Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER KUNSTMHRKT — von den Auktionen

Bevorftehende Auktionen

AMSTERDAM Eine fehr bedeutende Samm-
lung von Werken moderner Meifter kommt
am 15. Februar durch die Firma C. F. R o o s & C i e.
in Ämfterdam zum Äusruf. Diefelbe umfaßt etwas
mehr als 200 Stücke und enthält in der Haupt-
fache holländifche und franzöfifche Kunft des
19. Jahrhunderts, die durch eine Reihe erftklaffi-
ger Namen vertreten ift. So werden Bilder von
Blommers, von Rofa Bonheur (das berühmte
„Duell“), ein Reiterangriff Edouard Detailles,
ferner Bilder von Ifraels, Troyon, Boudin, Maris,
Mesdag, Jongkind u. a. m. zum Äusruf kommen.
Und zwar handelt es fich bis auf wenige Aus-
nahmen um Bilder, deren Wert für die Kunft-
gefchichte feftfteht, die auch dementfprechend
wohl bewertet werden. Die Sammler moder-
ner Kunft feien ausdrücklich auf die wertvollen
Stücke diefer Auktion verwiefen.

BERLIN Die Sammlung Adalbert Mat-
kowskg bei Rud. Lepke am 15. und 16. Fe-
bruar. Wir haben noch im lebten Heft diefer
Zeitfchrift nach Schluß der Redaktion auf die
intereffanteSammlung des verftorbenenTragöden
kurz hingewiefen, die fo fehr das Spiegelbild
der Perfönlichkeit darftellt, daß man eigentlich
bedauern muß, daß diefer Nachlaß nun in alle
Winde zerftreut werden foll. Die Firma Lepke
hat, obwohl es fich bei der Auktion nur um
593 Nummern handelt, einen prachtvoll ausge-
ftatteten Katalog herausgebracht, der die wert-
vollften Stücke in Lichtdruck reproduziert. Die
erfte Abteilung wird Möbel, Holzfkulpturen,
Wandtäfelungen zum Äusruf bringen, darunter
Arbeiten franzöfifcher, deutfcher und fpanifcher
Provenienz vom 15.—17. Jahrhundert, auf die
unfere kunftgewerblichen Sammlungen befonders
hingewiefen feien. Sehr abwechslungsreich ift
fodann die zweite Abteilung mit dem Steinzeug,
der fich Nummer 3, die italienifch-fpanifchen Ma-
joliken anfchließen. Beide Abteilungen fcheinen
durchaus vollwertige und nach dem Stand des
gegenwärtigen Kunftmarktes recht koftbare Ar-
beiten zu umfaffen. Den Befchluß der Verwei-
gerung des erften Tages macht eine Gruppe von
Fayencen, darunter Delfter Arbeiten, die eben-
falls der größten Beachtung gewiß find.

Am zweiten Tage kommen dann die Gruppen
gemalte Glasfenfter, Gläfer, Silber, Textilien,
Bücher, Emaille, Kupfer, Waffen ufw. zur Ver-
weigerung. Jedenfalls darf man diefer Auktion
fchon aus naheliegenden pfychologifchen Grün-
den mit befonderer Erwartung entgegenfehen.

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Die gleiche Firma verfteigert am 22. Februar eine
Sammlung von Gemälden des 15.—18. Jahrhun-
derts. Diefelbe ftammt aus franzöfifchem Befife
und enthält faft alle Malerfchulen, in denen
wiederum die Hauptmeifter mit vorzüglichen
Originalwerken vertreten find. Der Katalog, mit
72 Abbildungen geziert, führt die Nummer 1570.
Die öffentliche Äusftellung der Sammlung findet
am Sonntag, den 20. und Montag, den 21. Fe-
bruar von 10 bis 2 Uhr ftatt.

Max Perl verfteigert vom 21.—26. Februar
den erften Teil der graphifchen Sammlung Otto
B r en n er, die fidier zu den abwechslungsreichften
Kollektionen gehört, die in den lebten Jahren
zum Äusruf gekommen find. Bedeutend ift vor
allem der außerdeutfche Kupferftich vertreten
und zwar in erfter Linie Italien und Frankreich.
Auf Blätter wie die von Callot oder der beiden
Carracci fei befonders hingewiefen. Daneben
find aber auch die wichtigften Vertreter des
deutfchen Kupferftiches fowohl aus der frühen
wie der mittleren Zeit gut und reich repräfen-
tiert. Genannt feien u. a. Äldegrever, Cranach,
Dürer, Chodowiecki. Der Katalog verzeichnet
insgefamt 2971 Blätter, deren Nummern fich zum
großen Teil auf einzelne Künftlernamen verteilen,
was für den vielfeitigen Reichtum der Kollektion
charakteriftifch ift. Übrigens wird diefer erften
Verfteigerung graphifchen Charakters im Mai
der zweite Teil der Sammlung mit Handzeich-
nungen, Lithographien alter und neuer Meifter
folgen.

DANZIG Das Antiquariat M. Bruckftein
verfteigert am 16. und 17. Februar eine Samm-
lung von Büchern in der Hauptfache hiftorifch-
literarifchen Charakters mit einer reichen Me-
moirenbibliothek insgefamt 772 Nummern und
dazu eine kleine Sammlung Autographen,Stamm-
bücher und Urkunden. Im Katalog befindet fich
manches, das auch den Kunfthiftoriker intereffiert.

FRANKFURT a.M. Bei Rudolf Bangel,
der am 2. und 3. Februar eine China- und Japan-
fammlung aus dem Befitj von S. Donnenberg
verfteigerte, kommen am 10. Februar Original-
gemälde der Barbizon-Schule unter den Ham-
mer, die weit größeres Intereffe verdienen. Die-
felben entftammen der Sammlung J. B. Perret,
Lyon, und bringen eine Reihe kunfthiftorifch be-
deutender Stücke zum Äusruf, auf die man bei
der Vorliebe der heutigen Sammler für die fran-
zöfifche Kunft um 1850 vielleicht intenfiver hätte
hinweifen dürfen, auch wenn nicht alle Stücke
Künftlern erften Ranges entftammen. Dennoch
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