Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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VERMISCHTES ° LITERATUR

auszuführen. Das Modell der Büfte ift nunmehr
vollendet. U.-B.

PÄRIS Eine Tapifferie von 1598 (2,60x1,44 m),
darftellend die Ordination, Verurteilung und Ge-
fangennahme des heiligen Vincent und eine Ta-
pifferie von 1600 in dem gleichen Format, dar-
ftellend die erften Marter des heiligen Vincent
find aus der Kirche Saint Vincent in Rouen in
der Nacht vom 25./26. November 1909 geftohlen
worden. Es fehlen noch fechs andere Tapiffe-
rien, die vermutlich gleichzeitig geftohlen wurden.
Eine genaue Befchreibung diefer acht Tapifferien,
findet fich im Journal des Ärts, Nr. 79 vom 8. De-
zember 1909.

In der Tageszeitung Paris-Journal beklagt fich
Lucien Andre Lichy darüber, daß im Louvre aus
den dem Publikum zugänglichen Sälen jahre-
lang bedeutende Kunftwerke zurückgezogen wer-
den, fo daß die Äuffeher in mehreren Fällen
Eingaben an das Minifterium machten, um zu
erreichen, daß die zurückgezogenen Werke wieder
ausgeftellt wurden. Als Beifpiele werden Bilder
von Rubens (Die Kirmeß), Lenain, Teniers und
das antike Bas-Relief: Äbfchied Orpheus’ von
Eurydike angeführt, die ein refp. drei Jahre im
Speicher den Blicken des Publikums entzogen
wurden.

Die'Societe: L’art pour tous hat eine kunft-
gefchichtliche Volkshochfchule gegründet, dieVor-
tragszyklen in den Mufeen veranftaltet.

LITERÄTUR

Chriftopher Ä. Markham, PewterMarks
and old pewter wäre. London 1909.

Der Verfaffer diefes Buches hat fich bereits
durch einige populäre Schriften über englifche
und franzöfifcheGoldfchmiedekunft.befonders über
das Markenwefen bekannt gemacht. Im vor-
liegenden Buch hat er nicht beabfichtigt, tief auf
die Gefchichte des Zinnes in England einzugehen
oder von den Formen alter Zinnkunft zu er-
zählen. Er verweift auf die feit einem Jahr-
zehnt etwa erfchienenen Arbeiten von Bell,
Matte, Hudfon Moore, Welch und Wood, die
ja allerdings die Akten der Innungen ausgiebig
benutzt und die in England und Schottland er-
haltenen Waren fleißig gefammelt haben. Über-
blickt man, was diefe Autoren an britifchen Zinn-
waren abbilden oder betrachtet man die Abteilung
des englifchen Zinns im Viktoria und Albert
Mufeum, fo ift man erftaunt über die Dürftigkeit
und Schmucklofigkeit diefer Waren. Wohl gibt
es Gebrauchsgerät von bald derber, bald zier-

licher und immer höchft zweckmäßiger Form,
aber der dekorative Schmuck befchränkt fich in
den wenigen Fällen, in denen er beobachtet
werden kann, auf die Modellierung des Henkels
und auf eine meift recht befcheidene Gravierung
der Flächen. Das Gebrauchsgerät des XVIII.
und beginnenden XIX. Jahrhunderts, von dem
anfcheinend viel erhalten ift, zeigt noch die ge-
fchmackvollften Formen und rivalifiert mit den
Formen des gleichzeitigen Goldfchmiedehand-
werks. Ältere Arbeiten von einiger künftlerifcher
Ausbildung fehlen faft ganz, fowohl im kirchlichen
wie im profanen Zinngerät. Offenbar ift alle eng-
lifche Kunftarbeit, die dem kontinentalen Edelzinn
entfpricht, eingefchmolzen worden, fo daß in der
Formenkunft desZinnguffesEngland nebenFrank-
reich und Deutfchland ganz zurücktreten muß.
Bei diefer Sachlage kann das vorliegende Buch
kein erhebliches Intereffe beanfpruchen. Es ift
eine Arbeit aus zweiter Hand, die eine Anzahl
hiftorifcher und technifcher Notizen in dilettan-
tifcher Auslefe bringt und ihren Hauptnußen er-
blickt in der Mitteilung der Zunftordnungen,
einer Lifte der freemen of the Company of
pewterers und im Abdruck eines Markenver-
zeichniffes nach der viel befferen Veröffentlichung
von Charles Welch (history of the Workshipful
Company of Pewterers). Für den Sammler nur
englifchen Zinns hat es einen Wert, daß diefe
kompilatorifche Arbeit etwa hundert Zinnar-
beiten abbildet und befchreibt, von denen nur
wenige aus dem Charakter alltäglicherer Ge-
brauchsware herausfallen. R. Graul.

PaulEudel, Fälfcherkünfte. Nach derauto-
rifierten Bearbeitung von Bruno Bücher, neu
herausgegeben und ergänzt von Arthur Röß-
ler. Leipzig 1909. Fr. Wilh. Grunow. Geheftet
5 M., gebunden 6 M.

Das alte, amüfant gefchriebene Buch von P.
Eudel wird hier in neuer, gefchickter Bearbeitung
und fehr anfprechendem Gewände dargeboten.
Eudels „Fälfcherkünfte“ find nicht eines jener
Werke, die aus anderen Büdier zufammenge-
ftellt und mit verftaubter Weisheit gefüllt find.
Verfaffer und Herausgeber haben fich bemüht,
ihr Material lediglich aus dem unerfchöpflichen
Quell der Praxis zu gewinnen; Eudel neigte all-
zufehr zum Novelliftifchen und Weitfdiweifigen;
Bücher und nunmehr Rößler haben deshalb (und
mit Glück) gekürzt, dafür zahlreiche neue Züge
und Triks mitberücksichtigt, endlich die Anord-
nung gefchickter, fyftematifcher geftaltet. Das
Material des Buches ift überaus umfaffend; es
berückfichtigt fo ziemlich alle Gebiete des
Sammlertums, von der „hohen Kunft“ an bis
zu „Wehr und Waffen“, „Mufikinftrumenten“ ufw.

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