Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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FUNDE UND ENTDECKUNGEN ° VERMISCHTES

KRÄKÄU Ludwig Stafiak, der pch feit Jahren
mit Studien über Veit Stop’ Leben und Schaffen
befaßt, will wieder ein Werk von ihm in dem
Carolino-Äugufteum zu Salzburg entdeckt haben.
Es handelt fich um die Predella eines nicht mehr
exiftierenden Altars mit 15 gefchnißten Figuren,
in welcher Stafiak eine Paraphrafe der Predella
des Marienaltars in Krakau erblicken will und
deren Entftehung er um 1500—1503 fixiert.

P. E.

NEW-YORK Der Reftaurator Marcel J. Rou-
geron hat im Mufeum zu Vaffar College ein
Hauptbild von HubertRobert, Der Fifchmarkt
im Ghetto zu Rom, aufgefunden und erkannt.
Hubert Robert ift in Amerika fehr feiten ver-
treten.

POLÄ Anfangs März wurden auf marine-
ärarifchem Grunde in nächfter Nähe des Bahn-
hofes bei einer Erdbewegung zahlreiche Am-
phorenfdierben zutage gefördert. Die über
Intervention des Konfervators Gnirs hierauf
durchgeführte und von ihm geleitete Bloßlegung
der Fundftelle hatte ein bedeutfames Refultat:

An der Stelle, wo die von Fafana nach Pola
führende Straße in das Stadtgebiet Pola an der
Bucht S. Pietro einmündet, ließen fich die Fun-
damente, zum Teil auch Refte des Aufgehenden
eines antiken Haufes bloßlegen, das aus vier
an die Seiten eines regelmäßigen Hofviereckes
gelegten Bauflügeln befteht. Das Grundriß-
arrangement wird noch durch einen zentral im
Hofraum liegenden Bau ergänzt, der aus zwei
Kammern befteht, in die eine von der antiken
Straße kommende Wafferleitung aus Ton- und
Bleiröhren einmündet. Gegen Norden fcheint
der Hofraum durch eine Freiftüßenftellung in
ganzer Breite abgefchloffen gewefen zu fein, von
der Stylobatteile in situ und ein reich dekoriertes
Pfeilerkapitäl durch die Grabung gewonnen wer-
den konnten.

Der bedeutfamfte Fund befteht aber aus einem
wohlgeordneten Lager keramifcher Artefakte,
das im feitwärts gelegenen Flügel des Baues
aufgedeckt wurde. In zwei aufeinander liegen-
den Schichten find hier, mit der Mündung nach
abwärts gerichtet, große Ölamphoren deponiert,
die nach ihren Fabrikftempeln durchwegs Er-
zeugniffe aus derFiglina des C. Laekanius Baffus
in Fafana find, die vom Konfervator im Herbft
1909 aufgedeckt wurde. Neben diefer Marke
konnten bisher in zahlreichen Exemplaren die
Töpferftempel EVCHAR, FELIX SER (vgl. Pais,
suppl. 1077, 88b aus Äquileja), HERI konftatiert
werden. Diefe Niederlage in Pola an der von
Fafana her einmündenden Straße und das ge-

wonnene Markenmaterial geftatten bei Berück-
fichtigung des keramifchen Materials den ficheren
Schluß auf ein Warendepot, das fich die Figlina
von Fafana in Pola eingerichtet hatte. Neben
Amphoren enthielt dasfelbe auch große dolia.

ROM Die Ausgrabungen in Belmonte-Piceno,
von denen fchon im Winter die Rede war, dauern
noch immer unter der Leitung des Profeffors
dall’Offo fort und liefern ein reiches Material
zur Kulturgefchichte Picenums im 7. und 6. Jahr-
hundert v. Chr. Die gemachten Funde Jollen
zum Teil in Belmonte bleiben, zum Teil nach
Ancona ins dortige Mufeum kommen.

In der Deputiertenkammer ftellte der Unter-
ftaatsfekretär Tefo Ausgrabungen in Sybaris in
nahe Ausficht. L. P.

VERMISCHTES

*Spanifche und franzöfifche Zeitungen find voll
von Nachrichten über den Ankauf eines bedeu-
tenden Altarbildes von Hugo van der
Goes, dieÄnbetung der Könige darftellend, das
um den Preis von mehr als 800000 Mark aus
einer Jefuitenkirche in Monforte in der äußerften
Nordweftecke Spaniens für das Berliner Mu-
feum erworben, aber vom neuenUnterrichts-
minifter Burell angefochten fein foll. Wie wir
erfahren, unterhandelt die Galerie allerdings
fchon feit Monaten über den Ankauf des Bildes,
der aber noch nicht ganz perfekt zu fein fcheint.
Das Unterrichtsminifterium hatte dem Verkauf
zugeftimmt, aber der neue Minifter, der noch
fchärfere Saiten gegen den Vatikan und die
jefuiten aufzieht, will dies nicht anerkennen,
indem er fich — wie der Figaro mitteilt — auf
die Ausweifung der Jefuiten und die Einziehung
ihrer Güter im 18. Jahrhundert bezieht. Daß fie
feither wieder zurückgerufen und in alle ihre
Rechte und Güter wieder eingefeßt worden find,
will er nicht anerkennen und fucht deshalb die
nationale Eitelkeit der Spanier durch eine Preß-
kampagne gegen die Ausfuhr von Kunftwerken
aus Spanien wachzurufen. Doch felbft wenn
ihm dies gelingen follte und wenn fein Minifte-
rium dem Anfturm aller konfervativen und kle-
rikalen Elemente längere Zeit widerftehen follte,
das klare Rechtsverhältnis wird er nicht ver-
drehen können. Wir hoffen daher, das Bild, das
bisher ganz unbekannt war, recht bald in der
Berliner Galerie bewundern zu können. Nach
der Angabe des Figaro foll es fich um ein dem
Portinari-Altar, in Umfang freilich nicht gleich-
ftehendes, in Farbenpracht und Erhaltung aber
überlegenes Altargemälde handeln.

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