Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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EIN UNBEKANNTER BEUKELÄÄR

Mit 2 Abbildungen

JOACHIM BEUKELÄÄR, DieKöchin

Daß große, entfcheidende Entwicklungsgänge
fich auf fcheinbar wenig bedeutende Anfänge
zuriickverfoigen laffen, ift eine jener Tatfadien
der Kunftgefchichte, die in neuerer Zeit unfer
befonderes Intereffe erregen. So hat die pracht-
volle, in ihrer Art unvergleichliche Stillebenkunft
der Jan Fyt, Snyders, Pieter Boel, der Holländer
Kalf, Heda, Beijeren ihren befcheidenen Aus-
gangspunkt in der nicht genialen, aber tüchtigen
und ehrlichen Kunftweife des Pieter Aertfen und
Teines Nachfolgers Joachim Beukelaar gehabt.

Ihren Werken hat die Kunftgefchichtsfchreibung
fich neuerdings mit befonderem Intereffe und
Erfolge zugewandt. Man erkannte zunädift den
hiftorifchen, entwicklungsgefchichtlichen Wert
diefer Gruppe, und hiermit war von felbft eine
neue künftlerifche Bewertung ihrer künftlerifchen
Bedeutung angebahnt.

Wien, Kunfthirtorifches Hofmufeum

Das Küchenbild des Beukelaar, das wir heute
veröffentlichen, ift intereffant wegen der nahen
Verwandtfchaft mit einer neueren Erwerbung
der Wiener Mufeen, die wir der Tafel gegen-
übergeftellt haben, um den genauen Vergleich
zu ermöglichen. Die entfcheidende Verfchieden-
heit beruht in der Veränderung des Typus und
des Halskragens, die für das Wiener Exemplar
wohl die Priorität fichern dürfte.

Im Hintergrund ift die Szene dargeftellt, wie
Maria auf die Worte Jefu laufcht. Die Vorder-
grundpgur wäre demnach eigentlich Marias
Schwefter Martha — eine eigentümliche Doppel-
deutigkeit, die uns klar zu erkennen geftattet,
wie fich das Profane nur vorfichtig aus dem
Deckmantel des Religiöfen hervorwagt.

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