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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0955
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. rer Ler Hmr.erichast geiL/.geir. Tasis M-

z, U'-2 .,.en sich bei. der MarVMe Mitgli-eder de<? K-introllaus-
b^.neEar, die, mit weitzen Armbinüen versehcn, die Preise
^rollierten nnid herabsetzten. Schutzpolizeibeamte stellten die Kon-
?x°uts ftzst und na-hmen ihnen die Armbinden ab. Die Straf-
-asiren gegen d-ie festgenommenen Führer der Hundertschaft umd
d'2 Mitglteder des Kontrollausschusses sind Lei der politischen
t-n Gcmgx, Unch der verantwortlich« Red-akteur der „Roten
sowie dl-e Redner der gestrigen Kommunistenversam-mlunzen
s-ch Veqen Vcrstoßes gegen das Republikschutz-
E 8 st rafr'echtlich zu verantworten haben, weil sie

Worte die N-n.bildumq -des proleiarischen Selbstschutzes und
nervotene Organisation der proletarüschen Hu-ndertschasten

Hochvma-sprozeß FuchS.

Selbstmord des Mitangeklagten Machaus.

Don unserer Münchener Redaktion.

Munche», t. Zun'l.

Hsute begann vor dem Volksgericht MLnchen der Prozes; gegen
Mll Fuchs uud Genosien wegen Hochverrats. Den Vorsrtz führt
Mgerichtsdirektor Neidhardt, die Anklaoe vertritt Staats-
^rlt Kämmerer. Dsr Dorsitzende teilte mit, dah heute früh 7 Uhr
"ngeklagte Kapellmeister Machaus in seiner
j-M S erhängt aufgefunden wurde. Er hatte stch mit
k Leibriemen am Heizkörper aufgehängt. MitLngcllagt sind der
x.^ann Munk aus Mährisch-Ostrau, der gegen Stellung einer
60 Millionen Mark auf freiem Fuß gelasien wurde,
^, Kauimann Josef Berger aus Ach in Böhmen und die Leiden
-^schard und Rudolf Eutermann aus Memmingen. Nach
''srellung der Personalien verlas Staatsanwalt Kämmerer

^ die Anklageschrist.

Fuchs ist angeklagt wegen Verbrechens des Hochverrats und dre
r 'Len Angeklagten wegen Beihilfe zu einem Verbrcchen des Hoch-
^rats. Der Angeschuldigte Fuchs hatte im Herbst 1922 den Ent-
^^8 gefatzt, auf eine Aenderung der derzeitigen Staaisuerfasiung in
^ern hinzuarbeiten und die gegenwärtige Staatsform gewaltsam
Meseitigen. Er suchte zu diesem Zwecke eine politische nnd
k- st s ch aftl i ch s Annäh « runa an Fran 7 reich und -die
e ch g ^ g k e i. Fuchs behauptet, datz ihn nur die Sorge,
f-iern könne ein Opfer des Dolschew-smus werden, zu seinen Be-
,?UNgen veranlatzt habe. Nach den Ergsbnrsien des Ermittelungs-

krs.

Er

Kvkr^us fcheint dies aber den Tatsachen nicht zu entsprechen.
irur klar gewesen sein, so wird ihm vorgeworfen, datz diese

- werung der Staatsform ohne militärische Machtmittel nicht durch-

werden konnte, zumal er versuchte, eins militärische Ab-
d„^uno im Rorden gegen das übrige Deutschlans zu erzrelen und dic

- Nsollcnde Neutralität von Frankreich und dsr Tschechoslowäkei
^ ^winnen. Fuchs ging daran, ssine Pläne vorzubereiien und nach
d äersn Verschiebungen erklärte er im Februar 1923. datz seine

e r e i t u n g e n endgültig abgeschlojssn seien. Zur
jyMührung seiner Pläne soll er Männer zu gewinnen versucht
die ihm vor allem behilflich sein sollten, militärische
^ufte zu verschaffen. Dazu sollen sich Männer wie Major Verger
^e beiden Brüder Gutermann sowie öer Rechtsrat Kühle her-

en haben. Autzer den Angeklaglen hattsn sich noch weitere vier

M..

zur Ilnterstützung seiner Pläne, und zwar Major o. D. Kark
»tztz ü e r. Herr Friedrich Friedmann, KapitänleutnanL Ka utter
Egierungsbaumeister Schäser, zur Derfügung gestcllt. Von
wird nicht angenommen, datz sie die Absichi gehabt hätten, die
^ Fuchs' tatsächlich zu unterstützen. sondern ihnsn ist es darum
gswesen, Kenntnis Lber diese Plänezn erl a n g e n.
Stz ,oie Vorbereitungen Fuchs' sa weit gediehen waren, datz ihnen ein
^,'chiagen bevorzustehen schien, terlten sie ihrs Kenntriisie den Bs-
mit. Als nöchste Person war der französische Major
K,tz°> ° r t Leteiligt, ein offizieller Ssirdling der französischen Regie-
der von einer Loslösunq Bayerns vom Reiche Lie völlige Zer-
Deullchlands erwartete. Fuchs soll durch ihn eine aktive
jtz ^ung seiner Pläne oder stcher eine Begünstigung erhofft haben,
ji^'chert Keneralstabsoffizisr und Saarkohlenkommisiar war, und
tz- solcher bedsutenden Einflutz, vor allem im französifchen
^'sterium des Aeutzern, Lesatz.

dem bisherigen Verhör des Angeklagten Fuchs
hjs al^ vorlänfiger Eindruck hervor, datz dieser als politischer^
^ttant und sck-raachc Person den palitischen und tinanzisllen
ltzg^gen Frankreichs zum Opfer gesallen zir sein scheint. Etwa
jkjtz^illtonen Mark hat Nichert durch dre Hände Fuchs' und
^ Tenosien leiten lasien. Das Verhör dauert an.

Sluüge ZusammenMr in Muderg.

^^ünrberg, 4. Iun-i. In Feucht ereignete sich Lei einer Ber-
^Mlung der Ort-sqrupve der sozialdemokratischen Partei am
ij?äb-eud ein schwersr Zusammenstotz zw -i -schen So -
!»itz lrst « n und v « rsch i e den « n in der Versammliunq anwesen-
Ichtz^ägchvriaen der Vereinigung der Reichsflazge,
Rrr Unterstützung d«r Gendaam-erie ekr« Mbteilnng Ver Lmides-
herbeigerufen werden mutztc. Beim Betreien des V-riamm-
ertzDlola-les w-vrke die San>>esv-ol'izer m-it P i st o l c ns ch L sfe n-
und nrutzte ihrerfeits von Ler Schutzwaffe Gebrauch
Die Ruh« war aber Lald «ieder hevgestellt. Bei der RLu-
LrZ des Saales wurden zahlrsiche Waffen beschlagnahmt. Ber-
t e^Ne Polizistenwurden nicht unerheblich ver-
Wt- Ein aMirlen-asienbeamter aus Nürnberg wurde durä- ein-en
S« tötet. Eini-g« andere Personen wnrden mehr oder wcrritzer
- * verletzt. Dsr Haupträter wurde sestgestell-t

Teuerungslnmulte rn Leipzig.

ltz ^eip-it, 4. Iuni. (Eig. Drahtm s Heute kam es auch in Leipzig
-ivtz'P.Uerutzgstumulten. Nach einer Dersammlung van Erwerbsloscn
Eruvpe von mehreren Hundort nach dem Lekanntsn Kaffee
am Augrrstusolatz. wo wüste D e m o l i e r u n g e N sin
Atz'"- Stüble unp Tifche wurden zerirümmert und Fenftsrscheibsn
ü» s^orfen. Dre Volizei traf zu spät ein, um wirkiam eingreifen
Ltzen. Ernste Nerletzungen sind nicht zu verzeichnen.
dir kmw unser Li-Korrefoondent weiter erfährt. zogen im Anschlutz
'dciE! ^ Trstürmung des Kaffees Felsche mehrere hundert Personen
^ Völkerschlacbtdenkmal und versuchten hier zu-
in t>as bekannte Königin-Luise-Haus einzu-
9 en, sahen aber von ihrem Vorhaben ab, weil sie das Heran-
der Polizei bemrchtcten. Sie drangen darauf in eins nahe-
DampfSäckerei ern und plünderten die dort lagsrnden
Mgtzrf o e st ä n d e. Als die Slvo auf Auios eintraf, suchten die
^«Nitz 1U entkommen, ein grotzer Teil wurde jedoch noch festze-

Die SLreMage in KSln.

a- Skh^ 3. Juni. Die Organisationen der Staats- und
N«tz ^?°arbeiter. freie und christliche. haben heute rn einer öffent-
^ieh^itzung mit 287 gegen 80 Stimmsn beschlosien, dre Arbeit
a'ufzunehm'en.

^ Ein inlereffanter prozeß.

^'de^ ^ork, 4. Jun-i. (Eig. DrahtmZ He-ute findet vor dem
tz :reisg^rjch^ i-n Wirmingtvn (D«;laware) die Verhand-
^8«gen Garvan, den ehemaligen Verwalter
^ i ch l a g n a h m t e n Eigent-ums von Angohöri-
sf. ritz^ Mittelmächte, statt. Die An-klage richict sich ge-gen
echtigten chemischen Gründungen Garvans u-Nd ford-ert die
v E von Z00 deutschen Palenten, Verlags-
-u N.H. S ch -U tz m a r ke n. ^

Keme Som«erzrit.

Eine Erklärung der Reichsregierung. ''"

Berliu, 4. Iuni.

Dre Frage dsr Wiederernflrhrung der Sommerzert wurde auch in
diesem Zahre innerhalb der R e i ch s r e g r er un g und mit den
Jnteressentenkrersen eingehend erörtert. Jn den Städten,
Lesonders in Kreisen der Eehalts- und Lohnempfänger Lestand grotze
Neigung für die Sommerzert, von der man sich einen früheren Schlutz
der Arberisstundrn und eine Verlängerung der Erholunqszert er-
hoffte. Dagegen sprach sich die L a nd w i r t s ch a f t wieder mit
Nachdruck gegen die Einführung aus. Die Notwendigkeit, die Städts
um eine volle Stunde früher zu beliesern, würde den Landmann
zwingen, seine ohnehin schon zeitig einsetzende Morgenarüeit um eine
Stunde früher, zeitwsiss noch bei Dunkelheit zu beginnen, so Latz Er-
sparungen an Beleuchtung am Abend wieder aufgehoben würden
durch den Verbrcmch am Morgen. Auch wllrden die Landarbeiter
erne Verschrebung der Arbertszekt nur wrdsrwillig aufnehmen, wo-
runter dis Produktivität der Arbeit leiden würde. Auch die Verg -
arbeiter im Ruhrrevier erhoben Einwendungen, weil dann
zur Moraenschicht noch in der Nacht von Hause aufgebrochen wsrdsn
mützte. Während man in Norddeutschland mehr der Sommsrzeit zu-
neigte, stietz sie in Süddeutfckiland auf starken Widerstand. Zu alle-
dem srklärte der Reichskohlenkommisiar, dc-tz bei der Sommerzeit keine
nsnnenswerie Kohlsnersvarnis erzrelt würde.

Eine in das Leben jedes einzelnen so tief einfchneidende Matz--
nahms wre d'e Sommerzeit kann sich — von Zerten kesondersr Not
wie dre des Krieaes abgefehen — nnr durchsetzsn, wenn sie van der
überwisgendsn Auffaüung des Vslksganzen getragsn wird. Eine
solche fehlt zurzsrt in Deutschland. So ergab sich für die Reichsregie^
rung noiwendigerweise der Verzicht a u f die Einführung
de r S omm erzeit.

poli'We TasesMw.

Wiederz»sammentritt der Parlamente.

Am Diensiao nack'mittag treten gleichzeitiq dcr Rsickistag und
auch der Nreutzifche Landtag nach ibren Pfingstkerien wieder zu-
sammen. Aur dsr Tagssordnung des Rrrchstaqes stehen kle-ne Bor-
lagsni die Sitzurig des Preutzischen Landtages wrrd die Beratung
des Haushalts der Forstverwaltung weiter fortsetzen.

Dertrauensvotnm für das polnische KaLmett-

Nach der Debatte über die Rcgicrungserklnrung hat der Sejm
mrt 226 gegen 171 Stimmen dem Kabinstt Witos das Dertrauen
ausgesprochen.

(Wiederholt, da nur in rinem Teil der gestrigen Auflage enthalten.)

E« neue

Beispiellose Bergewaltigung der Prehsreiheit in DLsieldorf.

Diisicldorf, 2- Juni.

Aus Düsssldorf wird mitgeteilt: Vor ctwa acht Tagen erschien
ein Vertreter des Pariser „Iournal Offrciel" bei der Eeschäfts-
lcrtung des Düsicld- TageLlattes" und fragte die Eeschäftsleitung,
ob sie Lereit sei, eine Ze'tnng für die fr a n z ö s i s ch e R e g i e r un g
zu drucken. Es handle sich um eine Tageszertung die nachis
gedruckt werden und morgens in einer Auflc-.ge von 50 000 Stück
-N deutfSer Sprache, zunächst vierseitig mit Bildern, erscheinen
solle. (!!) Die Geschäftsleitung lehnte dreses Ansinnen ab. Darauf
erschisnen am 1. Iuni nachmittags vrer französische Offi-
ziere mit einerWache und beschlagnahmten die
Druckersi mrt der Demerkung, da dre Eeschäftsleitung den Druck der
von der französtsche» Regierung b e f o h l e n e n'Zeituüg verweigere,
wsrds dre Bcsatzungsbehörde den Druck jetzt selbst in dke Hand
nehmen,' alle Ang - stellten und Drbeiter HLtten das
Haus sosort zu verlasien. Dre Geschäftsleitung mu.tzte die Schlüsiel
abgeben und eine Wache wurde in das Haus gelegt.
Dem Erscheinen des „Tageblattes" sollcn keine Schwieriqkeitsn
aemacht werdsu: es soll seinen Druck autzerhalb des
Hauses bewerkstellrgen können. Da bererts eine Reihe von Drucke-
reien beschlagnwhmt ist, stehsn diessm Druck selLstvcrstän-dlich äutzer-ste
Schwrevi'gkerten entgsg-en. Die Setzer und Drucker des „Tagsblattes"
sind gefrcrgt word-en, ob sie sür dre Franzosen weiterarberten wollten,
Sie 'lehnten dr-es ab rmd erklärten. datz ihre Betriebsversammlung
dre Antwort gebsn werd-e. D:e KeschLftslertnng wurde auf den

2. Irr-n: vormit'ags zur Deftandsau-fnakme bestsllt. Di-es-e Bestands-
wumahme, die bei L-em nmfangreichrn Vetrieb m-ehrers Tage tn
Anspruch nehmen würde, soll rn wenigen Stunden erled-igi 'ein, da
d>re Franzosen angeblich sofo-rt m-A dem Druck ihres Organs beginnen
wollen. In der Vev 3 lkerung . namentlrch aber in der Zen -
trumspartei. deren Organ Las „Düsiel-dorfer Tageblatt" rst,
herrscht große Erregung Wer diess ungeheuerliche Vsrgewal-
tig-ungen dsr PretzfreiHeit.

Nachträglich erfahren wir, daß das gesamt« Personwl des
, Düsieldorfer Tä-geblattes" es e-instrmmig abge-lehnt hat. für
die Franzosen zu arbei'ien.

OMWicher Eifenhahnverkehr.

Mannheiur, 2. Iun-i. Usber die Entgleisungen fran-
zöfischer Eisenbahnzüae in d-ar Pfalz gebsn di« B-e-
satznngsbehörden den Luldwi-gs-hafener Zertungen folgende Darstellung.

1. Am 29. Mai 10.41 mbenids exvlodierte zwi-schen Insheim
nnd Larsdau ei-ne Bombe bei Awkun-ft eines Zug-es. Die Loko-
motr-ve mit Te-nder wurde umgeworfen, dc- Gepäckwagen u-nd dre
beiden erften Per-sonenwagen entgleisten. Die Strecks wurde a-uf
eine Länge von 125 Metern schwer Leschädigt.

2. Am 30. Mai 1 Uhr morgens explodierts bstz-Weidental
anf de-r Streck« Neu-siabt-Kaiserslautern e-ine Bombe. Die Loko-
motive eines Auges entgleiste.

3. Am 80. M-ai bei Tagesanbruck wurds zwffchen Rheingönnheim
und Mutterstad-t eine Bombe entdeckt: sie war nicht e'xplod-iert,
rverl bei der Durchiahrt des Zuges d« Zündschnur dnrchgsschnitten
worden war. Die Bombe bestand aus zwe! Sprengkörpern von je
zwei Pfund sowie aus 40 Pfu-Nd Sprengftoff.

4. Am 29. Mai 9.80 äbends wurd-e arrf d-er Strecke Landan—
Zweibrücken eine weitere Bombe unter dem Gleis gefun-en. Ste
explodierte e-benfalls nicht aus dem unter 3 erwähnten Grunde.

Äeuer M'Noneuraub.

Mettmann, 2. Juni. (Eig. Drahtm.) Mit einem arohen A,rf -
gebot von Eendarmsris uwd Intendant-urhsamten unter-
nahmsn die Franzossn heute einsn grotzen Beutezug, u-m die
wegen der letzte-n Schietz-ere'i ü-ber Mettmann verhängten dreißig
Millionen Mark Vntze gewaltsam «inzutreiben.
Stadt - urrd Steuerkasse, Sparkasse, Post u-nd Reichs-
bank sowie Eisenbahn wurtzen hsimges-rrcht: bei der Reichsbank
evbeuteten si« 77 Millionsn Mark, währerüi die Beute an ollen
übrigen Stellen wesentlich geringer ausfiel. Jnsg-esamt d-llrft-en
ihnen 82 Si-s 90 Millionen Mark in die Hände gefallen sein.

KLkn, 2. JuNr. Di« „Kölnische Zeitung" meldet aus Trie
Heut« nacht wurd« au-f -dem Hauptmarkt der Gärtnsr Ditz er
schos-sen. Infolge des-Menschenau-flaufs konnte die Polizri dr
Tätsr nicht finden. Nu-gen-zeugen bszichtig-en äöer di« ,be'-d-r
Sonderbündler Schneider und Reuter des Mordes. D
bc-i-den Genannten entzogen sich der Festnahme durch Lo
weis-ung französischer Schutzscheine nnd die Besatzrrng
behörde hat heute die Verhafti'mg der beiden verboten. bl:e'
lich dann doch zu-gestanden, datz d-ie Genannten in Gegenwar
ernes gerichtlrchen Beirats der französischen Geri
-darmerie den ZßUgerr gegenüLergestellt werden sMen.

ANs BtLdert.

Tagmkg des Badische« Verkehrsverbandss.

— Pssrzheim, 4. Juni. A« Sonntag fanb Aer die öiesjätzrig« Haupk.
vers-ammlung des Dadischen VerkeSrsvcrbandes ftatt. Dicser Tagung grng
am Samstag eine Sitzung des Landcsausschusses und eine Zufammen-
kunft ber b-adischen Reisebüros voraus. Zu den Verüandlunaeu batte»
das Minisdrium des Jnncrn, die Reichsbatznöirektion Karlsrntz« unb die
StadtverW-altung Pforztzeim Vertreter «ntsandt.

Am Sonntag oormittag kurz nach 10 Utzr eröffncte Ler Präsident des
Berbandes, Konsul M e n z i n g e r - Karlsrube, die Hauotvcrsammlung
mit einsr Begrütznngsansprache, auf die die Vertretcr der Bevördcn ant-
rovrtcteu. Obcrreg.-Rat Schifferdecker, der Vcrtretcr der Reichsbaün-
dirrktion, vermies anf die schwere La«e im Verketzrswesen, bie sictz unter
dem Druck der Rutzraktton und dem Einfall in unler engercs Heimatland
noch weiter verschlechtern dürfte. A-ls wichtigste Ansggbe betrachtet bie
R«ichsbatznL!rcktio.n im Hinblick aus die Tariscrtzöhungcn den Ausbau
bcr befchleunigten Personenzüge mit 4. Klafse, um der Be-
völkerung einc Lefstre Rcifemöglichkeit zu schaffen. Für die k-ommende
fchwere Zeit werde mit svrungtz<rftcn Tarifertzöhungen, watzr-
scheinlich von Monat zu Monat zu rechncn sein. Vvm Badischen VerkehrS-
verband rverde erwartct- datz er der Refchzbatzndirektion sein« vvlle Unkr--
stützung zuteil werb-en lafse, um gegen dic kvmmenbcn schwere« Sorgen
Kewaoonc-t zn sein.

Etncn ansfübrlichen Bericht über die Tätigkeit dcs Vcrbanbes iw
verflofsen-cn Geschäftsiahr erftattet« hierauf Snndikus R i e g « r - KarlL-
ruhe. AlS ivichti-gste Veröffentlichungen bes Verbandes lind ,ü erwäLnen:
„Der Ba-dische Ka-l«nder", befscn neueste Auflage auch im Asslands eine
guts Aufnatzme favd, daS reich illustrierte „Berketzrsbuch für Baden", »nL
ferner eine Anzabl klein-'rer Werbcschriften Jm vergaugenen Sommer
ivnrde» über 20 Gescllschaftssonderzüge von den arößeren babischen S-tädien
nach dem mrttleren «nd' südlichen Schw-rrzwald gefübrt. Regen Anteil
natzm der VsrbanL an der Gcstaltun-g der Eilenbahnfabroläne.
Die Beniübungen gelten vor allem der Wiedereinbeziestuna d»-r SKwarz-
waldbastn in den interna-tionalen Verkehr. der weiteren Ansdohnung
der beschleunigten Personenzüge und der Verbefserüng des Schlafwagen-
uerkestrs zwische-n Basten und Berlin.

Bekondere Erwätznun« vcrdieui, datz io den näil-stcn Tc-.gcn ber
dircktc Bersonenverketzr aus dcr Renchtalbabn. von R,-n-
chen nach OberkirK-Ovvenau, auf einer neü erbanten Verbfndnngsftrscke
wteber eröffnet wird. Etngestend stefatzts sich der Verbrnd mit dem
Ausländerverkebr.

Uuf Grnnd eines Vertrages des MER-Berlin nrit der Reichspoft tzat
das Badischc Reiiebüro in Verbindung mlt den itzm angelchlollenen ört-
lich-n Reisebürvs die Vergostaliüng vvn Er-traooäfastrien mit Gesell-
schaftSn-ag-rn de: RciKSpon übernomwen und erstoisi vov diefem Unter-
nestmen ein wirkfames Werbemittel fnr den badischen Frcmdenverkebr.

Jn der Av r-forach: klagtc Knrdiref'or F e r n o w - Badevweiler übe'r
die autzcrordentlich erfchwerEn Ausländerbestimm-unaen. Als Bertreter
des Landesverstandes -er Hotelindustri« verurteilte Hrrr Bisringer-
Karlsrube in -scharfe« Morten die Hanbtzabnng ber Merketzrsfraaen i»
Baden öurch die B-ehörben, dnrch die der Fremdenverkestr vollktändig
unicrbunden und die Hotelindnstrie dem völlig-n 1lnts''gan-' entaeacn-
gefüstrt werde, Bürgermeister Schilling-Vad Dürrsteim stat stei der
Rcgiernn» Gchriite zn nnternestmen. -damit cine Nnterstüstnng der Frem-
devindustrie eintritt. Verkrtzrsdirsktor D »,ffn er»»Freitznra er.ö'-tcrte
Kraaen der Oraanisatron nnd wandt-- Pch estenfalls gegen die tzentinsndo«
Vscwrdnungen dsr Rs»ier«nq hinsichtlich des Fremdennerkestrs. Aurkam-
missar R o m b e r g - Triberg wiinüchte eine glsiche Vebandlnna Snd-
deutschlands gegenüber Norddeuischland. Bürgerweistc-- Filcher-
Donaucfchingen tzrrderte die Erricktung eines R-screnten nir Verkestrs-
sragen im Minifterinm des Jnnern und wünschte eine Aufkfärung der
Arbeiterschaft über die Notweodigkeit des Frw-denverkcstrs zur Hsbuug
der Dolkswirtschast. Kurdirektor Fernmv-Bodenweiler fardert sosortiae
telegrap-bische Borsiellung beim Answäriiaen Nmt «nd steim tzadillch'»
Ministcrium des Fnnern zwecks Aufhebung der EinschrSnkungSmaß-
nabmen.

Nach Annahme bieser Forderuug-n wnrben nvch zwei weitere Ent-
schl!etzun.scn augenomwen weeeu Bescitlgung der Souderbelastung tnr
Basler Gebiet dnrch BalutaznschlSg«. — Ain weitsren Veplank der Tagung
wnrden verschiedene rein geschästlichc Angefeggnstetten besw-ochcn. Der
kiZstcrige V-orstand wurde einstimmig wiedcr gewählt. Sls näch-ter
Tagungs-ort wnrde Heidelberg bestrmmt.

Der Badifche Schwarzwaldverein im Zahre !922

? Frciburg. 4. Iuni. Der Vadtsche Schwarzmaldverein. der am
Sonntag, den 17. J-uni. in Waldshnt feine H a u v t v e r s a rn m -
luns abstält, stat soeben seinen AastresberiKt für das Jatzr 1MZ sts'-aitA»
gegeben. AU8 dern Bericht getzt tzervor, datz der Beretn in erfreulichent
Erstarken begrisfen ist «nd nicht nur die Ovferfrendigkeit zatzlreicher seincr
Mitglieder, fondern auch dieienige grötzercr und kleinerer Gemeinden »ud
der Vertreter der Forftwaldnngen genietzt. Weniger erfreultch ist das
Bild Ker Veretnsfinanzev.i die Jatzresrechnung schließt mit ckneiii Fetzl-
betrag von runb 255000 Mk. ab. Die Zahl der Ortsgrnppen stat stck
uni drci vermehrt nnd beträgt iebt 81 und die Zahl der Mitglieder ist um
4009 anf 20 000 gestiegen.

Die Tätigkeit des Hauvtvereins erstreckte stch vor allem anf Unter»
stübungen bei Wiederherstellungen und Untertzaltnnaen von Ausstchts-
anlagen nnd Wegen. Die Hauvtsorae nahm die Wiedertzerstclluna sies
Friedrich-Luiscnturmes auf dcm Feldberg in Ilnsvruch, dic kchgii 4Ü0 000
Mark gekostet bat, über bie erstcn Anfänge aber noch nicht tzinausge-
kommen ist. Dic Ortsgruvve Bascl uiiterstüdt dieses Werk in besondcrer
Weise. Das Pslanzenwerk hat cinen lebhaften Absab gefunden, so datz
eine dritte Auflage herausgegeven werden könnte, wenn nicht dic Kvsten
so autzerordentlich tzoch wären. Jn ihrem Bericht wcist dic Vereiuslcitung
dann noch darauf hin. datz ber Schwarzwaldvcrein das Gasthaus am
„Herzogenborn" gevachtet hat und fordert die Ortsgruvven auf, der F-rage
deS JugendwanScrns etn besondercs Augenmerk zu fchenken.

Verurteilte Mehl-Kette«händler.

!! Heilbron«, 2. Jnnt. Die ktestge Wucherstrafkammer tzat tich lebter
Tage mit einem umfangreichen Fall von vreistreibendem KcttenhanSel
mit Mestl zu befasten, in de» auch b a d r s K e Händler verwickelt waren.
Es tzandelte stch um zusammen 800 Dovvclzentner Weizenbrotmetzl, die von
einer Bcrliner Grotzuiützle abgesebt unb durch ein balbes Dubcnd vrr-
schicdener Händlerfirmcn in der Zett vom Novcmber 1822 bts Slnfaug
März 1823 wciterverkauft worden waren, bts schlietzlich der Verkausspreis
den Gestetzungspreis um 80 Prozcnt üvertraf. Das Gertcht schlotz stch der
Ilnstcht der Sachverständigcn an, wouach bcim Mehlgrotzhandcl einc Not-
marktlage gegeben und batzer vom Gestehungsvreis auszugehcn ist. An-
geklagt waren Max W e i n b e r g e r - Manntzetm. H i r s ch fe ld - Mann-
tzeim. Otto Wcil - Manntzetm. Angervointner- Münchcn, Jakob
WoIf I - Ovvenüeim, Ludwig Berg - Srürnverg und Karl Eisig - Seil-
bronn. Gegen bc« nichterschienenen Euge« W e t l - Manntzcim wird ge-
sonbert verhandeli. Das Urteil lautetc auf tnsgcsamt 4,2 Millionen Mark
Geldstrafen, die stch auf bie ernzclnen Angeklagten in Beträgcn zwifchen
lOO OOO und 800 000 Mark verteilen.

ll Mcerstzurg, 4. Juni. Znm hiestgen katholischen Stadtvfarrer
wurde der dcrzeitige Stadtvfarrer in Sinsheim Wtlhslm Friedrich Reftle
ernannt.

LermWes.

GefaLenen-Fhrung in Schwarzburg in THSringen.

Jm lieblichen Sch warzburg fand Ende Mai eine eigenarti.'s
Feier statt. Mit der Dorfgemeind«. deren Söhne zum großen Teil 'in
den Fabriken und Steinbrüchsn der llmgegend arbeiren, hatte stch
der studentische Schwarzburqbund vereint, um der im
Weltkriege gefallcneu Helden zu gedenken. Die Gemeinde hat am
Bergeshang um einen schlichten Denkstein einen Ehrenhain g«»
pflanzt. Ein Kreuz am Fuße seder der 27 Linden kündct den Namen
des Helden. Oberhalb davon erhebt sich das Denkmal des
Schwarzburgbundes zu Ehren der etwa 400 Akademiker, die dieser
dem Vaterlande geopfert hat. Linfach, aber wuchtig und kraftvoll
schaut es ins Tal und ist sichtbar von HLHen ringsum. Denkmal,
Donkstein, Bäuke und Treppen sind aus den Steinen der Umgeqend
hergestellt.

Ein eknträgliches Gcschast. Wie der „New Pork Herald"
meldet, hat kürzlich ein Dampfer, der 300 000 Flachen Whifly an der
amerflanüschen Erenze verkauft«, dabef einen Gewinn von 500 000
Dollar erzielt.

Deutscher Lustfahrertag. Am 2. Iuni wurde in Dresden der
17. Deutsche Luftfahrertag im Neuen Rathaus von Oberleutnant von
Funke eröffnst. An der Eröffnungsfeier nahm als Vertreter des
Reiches Ministerialdirektor Bredow vom Reichsverkehrsministerium
teil.

Eine Malseumörbcrin. Wtc aus New Nork gcmcldet wird. wurdc
dort eine Frau fcstgcnommen, weil stc ihren izwLMäZri'ae» SvL»- vergkftet
batte. Die Untersuchung crgab, dab dic Frau noch wciterc neun Kiuder
durch Gift ermorbet batte. ^.
 
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