Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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PERSONALIEN o VERMISCHTES

fchluß derStadtvätervonParefuIa ift mit beson-
derer Freude zu begrüßen, — wird im zweiten
Stockwerk des ehemaligen Klofters San Fran-
cesco eine kleine Gemäldegalerie eröffnet wer-
den, die fich aus den bisher in Kirdien zerftreuten
Bildern Crivellis, Lorenzos da Sanfeverino,
Ändreas da Bologna und Lattanzio Paganis zu-
fammenfeßt. Auch der wichtige, noch heute
im Befiß der Familie befindliche literarifche Nach-
laß Lanzis wird nebft alten Pergamenten aus
dem Stadtarchiv in dem Mufeo Luigi Lanzi
Aufnahme finden. W. B.

BERLIN Der bekannte Münchner Bildhauer
und Zeichner Jofeph Wackerle ift als Lehrer
für dekorative Plaftik an die Unterrichtsanftalt
des Kunftgewerbemufeums berufen worden.

HEIDELBERG Mit dem Winterfemefter
diefes Jahres tritt Henry Thode von feinem
Lehramte an der Ruprecht-Carls-Univerfität zu-
rück. Mit ihm fcheidet eine der markanteren
und eigenartigften Perfönlichkeiten aus der Reihe
der deutfchen Universitätslehrer. Thodes erfte
Studien galten den Grundlagen der Renaiffance;
fie bereicherten die Kunftwiffenfchaft (und nicht
nur diefe) um eine Reihe tiefer und originaler
Gedanken und Forfchungen. Ein weiteres Haupt-
werk Thodes galt der Aufhellung der älteren
nürnbergifchen Malerei, daneben feßte er feine
Untersuchungen über die italienische Kunft fort,
denen wir Monographien über Mantegna, Cor-
reggio und Tintoretto, fowie ein mehrbändiges
Werk über Michelangelo verdanken.

Für Thodes durchaus felbftändige Stellung zu
der neueren Kunft ift fein Eintreten für Hans
Thoma bezeichnend, mit dem er durch gemein-
same kulturelle Überzeugungen immer enger
verknüpft wurde.

Thode wirkt an der Heidelberger Hochfchule
feit 1894; einen beim Tode Herman Grimms
an ihn ergangenen Ruf nach Berlin lehnte er ab.

Prof. Carl Neumann-Kiel hat die an ihn er-
gangene Berufung als Nachfolger Thodes ange-
nommen.

MÜNCHEN An der technifchen Hochfchule
hat fich Dr. Jofef Popp mit einer Vorlefung
über die camera degli sposi von Mantegna als
Privatdozent für Kunftgefchichte habilitiert.

DemDirektor der kgl.Galerien,Dr.vonTfchudi,
ift das Offizierskreuz des Verdienstordens vom
hl. Michael verliehen worden.

PÄRIS Maurice Prou wurde am 11. März
zum Mitglied der Academie des Inscriptions et
Belles-Lettres gewählt. Maurice Prou, einer
der feinsten, gründlichsten und liebenswürdigsten

Gelehrtenköpfe des neuen Frankreichs, hat auch
in Deutfchland zahlreiche Freunde, fo daß feine
Wahl auch in unferem Lande ein freundliches
Echo finden wird. Er ift am 28. Dezember 1861
in Sens geboren und ftudierte an der Ecole
pratique des Hautes Etudes. 1884 wurde er Mit-
glied der Ecole franpaise in Rom. Fünfzehn
Jahre lang war er Konfervator des Münzkabi-
netts in der Nationalbibliothek, bis er 1899 zum
Profeffor an der Ecole des Chartes berufen
wurde. Er ift Mitherausgeber der Zeitschrift
„Le Moyen-Äge“, feit 1891 Mitglied der
Societe des Äntiquaires de France, zu deren
Vorftand er feit einer Reihe von Jahren gehört.
Gleichzeitig ift er im Vorftand der section
d’archeologie du comite des travaux hiStoriques.
Bekannt ift fein Katalog der franzöfifchen
Münzen zur Zeit der Merovinger und Karo-
linger in der Nationalbibliothek fowie feine
Gefchichte des merovingifche Galliens und eine
Sehr Stattliche Reihe von Spezialftudien. 0. G.

ROM Statt des aus der KommiSfion für die
passeggiata archeologica ausgetretenen Giacomo
Boni hat der Minifter für Unterricht den her-
vorragenden Topographen des alten Rom, Ro-
dolfo Lanciani, zum Mitgliede diefer Kom-
miffion ernannt. Wir fürchten, daß er zu fpät
kommt, um diefem in der Idee großen, aber in
der bisherigen Durchführung unrichtig erfaßten
Unternehmen noch von Nußen fein zu können.

L. P.

SCHWERIN Dr. W. JoSephi, bisher am
Germanifchen Mufeum zu Nürnberg tätig, ift
zum Nachfolger Ernft Steinmanns an der hiefigen
Galerie beftimmt worden und wird feine neue
Stellung von 1911 an bekleiden, nachdem Stein-
mann die von ihm begonnene Neuordnung des
Mufeums vollendet haben wird.

Dr. Jofephi ift in weiteren Kreifen alsVerfaffer
von Arbeiten über altdeutfche, Speziell Äugs-
burgifche Plaftik bekannt.

VERMISCHTES

VON DEN BAYRISCHEN MUSEEN

Unter diefem Schlichten Titel veröffentlichen die

M. N. N. (Vorabendblatt zum l.März) einen ge-
fchickten und fehr kenntnisreichen Artikel, der
nichts anderes als die Schaffung eines „moder-
nen“ Nachwuchfes von Mufeumsbeamten fordert
und fonft Wünfche ausfpricht, die dem weiter
blickenden Kenner fchon feit mindeftens zehn
Jahren als notwendig zu erfüllende Bedingungen
für eine glückliche Fortentwicklung der bayrifchen
Mufeumsverhältniffe fich kundgaben. Der unge-
nannte Verfaffer diefes Artikels weift auf zwei

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