Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SPRECHSÄÄL o VERMISCHTES

breit erfcheint, mit knollenartigen Ausbuchtungen
an beiden Seiten. Befonders deutlich wird diefe
eigenwillige Übertreibung der natürlichen Form
da, wo der Fuß in einem weichen faltigen
Schaftftiefel fteckt. Ich glaube, wer fich einen
folchen Fuß einmal genauer angefehen hat, ver-
gißt ihn nicht fo leicht wieder. Nun darf man
wohl annehmen, daß diefer mittelrheinifche
Künftler auch noch andere Werke, Holzfchnitte,
Zeichnungen, vielleicht auch Gemälde hinter-
laffen hat, auf denen diefelben eigenartigen
Fußformen, diefelben fprechenden Beinftellungen
wiederkehren, wie auf meinen Durchzeichnungen.
Jedenfalls wäre es nicht unwichtig, und ich möchte
Sie dazu anregen, durch eine Umfrage bei den
Kennern der deutfchen Kunft des XV. Jahr-
hunderts feftzuftellen, ob einem von ihnen diefe
Formen fchon einmal begegnet find, ob er viel-
leicht gar einen beftimmten Meifter nennen
könnte, zu deffen Äusdrucksmitteln fie gehören.
Wenn dann vielleicht ein halbes Dußend, oder
wären es auch nur zwei oder drei, unabhängig
voneinander, auf die Frage im wefentlichen in
derfelben Weife antworteten, fo wäre eine der-
artige Übereinftimmung zunächft ein neuer er-
freulicher Beweis für die Brauchbarkeit der von
Morelli begründeten Kennzeichenlehre, der die
Wiffenfchaft fchon fo manche wichtige Ent-
deckung verdankt, und ferner würde fie viel-
leicht zur Folge haben, daß man den Verfuch
machte, die Holzfchnitte, von denen ich Ihnen
nur eine Sammlung von Bruchftücken vor Äugen
führen konnte, als Grundlage für weitere For-
fchungen insgefamt zu veröffentlichen.“

Nachschrift der Redaktion. Wir geben dieser
Umfrage um so lieber Raum, als wir hoffen
dürfen, zahlreiche Äußerungen von Fachgenossen
zu der ebenso interessanten wie geheimnisvollen
Fragestellung zu erhalten. Die Antworten, die
eventuell unter Chiffre abgefaßt sein können, sollen
an dieser Stelle mitgeteilt werden. Der Schluß-
termin für alle Zuschriften in dieser Sache ist
der 24. Februar.

VERMISCHTES

BERLIN Äuf Veranlaffung Paul Caffirers wird
Anfang Februar in den Räumen der Sezeffion
eine retrofpektive Anstellung von Gemälden
ungarifcher Maler eröffnet. Vertreten fein
werden Munkäcfy, Laszlo Paal und andere
Künftler der leßten 50 Jahre. Einige der Bilder
werden aus ungarifchem Staatsbefiß leihweife
der Ausftellung übergeben werden. B.

FELTRE Durch die italienifcbe Preffe geht
die Nachricht, daß aus der Pfarrkirche von Caupo
bei Feltre eine Paia Pietro Luzzos, genannt Morto
da Feltre, entwendet worden fei. Das Bild, das
die Madonna zwifchen den Heiligen Vitus und
Modeftus vor landfchaftlichem Hintergrund dar-
ftellt, wird von Don Antonio Vecellio (1 pittori
feltrini, p. 108) und G. Ludwig (Jahrb. d. Preuß.
Kunftfmlgn. XXVI. Beiheft, p. 96) nicht Pietro,
fondern Lorenzo Luzzo, der wohl deffen Bruder
war, zugefchrieben. Von Lorenzo Luzzo befindet
fich im Provinzialmufeum zu Bonn eine große
thronendeMadonna mit dem Kinde zwifchen zwei
Heiligen, die für S. Stefano zu Feltre gemalt
worden ift. Das in Caupo entwendete Bild ift
auf Leinwand gemalt und mißt etwa 21/., m in
der Höhe, 1,10 m in der Breite. H.

MÜNCHEN Mit Unterftüßung des Minifte-
riums hatte das kgl. Generalkonfervatorium der
Kunftdenkmale und Altertümer Bayerns im Stu-
diengebäude des alten Nationalmufeums eine
Ausftellung vonKopien alter Wandmale-
reien veranftaltet, von denen die meiften für
Schulzwecke angefertigt worden find. In vier
Sälen find Wanddekorationen aus drei Jahrhun-
derten zufammengebracht, von den Fresken des
Mantegna im palazzo ducale in Mantua ange-
fangen bis zu den chinefifchen Kunftfchnörkeln
in dem Hinterzimmer der Ämalienburg in Nym-
phenburg. Die Äusftellung gab hocherfreuliche
Gelegenheit, nicht allein zu der Betrachtung eines
ausgezeichneten und fyftematifch zufammenge-
brachten Materiales, vor allem zu der Möglich-
keit, intereffante Vergleiche zu ziehen, wie ein
und dasfelbe Motiv an verfchiedenen Orten zur
nämlichen Zeit verwertet worden ift.

Die Stadt München hat von dem Hoffchau-
fpieler Alois Wohlmuth eine liebevoll gefam-
melteÄnzahl von Studien und Skizzen Münchener
Künftler zum Gefchenk erhalten. Darunter be-
finden fich faft fämtliche berühmten Münchener
Meifter feit der Mitte des vergangenen Jahr-
hunderts. Wo die Sammlung, die aus über
250 Stücken befteht, untergebracht werden foll,
ift noch nicht befchloffen. Das Gebäude der
Maillinger-Sammlung ift bereits zu voll, und
gegen die Unterbringung in dem von Gräffel zu
erbauenden Verwaltungshaufe des Münchener
Touring-Klub am Sendlingertor machen fich mit
Recht Stimmen geltend.

Der Bildhauer Hermann Hahn (in den Tages-
zeitungen ift verfehentlich ein anderer Name ge-
nannt worden) hatte den Auftrag erhalten, die
Büfte Moltkes zur Aufteilung in der Walhalla

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