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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0971
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.Lr.




Aus der Stckdt.

WHmmgsMytz VWrend der AeiseZeiL. ^

^ ,Die Re'se-eit steht vor der Tür, und so mancher, der den Schlüsiel
^ Kiner Wohnungstür ?/um letzten Male für eine Neihe von Wochen
^ ^ Lem bcinglichen Gefühl, ol> er nicht viellercht

der' Zw-Wemeit ungebetcnen Besuch von EinLrechern erhalten
M»r. Bei der grotzen Unsicherheit Les heutigen LeLens sind diesc
k,^urchtungen aewth nicht ungerechtfertigt, und es ist LrlNgenL cr-
L""fcht. datz man von der bloßen Furcht auch zu grögerer Vorstüft
Meitet. Die Zunahme dcr Einbrüche wird zum großen Leil durch
»waßloss Vertrauensssligkeit der Hausbewohner hervorgcrnfen.
Vevölkerung mnß sich selbft b-sier gegen EinLruch und Dieostahl
N"ßen, uwd zu diesem Zweck ist Aufklärung dringend notwendiz.

erfolot Lnrch die amtlichen Beratungsstellen zum Schutze gegen
,,'^bruch und Diebstahl, die bei sämtlichen staatlichen Pollzeiverwal-
,Men tn den Provinzen eingcricht-et worLen sind. FL: dis Reise-
k' wivd empfoblen. alles zu vermLid-en. was dem gewerbsmaglgen
.Mrecher zum Winks dienen könnte. Man darf fich auch nrcht aus
v?°tge S^cherungen uncedingt verlasisn. sonLern foll feine Wohnung
,;Ä zuverlässioen Dekannt-cn oder Nach-Larn überwachen und mog-
kN täglich köntrollieren lasien. Befonders wertvolle Eegen,tands
«us der Wohnun-g zu entfernsn und in geeignete Berwahrung
L^ben. Wer wertvolle Schmuckstücke mit auf d-ie Re-.fe nimmt.
i.T s°llte sich dann wenigstens d-auernd vor Augen halten, d-aß sie
d;'. noch weit mehr Vefahren au-g-es-tzt siiüd als zu Haufs. Die
'stigkeit der HoteldieLe verlangt eine viel grögere Sorgialt in der
z,,"wahrunq von Wertsach-en. als sie trotz fortwährender Warnungen
5.,^'nerken ist. Jm Hot-el soll man unbcdingt Werifach-en b-ei Ler
Kk'°tverma.lti'ng in Berwahrung oeben. Ein ge Hotels habsn neuer-
selb.st einen Schutz durchzufiihrsn gs-s'i-cht. indem sie leionoers
l/;Äte für dis schürsere Bewachunu Ler Hotelgimmer an-stellten oder
f»',Aus-h8ndigung Les Ziwmerschlüssels eine Leson^ere Legrtimar on?-
austtetten» die zur Entgeaennab'me ^es Schlüssels beinr Psort-
E »?°r-,ezeigt werden mutz. Wie-Lerholt ist es vorgekommen. dag
idMechcr und RäuLer d-en Wo-Hnungsinhaber oder das Dienst-
-Ech«n d-urch tele?hon''sKe oder schri-ftliche Einladung zu einer Le-
^n-ten Zsit ans -der Wo-bnuna fortlockten. um dann unqrstort ein-
und stehlen zu köniicn. Dacher niüssen alle solche Einladungen
tz?. nicht bekannter oder nicht vertrauensWürd-iger Seite mit N.ramer
slÄecht ausgenommsn werden, und eben-so mutz man b-ei Auskünften
"N F-ernsprechcr sehr vor-sichtig sein.


Eol'simer Hosrat Dr. Albert Waag. der Direktor»unserer
jhk?reu Mädchenschule und des damit verbundsnen Mädchenreal-
l>^"Nastums, ordentlicher Honorarprofesior der Univsrsität. begeht
rv. Juni seinen 60. Eeburtstaa. Er wurde in Mannheim
h°-?ren, besuchte das Eymnasium zu Karlsrube und studierte in
,Melberg und Freiburg. wo er 1885 mit einer Disseriation über dis
Mawmensetzung der V^rauer Handschrift" xromovisrte. Nach vier-
V^8er Tätigrest als Lehramtsvraktikant kam er 1880 an die h'esigs
lsväter'e Oberreal-) Schule und 1591 erstmalig an die höhere
^chenschule. Nstchdem er 1890 die 1916 in zweiter Auflage crschis-
..Klsrnen deutschen Eedichte des 11. und 12. Fahrhunderts"
l882 ..Herders Uebertragun-ien englischer Eed'chte" hsraus-
ijNen k-atte, babilitierte er sich 1898 an der Heidelberger llntver-
Cr Llieb bis 1897 in Heidslberg und wurde 1898 Direkior der
Oberrealschule. In diesen Jahren (1893—96) gab er eine
l„i,"°nik Ler Stadt Hetdelberg" heraus- Dann ging er nach Karls-
E' er 1897 OLersÄulrat und 1898 zugleich Privatdozent, später
üSy, ^dentlicher Professor der dortigen Technischen Hochschule wurde.
lig, neroffentlichte er sein infolge des leicht verständlichen anschau-
dj!.,3eschrieLenen Inhalts meistgelesenes Buch „Die Vedeutungsent-
(«»'"ng unseres Wortschatzes", das 1920 in vicrter Auflage erscheinsn
Tj, w. Ebenfalls in die Karlsruher Iahre fällt die mit Profesisr
!'k». rlin - Heidelberg gemeinfam bearbsitete „Deutsche Svrach-
^>is» höhere Schulen" (1991, sechste Auflage 1918). Vei seiner
<Sk, nach Heidelberg als Direktor an die höhere Mädchenschule
"2t er auch wieder in den Verband der Universttät ein. Eeh.
Dr. Waag gilt mit Necht als ein vorrtesflicher Pädagoge.
fi»^"tlich ausgezeichnet durch einen klaren Vortrag und eine grotze
Ein besonderes Augemnerk richtete er auf die Reinigung der

esstHen Cprache von überflüssigen Fremdwörtern, wodurch er dts
!>iIbungen des Deutschen Sprachvereins in immer anerkannter,
'^stv'oller Weise förderte.

Die Ursachen dcr kühlen Witterung. Nachdem wir bereits im
!is>u."ergeblich auf Wärme und Sonnenschein gewartet haben und
' ^lich nns-ere Hoffnungen in den Iuni verlegen mutzt-en, sind b!s

sttzz^keufalls alle unsere Wünsche nach sckiönem Sommerwetier un-
iKz-'P geblieben. Nach metcorologischem Ermesien ist auch für d!e
Zeit keine grundlegende Umgestaltung der
it«rungslage zu crwarten. Die Ursacke fllr die kühle
M^ü^wperatür liegt darin, datz Island, die Färören un-d Nord-
sty,"and seit Mochen von einem Hockidruckgsbtet beherrscht werd.en,
wir unsere fortgesetzten Nordwestwinde zn verdanken haben.
kommt nocki. dätz von SLden her tiefe Minima durch Miitel-
dtz, - n nordwsstwörts- wandern. Die Nordwestwinde pflegen manch-
in die ersten Iunita-i-s hinein recht kalt zu sein. Denn der
'^°rd lisot in den gewalt^en Eisber-gen. die von Island und

Seite 5.

Erönland aus gerad-e jetzi nach Süden unterwegs sind und d!e dies-
mol besond-ers schwer zusammenschmelzen, weil ihnsn dsr warme
Wind aus Südeuropa fehlt. Dis Eisbergs kühlen auf ihrsm Wsg
das Wasser des Ozeans meilenweit ab und das Wasser wiederum
kühlt die Luft ab, die uns nun durch sene nnerwünschien Nordwsst-
winde aus erster Zand vermittelt wird. Witterungsumschläge, w!e
wir sis gegenwärtig erleben, irelen fast alle Iahre um dieselbe Zeit
ein. Der Erad der Abkühlnng hängt dann gewöhnlich von dem Um-
fang der wandernden Eisberge ab. In diesem Iahre scheinen die
Eismassen besonders grotz zu sein und wenn kein slldeuropäisches
Maximvm kommt, das sie mit ihren heitzen Winden zerstört, dann
werden sie auf das Festland unter Umständen noch im Iuli ihrs ver-
beerende Mirkung ausüben und die Vsgetation beeinträchtigen. Das
Wetterbüro sieht aber im Augenblick noch keine Anzeichen für das
Herannahen einer südlichen Würmewelle, und wir werdcn uns wohl
oder übel frierend gcdulden müssen, bis uns das Mittelmeer eines-
Tages mit seinen heitzersehnten Winden llberschüttet.

* Aus der Ortskrankenkassc. Am l. I:ni zählte die Allgemeine
Ortskrankenkasse 32 468 Mitgliedcr (im Norjahre 31357). Hiervon
maren 15 693 (14 921) männlichen und 16 773 (16 436) weiblichen
Eeschlechts. Pflichtversichert waren 13 4^3 (12 682) Männer und
12126 (11636) Frauen. Freiwillin versichert waren 2210 (2239)
Münner und 4647 (4800) F-rauen. An Kranken und ArLeiisunlähigen
wurden am Stichtage 420 (409) Männer' und 476 (504) Traiicn
gezählt; hiervon cntfallen auf srsiwillige Mitalieder 44 (43) Männer
und 125 (135) Frauen. Von 171 (1601 Wöchnsrinnen. die am
1. d- Mts. vorhanden waren. gehörten 82 (89) den pflichtiaen nnd
89 (71) den fre'willigen Miigliedern an. Die Erwerksunlähigkeit
betrug insgesamt 896 (994) oder 2.76 ^ (2.88 A). An Ersatzkassen
wurden drei Mitglieder abgetreten.

* Heidelüerges Volksbavk E- m. b. H. Jn der stark besuchten
Eeneralversammlung kandcn sämtliche Punkte der Taoesordnung ein-
timmige Annabme. Die Dividende wurde nach reichl-chen Zuwei-
-unaen an die Nestrven auf 3V Prozent festoesrtzt. D:e>Aufsichtsrats-
wahl ergab die W'edsrwahl der Herren Dr. llllrich, Stadtrat
Nuzinger, Angust Nohrmann, Philipp Thomas und die
Neuwahl des Herrn Esorg-F e h s e r. Es wurde zur Kenntnis
genommen, datz die Ueberlasiung dsr von der Ban! für ihren Ee-
chäitsbetrieb angefordcrten Näume durch das Wohnungsam.t bezw.
durch den Stadirai wieder abgelebnt wurds. Wer hente den Eeschäfts-
k-etrieb der Bank kennt, wer täolich beobachten kann. w'e un-.u-
reichend die derzeiiiaen Röumlichkeiten sowohl nir die glatte Ee-
schästsabwicklung als auch in gesundheitl'cher Beziehung fllr die
Veamtenschaft zu betrachten sind. kann eine derartige Ablehnuno nicht
verstehen, noch weniger aber, datz das Eesuch dieses sür das Eeschäfis-
und Wirtschaftsleben wstbtioen Instituts. dem ein lehr grotzer Teil
der He'delbsroer Büraersck-aft als M-tol-eder angehört. nicht einmal
einer Berücksichtigung durch die Stadt tür wert erüchtet wurde. D'e
für die Leistunos- und Enwicklungsfäbigkcit >er Bank äutzerst wich-
tige Frage fübrte nach lebhockter Debatte zur Wahl einer Kommission.
die mit der Einleitung weiterer Schritts betraut wurds.

* Das Werden des Lcbens behandelte Pater Muckermann
in seinern driiten Vortrag am Mittwoch absnd. Wiederum mar die
Stadtballe autzerordentlich stark bssuchi- Die Zahlen der Säugl-nes-
sterblichkeit. die auf den ersten Bl-L gcring erscheinen, täuschen. Denn
da die Zabl der Säuglinge an sich zurückgeoanoen ist. mntz auch ibrs
Stcrblickkeitsziffer sinken. Schon vor dem Krieoe seien über eine
halbe Million Kinder schon vor der Eeburt oestorb-en. Der Zweck
und Sinn der Ehe sei, alle Probleme des Lebens gemeinsam zn
lösen, ihr Höckstziel das Werden des Kindes und dann das Kind
sslbst so zu erzieben, datz es dem kommenden Eescklecht die Fackel des
Lsbens weiterreichen könne. Hinqebende und schonende Liebs der
Ehegatten müssen sich miteinander verbinden. In keinsr Religion
gibt es Satzunoen, die irgendwekche Vrutalitäten der Ehe reckt-
fertigen. Beids Teils baben gleiche Rechte und gleichs Pflichten. In
den alten Leuten müsien wir ein Stück Eesckickie sehsn, sis müsisn
wir hochholten in Ehren. Schon im Muiterleib schwebt da-> werdsnds
Kind vielfack in fürckterl'cksr Eefabr. Der Redner weist dabei auf
vsrschiedene Aniräge tm Nerchstag bin die für die Verbrechen gegen
das keimende Leben Strakfreiheit fordern. Einzelnen Aroumenttn
der Aniragsteller brinat er weitestes Vsr^öndnis entgeoen. Man
durfe aber niemals vergellen. datz das Kind vom ersten Rugenblick
l»!nes Entsteb-n-- an e!n Mensck mit einer Seele sei. der unter feder
Bedinoung geschützt wer^en msiste. Es oibt keiimn Erund. der einen
kö'noriff mit dem Zweck der TZtung des keimenden Lebens recht-
iertiot. Vctt-'r Muckermann i'-brt die ein-elnen Ar-nimsnte an. aus
denen eine B-erecktigung zur Tötung des keimenden Sebens aboelcitct
wird und weist !hre Halilosiokeit nack. Er bervft sich aber darin zum
Teil auf den Heidelberosr Evn8"ologen Vrof. Dr. Menge. Zum
Schlusie seiner Ausführungen beschäftiate sich der Redner mit tief-
sittlichem Ernst in überaus grotzer Sachlichkeit mit dem Kinde selbst.

-e Postzweigstelle Ncuenheim. Vor eim-mr Zeit wurde bskannt,
datz die Postverwaltung beabsichtige, die Postzweigstelle Neuenbeim
eingehen zu lassen. Aus eine Eingab«. in der um Weiterbestehen-
lassen der Zweigstelle gebeten wurde, erhielt dis Handelskammer von
dsr Obervostdirektion folgenden Bescheid: „Dis Verwaltung des
Zweigpostamts 5 in Heidelberg-Nsuenheim erforoeri nach dem
setzigen Siande einen Köstenaufwand von etwas über 29 Millionen
Mark fäbrlich. Der Rückgang des Postverkebrs und die Finanzlaoe
des Reichs würden es rechtfertigen, zur Ersvarung dieser hohen
Kosten die Zweigstelle, wie dies äuch anderwärts lchon gefchehen ist,

ganz aufzuheben, zumal die Entfernung von dissem Ortsteil bis zum
Postamt 1 (Rohrbacherstratze 3) nur 1,2 km beträgt. Von dcr Auf-
hebung soll ledoch vorerst abgesehen werden, dageoen mutz eine E!n-
schrankung m der Weise eintreten, datz sich die Zweigstelle mir dsm'
^nkraftireten ksr nachsten Eebuhrensrhöhung, spütestens vom I.Iuli
ab. nicht mehr mit der Annahme von Paketen bsfatzt. Dadurck 'lätzt
stck) eme Ersparnis der Ausg-aLen unr rvenigstens 17 Mittronen Mark
layrlich erzielcn. Sollte sich aber dis Finnnzlage des Reichs noch
weiter verschlechtern, so wird sich die Aufhebung der Zwsiostelle in
Neuenheim bei weiterem Rückgang dss Verkchrs nichi umoeh--n
lassen." ^

» Der Heidelberger Liederkranz wird sich am kommenden Sams-
tag und Sonntag an dem Karlsruher Sängertag keteilst---n
zu dem sich eine grotze An-zahl süd-deutscher Män-nerqcsanqverein«
angsmeldet haben.

Der deutsche Postscheckverkehr im Zahre 1922. D!e Nelden'wer-
tung, L-ie LesoNders seit dem Hsrbst -des vorigen Jahrss einen grotzen
Umfang angenommen hat, spiegelt sich auch in Len Eroebnisien des
dentsch-en PoUch-eckvsrkehrs wid-er. Der Umsatz hat mehr als neun
Billi-on-sn (9097 Milliarden) Mark L-etragen und sich gsgen ^as
Iahr 1921 nahezu verachtsacht. Ein sehr erfreuliches Bild bieten :ie
Erg-ebnisse -d-es barg-eldlofen Zahlungsver.ehrs, in dem 7892 M-l-
l-arden oder 86,7 v. H. des Eefamtnmsatzes Leqlich^n worden siird.
Ende 1922 haben dem PostscheckvLrke-hr 913 789 Kunden anoebött. -
Das Euth-aben h-at um 221 Milliardcn Mork zu-gen-ommen und EBi« -
1922 243 Milliarden bstragen.

* Zur UnterAtzmrg der Wucherpolizei be! der Usberwack-i-'g d-r -
Preisb!l>L-ung auf Len W o ch e nm ä rk te n ist eine Kommission ^
gebildet worden, der sowohl Verireter der Erzeuger und Händ-i
ler als auch Vertreter der Verbraucherschast angehören. Die Kom- z
mi-ssion hat die Ausg-ab-e, uni-sr Berücksichtig-ung von AngeLo-t unÄ '
N'ach'fraoe d'e Llnoemesienheit der gofor-derten Vreise nack.z-uv-riistn.

In Fällen Mermä^er Vre-isforderung wird d-ie Wucherxolizei ein«
schreit-en. E? fei bei dieser Eeleg-sn-heit erneut darauf hingewiefen,
Latz den Bchörden eine Unterstützung ihrer Tätigkeit d-urch Erstatiung
ron Anzeigen d-urch das lanfend-e Pub-li-kum von Lesonderem Werle ist.

* Bercrtcltcr Tiebstahl. Am 6. Juni wurden auf dem Eüterbahn-
hoi hier ein mit Brrketts beladener Wagqon erbrochen und elf
großers Säcke sowie ein Rucksack mit etwa 15 Zentner Briketts gefüllt,
am Tatort zurückoelasisn. Der Abtransvort der gestohlenen Vriketts
sollte vermntlich in dcr Nacht zum 7. Iun: vor sich gehen, woran
aber die Täter durch hinzugekommenc Personen verhindert wurdsn
und flüchtig gingen. ohne erkannt worden zu sein. Die vorgefun-
denen 15 Cack Vriketts wurden beschlaonahmt und der Eisenbahnver-
waltnng zurückgeoeben. llm sachdienliche Mitteilung zu dicsem Vor-
gange bittet die Polizei.

* Polizcibrrrcht vom K. Zu'ri. Festgenommen wurden: ein
Vettler, der 113 099 Mark im Vesitze hatte. ein obdachloser Ruhe-
störer. Aufgegriffen wurde eins obdachlose Arbeiterin aus
Rohrkach- Zur Anzeige gelanaten: eine Taglöhn^rsebefrau von
hier wcgen En^wsndung eines Eeldbetraaes von 18 009 Mark. ein
verhsirateier Kaufmann von hier weoen Vetrugs und Unierschlag-
ung. ein Kanfmann von hier wegen Prsistreibersi mit Vutter. ein
Kraftwagenführer von auswärts wegen Fu.ndunterschlaguna. -wsi >
Wirto weoen Ueberwirtschaktsns, zwei Personen wegen 'Ue8ersib-'ns .
über dis Polizeistunds. fünf Ruhestörer, zwei Feldfrevler, fünf A->s-
länder wsgen Nichtbeachtung dsr Meldevorsckrift und weiters stsben
Personen wegen anderer strafbarsr Handlungen. Eestohlcn
wurden: Am 5- Iun! vormittaos von 10 bis 12 Uhr aus d-m Hms
der Oberrsalschule (Kettenoasse) ein Herrsnfahrrad im W-rte oon
500 600 Mark, in der Nacht zum 5. Iuni in der Tbsaterstrob-' e-u
Firmenschild im Wette von 590 000 Mark vnd in der 'Zeit von Mitte .
Februar bis Ende Mai 1923 in einem Hause an der Hauptstratze f
eine blane Pumphose und zwei Damenheinden im Eesamtwerie von >
39 000 Mark.

O i'

bs.. NeckarsemS«». 7. Jllni. Jm Mai fand hier in den Ichvne«
Nartensölen beS .g-astscs Kuroarten etn a m i I k« n a be n d der ,
Deuttche« liveralen VolkSvartei statt. Mttalleder und 1
Freunde vatten stch »avlrelch etngefunden. Mit dem Mte-Kameradsn» -
Marsch. slott aesvlelt von Frl. Volk Mavler, und Hsrrn 8 ommert !
sVioline, wnrde der Av-nd einaeleltet. Apotvekenbefluer Kirchmaner '
bearützte als Vorsttzender die Anroesendsn mlt elner Ansvrache, wobei er
auch unserer sckwer aepegften Brüder im besetzten Gebiet gedachte. Serr
Adler vom Stabttheater Seidelb'ra vatte die Güte, unz mit elniaen
Liedern ,n erfrenen. dte arotzen Vessall fanden. Den Söbcvunkt errelchte
dcr Abend mit einer wok'ldnrchdachten vatrlotischen Nede des Herrn Ober.
amtSrichtcr Dr. Koch. der darans hin'vres, datz De"tschland nur g-sun-
ben und wt'Ler emvor kommen kSnne burch dis VokkSaemeinschaft, dnrch
das Verstehenkernen ber eimelnen K-lassen und Stcinde nnt-er Nch, nuh ?n .
BeaeistSrung stimmte die Versamm-lnno ein in das Lied: Dentschland,
DsutMand üve'- alles. Serziichen Dank sei ISm nochmas? an dieser
Stelle dafiir daraebracht. Frl. BruaSer. von Frl. KirSmaner auf
dem Klavier beqleitet, fana mit schönem Mc>zoiovran eintac Lieder von
Brahms und Beethov-n. Durch Gesana nnd Vortraa trna anch Herr
Len, vlel zur UnterSaltuno dcs Abends bei. Avwechttlnd erfreutcn
wledcr Klavier- unb Vto-Iinftücke, von Ftt. Volk und Ser"u Lammert
noraetraaen. die Nnwcsenden. Den SumoristitKen Teil bes NSends ver-
fch-önts Fvl. Brnaaer inlt jhren rcizenden neckischen Lted-'ru znr Laute.
die grotzen Beifall fanden und Herr K a v v. der als Snmoristischer Rezi-
tator bekannt nnd gcichätzt ist. Oberstsnersekreinr Meter brackte mit
Recht dcn Dank d-r Anwesendsn sür bie Vcranstaster nnd die Künstlcr
znm Ausdruck. Endlich nach Mitternacht nsiate stch der schöne Abcnd
seknem Enb« zu und wünschen und hofkcn wir. datz dcrselbe sich bald
wiederholen möai'.

DeiiWer PWvloi-entsg in Würzbmg.

tzstkAnl 21. L!s 24. Mai fand in Wllrzburg eine Verirster-
Hhj"Ostlung des rund 39 960 Mitglieder zählcnden Deutschen
' oIogenverbandes statt.

Untcrrichts- und Finanzmini-

(sti»^swerte Erklärungen abaab:

^lxl^seien einig in dem Vestreben, den Philologen die völlige

stelluna mit den Inristen wieder zu verschaffen. die den
ü« y.,.>chen Schulniännern nur durch den Einsyruch des Neiches. das
N'iveau der andern Länder herabdrücken wollte, verloren
sei. Jnfolge der sozial-grotzzügigen Neuordnung der An-
^iq^^frage seien von 431 Äsiesforen^428 in^die Anwärterliste

oder Unterricht. gesichert
jährigen höheren
für Bayern eine F o r d e r u n g ^ von der es im

»*esse des BiIdungsstandes nicht abgehen könne.
>" Höhepunkt der Philologentagung bildete die Aufnahme der
'Hischen PHUologen in den grotzen Reichsverl-and, ein
nach herzlichen Ansprachsn des Vorsitzendsn des Reichsvsr-

z?'hisia^beimrat Mellmann, und des Obmanns des öster-
Men Vereins, Profesior Venda, von der Versammlung mit
A^Ewutztsetn seiner allgemein politischen Bedeutung vollzogen
st'^isä mancher Deziehung wird der neuaufgenommene öster-
den ^erein als Schrittmächer für den ganzen Verband gelten
Tst Kein Erlatz übcr schulpolitische Fragen kann in Oesterreich
VSempl Kopf der Lehrerschast hinweg herausgegeben werden. Die
- der Echaltszahlung nach einer gleitenden Skala hat die
stFhe»>"Ichast vor den ewigen Vesoldungskämvfen und vor der
Materialisierung bewahrt. während in Deutschland gerade
tz'stjg/.Oeren Beamten fortgesetzt in der Vesoldung herabgleiten.
tz°h; dock ictzf z. B. ein Negierungsrat der Eruppe X. Mie
" 7 Münster und Mafche - Bsrlin darlegien, ungefähr das
- ^fnes Dachdeckergefellen > und ein Oberregierungsrat der
-l, XII das Eehalt eines Maurerpoliers.

-(?8e ^inem grotzzügigen Vericht über die schulpolitische
^forVehrend - Berlin auf den Schulwirrwarr hin,
der willkürlichen, oft nicht von Sachkenntnis, fondern von
getroffenen Matznahmen einzelner R.egierungen ent-
P"hr ' '' .^!e Einheit des deutschen Schulwesens ist nachgerade in
Ä>^lil'e„ ^isichlagen zu werden. Das Schulgeld erreicht für den
etne unerträgliche Höhe, trotzdem kommt es insgesamt als

"rg

^ iUr Uuterhaltung der Schulen nicht in Betracht. Daher mutz

Schulgeldfreiheit, wenigstens solange die Volksschulvflickt besteht, ein-
treten- Auch die Lehrmittelfreiheit ist auszubauen. Staatliche und
private Fürsorge mutz helfen, damit die Schulbibliötheken erhalten
und erweitert werden. um als Mittelvunkte der Volksbildung dienen
zu können. Die höhere Schule bereitet nicht nur zur Univer-
sität vor, sondern nimmt auch in ihrer Organisation Rücksicht auf
alle, die e!ne gute Allgemeinbildung für das praktische Leben
wünschen. Daher darf thr Vestand nichi gefährdet werden. Die
nsunjö.hrige höhere Schule mutz erhalten bleiben und die Erund-
schule so differenziert werden, datz die begabten Schüler sie in drei
Iahren durchlaufen können. Der pflichtmätziae Vesuch der Fort-
bildungsschule für die Schüler, die die Reife für Obersekunda
besitzen, ist abzulehnen, weil er eine V.rgeudung an Zeit und Kraft
auf Erund eines öden jZahlenschematismus bedeutet. D!e Notlage
der Studtenasiesioren erfordert dringend Abhilfe, um im Jnteresie
des Staates und der Schule einen geordneten Nachwuchs zu sichern.

Wenn diese und andere in Würzburg von den Schulfachmännern
behandelten Fragen in der Oeffentlichkeit, bei den Regierunoen und
bei den Parlamenien die Bcackiung finden, die sie bsi der Wichtig-
keii der Sache vsrdienen, so !st anzunebmen, datz das Schulwescn
!n Deutschland einen guten Schritt vorwärts zur Eesundung machen
wird. Llr.

Dte Knltur-Natkon. Unter der Ueberschrift „Naiviiat oder Frech-
he;t?" berichtet d!e „Deutsche Allgemeine Zsitunq", datz Herr Tirard.
der Vorsitzende der Rhein-lanid-kommMon, d-ie S-umme von — 3090
Fran-ken zu-m Wiederaufbau des Wiesbadener Th-eaters überwie-sen
hai. Mer wirld nach dieser fiirstlichen Sp-ende noch daran zweifeln,
datz die Fra-nzosen eine K-ulturnation sind, ,-mfomehr, als sie sich für
d!e i-hnen hier erwachf-enden U-Niko-sten durch den im Erotzm betrie-
benen Diebftahl deutfchen Eigentums reichlich fchad-los halien. An-
gesichts der wahrha-ft herzlichen Veziehun-gen. die a«qenbl:cklich dank
Frankreichs vornehmer Sisgerhwltuilg zwifchen Deutf.hlaNd nnd
Frankreich beftehe-n, kvmmt Vie „Deutfche Wgemeine" zu dem nur
allzu gerecht-fertrg-ten Sch-lutz, datz die Frawzosen sich die Erlau nis.
Deutfchen etwas fpenden zu durfen, erst in langen Jahren lan-gf-am
und mühsam wevden zurückver-dienen müsien.

Dke ffaatsgesahrlkche Operette. Wir lefen !n den „Leipziger
Neuesten Nachrichten": Äm 10. Mat sand am Stadttheater in Halle
die Ura-u-fführung d-er Operette „Die Königin vom Naschmarkt" statt.
Es kam zn einem ehrlichen, unbeftrütenen Erfolg, der sich u a. auch
in zahlreichen Hervorrusen von Komponist u-n-d Textdichter äutzcrte
und der vor allem auch von der gefa-mten Krrtik bestütigt wurde.
Nur das llnksradiikale Hallefche „Volksb-latt" lehnte das Werk ab,
vermutlich w-eil darin (die Handlung fpielt zur Zett des Mener Kon-
grcsies!) ein richtiger König vorkommt, Da außerdem die politisch

links orientierten Künstler des Hallef-chen Stadttheaters die Abfetzung .
-des Werkes vom Spiel-plan verlangt haben soll-en, hieli es'Jntcn^ant
Dieirich merkwürd-igerweife für seine Pfl-rcht, das staatsoeführl-iche '
Werk albgufetzen. -

Aus d-iefem Fall erg-eben stch fllr d-ie Autoren eroötzliche Perfpck-
tiven. Wenn alfo künftig einigen Darstellern ein Werk aus voliti-
schen Grllnden mihfällt, so sabotieren sie — wie tn Halle gefchehen —
zunächft die Proben und erAvingen schlietzlich feine AWstznn-g vom
Spielpl-an. Freilich müsien sie dazu einen Direktor uon 'lo ausoe-
fvrochener Zivilcourage haben. wie es der Intcndant des Hallsfcken
Stadttheaters ist. Diefem feltfamen Theaterleiter machsn hostentl ch
Ler Schutzverckanid deutfcher SchrMsteller und der Verband deutfchcr
Bühnenfchriiftfteller und Komponiften klar. was es heitzt. fo unver-
aniwortlich mit iden Jnteresien der Schafifenden umzuf-pringen.

Zusammenfchlutz der fozialwisienfchaftlichen Forfche» Dcutsch-
lands. Um fchwere Schädigunoen durck den fühlbarsn Mangsl an
Fachliteratur von der sozialwisienschaftlichen Forschung abzuwenden,
haben die Fachgelehrien eine Arbeitsgemeinfchait zur Heransoabe
einer gemeinlamen Sammluno. der ..S o z i a l w i s se n s ch a ft -
lichen Forschungen" gegründet. Deren Leituna und Auslese
übernahmen: Diehl, Freiburg, für allgemeine Nationalökonomie,
Seving, Berl-in. für Agrar- unid S-iedl-ungswefen. Herkner,
Verlin. für Eewerbe und gewerblichs Sozialvolitik. Eckert. Köln,
für tzandel i>nd Verkehr, v. Ehebero, Erlangen. für Finanz-
wisienfchaft. Die Verlagsbuchhandlvng Walter de Eruyter L Lo.,
Berlin, verzichiete auf jeden Eewinn. Die Noigemeinfchaft der
deutschen Wisienfchaft leistet Zuschüsie zu den Herstellungskosten. Sa
können die Hefte zu mätzigen Preisen abgegeben werden. Sub-
skribenten erhaltcn Vorzugspreise. D!e ersten 7 Hefte liegen bereits
vor. Sie Lehandeln die Umlaufgefchwindigkeit des Gsldes, die
Kr-egsfinanzierung. maritime Fragen und drei gewerbs- und sozial-
xolitlsche Unterfuchungen.

Dr. W. F. Kave Edrendoklor. Rektor und Senat der Tcchnischen
Hochsckule Mönchcn haven auf Antraa bcr Clicinsschen Abteiluna Herrn
Dr. W. F. Kalle „als dcm bervorlaocnben Oraanisator auf wissen-
schaftllchem nnd technischem Gebtete und dem Bearünder zahlrctchcr Wobl-
fatzrtScinrlchtunaen auf sozialem Gebsetc" Lte Würde eincs EtzrendoktorS
der Tcchnischen Hochschule München vcrlietzen.

Mustksest Darnrstadt 1823. Das Hcstische Landcsttzeater und dcr
Mustkvereln in Darmstadt vcranstalten vom 15. bis 25. 6uni ein Mnstk-
fest mit solaenbem Programm: Frcitaa, den 18. Juni, Beetboven: Cüor-
stnfonie, IX. Sinfonte: Montaa, dcn 18. Iuni. Vcctboven: Violinkonzert.
Bruckncr: IX. Sinfonie. Mittivoch, dcn LN. Juni, Matzler: II. Sinfmne:
Freltaa. dcn 22. Funt. Pfibvcr: Kantate „Von bcutscher Scele": Sonntaa,
den 24. Juni, Krenek: Strelchauartett, Petnrck: Kammermnstklieder,
Pcterscn: Streichouartctt: Montag, bcn 25. Jniii, SSreker: Kainmer-
sinfonte, Hindcmtttz: Tanzsuite, Schöncberg: Kammersinfonte: Leituna
Mtchael Balltng nnd. Joscf Nosenstock.
 
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