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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0675

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deuischer Iunge

°°n verprügelte. (!!)

we'rl er es nicht ver'hindert
einen f r a n z ö fischen

gelte. (!!)

d«lsch-sM;sMkr ÄsLeWschsel.

^nustaus-h ZSer dre BorgLnge des Esfener Blutdades.

BcrNn. 19. N.pril.

den deut-
-tag von den

^ ir.

Rsgierung beantmortete
° a- '' n°ln 4. Nxiis ^eqen das am Ostsr,an-
,'Ae tz s^^vvpen aui dsn Kruppschsn Werksn i« Essen c nge-
^riz Nibad mit i'olgender an den deutschen Geschaftstrager
, ^ ^chi-ten Nots i?, Llpril:

N?^iben vom 4 Noril. womit Sis mir Vemerkimgen
Rsr, ^--ng Lüer d,s AmifckienMe mitteilen. Lie NL am
Essen alme7,nelt Laben. entchäl^ nnrichtige Behann-

Bsr-cht-a-'na ?ch mich nach fehr nenanen f?e,t-
?!>°." s,."r non mn- anoeardneten UnterfnKung M verpfuchtet
°lle'^eM r---ch kell-wstev' wer^en. das, die AutomoLrl-
)> Kr--prschcn Si7sr?s sicki n'St in der Mitte dss Facrik-

>-„7. wn"srn am RaMs emsr Stras-e desindei. L)ie
^ Holle durck eine fran-ösische Abteilung, dis mit -.er
Nutowobilr bcauUrcmt war. konnte de-Lalb, dre
dip >'7rbeiker -u lsiner We*ke stären. Dsr Offrzrer,
s'5^"kien"'°'l--ng Sck-brrate. teilte überdies io'ort nack ismem
!-,'b lkh-r - °i>o um 7 Mr mor-en«. den Zweck fcinss Auftrages
ch,.,'?kr ^utomo^-lballc mit. Ts konme deshalb kem Zwer-
sn <?.»»»>>, Anmeienbeit beitsben. die »on den


!ia»^?t9'mt uickt bemcrkt ivor^sn

^.^iolgs

wär?. msnn sie ihnen
n i»- ,- - - iert wordsn wäre. Erst um 9 Mr traten die
Ut Äter^i°loe Mch,-r^ckunasn -wifcken dem Vetrisbsrat nnd
die in TäLiakeU. modurch d!e Arüeitsr aenötigt wur-

idL?win^rks->ätt„ serloNen und sich nm die Nubnnobilyalls
Dis Menms beobacktete znerft em' verhältnis-
?- iag H a l i n n -' : jedoch tratsu Redner auf, d'S
'küii n N"üen >'vb die Men--e aeasn den Offizier imd dis
°^°HIiats Abte'lun" autreizten. Auf diese Anfrei-
V dis ? -N'r welck- die Wcrkle - tung verantwortlich ist,
t^'^lel^e .-balu.-na zurückaetübrt wsr'-sn, die von der
T- ^siter in >mmer zunechmen>'sm Maifs -ingenommen
»>°^Nsn - ^rbeiter sckwan"cn «"azierstöcke un> Nev-llner und
rba^.Zteine „nd Kaksstücke cmf die sranzösischsn Sol>aten
i»- ^en M lallen. Der Ofiizier murde fo"ar an der .«öand
!»iir Esbä-.T^ererse-ts Le--ab üch em Teil der Aulwieglsr hintcr
d^end e, »m dis lran-ösiscks Abteil"ng rückwärts »u iahen.

^"isj^We Lo-omotme an die ärchers Mauer heran-'eiührt und
" " in dje ^alle "ele"->t murden. um die Beiah.mgs-

«b-,m°!Ne


Kie/^g^ -"^brühen

Der Oifizier rerlor trok d-r sehr kri-
V.'o'eit ""7der er sick befand. keinen Auaenblick sein- Kalt-
«-oitch?b^ohl er von allsn ^siten nmrinnt und bedrobt mar,

xn wcrden. Der t. .

gr.» ^ u u n q e n in deutscker Srracke. Als diese War
mt n.me tziiebsn liefi er -mei Schüise in die

»ii^ ...» __....

»'n-.^ü wcrden^ Der O'k-a'er neransasite, die vorschrüts-

*r''e'urirmira ^_ _ ..

en. Dann erst befahl der Oü'üer eine Salvs. wcbei
isaMbx-.'.ch als Z!->lvunkt den ob°ren Rand dcr Em-abrt dcr

- " '—wurde es mö'lich. die
besckränken. Die Abteilung
?n.

chtiokeit der Tatiachen.

^^beri;^ uls Zielvunkt den ob°ren Ran
!o.',der ^,,/Nden Mausr an'gb. Dadurck w
H ?. ück ani das Acuberste zu beickrön


>ie g.°tddann in guter Or"n"ng zurnckziehen. Tck fllge binzu.
bee^Uq e u ^ a a g e n die Ricktigkeit der Ta^iacken.

.abe. ste vorstebsnd wiedsrzilgeben, bellätigten


wie ich

... ... .. ,, Diefs

sche-nt ksmen Zweifel üoer die Abstcht der Werk

^li^oilig^ einigcr Partei'änger besteh-n zu lasien. aus Anlah
»i^ hei^-Uormalen Requisitionsmaimahme einen Zwischen -
°- °Mführen, für den ste die V e r a n t w o r t u n g tragen

^hiN

K..».

>gen Sie usw.

gez.: Poincarö-

^irSg'ch.sregierung beauftragte darauf den dcutschcn
>n Paris, die vorstshende französischc Note wie folgt
lie ^>e ^ ° " en:

Irp-^'.'llche Regierung stellt mit Genugtunng ssst, dak
Regiernng. die biscker dis dsutschen Proteste geqen
?>t 'brer Truvven im Rnhrgebiet irnbeantwortet


t "M n"'- Uch sotzt veranlastt Nehl, zn den blntioen Erei'nisten.

a»,- "ui aeranilli-'

m», ^Un Dstersamstaq in Esten gb'esvielt haben. amtlich
^rz°"t>tn? !>u nehmen. D'e Avsführnngen der franwstschen
^»e» T°- k°unen jei-och nicht als zutreffend anerkannt

»e^uder de"tstbcn Regiernng iniwifchsn nock zuqe'an-
y>*.'den bestätt'ten die Darstellung der dei-tschsn Note
»'l 'N allsn Pnnkten, ank dis es für die Be"rteil"Ng
^.Valt-; ankommt. als richtia. Das gilt insbelondsrs
vvn ° ''h l s p r o t a? o l l e n übsr d?e eidlich' Verneh-
T wehreren Arbeite'n >md Angestellten der Kruppschcn
»i^-Lie . -tlu'enreuoen der Vorfälle aewefen stnd.

^rs» ^°sEU/'che Regiernng ist bereit, be'tgubi'ts Abfchriften
-''st^uehmi,ngg,!>?rotokolle »'er ircm-östschen Regiernng zur
?»zk chm. ilellen. falls o"ch diese ihr Beweismater-al hera'-s-
-ie>»'m^'er!c,ch sede Ver'ö'er'mo zn der von beiden Teiten
^,°u Feststellun-' d->s Tatbestandes ?u aelangsn, fchläat



Reo

lerung d'e Emi-hung einer internationalen

br

... ^unosrommiision vor. die aemäf! dem Haa'er
''^en 1997 da' betderstit-"' Bewei'smater-al zn vrüksn
-» yp^rcm wnstsa-'n snr >°en ZmÜcheniall j« Betracht kommsn-
'»>°iM>is„^EU gnr'-.rcye.en HLttc. O"Mwhl d?" dents-i'e Reaier"ng
irnx,- °ul Eini-bung emer iolchen Kowmisston anlästlich
üe ?^>> Var-älle 'm R"l'r'ebiet vcraeblich gest"llt hat. er-

S-

i'ck die iran--östscke Regiernna jehi einem inwr-
jhls s,° !de^:„uieriuch',nas"ertahr-'n nicht entriehen wird. Die kran-

.. - En^'Ua wird nickit bebanvten wosten. dast der Zwifchen-
^iu" ernwandkreie Aniklärnng in dem
!"°t-Ue^< ' > ck t l! ch e n Neriahren i>nden könntc. wie es
die noch 'mme' in Aa?t bci'mdlichen drei M!t-
eq ^ektion der Krnppschen Werke d»rch'eiübrt werden
siich h>e bandclt. ob die Scknld an dem

sxTden a"? dentsckicr Seitc beteiliaten Personen o^er
!v?UH°uscke« Bciastun'strnvvcn lieat, w-'>rde ein ans An-
'^ter ; - Truppen gebildetes Kriegsgericht zugleich Pariei

m.» Truppen
lein.

g,

!>, Ur
^»j^en

dis Vsmewalü'gung Danzigs.

-9 Av.

s,"


.» °


dsr
»e»r


^rll. D°r siellvertretende Nrästdent des Senats,
..^-chte im Ka'tvtansschust des Scnais u. a. folgende
d,'e anaedrohten Sverrmaiinahwen der
c» l ? 9 i s r n n a gegen die freie Stadt Daniig:
-eg,>>r"na te-'lte dem Senat n>'t. datz vom 20. Ilvril
°u S v'phr in d«s polniiche Eeb-et nnd dercn Ans-
Poln ichen lliebiet verbote.n ist. nur dann iiber

» --> ^.Uolnischen Ecbiets gelasien würden. menn sie durch
U Abpj! u i u h r k> e w i l l i a u n q e n dcr zuständ'gen nol-
. -r s n»>. Sendungen von solchen Wapen,



-m-, w- 5«>ckt stnd. -..... .... —„....

1pT-,.:lUNchr rerboten ist, wevden rü'ckstchtslos angeh.glten
Utl>c . °u einsm Strafverfahren unterworien.

tz!°e"'°r

hL?b'> °^utet

'th- i>i°°">n Z, °?U/U Verstoi; gegen das Danzia-volnische Ab-
>'oln'77.^^9ber 1921, wonach die Danziacr Regierimg und
gg; ^"iernng die E:n- nnd Ausiuhrbewilliaung zu

-i.

'»c>^

^°Uch°Naus

s >n B°rhandl"naen, die hierübcr von dem Ver>retsr
Niiuitn "'N^mn ueli-hrt wurden. ergaben, dast e-ne E 7 ni -
KrgM-" ? ur ö a l i ch ist und dast die angedrohten Sank-
ln-n ".eten wllrden. Ziehm legte dar. daß die kialtung

^°<°I»> Ustasfü" hmoaI , ch
^?^»a'^en Re^°u würden. .. ,
kor ^ der si-a: w't der durch die KonvenLron gesckianenen

B» > Konr°»i-^i°^ Daniig nvereinbar " -

Ä^'Ud Lu^.ention müiie iede Mem

^ I- I. V ^ r. 4 II " ir t- sei. 9?ack) dll-

der milsse iede Me'nunasnersckriedenheiL znn'sHen

"d» »-Utissars » Stadt Danzig der Entscheidung Les Völker-
^'cht Le,chel"^^ueitet .werden, soweit ste durch Verhaud-

MWiNttsHaft und DoLarhauffr.

Reichstagsdebatte zu Dollarhausse und Finanzlage.

Eigene Drahtmeldung.

Vcrli«. 20. Avril.

?lm Negiernngstisch: WirtschaitSminiiter Dr. B c ck e r.

Dic zweitc Lcluna dcs H a n s li a l t s v l a n c s wird fortgcsebt bcim
R c i ch s w i r t i cb a f t s m i n i st c r i u m.

Zlbg. Dr. Rieszcr (D. Vv.l hcüt bcrvor, batz d!c Forderungen der
Linkcn stcts darauf hinauSlaufcn. latz die starkcn Schultcrn die Lasten dcs
Staates in crster Linic traacn iollen. Nm das zu erreichcn. werden höücre
Steucrn verlangt, bcsondcre Notovscr. Kontrollcn aller ?lrt. Krcdit-
bcschränkungcn nsw. Bci Lcr Durchiübrung ciner iolchcn Koniiskations-
volitik werde es bald lcinc starlcn Schultcrn in Deutichland rnctzr gcbcn.
tZustrminung rechts.) Das EracbiirS wcrdc nicht nur dic Bcrnichtung dcS
deutschen Vermögens. iondern auch dcs Erwcrbs- «nd Svarstnns sci». Als
Folge würde sich ein Zufammcnbruch ergcbsn, dcr jcde Hosfnung auf
Wie-eraufbau aussKlieht. Das sei dieselbc Bolitik, die dic Franzoien jebt
im Rntzrgeüict bctrciben, w,c sie bic uusinnigsten s-leparationsforderungen
crliebcn und bic FLbigkeit Dcntichlands. zu bezatzlcn, durch Zcrtrüm-
mcrnng unicrcr Wirtschaft nnd nvscrc? SandclS veri'ichtcn.
Der Rekner fordcrt Rüclketzr zu den alten Stein-Herdenbergschen Gruud-
säpen. dcr Fördornna aller xroduMvcn Kräsre, die vicht gcgencinander,
ionlern mitcinanbcr kümvfen müsfcn gegen den gcmcinsamcn Feind. Der
Ncdner stimmt dcn Matznatzmcn znr Stützung der Mark «nd zur
Erlcichtcrung der L c b e n s m i t t e l e i n f u tz r z«. Der geringe
Ersolg dcr Dollaranleitzc sei nicht auf den sctzlcchtcn Willen dcr Kapitälistcn
znrückzufühxcn. Unfere Jndustrie bciand sich in rückläufigcr Bewcgnng.
Autzerdem bczwcifcltcn die Franzoicn dcr Ncichsbank das Nccht. für btesc
Anleitze Earantie zu lcitzcn. Ncbrigens scstn 12l4 Mllioncn Dollar gar
keine rleine Summe. Der Zledncr besvricht damr die letzte Dollartzauise
nnd rcrlanat strafrcchtlichc Matznalimcn gegcn dic Sveku-
lation, bis die Notlaae bcs Vaterlandes zu gewinnsüchtigen Zwecken
ausnutzc. Erentuell mksic d,cr Goldschatz dcr Neichsbank angearificn wcr-
dcn. Eine PreiSfcnknna kann kich crit langiam dnrchfctzcn. Der Ncdncr
dankt dem Mtniftcr bafür. dah cr für die Hcrabfetzung dcr Kotzlen-
vreiie eingetrctcn ict. Er bitte anch. die Herabictzung bcr Gnter -
tarife zu bewlrkcn. Notwcndtg fei eine Herabictzung dcr H o'l z -
v r c i i e. Handcl und Jndnstric müsien sich be! ber Preisbeniesfung nnd
Kalkulation die grötzte Bcschr,-inknng anfcrlegen. Die Ilrbcitsintenütät
ist zu crtzötzen. Die Feftinarkkonten dcr Svarkafsen cntsvrechcn ctnem
drinacnden Bcdi-rfnrs: sic tzaben aber anctz Bcdcnken. Dcr Rcdncr warnt
vor jedem übcrcilten LöfungsreriuH auf bicsem Gebiste. Besonderer Für-
sorge bedarf der Tstittelstan d.

Zlbg. Kor»atk (Dem.I schilbert Lie fchlechte WirtschaftSlage. bie nnter
dem Druck ber fchweren Ncparatillnsleistrmgen immer schlimmer aewor-
dcn ie!. Die Krcditorcn iämtlicher dentichcr Bankinstitute icien z. B. von
85 Milliard-en anf 84 Millionsn Goldmark aeinnken. Jm AnhentzandelZ-
vcrletzr tzaben wir ieit dem Kriegsende eine Nnterbilarn von 11 Milliard-n
Goldmark. Jn letztcr Zeit fcisn dte GrotztzanLelsvrcisc um 49—<fg vEt.
tzcrabaegangen. Wcnn dieier Preis-abbau für den Koniumcntcn und de«
Einzcltzandel nicht io wirliam geworden fei, lo sci darau die nictzt ein-
tzeitliche Darifvolitik i» Staat unb Gemeindr ichulö. Der Reöner begrüßt
dic ErklLrunaen ber Regiernn,g zur Markstützungsaktlon. D>r grötzte
Tcil des deutschcn WirtschaftSlcbens brauche keine ansländiiche" Zatzlungs-
mittel. Das Kros der Wtrtictzaft untcrftütze btese Aktion. Der Redncr
fordert möglichste Stetgerung Ser Ausfutzr unL Abtzau ber AutzenhanLcls-
kontrvlle. Die Zuiammenartzeit von RcichStag, Neichswrrtschaftsrat und
Reichsrat müsic besfer ocrcgclt wcrden.

Zlbg. Hendemann (Komm.1 bekärupft ben Wirtichaftsminister. der nur
c!n Stinncs-Proaramm ocrtrctc.

Ilüg. Rob. KKmidt (Soz.I stimmt der Stntzungsaktion dcr Mark zu.
hält aber die vositiocn Dorschlage dcr Negtcrnng für nnzureichcnd. Er
fragt an, ob man ben Dollar bei Zg Okw stabilisieren wolle und «endct sich
gegen iolche Absichten. Die Zerrüttung dcr Mark werde aus rein sveku-
lativen Kründen vetrieben. Am ersten Tag dcs Marksturzes wurden an
dcr Bcrlincr Börie fnr 80 Milltoncn Golömark Deviscn angciordcrt. Hinter
dicser Snmmc mutz einc nngebcnre Summc ivckttlativcn Kavitals gestanden
babcn. Dagegen tzefürwortetc er Zwangsinatzl'atzmcn. Bct der Berlincr
Handelsgeiellschaft seien die Devisenkonten bcrcits bovvelt fo grotz alS die
Paviermarkcinlaacn. Dicicr Eniwicklnng müsic Eintzalt gcvoten werdcn.
Es gebe keinc Krcditnot. Die Dcviscn »»d Effekten mütztcn verkanft
werden, sie gctzörtcn nicht in dte BanktrelorS, sondcrn in den Nmlauf.
Mit unferen Prcisen seien wir übcr d!c Entwcrtung dcr Mark bereits
binanSgegangen.

Die Beratnngen wnrden abgebrochen. Das Haus vcrtagtc üch anf
Samstag. 1g Utzr: Bericht dcs Rechtsansschuffcs übcr die Bcrsttzärfnng
Ler Sirafen gegcn VersammlungSsprengnngen. — Schlatz NU Uhr.

Dss mißliebige Schuhgesetz.

Wachsende Erregung in Vaycrn gegen d.en Staatsgerrchtsh.if.

Von unserer Münchensr Redaktion.

München, 20. April.

Der aus Vcrlin zurückgekehrte. bayrische Iustizministsr Dr.
GLrtner, dessen Reise in erster Linis Besprechungen mit den
Reichsstellen Lbcr dre R e i ch s j u st i z r e f o r m dienen sollte, sand
dabei Grlegenheit, nicht nur die Haftbefehle dcs Staats-
gerichtshofs gegen Diedrich Eckart und Martin Wsger
zur Sprache zu br'ngsn, sondern den Standvunkt der bäy-
rischenRegierung näher zu eröriern. Dast sie sich gegen dic
Zumiitunq der naterländischen Verbände tn Bayern stellte, versieht
sich für sie von selbst. Es darf aber nicht ausier acht gclasien ver>°LN,
datz die bayrische Negierung schon beim Zustandekommsn ihrir Ver-
cinbarungen vom Sommer 1922 mit der Reichsregierung rhre
grosten Bedenken gegen die in den Schutzgcsehen und deren
praktischen Auslegi-ng liegenden Eefahren grundsästlick zum Aus-
druck brachte. Solchen Gefahrsn ist Vaysrn wesentlich näher gerückt,
denn wie vcrlautet, sollsn noch schr zah)reiche Vor-
ladungen und im Falle Nichterscheinens Haftbefehle —
man snricht von ein>aen Äutzsnd — nach Bayern gerichtet werden.
Anqesichts der willkLrlichen und einfeitigen Auslegung sines allge-
mein mißliebigen Ausnahmegesetzes macht sich in weitesten Kreisen
Bayerns eine steigende Erregung auch in folchen
Kreisen bemerkbar, die mit dsm Dorgehen der vaterländischen
Verbände durckaus n i ch t einverstanden waren. Solchsn Nnwcn-
dungen des Schutzgcsetzes, die man rn Bayern bereits mit „Seve-
ringerei" bezeichnst, stcht auch die Layrifche Regicrung ab-
lehnend gegcnüberi sie wird sich solches nicht bieten lasien.
Man fLrchtet selbst in Regierungskreisen, dast das System Severrng
von Preusten auch auf das Neich übergreist, und will dagegen
newappnet sein. Charakisristisch hieriLr ist ein längersr Artikel
des der Hauptrsgierllngsxarlei nahestehendsn „Bayrischen
Kuriers". worin es u .a. heißt:

„Auch die republikanischen Schutzgefetzs brlden nach den zwischerr
Vayern und dem Reich im vorigen Iayr gefchlosienen Vcrsin-
barungen keinen Freibrief für hie ungehemmte Be-
tätigung Severingschen Geistes. Dafür bürgt schon
die in der ersten Vereinbarung an ersier Stelle genannte Vestim-
mung, dast die Ueberweisrmg von StrafsaKen an d!e ordentlichen
Landssgsrichte die Negel bilden soll. Auch sonst bietet dis Vrrein-
barung, so angrsifbar sie auch in einzslnen Punkten sein möge,
manche brauchbare Handhabe, um Lberflussige Konflikte zu ver-
meidcn. Das gilt insbesondere für die in der Münchener Presie
Lereits berührte Bestimmimg der zweiten Vereinbarung. datz der
füddeutsche Senat auf Erund eigener Beschlustfasiung nach
Belieben auch an einem süddeutschen Ort tagsn kann. Wmn in
rechtsoerichteten Kre-sen mitunter die Befürchtung herrscht, oast
angesichts der Verhältnisie in Mitteldeutschland und vor allem in
Sachsen dic Sicherheit der Jnyaftierten nicht
g ew äh r l e i st e t fei, so hat jsdenfalls d:s Partei der Herren
Zeigner und Severing wenig sachliche Veranlassung, solche

Gegen öen Wucher.

Vsrlin, 20. April. Die Berliner Vichgrotzhändler und Kom-
Missionäre waren bei der Wucherabtcilung Les Polizeipräsiüiums
wegen der Kontrolledes Viehmarktesvorstelligge-

In cüssen laxsn kornirrt

VZ'MRk'IKLL'

rrvcl rlslrt äas LsLrrZSAslä kür hlorrat bls.i (1008 HI. ck 42 LI.
össtslltpslä) sin. Vllrr stittsrr rrirssrs ?o8ti>Misti6r, Irsirn
Vov^sig-ori äsr ?o8t^riittirrix- clsrr LstrsA xclsislr rrr Ire-
rialilsir, äarmit irr clsr ^irstollrrrrZ- 6er 8sitiirrcp sielne
IlrrtsrhroelririiA oiirtritt. Vrrocr cleir irorisstsir Vost'osstivi-
rrrriNAoir IsZt äor DriskträZor üio (ZnittnnZ irrrr oinnral
vor nncl nrn6 sisclsnir clor ?straZ bsi MolrtsiritösrrnZ
ain?ost8oli8.1t6r oinZSTialrlt rvoräon.


DWUW

worden und hatten mit schwcrwiegenden Folgcn für die Ver-
sorgung Berlins gedroht. Es wurds ihncn erclärt, Last vcm
kommenden Samstag ab sowohl in Berlin als auch in -rnderen
Städten Vreisregulierungskommissionsn dre PreisLildung «uf dem
Viehmarlte überwachen werden und vcrhindern sollen, datz
HSndler und KommMonäre ohne zwingcnd« Ersinde Preisherauf-
setzungen dikt-'eren. Wo trotzdem Preisn-berscbreiti'nc'en siaitfinben,
werden die Polizeiorzane und die Marltgerichte scharf eingreisen.

(Wiederholt, da nur in einevr Teil der gcstrigen Auflage cnthalterr.)

Vlntige AuSWreitnngkn m MHeim.

Eme Folgr der ksMM»«iBfche» Hrtze. — Ausdehrrung der Aneuhs».

Eigens Drahtmeldung.

Mülherm, 19 April.

Die TrwerLslosen ron O L e rb a u s e n und Mülhe > m
zogen am Mittwock in grotzer Zayl. geführt von Kommunrsten
und Syndikalisten. die e!ne schwarze Fnbne trugen. vor >as
Rathans, um SLer dre mantrltarifmShigen Löhns für NoPtands-
arbeiten hinaus Fordernngen bei der Stadtverwaltrmg' zn stellen.
Das Rathaustor war, einem Stadtverordnetenbcschlust- entsprechend-,
geschlosssn'wovden. woranf die Demonstranten mit Gewalt e'n-
»udrinqen versuchten. Die tereitgellellte, Boli.rei uird beher'te
städtiscke Veamte stellten sich den E:n''rln.'l'ng;n -entg-w-n »nd
^rängten !>e aus dem Rathaus hingus. D'c Angriife m: c - c r-
holten srch abek immer wieder. Die Demonstranten rifsen d a s
Pflaster auf und war'en mit Pflast erstesi n e n dic ^enster
ides Rathaufes ein. Schliestlich muftt« dis Polrzrr von- der W
Gebra"ch wachen und ""rlcb'S e'nrge Dc'"""'"ck-'--'e.
Das Eerücht, dast die Demonstranten versnchten. die französische^Bs-
shtz'Mg zum Einareisen zu ihren Knnsten °n r-'-gn-gn".r,
w-rd vom . Vorwärts" bestätigt. Danach bit^en vor.und rvähren) "cr
Demonstratiomn ein'ge der syndikalisiiscken und fommunrüsickr«
Führer mit der fran'ösischen KommunaWllci verhandelt. ckcr
F-ührer der Duisburger kommunistischen Nststandsanck-e'ter Zalden
soll erklärt haben. -daß er die ArLsitslosen "nd Nct-'an^'ar->, r
solange ins Geseckt sühren würde. bis die Duisbur-".cr 'i-ol-'-er
von Len FranzoIen entwaffnet woVen sci, Tu se-uer ,
nring gingen französische und belgische Beamte und Mll-tälpcrmneu
ein und aus. Wis fetzt feststeht. stnd Lei dem Sturm auf das --at aus
zweiPersonen getö.tet wordcn.

Dic durch die Demonstration gcsckaffene Lage :st sebr 'rr-
ti sch. D-c Demonstranicn zoepn Donn»rstag vormittaq w - e o e r
vor das Ratbaus, das sie u m r i n g,t balten. Die Beamten -rnd
dort e in g'efch l osfen und -machsn. stch darank gefastt. dre . -amt
im Rathaus verbrin"en zn müsscn. Tn den Straßsn d"r inneren
Siadt die von den Demonstranten Lssetzt sind. wird ständia ae -
schoslen. Ai-ck auf das Raihaus fielen Sckusic. Gcrn-.e Stadt-
teile sind vom Verkebr mit dem Innern dnrck die Dewonllrant'N
abgeschnitten. Wie die Demonstranten in den Besitz der Marken as-
kommen sind, ist noch nicht - aufgeklärt. Es han^el' stch offcnstchtl-ch
um einen von verbrecherischen Elementen nnterstndten Vutsch.
Die Sozialdemokraten sind von den Demonstranten wcit
a b g e r ü ck t.

Anch aus anderen Städten des Indnstrieaebiries wcr 'en
Demonstrationen nnd Ansschreitungen der NVe'telos-n gemsVet.
So wurde in Dukseldorf van den ArbeVsloicn versuchi, rn ^cr
Tonballe eins Bersamm.lrma abzuhalten. Da 'bnen das Brkp-'tcs-
des Saales verboten war. standen 'ahlrcick" Ardeitslose in Gr ;o-
xsn in der Nähs der Tsuhalls. Hierzu gesellten sick viel-- Ktraßen»
passan-en. so dast eine Prrkehrsflörung entstand. Di« Bol!?.7.i nah-rk
zwei Männer wegen A"krerz«na «nd W'dersiondes fest 'wck i-rackte
sie zur Wachs in der Kreuzstratze. Ein>'ge Zeit daraus erschienrn
einiae hundert Personen vor der Polizeiwachc. «m die Grfan-renen
zu befreien. Hiercke! zog e-nsr van ihnen sin->n Revolver
und versuchte, in die Polizeiwache zu sch'-ßcn, Dcr Reyolver wurde
dem Arbeitslosen von cinem andercn Manns aus >°er ck.-rrck ---e-
schlagen. wobei ein-Schust losging nnd die Knc-el auf d'«
Erde schlnn. Die Nolizri nabvr noch rwc! weitcre Vcrbartuv-"--'«
vor. — In Essen sammelte üch Donnerstag woro-n vor dem Rat-
hause eine Anrabl Arbeitsloser an. welche Uuterstützung v'r^ani-
ten. Da die Polizei von den Framoscn aufaelöst ist. hatie sich dtc
Feuerwehr zum Schutz des Ratha"scs c:nrcsun>-en. Bis fctzt
ist die Ruhe nicht gestört worden. — Bezeicknend ist, dast eine in
Vohwinkel ak><!ebaltene Rrbeiislysenversammlung unter dem
Schutze französjschen Militärs stattfand.

Die FraZs h§r Lehrami.saKWZrier.

Verlm, 1g. April. Der dem Landtag vorliegende Etitwnrf einer
Anwärterordnung für das Lehramt an höheren
Schulen in Preußen stößt in den Kreisen dcr AnwLrtcr und der
Philologen auf den schärfsten Widerstand. In dem Ziele, eine mög-
lichst scharfe Sichtung der Anwärter vorzunchmen, befondcrs für den
Erziehcrberuf Leistungsfähige bcrauszurrebmen, und zur schncllercn
Einstellung zu Lringen, ist dis Philologenschaft mit dem Ministerium
einig. Sie lehnt abcr den Weg ab, derr der Entwurf vorfchlägt, der
da glaubt, die 6000 Anwärter in eine Rangordnung nach ihrcr Eig-
nung als Menfch und Erzieher bringsn zch können. E'nc Auslcse-
methode, bsi der die Entscheidr-.ng Lber die Aufnahme als Anwärtcr
dem freien Ermesfsn der Obsrschulräte überlafssn bleibt, muß in
Zciten wirtschaftlichsn und politi'schen Drucks eincn günstigsn Nühr-
choden für Unaufrichtigksit und Streb-ertum abgeben, denn eg werde
den Asfesioren, dte nicht sofort Anwärter wcrden, eine schwere
psychische Belastung Ladurch zugemutct, daß die Entscheidun-- über ihr
zukünftiges Schicksal, über Ausscheiden oder Ernennung zunr Anwärtcr
auf Jahre hinaus unbestimmt gelasssn wird. Aber auch dem An-
wärtcr bringe der Entwurf nicht die wirtschaftliche S'chsrftelluwz, d:e
für die ErnfLgung 'oer Anwärterbestimmung in das VsfoldungsgefLtz
maßgebcnd gewesen ist.

Indusine und SißtznngsaWW h§? Rark.

Derkü!, 19. April. EcgcnMer anderslautenden Nachr'chten ftcllt
der ReichsverLand Ler deütschen Industrie fest, daß er nie -
mals bsi der Regierung wegen Aenderung der von ihr durch^
geführten S t ütz u n g s a kt i o n der Mark vorstellig geworden
sei. Der Reichsverband erklärte vielmchr auch am 'Doirncrstag
wieder bei einer mündlichen RLcksvrache. wozu er den Reichsllrnzlcr
eingeladen hatte, datz er die tatktäftigs Fortführung dcr
Stützungsaktion für eine politische und wirtschaftlicho Not-
wendigkeit halte, sür d!e er auch wsiterh'n im eigenen Int, r
der Jndustrie mit alle« Kräften e i n t r e t e rVwerd".
 
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