Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DENKMALPFLEGE UND STÄDTEBAU ° ENTDECKUNGEN

fenkt, fo daß die Fundamente verstärkt und die
gefährdeten Teile eingerüftet werden mußten.

PRÄTO Die Faffade des Palazzo Datini, jeßt
Pia Cafa dei Ceppi, foll demnächft auf Grund
von Plänen des Ufficio Regionale reftauriert
werden. Unweit der Stadt, in der fogenannten
Cappellania di Capezzana bei Galciano hat
man vor einem Jahre angefangen, Fresken auf-
zudecken, die aus dem Ende des Trecento ftam-
men und vielleicht von der Werkftätte der Ge-
rini ausgeführt find. Die bisher freigelegten
Darftellungen find drei Rpoftelfiguren. Das Ufficio
Regionale wird auch die übrigen Fresken von
der Tünche befreien und die Kirche ftilgerecht
wieder herftellen laffen.

SCHWEIZ Mitte Äpril ift der Jahresbericht
für 1908 der Schweizerifchen Gefellfchaft für Er-
haltung hiftorifcher Kunftdenkmäler erfchienen.
Der Bericht äußert fich eingehend über Reftau-
rationen und über Ausgrabungen im Jahre 1908,
die Arbeiten des Jahres 1909 werden kurz an-
geführt. Die fchweizerifche Bundesfammlung
bewilligte der Gefellfchaft pro 1908: 90 464 Fr.;
pro 1909 : 92 025 Fr. für Reftaurationen, Aus-
grabungen und archäologifche Untersuchungen.
Der Bericht enthält auch ein Mitgliederverzeich-
nis, bereinigt auf Ende Dezember 1909, und einen
Katalog der Aufnahmen von Nr. 6211—8940.
Dazu das Verzeichnis von über 1200 Platten.
Ein alphabetifches Verzeichnis des gefamten, im
Landesmufeum in Zürich aufbewahrten, Äuf-
nahmebeftandes Schließt das Stattliche Heft. J. C.

VERSAILLES Es ift bekannt, daß Lud-
wig XIV., als er den Park von Verfailles fchuf,
den Plan hatte und ausführte, in diefem Garten
eine Menagerie mit exotifchen Tieren zu er-
bauen. Diefer erfte zoologifche Garten wurde
unter Ludwig XV. und Ludwig XVI. fchlecht
gehalten und endlich auf Wunfch der Bürger
wieder aufgelöft, die wollten, daß die Tiere, die
Gott frei gefchaffen hat, ihre Freiheit genießen
könnten. Guftave Loifel beabsichtigt jeßt, diefen
zoologifchen Garten im vergrößerten Umfang
wieder neu zu errichten. Gegen diefe Idee wen-
den fich Andre Hailays und die Vereine zur Er-
haltung der franzöfifchen Kunftdenkmäler, weil
pe glauben, daß dadurch der Park von Verfailles
zerftört wird.

WIEN Nach neuen Zeitungsmeldungen foll
das alte Kriegsminifterium doch demoliert werden
und einem Bankpalais Plaß machen. Das Intereffe
der Wiener Kunftfreunde wird fich alfo darauf
befchränken müffen, die Errichtung einer wür-

digen Architektur zu propagieren, die an Stelle
des Verlorenen wenigftens etwas wirklich wert-
volles Neues feßt. V. F.

ENTDECKUNGEN

AMSTERDAM Im hiefigen Archiv wurde
von Dr. Ä. Bredius das von Ferdinand Bol
felber verfaßte Inventar feiner Gemälde entdeckt,
in dem auch mehrere bekannte Bilder Rem-
brandts als folche von Bol erwähnt werden.

Die glückliche Brediusfche Entdeckung ift ge-
eignet, die Phantasmen Lautvers, die fonder-
barerweife noch immer Beachtung finden, end-
gültig zu erledigen.

GERACE MARINA Prof. Orfi, der Direk-
tor desMufeums in Syrakus, hat unweit Gerace
Marina eine gewaltige Nekropolis entdeckt. Die
bisher gemachten Funde find in einem Raum des
Palazzo Municipale aufgeftellt worden und die
Stadtverwaltung hat dem Entdecker das Ehren-
bürgerrecht verliehen.

TOULOUSE Als kürzlich die place du ca-
pitole neu gepflaftert wurde, ftießen die Arbeiter
auf alte Mauerrefte, die auf Anordnung des
Magiftrates bloßgelegt wurden. Dem Journal
des Ärts wird mitgeteilt, daß die unter archäo-
logifcher Beihilfe vorgenommenen Ausgrabungen
Refte altrömifcher Tore bloßlegten, die in der
Gefchichtsfchreibung aus der Römerzeit unter dem
Namen Portoria und Porta arietis bekannt find.

INSTITUTE UND VEREINE

MÜNCHEN Der Bayerifche Verein der
Kunftfreunde (Mufeumsverein) veranftaltete
im Winterhalbjahr für feine Mitglieder vier ftark
befuchte Gefellfchaftsabende im Hotel Ruffifcher
Hof, denen der Ehrenpräfident des Vereins, Prinz
Rupprecht, beiwohnte. Die Neuerwerbungen
des Vereins und die Gefchenke wurden von den
Vorftänden der betreffenden Mufeen, denen die
Kunftwerke überwiefen werden, den Herren
v. Tfchudi, Wolters und Stegmann, in
längeren Ausführungen gewürdigt. Aus feiner
Sammlung zeigte Profeffor Pringsheim koft-
bare filberne Trinkgefäße. Gemälde und Skulp-
turen der Renaiffance wurden von den Herren
Antiquaren Jul. Böhler und Ä. S. Drey vor-
gelegt und befprochen, wertvolle Handfchriften
des hohen Mittelalters von dem erften Vorfißen-
den des Vereins, Freiherrn v. Cramer-Klett,
und Antiquar H. Rofenthal, der auch das Ori-
ginal eines intereffanten Dürerbriefes zeigte. Für
die Sommermonate ift ein Ausflug beabfichtigt.

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