Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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Von HERMANN VOSS

DIE FALSCHEN SPANIER

Es handelt fich nicht um eine Senfationsaffäre wie bei den „falfchen Kölnern“, fondern
um eine ganz eigentümliche Modekrankheit, von deren Überwindung wir noch
meilenweit entfernt find. Eine ganze große Kategorie italienifcher Seicentiften muß es fidi
nämlich gefallen laffen feit längerer Zeit einfach „fpanifch gemacht“ zu werden. Seit
Velazquez durch die Impreffioniften Mode wurde, fiel ein Abglanz feines Ruhmes auf die
übrigen fpanifchen Meifter; man überfchäljte plößlich — während Murillos alter Ruf eher
verblaßte — ganz ausgefallene Leute wie Zurbaran, Al. Cano, Pacheco, Herrera, Mazo
und — Greco. Die Händler und Sammler glaubten die günftige Konjunktur ausnüfeen zu
follen, und fo wurden diefen Spaniern, denen fcheinbar die Zukunft gehörte, ganze Haufen
gleichzeitiger Italiener zugewälzt, die von allerlei wenig berühmten Namen auf Velazquez,
Zurbaran ufw. umgetauft wurden.

Die Sache wäre nicht weiter verwunderlich und überhaupt kein Problem, wenn die
Händler einfach mit gefundem Optimismus fchlechte Bilder auf gute Meifter umgenannt
hätten; aber die Komik der Situation befteht darin, daß gute Bilder Meiftern zugewiefen
wurden, deren Können durchaus nicht ausgelangt hätte, fie zu fchaffen. Kurzum, die

SIGISMONDO COCCRPÄNI ? (nicht Velazquez), Dudel[ackfpieler

Hlthorp Hou|e

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