Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 4): Südwestdeutschland — Berlin, 1911

Seite: 215
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kompakt zusammengenommen, wodurch auch die ganze Raum-
stimmung eine andere wird. Es gehörte eine Künstlerkraft von
ungewöhnlicher Frische und Selbständigkeit dazu, um die ungleich-
artigen Elemente zu einem Bau von so einheitlicher, sehr indi-
vidueller, dabei in der Grundrichtung durchaus deutscher Phy-
siognomie zusammenzuschmelzen. Dazu kommt ein Bauplatz von
unvergleichlich glücklicher und mit eindringendem Verständnis aus-
genutzter Stellung in der Landschaft. Für die in Deutschland so
kurze Epoche der ersten Gotik, der es zudem noch selten vergönnt
war, ein Ganzes durchzuführen, ist S. Georg in Limburg ein Denk-
mal von einzigem Wert.

Die Anlage ist kreuzförmig in straffer Sammlung auf den Mittel-
punkt; so schon im Innenraum; noch entschiedener in der Grup-
pierung der äußeren Massen. Die Achse des Qsch. verhält sich zur
Längsachse im Außenmaß — 2:3 (35:53 m); für den inneren Raum
verschiebt sich durch die Emporen das Verhältnis zu ungefähr 3:5.
Indes macht sich in der Raumwirkung die Längsachse stärker gel-
tend, als es unter gleichen Verhältnissen in einem rom. Bau der
Fall gewesen wäre, was dadurch erreicht wird, daß sowohl Turm-
halle als Chor zu gleicher Gewölbehöhe mit dem Sch. hinauf-
geführt sind. Der vertikale Längenschnitt zeigt 5 scharf markierte
Abschnitte: die durch eine Empore geteilte Turmhalle, das mit
seinen 4 Jochen unter 2 sechsrippige Gwbb. zusammengefaßte Lhs.,
die von einem hohen lichtbringenden 8 seit. Zentral-T. überstiegene
Vierung und den Chor, dessen vorderer rck. und hinterer Ys rd.
Teil unter einem gemeinschaftlichen öRippengwb. liegt. Um den
Chor ein schmales l/a kr. Deambulatorium. — System des Auf-
baus 4 teilig. Die Zwischenstützen der Erdgeschoßarkaden schlichte
4 eck. Pfll, nur unter dem Bg. mit Kämpfer, an den Fronten glatt,
der Bg. ungegliedert. Das 2. Geschoß (Empore) von gleicher
Höhe, Öffnungen 2teil, unter Blendbg., als Träger schlanke Säul-
chen, die Bgg. profiliert. Im 3. Geschoß Triforium von je 4 Öff-
nungen. Im 4. Geschoß hohes Fenster mit glatter Leibung. Sämt-
liche Bogenlinien leicht gespitzt. Die Treppen sind geradläufig
und liegen in den verdickten Außenmauern des WJochs, eine dritte
dicht am s Qsch. — Eine sehr reiche Wirkung ergibt es, daß dieses
System sich gleichartig durch das Qsch. und den Chor fortsetzt;
d. i. gleichartig im Aufriß; die Tiefenerstreckung der Empore ist
hier nur gering und im Erdgeschoß bleiben die Arkk. blind.
Durchaus eigentümlich und löblich (auch in Frankreich nirgends so)
die Festhaltung der gleichen Intervallen auch im Chorhaupt. Bei
der geschilderten Anordnung bildet die Empore einen ununter-
brochenen Umgang um die ganze K. Auf Raumgewinnung für
den Pfarrdienst war es damit nicht abgesehen, die Rechnung ist
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