Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

flächen hat fich der Maler eine gewiffe Virtuofität
erworben.

Im Kunftfalon HELLER zeigt der junge Maler
Felix Kraus Proben feiner Arbeiten. Ein paar
Zeichnungen und gute Drucke, die das gleiche
Motiv „Die Mähder“ variieren, geben Zeugnis
von Talent und ausdauerndem Bemühen, deffen
Frucht man in den Gemälden vorläufig noch
vermißt. — Gleichzeitig bringt der Kunftfalon
Heller winzige Holzfchnißereien von Ottomar
Zeiller. Die oft nur wenige Millimeter großen
Figürdien mag man als Kuriofa und anfpruchs-
lofe Spielerei ohne weiteres gelten laffen. Es
wäre aber fchade, wenn Zeiller fein ungewöhn-
lich ftarkes Talent, das fich hier im Erfaffen
charakteriftifcher Stellungen und Bewegungen
offenbart, nicht an größeren und ernfteren Auf-
gaben verfuchen wollte.

Eine qualitativ hervorragende und lehrreiche
Äusftellung verdanken wir der Galerie MIETHKE:
Zum erftenmal wird in Wien eine größere Reihe
von Gemälden Edouard Manets und Claude
Monets gezeigt. (Einige wenige Arbeiten der
beiden Meifter von Batignolles waren vor fieben
Jahren auf der Impreffioniftenausftellung der Se-
zeffion zu fehen.) Zwei wichtige, charakteriftifdie
Werke Manets vor allem geben einen guten
Begriff von der Wandlung des malerifdien Se-
hens, die fich vor nunmehr vier Jahrzehnten in
Frankreich vollzogen hat: der „Äbfinthtrinker“,
der ganz am Anfang der Entwicklung fteht,
fcheint auf den erften Blick noch nichts von dem
zu enthalten, was fpäter fo revolutionierend
gewirkt hat. Von jüngeren Gemälden des Künft-
lers ausgehend, kann man aber auch in diefem
Frühwerk Elemente feiner Art aufßnden: in der
Dispofition der Maßen, in der breiten flächigen
Behandlung der Farbe. Und man behält endlich
von dem Bilde einen ftärkeren künftlerifehen
Eindruck als von dem, den Gegenpol der Evo-
lution repräfentierenden Porträt des Löwen-
jägers Pertuifet, das trolj der Summe neuer
malerifcher Beobachtungen, die darin wirkfam
geworden find, die realen Unwahrfcheinlichkeiten
der Darftellung fchwer vergeffen läßt. Von den
andern, hier vereinigten Arbeiten des Künftlers
find am intereffanteften einige flüchtige Skizzen:
die Kirche Petit Montrouge, dann die „Baden-
den am Strande“ (ein paar energifche Pinfel-
ftriche haben da die Impreffion der vom Sonnen-
licht umfpielten Figuren in dem Farbenakkord
der grünweißen Meeresfläche mit dem gelben
Sand feftgehalten), eine Studie zu der bekannten
„Bar“ und das helle leuchtende Gemälde „Vor
dem Spiegel“, bei dem man wohl auch an Be-

ziehungen zu einem berühmten Bild Manets,
zur „Nana“, denken darf. Die ganz auf Valeurs
geftimmten Paftellporträts, darunter eines der
von Manet oft gemalten Eva Gonzales, ergänzen
gut die Vorftellung, die man aus der Sammlung
bei Miethke gewinnen kann.

Ift bei manchem der Bilder Manets doch noch
manchmal der gute Wille des Befchauers nötig,
ein bewußtes Nachgeben, das einem erft den
künftlerifchen Genuß ganz erfdiließt, fo wirken
die Gemälde Claude Monets wohl völlig un-
mittelbar auf jeden, der zur Malerei unferer
Zeit ein Verhältnis hat. So ftark ift unfere Än-
fchauung von feiner Kunft beeinßußt. Die Äus-
ftellung bei Miethke umfaßt Arbeiten aus den
leßten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.
Die Moderne Galerie hat ihr Porträt des Kochs
Paul hergeliehen, das auf der Impreffioniften-
ausftellung 1903 erworben wurde; das Gegen-
ftück, Mme. Paul, das damals zugleich ausgeftellt
war, hat fich auch wieder eingefunden und ift
bereits in Wiener Privatbefiß übergegangen.
Von den Gemäldegruppen, die Monets unermüd-
liches Bemühen um die Variationen der farbigen
Erfcheinung fo deutlich vor Äugen führen, ift
kein Repräfentant da: keiner der berühmten
Heufchober, kein Stück aus dem Zyklus, der die
Kathedrale von Rouen verherrlichte, keines der
fpäten Londoner Brückenbilder. Gleichwohl mag
die Äusftellung im wefentlichen einen guten Be-
griff von dem Kiinftler geben, für den das Gegen-
ftändliche doch von untergeordneter Bedeutung
war, der doch immer nur dem Zauber des Sonnen-
lichts, den Farbenwundern der Welt nachgefpürt
hat, gleichviel, ob er ein Stoppelfeld malte, eine
gotifche Architektur, die leichtbewegten Wellen
der Seine oder die Nebel über der Themse.

Victor Fleifcher.

DENKMALPFLEGE UND
STÄDTEBAU

BÄSEL Zum Wettbewerb für den Mufeums-
Neubau ift nachzutragen, daß aus Nationalitäts-
gründen der Firma Huber & Werz in Wies-
baden ein Preis nicht zuerkannt werden konnte.
Die frei gewordene Prämie ging an Gebrüder
Pfifter in Zürich über. J- C*

MÄSSÄ-CHRRÄRÄ Der Palazzo Ducale
in Maffa, ein herrlicher Barockbau des 16. Jahr-
hunderts, der jetV Siß mehrerer Verwaltungs-
behörden ift, follte vor kurzem durch häßliche
Anbauten verhandelt werden. Infolge unvor-
fiditiger Äusfchachtungsarbeiten hat ß* die
Loggia des Palaftes nach dem Meere zu ge-

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