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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0918

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dmgiiNFen knupft, währenÄ die Tnzial'demokrntie felber Lel jsÄer
BsrhandlANH noer möHliche Opfer rhre Ved'lNZUngen, z. V. Vie
Erhaltung Les achtftllndlgen ArLoliLiageS. steis an die erste Ttelle
ftellt. llns erscheint, wi« schon an diefer Stelle ausgesiihrt, das
Angebot der Jndnstrie, wie fchon an diefer Stelle ansgeführt, das
vielleicht «wirllich einen Schritt weiter bringt. Es erschetnt rms als
ein Dokument echtester Wirtfchaftsvernunft, inLem es einerisits oin
forgfältig abgewogenes Matz änsterster Opferleistnngcn darstellt,
diese Opferleijtnngen aber gleichzeitlg unter die Voranssetznirz einer
Sicherung gegen möglich-e Ent-Prioatifieruntzsgelüste strllt, es
zsigt einen Weg zu d-sm, wohiu das Schlagwort von Ser „Ersassunz
der Älchrverte" zielt, warnt aber zugleich vor den Eefahren. Es
tst in Ler Tat schwer einzufehen, wie die Sachwerte anders „erfagt"
werden sollen, als datz z-nglsich Garantien für di« Erhaltung des
Wirtfchartsbetriebes nnd gegen wiMürliche Zngriffe ^eschaffen
wevden. Fshlen diese Earantien, dann fnhrt dre „Erfassüng der
Eachwerie" in den Abgrnn-d d-es Bolschewismus.

Ob die Regierung die Kraft nnd den Mut fiwden wird, sich
rnckhaltlos anf die Selte der in dsm Jndustriean-gebot ;u Worte
kommenden wirtfchafts-erhaltenden Kräfte zu stsllen, das wird
sich bald zeigen. Dsr Abgrund, der der dentschen Wirtfchatt droht,
hat sich in den kommun ist isch c n Umsturzversuchrn im Ruhr-
gebiet wieder anfgetan, ebsnfo in dem Treiben der Moskswiter in
Dresden und an anderen Orten in Mittel- und NorddeLtifchland.
Wir vermiffen dresen Tefahren gsgsnüber di-e feste Kan-d ser Regie-
rung. Datz sin Blatt wie die „Rote Fahne" L-anernd wsrter zur
Empövnng gegen d-ie Gosellsthaftsordnung hetzen lann, tst nuerhört,
aber wir wundern uns in dem Preutzen des Herrn Seuerlng Lbsr
«ichts mehr. Wir erwartsn, datz d:e Reichsregiernng siich ermanni
uwd nach dem Rechten si-shr, fonst grsift der lommunistrsche Wahn-
stnn in e-insr Weiss nm sich, datz sin Eirchalten nicht mehr mögl'ch
tft. Es ist Eefahr im Verzuge: wenn es d-en Kom-numisten im Ruhr-
gebiet gslingt, etne Räterepu-Llik zu grün'sen,, .Lann fst Frankretch
Herr der Lage nnd d-aun haben w.r unser ,^Kr:un" verloren. rs.

Am Lage im RchrgeRiet.

Aümählichcs Adbrväeln der Streikbewegung.

MLnftsr, 30. Maf.

Di-r SrsLnngnahme der Berg-arbeiterfchaft zu dem neuen Lohn-
«Mommen lätzt sich zurzeit noch nicht überfehen Jn Bochum geht
die Länberungsaktion ohne Verlnste der Polizsi weiter. Disher
wnrden 200 Verhastnngsn'non Aufrührern genisldet. — Jn W a t-
tenfcheid ist die Lage grötztsntoils nnvsrllnoerl. — Jm Laudlreis
Hattingen siwd die Bslegschaftcn der Zschen HollanL nnd Dahl-
hanfer Tisfban in den Streik getreten. — Auf Ler Zeche
Altebecke befchlotz die Belsgschaft den Streik fortzufetzen.

— Zn Eelsenkirchen wurde in einer öffentlichen VersaMmlnng
Leschlossen, nmrgen die Arbeit wieder a u fz n ne h m e n; dem
Befchlufse sollen anch die llnioniftcn LeiLetreten sein. — Jm Land-

- krei-se Eelsenkirchen ist d-ie Lag-e nnoerüwdsrt. —-Zn Bottrop
smpsahlen kommunistifch-c Ns-dner d-en Dsrsammelten, d-ie Arbeit
wisder a-ufzuwshmen. — In Dortmund, Hörde und im Lanükreis
Hörde ift die Lage unverändsrt.

Jn Dortmund fand etne grotze öffeniliche Versammluwg
7 statt, awschlietze-wL eine solch-e der MetallarLsiter. — Jm Esjener
Vezirk tst hsute eine Reihe von Zech-en neu in den SLreik

- getreten. Die Verhawd-lungen zwifchen der StadtverwalLung in
> Esssn nnd den Eewerkschaften über die Vildun-g einer gewerischaft-

- lrchen Poli-zei stwd noch wicht zum Ab-schl-ntz gslangt: es wtrd gepl-ant,
ft-eine 400 Mann starke Gswerksch-astspoltzei anf.zustellen, von densn

4S Prozent Mitglieder den sreien, 20 Prozent Len chri-stlichen, 10
i Prozent den Hirsch-Dunckerschen Gewerlfchaften uwd 25 Prozsnt dsn

- llwionisten angshören follcn.

In Düfseldorf liegen allc zrotzeren Werte still, dte
Eas- und Elektrizitätswerke, jowie der Hauptteil der StratzsnLahnen.

— Jn Hagen siwd Tetlstreiks ausgsürochcn. Der Stadt Bor-
halle wurü« eine Kontribution von 20 Millionen auferlsgt.

Die beim General Degoutte wcgen Ler Be-fchlagnahm« von

- 96 Milli-onen Mark Erwerbslofengeldern vorstellig gswor-
den« Deputation erhielt den Veschetd, Latz i-hr Aniwort in dieser
Angelegenheit dnrch Las Divisionstommando in Bre-dsney erteilt
würd«. Die Eifcnbahnstrecken Esjen-Süd uwd H<rttingcn-
O st wurdsn geräumt.

Ausgewiesen.

Mämz, 30. Mai. (Eig. Drahtin.) Heute wnrdsn aus dem
Direktionsbezirk Mainz 203 Eisendahner mtt ihren
Fam^lten vertrieben. Die Möbsl mntzt-en znrückgelassrn- wsroen.

— Dt-e Franzofen wiefen ferner aus Lndwigshasen nnd Trier
77 Eifenbahner mit Familien aus.

Vom Amtsg-sricht H ö ch st wurden m-it Familien ausgewiefsn:
die Amtsgerichtsräte Reinhard, Dr. Lotz, Lie OüerfekreLLre

Wtttich, Emter, Birreg, Nanmann, der Oberwacht-
metster Vogt nnd dcr Wachtmeister Steffens:

Gm geisUmWr KerSer ftst bie Drsnzssen.

llns wird geschrieLen:

Der seincrzctt r-on der RerchsLahnverwaltung cntlasscns und
inzwischen zu den Fmnzosen üLergetrctene Eisrnbahnfekrstär
Pritsch in Cms hält fcit einiger Zeit an dcn Orten der Lahn-
strecke Versannnlnngen ab, in denen er die cnwssenvsn EisenLahner
zum lleberiritt in den sranzösischen Eissnbahndienst zu LLerreLen
sucht. Als gelehrigcr Schüler der Franzofsn, dersn heuchlsrische
Ueberredungskiiwste er sich vollkommeu ancjeeignet tzat, versucht cr
die Anwesenden in der gewissenlosesten Meise von dsn angeblichen
Vorteilen zu überzeugen, die sie bei Ler Wiederaufnahme der Arbeit
zu crwarten hssttrn. Diefe geschehe — so Lehauptet er dreist — nicht
zum Nutzen der Franzosen, sondern im ureigensten Jnteresss unü
zuin Wohlc der rheinischen Vevölkerung. Wer sich bis zu einem
bestimmten Tage bei den Franzoscn gemeldst haLe, erhalte sofort
einen grötzeren Vorschntz. Dkit welcher llnbedenklichkeit Pritsch bei
seinen Werbereden vorgeht, beweist aber vor allem seine unver-
schämte Behauptung, üatz die Eisenbahner von Mainz und
Wiesbaden grötztenteils Lereits in denDreiist der
Franzosen llbergstreten srien. Hicran ist nalürlich kein
wahres Wort. Die Eisenbahner von Mainz und Wissbaden
sind oer deutschen Sache treu geblieben. Soweit sie in ganz verein-
zelten Fällen tatsächlich zu den Franzosen übergetreten sein sollten,
sind sis als V a t e r l a n d s v e r r ä t c r gebrandmarkt und von
ihren deutschen Kameraden verachtet. Wie es aber mit den von
Pritsch im Auftragc Ler Franzosen so grotzsprecherisch grgebenen
Äersprechungen arrssisht, können am Lesten die nachstehendsn Tat-
sachen vor Augen führsn.

Drei deulsche Eijenbahner aüs Wengerohr (Bez. Trier),
die sich. um oer angedrohten Aüsweisung zu entgehen. und im Ver-
trauen auf ois Zusage der Frauzosen, in ihrem 'Haus nnd Erunö-
besi.tz Lleibcn zu dürsen, bei ihnen zum Dienst gemeldst battcn.
wuroeu nach der Annahme sofort nach dcm Ruhrgeoiet abgeschoben.

Leutsche, zu dcn Franzosen übergstretene Zugüegleitbeamte
wcrden zu Arbeiten a» den von den Franzosen verwahrlosten
Gleiseu verwendet und von itzren deutschen Kameraden verlacht unü
verachtet. DeuLsche Zugführer und Schafsner aus dem Be.sirk Trier,
die sich freiwillig zum Zugdienst der französifchen Eisenbahnregie
gemeldet hatten, wurdcn mit Lem Bemerken zurückgewiesen, datz
dre Franzosen nur fleitzige Leurs ürauchten, dre wirklich arbeiten,
d. h Gleise stopfen und die Strecks jn Ordnung haltsn. Von der
deutschen Reichsbahn als Verräier entlassen.
werden sie nun von den Franzosen mit Schimpf und
Schandedavongejagt. So sieht's in Wirklichkeit mir den
Versprechungen der Franzosen aus. Zum Elück siirö aüer nur wenige
deutschc Eisenbahncr auf sie hereingefallen.

ZMMer K§u§ AepreffalLen. .

Buer, 30. Mai. Am Sonntag abend entstand an der Ecke der
Hoch- und Esfener Stratze zwischen cinem belgischen Kriminalüeainten
und cinem unbckannten Stratzenxassanten eine Schlägerer, in
-deren Verlauf e:n unbeteiligter Bergmann einen Schutz in die Ferse
erhielt. Der Bergmann, der flüchten konnte, wurde am nächsten
Morgen perhaftet. Aus Anlatz diefcs Vorfalls wurden von der
belgischen Besatzung neue Sanktionen verhängt. Der Strahen-
verrehr ist von 9 llhr abends bis 5 Uhr morgens verboten. Dieses
Verbot gilt auch für den Verkehr mit den Stratzenb^nen. Die Wirt-
fchaften müfsen um ? Uhr abends schlietzen. Der Ratskeller wurde
ürs auf weiteres gefchlofsen. Jm Zusammenhang mit diesen Sank-
tionen wurNen vier Pcrsonen veryaftet und ausgewicsen
und zwar dcr Ratskellerwirt, dcr stellvertretenoe Amtsanwalt Böger,
Stadiamtmann Molitor und Lvtadtserretär Ccheperz,

Am Samstag abcnd ereignete sich beiVacharach ein Eisen-
bahnunglück, bei dem ein Zugsllhrer verletzt wurde. Bürgcr-
meister Vastian aus Bacharach wurde daraufhin von den Fran-
zosen verhaftet und in e-as französifche Eelängnis in Koül nz
verfchleppt.

plane der ikiernaüoNalen MrtfOast.

Lcndon, 30. Mai. Die „Times" berichtet, datz der Vollzugs-
ratdesVerbandesderbritischenHandelskammern
auf Erund der auf der letztcn Jahresversammlung des Verbandes
am 18. April angenommcnen Rcsolution, die die Einberufung einer
Reparationskonferenz oon Geschäfts- und Finanz-
leuten unter Mitwirkung der internationalen Handelskammer
und anderer Verbände vorschlug, mit den entsprcchenden Körper-
schaften in denVereinigten Staaten, Frankreich, Lel-
gien und Italien in Verbindung getreten sei. Mian glaube, datz
Aussicht auf einc Zusammenkunft in London bestehe, auf dsr alle
fllnf Länder durch je drei Delegierte vertreten sein würden. Die
Präsidenten dss Verbandes der britischen Handslskammern, Arthur
Balfour und Walter Leaf, sandten gestern ein Telogramm an
den Präsidenten der Internationalen Handelskammer, Willis Bcoth
von Nsw Hork, worin es heitzt, der Verbanü der britischen Handels-
kammcrn ernenne unter voller Mitroirkung und in llebereinstim-

Ssa.

Roman von Zennq Freifrau Schilling o. Caustatt.

1. Kortietzuna- Nachdruck vervoieu.

„Sütz-ist das Mädel!" sagte Doktor Bergen nachdenklich.

„Finüe ich auch!" msmte Ler andere urrd schob Len Panama ins
Genick. „Darum ist's gut, datz Lu sch-on in festen HLnden ocst, mein
Zunge! Vergitz Las mir nicht!"

„T'ja . . . hoiml-ich verlobt! Darum kann man fchan mal sinen
Seitenblick tun!"

„Kann man nicht! — Jch werde der Kleinen schon d-ie Augen
öffueu über dich!" Damit kehrten sie um, thr Hotel aufzusuchen.
Zum ersteumal herrfchte schwüles Schweigeu zwrfcheu den Frsu-u-dsn.

„ALso Früulei« Aachen, eo wird Jhnen noch schlecht! Zehn
Wafteln haben Sie jchon vorwsg gegessen! lläd nachher, weun dic
Herren Offiziere kommeu, fu-tteru Sie doch weiter!" — Isa lachte.

Sie fatz auf dem Fenstersims Les offenen Kllchenfensters.

Ein kostlicher Duft nach Kaffee uud K-uchen erfüllte.den niederen
Raum. Am Herd staud „Zenz" uuL rieb mit eiuer Speckfchwart«
das Wwffeleifen e-iu, Las vter Herz-en zeitzte in feiner Form. Vor-
sichtig gotz sie Leu gelb-en u.eig jetzt Larüber.

„Ammer mutzt du schelten, Zeuz! So lang ich lsbe! — Deun
so laug bist d-u doch jchou bei mir, ganze f-ie-dzehn Jahre!"

„Neunzehn, Jjachen, mein Herzblatt!" sagie Li« alts Zenz, und
eiu zärtlicher Blick umfahte bie zierl-iche Ecstalt im Fensterrahmen

„Jch kann nicht mehr! Ganz eng ist mir!" Jsa öffnete den
breiten Ledergürtel. ,Mder gut sind sie. deinc Waffeln. llnd nun
erzähle intr noch mal, was die Karten sagen, Aenz! Gestern abend
hast du sie fllr mich geworfen. Reich will ich werden, sehr reich! Das
ist -die Hauptfache." „Und glücklich, Ifachen! Veides wirst -du! ALer
burch fchwer« Zeiten mu-tzt du erst gehen, meiu Gotdkind!"

Di« Alte fiel bei vertrainteu Gesprächeu immer wieder in das
Du der Ki-nLierzeit znrück. Jfa wollte das fo. Zenz gehörte i-hr, sie
i l-iebte Zenz mtt der Le-idenfchaftlichkeit eiues einsamen, einz'gen
KiNdes.

„Hurra! Sie kommen!" uud Jsa glitt von dem nicLligen Par-
^ terrefenster iu deu Gartenwsg hinab, auf dessen hellem Kies Leutimnt
z Bornhageu und Doltor Bergeu sich grüßeitd näherten.

„Allcs ist fortig, Kwffe und Wasfeln! llnd da ist auch meine
Mama rn der Veranda!" sagte Jja fröhltch und retchte chren GLstsn
«0 Hand.

^^Frau Doktor Gell-tn ftand aaf der obersten der drei Veranda-
^MU,..iM weitzeu Kleid, eiu Lächelu auf dem fchmalen, blassen
Gelicyt. —

„Meine gnäd-i-gste Frau! Verzeihen Sie unsern nb-erfallartiaen
Be-such! Jhr Fräuleiu Tochter war so liebeus-würdig, uns mü-Ve
Kr-cger einzuladen . .

„Sie ist noch ein Kind —-eben stebzehn geworden! Und

sie hat nicht viel Freude in ihrem Leb-ensmai-ich bin feit

Jahren so leiden-d — — — — Da geht m-ir meiu Wildliiig oft
durch . . .!"

Bornhagen kützt-e der Fra-u, die s-chlank unv Lunkel vor chm stand,
di« Hand. Sie glich der Tochter -n keiuem Zuz des blassen Gesichts.

Doktor Bergens fcharfer Bl-ick aber fah Mit Mitteid auf dieie
zarte Frau. Sie trug au-f Stirn uud Wangen den Stempel eines
-schweren, schleich-endeu Leidens, jenen Zng der Müdigkeit und Re-
signation, den Menschen haben, deren Tag sich neigt — ehe es
Abend wird.

Jn der kühlen, schat-t'igen Veranda mit Len Korbmöbeln war der
Tisch gedeckt, zierlich uud reizend. Rote Rosen L-ufteten in hohen
Glasoaseli zwischen Lem Sikber und Kristall uud den flachcn Kaffee-
schalen. Man nahm Platz um den runüen Tisch.

Zenz b-rachte Len Kuchenkorb hochgelürmt mik Waffeln, und Afa
aotz aus einer uralteu Kaffelanne aus getriebene-m Silber ven starien
Kaffee e-in. Bald plauderte und scherzte man wie alte Bebannte, uud
Isa scch leuchtenLen A-uges auf ihre Mutti, Lie heut alle Schmcrzen
Vergessen zu haben tzhien im anregendeu Eeplau-der mit Doktor
Bergen.

Au Jsas Fützen lag Barry ivrd verwandte keinen Blick von der
Hsrrin, bis hi-n und wieder ein Stück der herrlichen Waffeln auch
ihm gereicht wuvde.

Er war le-in-e Bettlern-atur, aber er betrachtete l-iebsvoll jedeu
Bissen, Ler hinter der kleinen Herrin lachenden L-ippeu verfchwanü.

Jfas Rettungstat Lrkdete den Gesprächsstoff.

Frau Doktor Eellin war ganz Llatz gsworden bei der Sch'.l-
deruug, die Bornhagen entwarf. „Es war ga: nicht schl-imm, Mutti!"
sagte Zsa. „Autzerdem mir tut Las Meer nichts, ich biu doch an der
See geboren — eine Tochter des Meeres!" —

„Kind-KinL! Mas machst d-u alles für Streiche! Du

soW doch überhau-pt n-icht bis an L-ie Tonnen sch-wimmen — — —
ich habe dich -so oft gebeten! . . ." sagte Frau Doktor Gelliu traurig.
„Aber Barry t-st doch bei m-ir! Und eiuem Meufch-en haben wir das
Leben gerettet! Das ist üoch d-i« Hauvtjache!"

„llnd wenn du Labei um-gckommen wärest, was dann? Hast du
denu gar nicht an mich gedacht, Jfa? —"

„Nein!" sagte Las Mädch-en. „Zch daihte an gar nichts, nur au
die Rettung!"

„Das tst immer so in den AugenMcken grotzer Gefahr!" war-f
Doktor Verg-en ein. „Die DenLfähi-gkeit fetzt aus! Die Nrtu-r hat
das gut eingerichtet."

i. „Wissen Sie denn auch, weu Sie gere-ttet hsbss, gnädizes

Frä'isein?" fragte Bornhagen d-azwi-schen. »

mung mit dem üritischen nationalen Komitee Sir Felin ^chu

und Keuneth Lee 'zn Vertrstern Trotzbritanniens bei dxr Re>.
der Reparations- nnd Alliiertenichuldeu-Fragen: man «ane, s-aiz

Josiah Stamp als dritter britischer Delegierter hinzutrettN m- -

Es sei zu hoffen, datz die Vsrtretung anderer Länder unver.-
beftimmt werdsn könne, da der Augeublick als iür eme Aknon
geeignet angsfehen werde.

Sie ueuen SeamiengrWsr.

Der Eefetzentwurs deui Reichstag

zngegangsn.

Berlin, 30

Mar-

Das Reichsfinanzministerium hat dcm Reichsrat den ^E^HeN
wurf übcr die Neuregelung der Grundgehälter u 'PZx-
lassen. Danach sollen vom 1. IuL an die Erundgehälter svig
matzen gestaffelt werden:

K Bei aufsieigcndcn Eehältern:

Anfangsgehalt Endgehalt
mouatlich Mark monatlich Mark

Eruppe I
II

174 000
193 000
210 000
233 000
2S9 000
290 000
330 000
3"0 000
437 000
ö20 000
624 000
749 000
935 000

232 000
257 000
250 000
311000
345 000
386 000
440 000
506 000
582 000
693 000
832 000
998 000
1 247 000

1 740 690, IV 1

520 siOO,

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

XIII

6. Vei den Einzelgehältern:

Eruppc I 1330 000, II 1 500 000. III i IVtäge

V 2 320 000, VI 3 400 000, VII 3 800 000. Die OrtsZU ! H
sind nach Ortsklassen und nach der Höhe der Ernndgehälter
felt. Jn Ortsklasse X soll der Ortszuschlag betraqen: Be»
Erundgehalt bis 209 000 43 000 Mk., bei einem Erundgehau
209 000 bis 233 000 54 000 Mk.. üSer 233 000 bis 273 000 65 00"' Hg0
über 273 000 bis 314 000 76 000 Mk„ llber 314 000 b!s ^ -

86 000 M., über 487 000 bis 648 000 108 000 Mk. Das ^

geld soll 80 Prozent des bei Berechuung dsr Pension zu Eru
legenden Diensteinkammens betragen. Das W i t w e n g e » 0
nichi hinter einem Drittel des niedrigsten richegehaltsfähigen 7- ^je
einkommens aus Besoldungegruppe I zurückbleiben und u'-^p.g-'
Hälfte des ruhegehalts-fähigen Diensteinkommens aus ^eioi
gruppe VII übersteigen. Die Kinderzulage soll sur „
vom 1.—6. Lebensjahr 36 000 Mk., vom 7.—14. Jahr 45 0im,

14.—21. Jahr 54 000 Mk. betragen.

Nie neara Kvstgeböhren.

Der Borschlag des Reichspostministers.

Berli«. 20-^V^

Jn einem Schreiben an den Verlehrsbeirat hat das ^'„,1 l>e-
ministerium bie Tarif« mitgeteilt, die es sür die am 1-
absichtigt-e Neurcgelung in Borschla-g Lringt. La- Porto für ^-achen,
wird durch-weg verdoppelt un-d ebenso für Postlarien, Dr--a>-^cn
Warenprob-en und Pückchen. Auch die T c 1 c g r a m m ^-

sollen verdoppelt wevden. Jm F e r n s p r c ch t a r > f ist elne
vierfachung der jetzt geltenden Sätze vorgesehen.

Beim Paketverkehr wird unter Vei-Lehaltung ^^inea-
Zonen-Einteil-ung eine Erhöhu-ng um rund 50 Prozent vorge»^gsft
Die bisher von 5000 zu 5000 M. gestaffelre V e r s i^r-.efe»

-c-ie oivyer oon vmw zu omw M. gestasseire B e r 11
geLühr soll vere-.nfacht wsrdsn, und zwar soll sie bei r'ck"

und versiegelten Paketen für je 10 000 M Wertangabe ^0 - ^ M-
li-sr unverjiegelten Wertpak-eten für je 10 000 M. Wertanga-oc


betrageu.

Die Gsbühren für P 0 sta n w e i f u n q e n siitd mie
zesehen: bis zu 5000 M.: 100 M.. von 5000 bis 10 000:
von 10 000 bis 50 000: 400 M., von 50 000 bis 100 00«:
von 100 000 bis 250 000 : 800 M. uud von 250 000 brs
1000 M. Der Höchstbetrag soll von 100 000 anf 500 000 -

werden. .^,gppc-^

Die Au s lan-dsge bühr e n wevden ^ ""

„ ._ _n nicht hds

Bei den P 0 sts ch e ck g « b ü h re n sind nur gerings ErhE"jj.jcht stm
gesehen. Ob die Zeitungsgebühren erhöht werden. fteht nom

Die Äeuordrmng der Strasgerichle.

Berlin, 29. Mai. Der Rcichsrat stimmte versE^stir ^
sttzen in der Fasfung Les Reichstags zu. ferner oem , ^atelst"
in Ler vom R-eichstwg befchlossenen Faffung. Dcr BeMs^guN'.
Ministeriakdirektor Sachs gab ^

Ilossenen Fassung. Dcr

jab noch-mals etn Bi-ld d«r .^jiaS

Danach errc.chte üer 8 ^ v>-i ÜkeE

stigen Finanzlage. -, .... .

nunmehr «ine Höhe von 12,4 V i l l i o n e n Mark- ^ j; a ,
rat erled-igte f-erner d-ie Lorla-ge zur Neuordnung b«r -
gerichte, wonach bie erste Jnsta-nz Ler Strafgerichte > tzj^i, L ..

aus Schöstz-

fammensetzt.

chöffengerichten, kleineu umb grotzen SchösstnS^, soÜ
rsetzt. Eegen sämtliche Urteile Ler erften Iu-?^ -

_.— ^ejicht

„Keine Ahuung. Aber vielleicht wissen Sie mehr, L-«'-
nach zu urteilen!" Sericko

Doruhagen nickte stolz. Jch habe mir von üer
erstatien lassen. Dss reichen Althän-dlsrs Levy kL„MbeN .. ,e
Fräulein Birgid Levy war es, die sie oeu Fluten ein-^

„Birgtd Levy!" wiederholte Isa nachdenllich. jhr

-cht l?


l^rtr

mit gelben Ros-en und blau-en Setdenschleifen vor sich tzjeset

„Soebeu für Sie abgegeben worden, Fräulsin JsachjftU- ^seu a
Brie-f dazu!" — sagte -die alte Zenz stolz, unö stellte o

vor di« junge Herrtn. Nost"

„An mich, wirklich an mich? Sieh nur, M-utti^
un-d Veilchen, die du so liebst, und folch ein« Menge- ^

Isa schob den herrlichen BlumenairsbLU über d«n
Mutter, dann öfinete sie den Brief. .^ut

Ein Lächeln glitt über thr Eesicht, währenid 9« h"
Hochverehrtes gnädiges Fräulein!

Diefs Rosen sollen Jhnen vorlüuftg m-einon^^ —

bvingen ra-sür, datz Sie mein Kind rettetsn aus


erehr^

:ch.


vormittag rverd« ich mir erlauben. Ihmcn und 3 ^xsöirljU!
Frau Mutter meineu Bsfuch zu machen, u-n Ich

dank meines Vaterherzens auszu-fprechen. Meine ^^jede'-
och nicht fäbia. sic lieat an der Auireoung nocy . „ m-ir

noch nicht fähig, sie l-iegt an der Aufregung^noo-
bleibe Jhr Schuldner für Lebensgeit. dcrm Zoi« ^

merne

ochter!

.rbencr

Höchstes un's Bestes nou geschenki,

Gottss Segsn über Sie!

GoK-e LevY, AI-w

Jfa ltetz Las Blatt sinken, sie lächette nicht ^djzcheu
Ein ernster nachdenklicher Zug lag aiks 2«m ^

Heiuz Bornhagen verwandte keinsn Wick o-'U ^ Zau-^-^ i»

Ar ^.^uh-ind^'
-stch^-

Wie entzückend fchön war diefes MaLcheu.^^ ersten . ;o
oon ihr wus, der ihn gefangcngenommen hat!« ^^fti!« ,7j,^itzo.
Viefe grotzsn, strahlenden Angen, deren Faksv« «A, en>"

Wasser der uncndlichen See. Iliid ttotz Ler Mt- -Meln t?au i'uuch
tuug, mit der Doktor Bergcn ihre Aufmerliamka per Hui -
g-ing Frau Doktor Gellin nichl der wer.'eno«
deu Leutnant Bornhagen für Jsa anfchlag- meht,

-^Sie,'ah h-ut M« «Ken M«l, dch W». so«^t-r"^

Nicht Ler Backfii-fch. üen sie bisher in «Hr gcstd Dutt gjNd^
Leben entge-genblühende Menfchenknofp«- bchonhett

soknt'

fah auch zum ersten Mal, wie bezaubsrnd die
rvirkte. und üe feufzte tref au-f-
 
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