Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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KLEINE NACHRICHTEN

KLEINE NACHRICHTEN

* Aus Stockholm wird uns gefchrieben:
Hier befteht unter dem Namen „Svenska
Konftfamlareföreningen“ ein Verein fchwe-
difcher Sammler, der für manche Städte vor-
bildlich fein könnte. Der Verein verfolgt den
Zweck, den Mitgliedern beim Einkauf älterer
Kunftwerke mit Gutachten zur Seite zu ftehen,
von Zeit zu Zeit Ausheilungen von Neuerwer-
bungen der Mitglieder zu veranftalten, den aus-
wärtigen Kunftmarkt zu beobachten und vor
allen Dingen nach folchen Gegenftänden zu fahn-
den, deren Erwerbung fpeziell für Schweden von
Intereffe fein könnte. Es find ihm deshalb Äuk-
tionskataloge fowie direkte Angebote von Händ-
lern und Sammlern jederzeit gern erwünfcht.
Der Verein verfehlt nicht, auch felbft als Käufer
aufzutreten, da er regelmäßig zur Verlofung
Werke alter Kunft erwirbt. Er betreibt außer-
dem in Form einer befonderen Gefellfchaft m.b.H.
kunfthändlerifche Gefchäfte und vermittelt den
An- und Verkauf alter Kunft.

Wie uns ferner mitgeteilt wird, erkennt der
Verein im „Cicerone“ fein befonderes Organ,
das feinen Intereffen vortrefflich dient. Es liegt
nicht nur in allen feinen Lokalen auf, fondern
der Verein hat die Anfchaffung der Zeitfchrift
auch den Mitgliedern längft empfohlen.

Wir verweifen fpeziell die deutfchen Sammler
und Händler auf diefe Vereinigung, die eben fo
fehr die ideellen wie praktifchen Intereffen pflegt.
Unter den Mitgliedern der Direktion nennen wir
folgende Namen: Graf Ä. de Lewenhaupt (Prä-
fident), Baron Ä. de Lagerbielke (Vizepräfident),
Graf C. de Lagerberg, Prof. 0. Björck, Baron
C. d’Ugglas, H. Heurlin, J. Löfgren (Sekretär),
0. Meyerfon u. a.

* Der Katerpokal der Familie Teßel,
jener berühmte Silberpokal in Geftalt eines
fchreitenden Katers, der bisher Eigentum der
von Teßelfchen Familienftiftung in Nürnberg war,
ift kürzlich in den Befiß der Frankfurter Hof-
antiguarej. &S. Goldfchmidt übergegangen.
Man hatte das prachtvolle Stück zum erftenmal
in der Nürnberger Ausheilung von 1906 ge-
fehen, und damals hat es die lebhafte Bewun-
derung aller Freunde alter Kunft erregt. Es gilt
als Unikum und darf feiner Seltenheit wie feiner
Qualität wegen in der Gefchichte der deutfchen
Metallkunft einen befonderen Plaß beanfpruchen.
Die Nürnberger Familie Teßel führte einen Kater
im Wappen, und diefer Tatfache entnahm der
Künftler die Idee zu feinem Familienpokal. Hof-
fentlich bleibt diefes Stück deutfchen Kunftge-
werbes dauernd Deutfchland erhalten.

* Aus dem „Deutfchen Reichsanzeiger“ fei ohne
weiteren Kommentar folgender Bericht des kaifer-
lichen Konfuls in Florenz wiedergegeben:

Das Kunfthandwerk und der Kunfthandel ift
von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen. Nach-
dem der Ausfuhr antiker Kunftwerke von feiten
der Regierung immer mehr Schwierigkeiten in
den Weg gelegt werden und der Beftand auch
immer mehr abnimmt, find in Florenz felbft in
großer Anzahl Kunftwerkftätten entftanden, in
denen meifterhaft imitierte alte Gegenftände an-
gefertigt werden. Befonders in der Herftellung
alter Möbel und Rahmen haben es die hiefigen
Handwerker zu einer ungewöhnlichen Meifter-
fchaft gebracht. Altes, wurmftichiges Holz ift
ein gefuchter, gut bezahlter Handelsartikel ge-
worden.

Leider werden derartige Fabrikate immer mehr
als wirklich alt angeboten und ftark überzahlt,
und erft fpäter (teilt fich der Betrug heraus.
Reklamationen, auch wenn mit Vermittlung des
Konfulats eingebracht, haben im beften Falle
den Erfolg einer geringfügigen, in keinem Ver-
hältnis zu der Überforderung ftehenden Rück-
vergütung auf den meiftens fchon im voraus
bezahlten Kaufpreis. Der Verkäufer beruft fich
in allen vorgekommenen Fällen darauf, daß auf
der Rechnung nichts von „garantiert alt“ oder
„antik“ bemerkt worden fei, daß der Preis den
Liebhaberpreis eines Kunftgegenftandes vor-
ftelle ufw. Mündlich ift jedoch die Echtheit mit
allen Beteuerungen verfichert worden.

Ein von Antiquaren viel angewandter Trick,
um Kaufliebhaber irrezuführen, ift der, fie in
irgend einen alten Palazzo zu führen und dort
Kunftgegenftände vorzuzeigen, die eine altadelige
Familie diskret zu verkaufen fuche.

Es ift nicht genug zu warnen vor den Be-
trügereien, die in diefem Handel ftattfinden.
Antiquare, die den Konfulaten nicht als ehrlich
bekannt find, füllten vorfichtig gemieden werden.

Die Ausfuhr von Kunftgegenftänden und An-
tiquitäten im Jahre 1909 betrug:

Malerei Skulpturen

Stück Wert Lire Stück Wert Lire

Kunftwerke} 3395 871 070 13549 2 275 695

Antiquitäten 468 84 907 36 45 950

andere Kunßwerke
Stück Wert Lire

moderne Kunftwerke . . 33182 2111 875

Antiquitäten. 2 377 154 296

Die vorftehenden Werte find die bei der Aus-
fuhr von der Galeriedirektion abgefchäßten, doch
befißen die einzelnen Gegenftände etwa den drei-
fachen Verkaufswert.

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