Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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ENTDECKUNGEN UND FUNDE o PERSONALIEN

deckt worden, das die Verkündigung darftellt
und Spinello Äretino zugefchrieben wird.

W. B.

MÄILÄND Über die Fresken Luinis und
feiner Werkftätte aus der Villa della Pelucca
bei Monza und die neun Fragmente von mytho-
logifchen Fresken Luinis, die das Kaifer Friedrich-
Mufeum bewahrt, veröffentlicht der Architekt Luca
Beltrami foeben im Marzocco (Florenz) inter-
effante Feftftellungen: Der mit derÄblöfung der
Fresken beauftragte Maler Stefano Barezzi hat
1821—1822 von dem Freskenfchmuck der Villa
25 gut erhaltene Fragmente abgeliefert, wäh-
rend er über die befchädigten Stücke nach
eigenem Ermeffen verfügte. So erklärt es fich,
daß heute die Galerien des Louvre, der National
Gallery, die Sammlungen Kann in Paris und
Conde in Chantilly und andere Fragmente aus
der Villa della Pelucca befipen. Dagegen ftam-
men nach Beltrami die Fragmente des Kaifer
Friedrich-Mufeums nicht, wie der Katalog an-
gibt, aus der genannten Villa, fondern aus der
Cafa Rabia in Mailand. Tatsächlich erwähnt
Vafari in dem Haufe des Gianfrancesco Rabia,
und zwar an der Faffade, in den Loggien und
einigen Zimmern Fresken des „Bernardino del
Lupino“. Deutlicher fpricht fich Torre in feinem
„Ritratto di Milano“ aus, indem er gewiffer
Ovidifcher Szenen und heiliger Gefchichten ge-
denkt, die Luini in der Cafa Rabia gemalt habe.
In ähnlicher Weife äußert fich Latuada. Eine
Erwähnung der Fresken ßndet fich ferner in
Cartas „Nouvelle Description de la Ville de
Milan“ auf Seite 221, wo diefelben bei derBe-
fchreibung des Oratoriums und des Hofpizes
der Malthefer, die Teile des Haufes Rabia er-
worben hatte, als ftark befchädigt genannt wer-
den. Zum lepten Male wird in Mailand im
dritten Heft der „Galleria inedita“ ihrer gedacht,
wobei die Gefchichte der Europa befonders her-
vorgehoben wird. Aus den allerdings nicht fehr
zuverläffigen Linienftichen, die der Publikation
beigefügt find, fcheint hervorzugehen, daß die
Fresken fpäter verftümmelt wurden. Des Wei-
teren ergibt fich nach Beltrami daraus, daß acht
der Berliner Fragmente fechs dem genannten
Werk beigefügten Linienftichen entfprechen, fo
daß über ihre Provenienz aus dem Haufe Rabia
kein Zweifel befteht. Ungewiß bleibt jedoch
der Urfprung eines einzigen Berliner Fragmentes,
das nicht, wie die übrigen, auf Leinwand über-
tragen ift. W.B.

MONOPOLI (Bari) Während der Wie-
derherftellungsarbeiten in der Kirche S. Maria
Ämalfitana ift unter einer Kalkfchicht ein Re-

naiffancetabernakel mit dem Datum 1492 zum
Vorfchein gekommen. Ferner hat man unter
der Kirche eine weiträumige Krypta mit Fresko-
malereien an den Gewölben entdeckt. W. B.

NIEDER-INGELHEIM Über die Aus-
grabungen in der Pf alz Karls desGroßen
in Nieder-Ingelheim, die auf Veranlaffung
des Deutfchen Vereins für Kunftwiffenfchaft im
Vorjahre begonnen wurden und unter Leitung
von Prof. Clemen ftehen, teilt die F. Z. die erften
Refultate mit. Danach hat man im lepten Früh-
jahre die Arbeiten mit Energie aufgenommen
und einen bisher völlig unbekannten Palaftbezirk
in der Nähe des fogenannten romanifchen Kel-
terhaufes aufgedeckt. Bemerkenswert ift, daß
gerade an diefer Stelle die fonft fehr fpärlich
vertretenen Zierglieder fich in großer Zahl vor-
fanden. Die direkte Leitung der Ausgrabungen
hat der Gießener Privatdozent Dr. C. Rauch.

* Ämerikanifche Gelehrte haben, wie die F. Z.
fchreibt, kürzlich damit begonnen, an einer der
berühmteren und intereffanteften Stätten alt-
griechifcher Kultur zum erftenmal gründliche
Ausgrabungen zu verfuchen und zwar an dem
Plap, wo Sardes, die frühere Hauptftadt von
Lydien in Kleinafien geftanden hat. Prof. But-
ler, der Leiter diefer Ausgrabungen, hat bereits
das erfte Ergebnis an die Princeton-Univerfität
berichtet und mitgeteilt, daß es ihm gelungen
ift, einen Teil der Pßafterung des alten Sardes
und das Fundament eines großen Tempels aus
dem 4. Jahrhundert v. Chr. bloszulegen. In der
fchon von Herodot erwähnten Gräberftadt find
außerdem zahlreiche wichtige Entdeckungen,
namentlich von Bildwerken und außerordentlich
fchönem Goldfchmuck gemacht worden.

EPRSONÄLIEN

BERLIN Auf der Brüffeler Weltausftel-
lung wurden folgende Berliner Künftler
ausgezeichnet: mit dem Großen Preis der
Keramiker Emil Pottner, bekannt durch feine
hübfchen, farbigen Tierplaftiken, mit dem Ehren-
preis der Bildhauer Nicolaus Friedrich und
mit der goldenen Medaille die Maler Orlik,
Walfer und Weiß, die Bildhauer Barlach,
Petrich und Wackerle. — Im allgemeinen
kann man von diefer Preisverteilung wohl fagen,
daß man mit ihr, wie das nicht oft vorkommt,
die rechten Männer getroffen hat. Svs.

An Stelle der verftorbenen Mitglieder, der
Profefforen Friedrich und Skarbina, wurden zu

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