Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

LONDON Den vielen Ausheilungen orien-
tali [eher Kunftwerke hat [ich je|t noch eine
weitere zugefeilt: die BÄ1LL1E GALLERY in
Bruton Street zeigt eine wertvolle und inter-
effante Sammlung chinefifcher Malereien,
darunter ein dem Li Kung-lin zugefchriebenes
buddhiftifches Werk „Washing the White Ele-
phant“ aus der Sungperiode von ftrenger Schön-
heit. Ändere Stücke von befonderer Bedeutung
find: „Two Chinese Ponies“, dem Yüan (13. bis
14. Jahrhundert) zugefchrieben, „Two Horses
and a Rider“ aus der Mingperiode und Land-
fchaften von Kao K'o Kung (Sungperiode), Wa
Wei (Mingperiode) u. a., [owie Blumenftücke,
darunter das fchöne N. 21 „Pheasants and Flo-
wers“. Auch in diefer Äusftellung überwiegen
die Landfchaften. F.

MÜNCHEN Die Internationale Kunft-
ausftellung der Sezeffion, ihre dritte Ver-
anftaltung im Jahre, zeigt ganz ein ähnliches
Geficht, wie man es von den Revuen diefer Kor-
poration feit einer Reihe von Jahren zu fehen
gewöhnt ift. Diefe annähernde Gleichmäßigkeit
des Äusfehens mag nicht jedem als der Se-
zeffion gemäß erfcheinen und hie und dp ift
auch fchon der Wunfch laut geworden nach
einem etwas frifcheren Draufgängertum. Ob
ihm aber allzugroße Berechtigung zukommt,
mag bezweifelt werden. Wer das Modernfte
in- und außerhalb des Landes beobachtet hat,
fo kann dem, infofern er nicht zu jenen zählt,
die das Neue wollen um jeden Preis, nicht
entgangen fein, daß Solidität des Könnens
ficherlich nicht zu den befonderen Merkmalen
davon zählt. Das wenige Pofitive daran paart
[ich meift mit einem fchauererregenden hand-
werklichen Dilettantismus, den zu fördern nur
wenig Veranlaffung befteht. Und den fchein-
bar konfervativen Geift unferer Sezeffion kann
man fo nicht unbedingt verwerfen, vorausgefeßt
natürlich, daß er nicht zu Äbfchluß und Stag-
nation führt, fondern einem gefunden Ängliede-
rungsprozeß guter neuer Ideen an das er-
reichte folide Können dienlich ift. Eine ftärkende
Evolution fcheint heute nüßlicher als alles re-
volutionäre Getue. Wie wenig Wertvolles bei
letzterem herauskommt, zeigt der Gang der Ber-
liner Sezeffion in den leßten Jahren. Von den
älteren bekannten Mitgliedern der Sezeffion find
auf der gegenwärtigen Äusftellung mit fchönen
Leiftungen vertreten Fr. v. S t u ck (Perfeus
und Andromeda), Ä. Hengeler (eine ftim-
mungsvolle Heilige Nacht, in Tempera aus-

geführt) und C. T. Meyer-Bafel mit einer
delikaten Landfchaft, Ähorngruppen. Von den
Jüngeren tun fich befonders J. Segler, Fr.
Osswald, J. P. Junghanns, W. Georgi
und E. Oppler hervor; ihnen fchließen fich
die Ausländer N. F e ch i n und V. de Zu-
bia u r r e an. An Plaftiken fallen vor allem
auf Werke von: H. Hahn, Ch. Jaeckle, Fr.
Lommel und H. Siegwart; die beften gra-
phifdien Arbeiten zeigen 0. Graf und E. Or-
lik vor.

Sonft find als Äusfteller ftärkerer Schöp-
fungen noch zu nennen: J. Damberger, Ä. Fricke,
K. Haider, Ä. von Keller, E. Kirchner, W. Leh-
mann, R.Pießfch, C.Reifer, E.Scharff, R.Schramm-
Zittau, E. Spiro, F. v. Uhde, E. Werenskiold,
K. Albiker, E. Geiger, T. Haim, J. Hofmann,
U. Janffen, H. Schwegerle, M. Gooffens. ^ ^ ^

PELLIO D’INTELVI Zur Erinnerung an
Ercole Ferrata ift am 7. Äuguft in Pellio Infe-
riore eine hiftorifche Äusftellung eröffnet worden,
die bis Ende September dauern wird. Aus dem
Intelvital find feit dem 15. Jahrhundert viele
Künftler, insbefondere tüchtige Stuccatoren her-
vorgegangen. Die künftlerifchen Erzeugniffe
diefer Meifter, die weit zerftreut und wenig be-
kannt find, im Bilde zu fammeln, war ein Pro-
grammpunkt der Äusftellung. Außerdem find
die Monumente des Intelvitals in guten photo-
graphifchen Reproduktionen hier zu fehen.
Diefe Abteilung ift für den Kunfthiftoriker weit-
aus die wertvollfte; in den übrigen Sälen find
ein paar Madonnen des 15. bis 18. Jahrhunderts
aus Marmor und Holz, einige Skulpturenfrag-
mente, liturgifche Geräte, Paramente, Spitjen,
viele Ölgemälde dritten und vierten Ranges und
einige Originalentwürfe von einheimifchen Archi-
tekten, darunter Pläne für den gotifehen Aus-
bau der Mailänder Domfaffade, zu fehen. Im
leiten Saal find moderne Landfdiaftsbilder in
Öl und Pafteli ausgeftellt. E. A. S.

STUTTGART „Alt-Stuttgart“ heißt eine
Äusftellung, die vom KÖNIGL.'KUPFERSTICH-
KABINETT in Stuttgart veranftaltet ift und die
Entwicklung Stuttgarts zur Hauptftadt veran-
fchaulichen foll. Ein von Dr. Willrich verfaßter
illuftrierter Führer erläutert die Äusftellung und
gibt u. a. die Anregung zur Äusfchreibung eines
Wettbewerbes mit dem Thema „Groß-Stutt-
gart“.

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