Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

aus Bargau.- Neu aufgeftellt und nach Meiftern
geordnet wurde das Ludwigsburger Porzellan.

B—m.

ZÜRICH Der neue Katalog des Zürcher Kunft-
haufes ift fchon in zweiter, verbefferter .und ver-
mehrter Auflage erfchienen. J.C.

AUSSTELLUNGEN

AUSSTELLUNG JAPANISCHER
KUNSTWERKE IM BUDAPESTER
MUSEUM Wir hatten bereits Gelegenheit
(Cicerone Jahrg. I, Nr. 2) von der reichen Sammlung
japanifcher Kunftwerke zu berichten, die Graf
Peter Vag von Vaja für das Mufeum für
bildende Kunft in ftaatlichem Aufträge erwarb.
Diefe Kollektion gelangt teilweife zur Äusftellung.
Die erfte Gruppe wollte über den Charakter der
ganzen Sammlung orientieren. Das Ziel der
zweiten ift die Hauptrichtungen der japanifchen
Malerei und hauptfächlich der Holzfchnittkunft
vom 17. Jahrhundert an bis auf Utamaro und feine
unmittelbaren Schüler zu veranfchaulichen. Uta-
maros jüngere Zeitgenoffen, infofern fie dem
Meifter nicht befonders nahe ftanden, wurden in
die Rahmen der Äusftellung nicht aufgenommen.

Tanyu und Naonobu vertreten mit geiftreich
auffkizzierten Tufchzeichnungen die Kanofchule
des XVII. Jahrhunderts. Bemerkenswert von
Tangu ein Ochfentreiber und eine Bambusftudie,
von Naonobu ein Reiher im Waffer ftehend.
Die |'e äußerft fein hingehauchten Waffermalereien
(teilen an die rege Einbildungskraft gefchulter
Äugen große Anforderungen. Sie wollen nichts
als den Geift der Natur andeuten und zeugen
von dem faft völligen Verzicht auf dekorative
Äbfichten.

Die neuchinefifche Schule der 18.—19. Jahr-
hunderte weift keine fchöpferifche Kunftftrömung
auf. Sie trägt vielmehr die Merkmale eines
poetifchen Dilettantismus. Zwei Berglandfchaften
— die eine von Yofa Bufon, die andere von
Tani Buncho — zeigen befonders das für die
„füdliche Schule“ charakteriftifche vornehme Spiel
mit traditionellen romantifchen Formen. Zur
Belebung diefer mit flüffigem Pinfel aufgetragenen
Skizzen wurden nur leichte blaue, grüne und rote
Töne angewendet. Die fehr flott hingeworfene
Tufchzeichnung von Buncho, die einen ftruppigen
Felfenabhang andeutet, ift wieder ein Bravour-
ftück in der Art der Kano-Meifter. Ein gediegenes
Produkt der Buncho-Sdiule ift das ernft aufge-
faßte und durchgeführte Bild eines Tigers von
Bunko.

Man kann es nicht behaupten, daß die hiftorifch
geheiligten Formen ihre anregende Wirkung in
den lebten Jahrhunderten verloren hätten. Ihre
Bedeutung war aber — für die Kunft — nicht
mehr die alte. Die Zukunft gehörte der demo-
kratifcheren Ukiyoye-Schule. Die Vertreter diefer
Kunftrichtung gingen energifcher auf ihr Ziel los.
Sie bedienten fich einer kernigeren und fchärferen
linearen Äusdrucksweife.

Die japanifche Holzfchnittkunft hat die allge-
meine Anerkennung bereits erworben, was fie
hauptfächlich dem Umftande verdankt, daß ihre
Meifter die originellften Geifter unter den Künft-
lern der neueren japanifchen Malerei waren.
Die Formenfprache, die fie ausgebildet haben,
befißt eine äußerft anfteckende Kraft. Sie ift
ebenfo finnreich abgeleitet wie pregnant. Die
Bilder zweier Oirans, beide von Miyagawa
Choshun zeugen von dem anfprechenden nied-
lichen Charakter präziöfer Formen. Zwei Ka-
kemonos ragen noch aus der ausgeftellten
Ukiyoye-Gruppe hervor: ein Tierbild — Kaßen,
deren etwas antropomorphe Phyfiognomien und
breit aufgefaßte Körperformen an Korins Art
erinnern — von Torii Kiyonobu und die be-
fcheidene Stehfigur einer Frau von Kitagawa
Utamaro.

Die Abteilung der Holzfchnitte beginnt mit
einigen unkolorierten Illuftrationen zu „Ilfe Mono-
gatari“ und den Zwei-, bzw. Dreifarbendrucken
von Okumura Mafanobu, Nishimura Shigenaga,
Torii Kiyonobu II Shiro, Torii Kiyohiro, Iskikawa
Shuha Toyonobu und Torii Kiyomitfu III. Leß-
terer ift unter ihnen am vorteilhafteften vertreten
mit der monumental aufgefaßten und glücklich
komponierten Figur einer Frau (Nagaye) und dem
Zweikampfe des Kumagane Naozame und Taira
no Ätsumori in der Schlacht bei Ichinotani. Sehr
bemerkenswert ift noch ein fchönes handkolo-
riertes Blatt von Okumura Toshinobu (Hosoge,
Urushiye) mit der Darftellung eines Liebes-
paares.

Suzuki Harunobu ift in der gegenwärtigen
Äusftellung mit zwei verfchiedenartigen Holz-
fchnittdarftellungen vertreten. Man fieht auf
der einen zwei Damen die beim „Go“~Spiele
fißen. Die Figuren find nach den ftrengften
Gefeßen zufammenkomponiert und mit weifer
Berechnung einander gegenübergeftellt. Sie
bilden ein gefchloffenes Ganzes, mit monumen-
talen Formen und großzügigen Umriffen. Die
Kolorierung des ungewöhnlich großen Blattes
weift auch nur einige feine Töne auf. Sie dient
mehr zur Illuminierung als zur Hervorbringung
einer die ganze Darftellung beherrfchenden Far-
benftimmung. Das Werk ift eine der fchlichteften
Kunftleiftungen. Das andere Werk des Harunobu

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