Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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STATTGEHABTE AUKTIONEN ° KLEINE NACHRICHTEN

ftätte von L. Limofin, Jupiter nähert fich Älcmene,
die Herkules hält (verl. 8000 fs.) an Herrn Bous-
quet: 6100 fs.

Bronzegegenftände. Nr.81. Antike Statue,
Der Genius der Komoedie (verl. 2000 fs.) an Herrn
Ducrey: 8500 fs.; Nr. 86. Büfte, italienifche Ar-
beit aus dem Ende des 15. Jahrh.. Julia mit einer
Kopfbedeckung in Form eines Sißpolfters (verl.
10 000 fs.) an Herrn Hamburger: 20050 fs.;
Nr. 89/90. Florentinifche Statue des 16. Jahrh.
nach Jean de Bologne, Venus nach dem Bade.
Desgl., Herkules ftehend (verl. 8000 fs.) an Herrn
Bousquet: 27500 fs.; Nr. 91. Statue in Bronze,
Amor nackend, rittlings auf einem Pferde (verl.
8000 fs.) an Herrn Hamburger: 30100 fs.; Nr. 92.
Desgl., Der Genius der ewigen Ruhe (verl. 8000 fs.)
an Herrn Ducrey: 13000 fs.; Nr. 93. Desgl., Das
Kind mit dem Schmetterling (verl. 25000 fs.) an
Herrn Ducrey: 23500 fs.; Nr. 94. 4 Statuetten,
florent. Arbeit, 16. Jahrh., Tritonen auf Mufcheln
blafend (verl. 20000 fs.) an Herrn Böhler: 18000 fs.;
Nr. 98/99. 2 Statuetten, Epoche Ludwig XIV.,
Bacchus und Venus ftehend (verl. 15000 fs.) an
Herrn Ducrey: 15000fs.; Nr. 100. Gruppe, Epoche
Ludwig XIV., Apollo verfolgt Daphne in einen
Lorbeer verwandelt (verl. 15000 fs.) an Herrn
Ducrey: 22000 fs.

Vitrinengegenftände. Nr. 102. Durchfchei-
nendes Emaillefchild auf Silber, 14. Jahrh., Die
Schädelftätte (verl. 2500 fs.) an Herrn Raßers-
dorfer: 5200 fs.); Nr. 104. Orientalifche Ächat-
fchale mit Fuß, emaillierte Goldfaffung, 16. Jahrh.
(verl. 10000 fs.) an Herrn Hamburger: 12050 fs.;
Nr. 105. Kleine eierförmige Vafe, in jaspisfarb.
Achat, 16. Jahrh. (verl. 500 fs.) an Herrn Stet-
tiner: 3900 fs.; Nr. 107. Schale in Form einer
Mufchel, Faffung in Gold und Juwelen (verl.
5000fs.) an Herrn Raßersdorfer: 8000 fs.; Nr. 108.
Bonbonniere in altem Meißner Porzellan mit
Blumen verziert, auf der Riickfeite des Deckels
Venus und Amor, Goldfaffung, Ep. Ludwig XV.
(verl. 3000 fs.) an Herrn Bousquet: 6050 fs.;
Nr. 110. Runde Bonbonniere, Verzierung nach
Boucher, Hirt und Hirtin und Dudelfackpfeifer
mit Hund, Epoche Ludwig XV. (verl. 5000 fs.)
an Herrn Ducrey: 6800 fs.; Nr. 112. Bonbonniere,
in emailliertem Golde, Seelandfchaft mit Per-
fonen, nach Vernet, 18. Jahrh. (verl. 15000 fs.)
an Herrn Ducrey: 20000 fs.; Nr. 115. Grüne
Jaspisfchale, Faffung in zifelierter und vergoldeter
Bronze, Rand der Schale von Schlangen um-
geben, Epoche Ludwig XVI. (verl. 300 fs.) an
Herrn Bousquet: 6150 fs.

Verfchiedene Gegenftände. Nr. 420. Ge-
betbuch, Manufkript in 8°, auf Velin des 15. Jahrh.,
108 Blatt. 17 große gemalte Änfangsbuchftaben
mit kleinen Zeichnungen, und auf jedem Blatt

ausgemalte Buchftaben (verl. 12000 fs.) an Herrn
Hamburger: 13100 fs.; Nr. 125. Kleiner Koffer
in graviertem und vergoldetem Kupfer, mit halb
erhabenen Reliefs in Silber mit allegorifchen Fi-
guren gefchmückt.Kariatyden-Amors undFraßen-
gefichter, 16. Jahrh. (verl. 10000 fs.) an Herrn
Ducrey: 14000 fs.

KLEINE NACHRICHTEN

LONDON Der Fall Dickins contra
Messrs. Chriftie, von dem fchon einmal
die Rede war, ift nunmehr durch den Richter-
und Gefchworenenfpruch nach einer langen,
manche feltfamen Schlaglichter auf das Gehaben
im englifchen Kunfthandel werfenden Verhand-
lung entfchieden worden. Die Gefchworenen
erkannten für Recht, daß Messrs. Chriftie der
Nachläffigkeit in der Bearbeitung des Äuktions-
katalogs fchuldig feien. Chrifties hatten z. B.
nach eigenem Geftändnis einige Bilder minder-
wertiger Stücke der großen Porzellan fammlung
in den Katalog mit aufgenommen, um aus-
wärtige Händler dadurch anzulocken, die fich
natürlich von der Qualität der Stücke aus diefen
Abbildungen nicht überzeugen konnten. Sie
kamen deswegen alfo auch nach London, wur-
den dort felbftverftändlich arg enttäufcht und
kehrten dem Verkauf entweder ganz den Rücken
oder aber wollten im einmal erregten Mißtrauen
auch für die echten Stücke keine hohen Summen
mehr bieten. Ein auswärtiger Zeuge (aus
Hamburg) fagte denn auch ganz entfchieden aus,
daß diefes Vorgehen ficherlich das Refultat der
Auktion im fchlimmen Sinne beeinflußt habe.
Englifche Zeugen allerdings, von den Beklagten
zu Hilfe gerufen, erklärten, ein folches Tun könne
keinerlei Einfluß ausüben. Die Klagepartei hatte
nun noch auf Schadenerfaß und Verurteilung
der Angeklagten zu den Koften des Verfahrens
beantragt. Da aber kein pofitiver Verluft nach-
weisbar war, wurde der Antrag auf Schaden-
erfaß abgewiefen und Messrs. Chriftie nur die
Koften des Verfahrens infoweit auferlegt, als
die Kläger ihre Klage erfolgreich durchgeführt
hatten. Messrs. Chriftie hatten ihrerfeits auf
Freifprechung plädiert und auf den Richterfpruch,
daß die Klage überhaupt nicht vor den Gerichts-
hof gehört hätte. Der Richter aber tat den aus-
drücklichen Spruch, daß die Klage eine vollbe-
rechtige gewefen fei und vor den Gerichtshof
gehört habe. Das Verfahren ift alfo keineswegs
zugunften Chrifties ausgegangen, wenn fie auch
keinen Schadenerfaß zu leiften haben. Aus-
wärtige Händler und Sammler aber werden
aus diefem Vorkommnis ihre Schlüffe zu ziehen
wiffen. F.

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