Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 4): Südwestdeutschland — Berlin, 1911

Page: 223
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der fränkische Baumeister nicht vermocht. Abschluß durch ein
gut gebildetes Konsolengesims. Vertäfelung der Wandflächen mit
roten und weißen Steinplatten. (Die verschwundene Grab-Kap.
Ludwigs des Deutschen wird, da sie in der Quelle ecclesia varia,
„bunte Kirche", heißt, ähnlich behandelt gewesen sein.) — Auch
der heutige Betrachter noch muß den Eindruck als prächtig gelten
lassen; zugleich empfindet er deutlicher als irgendwo sonst das
innere Wesen dieser sog. karolingischen Renss., die aus einer nicht
ästhetisch, sondern historisch begründeten Ehrfurcht vor den Römern
entsprang. Für die Beurteilung des Einzelfalls wichtig ist, daß
das Material der plastisch ausgebildeten Werkstücke Kalkstein aus
Gorze bei Metz ist, woher auch die ersten Mönche gekommen
waren.

Für die Rekonstruktion der karolingischen Haupt-K. haben die bis-
herigen Grabungen (anscheinend nicht sehr gründliche) nichts
Positives ergeben. Ihre Wiederaufnahme wäre dringend zu wün-
schen. Die Hauptfrage, ob ein Qsch. vorhanden war, müßte man
zur Entscheidung bringen können. Über 'Alter und Bedeutung
der 1030 mitverbrannten htrres ctim forticibus läßt sich nichts
Stichhaltiges vermuten. Das wenige, was vom rom. Neubau auf
uns gekommen ist, ist in eine Tabaksscheune eingebaut: 3 Arkk.
des Msch. An einem der Pfl. Kämpfer ein Riemenornament von
sehr eigentümlicher und deshalb schwer zu datierender Fassung;
zum Formengeist der Torhalle steht es in vollem Gegensatz. Aus
der Zeit der Einrichtung der Torhalle zur Michaels-Kap. (M. 13. Jh.)
eine vorgeblendete Altarnische, im Prinzip ähnlich denen im Qsch.
des Doms zu Speier. — Sehr zu beachten die mancherlei z. T.
antikisierenden Fundstücke, besonders ein mit kannelierten jon.
Pilastern besetzter Sarkophag.

Kath, Pfarr-K. Beg. 1726, gew. 1753. Großer lsch. Barockbau
in derben, schlichten Formen. Wandgliederung durch Pilaster.
Flachdecke.

Stattliche Fachwerkbauten sind das Rathaus und die Apotheke.

LORENZEN. UElsaß Kr. Zabern.
Burg (Ruine), erb. im 14. Jh. von den Grafen v. Saarwerden. An-
lage mit 4 runden Ecktürmen und Tor-T. Von den um 1577
(Inschr.) und A. 18. Jh. erneuerten Flügeln ein Teil noch bewohnt.

LÖSSNICH. RB Trier Kr. Bernkastel. [B.]
Erwähnenswert wegen des Reichtums an alten Stein- und Fach-
werkhäusern, 17. und 18. Jh.

LÜMSCHWEILER. OElsaß Kr. Altkirch.
Dorf-K. Chor-T. 13.Jh. Schöne Sakramentsnische 1464. Kleiner
Schnitzaltar mit Flügelgemälden c. 1480.
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