Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DENKMALPFLEGE o PERSONALIEN

KRÄKÄU Eines der älteften zivilen Bau-
denkmäler Krakaus, der fogenannte Hetmanfaal,
ift neuerdings reftauriert und zugänglich gemacht
worden, da fich ein Bankkontor darin inftalliert
hat. Das Hetmanhaus — |o benannt, da hier
einft das Äbfteigequartier der Feldhetmane fich
befand — am Markte, das fich durch fein präch-
tiges Barockportal fchon von außen auszeich-
net, ftammt noch aus dem 14. Jahrhundert, und
der Hetmanfaal nimmt hier das Erdgefchoß ein.
Die Decke diefes Gemachs befteht aus ungemein
fchweren, tiefgehenden Gewölben, deren Schluß-
steine bildhauerifchen Schmuck tragen, welcher
von künftlerifchem und namentlich großem, hifto-
rifchen Wert ift. Neben Wappen polnifcher
Provinzen befißen wir hier das einzige zeit-
genöffifche Bildnis Kafimir des Großen und feiner
Gemahlin Adelaide von Helfen. P. E.

NÜRNBERG Man kann von einer erfreu-
lichen Tat der Denkmalpflege berichten, die dem
Hans Sachs-Haus gilt, deffen Reftauration kürz-
lich durch die hiepgen Architekten Ochfenmayer
und Wißmüller begonnen worden ift. Es foll
erftrebt werden, dem Haufe möglichft bei der
Wiederherftellung die alte Geftalt wiederzugeben,
etwa fo, wie es in der erften Hälfte des vorigen
Jahrhunderts noch ausgefehen hat, wo es breite,
mit Bußenfcheiben verglafte Fenfter und ein über
die Gaffe ragendes, an einem verzierten Eifen-
ftabe hängendes Wirtshausfchild zeigte. Die
jeßt zu befeitigende Veränderung an derFaffade
ftammt aus dem Jahre 1835, wo das Haus wegen
drohenden Einfturzes geftüßt werden mußte. Das
Rückgebäude ift noch ziemlich unverfehrt er-
halten. Hier wird es fich im wefentlichen nur
um die Öffnung eines gotifchen Türleins han-
deln, aus dem man verfehentlich ein Fenfter ge-
macht hatte.

PRÄTO Vor kurzem ift Giovanni Pifanos Ma-
donna della Cintola im Dom, die bisher ganz mit
buntem Puß behängt war, von allen ftörenden
Zutaten befreit und der Befichtigung zugänglich
gemacht worden. Diefer lobenswerte Entfchluß
des Domkapitels bezeichnet den erften Anfang
einer Neuordnung der Kunftfchäße des Domes,
aus deffen Schaß der fchöne Kandelaber des
Mafo di Bartolommeo mit dem Diftelmotiv her-
vorgeholt und in der Nähe des Hauptaltars auf-
geftellt worden ift. Ferner will das Domkapitel
demnächft eine Reftauration des Tafelbildes Fi-
lippo Lippis, das den Tod des heiligen Hierony-
mus darftellt, ausführen laffen. B.

TRIENT Auf Veranlaffung der Zentralkom-
miffion wird jeßt endlich eine Barbarei gutge-

macht, die von wenig kunftverftändigen Händen
vor Jahren in der berühmten Kathedrale des
heiligen Virgilius begangen wurde. Damals hat
man in einer unbegreiflichen Rückfichtslofigkeit
die wunderbaren Fresken an der Nordwand zum
Teil mit fteinernen Grabdeckeln überdeckt, die
urfprünglich ihren Plaß in der Mitte der im
18. Jahrhundert aufgelaffenen Krypta hatten und
dort die Gräber der Bifchöfe Albert v. Ortenburg
(geftorben 1390), Georg Hack (geftorben 1465)
und Johannes Hinderbach (geftorben 1485) ver-
fchloffen. Diefe großen Steinplatten werden
nun wieder entfernt, um die Fresken frei-
zulegen. Die Fresken, die aus dem Ende des
14. Jahrhunderts ftammen und die ganze Wand
in weiter Ausdehnung bedecken, zeigen vor-
hergehend deutfehen Einfluß. Sie ftellen Szenen
aus dem Alten Teftament, Chrifti Geburt und
Äuferftehung und die heilige Dreifaltigkeit dar.
Die Fresken, die für ihr Alter noch vorzüglich
erhalten find, werden jeßt auch gereinigt und
fachgemäß aufgefrifcht. Auch der Konfervierung
der noch bedeutend älteren Fresken im füdlichen
Querfchiffe des Domes will man nun endlich er-
höhte Aufmerkfamkeit zuwenden, um das Kunft-
werk vor dem Verfall zu bewahren.

PERSONALIEN

BÄUTZEN Der bisherige Hilfsarbeiter am
Kgl. Kunftgewerbemufeum zu Dresden, Dr. Wolf-
gang Roch, hat von dem Rat der Stadt Baußen
den Auftrag erhalten, das ftädtifche Mufeum,
für welches ein neues Gebäude errichtet wird,
zu ordnen. Dr. Roch ift bisher außer in feiner
Mufeumsftellung auch bei der Inventarifation
der fächfifchen Kunftdenkmäler tätig gewefen.

BERLIN Der bisherige wiffenfchaftliche Hilfs-
arbeiter am Königl. Kupferftichkabinett Dr. El-
fried Bock ift zumDirektorialaffiftenten bei der
gleichen Sammlung ernannt worden. Svs.

CIVEZZÄ bei Porto Maurizio In den

erften Tagen des Äuguft ift hier im Alter von
56 Jahren der Maler Pasquale Ricca ge-
worben. Von feinen Arbeiten find zu erwähnen:
„Ave Maria“, Dämmerung, am Strande, die Wä-
fcherinnen, die Verzeihung, auf der Weide.
Auf der Moftra Nazionale di Belle Ärti von 1883
hat er zwei Bilder, „Spaziergang“ und „Schnee-
fall“, ausgeftellt, und auf der Äusftellung zu
Turin 1884 „Weinftöcke“ und „Das Weihwaffer-
becken von S. Pietro in Rom“. B.

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