Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER KUNSTMÄRKT —von den Auktionen

Bevorftehende Auktionen

BERLIN Die Sammlung Franz Kugler,
welche bei Amsler & Ruthardt am 14. und 15. No-
vember unter den Hammer kommt, gehört zu den-
jenigen Kollektionen, die von jeher einen be-
deutenden Ruf genoffen haben; denn die Blätter,
die hier von einigen Künftlern des 19. Jahrhun-
derts dargeboten werden, gehören zum Teil zu
den großen Seltenheiten, die auf diefem Gebiete
zum Äusruf gelangen können. Im Mittelpunkte
der Verweigerung fteht das reichhaltige Werk
Adolph von Menzels mit zahlreichen erften
Sonderdrucken und handfchriftlichen Widmungen
des Künftlers, das in folcher Reichhaltigkeit nicht
oft auf den Markt kommen dürfte. Kugler, felbft
ein hervorragender Radierer und Künftler, war
der Freund Menzels. Neben Menzel verdienen
die Arbeiten von Gottfried Schadow und Adolph
Schrödter befondere Beachtung, da fie zu den
feltenen Objekten des graphifchen Marktes ge-
hören. Ein fehr reizvolles Hauptftück befißt die
Sammlung in einem Album von E. T. A. Hoff-
man n, das 73 Blatt enthält: Skizzenblätter mit
[atyrifchen Darftellungen, meift aus dem Theater-
ieben, Entwürfe für Bühnendekorationen u. a. m.
Auch find hier 4 Bildniffe des Dichters nach dem
Leben von Buchhorn, Menzel ufw. vertreten.
Prof. Kugler hat diefes Album felbft zufammen-
geftellt und mit zahlreichen handfchriftlichen No-
tizen verfehen. Es umfaßt außerdem pracht-
volle Originalzeichnungen von E. T. Ä. Hoff-
mann, die den berühmten Phantaften von einer

Aus Friedrich Äuguft von Kaulbach, „Wahrheit
u. Dichtung. Gedankenfpäne einesHolzfchneiders“.
Nr. 103 der Sammlung FranzKugler. Verweigerung bei
flmsler & Ruthardt am 14. und 13. November.

neuen Seite zeigen und eine Anzahl humor-
voller Karrikaturen, die das zeitgenöffifdhe litera-
rifche Leben Deutfchlands einzigartig illuftrieren.
Man darf gerade der Verfteigerung diefes Ob-
jektes mit befonderer Erwartung entgegenfehen.
Auch eine fehr feltene Originallithographie mit
dem Bildnis Goethes muß noch hervorgehoben
werden (Nr. 85), während wir im übrigen auf
den Katalog felbft verweifen müffen, der 438
Nummern aufzählt.

BERLIN Ein wichtiges Ereignis auf dem
Kunftmarkt wird die Verfteigerung der berühm-
ten Sammlung L. LaRoche-Ringwald, Bafel,
fein, die am 29. November durch die Kunfthand-
lung von Eduard Schulte in Berlin und den
Frankfurter Kunftfalon M. Goldfchmidt & Co,
in der Galerie Eduard Schulte unter den
Hammer kommt. Diefe Sammlung, die ihren
Schwerpunkt in vielen koftbaren Bildern von
Böcklin, Thoma, Leibi, Zügel, Uhde ufw. hat,
dürfte der größte Befiij deutfcher Meifterwerke
des 19. Jahrhunderts in einer Hand fein. Wenig-
ftens ift bis jefjt eine Kollektion deutfcher Bil-
der von diefem Umfange und folcher Qualität
noch niemals vor die Öffentlichkeit und auf den
Markt gelangt. Die Sammlung wird vom 3. bis
zum 10. November inkl. im Frankfurter Kunft-
falon M. Goldfchmidt & Co., Frankfurt a. M.,
Kaiferftraße 1, zur Vorbefichtigung ausgeftellt,
ferner in Berlin in der Galerie Eduard Schulte
vom 25.-28. November.

Rudolph Lepke veranftaltet am 17. No-
vember eine Verfteigerung von Gemälden alter
Meifter des 15.—18. Jahrhunderts aus dem Nach-
laß von Andreas Achenbach und aus ande-
rem Privatbefilj. Ein reich mit Illuftrationen
ausgeftatteter Katalog verzeichnet insgefamt
199 Nummern, darunter Stücke von hervor-
ragendem Intereffe aus allen Schulen älterer
Kunft. So nennen wir als Vertreter des 18. Jahr-
hunderts Liotard mit zwei bedeutenden Por-
träts, denen fich ein Werk der Vigee-Lebrun
anfchließt. Kunftgefchichtlich intereffant find die
Nummern 150, die Grablegung eines nieder-
ländifchen Meifters, ein Jan Goffaert (Nr. 120),
eine Madonna, die an den Meifter vom Tode
der Maria erinnert (Nr. 169) und ein unter
Nr. 171 aufgeführter Lucas Cranach. Von Pieter
Brueghel fieht man ein figurenreiches Biid „Der
Kindermord“, von Jacob Jordaens einen „Satyr
bei den Bauern“ u. a. m. Sehr gut find auch
die Holländer vertreten, unter denen wir ein

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