhlcnhiitb in Marburg zum ord. Prvsciior dcr Hygiene m
A' rc! burg. — Als PrivatLozcnt iiir inncrc Medizin habiliticrte stch in
Jena Hans S i m m e l. — Für die Münchcncr ord. Proseffur siir
Oleschichte crgiug cin Rui an den Wiener Hoiiät Aüons D o v i ck,. —
K. NenknrsS ExtraorLinariai sür Staatswistenichastcn uud Statütik in
Erlangcn wurde dcm Privatd»>zentcn Eduard Lukas in Münster
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