Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER KUNSTMÄRKT — von den äuktionen

Bevorstehende Auktionen

FRANKFURT a. M. Bei Rudolf Bangel
findet am 25. Januar die Verweigerung einer
kleinen Sammlung von Gemälden älterer Meifter
aus dem Befiß des Herrn Ärnd-Wiesbaden ftatt,
deren Mehrzahl Stücke der holländifchen Schule
find. Nach den Tafeln zu urteilen, hat die Samm-
lung Qualität und enthält auch für den Kunft-
hiftoriker manches intereffante Werk.

Im Änfchluß daran verfteigert die genannte
Firma eine kleine Sammlung von Kupferftichen,
Aquarellen und Zeichnungen älterer und moderner
Meifter mit englifcher Provenienz von insgesamt
494 Nummern.

KÖLN Durch die Firma J. M. Heberle (H.
Lemperß’ Söhne) G. m. b. H. findet am 14. Februar
und den folgenden Tagen die Verfteigerung
einer reichhaltigen graphifchen Sammlung aus
dem Befilj des verftorbenen Pfarrers Diljen zu
Niederembt ftatt, über die ein illuftrierter Ka-
talog Äuffchluß gibt. Derfelbe verzeichnet
5790 Nummern und bringt in alphabetifcher Rei-
henfolge alte und moderne Graphik, wobei der
Wert der erfteren bedentend überwiegt. Neben
den Kupferftichen und Holzfchnitten kommen
noch an die 100 Initialen fowie eine Abteilung
Zeichnungen und Aquarelle, in der Mehrzahl
von älteren Meiftern und eine kleine Anzahl von
Handbüchern desKupferftiches unter den Hammer.

KOPENHAGEN Im Verfolg einer Tefta-
mentsvollftreckung gelangt am 7. Februar und
an den folgenden Tagen zu Charlottenborg
bei Kopenhagen die reichhaltige Sammlung des
verftorbenen Maurermeifters J. W. Frohne unter
den Hammer. Diefelbe umfaßt Arbeiten aus Stein-
gut (Siegburg,Raeren und Frechen, Naffau.Kreußen
ufw.); ferner eine Abteilung Fayencen mit fran-
zöfifchen, deutfdien und fpanifch-maurifchen Ar-
beiten, etwa 300 Stüde. Daran fchließt fich eine
Sammlung von Porzellan, in der hauptfädilich
China, Japan, Meißen und Kopenhagen vertreten
find. Beachtenswert endlich find auch die Siber-
arbeiten mit wertvollen Innungspokalen und Krü-
gen, fonwie eine reichhaltige Abteilung von
älteren Holzfdinifeereien aus Schleswig, Elfen-
beinarbeiten, Miniaturen, Gobelins ufw. Einen
illuftrierten Katalog vermittelt auf Wunfch der
Kunfthändler Rieh. Wilftrup (Äug. Withs Nach-
folger), Vimmelskaftet 34. An Vielfeitigkeit der
Gegenftände verdient die genannte Sammlung,
deren Verfteigerung auch manchen auswärtigen
Sammler heranlocken dürfte, jedenfalls Beachtung.

MÜNCHEN Am 22. Februar wird die 4. (le^te)
Abteilung des Kunftbefi^es eines bekannten
norddeutfehen Sammlers verfteigert. Sie ent-
hält vorgefchichtliche und antike Bronzen, und
antike Keramik. Unter den Bronzen ftammt
das Meifte aus Italien und der Umfang der hier
vereinigten italienifchen Bronzeproduktion macht
diefe Sammlung zu einer ganz befonders zu
würdigenden Erfcheinung des Kunftmarktes.
Obwohl die ältefte Bronzezeit auch mehrmals
vertreten ift, eröffnet doch eigentlich die Villano-
vaftufe die lange Reihe des Schönen und In-
tereffanten. Aus diefer frühen Kulturperiode

Kleines Gefäß in Geftalt eines eleganten Schuhes
mit benagelter Sohle. Bronze. Römifch.
Kunftbefit} eines bekannten norddeutfehen Sammlers, IV. Ab-
teilung, Verfteigerung in der Galerie Helbing, München,
am 22. Februar 1910.

ift namentlich Schmuck vorhanden, aber auch
fehr aparte Pferdegebiffe und Gerätfragmente
gehören diefer Zeit an. Die etruskifche Kunft
und die ihr folgenden Epochen bis zur Spät-
antike und Nachantike find dann in fteigendem
Reichtum vertreten. — Durchaus Kleinkunft
enthaltend, bietet die Sammlung doch eine Menge
des Charakteriftifchen, mehrere Mufeumsftücke
und namentlich Objekte, die fich vorzüglich zu
den Übungen der Univerfitätsfeminare eignen.
Befonders find einige frühe italienifche Arbeiten
nach griechifch-orientalifdien Vorbildern hervor-
zuheben, dann prächtige Waffen und Rüftungs-
teile, wie die vorzüglich gearbeitete griechifche

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