Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

Page: 314
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1910/0364
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
RUNDSCHÄU — SAMMLUNGEN

ÄÄCHEN Im STÄDTISCHEN SUERMONDT-
MUSEUM wurde die neugeordnete Skulpturen-
fammlung in den zu diefem Zwecke eigens her-
gerichteten unteren Räumen eröffnet. Die Samm-
lung enthält vornehmlich deutfche Holzfkulpturen,
unter denen befonders die niederrheinifchen und
weftfälifchen Schulen reich vertreten find. Zu-
gleich wurde die neugeordnete Sammlung rhei-
nifchen Steinzeuges und eine kürzlich erworbene,
im felben Raume aufgeftellte Sammlung von
Hafnerarbeiten dem Publikum zugänglich ge-
macht. R. N.

BERLIN Das KGL. KUPFERSTICHKÄB1NETT
eröffnet foeben eine Äusftellung des graphifchen
Oeuvre von MaxKlinger, deffen Arbeiten die
Sammlung in einer nur von Dresden erreichten
Vollftändigkeit befißt. Die ausgeftellten Blätter
umfaffen etwa die Zeit von 1878—1884.

Das KAISER FRIEDRICH-MUSEUM bereitet
eine Gefamtausftellung der Schenkungen einer
Anzahl europäischer und amerikanifcher Kunft-
händler an Wilhelm Bode vor. Die Stiftung
von der in der Floradebatte des Abgeordneten-
haufes bereits die Rede war, umfaßt mehr als
ein Dußend Gemälde und Skulpturen und wurde
dem Generaldirektor anläßlich der neuerlichen
Preßangriffe zugewiefen. Wir kommen auf diefe
hervorragende Erweiterung der Berliner Samm-
lungen noch ausführlich zurück.

BRÜSSEL Die Gefellfchaft der Mufeums-
freunde hat dem Mufeum eine „Verkündi-
gung“, die dem „Meifter von Flemalle“
zugefchrieben wird, zum Gefchenk gemacht;
das Bild hat 30 000 fs. gekoftet und kam aus
Paris.

BUDAPEST Nach den großen Erwerbungen
der leßten Jahre wiefen bereits alle Zeichen dar-
auf, daß in der Vermehrung der Sammlungen
des Mufeums der Bildenden Künfte der Eintritt
eines Stillftandes zu befürchten ift. Unter dem
Drucke der fchweren Verhältniffe ift die gegen-
wärtige Regierung tatfächlich außer Stande der
Galeriedirektion größere Summen zur Verfügung
zu ftellen. Es ift unter diefen Umftänden doppelt
erfreulich von der begeisterten Kunftliebe be-
richten zu können die Herrn Marcel Nemes dazu
bewogen hat, zehn Ölbilder aus feiner reichen
Sammlung der Galerie des Kunftmufeums zu
verehren. Herr Nemes fcheint befonders aus der
Ergänzung der Kollektion Gewiffensfrage zu
machen, die über die Kunftproduktion ungarifcher
Maler der Vergangenheit Auffchluß gibt. Unter

den diesmal gefchenkten Werken befinden fich
fieben Stücke, die von ungarifchen Künftlern her-
rühren. Über zwei Landfchaften von Jofef Orient
hatten wir fchon Gelegenheit im 15. Hefte des
erften Jahrganges des Cicerone zu fprechen. Sie
kamen seiner Zeit als Depofite in die Galerie.
Zwei Gemälde von Johann Kupeßky gingen jeßt
direkt als Gefchenke in Staatsbefiß über. Das be-
deutendere unter ihnen ift das Familienbild des
Künftlers. Diefes Werk entdeckte Herr Nemes
in einer kleinen franzöfifchen Sammlung, wo es
unter dem Namen Willem Drooft ging.

Prof. Dr. Alexander Ngäri, der befte Kenner
von Kupeßkys Tätigkeit, publizierte das Ölbild
in der Nummer 4, 1910 der ungarifchen Zeit-
fchrift „Vafärnapi Ujsäg“ und legte in feinem
Begleittext dar, daß die Entftehung des Gemäldes,
nach dem Älter des dargeftellten Kindes, um das
Jahr 1718 zu feßen ift.

Das Bild ift tadellos erhalten und zeugt, wie
es Nyäri auseinanderfeßt, von verfchiedenartigen
(holländifchen und deutfchen) Einßüffen. Den be-
deutenden Teil der Darftellung bilden die vor-
züglich modellierten entblößten Arme, Schultern
und Brüfte der Frau. Der Künstler ftellte dar-
auf fich und feine Frau fißend dar. Zwifchen
den lebensgroßen, bis über die Knie dargeftellten
Figuren fteht auch der Sohn des Malers, der
kleine Chriftoph Johann Friedrich.

Kupetzkys anderes Werk ift weniger innerlich
erfaßt und energifch durchgeführt. Es ift ein
lebensgroßes Knieftück; das Porträt des Barons
Daniel Huldenberg. Der Dargeftellte läßt fich
daran in ftählernem Harnifch, mit purpurnem,
pelzverbrämten, ungarifchen Galamantel angetan,
der Kopf mit Kalpak bedeckt sehen. Das Kolo-
rit ift weniger reif als auf dem erftgenannten
Bilde und die Zeichnung weift auch einige Härten
auf, allein aus dem Standpunkte einer ungarifchen
kunfthiftorifchen Sammlung ift die Schenkung
des Bildes höchft willkommen.

Ein kleines Stilleben von Jakob Bogdäny ent-
hält Äußern, Zitronen, eine gefottene Krabbe,
den diarakteriftifchen Schmetterling uff. Aus Dr.
Gabriel v. Tereys Vorlefung (gehalten im Kreife
der Kunftfreunde am 4. März d. J.) wißen wir,
das es in der erften Periode des Künftlers ent-
ftand. Es ift vielleicht fein früheftes Werk unter
den bisher bekannten. Weniger bedeutend ift
ein anderes Bild von Bogdäny, obwohl es aus
der reifen Zeit des Meifters ftammt. Es enthält
Enten, die im Wasser eines baumumfchatteten
Baches fdhwimmen, Turteltauben und andere
kleinere Vögel. Die ganze Darftellung ift von
einem gelben Lichte durchflutet, das aber zu
grell geraten ift.

314
loading ...