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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0842
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gemacht war, spräch sich' tn 8er gKMHsn Formel' Aeinrich von
iSagerns aus: Johann von Oesterreich werde gewählt, nicht weil,
sondern obwohl er ein Fürst set. aber Äiese Ernennung eines
,Reichsverwesers war doch entschieden ein erster Schritt zur monar-
chischen Lösung hin. Die Versammlung nahm diese Entschlieguna,
chiese „Kürung" eines Reichsverwesers mit großer Begeisterung auf,
Ue sah in dem Umstande, daß sie selber, ohNe irgend eine Teilnahme
Der vorhandencn Regierungen, Lem zu zriindenden Reiche ein wenn
l'auch nur rorläufiges Oberhaupt gegeben hatte, ein Pfand des end-
igiiltigen Gelingens, sie wurde gerade durch diesen Akt der Schaffnng
Kines Verwssers des Reiches und damit einer Reichsregierung in
/Zdem wonnevollsn Empsinden aestärkt, datz sie wirklich im Desttze eiuer
Ä o uveränen Eewalt sei, datz ihr Wille das Recht und die Macht
Habe, sich durchWsetzsn.

f Allein hier lag nnn ein ungeheurer Selbstbetrug vor, der das
Mliesilich völlige Mihlingen schon im Keim« in sich trug. Die Na-
Monaiversammlung der Paulskirche besatz die souveräns Gewalt
»ben n i ch t. Sie konnts sich in ihren Besitz h'neinträumen, weil
hie Jnhaber der wirllichen Töwalt, die vorhandenen Regierungon,
Kurch die Märzereignisfe gelähmt waren, namentlich die österreichische
'«nd die preugische Regierung,' weil in Berlin wie in Wien gleichfalls
Kerfassunggebende Nersammlungen zusammengetrsten waren, ^ie für
Dssterrsich und Preugen auch «rst neue Versassunaen beschliesien
^llten, und weil deshalb diese Leiden Regierungen, teils freiwillig,
Heils gezwungen, dem Verlauf der Dinge in Krankfurt zunächst un-
sä-ig zusahen, wsil sie auch gar nicht ernstlich daran dachien, daß
ivon Frankfuri eine entsHe'dende Bestimmung >>«r Entw'cklung
Musgehen werde. Diese Bestimmumg lag vielmehr in Wien und in
Kerlin selber und dcmn in London, Paris und Petersburg. Man
Aonnte deshalb die Versammlung in der Paulskirche ruhig ihr Werk
Ziun lassen. aber man dachte nicht daran. ihren Anspruch, Äie neue
deutsche Berfasfung einzig und allein zu bestimmen, gutzuheisien,
'man Lehielt sich in Oesterreich und noch mehr in Preuhen, Las viel
^sniger von der Revolution in seinem Machtbestande angegriffsn
mar als Oesterreich, alles vor und so konnte es denn kommen
Dasi die Paulskirche mit dem grotzen Mitzlingen vom März 1849
Mchlotz, Latz, nachdem schon Oestsrreich erklärt hatte, seine eiacnen
Wege gehen zu wollen, nun ailch Preutzen dis Freiheit dsr Ent-
jschlietzung zurücknah-m nnd die Kaiserkrone, die ihm auf Grund der
mnterdessen sertiggeitellten Reichsversasinna angeboten wurde, ab-
chehnte, mit Recht ablehnte, weil der Könia von Preutzen durch
tziese Krone nicht stärker. sondern schwächer geworden wäre, weil
Klso Deutschland durch diese Reichsverfassung, in der nach Ansicht
yr vieler Urteilsiähiger dem Kaiser zu wenig, der Volksver-
retuna zu viel Rechte eingeräumt worden waren. der starks
eutsche SinheitLstaat, dem die nationale Sehnsucht gegolten
tte, nicht erstanden wäre.

So ist der 18. Mai der Anfang eines grotzen Mitzlingsns.
enn man die praklischen politischen Ergebnisie ins Auge fatzt, eines
Mitzlingens, das den unwiderleglichen Veweis dafiir lieisrte, datz
Ne Lösung der deutschen Frage, Las heitzt der Frage, ob es ein einigcs
Garkes Deutsches Reich geben solle oder nicht, einseitig, nur
Fon Seiten des Volkes aus und gegen die vorhandenen Regie-
Mngen, nicht möglich sei, datz die Macht des Nichtwollens dieser
Hinzelgewalten weder durch die Mehrheitsbeschlüsse einsr selbst so
wolksbeliebien Vsrsammlung wie die Paulskirche war, noch durch
Marrikadenkämpse und Aufruhr zu bezwingen sei, und datz ein nn-
iiderer Weg als der, zvnächst einmal die Bereitschaft dieser Ein-
Helgewalten zur Begründung eines starken Staates herbeizuführen,
^nicht gangbar sei, Die weitere Entwicklung war danu die, datz die
lVerschisdenstcn Versuche gemacht wurden, diese Bereiischaft auf diplo-
Katischem Wege herbeiznführen, datz dann aber, als sich herausge-
Ksllt hattq. datz mit bloßer Diplomatie nichts zu erreichen sei, zu dem
Mitiel dss Zwanges gegriffen wurde, denn die deutsche Frage
imutzte zur Lösung kommen: Der französische Jmpsrialismus hattg
'- -isder „seine Augen auf den Rhein gerichtet" nnd drohte die deutsche
hnmacht für stch auszunutzen.

So unternahm denn Bismärck sein Werk: er schuf den star-
deutschen SLaat, erst im Kampfe gegen Oesterreich, das wegen
iner uNdeutsckien Zusammensetzung diesen Staat nicht wollen konnte,
md dann im Kampf« gegen den französtschen Jmveraiar. der aus
lllcksicht auf die ehrgeizige Herrschsucht des französischen Volkes ihn
-icht wollen durfte. Er sicherte die Rheingrenzs, er gab dem deutschcn
Zolke im Jnnern das Matz von Einheit, das es ertragen konnte,
md er schuf den Ausgleich zwischen dem historisch Eewordenen und
rcm neu sich zum Leben Dränzenden, indem erPreutzen den entschsi-
kenden Eknflutz im nsuen Reiche sicherte, aber qleichzeitig dem deut-
chen Volke das Wahlrecht der Reichsversasiung von 1849 gab.

'Er vertraute, datz das deutsche Volk dieses Wahlrecht in dem Sinne

Mbrauchen wevde, in dem es dieses Wahlrecht ursprünglich bezehrt
hat, in dem Sinne einer Detätigung der nationalen Idee,

Das, was die Mehrheit der Männer von 1848 ersehut hatt«,
ichar damit in allem Wesentlichen erreicht: auch die meistsn -er
Megner jener Mehrheit gaben das zu, viele auch der leidenschaft-
ztichsten Demokraten und Radikalen hekannten sich gerne und sreudig
M dem Bismarckschen Werke. und es konnte so auch in der Er-
sinnerung an 1848 zu einsr Einigung kommen: im Desitze
Hessen, was die Paulskirchen-Versammlung einst
Wenn auch vergebens, erstrebt h a t te, und in nachsichtigem Vcr-
Ztändnis auch sllr die Zrrtümer der Zeit, durfte wan sich in der rück-
Mauenden Betrachtung ohne Vitternis des stürmischen Enthusias -
u s sreuen, mit dem damals zum ersten Male das deuksche Volk stch

zu dem Wunfche Lekannt hatte, ein einheittiches Staatsvolk M werden
und als solches auch zur Geltung zu kommen, des lisbenswürdigen
Optimismus, mit dem das Volk die Erfüllung dieses Wunsches der
wirklichen Enkwicklunz der Dinge vorwegnahm, mit dem es sich dem
Entzücken über Las schon erreicht Eeglanbte, hingab, des poetischrn
Reizes, Ler dem Fühlen und Denken und Reden der 48er anhaftet
durch den starken romantischen Einschlag, der bei so vielen
bei ihnen mitwirkt, durch die zahlreichen Fäden, die von der deut-
schen Dichtung in die Paulskirch« hinübersührten, — heute
aber, da wir verlvren haben, wa§ die Männer von 1848
gewollt hatten, da der starke deutsche Staat, dem das Sehnen von
1848 gegolten hatte, zerstört ist, da wir wieder wie vor 1848 ein
Gespött der Völker geworden sind, heute täteu wir gut daran, diese
Erinnerungen in Ruhe zu lassen, oder aber, wenn ste schon erwsckt
rverden sollen. uns in einer Trauerfeier zu vereinigen, in der
roir in ernster Einkehr der Manen derer gedenken, deren geistiges
Erbe wvr nicht zu wahren vermochten, am allsrwen'gsten abeii können
wir uns zu einer Feier einsinden, bei denen diejenigen den Vortritt
haben, dcren Parteien den Verlust dieses Erbes entweder zu einem
wesentlichen Teile mit verschuldet haben odcr jetzt mit dazu
beijrazen, den durch die Revolution geschasfenen Zustand der Dinze,
der in jeder Beziehung eine Verlengnung unserer nationaien Ber-
gangenheit nicht nur, sondern auch einer nationalen Zukunit fft,
zu erhaIten.

Didse Verschuldung, ste hat schon früh begonnen. Schon bald
nach der endlich und glücklich ersolgten Einigung Deutschlands be-
gann der Partergeist den Nationalgeist zu übsrwuch-'rn.
der Parteigeist. von dem Vismarck schon im Jahre 1885 schmerzbe-
wegt sagte, datz er es sei, den eranklazen müsse vor
Eott undder Eeschichte. wenn das ganze herrliche
Werk der deutschen Nation von1866 und 1876 wie-
der i n V e r f a I l g e r a 1 e! Dieser Parteigeist, er hat auch am
9. Noveniber 1918 die Entscheiduirg an sich gerisien, er hat in dem
grotzen Unqlück, das unsers Nation betroffen, nur die Eelegenheit
gesehen, sich selber in die Herrschaft zu bringen, Parieigeist hat bei
Lem Werke der Weimarer Verfasiung die letzte Entsckieidung gchabt
und Parteigeist ist es, was in der deutschen Republik von heute
dis Geschicke des deukschen Volkes bestimmt, Parie'geist ist es auch
gewesen, was im Jahre 1848 durch seine Matzlosigkeiten, durch seinen
unbelehrbaren Doktrinarismus durch Rechthaberei und Eizensinn
wesentlich mit dazu beitrug, das Werk der Paulskirche erst zu oer-
zögern, dann zu Falle zu bringen, und dieser Parteigeist ist
es. der es heute unternimmt, so wie er die deutsche Eegenwart
fälscht, auch d-ie Vergangenheit zu fälschen, indsm er durch Lie heu-
kige Feier den Schein zu erwecken sucht, als wenn das Dentschland.
wie es aus dem November-Verbrechcn von 1918 hervorgsgangen ist,
irgend welches Recht hätte, sich in das Licht einer grotzeu Ver-
gantzsnheil zu stellen. Das, was in jener Vergangenheit dem Partep-
geist, der heute bei uns herrscht, verwandt war. war nur Zcr-
störung, und Zerstörung ist es, was wii erülicken, wenn
wrr >n dem Deutschland der Eegsnwart Umschau halten, Zerstört ist
die Freiheil im Znnern. Wr sind heute wieder, was das
Bekenntnis der politischen Uebsrze-ugung angeht, da, wo wir vor
100 Aahren waren, nach Wien und Karlsbad: Metkernichsche Metho-
den regisrcn in Verlin, von Berlin und von der Eschsnheimerzasse
in Frankfurt aus wird wieder der nationale Eedanke verfehmt und
verfolgt! Zerstört ist die Freiheit imAevtzeren: Diese Frei-
heit ist nnr möglich auf Grunslage organisierter Macht, di« die
andern Völker zwingt, ihre Ra'.lbinstinkte zu bezwingen: diese Macht
aber ist dahin! Wir haben uns nicht nur Leieit erklärt ste selber
zu zerstören, w'r erklären sogar bei jeder Eelegenhsit, datz wir iie
gar nicht wieder haben wollsn, ja unsere Regierunis-Männer. sie
dulden nicht einmal mehr, datz wir uns auch nur die Möglichkeit
künstiger Wehrhastiglkeit srhalten. sie prodigen offen das Zdsal pazi-
fistischer Entmannung, sie zerstören damit also anch die Keime. aüs
dcnen mclleicht eins besiere Zukunst erwachsen könnte. Zerstört
ist auch schon die Einheit, zerstört wieder Lurch Leir Parteigsist, dnrch
den unglückseligen dokirinären Eigenstnn, dem deutschen Volk, statt
Zöderalismus, den llnitarismus sozialdemokratischer Prägung auf-
zuzwingen, Zerstörung also überall, und was uns etwa noch
gebliebsn ist, das ist in dringender Eefähr, in diesen Tagen zerade
mehr als jemals. von den rache- und beutsgierigen Feinden, die an
allen Grenzen lauern, uns auch noch entrissen zu werdeu, und wir sind
wehrlos. müsien hinnehmen, was die Mächtigen dieser Erde über
uns beschließen werden, haben nichts mehr als die Einheit der
Schmach und die Freiheit des Duldens!

Das ist die Laze der Dinge! Wer nun Lei dieser Lage Neigung
oder Verpflichtunq fühlt, sich in den Bannkreis der grotzen Erin-
nerungen der Verganoenheit zu stellen und der heutigen Republik
zu helfen, ihre Feste zu feiern, der gehe hin und buldize dem
GötzendesTages! rs.

Ske Mckkehr Sonar Laws.

Jn-'erpolitischc Eriind« rnfcn den englischen Premier

Bon unsLr-m rt. -Konespondente«.

Londo«. 17-

Die Rückkehr Bonar Laws nach London. für die der -ö ,
punkt noch nicht feststeht, wurds zum grötzten Teil aus ^„^^schgn

politischen Gründen vcranlaßt, die dre Lage des ^.-cchen
Kabinetts weitaus schwieriger gestalten. als die autzenpo
Angelegenheiten, für die Lbrigens wenig Jntcresse bekuno ^
Das irische Problem, vor allem der Fall 2'Brlen,

gerechtfertigterweiseverhaftet wurde. veu >^chje.
minister Bridgeman in eine fast u n h a l t b a r s La „^heii,
denn nach englischem Recht handelt es stch hier um „ Amnestie
das bestraft werden m u tz. und selbst der Konig kann kcine ,
gewähren. Dieser peinl'chen Situation, die durch em ai s§nde
lisches Gesetz hervorgerufen ist. soll ein Gesetzesvorswlag pie

machcn. der dem Unterhans Lberreicht wurde und durw
Minister von ihrer materiellen Verantwortlichkeit ve> " - „zcht
fertigten Verhaftnnqen befreit werden sollsn. Es stestt " „ viek!
einmal fest, datz alle Konservativen für dieses Gesetz st>"> ogp, so"
den, was dasKabrnett inEefahr brächte. "ona.
die nun etwas zerfahrene Situation zu retten versucy« -

Mne Lou-em-Rede.

RuhrLesetznng «nd deutsch-franzöflsche Beziehungen-

Veendignng des Samdurger Safenarheitersireirs

HaMburg, 17. Mc:. (Eig. Drahtm.) Zm H am h ur g er H a fe n-
arbeiterstreik wurde gestern in fpäter Nachtstunde näch vier-
stündigen Verhanolunzen eiiie Einigung erzielt- Zu dem ge-
fatzten Beschlusse werden am Donnerstag die Hamburger Hasen-
arbeiter und Maschin'stcn endgültig Stellung nehmen, so dah'frühe-
stens am Freitag vormittag mit der Wiederaufnahme der Arbcit
gerechnet werden kann.

8. Parrs.

Loucheur sprach gestern wieder einmal ü^er 8-e .sjch nscl
französischen Beziehungen, ohne indesien son, ch^ch hff
Neuss seinen früheren ähnlichen Reden hinWznsügen. ^ ko
namentlich für die Zahlung dcutschcr Jahresraten ou.- Kaio

Friicbte deutscher Arbeit darstellen müßten, denn das oe!. setz-
der Wslt re'chs nickit sür die Zahlnnq der "on den ^ ailS-

gesctzten deutschen Schuldsumme von 102 Milliarden Ev,, ae6(!.

Loück « ur Letoute dann noch einmal, datz er urspriinql 1 ,»>

die Ruhrbcsetzung gewesen sei, vielmc^r 0 ^xhailv"
engltsn Einvernehmen mit England durch selbstän^'öe
lun'LN mit Deutschlanid qezlaubt. viel mrhr erreichrn ^iitzten
Da aber nun e'nmal Frankreich jetzt an der Ruhr
alle Franzosen d'« Rnkraktion tatkräftia unierstützen. hav'''

m tatkräftig unierstützen. t't«,„sjsn hav''
envühnte auch, daß er eine Einladling nach Nmsrika s

errnkynte aum. caq er eine >siniadling nacy rimsriiu r.. c.,ftpum-
um Äort in öff-ntlichen Vorträgen den fran'ösischenEinl^-'""
verfechten. Es sci aber zurzeit noch UNgewitzi. ob er dieier
Folg« leisten wiirde.


Sm plumper Köberverft'b. ,

Die „Times" sncht die franz. KapitukationsforderlM" ' '

8. Paris, ^

Der Pariser Dertreter der „Times" versncht heute ^i- ti-t^'
Manöoer, um den deutschen Widerstand im Ruhrgsb'et Z -best^,
' ct Waffenstillstand vor. der

Er schlägt einr Art Wa ff e n st i l l st a n d vor. 8«r ^ > ^n
soll. datz, solange Verharrdlunaen zwifchen Deutschlanv

Asti'

Auf d'efe Weise mürde sowohl die iran-Ssifche wie

Dlifiasiung in dieser Frage Berücksichtiguna iinden.

Vertreter will diefen Eedanken in sranzöflschen ein P p

gehört baben. betont aber gleichzeitig, datz es sich »ur gh-
r L ch t handele. In Wahrheit handelt es sich um - ,n

Deutschland gerichtetes Manöver, wie denn

i»'.^ . -

,Times" ausdrücklich Mgeaeben wird, datz 'sich binter der

h

'sa'

.Waffenstillstand" in Wirklichkeit
Deutschlands verbergen würd«.

nur

die K!

Wrederaufnahme der Beziehimge« zwi^

u«d der Türkei.

Lansanue, 16. Mai. Don t 8 rkischer und p ° ^."aznver
wird offiziell mitgcteilt, datz am Freitag die Leide" Zw,.

.

hand^ungen in L
ederhei

er Veziehungen.

ausanne eröffnen werden ^ n i v
der Wiederherstelluna diplomatisch^^s. nebou
ris ^

lch


25 BrKute.

Ein Schelmenroman von Wilhelm Herbert.

t«S. Tortsetzuna. NaLdruck «erboie«.

f , i'" Kuni.

Es kam ihm hier unten alles so klein mrd eng vor. Die Welt
i-war so mit Bosheit getränkt. Wozu mutzten jetzt Maria Mv.ppe und
iMathilde, denen er doch so gar nichts Schlimmes gstan, vielmehr die
srostgsten Hoffnungen erweckt hatte, ihm ein Bein stellen und ihn in
Unannehmlichkeiten zu bringen suchen?!

Wahrhaftig, die graue schwere Erde machte das Eemüt Ler
jMenschen grau und schwer und hinterhältig.

Fast packte ihn eintz Sehnsucht nach seinen Freunden drautzen
jienseits des „letzten Tropfens". Dort war noch Liebe. Dort mar
-«och Verstehen, Einfachheit und Menschlichkeit.

8 Wie er so weltschmerzlich bewegt ncrch oben sah, Lemerkte er auf
-der Ealerie der Cyrilluskirche Wäsche flattern. Es war. als ob fie
Wm mit weitzen unschuldigen Hünden winlte — und er Leschlotz,
chinaüfzusteigen und Höhenluft zu genietzen — hoch über dem klein-
'stichen Erdengeiriebe.

Als er hinauskam. war er ziemlich müde von den dreihundert
°und so und so viel Stufen und setzte stch auf die Galerie hinter die
'Wäsche.

„Bin ich Zetzt erschrockcn!" rief ein blasies sehr sorgfältiz ge-
iklsidetes Mädchrn ansangs der Vierzixer. das um die Ecke kam uud
,'die Wäsche angriff, ob sie schon trocken wärs.

„Entschuldigen Sie!" sagte Veit und erhob sich. ,Zch wollts di«

, Aussicht genietzen. Es ist so wunderschön hicr."

Sie machte ein bitteres Eesicht. „Das sagen Sie jetzt. weil Sie

Mnf Minuien hier oben sind. Wenn Sie wie ich fünfzehn Jahre hier

oben wären, würden Sie das nicht mehr sagen. Man verdummt
'ja ganz."

„Sie sind schon fünfzehn Zahre hisr oben?" Er sah sie bewun-
dernd an. „Und dabei so frisch, so munter, wie wenn Sie sben erst
heraufgestiegen wären!"

Es wär, als ob sie zu lächeln versuchte. Aber sie war zu herb
,dazu. „Mein Bruder ist Türmer," sagte sie, während sie eine weitze
iDecke zusammenlegte. „Ich besorge ihm das Hauswcsen. Jch habe
niemanden unten und jetzt geht er in Pension und in das Spital."

„Und Sie?"

,Zch hänge mich aus." Sie knirschte es so verbisien hervor, datz
man nicht wutzte, ob es ein grämlicher Scherz oder ernsthafte Ab-
sicht war. >

„Ueberlezen Sie es sich noch!" meinte er ruhig. „Vielleicht
würde Sie jemand heiraten."

^Nich?"

„Zu!"

.Mer?"

-^ch!" ,

„Balthasar!" schrie sie da in Lie Turnrstube hinein. „Balihasrr!"
„Warum schreien Sie denn so?" fragte Bulljahn verblüfft.
„Es kommen öster Narren hsrauf," sagte ste.

„Jch bin doch kein Narr." Er sah sie strafend mit verlstzter
Würde an.

,.Sie stnd der grötzte, der noch oben war," «ntgegnete fie scharf
und ging mit der wsitzen Decks in die StuLs.

nene

Dann kam ste wiedsr heraus und setzte stch ruhig neben ihn. „Der
Türmer" — erzählte ste ganz sachgemätz — „fft ein junger

Mann. Er hat erst geheiratet. ÄLer seine Frau bleibt unten."

„Sie würden ja auch unten bleiben," Lemerkte Veit zäh- W.nn
er sich einmal etwas in den Kopf gssetzt hatte, lietz er nicht nach.

„Wann?"

,Menn Sie mich heiraten wiirden!"

Sis sah ihn scharf an. „Wo sind Sie cenn a.!igeko':msn^"

„Jch komme aus dem Eefängnis."

„Nicht aus dem Narrenhaus?"

„Nein!"

„Weswegen waren Sie denn eingesperri?"

„Wegen Heiratsschw'ndels!"

„Aha!" Sie lachte rauh. „Jch verstehe. Da wollen Sie jetzt
Zhr Eeschäft wieder fortsetzen."

Er schüttelte wehmütig den Kopf. „Zm Gegenteil! Jch will
meine Fehler gutmachen. Zch will den Schwindel' bühen. Jq :oill
diesmal wirklich -eiraten — ein Mädchen, d-as gam einsam unld ver-
lasien ist und sonst keinen Mann bekcime."

„Damit meinen Si« mich?"

..Ja!"

Sie betrachtete ihn lang und g-enau. „Damii önnen Sie eigent-
lich recht haben!" sagte sie dann und ginz wieder in die Turmstube.

Es handelte sich für scine Wißbegierde darum, zu versuch.'N,
ob die Frauen neunzig Meter über Lem Boden anders seien wie da
unten.

Bald kam sie wleder.

„Nun passen Sie auf!" sagte sie. „Hier haben Sie mein Spar-
kasienbuch!"

Bulljahn schnellte aus. „Was ist das?"

„Sie sehen doch: Mein Sparkasisnbuch Es ist alles drinnen
bis auf den letzten Pfennig — zweitausendflliishundertneunzig Mirk."

„Ja" — er stotterte beinahe — „al>er was soll denn i <h mit
Jhrem Sparkasienbuch?"

Sie schaute ihn mit einem Vlick an, der viekleicht sehnsüchtig
rvar. Vielleicht war «r auch blotz hinterliftig. „In einsm MonoL
müsien wir hier abziehen, mein Bruder und ich Er ist he "tc unt-n

n,wer r, e ^! e v un g e n. Die Verbandlungen, 8 .^ §el e

Konferenzverbandlungen herlaufen, werdsn von tur n Ak u U
führt durch Zsmed Pascha, den früheren nn.ü

Therid Vey, den Unterstaatssekretär Tahrr PeA^c<
schiedene andere, der türkischen Deleeation entnomMsj ^han-m ^j
keitcn- Die polnische Abordnung fllr diese Sonver ^; c w' x»
setzt sich zusammen aus dem Eesandten in Bern, Legatm ^
dem bevollmächtiqten Eesandten Worontecki - am

Lados, Legationssekretär Nunberg usw.

Wenn Si.e^^rka^"



und bestellt sich seinen Platz im Spital. ^....
zehnten Juli hier unten am Turmeingang mit mel"
buch erwarten wollen, dann heirate ich Si«-" --- §ie

„Und" — sagt« Bulljahn gehehnt — „w«nn . ..je»-

warte?" g« uvgeh"

„Jch hab's Zhnen ja schon gesagt," antwortete
„Dann hänge ich mich aus." . . -s

Er legte das Buch auf die Bank. „Zch nehm«^ TurM!
.^ei-gling!" murmelte fle trocken und gtng >"

Sie kam nicht wieder.

Bulljahn atmete schwer und wollte, er wäre "sch -j aeM^e"'

So unheimlich war ihm noch kein Sparkassenvum qnr

Endlich stand er aus und schlich nach der Treppr-^^ch e
ZM letzten Augenblick kehrte er u-m. steckte das ^xrfolS^per
kletterte so rasch hinunter, als ob ihn der Turmgelll pis
Auf halber Höhe hielt er an einem der kleln
eingeschlitztsu Fenster und las nur den Vornam«"- pich'

„Kuni" hirß das seltsame Mädchen. Kchh d'

Als jie wieder auf die Ealerie trat und das hjnai> ^ M
srh, lehnie sich sich an das Geländer und blickt« ihr A
Ferne, wo die Llauen Verge waren. Es schien, "-Iggje.
von dort etwas Fremdes, Ungekanntes herziehen

A r a b e l l a.

So still nnd wortkarg war Veit noch nie S'

-e«ese"'

sei

tde>u

KiiuÄ

bei Bibi ll' Abcnd atz. ", , . ^«1 ^^i'n ^ >

Man führte es daraus zurück, -datz er heute ?^^^
laufbahn verzichtct hatts. Wie stark sein tkutsch-E. ,

Leben nach innen und autzen zu ändern, das gt"S

seiner gänzlich umgestalteten Erscheinung hervor . ^gre " dj, S.
Bibi war crst entsetzt gewesen. wie er .»Ls^V-ur'luu.'' r

ar erst entsetzt gewesen. wie er "P'Tch"

Als er ihr absr versicherte, daq d^ Aapev^

Bart kam. „no

schehen sei, um ihm das Losreitzen von Mu->rr ^ ,hu -
zu erleichtern, da war sie geradezu erschütter« !'

Blötze rührend schön- s^lbst

Wie ein Held der Liebe kam er ihr vor, ve
geworfen hatie — ihretwegen. „nd h^

Sie gelobte stch, ihm das ni« zu vergesism ^pen. -V,
Flasche Wein aus dem Keller. wo ihrer ziem . .^ischcn tz,

Zhre Mutter fand zwar den Zusammenha W ^ sst

rufswechsel und dem völlig glatten Kopf "sd- ^ ^

ihr Mann die Sache billigte, da er meniger ! j^pen-, „nd,d-
den Wllen zur Wur't sah. so war.!-« °s «uch T StraS-^ -F
Bibi gmg im Mondschein m>t Vett ub« ^ ^nd zv-- .
dabei den Arm um ihn geschlungen. Mochte M -s- fol^

wie si« unzertrennlich an ihm hing — -r v sFortsth"
 
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