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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0925
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Trellag. 1. Imü 1SL3.

BeMaLt der Badischen Post

^eite 5.

Arrs der SLadt.

Ein Wsri z«M VerfiLndnis der reueruns.

Von Dr. Augujt Busch, Frankfurt a. M.

», „Berliner Börsenkurier" jchrieb vor kurzem Dr. Heinz

^ L^hafs unter dem Titel „Währung, Preise, Löhne" über „Bittere
§^?2setzungen zur Markbeseftigung". „Die große Mafse der
Ertnehmer gibt den Ausschlag fiir die Wirkung der Matznahmen
Leichsregierung. das groszc Nennen kann nur beendet merden,

drei Läuscr, Währung, Preise, Löhne in gewissem Aüstand
i Mstehen. Bei einem Dollarstand von 20 600, also Lem SOOOsachen
vrieoenspreis für Auslandwaren, dürfon dre Preise für Jnland-
^.aren nur den 3- bis 4000fachen Friedensbetrag erreichen und die
-aoyne nur den 3000 fachcn."

5. . Es ist sicherlich richtig, datz von allen Teilen der Bevölkerung
^Mser gebracht werdcn müssen, datz bei der Einschränküng dcr
^urusansgaben angefangen werden mutz und datz leider in weitsn
^olkerungslreisen die Lebensbaltung der Vorkriegszeit auch nicht
miahernd erreicht wird. Die Erkenntnis von dsr Mitverantwort-
lchkeit des Einzelnen an vem Wohl der Gesamtheit ist noch keinss-
3-,ogs durchgedrungen, selbst in der grötzten Not des Volkes treibt
menschliche Egoismus ungeahnte Blüten, was aber nicht zu
^-"o^rn ist. Nur wundern mutz man sich über oen Mangel an gutem
MchmaE. der sich in öffenüich zur Schau gctragenem Luxus aus-
^at zn Zeiten, da andere der bittersten Not preisgegeben sind.

Nun wird aber vielfach an die Reichsregierung di: Forderung
Utellt, durch eine Stützungsaltion unter allen llmständen auf eine
' lredrighaltung der Preise zu wirlen, d. h. das Provlem der Beseiti-
i Wsig einer Wirtschaftskrise zu lösen. Wir befinden uns in einer
:K^schaftsLrise, einer Weltwirtschaftskrise, die zeitweilig durch üen
besonders heftig zur Äuswirkung gekommen ist und solch
aternationale Verwicklungen lassen sich durch Teilmahnahmen nur
iMHLttnismäßig wenig Leetnflussen. Man hat offenoar Lie Wir-
! ang Dollarstandes auf das Wirtschaftsleben in gewissem Sinn
? hcnso überschätzt, wie man oon der stattgehabten stützungsaktion
?tts überschätzte Wirkung auf die Preisbitdung erwartete- Be-
,?achten wir ein paar Zählen:

-Earstand Preise in Mark für 1 Kg.

lniOOO:
1^.1 am
1.

Sü. 1

1. 2-

21. ^

3.

?». 4.

Amcrik. Schweine-

21.6

35.7

49.0 ,

41.0 1

23.1
20.9

28.8

S. 60-3

sett

7400

13000

13000

13000

8400

7250

9400

18600

Reis

1616

26S6

26S6

26S6

2352

2144

2472

5140

Rind- Weizen-
fleisch mehl
3S76 1280

4450 1732

4430 1732

4450 1732

7740 2228

7480 1780

9046 2012

1S466 3572

Weitz-

kraut

120

300

300

300

360

500

950

Kar-

toffeln

34

44

44

44

114

123

104

148

Lg, ,

.. Die Wirkung auf die Ausland- und auf die Jnlandwaren war
: aig verschieden unü datz Preisvsränderungen sich weniger schnell
: -?!lz:ehen als Kursschwankungen, kann eine Erklärung wohl auch

kind^

beh

en, ohne datz der Legriff des Wuchers zu Hilse genommen wird.
Jsds Stützungsaktion der deutichen Währung, ooer was gleich-

^^eutend wäre, jede Matznahme zur Beschaffung von lebenswich-
Mn Dingen zur Steigerung des Angebots, erfordert cins Jn-
^chpruchnahme ves Natwnalvermögens nnd wer einc solche Aktron
zu Enüe führen woltte, mützte gegeüenenfalls Lie Aeberführung
Privatvermogens in Staalsvermögen vertangen Dann eryielten
^ st eine Zwangsbewirtschaftung von Werten mit allen Begleit-
^lcheinungen, wie Bestanosaufnabmen, Befchlagnahmen, Einfuhr-
^trollen, und es bestehen keine Gründe anzunehmen, datz sich auf
Eeldmarkt nicht dic gleichen Vorgänge abspielen sollten. wie
' dem bewirtschasleten Warenmarkt, also Verschwinden wenigstens
?ttes Teiles der Werte vom Markt, Kcttenhandel und Schleich-
sz/Mvsl und Lamit im Zusammenhang eine Steigerung der Kurse.
j AbWnglgkeit des jetzigcn Dollärrurses vsn der Devisenverard-
'5:, wird nö'ch zu untrrjuchen seinZ

Nebenher geht aber das alte Krisenproülem, entweder höhe
i »ZElse, Exportfähigkeit uttd genügcnde Beschäftigung oder künftlich
sN^äkte Preise, Verminderung ler Konkurrcnzfähigleit gegen üas
kü.^land und steigende Arbeitslosigkeit im LanS Sintr unser Be-
^itigungsgraö, so wird ebenfalls Nationalvermögen verzehrt,
vorwiegend dem Privatvermögen entnommen wiro, und es
eben zur Frage, wieweit und in welcher Form die Eesamtheit
! k * Deckung dcs Ausfalls in der Volkswirtschaft herangszogen wer-
n^?..Eann ünd soll. Die Erkcnntnis, datz unsere Eesundung Lavon
wicweit das Volk Pflichten gcgen den Etaat zu über-
^ ychen Lereit ist, und dcch dieso Pflichtleistungen richtig organisiert
,^Men mllssen, datz unsere Eeneralunkosten herabgemindert werden
^iü>en, jst noch nicht Allgemeingut geworden, Vorschlägen in dieser
chrchj der Boden noch nicht geebnet.
yj. Nun zu dem Vorschlag des Herrn Dr. Potthoff, durch Senkung
-efts* Ctillstand der Löhne, und er mejnt ja wohl auch der Eehälter,
ihw ^erbilligungsattion zu unterstützen, wie steht es niit dem von
t^SUgelassenen 3000-fachen Friedensbetrag? Jn öffentlichen Be-
Sg^Sen bezog nach der Märzbesoldung, bei einem Dollarstand von
lvkn uno mehr, der ungelernte Arbeiter den 3000 fachen Friedens-
kri>„' gelernte den 2700-fachen, der Beamte der unteren Eehalts-
tz-,ttpen dcn 1200 bis 1500-fachen, der Beamte der mittleren
tz.^ppen den 1000 bis 1100-fachen und der Beamte der oberen
a^s ppen den 800 bis 1000-fachcn Friedensbetrag, alles gerechnet
4iu» tt nnverheirateten Arbeiter oder Beamten, also ohne soziale
aber auch ohne Steuerabzug und bei den Beamten unter
sng^tthuie thres erreichbaren Höchstgehaltes. Man wird oielleicht
tzdgp?' datz andere Teile der Bcvölkerung weit schlechtcr stehen. Zu-
aber das steht hier nicht zur Erörterung-
knn„ b ist klar, datz in Zeiten der Teuerung eine gewisse Nivellie-
. Nicht zu umgehen sein wird, aber die Beseitigung jeglicher
NiE?"chkeit, geistige und ethische Bedürfnisse zu befriedigen, heißt
Niiht anderes als die Vernichtung der Jntelligenz, und ich stehe

Hlna . Einem qanz eigcnartig geringen Verständnis begegnen diese
>n Kreisen, die den sozialen Ausgleich zur Aüfgabe ihres
S. tz'^tts genrachl habeni bei der Kritik, welche die Beamlengehälter
tt>a„ .ttiehrfach in der „Soztalen Praxis" gefunden haben, scheint
Eesetz von Angebot und Nachfrage in keiner Weise berück-
Pei'?? Zu haben und völlig zu vergessen, datz anf der Lösnng oer
^tto m^?.?afrage das Wohl und Wehe des Staates beruht. LLHne
Aej^ttehnlter in Jndustrie sind zu mannigfaltig, um sie als Ver-
tt>chp! heranzichen zu können, sie dürften aber das Gesagte nicht
^ttim ^3«n. Fassen wir also die Eesamtheit der Arbeitnehmer zu-
tt>ii'?tt, so ergjtzj stch aus vorstehenden Betrachtungen, daß einc
^tte rliche Herabsetzung der Eehälter und Löhne, gleichzeitig
Na^^rabsetzung der Kaufkraft des wichtigsten Teils der Ver-
'ttvll-T^ichast bedeutet und von schwerwiegenden Folgen für die
^ ttnrtschaft sein mutz.

tt>cht ) dlus techiitschen Grirndcn konntcn ftie vorstebenden AuSfübrungen
^ehiiil'tthcr vervffentlicht werben. Jnzwtschen bat eine Neurcgelung der
nvtz Lphne stattgcfnnden, sie gegebenen Relativzablen dürften
"ttvi eine grundsäbliche Aenderung ersabren haben. tDie Red.i

ifttlj l ^i»lchpreiserhöhung. Vom 1. Jnni ab kostet ein Liker V 0 lI
« ttbrnn^OO M., eim Liter Magermilch 660 M. Wie das städtilck
§tt>f ^ttgsmittelamt mitteilt, isr diese nene Erhähnng zurückzufllhre
Ar ^.«chShung der Erzougerpreife, auf die 50prozentige Steigerun
s"nk^^lenb«hnfracht«n nnd'die enorme Steigerung der allgemeine

Krastpostwesen. Ab 1. Jum tritt auf den reichseigcnen

cin neuer Fahrplan in Kraft. Die Verkehrs-
Attrje ttnh <rus den Fahrplänen zu ersehen, die bei den an oen
ü lchgendcn Postämtern und Eisenüahnstationen ausgehängt
l^ichgh ttttd autzerdem auch im Reichskursbuch und in dem von der
ttthgj^ttpttdirektion Karlsruhe herausgegebenen grünen Kursbuch

Ausdehnung der Kindersahrkarten. Die Reichseisen-
tt>altung hat sich, Blättermeldungen zufolge. nicht entschlietzen

können. Lem Ersuchen des Reichstages entsprechend die Alters-
grcnze fllr Kindersahrkarten auf 12 bis 14 Jahre heraufzusetzen.
Man yat berechnet, datz diese Matznahme einen Einnahmeaus-
sall von mehreren hundert Millionen ergeben werde.
den die Reichsbahn auch aus autzenpolitischen Eründen zurzeit nicht
tragen könntel

* Wann tretsn dre neuen Lohnabzüge i» Kraft? Ucber die

Vorausfetzungen für die neuen Ermätzigungen beim Steuerabzug
vom Arbeitslohn sind Zweifel entstanden, zu deren Auslegung der
Reichsminister der Fmanzen den Landesfinanzämtern
nähere Bestimmungcn hat zugehcn lasien. Es ist nicht. entscheidsnd,
sür welchc Zeit der Lohn gezahlt wiro, sondern nur wann er fällig
und gezahlt worden ist Nur wenn Falligkeit und Zählung nach dem
Inkrafttreten der neuen Verordnung, alfo nach dem 31. Mai liegen,
werden die neuen Ermätzigungcn angewandt. Fälligkeit heitzt nach
Sprachgebrauch des burgerlichen Rechtes die Zeit, zu der der Be-
rechtigte seinen Anspruch von Rochts wegen geltend machen kann-
Wenn äus betriebs- oder verwaltungstechnischen Eründen später ge-
zählt wird. so ist dies sür die Fälligkeit unerheblich, auger wenn
eine ausdrückliche oder stillschwcigende Vereinbarung eine vorherige
Zahlung ausschlietzt. Wenn nichts anderes üestimmt ist, ist der Lohn
nach de'r Leistung der Dienste oder nach dem Ablauf üer einzelnen
Zeitabschnitte fallig. Die neuen Artikel gelten auch, wenn der
Arbeitslohn im Mai verdient war, vor dem 1. Juni abcr kein An-
jpruch ans Lie Zaylnng des Lohncs bestand:

^ Gegr« die Hawfter von R«»dreisekarte». Vei jedcr Fahrpreis-
erhöhung üaben p.e Fahr»arlen.-:-aj.-,,.er Lisher einen oesonderen Kniff
angewanot, um sich auch noch in den neuen Monaten billige Reisen
zu sichern. Während gewöhnliche Fahrlarten nur vier Tag'e Eültig-

leit haüen, gelten d»e Rundreisedilletts 30 Ta

also eine

Reise von mindestens 600 Ktlometer zu machen beabsichtigte, kaufte
sich die Karten auf Vorrat und lachte über die Preiserhöhung. Dies-
mal hat die Vahn jedoch den Hamstersport verhindert und die Aus-
gabo von Rundreisekarten bis nach dem 1. Juni eingestellt.

Mmrenineriag.

Am Sonntag tagte in Karlsruhe unter dem Vorsitz des
Landesverbandsvorsitzenden Dr. Wegener von Freiburg die
Landesversammlung des Deutschen Rentnerbundes. Die
trotz der Üngunst der Verhältnisse aus allen Teilen Badens besuchte
Versammlung, die in der heutigen Rentnerschutzgesetzgebung dnrch
Schaffung eines Rechtsanspruches auf Hilfe einen ersten Fortschritt
erblickt, fatzte folgende Entschlietzung:

1. Die Kleinrentnerfürsorge ist in Anbetracht d«r mit fort-
schreitender Geldentwertung wachsenden Not des Rentners, ins-
sondere im Einzelfalle mit grötztmöglichster Beschleunigung und unter
sozialer Anwendung der bestehenden Vorschriften durchzuführen-

2. Hausrat und sonstiges kleinvermögenssteuerfreies Vermögen
darf weder zu Lebzeiten, noch für den Todesfall des Fürsorgeempsän-
gers in Anfpruch genommen werden.

3. Jn den neu zu erlassenden badischen Richtlinien stnd cnt-
sprechende Vorschriften aufzunehmen, und alle zu Ungunsten des
hilfsberechtigten Kleinrentners dehnbaren Vorschriften zu vermeiden-

A«s Baden.

VMommew Vertehissperre nach Mwigchasen.

Mannheim, 31. Mai. Von Mittwoch, 30. Mai, abends 8 Uhr
ab wirü bis einschlietzlich 7. Juni abends 8 Uhr jeder Verkehr
übcr die Rheinbrücke und die Altriper Fähre ge-
sperrt- Autzerdem wird im Bezirk Ludwigshasen bis auf weiteres
jeder Verkehr mit Kraftwagen oüer Rädern aller Art ooll-
kommen untersagt. Für die Ortschaften Mutterstadt und
Rheingönnheim ist ein Nachtverkehrsverbor von
abends 8 bis morgens 5 Uhr angeordnet. Dieje autzerorücntlich
schweren Eingriffe der französischen Behörden in das Verkehrsleben
wsrden auf angebliche Sabotagcakte zurückgeführr, die in
den letzten Tagen gegen die Eisenbahnen in der Pfalz verübt
worden sein sollcn.

Der Stollendurchbruch des SchwarZenbachwerkes.

— Karlsrnh«, 31. Mai. In üer Nackt zum PftnMfonntaa um balb
2 Uhr früü wurde der Stollen des Sckwarzcnbackrvcrkes, das als Er-
weiternng des Murgwcrks vom Bademvcrk gebaut wirü, u»tcr vrak- j
tischir vollkommencr Uebereinstiimnung der beiderseitigen Höhcn-, Nick- !
tungs- und Lüngeumeffungen durck-geschlagen. Der Stollen, der 1700 >»
lang ist und etnen Durchmesser von 8 m erhätt, beginnt tm Schwarzen-
bachtal etwa »>vei Kilometer oberhalb der Einmündnitg des Schwarzenbachs j
in dte Raumünzach und endet an der Lindcnhalde bei F-orbach. Bmn An-
fang bis Ende beö StollenS aus wurde Enüe Mai 4922 mit dem Bau be-
gonen, so datz also der Ausbruch dcs Vorftollens in 12 Monatne durch- !
sefLHrt wuide. Der KoLausbruch des Stvllens ist «» Gang« untz wtrd,

1» kurzcr Zeü beendet scin. Das ganzc Stollenrohr fvll hierauf eine
wasserdichte Betonauskleidang erhalten, deren Ausfiihrung bis zum
Jahresende erwartct wrrd.

Auch dic übrigen Bauarbeitcn des Schwarzenbachwerkes
schrciten rüstig vorwüvts. Der Baiigrubenaushub dcr nber 80 m hohen
Svcrrniauer, bie im Mauerfuh eine Stärke von 80 m erbatten und iin«
ungcfähr 2M OOO ed>m Mauerwerk erfvrdern wird, ift in der Talsvhh: be-
etcket. fo datz in Kürze mit dem Bau der Mauer selbst bcgonncn werden
wird: mächtige Krantürme wcrden zurzeit aufgestellt, mittels deren der
ans Gutzbetvii herzustellcnden Mauer das erforderlich« Baumaterial zu»
geführt werden wird. Jn cinem in dcr Nähe der Naustelle, am Schnei-
derskövfte, angelegten Steinbruck werden dte für den Bau der Mauer
crforderlichen Steine geivvinien: dic grotzen Zeuientmengen und die
übrigen Bau-materialicn rverdcn durch eine Seilbahn vom Bahnhof Rau-
münzach auö zur Bauftelle beförüert nierden,

Der Unterbau sür die neue Rohrleitung, die neben bie vorhandene
Rohrteitnng des Murgiverkes zu liegen konimt, rst sv wett ferftggestellt,
datz mit dem Berlegen der Rohre in BLIde begonnen werden kann. Die
Erwetterung des Krafthauses dürfte in einigen Wochen unter Dach jeint
üie banliche Erwriterung des Schalthauses ist bereits ferftggeftellt. Dts
bestellten tvlaschinen find in den Werkllätten der Lieferer iu Arbeit: der
Stand der Arbetten lätzt erwarten, datz mtt der Anlteferirna im Monat
September begonnen wird.

Die Jnbetriebnahme dcs Werkes wird erfolgen, sobald die
Staumaner so hoch geführt ift. datz das Wasser in den Ltolleu geleitet
werden kann: der Wciterbau der Staninauer bis znr vvllen Höhe wird
während des Bctriebes vargenonimcn werden. Die Banleitnng der
Arbeiten liegt in den Händen der Wasser- unü Stratzcnbaudirektion
Karlsruhc.

WerSeaßend der TheaLerfreunde.

Wsr ans der ZaHl der Teilnehmer an dem Werbeabend,
der äm Mittrvoch abend tm Dallsaal der Städkhalle stattfwn-2, anf
die mirllich« Zahl der Theaterfrennde einen Rückschlutz machen
wollte, beging dabei einen sch>Wer«n Irrtum. Man üraucht an den
meiston AvLN-Sen nur einmal einen Blick ins Theater zu werfen, um
zu sehen,^ Latz die Hei'delöerger Theatergemelwre recht beträchtlich an
Zahl ist. Man kann wohl getrost behaupten, datz ö-er gröizte Teil
der Heidelberger Bevölkerung grotz-es Jnteresse an dem Weiter-
bestehen des Theaters hat und die Pläne, die ans einen llmüau des
Thoaters hinzielen, bi-lligt. Ein Sceubau ist ja lsider bei den
heutigen Verhältnijsen ein Ding der llnmöglichkeit und La
heitzt es eben, öen Bau wenigstens init der Zeit so umzugestalten,
datz er den erhöhten Devürfnissen an Raum und Bequemlichkeii —
auch an Sicherhe-it — Rechnung trägt.

Zu Beginn des Abends wars Divektor Johannes Meißner
einen burzen, aber interessanten RLckblick aus die Eeschichte des
Heidelberger Theaterwosens und des Heidslberger Stadttheaters,
Las am 31. Oktober j-ein 7 5. Iubiläum begehen wird. Er zeigte,
welche Schwi-erlgieiten zu übevwinden waren, vis Heidelberg üler-
haupt ein Theater bekam, und gab der Hoffnnnz Ausdruck, oatz öcr
geplante Umbau eiaen neucn AMchwung des Stadttheaters init sich
'br-inge. A-nschlietzend an dte mit lebhastem B-eisall ausgenommenen
Wuss-ühvungen Direitor Meitzners führte Staidtbaurat Haller in
Llchtbildern vine« Erun-r tz - nseres Theaters in seiner jetzigen Ee-
stalt vor, zeigte die Nach c.lc sieser Bauwei'se, verglich sie ebenfalls
im Lich-tbild'mit verschieoenen anderen Theatern und zeigt« schlietz-
lich die Ernndrjsse des geplanten Umbaues in vers-chtedenen Stakionen,
von denen die erste i« den Monaten Iulr und August auszeführt
werden soll. Di-e Aussührungen Herrn Halle-rs an der Hand der
Lichtbi>lder gabcn ein klares Di'l'd von der geplanten llmgestaltung,
die dem Theatcr nicht mur mehr P tätze, sonöern oor allcm er-
höhte Sicherheit bringen wird. Jnteressant war die Mit-
teiLmg, 'datz der Ne'Ubau eines Theaters unter den heutigen Um-
stäyden — etwa in der Art des Heilbronner Stadttheat-srs, das noch
kurz vor dem Krieg mit einsm Kostenauswand von rund 650 000
Mark erstellt werden konnte — heute rund acht Milliarden
Mark kosten würde. Die Kosten für den Umbau wsrden auf etwa
125 Millionen Mark berechnet.

Die Stadt tst, wie Bürgermeister Dr. Drach zum Schlutz aus-
-syrach, loider nicht imstande, diese Summe zurzeit aufzuörinzen, sie
nmi-tz sich 'deshalb an -L-ie Heidelberger Theaterfrennd-e u-m Dar-
tehen w-enden, -die von der Stadt awständtg verztnst wsrven sollen.
A-ls „anständigen" Zinsfutz bezeichnete cr — und wir sind mit ihm
gleicher Meinung — 8 Lis 10 Protzent. Hoffentlich sallen dieje
Worte in der ganzen Stadt aus fruchtbareri Boden, Lamit die per-
sönl'iche Wsrbetätigkeit, die in den nächsten Tagsn aufgenommen
werden soll, vom besten Erfolg begleitet ist. Am 1. Iuli mutz der
Umbau begounen werden, Lis zu d-ie-sem Termi-n müssen üie not-
weNdigen Mittel bereitgestellt 'fein. Jetzt ist es Sache der wirklichen
Thoatersreunde, durch freigebige Gesten den Umbau zu ermöglichen.

— Maunheim, 81. Mai. Dte franzöiischen Trnvven, die
das LudwigShafener Werk dcr baditcken Anilin- nnd Soüafabrik
befetzt hiettcn, sind seit Dienstag nachvitttag iin Abmarsch begriffen. Die
drei Dsrekt 0 ren , dte bet dcr Besedung als Geiseln sestgenommc»
wurden, wnrden tm Automobil nach Opvau vcrbracht. Dic dort feft-
gehaltenen fünf Jngenieure befinden sich cbenfalls noch in Gcwahr-
sam. Der noch zurückgebliebene Tetl der französischen Trnvven übt keine
Kontrolle mehr aus. Ueber dte Beranlafsnng und die Abfichtcn der Be-
setznng des Ovvaucr Werkcs der Anilinfabrik haben dic F-ranzosen biS
jetzt nichts verlauten lassen.

— Maunbel«, 81. Mai. Gestern vovuftttag fand einc Erwerbs-
losen-Dcmonstratton statt, a.n ber sich gegcn 8<X> Pcrsonen be-
tciligtcn. Die Demonstration nahm, soweit bekannt wurbe, einen ruhigen
Berlauf.

ek. U«t»rschwar,ach. 31. Mai. Dte Lohnverhandluuge« i«
dcr Peitscheninüustrie sind gcftern zu Enbe gcführt worden. Die
Firma F-lcck <L Co. sJnhaber Hcinrich Nollj bcwilligtc nicht nur bie Korde-
rungen der Arbeiter, tondern führte auch dic sechstägtge Arbeitswochs
wicder etn in Ancrkennung der schwcren Zeitverhältnisse. Die Arbeiter
üer Firma Heinrich Döbcrt traten rn den Strcik, weil die F-irma dis
Forüernngen nicht bemilltzte. Daraushin iverrte die Firma Schcrer
L Klen, vv. Aglasterhausen. aus Somvathic thre Arbcitcr aus.

)l Ucbrrlinsc«, 31. Mai. Das zweite Ovfer bes B 0 0 tsunglücks
vom Pfingstmontag. der LOtäbrig« Otto Zobel von Pforzheim, ist ge-
b 0 rgen morden. Die Leichc des öritten Ertrunkenen, O l b r t ch, der
Zobel im Todeskamvf nmschlnngen. hiett. löfte sich von diesem bci der
Hebung aus dem See und fiel ins Wasser zurück.

)( Mccroburd. 30. Mat. Am letzten Donnerstag, dem 50. Todestag
der Dtchterin non Droste-Hülshoff, wuröc deren Dc 11 kmaI,
wozu aus ganz Deutschlaud Gaben zusammengeslossen sind. feierlich ent-
hüllt. Nach ctiiem Gedächtnisgottesdicnst in üer katholischcn Kirche unö
Niedcrlegung ctnes Kranzes am Grabc der Dichtcrin fand unter Mit-
wirkung der Stadtkavellc und eines Dlünnerchors dic Enthüllnngsfeier
ftatt, wöbei vrächtigc Kränze am Denkmal niedcrgelcgt wurden.

— Bruchsal, 31. Mai. Der Bürgerausschutz befchlotz, bie
Steuer für erncn Hund auf 83 000 Mark feftzusetzen. Jn Bruchsäl
gibt es uitgefähr 1000 Hunde.

e. Schwetziugen, 31. Mai. Am Mcrkurtemvel des Schwetzinger
Schlotzgartens fand Mittwoch nachmittag bie crste Freilichtaufsührung von
-,J v b i g e n i e auf Tauris" ftatt, zu der trotz des unsichcren Wetters
auch aus den Nachbarstädtcn niele Bcsucher gekouimei, waren. Die Dar-
st-ller. von öcnen Erna Keldaan tJvhigenic) uud Robert Bogel (Oreft)
als Lberragende Gestalter genannt iverden müsscn, verhalfen deni Stück
zu etncm grohe» Erfolg, dem äußerlich auch dic cinzigartigc Umgeöuug
des Svielplatzes zugute kam. Nach Schlutz des Sviclcs wnrdcn dte Dar-
steller, Künstler vom Nationältheatcr Mannheim und vom Heidelbergcr
Stadtiheäter, lebhast gesciert.

? Freibnrs. 81. Moi. Etn Wirt km Stadtteil Stühlingen wurde
der Wuchcrv ol i z e r angezeigt, wei>l er Rebwein zur Hälftc mit Ai.'pfcl-
wein vernriichte und das Mertcl nm 700 Mark als reinen Ncbivein ver-
kaufte. Der Wirt rühmte einem Berufskollesen gegenüber. öaß er vftt
dies>er Kälschung über die Psingftfeiertase eine Million Umsatz in
seiner Wirtschaft erzielt habe.

* Mannheimer Kleinviehmarkt. Zum Kleinoiehmarkt am Mitt-
woch betrug der Auftrieb: 92 Kälber, 0 Schife, 53 Lchweine,:
534 Ferkel uud Läufer. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgowicht
für Kälber b und c 540 000 bis 550 000, d 520 000 bis 540 000,
e 450 000 bis 480 000 Mk.; Schweine a und b 610 000 bis 620 000,
c und Ü 600 000 bis 610 000, « 590 000 bis 600 000 Mk.j Sauen
590 000 bis 600 000 Mk.; Ferkel und Läufer 170 000 bis 350 000 Mk-
pro Stück. Tendenz: mit Kälbern und Schweinen ruhig, langsam
geräumtj mit Ferkeln und LLufern mittelmätzig.

polilische Tagungen.

Die Deutschdemokratische Partei Vadens hält am
23. und 24. Jimi in Hei-delberg i-hren Parteitag aü, ver für
j Mittel- und Nordbaden bestimmt ist. Wr den Lbrigen Teil des
Landes Mvd im Oberland ein besoniderer Parteitag al^ehalten.

Der BezirksaussHutz Karlsruhe der Sozialdemokraitschen
Partei Badens HL-lt am 11. Juni m Karlsruhe eine Sitzung
ob, die sich' mit der gegemvärtigen politiischen Lage und der Lor«
bsreitung der Reichstagswahl 1924 besassen wird.

Für den Reisebezug

der „Badischen Post"

empfehlen wir folgendes der Beachtung unserer Leser:

1.

2.

3.

Alle Anträge auf Nachsendung mllssen min-
destens 5 Tage vor Antritt der Reise, am tiesten
schristlich, gestellt werden und müsien enthalten:

Name des Beziehers, r

bisherige Wohnung, )

genau« Angabe, wohin nachzusmden, I deutlichs

Dauer der Abwesenheit. (Genaus ? Schrift

Datumsangabe vom . . . . bis.1

einschl. erforderlich.) 1

Postbezieher richten den Antrag an das zuständigs
Postamt ihres Wohnorts. lleberweisungsgeüühr
50.— Mk. Die Rückübcrweisung, die unentzeltlich
ist, mutz gleichfalls rechtzeitig beim Postamt
des Reiseaufenthaltsortes beantragt werdcn.

Alle Sbrigen Bezieher, auch diejenigen Leser, welche
die „Badische Post" in unserer Geschästsstelle
bcstellt haben und die Zeitung durch die Poft zu-
gestellt erhalten, wenden sich für Hin- und Ruck-
überweisung an die Geschäftsstelle der .Badischen
Post", Heidelberg, Hauptstratzs 23. lleberweisungs-
gebühr cinschl. Rückiiberweisung monatlich 50 Mk.

Bei hädfigerem Aufenthaltswechsel und Lei
Aufenthalt in Hotels, Pensionen, Sanatorien usw.
empfehlen wir dringend Kreuzbandzn-
stellnng, die zwar teurer, dafür aber viel zu-
verlässiger ist als Zustellung durch die Post.
Kreuzbandkosten im Inland 350 Mk.. im Ausland
600 Mk. für die Woche.

Badischc Post.
 
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