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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0645
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BeiblaLt der Badischen Post

Leite 5.

Atzilun^

Aus Heidelberg.

Die Teuerung in Vaden im Bonai Mrz.

Vadische statistische Landesamt gibt in
"eu eine Zusammenstellung der Teuerung

^ -^^den, der wir folgendes entnehmen: ..

Monat März in Frage kommenden Stichtage N>r .ue
Aas Kleinhandelspreise waren der 7. und der 21. d. Mts.

/- Mär, der Fest-tkllungen über die Teuerungsverhältnisse am
F-^.U'ar inr wesentlichen das gleiche wie am letzten Stichtag
'Mltuuygf(21.). Die Steigerung der hauptsächlichsten Lebens-
> Uzen -iien hat zugenommen, wenn auch nur in s.chr
^Sszai' " '

„üeb,

den statistischen
im Monat

ngrn

. ,,„t zugenommen. .. , . ...

zwei Erhebungsgemeindcn ist ein Rückgang üer !ieue-
A- Febr,, '^zustellen. Eegenüber dem Ergebnis der Pr.ise am

- t e ^undesindexziffer

«i-11 n» '':".-"-->>auexziiiei vom 21. Februar ist eiu weiteres
» ?er Teuerung, und zwar um 18 086 Punkte odcr 7,5

2gg ^obachten. 'Die Landesindexziffer hat ftch am 7. Mäm
- Aiär, erhöht. Die für die einzelnen Kr5?5i,no-;

März

Erhebüngsorte am

^ri^.^eierechneten Teuerungszahlen betragen: Mannheim 2610L0,
Mz 250 809. Freiburg 237 813. HeidelLerg 242 691, Kon-
N' Pkär, r- ^nden 257170. Auch nach den Preis'eststellungen am
e.Mnder„ ^ gegenüber dem letzten Stichtag (7. Mlrz) wesentliche
Sieij.sm.Sen eingetreten, obwohl gcwisse Nahrungsmittel

^> >>n, Preise gesenkt haüen. Jmmerhin ist eine Beruhigung

h> ^er ^^"'.et ber Kle'nhaiwelspreise wabrzunehmen.

- o t p r e i s Zeigt cin uneinheitliches Es 'räge. Während

ber Preis für ein Pfuud ration'.ertes Roggenürot
< Me'n Karlsruhe mit 213,34, in Freiburg mit 216,66,

C» - er- . 213 Mark usw. gegcnüber dem Stichtagsergebn's vom
kl-^Sera,, '^cheblieben ,st, hat der Preis in anderen Städten eine
° igp^.erfahren. Jn einigen Eemeindcn (Heidelberg) ist eine

Ve r- !

° oung eingelreten. Auch die Fleischpreise lassen

Sew m. "3 emgelreten. Auco
1^>n V^--^'!u.^nrc!tzigkeit verm-siscn. De'm R ndfleisch ist

' - uiruufslUTieii ir^ru'. u' iietiuf t,r ZUM

oii^^la^^^^'blstand, eine Preissenkung und eine Preissteigerung
bn. Während in Karlsruhe der Preis sür das Pfund
ie^bel .,r^n Mark gegenüber dem letztcn St'chtag gleich-
de» Og o--9>> ebenso in Kehl, Freiburg. Villingen und Konstanz mit
Niif ^teiZ Offenburg mit 2800 Mark, hat stch in Mannheim

4000 auf 8600 Mark, in Heidelberg von 4010
'n Bruchfal von 3600 auf 3200 Mark ermästigt.
e,„f>>teigerung ist in Baden, und zwar von 3609 auf 3700
t>e^2gg"^reten, in Lörrach, Waldshut und Zell i. W. von 3000
h^> »op in Achern von 3000 auf 3400 Mark und in Eerns-

Crb°s?0 anf 3400 Mark. Bei der Margarine ist in sämt-
^nr'Trs;'k'W^knioinden weiterer, zum Teil rccht erheblicher
«w Ilp,; r?.3 a ng ^ verze'chnen. Mit dem Preis für das Liter
üebi-t Cn-, Üebcn Karlsruhe und Durlach mit 630 und 632 Mark
?l>ei, Ä- Der Preis ist im allgemeinen auf der alten Höhe
' »^ur wenige Gemeindsn müßten zu einer Vreiserhöhung
Ij^tj^^ -fm Eepensatz hwrzu bat sich der Preis fiir das Pfund
Vi» ergben meisten Erhebungsgemeinden nicht unwefent-
gep°bt. «o ist-in Mannhelm der Preis von 7200 auf 8490

' - v«n

^""^tlegen, in Karlsruhe von 7500 auf 8100 Mark, in Trei-

'n auf 8009 Mar-, in Konftanz von 6000 auf 6500 Mark,

0°Nb,,i. °2n 8000 auf 9000 Mark. Gleich geblieben ist der Preis
Hh^», Nnb^ Kchl tnit je 6000 Mark. Eine Preisscnkung .st in
?ieid^ -lwar von 7400 auf 7000 Mark eingetretsn, ebenso m

7500 auf 5000 Mark und in Grrnsbach von 10 000
»vj„, Snn,^ Die Preise für E ier sind recht unterschiedlich und
^lchritj ^°8ten Teil gegenüber dem letzten Stichtag, trotz der
?tei ^ b°; ? ^ahreszeit eine Preissteigerung erfahren.

cy ^apreszell eine Preispeigcrung eriaoren.

'»ss„>rnfsLs! den Kartoffeln ist zum Tcil ein recht erheblicher
!>»N 5 >n M eingetreten. So ist der Preis fül ein Pfund Kar-
9> n„s . unheim oon 35 auf 60 Mark gestiegen, in Karlsruhe

!L. ll„k ,non «> aus vv Licarr geuiegen, I»

^is^Sen ^6 Mark. in Heidelberg von 19,50 auf 55 Mark,
ch S>Urc> ?on 24 auf 75 Mark. Auffallenderweife hat sich in
»nre Preissenkung durchgesetzt, und zwar von 35 auf
len 5^?hrend die Auswirkung der Preisrllckgänge in den

^r^bei ,^st>chen Teuerungszahlen erstmals am 7. März, und
m Gemeinden in Erscheinung trat, macht sich solcke bsi
>»i „"9 des Stichtaosergebnisses vom 21. Mcirz schon schärfsr

^ zwar konnte hier ein Rückgang der Teuerungszahl

^r ^efz^einden festgestellt werden. Ww fchon Letont, macht sich
?^>U'wa„?8arig hauptsächlich bei den Auslandswaren bemerküar.
^r ^«sr; T,.ü>r die reinen Ernährungskosten hat sich dadurch zwar

.sst>sij ",u>r oie reinen Lrnayrungsiosten oat stch oaourch zwar
,9ens'-^'rd aber durch die weiter im Vreise gestiegenen Kosten
i^llr Lebenshaltuna für Heizung, Veleuchtung und Woh-

?i», llllih , r ausgeglichen. Die Teuerungszahlen Letragen, und
ftsz,28g^n> Stichtagsergebnis vom 21. März wie folgt: Mrnn-
Kom- "rlsruhe 256 499, Freiburg 236 881, Heidelberg
"VKhi^ llstanz 251 Baden 254 143. Die an Hand der Teue-
!°hne Bekleidung) der 71 deutschen fog. Eildienst-
», "sCtatistischcn Reichsamt berechnete Reichsindexziffer
!s»» Awllde ^nrz 262 700, d. h. dic in diese Statistik einbezogenen
»leiig:, welche die Gruppen Ernäbrung, Wohnung, Heizung
^ ?">g umfasien, kosteten im März zufolge der Bsrech-

nungsmcthodr des Statistischen Rcichsamts 2627 mal soviel w:e vor
dem Kriege. Dies bedeutet geoenüber dem 21. Februar eine Zu-
nahme der Steigerung um 9,1 'Prozent.

Die badifche Landesindexziffer, die vom Stati-
'tischen Landesamt aus den Tenerungszahlen (gleichfalls ohne Be-
kleidung) von 25 badischen Eemeinden berechnet wurde, stieg im
März. und zwar nach dem Ergebnis der StichtagserheLung vom
21. März gegenüber dem Monat Februar (21.) äuf 260 467. Die
Zunahme beträgt somit 8 Prozent. Bei Zugrunüelegung der Stich-
tagserhebung vom 7. März beträgt die Steigerung bis zum21. März
0,5 Prozent. Die für die Leiden Stichtage im Monat Mürz
(7. und 21.) berechneten Landesindexzisscrn stellen sich im Durch-
schnitt auf 259 862. Bei Beriicksichtiguiig der Dnr-'-'chnittsziffer vom
Monat Februar mit 227 882 betrcmt die ZunaOme der Teucrung
nach der Durchschnittslandesindexziffer vom Monat März mit
269 862,14 Prozent.

Sridelberger Kirnstvirem.

Wanderausstellung der Karlsruher Zunst „Die Arche".

Die diesmali-ge Ausstellung des Kunstvereins darf man getrost
als ein kleines Ereignis im Heidelberger Kunstleben lezeichnen.
Ist es doch ^as erstemal, dasi die im Jahre 1889 von ehemal'gen
Karlsrilher Kunstgewerbeschülern gegründete Zunft „Die Arche" mit
einer Kollektivausstellung an die Ocfsentlichleit tritt. Von den
mehr als dreißig Ausstellern dürften es etwa nur fünf seist, die zu
dcn damaligcn Eründern gehörten. Um sic gruppieren sich d'e später
Hinzugekommenen bis zu e'ner jüngsten Eeneration. So stsht der
abgeklärte Altersstil neben dem gereiften Können des im Vollbesitz
aller künstlerischen Mittel avbeitenüen Schöxsers und dem macht-
vollen Streben junger, ausblühenüer Talente. Und gerade in der
Verschiedenheit des Kunstwollens aller, in der teilweisen Abhängig-
keit voneinanüer, ohne dah -die Persönlichleit dabei verloren ging.
liegt Ler große Rciz dieser Ausstellung. Ein Wcrten und ALwägen
gegeneinanüer ist hier nicht am Platze. Man könnte gerechterweise
die Namen aller aufzählen, die sich, in den verschieüensten Kunst-
zweigen tätig, zusammenfanden. Denn was uns gezeigt w'rd, ist
durchgängig gut, meistens sogar ganz auegezeichnet So musz man
sich begnügen, einige besonders lebh-afte Ein-drücke herauszi'greifen.

Dasi Hans Thoma. der Ehrcnzünftler. von dem zwsi Oelbilder
und eine grotze Anzahl Reprodultionen nach Ermäl'den o'cer araphi-
schen Arbeiten ausgestellt stnd, an erster Stelle genannt witd. ist
eine Selbstverständlichleit. Se'.ne Bedeutung als Künstler steht
allzu fest, als datz dariiber noch Worts zu vsrlisren wären. Er
verkör'-ert aber zugleich auch einen gewissen Typ der badischen,
s'-eziell der Karlsruher Maler. Das sind jene Naturen, die ihren
Meg unbeirrt um den Lärm des Alltags gingen, die aus Lem Jnner-
sten heraus schafsen. D'chter der Farbe, die :>jdealismus imd Realis-
mus in sich vereinigen, Philofophen der Kunst. — Einer, dessen
Kunst wie die Thomas zeitlos ist, ist H. A. Bühler (Karlsruhe),
der allerdings.leider durch ein nicht allzu charakteristisches Bild ver-
treten ist. Scine „Masserfrau" hat nicht-? von der Monumentalität
vieler seiner Schöpfungen, aber sie verkörpert jene poetisch-philo-
sophische Seite -des Künstlers. E. KLHlewein (Karlsruhe), sein
Schüler, ist erdenschwerer, vertritt aber in ssinem Bilde „Erwachen"
gera'-e die Seite, die bei Bühher in diefer Ausstellung nicht so stark
zur Eeltung kommt, das Monumentale, die Feierlichkeit, die grotze,
geschlossene Form. Eine Persönlichkeit mit ausgeprägtem Willen,
die Farbe und Form beherrscht, die klar und bestimmt ihre eigene
Sprache spricht, ist E. Pfefferle (Karlsruhe). der auch als
Graphiker Hochwertiges bietet. Den vielseitigen W. Hempfinst
(Karlsruhe) lernen wir nur als Landschafter kennen, wobei sich
allerdings die koloristische Fertigkeit, die technifche Gewandtheit dieses
Künstlers in glänzender Weife offenbart. Dem Gemälde von
R. Amtsbühler (Karlsruhe) sieht man es nicht an, datz er W
den Gründern Ler Zuwft gehört, fo jubeirdsrifch wirkt feiu Vild
,.Nür Arbeit", Läs im wefentlichen aui ein leuchteN'des Rot und
Krün eingestellt ist. Leuchkkraft der Farben und pastose Technik
zeichnet auch die Bilder von C. B lum (Karlsruhe) und von Re i n-
hardt (Karlsrnhe) aus. Bliebe noch E. Wolf (Karlsruhe), die
eigenarti'gste Künstlerpersönlichkeit dieses Kreises. Er steht wirklich
völlig ifoliert, ohne jed-en Schulzusammenhang, ein wahrsr Dichter
der Farben. Die Regungen seines Jnnenlebens legt er in seinen
durchaus dekoratwen ' Eemälden nieder. Ein Mstavhysiker unter
den Malern scheint er in seinen raumlosen Bildern ein Stück
Schöpfungsgeschichte zu geben. Das ungeschriebene Motto seiner
Arbeiten ist fast immer ein fchöpferi'sches „Es werde"! — Die Leiden
Mannheimer sind Nertreter der in dies?r Stadt besonders gepflegten
Stillebenmalerei. R. Papsdorf, den wir Lereits vor kurzem
sahen, und Bruck, von dem namentlich die farbig glänzenden
Stilleben „jap. Porzellan" und „chin. Löwe" starken Eindruck hinter-
lassen. — Besondere Erwahnung verdienen auch die drei Heidel-
Lerger. L. Ziegler mit seinen technisch, faMg und inhaltlich
packenden Arbeiten. H. W i n kl e r - § e u tz . der neben einem flott
nnd pastos gemalten „Bauernhaus" u. a. jene tiefinnerlich emp-
fundene, visionäre „Kreuzigung" ausstellt, nnd schlietzlich der simg-e
Eeisel, desien achtbare Landschaften erfüllt sind von dem Dunst
regenschwerer Vorsrühlingstage. — Die Oelbilder von E. Kabis
(Pforzheim) sind etwas hart ünd trocken, als Eraphiker dagegen ist
dieser Künstler von beachtlicher Qualität, besonders in der Feinheit

weiter Fernsichten. — Dei den in der graphisckien Abteilunq ge-
,w;gten Werken ist ein Eingeben auf Einzelheiten völlig untunstch
Es wllrde auf eine trockene Namensaufzählung hinauslaufen 'die
ernllchternd wirkte. Ein Eesamtlob mutz hier für crlle qenügen.
-icder gibt in seiner Eigenart sein Bestes. Neben rein graphischen
Blättern erfreuen auch emige Aquarelle. und wenn hierbei mit der
Nennuilg von F. Cales Meyer eine Ausnahme gemacht wird so
gesch'eht dies Lesonders, um auf die so selten qcsehenen Arbeiten
des heute 74jährigen hinzilwesien, der, «in geschätzter Lchrcr theore-
tiscber Fächer, zugleich aus Liebhaberei feine, kleine Bil-dchen schuf.
— Mas wir an Plastik sehen, ist durchgängig anerkennenswert
mögen es nun die Porträtmedcüllen von H. Taglang (Mann-
heim) oder die gut komnonierten Holzrel'efs von A. Stu-dinger
die Bronzen und Maioliken von A. Waldcr (München). Lie Zicr-
und Eebranchsmajoliken von E. Huber-Roetho (Villingcn)
o^er die Arbeiten von O. F e i st (Karlsruhe) sein. H. Föry
(Karlsruhe) h'Nterlätzt mit -den nachbaltiesten Eindruck durch seinen
„Fohanneskops" und beson^ers durch die ungemein lebenstreue
„Thomastat'ietV. — Ein Zwischenglied zwischen Kunst und Kunst-
gewerbe bilden die Glasbilder nach Hans Tboma von H. Drinne -
berg. Fiboma selbst hat die Bemühungen Drinnebergs -sefördert in
richt-ger E>'nschätzung dieser ke-deutenden Leistungen.'die es ermög-
lichen. .Bll>er und Farbenharmon'en in kaum noch aeahnter Wsise
berzustellen" (Thoma). — Nennen wir noch zum Schlutz dic qe-
schmackvollen Bucheinbände von I. E. O. Schick (Karlsruhs),'so
baben nür ein annwherndes Bild gegeben non der Vielseit'gkeit,
aber auch von der giialitat-ven Höhe disser Ausstellung, um deren
Zustan'-ekömmen sich Herr Wmkler-Deutz in aufopfernder Wsise
bemühte.

* Profesior Dr. Jakob Wille. der frühere Direktor der Universi-
^ätsbibliothek, wurde vom Mannheimer Altertumsverein zum
Ehrenmitglied ernannt.

" Ein beschleunigter Nersoneniug w>rd im.Sommer d. I. von
Ludw>„sha'cn be>w. Mannbeim llber H e i d e l b e r g — Heilbronn
nach N''rnberg und znrück verkehren.

* Zum achten stödtischen Sinfonickoniert wird uns aeschrieben:
Das wegcn des Solisten anf Mittwoch. den 18. April verlegte
unter Radigs Leitnng stehende ach>e Sinfomekornert bringt als
.eia'n'twerk Mo-ar^- som I-vkter-^'nfonie. sowie L's'ts simonische
Dichtimg ..ldei; ?rslvcks8", beides Werke. die bekannt genug sind.
nm eine Erklärung odcr einen H'nwcis nötig zu baben. Besondcres
Interesie bekommt der KonzerWbend durch seinen Solisten. den bier
aner"ann>en vnd vefsiM-'n Viamben Nndol? Scrkin ' des Eeiaers
Fritz B»schs stän>-i"en Kunstgenosien vnd Pgctners beim biesigen
letzten Bach-Regersest. Herr Serkin snielt Mend-l^-iobns >9 moll-
Klavieri'on'ert (mit Orchesierbevleitnnv). das seit 25 Iahren bier
nicht mebr gebört wor>-en ist, »nd avf beian^cnm Wunich des Kon-
zertleiters noch zwei Klaoiersolonummern "on Chopin vm Lent
Publikum Eelegenheit zu geben, den Künsiler einmal vanz allestl
zu hören.

-7- »7 Stadttheater. Jn der Vorstcllung am Mittwoch. „Wilhelm
Tell. vastm^ <5ans Werner aus Kriurt in »<-- Nvll- d-,
Melchtal auf Anstellung.

» Wa nung vor einem Schwindl<-r. Am 14. Apr>l. abends 7 Nhr
kaufte rn einem Sck»"bwarenaesck'äst in Nenpnheim ein etwa 55jähri»
ger, 1,60 m großer Mann, der Ledervamasch-m tr---> 5 Paar Schmir-
schuhe im Eesamtwerte von 2"5 000 Mk. Der Mann' entsch"rd-nte
sich mit der Ausrede, in einigen Minnten w'ederüvkommen. Als er
n:cht wiederkam, öffnete man das zuriickaelassene Pa^e> wobsi ' -a-i
die Entdecknng machte, datz das Schuh"aket mit einem mitasbrach »u
gleichartigen Paket vertauscht worden war, das anstatt Schuhe Steine
und Eras enthielt. Um Unschädlichmachung des Täters eriucht die
Polizel.

? LaSr. 1S. Nvril. Für Lle Ttelle des zwelten Bürger.
meisters. Lie selt Lem Tobe Les Bvrgermeistcrs SckwcikharL (Dez. 1917)
unSesetzt tst, tst Dr. Tischer aus Frciburg in Aussicht genommen.

KirchNche Nachrichten.

Mittwvch. 18. Avril, abenbs 8 ULr: Bibelstnnde. KonfirmanLcnsaar.
CbrlitilS'kirche. StaLtpsarrer O. Frommek: Paulus nach Lem ersten
Tbeffalonicherbrlef.

DonnerSta«, 19. Nvril. abends 8 USr, Gemeindesaal. Karl Ludwigst.-asie:
Weltbund für.FreundschaftS-arbeit Ler Kirchen. Pfarer Manz'-Frankfurt
svricht in einer Ausivrache über: „Die Frenndichast der VSlker und Lie
Freundfchaft der Kirchen". Jebermann ift «ingeladen. — 4.80 Nhr:
Verein der Freundinnen junger MSbchen bci Frau Hetz lRöderwcg 3
lVortrag Fränkel).

Freitag, 20. Avril, avends 7 Ubr. Gemeindesaal. Karl Ludwigstraße: Brr-
bercitung der Kinderkirche. Stadtpfarrer Maas.

Uorokaut, Lelivlelsn vnck rvarre ' 0686iti«t
«obvoli, aiobsr. «obivorr- vvck xolalirlvs
ßklUlLSI'Ql s» r-ioion dliiliov. r-äliov e!ävL. bovabrt. 2
»»»«»»»I VI In avntiiobon v.vrox. oriiültlioii. Oouov-o
Nrovnov,I-vÜ8obvo'öv.IVvvcklavkov l-luI-irol-ievLkack.S
vrogsrlen: 15, oI ^ l»r»s-tl. NsuntsirsLe 5;

14 llotXt»r» »Ior, Uelce kobrdaelier- u. Na>8vi'8tr.

25Bräute.

Schelmenromail oon Wilhelm Herbert.

Nachbruck verboten.

Witwer bleiben, auch wenn ich heirate. Das
P? tzo/»e tiefsten Herzen wenigstens — an meine Frieda

„ sitci«^?>>cr denken dürfen, und ich glaube, dazu oraucht es
^ ciner Frau, die auch ein Grab im tiefstcn Herzen

nrckte. „S o meinen Sie das?"

' i ^ lch es "

lhr^iit; "> u tz es meinen." x

!>^»> >>g ^ ° vian es meinen. Frau Mathilde." Er lächelte sie
> " s>« ien'55"^ mützte also eine Witwe sein. die genau sö an
"ÄZo^^te u>ie ich an meiner Frieda Wilhelm ne hänge,
' ' '

^lj Ley? »lützte boch °uch an mir hängen."

V Ug»Sriff u Sle ja an ihr auch."

»» ich °^>»en i" sein Rüstzeug und holte emen hcitzen

>>e r; 'üiwärmerifchen Klang hervor. „O, ich künnte es,
^h»». ^ ."ven "

.Hatkm^u würde."

Aber sie strich mit der Hand über die

8 ej- itvnte .7

»hj. ÄUa„ss-„?- 'luruck und suchte scheinbar im blauen Aether-
^iikuno . re. Mber seinem schiefcn DliNzeln entging die
siid

iK'a„7.°^wazdenn?" frazte sie da plötzlich nicht unfreundlich,
§r jAsann.-' u>>c bei einem Berhör.

^lli^utzte

c 'Hci?N ihm ungefähr das Richtige.
d'h Lj?unn war _

^lnsj" >n P^ur^auch Kaufmann^— Mas machen^Sie da?"

,^ixj3ir vor»ll"^>crwaren gereist." Er dachte an die Düten, mit
Sie „Ugeweile an-f derPritsche hin und her gerutscht war.


'Un^u Cj. d >'-Yt mchr?"

«h°ÄUr'7,?ns ^8 hat sofort «_ _ ^ .

^ dj^^täik^ ^ ^eine Witwe wie Sie, Fran Mathilde!"

d, die mo^uung dieser Ucberzeugung legte er seine Hand
Augenn?-7 uud voll und krästig war.

! nicht duldete si« den leisen Druck. Dann

sofort einen andcren geheiratet, der mir

Zog sie

.^Zetzt lebe ich von meinen Ersparnisien. Zch Lin ja sehr sxarsam,
wie Si« wissen, Frau Mathilde."

„Und Lann?"

„Dann kaufe ich mir vielleicht selbst etwas, wenn ich unter
Umständen noch jemand dazu finde."

Nun lag der Weg klar.

Ob sie ihn ging?

Schon blieb es -rhm fast zu lange strll.

Doch! Doch! Sie kam.

„Papierwaren sind ein sauberes Eeschäft," sagte sie.

„Bis auf >den Kleister," dachte er, nickte aber blotz aufmunternd.

„Mein Mann hatte Oel. . . Aber Eeld trug's."

Ei Wunder! Lockst du gar schon selber, Eoldvöglein?

„Ia! Ia! Oel!" Es lag Wärme und Bewunderung in feinen
Woiten. „Das glaube ich. Und doch wäre mir Papier lieber.
Wenn man Larin aufgcwachsen ist."

Auch diese Beharrlichkeit gefiel ihr wieder. Das war solld.
„Ich glaube" — meinte fie nachdenklich —. „ich könnte mich schon
mit Papier befreunden."

,Ia!" rief er überrascht, Legeistert, wie neugebacken aus -den
Wolken sallend. „Wllrden S i e am Ende selbst?"

„Ich mützte es mir natürlich erst überlegen."

„SelbsLverständlich! Selbst'verständlich! Aber schon der bloße
Eedanke macht mich glücklich. Dieses Doppelte . . ."

„Welches Doppelte?"

Er blies sich heimlich etwas den Hals au-f, um schamrot zu
werden. ^ ^

„Verzeihen Sie!" stammelte er verwirrt. Dann lack-te er. Dann
schob er stch näher. Dann ritz er mit einem Ruck am linken Zipfel
die blaue Echleife auf und schleuderte ste von sich.

„Frau Mathilde!" stietz er leidenschaftlich hervor., „Es geht
nicht mehr anders. Jch mutz es Jhnen sagen. S>e wären die
einzige, die ich heiraten könntc."

Vor so viel Leidenschaft schmolz auch ihr starres Herz in Oel.

„Und Frieda Wilhelmine?" fragte sie und schaute ihm freund-
lich iü die kindlich treuen blauen Augen.

„O!" Jn diesen Augen schwamm Sonnc im Regennatz. „Jch
weitz. sie segnet uns."

Frau Mathilde erhob sich. „Lassen Sie uns zu ihr gehen!"

„Heiliges Siebengestirn, hilf!" S:e hörte seinen Stotzseufzer nicht.
Jetzt war er wirklich platt. So viel Heimtücke hatte cr dieser Elücks-
stunde nicht zugetraut.

Aber seine Keckheit verlietz ihn nicht. Ernst und feierlich, wie es
>dem besonderen Eang geziemte, schritt er mit der wiederge'nüpften
Schleife neben Frau Mathi-lde her. Jn diesem Schädel grinste hohle
Gedankenlosigkeit. Er sprengte sich fast den Kopf — nichts fiel ihm
ein. Dazu kame» di« Vorwürfe über seine eigene Dummheit.

Warum hatte er „Frieda Wilhelmins" nicht hundert Stunden non
hier ins Grab gelegt? Aber dann hälte-er ja nicht täglich als tie-f-
trauernder Witwer da erscheinen können. Wozu llberhaupt diese
ganze blöde Komödie? Wenn sie am Ende doch die Taschcn zuhielt?!

Doch in seiner Smtzbüberei laq Stolz und sein Schwindlertum
hatte einen gewissen Charakter. Jhn reizten Schwierigkeiten. llnd
der Reiz übertrng sich auf-das Hirn. Und das Hirn Legann, zu
arbeiten — fün>fzi8 Schritte von der anderen Mauer.

Er Slieb stehen urvd legte die Hand sanft auf Mathild-ens Arm.

„Nein! Es geht nicht."

Sie schaute ihn grotz an.

„Heute nicht, Frau Mathilde! Morgen — hsute nicht. Ich mutz
es ihr erst allein fagen. Jhr« zarte Seele wiirde um die Ruhe
kommen. wenn ich n>ck- erst allein mit ihr svräche."

Er sah — noch vc em Schrecken vorbsr — so angegrisfen ans,
datz kein Argwohn da u aufkam. Der Mann war ja so voll von
Tugenden, datz man jelc Minute auf eine neue gefatzt sein mutzt^.
Man würdr ihm wirklich später manche davon abgewöhnen müsien.
Denn einen Heiligen wollte man ja doch nicht heiraien.

„Sic haben recht," lenkte ste ein. . Es ist besser so. Wir gehen
dann auch erst morgen zu meinem Mann, Herr Müller"

„Müller" dankte ihr mit herzlichem Händedruck. „Jch wutzte,
datz Sie mich verstehen!"

An der Friedhofstllre wollte er sich bescheiden zurückziehen. „Ich
möchte Sie nicht vor der Zeit ins Eerede bringen."

Eott, war das ein Engel!

„Sie könnten aber heute nachmlltag bei mir eine Tasie Kaffee
trinken! Kriemhildenstratze 217 — zwei. Dort sieht Sie nieman-d."
Si« lachte c-an; vergnügt Labei.

Ia! Ia! Menn so eine Witwe erst einmal warm geworden ist.

Er grützte sehr respektvoll und Llie-b stehen, u-m sie hundert Schritte
Vors'-rung gewinnen zu lasien.

Wie er drei M'nuten später aus dem Friedhof trat. lief e-r
Kathi in die Hände der Schenkmaid vom ..Letzten Tropfcn".

Sie hatte dcn Kopf in den Boden gesteckt und war atemlos vor
sich hingerannt.

„Ia!" stammelte sie im Wonneschreck. „Kommen Sie fchon vo»
drautzen?"

Er zögerte nich-t länger als fiir Eins, Zwei, Drei. „Frcilich!
Jch komme fchon von drautzcn. Jch habe dich hcrauswinken wollen,
datz mich nicht gleich die Alte sieht. Wo warst du >denn? Na, dn,
doch nicht ein Rendezvous?!"

„Was denken Sie?!" sagte ste erhitzt unid ängstlich. „Der Drache!
Eerade, w:e wenn ste's gewutzt hätte, hat sie mich um Oel in die
Stadt geschickt."

„Schon wicder Oel!" murmelte er nnwillkürlich.

(Fortsetzuna folgt.)
 
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