Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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VERMISCHTES ° LITERATUR

BERLIN NEUBAU DER KAISER WILHELMS-
AKADEMIE. Die militärärztliche Bildungsanftalt,
die fog. „Pepiniere“ hat in der Invalidenftraße,
auf einem vom alten Invalidenparke abge-
trennten Grundftück, ein neues Heim bekommen.
Der große in konventionellen Barockformen ge-
haltene Bau ftammt von den Architekten Cremer
und Wolffenftein. An dem Skulpturenfchmuck
derFaffade fowie des Inneren find die Bildhauer
Leffing, Klein, Manthe, Katfch, Weftphal, Felder-
hoff, Manzel und andere beteiligt. — Das bisher
benußte alte fchöne Gebäude neben dem Bahn-
hof Friedrichftraße foll demnächft der Vergröße-
rung des Bahnhofes zum Opfer fallen, ein wei-
terer Verluft, den Berlins befcheidener Befiß an
guter Architektur erleidet. Svs.

BIS MÄR CKPLÄKÄT-KON KUR-

RENZ Nachträglich hat fich der mit dem erften
Preis ausgezeichnete Entwurf von Stroedel als
dürftiges Plagiat nach einer Bronzebüfte von
Meßner herausgeftellt, die im Jahrgang 1903
der Deutfchen Kunft und Dekoration abgebildet
worden war. Der Preis von 2000 M. ift daher
nicht zur Auszahlung gelangt. Aus den 42 beften
Blättern ift eine Wanderausftellung gebildet, die
zunächft nach Krefeld geht und von dort nach
Meldung beim Reiffmufeum in Aachen weiter-
gefandt wird. A. E. B.

MÜNCHEN Das bayerifche Kultusminifte-
rium hat feine Zuftimmung zu dem Abkommen
bezüglich des Bilderaustaufches zwifchen Mün-
chen und Nürnberg gegeben. Es wird alfo eine
Reihe wertvoller altdeutfcher Bilder, die Herr
v. Tfchudi zuerft dem Germanifchen Mufeum für
die Alte Pinakothek entziehen wollte, in Nürn-
berg bleiben, und für eine Reihe italienifcher
und anderer Bilder, die zur Vervollftändigung
der Münchener Sammlung verwendet werden
follen, wird neben verfchiedenen anderen Bil-
dern aus Staatsbefiß auch der fchöne Kopf Wol-
gemuts von Älbrecht Dürer aus der Alten Pina-
kothek in das Germanifche Mufeum kommen.

WIEN Zum zweiten Male hat jeßt eine Wiener
Bezirksvertretung die Aufteilung eines Kunft-
werks verweigert — aus Gründen der „Moral“.
Unlängft war es das Priesniß-Denkmal, jeßt ift
es die Figur eines nackten Reiters, das Werk
des verftorbenen Bildhauers Jofef Müllner, durch
das die Wiener Sittlichkeit bedroht wird. Ein
Kunftfreund hat nämlich das Modell des nackten
Reiters, das früher einmal in derSezeffion aus-
geftellt war, aus dem Nachlaß des Künftlers er-
worben, das Denkmal ausführeri laßen und der

Stadt Wien zum Gefchenk gemacht, damit es
im erften Bezirk aufgeftellt werde. Gegen die
kunftfremden Befchlüffe der Wiener Sittlichkeits-
wächter proteftiert jeßt die Sezeffion, deren Mit-
glied Müllner war, in einer fehr energifchen Re-
folution.

LITERÄTUß

Im Verlage von Karl W. Hierfemann,
Leipzig, erfcheint demnächft eine illuftrierte Zeit-
fchrift für Kunft, Kulturgefchichte und Völker-
kunde der Länder des Oftens unter dem Titel
„Orientalifches Archiv“, die der General-
fekretär der Münchener Orientalifchen Gefell-
jchaft, Dr. Hugo Grothe, herausgeben wird.
Das erfte Heft wird den Schäßen der Münchener
Ausftellung von Meifterwerken mohammedani-
fcher Kunft gewidmet fein. Im übrigen aber
foll das Archiv der Erforfchung des näheren und
ferneren Oftens, den Gebieten arabifcher, per-
fifcher und türkifcher Kultur, wie auch Indien,
China und Japan dienen. Die Grundlage wird
ftreng wißenfchaftlich fein.

Der Verein für Kunft und Kunftgewerbe
in Flensburg hat zum 50. Geburtstag des Ma-
lers der Halligen, Jacob Älberts, ein Pracht-
heft im Änfchluß an die bei gleicher Gelegen-
heit eröffnete große Ausftellung herausgegeben,
deffen Einleitung Dr. Sauermann verfaßt hat.
Die gefchmackvolle Publikation gibt illuftrativ
einen guten Überblick über das reiche Lebens-
werk des Meifters. Die zahlreichen farbigen
Blätter veranfchaulichen gut die koloriftifche Seite
feiner Kunft.

ÄUS FRANZÖSISCHEN ZEITSCHRIFTEN

Über die Büfte des Aftronomen Pingre von
Caffieri, die das Louvre kürzlich erwarb, fpricht
Paul Vitry ausführlich in Nr. 2 des Bulletin
des musees de France; in derfelben Nummer
Paul Leprieur über das weibliche Bildnis von
David (neuere Erwerbung des Louvre). Les
Marges veröffentlichen in Nr. 21 ein neu aufge-
fundenes Manufkript von Gauguin. Aldo Rava
charakterifiert in Nr. 62 von „L’art et les artistes“
den italienifchen Maler des 18. Jahrhunderts
Pietro Longhi und Marius-Ary Leblond den
neuen fpanifchen Architekten Gaudi, der im Salon
eine Sonderausftellung veranftaltet. Peladan
gibt in der revue bleue eine neue Deutung von
Leonardos Äfthetik. In derfelben Zeitfchrift ver-
öffentlicht der Bildhauer Bourdelle philofophifche
und technifche Kunftbetrachtungen. Eine Studie
über Albert Besnards dekorative Malereien ver-
öffentlicht das Maiheft von Art et Decoration.

O.G.
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