Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SAMMLUNGEN ° AUSSTELLUNGEN

Die Arbeit der Umhängung felbft hat den gan-
zen Sommer diefes Jahres in Anfpruch genom-
men; außerdem find an den alten Bildern weit-
greifende Reftaurationen vorgenommen worden,
wodurch verfchiedene Stücke wieder außer-
ordentlich frifch wirken. Manchmal ift aber auch
des Guten zu viel gefchehen.

MÜNCHEN In der KGL. GRAPHISCHEN
SAMMLUNG ift zurzeit als 7. Serie der Gefamt-
folge nahezu dasganzeKupferftichwerkÄlbrecht
Dürers in dironologifcher Anordnung ausge-
ftellt. Bei Auswahl der Holzfchnitte wurde be-
fonders auf die Qualität der Abdrücke Gewicht
gelegt.

OLDENBURG Der Berliner Rentier Roe-
ficke hat, Zeitungsnachrichten zufolge, dem
Großherzog von Oldenburg feine moderne Ge-
mäldefammlung vermacht. Der Großherzog hat
die Sammlung der Staatlichen Galerie ange-
boten, wenn der Staat die Erbfchaftsfteuer und
die Transportkoften übernehme. Die Ausgabe
beträgt etwa 6000 M. Der oldenburgifche Land-
tag erklärte fich mit dem Angebot einverftanden.

ROTTERDAM Das MUSEUM BOIJMANS
verlor durdi den Brand von 1864 auch eine
reichhaltige Sammlung keramifcher Arbeiten. Um
diefe wieder neu zu begründen, dazu hatte man
bis vor kurzem keine Gelegenheit. Jeßt jedoch ift
der erfte Schritt hierzu getan; denn das Mufeum
erhielt vor einiger Zeit von einem Rotterdamer
Bürger eine prächtige Sammlung von Glas, Por-
zellan und Keramik zum Gefchenk, die nunmehr
in den oberen Räumen ausgeftellt ift. Im oberen
Veftibül haben vier große, an die Wand ge-
flehte Glasfchränke die Keramik und das Por-
zellan, hauptfächlich chinefifches, aufgenommen;
zwei von ihnen ausfchießlidi blaues Porzellan.
Die Gläfer, die größtenteils aus dem 18. Jahr-
hundert ftammen, kommen in zwei Vitrinen fehr
gut zur Geltung, von denen die eine im eben
erwähnten Saal fteht, die andere im Rembrandt-
faal. Einige prachtvolle Werke aus cristal de
röche haben abgefondert von den anderen in
einem Eckfchrank des früheren Direktorzimmers
einen Plaß für pch gefunden. Dem felben Geber
verdankt „Boijmans“ noch ein großes Stilleben
von Pieter de Ring, das er dem Mufeum kürz-
lich fchenkte. K. E.

WEIMAR Im KUPFERSTICH-KABINETT
DES GROSSHERZOGL. MUSEUMS (im Parterre
des Haufes am Karlsplaß) find Neuerwerbungen
ausgeftellt. Vertreten find Slevogt, K. Kollwiß,
Baum, Boehle, Schmoll von Eifenwerth, Klemm,

Olde, Gailhof, E. A. Schmidt, Johanna Meßner, Curt
Schäfer u. a. Befonderes Intereffe beanfpruchen
Zeichnungen und Paftelle von L. v. Hofmann
und F. Hodlers Entwurf und Einzelftudie zu dem
„Auszug der Studenten zum Freiheitskampf von
1813“ in Jena. W. H.

ZÜRICH Das KUNSTHAUS hat in den leßten
Monaten einen anfehnlichen Zuwachs an Bildern
und Plaftiken erhalten. Aus der Sammlung La
Roche-Ringwald wurde ein guter, tgpifcher Albert
Anker erworben, aus der Nationalen Kunft-
ausftellung ein Paftell Hermann Gattikers
„Pinien bei Fiafcherino“. Gefchenkt wurde ein
Bauernbild Vautiers. Fernere Schenkungen
find eine lavierte Zeichnung Andrea del Sartos,
die Darftellung des Abendmahles, Äusfchnitt aus
dem großen Fresko in S. Salvi zu Florenz und
eine lavierte Zeichnung, die Caravaggio zuge-
fchrieben wird. Als Leihgabe hat Carl Burck-
hardts polychrome Venus in einem der feftlich
wirkenden Bilderfäle Aufteilung gefunden. Eine
Bronzebüfte Adolf Hildebrands „Weibliches
Bildnis“ ift als schäßenswerte Schenkung zu
verzeichnen. — Der Befuch des im Frühling er-
öffneten Kunfthaufes ift andauernd fo gut, daß
der Katalog bereits in dritter Auflage erfcheinen
konnte. Er ift um acht Abbildungen bereichert
und enthält deren jeßt vierundzwanzig. J. C.

AUSSTELLUNGEN

XXI. AUSSTELLUNG DER BER-
LINER SEZESSION „ZEICHNENDE
KÜNSTE“. Der „Schwedifchen Sezefßion“
ift diefe Ausftellung der Zeichnenden Künfte
fchnell gefolgt; damit ift dem reichen winter-
lichen Äusftellungsleben Berlins ein fefter, be-
deutender Mittelpunkt gegeben.

Wie üblich find Werke einiger hervorragender
deutfcher und ausländifcher Künftler zu einer
kleinen, hiftorifchen Abteilung vereinigt. Mit ver-
fchiedenen monumentalen Zeichnungen Rethels
die das Aachener Mufeum darlieh, kommt gewiß
einer unferer ftärkften Zeichner zu Wort. Die
Studien zur „Taufe Wittekinds“, vor allem ein
herrlicher Fahnenträger find klaffifche Leitungen.
Sie vertreten würdig die ältere deutfche Kunft
gegenüber einer mit größtem Gefchmack zu-
fammengeftellten Schar von Ausländern er-
lefenfter Qualität. Über dreißig Goyazeichnungen
bilden das Zentrum, fie entftammen der berühmten
Sammlung Beruetes und find jeßt im Bepß des
Berliner Sammlers Gerftenberg. Die Kunft von
Conftantin Guys hat man feiten an fo aus-
gezeichneten Beifpielen wie hier würdigen können.

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