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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 4.1912

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https://doi.org/10.11588/diglit.25673#0808

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DIE NEUERWERBUNGEN FRANZOS. MALEREI IM STADELSCHEN KUNSTINSTITUT

und belebend. Gerade diefes Werk [teilt darum eine [o wertvolle Bereicherung der
Galerie dar, weil es in der vollkommenften Form das zum Ausdruck bringt, was die
moderne Kunft dem Schaffen Manets verdankt.

Daneben fteht als zweite große Schöpfung des Impreffionismus Monets „Früh-
ftück“ von 1868, jenes programmatifche Werk der neueren Kunft, das zu denjenigen
Leiftungen gehört, in denen die moderne Kunft das Malen ganz eigentlich erlernt hat
(Abb. 6). Es ift ein Wunderwerk reinfter Exiftenzmalerei, ohne den leifeften Reft von
Illuftration, und man kann [ich das Wefen aller Kunftempfindung, das intereffelofe
Wohlgefallen, nicht in vollkommenerer Ifolierung denken als in der Betrachtung der rein
malerifchen Schönheit diefes Bildes. Ganz locker die Kompofition, aber doch zu-
fammengefchloffen von einer großen Einheit — diefe Einheit liegt im Lichte, das zum
Fenfter hereinftrömt und alles umflutet und alles zufammenfchließt.

Die Schönheit der Erfcheinung kündet finnlicher noch, leidenfchaftlicher das Werk
Renoirs, das zugleich in den Befijs des Stadel gekommen ift, das „Frühftück im
Freien“ (Abb. 7). In diefem Werke fteht der Meifter auf der Höhe feines Schaffens,
feine Palette ift, von den fchwärzlichen Tönen der Frühzeit, des „Moulin de la Galette“
etwa, befreit, ganz reich und blühend geworden, und mit jener unendlichen Zärtlich-
keit, die die ganze Welt der Erfcheinung mit dem Blicke des Liebenden umfängt,
bildet er Leben, fchafft er Geftalten, die an Lebensfülle ihresgleichen fuchen. Etwas
ganz Beftrickendes liegt in diefem Werke, in der füßen Buntheit diefer Farben, an-
gefangen von der frühlingsgrünen, mit Blütenkerzen beftickten Laubwand des Grundes
bis zu dem Flimmerdufte der Veilchen, bis zu den Schillerfarben der Wafferflafche

Abb. 5. MANET, Croquetfpiel

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