Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER VERKANNTE SNYDERS

niken, heimifcher Formenwelt. Die Weltbürger
der Kunft, die oft lange im Ausland lebten und
wuchfen, bleiben im eigenen Lande dem natio-
nalen Charakter treu, den fie hochhalten und

dem fie zum Ruhme verhelfen. Kunftfreunde
und Kunftförderer unterftüßen fie in diefem Be-
ftreben, dem der zielbewußte und energifche
Volkscharakter entgegenkommt.

DER VERKANNTE SNYDERS Von JAMES VON SCHMIDT

Mit 2 Abbildungen auf 1 Tafel

Im vierten Hefte des vorigen Jahrganges des
„Cicerone“ hat Herrn. Uhde-Bernays den Nach-
weis verfucht, daß ein unter Salvatore Rofas
Namen gehendes Bild der Äccademia di S. Luca
zu Rom Theodore Gericault gehöre. Fünf Stu-
dien nach Kaßenköpfen find auf dem Bilde zu
fehen — als Beweisftück wurde eine Zeichnung
Gericaults mit Tierftudien u. a. Kaßenköpfen
aus der Louvrefammlung reproduziert. Huf mich
wirkte die Konfrontation nicht überzeugend,
kannte ich doch eine fchlagende Parallele zu
dem römifchen Bilde: Nr. 1323 der Gemälde-
galerie der Ermitage, vier Studien nach einer
Kaße, 42x32 cm. 1850 auf neue Leinwand
übertragen, bezeichnet: F. Snyders 1609 (Ka-
talog von 1891, S. 394, mit Facf. d. Signatur),
erworben von Katharina II. vor 1774.

Ich erlaube mir diefes noch unveröffentlichte
Bild hier zu reproduzieren. Die Aufnahme ift
nicht gerade glänzend gelungen, da die Farben
zum Teil nachgedunkelt find, der Firnis getrübt
ift. DieÄnalyfe von Vortrag und Farbengebung
des römifchen Bildes, die Uhde-Bernays mit
rühmenswerter Genauigkeit gegeben hat, über-
hebt mich einer ausführlichen Befprechung des
Ermitageftückes, da fie fich auf diefes Punkt für
Punkt übertragen läßt; ich möchte nur hervor-
heben, daß auch das Bild der Ermitage „in den
Mundhöhlen und an den Zungen das roftige
mit einem ganz leichten Unterton Gelb ange-
feßte Rot“ aufweift, das Uhde-Bernays für cha-
rakteriftifch für Gericaults Palette hält. Zum
Schluß fei daran erinnert, daß Snyders 1609 in
Rom weilte.

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